„Echt stark!“ Ein Resümee meiner ersten eigenen Blogparade

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Ich bin beeindruckt. Gerührt (das auch). Fasziniert und stolz: was für eine Resonanz auf meine erste selbstgestartete BLOGPARADE!

Was ist echte Stärke für dich?

Für meinen Aufruf zur Blogparade habe ich die bisher mit Abstand meisten Reaktionen und Kommentare auf meiner Seite erhalten. Und eigentlich jeder „Antwortartikel“, der mich erreicht hat, ist es wert, dass ich ihn an dieser Stelle noch einmal erwähne und damit vielleicht weitere Leser/innen auf ihn aufmerksam mache. Also los!

1) Tilmans Site

Als erster Beitrag erreichte mich nach wenigen Stunden eine, für Tilman typische, Mischung aus knappem Text und ausdrucksstarkem Bild. Sehr schön: seht selbst!

2) Lydias Welt

„Lydias Welt“ als Autorin mit arabischstämmigem Hintergrund, zweifache Mutter und engagierte Bloggerin, die in ihren Texten ihr Leben mit einer starken Seheinschränkung beschreibt, ist für mich selbst beeindruckend und faszinierend. Ihr Beitrag zum Thema „Stärke“ war es auch. Hier findet ihr ihn.

3) kommunikatz

Über Lydia fand Lea zu meiner Seite und beteiligte sich an der Blogparade. Ihr Beitrag berührte mich, da sie darin in sehr persönlicher Weise eigene Schwäche(n) darstellt – und gerade darin die Möglichkeit zu echter Stärke aufzeigt. Ihren Text findet ihr hier.

4) Getrenntmitkind

Christina kenne ich, anders als die drei bisher genannten Autor/innen, persönlich: wir haben vor etwa einem halben Jahr einen Stammtisch für Getrennt- und Alleinerziehende ins Leben gerufen, über den ich auch hier im Blog schon ein paar Mal geschrieben habe. Ihre klugen und ermutigenden Worte findet ihr hier.

5) Mein schönes Leben

Anna kannte ich noch nicht, aber mir fiel sofort die herzliche Art auf, mit der sie mich in ihrem Kommentar anschrieb. In ihrem Blog gibt sie ganz handfeste Tipps für mehr (innere und äußere) Sortiertheit im Leben – kann nie schaden, finde ich! Ihren inspirierenden Blogbeitrag findet ihr hier.

6) Dresden Mutti

Nadine, zweifache Mutter und kluge, reflektierte Bloggerin aus Dresden (die es davor jahrelang ins Rheinland verschlagen hatte) beleuchtet in ihrem Text noch einmal eine andere Seite „echter Stärke“, nämlich, dass sie meist gerade dann gefordert ist, wenn sich das Leben nicht von seiner „besten Seite“ zeigt. Lest hier!

7) Das tägliche Gruseln

Ina antwortete mir wie Tilmann schon bald nach Erscheinen meines Artikels und fand sich in meinen Worten wohl direkt wieder. Ihre eigenen – inspirierenden – Worte findet ihr hier.

8) Frau Sabienes

Sabienes Text könnte man in jedem Ratgeber abdrucken. Sie beschreibt echte Stärke als Resilienz, seelische Widerstandskraft, und nennt gleich mehrere „Mantras“, die helfen können, diese zu erreichen. Ebenfalls sehr lesenswert! Ihren Artikel findet ihr hier.

9) Charlottes Adoptionsblog

Charlotte schließlich antwortete mir kurz vor Ende meiner Blogparade, was mich sehr freute, da ich ihren Blog schon seit einiger Zeit verfolge und ihre Sicht auf die Welt oft inspirierend finde. Sie beschreibt in ihrem Artikel u.a. die Stärke ihrer beiden (adoptierten) Kinder. Ihren berührenden Beitrag findet ihr hier.

10) Schutzgarten

Auch Manja entschloss sich „kurz vor Schluss“ zu einem Beitrag. Ihr Text beschreibt sensibel und facettenreich verschiedene Formen von Stärke wie z.B. die Fähigkeit bewusst zuzuhören und dabei die eigenen Grenzen gut zu wahren oder als Elternteil mit hochsensibler Wahrnehmung gut für sich zu sorgen. Lest ihren Artikel hier!

Neben diesen zehn tollen Blogbeiträgen erreichten mich mehrere Kommentare, die in ihrem Umfang und Gehalt teilweise auch Beitragsqualität hatten. Danke an Wortmann, Nora, und Hannah: Eure Worte klingen noch in mir nach!

Der Austausch soll weitergehen!

Daher möchte ich an dieser Stelle meinen Wunsch äußern, dass diese Form des anregenden und bereichernden Austauschs auf meiner Seite keine einmalige Sache bleiben möge! Also, falls ihr mögt, abonniert meinem Blog (z.B. über den „Folgen“-Button auf der Startseite), so dass ihr über weitere Artikel in Zukunft per Mail informiert werdet, beteiligt euch über die Kommentarfunktion am Austausch über meine Texte und erzählt gern weiter, wo und wie meine Seite zu finden ist!

Schwarz als Mischung vieler Farben

Beenden möchte ich diesen Artikel mit den klugen Worten meiner Leserin Hannah. Sie schrieb in ihrem Kommentar:

“Stärke heißt für mich, im Schwarzen eine Mischung vieler Farben sehen zu können“.

Ursprünglich hatte ich meinen Blog begonnen, um einen Gegenpunkt zu der Entmutigung und auch Hilflosigkeit zu setzen, die ich als frisch getrennt lebende Mutter eines kleinen Sohnes zuweilen empfand. Daraus ist inzwischen ein Projekt voller Leben und ein Ausdruck meiner eigenen inneren Stärke geworden! Mehrere Türen, auch außerhalb der Bloggerwelt, haben sich für mich dadurch bereits geöffnet. Ich bin gespannt und voll freudiger Erwartung, in welche Richtung sich mein Leben und auch mutter-und-sohn.blog weiter entwickeln wird!

Herzliche Grüße, Sunnybee

PS. Zum Weiterlesen:

NEU: Flüsterpost – Mach mit! (bis 15.12.18)

Darf ich als Mutter (eigene) Ziele haben?

Bei Netto an der Kasse: Was ich heute beim Einkauf lernte

 

 

 

 

NEU: Flüsterpost – Mach mit! (bis 15.12.18)

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WIE GEHT’S ?

1) Frage schicken

Du schickst mir eine Frage, die dir auf den Nägeln brennt und die im weitesten Sinn etwas mit den Themen meines Blogs (Mutter – berufstätig – alleinerziehend – kreativ) zu tun hat.

Wie erreichst du mich?

Über das Kommentarfeld unter diesem Artikel oder per Mail über kontakt[at]mutter-und-sohn.blog.

2) Meine Antwort an dich

Ich schreibe einen Blogartikel mit meiner Antwort zu deiner Frage. In meinem Artikel verweise ich auf dich und deinen Blog.

3) Dein Kommentar

Du kommentierst meine Antwort mit einem eigenen Artikel in deinem Blog und erwähnst darin unseren Ideen (Aus-) Tausch. Den Link zu deinem Artikel schreibst du als Kommentar unter meinen Blogbeitrag.

Ein bisschen wie bei einer Blogparade, nur hast DU dabei die Möglichkeit, das Thema unseres „Blog-Gesprächs“ zu bestimmen.

Lust, mitzumachen? Dann schreib mir deine Frage bis zum 15.12.2018.

Ich bin gespannt!🙂

Herzlichen Gruß, Sunnybee

 

Bei Netto an der Kasse: Was ich heute beim Einkauf lernte

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Ist euch aufgefallen, dass jede Supermarktkette ihre ganz eigene Kundschaft zu haben scheint?

Während im Bio-Supermarkt bürgerliche Muttis Aronia-Saft und Vollkornbrezeln in den Wagen legen, versorgt sich beim Discounter schon mal der Herr in Ballonseide mit Wurst, Toastbrot und Schnaps. Vor Jahren hat mich diese Beobachtung sogar zu einem Gedicht angeregt: 

„Abgelaufene Sohlen / gibt’s nicht zu Sanddornsaft

Im Bio-Laden will / Bio-Kind / Bio-Wurst / von garantiert glücklichen Rindern.

Gegenüber

Polyesterstoff über / groben Poren –

Armut zeigt sich / nicht nur in den Taschen.“

Klischee und Vorurteil

Aber wie immer bei Verallgemeinerungen ist der Weg zum Vorurteil nicht weit. Das merkte ich heute, als ich bei Netto mit der Dame an der Kasse ins Gespräch kam. Ausnahmsweise kaufte ich außerhalb der Stoßzeiten ein, sonst hätten wir uns sicher nicht unterhalten können. Denn die Besetzung scheint dort so knapp kalkuliert zu sein, dass neben dem Einräumen der Waren immer maximal zwei Kassen bedient werden. Ist viel los, wartet die Kundschaft eben – und die Damen und Herren an der Kasse schuften im Akkord. 

So aber kam ich, wie gesagt, mit der Kassiererin ins Gespräch. Ich hob beim Bezahlen noch Geld ab, ein Service, den inzwischen ja viele Supermärkte bieten. Die Kassiererin erzählte mir daraufhin, dass sie kürzlich in Italien gewesen sei und das Abheben am Geldautomat dort 6€ gekostet habe. Das fand ich noch nicht ungewöhnlich. Sie wollte aber offensichtlich darauf hinaus, dass die Infrastruktur in Italien nicht (mehr) gut funktioniere. Ich fragte sie, ob sie selbst aus Italien komme und sie bejahte das: Sie sei aus Sizilien nach Deutschland eingewandert und froh, hier zu sein. Überhaupt fänden die jungen, gut ausgebildeten Menschen in Italien keine Arbeit mehr, würden dann z.B. nach Deutschland auswandern,  während wiederum andere Einwanderer in Italien ihr Glück suchten, weil es ihnen in ihren Heimatländern noch elender ginge. 

Globalisierung und Flüchtlingskrise

Während ich meine Einkäufe in die Taschen räumte, waren wir unvermittelt in ein Gespräch über die europäische Wirtschafts- und Flüchtlingskrise und die Folgen der Globalisierung vertieft.

Ich staunte – und verließ den Laden an diesem Tag sehr nachdenklich: Hatte ich tatsächlich geglaubt, nur wer „nicht viel aus seinem Leben mache“ und sich für wenig interessiere, lande im Supermarkt an der Kasse? Autsch – Vorurteil!… Vor allem aber verdeutlichte mir die kurze Begegnung eins: was für ein Zufall – und welches Glück – ist es, dass ich und mein Kind auf der „sonnigen Seite“ der Welt geboren wurden. Sonst säße ich – auf der Suche nach einer bezahlten Arbeit, oder gar auf der Flucht vor Gewalt und Unterdrückung – vermutlich jetzt selbst in einem fremden Land an der Kasse – und zahlte dort nicht mein Biobrot. 

Herzliche und nachdenkliche Grüße, Sunnybee

Darf ich als Mutter (eigene) Ziele haben?

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Vor kurzem habe ich einen sehr interessanten Blogartikel einer jungen Mutter aus Dresden gelesen (Dresden Mutti), die sich darin fragt: Darf man als Mutter eigentlich noch (eigene) Ziele verfolgen – und wenn ja, welche? 

Ich würde die Frage definitiv mit JA beantworten, würde sogar sagen, ein Mensch, der keine eigenen Ziele verfolgt, verliert sich ein Stück weit selbst. Wobei die eigenen Ziele ja durchaus auf das Wohlergehen anderer ausgerichtet sein können, also nicht egozentrisch – oder gar egoistisch motiviert – sein müssen. 

Ich verrate hier mal ein paar meiner Ziele: 

  1. Ich möchte dafür sorgen, dass der Stammtisch für Getrennt- und Alleinerziehende, den ich gemeinsam mit Christina von getrenntmitkind.de initiiert habe, weiter besteht und in regelmäßigen Abständen stattfindet, so dass sich immer wieder Menschen davon angesprochen fühlen und neu dazu kommen. Wenn du mehr darüber wissen willst, schreib mir an kontakt[at]mutter-und-sohn.blog.
  2. Ich möchte beruflich mehr Kontur gewinnen als (momentan) in Teilzeit beschäftigte Lehrerin und Mutter, was definitiv etwas anderes ist, als Vollzeit und ohne Kind berufstätig zu sein. Ich möchte für mich klären, wie genau der berufliche Rahmen aussehen soll, in dem ich in den nächsten zehn Jahren arbeiten möchte – und dann die Schritte in diese Richtung gehen.
  3. Ich möchte mir Zeit nehmen und mir (weiterhin) Freiräume schaffen für mein Kind und für meine Erholung, Entspannung und die Reflexion der Dinge, die mir widerfahren. Ebenso wie für die kleinen „Verrücktheiten“ im Alltag, für die Erwachsenen oft angeblich „die Zeit fehlt“.
  4. Ich möchte noch deutlich mehr Leserinnen und Leser für meinen Blog gewinnen – und die mir bereits gewogenen Leserinnen und Lesern zu mehr Reaktionen und Kommentaren bewegen! Dahinter steht der selbstbewusste Gedanke, dass ich mit meinen bisherigen Erfahrungen und meiner Art zu denken anderen tatsächlich etwas zu geben habe und natürlich, dass ich mich durch den Austausch über meine Texte selbst bereichert fühle. Ich möchte meinen Blog – und auch die realen Kontakte, die sich durch ihn ergeben – wirklich zu einem Raum der Begegnung, der Tiefe und des Mitgefühls machen. Ich freue mich über jede und jeden von euch, der oder die sich daran beteiligt. Tipps und Mithilfe für das (weiter) Bekanntmachen meines Blogs sehr willkommen! 🙂
  5. Ich möchte die Trennung vom Vater meines Sohnes endgültig verarbeiten und irgendwann wieder den Mut aufbringen, eine ernsthafte Beziehung zu beginnen.

Was ist die Richtung hinter meinen Zielen? 

Ziele verfolge ich aber nur in dem Maße mit Überzeugung und Motivation, wie sie sich mit dem decken, was tief in mir anklingt, was meinen wirklichen Werten und Wünschen entspricht:

Will ich helfen? Spaß haben? Suche ich Anerkennung? Möchte ich noch ein Kind? Will ich etwas erfinden, oder aufbauen, was es bisher noch nicht gibt? Suche ich Entlastung? Herausforderung? Reizt mich, was möglich sein könnte – oder möchte ich meine Beweggründe und meine Herkunft verstehen? Will ich Verletzung vermeiden – oder gar verletzen? Suche ich Kontakt und Begegnung – oder Distanz? Ist mein Handeln von Zuversicht oder von Furcht geprägt?

Das Große zeigt sich im Detail

Wer schon einmal mit einer Fähre gefahren ist, kennt sicher die Markierungszeichen entlang der Fährstrecke (Bojen oder im Meeresgrund verankerte Streben). Ich möchte diese als die Ziele beschreiben, die vor mir liegen und die ich eins nach dem anderen zu erreichen versuche. Die eigentliche Ausrichtung der Strecke, ob ich also – um in der Metapher zu bleiben – nach England oder Dänemark übersetze, bestimmt jedoch der tiefe Wunsch in mir. Wenn ich also nie an Ziel XYZ anzukommen scheine, mag ich das Ziel gar nicht falsch gewählt haben – es liegt schlicht nur nicht „auf meiner Strecke“, mein tiefer Wunsch ist also vielleicht ein ganz anderer und zieht mich ganz woanders hin. Bin ich an dieser Stelle ehrlich zu mir, erkenne ich die eigentliche Ausrichtung hinter meinen Zielen – und verstehe vielleicht auch, warum ich die einen scheinbar so leicht, die anderen trotz großer Anstrengung gar nicht erreiche.

Hast du eine solche Erfahrung auch schon gemacht? Ist dieser Text Blödsinn oder gut nachvollziehbar für dich? Ich freue mich, deine Meinung zu hören! 

Mit herzlichem Gruß, Sunnybee

PS. Danke übrigens an Silvia von vivabini für ihren Text zum Thema und den Aufruf, im Rahmen einer von ihr initiierten „Blogparade“ Texte zu der im Titel genannten Frage zu vernetzen! 🙂 In gewisser Weise beteilige ich mich jetzt auch daran, obwohl die Frist für ihre Blogparade eigentlich schon abgelaufen ist…

Chicken on Speed – Warum ich (k)ein Fan von Effizienz bin

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Kehrdienst, Gelbe Säcke, Autobahnen: Deutschland ist traditionellerweise ein Land der Struktur und Effizienz.

Ich schätze dies

a) wenn mich die Bahn pünktlich von A nach B bringt

b) wenn ich beim Arzt/Anwalt/Sachbearbeiter drankomme, ohne diesen bestechen zu müssen

c) wenn die Müllmänner morgens meinen Dreck der Woche abräumen und dabei noch ein Lächeln für meinen Sohn und mich übrig haben.

Positive Seiten der Effizienz 

Effizienz hat durchaus ihr Gutes: sie macht Abläufe und Begegnungen mit Menschen schnell, produktiv und gut einschätzbar. Eine Gesellschaft, die durch Effizienz geprägt ist, bietet im besten Fall saubere Straßen, ein funktionierendes Gesundheits- und Schulsystem, verlässlich geöffnete und nachvollziehbar arbeitende Behörden, eine Rechtssprechung, in der absehbar ist, wann und aufgrund welcher Gründe es zu einem Urteil kommt usw. Zumindest in Ansätzen profitieren wir in nice new Germany also durchaus von den Segnungen der Effizienz. 

Wo Effizienz für mich nichts zu suchen hat:

a) bei der Kindererziehung

b) bei der Partnersuche und dem Pflegen zwischenmenschlicher Kontakte (einen Artikel dazu findet ihr hier)

c) beim Essen. 

Letzteres wurde mir heute wieder einmal bewusst: 

Mittagspause: Zwischen Arbeit und Abholen meines Sohnes aus dem Kindergarten bleibt eine Stunde Zeit. Ich habe Hunger und beschließe „Asiatisch“ essen zu gehen. Aufgrund der begrenzten Zeit, die mir zu Verfügung steht wähle ich einen Schnellimbiss in der Innenstadt. 

Tja, und mir geschieht, wie ich’s verdiene…

„Rice oder Chicken?“

„Hühnchen bitte.“

„Nr. 38, Chicken. 7,50€. Nächster, bitte.“

Nachdem der Herr an der Theke meine Bestellung weitergebrüllt hat, lasse ich mich an einem der sechs langen Tische nieder, an denen bereits zahlreiche andere „Gäste“ mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind. In ihre Smartphones vertieft, schaufeln sie Hühnchen, Nudeln und Wokgemüse in sich hinein. Auch ich bekomme, kaum habe ich mich aus meinem Mantel geschält, meinen Appell: „Nr. 38!“ Kaum drei Minuten nach Bestellung steht mein Gericht auf der Theke zum Abholen bereit. Ich balanciere den Teller zurück zu meinem Platz, angle dabei nach Besteck, Pappbecher und Servierte. 

Erster Geschmackstest: nicht einmal schlecht, frisch im Wok zubereitetetes Fleisch und Gemüse mit „Sauce Einerlei“ auf Kokosmilchbasis. Mein Blick zu den anderen Essern bestätigt: es scheint zu schmecken.

Kurz nachdem ich meine Mahlzeit begonnen habe, setzen sich mir zwei junge Männer direkt gegenüber. Da die Tische etwa 50cm breit sind kommen wir uns ziemlich nahe. Das hindert die zwei nicht daran, sich nach einem raschen Blick in meine Richtung gruß- und kommentarlos mir gegenüber zu platzieren und mit dem Essen zu beginnen. Ich setze mich für meine restliche Mahlzeit um, denn wenn schon Tischnachbarn, dann zumindest welche mit Kinderstube… 

Tja, und so verlasse ich das „Lokal“ nach diesem Mittagessen zwar satt und doch mit einem seltsamen Hunger: Nach Genuss, Muße, Entspannung, vielleicht auch echter Gesellschaft – eben dem Gegenteil von Effizienz…

Wie eine ebensolche Mittagspause einmal ganz anderes verlief, beschreibe ich übrigens in meinem Artikel Kater Mau Tse-Tung. Oder: „Wenn Sie lachen, haben Sie ein wunderschönes Gesicht!“

Mich würde interessieren, wie ihr auf diese Art der „Effizienz“ im Alltag reagiert – ob sie euch stört oder ob ihr findet, dass die positiven Seiten überwiegen. Schreibt mir eure Meinung!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Mit dem Kopf durch die Wand? Wie gehe ich mit Dingen um, die ich nicht ändern kann?

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Eine Freundin von mir ist eine echte Powerfrau: „Geht nicht gibt’s nicht“, könnte ihr Lebensmotto lauten. Von ihrem äußerlich eher ruhigen und zurückhaltendem Auftreten sollte man sich nicht irreführen lassen: was sie erreichen möchte, erreicht sie (meist) auch, mit Feingefühl, Diplomatie und Beharrlichkeit. Über die Jahre hat dieser Umstand ihr Selbstbild geprägt: „Wenn ich etwas nur wirklich will, dann gelingt es mir auch“, ist ihr, grundsätzlich ja durchaus hilfreicher und positiver, Glaubenssatz. 

Was nicht passt, wird passend gemacht?

Was aber, wenn meine Freundin mit Dingen konfrontiert wird, die sie nicht ändern kann? Ich habe das kürzlich erlebt, als sie sich verliebt hatte und ihre Gefühle nicht erwidert wurden. Zwar gab sie vor, die Situation zu akzeptieren, aber ich merkte ihr an, sie konnte innerlich nicht loslassen – und zwar nicht nur aufgrund ihrer Gefühle, sondern auch, weil ein Teil in ihr einfach nicht fassen konnte, dass da „nichts zu machen“ war. Natürlich verstand sie, dass sie ihren Gegenüber nicht zu Verliebtheitsgefühlen „zwingen“ konnte, aber es fiel ihr sehr schwer, ihre Machtlosigkeit an dieser Stelle zu akzeptieren. 

Ein anderes Mal erlebte ich sie im Streit mit einer ihr nahe stehenden Person. Auch hier fiel ihr sehr schwer, die andere so sein zu lassen, wie sie nun einmal war und sich mit ihrem Verhalten zu arrangieren. „Insgeheim denke ich auch jetzt noch, dass ihr Verhalten nicht richtig ist“, gestand sie mir, „dabei ist mir schon klar, dass es einfach anders ist, als ich es mir wünsche. Das kann ich zwar verstehen, aber wirklich fühlen kann ich es nicht.“

Wie gehe ich mit Dingen um, die ich nicht ändern kann?

Die Gespräche führen mich zu der Frage: Wie gehe ich mit Dingen um, die ich wirklich nicht ändern kann? Wie positioniere ich mich gegenüber einer Einstellung oder einem Verhalten, das mir völlig gegen den Strich geht? Wie gehe ich mit einer Erkrankung oder körperlichen oder seelischen Beeinträchtigung um? Mit dem Verlust meines Arbeitsplatzes oder eines mir nahe stehenden Menschen? 

Nimm es an“, ist leicht gesagt. Denn es ist oft extrem schwer, danach zu handeln. Etwas in mir fühlt sich ja essentiell bedroht oder in Frage gestellt durch die Situation, in der ich mich befinde. Sehr drastisch gesagt: Was ich erlebe, ist „Sch…e“ für mich – und diese „Sch…e“ soll ich auch noch annehmen? Bleibe ich bei dem Bild, wird mir nur zu deutlich, warum sich etwas in mir sträubt, das Gegebene zu akzeptieren. Kein Mensch würde wohl mit Freude entgegennehmen, was so unappetitlich, schmerzhaft und kränkend daherkommt. 

Was helfen kann: Nimm es an – aber gib es auch wieder ab. 

Vermutlich muss ich also erst einmal die Gefühle wahrnehmen, die beim Entgegennehmen dieses „Pakets“ in mir aufkommen: Abwehr, Befremden, Furcht, Trauer, Wut – sie sind da, sie sind real. Also weine ich und fluche, schimpfe und klage bei Freunden (im Gebet oder in meinem Tagebuch), schwimme zwanzig Bahnen, um den Schmerz und die Verkrampfung in meinem Körper loszuwerden. Und dabei gelingen mir drei Dinge:

Ich nehme meine Gefühle wahr

Ich akzeptiere sie als gegeben

Ich lasse sie durch mich fließen und gebe sie wieder ab.

Erst dann kann ich auch loslassen, was Auslöser genau dieser Gefühle war. Ich kann – zurück im Bild – schauen, warum mir jemand Sch…e geschenkt hat, was das Leben mir damit zeigen wollte. 

Der Sinn des unwillkommenen „Geschenks“

Meine Freundin hat klar verinnerlicht, die Kontrolle über ihr Leben zu haben und letztlich fast alles, was ihr widerfährt beeinflussen zu können. Durch die Sch…e, die sie erhält, darf sie erfahren, dass sie nicht alles kontrollieren kann. Durchlebt sie die Situation in der Weise, dass sie ihre Gefühle wahrnimmt und durch sich fließen lässt, eröffnet sich ihr die Möglichkeit, den Sinn des unwillkommenen „Geschenks“ mit ruhigerem Gemüt zu erkennen. Und was ist ihre Antwort?

Eine Situation oder das Handeln eines anderen nicht beherrschen zu können fühlt sich bedrohlich, entmutigend, irritierend oder abstoßend an. Und genau das ist der Sinn des Ganzen: Ich lerne genau damit umzugehen. 

Der Blick auf die Sch…e konfrontiert mich mit all meinen Empfindungen dabei. Und so kann ich lernen, dass ich z.B. an mir zu zweifeln beginne, wenn mir jemand von außen keine Bestätigung gibt. Oder dass ich Angst habe, einen Menschen zu verlieren, wenn er sich nicht regelmäßig bei mir meldet, dass ich vielleicht nicht daran glaube, wirklich für mich einstehen zu dürfen und mich somit bedroht fühle, wenn ein anderer mir meinen Raum streitig macht. Ich kann auch lernen, dass ich Angst davor habe, mich selbst zu genau wahrzunehmen, oder dass ich andere beeinflussen möchte, um mir meinen Wert und meine Wirksamkeit zu glauben. 

All diese unangenehmen Wahrheiten will ich vielleicht gar nicht sehen und erkennen. Es ist somit fast einfacher, gegen die Sch…e außen zu kämpfen als mein Elend innen wahrzunehmen. Entwickle ich jedoch die Bereitschaft dazu, zeigt sich mir das wirkliche Geschenk: Ich kann nicht nur aufhören, gegen das äußere Elend anzukämpfen, sondern endlich auch beginnen, mich um das zu kümmern, was wirklich wichtig ist: mein inneres Unglück, dass mich mit solcher Empörung und Abwehr, mit solchem Schmerz und Befremden auf meine äußere Situation reagieren lässt. 

Sch…e wird nicht plötzlich zu Gold

Um ein letztes Mal zum Bild der Sch…e zurückzukehren: diese wird nicht plötzlich zu Gold, wenn ich begreife, was sie innerlich in mir „anrührt“. Das Verhalten anderer oder meine Lebenssituation kann objektiv belastend oder gar bedrohlich sein. Meine innere Reflexion soll mich auch nicht daran hindern, im Äußeren Dinge zu verändern, insofern mir das möglich ist.

Kann ich an einer Situation aber tatsächlich nichts ändern, ist sie wohl das „Geschenk“, das ich nie wollte und weist mir den Weg, mich besser zu verstehen und anzunehmen, bzw. die Verletzungen in mir, auf die sie mich hinweist, zu heilen. 

Und damit habe ich die Antwort: Wie gehe ich mit Dingen um, die ich nicht ändern kann?

Ich nehme sie als Geschenk. 

Was hältst du von dieser These? Hilfreich oder zu weit hergeholt? Wie immer freue ich mich, deine Meinung zu lesen!🙂

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Die Richterin der Frauen: Erna Scheffler, erste Richterin am Bundesverfassungsgericht

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(C) Bundesregierung / Rolf Unterberg

Lust auf eine Powerfrau?

Dann lest hier über eine Juristin, die sich in ihrer Jugend nicht nur Abitur und Staatsexamen hart erkämpfen musste, sondern als erste Richterin überhaupt am deutschen Bundesverfassungsgericht tätig war. 

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“

Ohne sie würde ich heute vermutlich nicht meinen Beruf ausüben und könnte dadurch, getrennt lebend, meinen Sohn und mich finanzieren. Ich würde vielleicht auch nicht mit entsprechendem Selbstvertrauen meinen männlichen Kollegen gegenüber das Wort ergreifen, im Bewusstsein dessen, was das Grundgesetz seit 1949 in Artikel 3, Absatz 2 formuliert: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Und nicht zuletzt würde mein Sohn mit völlig anderen Rollenbildern aufwachsen: Mama am Herd, ohne eigenes Konto, Papa als der „Entscheider“, der das Leben außerhalb des Hauses regelt. So führt er sein (Puppen-) „Baby“ ebenso selbstverständlich mit dem Kinderwagen aus, wie er mit seinem (Spielzeug-) „Motorrad“ zur „Arbeit“ flitzt und ich bin in seiner Vorstellung genauso klar berufstätig und für das Geldverdienen verantwortlich wie sein Vater. 

Pionierin Dr. Erna Scheffler

Ein Kompliment also an Dr. Erna Scheffler, von 1951 bis 1963 erste Richterin am Bundesverfassungsgericht. Im Spiegel habe ich vor kurzem einen sehr interessanten Artikel über sie gelesen („Fünf Wörter“), der mir noch einmal bewusst machte, welche kurze Zeitspanne eigentlich seit dem Moment verstrichen ist, als Männer und Frauen qua Gesetz gleichberechtigt wurden.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“: Dieser Satz, 1949 von der Juristin und SPD-Abgeordneten Elisabeth Selbert durchgefochten, wäre ohne Frauen wie Richterin Scheffler vielleicht heute noch eine leere Floskel. Erst 1953 erreichte sie mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit ein Urteil, das den bis dahin umstrittenen Gleichberechtigungs-Passus im Grundgesetz als rechtmäßig und damit auch für Entscheidungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) als verbindlich definierte. 

Diskriminierung in der Familie ist illegal

Nach diesem Grundsatzentscheid waren Urteile, die den Familienvater allein aufgrund seines Geschlechts zum Entscheidungsträger und „Oberhaupt“ der Familie erklärten, ungesetztlich, die bis dahin gesellschaftlich akzeptierte Diskriminierung von Frauen in Ehe und Familie wurde illegal. 

Dass das alles erst 65 Jahre her ist, verblüfft mich immer noch. Und zugleich ist auch heute vollständige Gleichberechtigung z.B. bei Gehaltsverhandlungen oder im Steuerrecht ja noch längst nicht selbstverständlich. Aber Frauen sind mit großem Selbstbewusstsein auch in akademischen Berufen tätig und viele Mütter verdienen ihr eigenes Geld, was ihnen im Fall partnerschaftlicher Konflikte oft erst den Schritt zur Trennung ermöglicht. Zugleich erhalten auch Väter die Möglichkeit zu einem neuen Rollenverständnis: Seit 1953 ist der Mann auch vor dem Gesetz nicht mehr vor allem Ernährer und Entscheider, sondern darf gleichberechtigtes Mitglied der Familie sein und z.B. eine Bindung zu seinen Kindern aufbauen, die über Abendspielstunden und Wochenendfreizeit hinausgeht. Die Elternzeit, die allmählich auch immer mehr Väter in Anspruch nehmen, ist sicher ein (richtiger und wichtiger) Schritt in diese Richtung. 

Mehr Raum für Männer und Frauen

Somit haben die „fünf  Wörter“ Elisabeth Selberts („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“), die Richterin Scheffler in ihrem Grundsatzurteil bestätigte, nicht nur das Potential, Frauen zu stärken und sie ihrer Rechte zu versichern, sondern weiten auch den Raum, der sich für Männer auftut: das Recht auf beruflichen Erfolg und finanzielle Unabhängigkeit gilt seit 1953 für beide Geschlechter, aber auch das Recht auf elterliche Fürsorge und innerfamiliäres Engagement. 

Danke Ihnen, Richterin Scheffler! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Zum Weiterlesen: 

Elisabeth Selbert als „Mutter der Gleichberechtigung“ (Die Zeit online)

Dr. Erna Scheffler am Bundesverfassungsgericht (STB Web)

Initiative zur gesetzlichen Stärkung von „Care“-Arbeit in Familie und Beruf (Online-Petition)