Ostern: Lammbraten und Auferstehung

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Ostern – „Ostereier!“, jubelt mein Sohn. „Osterferien!“, juble ich… 

Aber was feiern wir eigentlich, an diesem, laut christlicher Tradition, „höchsten Feiertag“ des Jahres? Für viele sind die Ostertage inzwischen vor allem eine Auszeit, an der sie mit Familie und Freunden zusammen kommen können, ein Aufatmen nach den langen Wintermonaten, der Frühling zeigt sich mit erster Wärme, lichtgrünem Laub und Blütenknospen. 

Als Kind liebte ich an Ostern das Ostereiersammeln. Wir waren als Familie zusammen, es gab ein wunderschön dekoriertes Frühstück und leckeres Ostergebäck. Mein Sohn erlebt jetzt einmal mit seinem Vater, einmal mit mir und den jeweiligen Großeltern das Osterfest. Alltag im Leben getrennter Eltern. Diesmal werde ich ihn nicht beim Eiersuchen erleben – nächstes Jahr wieder. Ich freue mich dafür auf eine schöne Zeit mit meiner Familie. 

In gewisser Weise lässt mich das an den eigentlichen Anlass des Osterfests denken, jedenfalls, wenn man dem christlichen Glauben vertraut: Ostern, das Fest, an dem wir Christus’ Auferstehung feiern. 

Lang, lang ist es her, seit ich wirklich regelmäßig in die Kirche gegangen bin, aber an die Bibelgeschichte erinnere ich mich noch: Jesus nach der grausamen Kreuzigung zu Grabe getragen, lag dort drei Tage; aber auf einmal war das Grab leer und seine Anhänger erhielten von ihm höchstpersönlich die Botschaft, er sei „auferstanden von den Toten“. Ganz schön mystisch, oder „spooky“, je nach Perspektive. 

Jesus’ Jünger glaubten ihm zuerst übrigens auch nicht. Es brauchte sozusagen „mehrere Anläufe“, bis ihre Herzen sich für die – eigentlich schlichte – Botschaft öffnen konnten: Ich bleibe bei euch, ich habe euch nicht verlassen. Geht, und tragt das hinaus in die Welt: mein (körperlicher) Tod trennt mich nicht endgültig von euch. Das Unrecht, das mir angetan wurde, konnte mir zwar das (körperliche) Leben nehmen, aber mich und das, wofür ich stehe, nicht besiegen.

Während ich mit Erwartung, einem Funken Wehmut, weil mein Sohn nicht bei mir sein wird, aber durchaus auch mit Vorfreude, den Ostertagen entgegensehe, denke ich, in welchem Zusammenhang ich dieses Vertrauen, „nicht allein“, nicht im Stich, gelassen worden zu sein, empfinden kann. 

Eltern, Großeltern, die der Tod uns „genommen“ hat, die in unseren Herzen und den Erzählungen der Lebenden aber noch immer lebendig sind? Gerade an Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern denken wir ja oft besonders intensiv an die Lieben, die nicht (mehr) bei uns sein können. 

Verbindungen und Beziehungen, die „gestorben“ sind, von denen wir uns lösen oder sie in neuer Form gestalten müssen?

Letztlich auch die vielen „letzten“ Male des Lebens, die wir oft erst im Rückblick wahrnehmen: Ja, in dieser Runde werden wir nie wieder zusammen sitzen. Dieses Haus bewohnen wir nicht mehr. Diese winzige Jacke wird mein Kind nie wieder tragen. 

Gerade Kinder, übrigens ebenso wie der Frühling und die Natur, zeigen uns aber in aller Deutlichkeit, was wir auch als den tiefen Sinn des Osterfestes erkennen können: nichts bleibt, alles wandelt sich. Dinge enden, wir müssen sie „zu Grabe tragen“, uns von ihnen verabschieden, mit Schmerzen um sie trauern – aber wenn wir unser Vertrauen, letztlich unseren Glauben in etwas, das uns trägt, nicht verlieren, werden wir erleben, was bereits Jesus uns verspricht: dass sich Dinge wandeln, dass Verletzungen heilen und neue Freude entstehen kann. Dass auch ein Ende nicht endgültig sein muss. In der alten Form werden wir nicht wiederbekommen, was uns genommen worden ist, aber wenn wir uns öffnen, wird Neues zu uns kommen. In Form von Erkenntnis, Freude, neuen Beziehungen und Verbindungen. Vor allem aber in Form eines tiefen Vertrauens, dass auch das Schmerzlichste, der Verlust oder Tod eines geliebten Menschen, uns eines nicht nehmen kann: die grundlegende Freude am Leben! 

Meiner Meinung nach drückt das die Parabel der „Auferstehung“ Jesus’ aus. Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz herzlich ein schönes Osterfest!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Entspannt sein heißt für mich: ganz bei mir selbst zu sein

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Für alle, die meinem Blog in den letzten Tagen verfolgt haben: hier Teil 3 meiner kleinen „Entspannungs-Triologie“!😉

„Was ist wirklich entspannend für dich?“

Lea Heuser stellt im Rahmen einer Blogparade auf ihrer Website genau diese Frage. Auf ihren Aufruf hin habe ich bereits zwei Artikel geschrieben, jeweils aus der Perspektive der getrennt erziehenden Mutter eines kleinen Sohnes. Während mein erster Text die Haltung hinterfragt, mit der ich mir Spannung – oder aber Entspannung – im Alltag mit kleinem Kind erzeuge, sammelt mein zweiter Text konkrete Tipps für eine entspannte Freizeitgestaltung allein mit Kind. 

Entspannung ist für mich mehr als ein Moment der Muße

Mich wirklich zu entspannen geht für mich aber viel tiefer als gemeinsam mit meinem Kind Momente der Muße und Erholung zu finden. Nach der Veröffentlichung der Artikel führte ich ein intensives Gespräch mit einer guten Freundin. Wir unterhielten uns nicht nur über Entspannung, sondern im weiteren Sinn über Achtsamkeit, (Selbst-) Mitgefühl und inneres Wachstum, so dass mir die Idee kam, das Thema Entspannung noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu beleuchten: mit dem Fokus auf mich und meine Bedürfnisse, auch als Mutter, aber eben nicht ausschließlich auf meine Rolle als Mutter bezogen. Daher – voilà – hier Entspannungs-Beitrag Nr. 3!

Ruhe finden im fokussierten Tun

Ich beginne damit, dass ich über das Schreiben schreibe. Vielleicht hast du dich als regelmäßige Leserin oder treuer Leser schon einmal gefragt, wie ich als berufstätige Mutter eines Kleinkindes die Energie und vor allem die Zeit finde, etwa jeden dritten Tag einen Artikel online zu stellen, insgesamt in einem Jahr rund 170 Beiträge. Nun ja, ich schreibe oft abends und manchmal auch nachts, wenn mein Sohn schläft. Ab und an auch mitten am Tag, z.B. während seines Mittagsschlafs. Keimt in mir ein Gedanke und verdichtet sich innerhalb einiger Minuten – oder auch Stunden – zur konkreten Idee, nutze ich schlicht die nächste sich mir bietende Gelegenheit, das Gedachte „zu Papier“ zu bringen. 

Was wiederum die Energie angeht, so gibt mir das Schreiben eher Energie, als dass es sie mir entzieht. Der berühmte „Flow“ des Mihály Csíkszentmihályi: ich verbinde mich, während ich meine Blogartikel verfasse, mit etwas, das mir tief im Inneren wertvoll erscheint. Während ich schreibe, gehe ich in meinem Tun auf, spüre tatsächlich über Stunden weder Hunger noch Durst und bin voller Energie. Die Fokussierung, die ich beim Schreiben aufbringen muss, schenkt mir Entspannung. Dadurch, dass ich mich ohne Ablenkung und in kreativer Weise mit Themen befassen darf, die mich interessieren, komme ich zur Ruhe. 

Wirklich entspannend ist für mich auch, im Beisein anderer sowie alleine ganz bei mir selbst zu sein. 

Was ich damit meine? Ich kann es einerseits „ex negativo“ beschreiben: Bin ich im Zusammensein mit meinem Kind, mit Freunden oder auch in beruflichen Situationen gerade nicht „bei mir“, drängt meine Aufmerksamkeit, mein Fokus, weg von mir und hin zum anderen. „Was will er jetzt von mir?“, „Was denkt sie über mich?“, „Was kann ich tun, damit er oder sie mich mag?“

Bleibe ich umgekehrt bei mir und achte darauf, welche Mechanismen in mir, statt vermeintlich im anderen, ablaufen, verliert die Stimme des plappernden Verstandes ihre Kraft. Ich kann wahrnehmen, dass ich überrascht, erschreckt, erfreut oder sehnsuchtsvoll reagiere, ohne reflexartig den anderen zur Ursache meiner Gefühle zu erklären. Sein oder ihr Handeln mag meine Empfindungen ausgelöst haben, aber mit ihnen umgehen kann (nur) ich selbst. Ich kann dafür sorgen, mir im Gespräch, im Kontakt mit meinem Kind oder auch mit Freunden, Vorgesetzten oder einem Partner den Raum zu geben, den ich gerade brauche. Durch ein klares – innerliches oder auch äußeres – NEIN („Das passt nicht für mich“, „Ich bin nicht Ihrer Meinung“, „Ich möchte, dass du wertschätzender mit mir sprichst“) – und ebenso durch ein klares JA („Es ist wunderschön, mit dir zusammen zu sein“, „Ich möchte dieses Vorhaben mit Ihnen umsetzen“, „Ich liebe dich“). Diese Klarheit im Außen habe ich nur, wenn ich auch innerlich klar und ganz bei mir bin. Dann habe ich es nicht nötig, beleidigt oder furchtsam „um mein Recht“ zu kämpfen, denn ich weiß, dass es ohnehin mein Recht ist, dass meine Bedürfnisse, ebenso wie die des anderen, erfüllt werden – soweit es denn eben möglich ist. Genau darüber (wie es möglich sein kann), können wir verhandeln, aber nicht, ob meine Bedürfnisse – oder die meines Gegenübers – überhaupt relevant sind.

Andererseits muss ich mir mit der Haltung innerer Klarheit auch nicht „beweisen“, dass ich unterhaltsam/ erfolgreich/ liebenswert etc. bin, denn mein Selbstwert hängt nicht davon ab, ob mich jemand anderes für wertvoll hält. Wünsche ich mir also die Zuneigung oder Anerkennung eines anderen, kann ich dies wahrnehmen, ohne die Angst, mich im Falle einer Ablehnung „wertlos“ zu fühlen. Die Abwehr eigener Bedürfnisse (nach Ruhe und Rückzug, Austausch und Kontakt, Sicherheit oder Anerkennung) hängt meiner Wahrnehmung nach oft mit einer diffusen Furcht vor der eigenen Bedürftigkeit zusammen. Dabei ist es ganz natürlich, dass ich geliebt, anerkannt und gesehen werden will. Wir Menschen sind soziale Wesen, wir sind auf die Zuneigung und Wertschätzung anderer angewiesen um uns selbst lieben zu lernen und zu gedeihen. Nicht umsonst sind Liebesentzug, Abwertung und soziale Isolation die schmerzhaftesten Erfahrungen, die wir innerhalb unserer Entwicklung machen können. Aber es sagt eben zugleich nichts über unseren Wert aus, wenn wir diese Wertschätzung von außen nicht erhalten. Das zu erkennen gibt uns wahre innere Freiheit.

Was also entspannt mich wirklich? 

  • Mich auf Dinge, die mir wichtig erscheinen, zu fokussieren und sie in Ruhe und Konzentration verfolgen zu können.
  • Meine Gefühle als das wahrzunehmen, was sie sind: Signalgeber meiner inneren Prozesse und nicht die heimlichen Herrscher über mein Tun. Ich kann sie wahrnehmen, ohne ihnen reflexartig folgen zu müssen und finde dadurch im Zusammensein mit anderen wie mit mir selbst innere Ruhe und echte Entspannung.

Somit ist wahre Entspannung für mich letztlich eins: In tiefem Frieden ganz bei mir selbst zu sein – allein und im Zusammensein mit anderen. 

Und was ist Entspannung für dich?

Wie gehst du selbst mit den (alltäglichen) Anforderungen des Lebens um? Schreib mir hier oder beteilige dich noch bis zum 20.05. an Leas Blogparade!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: privat]

„Echt entspannend!“ Praxis-Tipps von Allein- und Getrennt-Erziehenden

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Wann entspannen wir uns? Wenn wir (innerlich und äußerlich) zur Ruhe kommen, wenn unsere Bedürfnisse nach Rückzug und Erholung, oder andererseits nach Austausch und Gemeinschaft, befriedigt sind, wir uns sicher und geborgen fühlen. 

Gar nicht so leicht für Allein- und Getrennt-Erziehende? 

Nachdem ich hier im Blog bereits aus meiner Perspektive über konkrete Entspannungs-Möglichkeiten im Alltag als getrennt erziehende Mutter geschrieben hatte, wollte ich wissen, wie sich andere allein- und getrennterziehende Eltern entspannen. Also habe ich die Teilnehmerinnen in einem Online-Forum für Allein- und Getrennterziehende, sowie zahlreiche allein- und getrennt erziehende Freundinnen und Bekannte genau danach gefragt. Die Antworten dieser starken, reflektierten Frauen sowie meine eigenen Erfahrungen als getrennt erziehende Mutter eines mittlerweile dreijährigen Sohnes findet ihr in diesem Artikel.

Raus in die Natur

Interessanterweise drehten sich viele der genannten Tipps darum, mit den eigenen Kindern etwas in der Natur zu unternehmen. Im Wald, am Strand oder im Park ergeben sich Spielideen oft wie von selbst. Eben noch überreizte und zugleich gelangweilte (Klein-) Kinder wandeln sich offensichtlich zu unternehmungslustigen Entdeckern, bzw. fröhlichen Genießerinnen, sobald wir unsere Wohnungen verlassen. Ich kann das nur bestätigen. Tatsächlich hat auch auf mich die Mischung aus frischer Luft und Bewegung in der Natur eine eindeutig positive Wirkung. Warum ist das so? Offensichtlich ist ein Teil von uns eben doch „archaisch“ gepolt. So reagiert eines unserer Hirnareale, das für die Verarbeitung von Reizen zuständig ist, offenbar positiv auf Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher oder Blätterrauschen, und das vor allem, wenn wir bereits gestresst sind (vgl. GEO-Online: „Darum wirken Naturgeräusche so entspannend“).

Kein Wunder also, dass folgende Tipps uns wirklich Entspannung schenken: 

  • Kind auf den Kindersitz, bzw. in dem Radanhänger packen und ab an den nächsten Fluss, bzw. ins nächste Waldstück. Weinberge gehen auch, wie Petra, alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder, in ihrem Blog auf unterhaltsame Weise beschreibt. Von Christinas Bericht über einen Tag im Wald mit ihrem Sohn, den sie gemeinsam mit dessen Vater getrennt erzieht, könnt ihr euch hier inspirieren lassen. Wie eine andere alleinerziehende Mutter bestätigt, sind offene, gut überschaubare Flächen ohne Gefahrenquellen wie z.B. stark befahrene Straßen optimal. Ein kleines Picknick, bzw. ein Eis unterwegs hebt zusätzlich die Stimmung.
  • Eine Mutter gibt den Tipp, mit Kind auf dem Spielplatz parallel auf zwei Schaukeln zu schaukeln, jeder in seinem Tempo; oder gemeinsam liegend in der Nestschaukel in den Himmel zu schauen. Alle „Beobachtungs- und Sammelspiele“ (Wolken oder Schiffe zählen, Eicheln oder Stöcke sammeln) können zusätzlich Ruhe in einen gemeinsamen Ausflug bringen.
  • Gemeinsam im Garten werkeln, Erde und Natur fühlen. Falls kein eigener Garten vorhanden ist: in vielen Städten gibt es inzwischen tolle Urban Gardening-Projekte, eine Übersicht über einige davon findet ihr z.B. hier und hier. Auch ein Schrebergarten kann eine Alternative sein.
  • im Tierpark oder Zoo Tiere beobachten und ggf. füttern.
  • Bei Regen gut eingepackt trotzdem auf die Straße gehen, bzw. auch einfach nur ans (geöffnete) Fenster setzen, die an der Scheibe herunterlaufenden Regentropfen beobachten und eine besonders leckere Knabberei essen, die es nur bei dieser Gelegenheit gibt.

Entspannen in Gemeinschaft

Neben Ruhe fehlt vielen allein- und getrennt erziehenden Elternteilen oft vor allem eins: sozialer Kontakt. Einsamkeit bis hin zu sozialer Isolation ist ein massiver Stressfaktor und kann uns sogar krank machen. Mit unseren Kindern sind wir selten allein, fühlen uns ohne erwachsene Ansprechpartner, körperliche Berührung, bzw. seelischen Austausch, aber zuweilen doch einsam. Entsprechend empfinden viele, die alleine für ihr Kind zuständig sind, es als extrem wohltuend, einmal nicht mehr bloß zu zweit unterwegs zu sein. Eine der von mir befragten Mütter bringt es auf den Punkt: „Wenn der Fokus von uns beiden weg ist, ist definitiv weniger Spannung in der Luft, also auch mehr Entspannung möglich.“ 

Daher hier einige konkrete Tipps für Entspannung in Gemeinschaft: 

  • Kocht und esst mit Freund/innen, die in der Nähe wohnen. Über meine Erfahrung damit habe ich auch bereits in meinem ersten Artikel zum Thema „Entspannung“ geschrieben.
  • Geht mit euren Kindern ins Café. Das funktioniert z.B. mit meinem Sohn, seit er etwa 21/2 Jahre alt ist, erstaunlich gut. Wir bestellen uns einen Crêpe oder ein Stück Kuchen (auch das schon ein Highlight), beobachten Leute, plaudern, und zumindest mein Sohn liebt es, als „Großer“ in Mamas Begleitung „auszugehen“.
  • Für noch Kleinere gibt es inzwischen in vielen (größeren) Städten „Kindercafés“, die mit Spielmöglichkeiten und kindgerechter Speisekarte auf die Bedürfnisse von Kleinkindern und ihren Eltern ausgerichtet sind. Im Winter eine nette Möglichkeit, auch ohne konkrete Verabredung als Mutter oder Vater unter „Gleichgesinnten“ zu sein. Allerdings oft leider laut, daher vielleicht nicht für jede/n entspannend.
  • Macht Yoga oder belegt sonstige Sportkurse mit Kinderbetreuung. Entsprechende Angebote findet ihr z.B. im Veranstaltungsprogramm von Kirchengemeinden oder Bürgerzentren. Auch Fitnessstudios bieten oft Kinderbetreuung während ihrer Kurse an. Zumindest in großen Städten gibt es schon seit einiger Zeit speziell für Mütter und Väter Sportabgebote mit Baby in der Trage (Kurse wie Kangafit etc.) oder Laufgruppen, die sich zum Joggen mit Kleinkind im Buggy treffen. Ich persönlich habe das nicht ausprobiert, weil es mir mit meinem lebhaften und früh mobilen Sohn wenig entspannend erschien, aber je nach Naturell und Alter des Kindes ist es einen Versuch wert.
  • Spezielle Alleinerziehendentreffs und Stammtische (fragt in Familienberatungsstellen oder gründet vielleicht sogar selbst einen? Gemeinsam mit einer Freundin habe ich das vor etwa einem Jahr getan und schon mehrere schöne Vormittage beim Frühstück mit sehr netten anderen allein- und getrennt erziehenden Müttern verbracht.
  • Verreist mit anderen Allein- und Getrennterziehenden. Wirklich lohnenswerte Seminare speziell für diese Zielgruppe bietet z.B. im Raum Köln das Alleinerziehendenpastoral des Erzbistums an. Aber auch ohne organisiertes Programm kann ein solcher Kurzurlaub ein voller Erfolg sein. Ich habe hier im Blog bereits einmal über ein solches Wochenende geschrieben. Auf der Seite unterwegsmitkind.com berichtet eine alleinerziehende Mutter von ihren eigenen Erfahrungen. Hier findet ihr viele praktische Tipps und auch eine erste Übersicht an Reiseunternehmen, die Single-Reisen mit Kind anbieten. Auch die Seite frauenparadies.de bietet Tipps für die Planung einer Reise als einzelne/r Erwachsene/r mit Kind.

Sich (seelisch und körperlich) berühren lassen 

Nicht zuletzt sehnen sich viele Allein- und Getrennterziehende, die (noch) keine neue Partnerschaft eingegangen sind, schlicht nach körperlicher und seelischer Berührung. Es versteht sich von selbst, dass unsere Kinder nicht dazu da sind, einen Partner oder eine Partnerin zu ersetzen, aber auch ihnen können wir unsere Berührung schenken und es genießen, von ihnen freudig und liebevoll umarmt zu werden. Eine alleinerziehende Mutter beschreibt eine, wie ich finde, besonders originelle Art der spielerischen Berührung:

„Wir spielen Pizzabacken. Dabei kneten wir uns abwechselnd den Rücken durch und belegen ihn mit leckeren Sachen. Ich liebe, diese 5 Minuten auf dem Bauch liegend „beackert“ zu werden. Thai Massage ist ein Abklatsch dagegen.“

Weitere „Berührungs-Ideen“ mit Kind?

  • sich bewusst Zeit nehmen und Kaffeeklatsch zelebrieren (mit einer leckeren und laaaangsam gemeinsam zubereiteten Tasse Kakao oder Tee/Kaffee).
  • Etwas lesen, je nach Alter der Kinder jeder für sich oder gemeinsam das Lieblingsbuch vorlesen. Geht natürlich auch mit Hörspielen und – klar – dem Lieblingsfilm der Kleinen.
  • Malen, basteln und dabei ggf. entspannende Musik oder ein Hörspiel hören.
  • Ausgelassen und eng umschlungen tanzen.
  • Laut singen.
  • Morgens im Bett – natürlich nur, wenn das Kind Lust darauf hat – noch zehn Minuten KUSCHELN!🙂
  • Gemeinsam kochen und das Kind seinem Alter entsprechend mithelfen lassen. Funktioniert zumindest bei uns gut: Mein Dreijähriger liebt es gerade, „groß“ zu sein und mir im Alltag zu helfen – und ich bekomme ganz nebenbei noch das Notwendige erledigt.
  • Miteinander im Winter abends baden, bzw. das Kind im Wasser planschen lassen und sich mit einer Tasse Tee daneben setzen.

Die innere Haltung

Natürlich trägt zur (gemeinsamen) Entspannung auch ganz entscheidend die innere Haltung bei. Ich muss mir Entspannung gönnen, um sie überhaupt suchen – und finden – zu können. Und nicht zuletzt muss ich mich selbst und auch mein Kind erst richtig kennenlernen: was entspannt mich – und was ist für mich, gemeinsam mit meinem Kind, wirklich entspannend? Eine kluge alleinerziehende Freundin fasst es, wie ich finde, treffend zusammen: 

„Mir geht es so, dass ich dann gut entspannen kann, wenn ich meine Gesamtsituation grundsätzlich akzeptiere, gut mit mir im Kontakt bin, mich auf die Situation/die Stunden mit Kind gut einlassen kann und wir dann gemeinsam überlegen, was uns gerade gut tut/wozu wir Lust haben. Dann genieße ich die Zeit sehr, bin dankbar für mein Kind und fühle, wie glücklich und ruhig mich das macht. Wenn ich selbst nicht bei mir bin und mich im Hamsterrad drehe, können dieselben Aktivitäten sich zusätzlich stressig anfühlen. Kommt also ganz auf meine Selbstfürsorge an, inwieweit ich überhaupt in der Lage bin mit meinem Kind gemeinsam zu entspannen und es nicht als Last zu empfinden!“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!🙂 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Eure Meinung interessiert mich:

Wie entspannt ihr euch?

Könnt ihr mit (einigen) dieser Tipps etwas anfangen? Habe ich eurer Meinung nach etwas Wichtiges vergessen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

[Alle Links in diesem Artikel sind persönliche Empfehlungen, ich habe durch den Verweis auf sie keinen finanziellen Vorteil.]

[Foto: Pixabay]

Egoismus – supercool, oder?

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„Supercool, dass du Henri dein Förmchen nicht gibst. Haben wir schließlich für dich gekauft, nicht für ihn.“ „Klar, kannst du das größte Stück Kuchen haben, hattest es ja schon in der Hand.“ „Wirf das Bonbon-Papier ruhig auf den Boden. Die Müllmänner räumen es dann weg.“

Diese Aussagen würden wir unseren Kindern gegenüber eher nicht treffen?

Warum handeln wir dann trotzdem (manchmal) entsprechend?

Vor wenigen Tagen, auf dem Weg zur Arbeit: Die Strecke ist hübsch und führt mich durch zwei große Parkanlagen. An diesem Morgen komme ich mir jedoch vor, als habe die „Regie“ ein Störsignal in die – eigentlich malerische – Szenerie eingebaut: Zwischen bunt bepflanzten Beeten Dutzende überquellender Mülleimer. Auf den akkurat gestutzten Rasenflächen leere Chipstüten, Einwegbecher, Essensreste – und mindestens drei Einweggrills. Offensichtlich das Ergebnis der Wochenenderholung hunderter Städter vor dem Einsatz der örtlichen Reinigungstrupps. 

Einige Stunden später, auf meiner Heimfahrt von der Arbeit, ist der „Spuk“ beseitigt, die Rasenflächen nicht mehr bunt verdreckt, die Mülltonnen geleert, aller Abfall in Tüten verstaut und abtransportiert. 

Mein Unbehagen bleibt bestehen

Abgesehen davon, dass mir die kleine Episode eindrücklich zeigt, wie viel Müll einige Hundert Menschen im Rahmen ihrer Freizeitgestaltung an nur einem Wochenende produzieren können und was geschehen würde, wenn der Öffentliche Dienst der Stadtreinigung nur wenige Tage seinen Dienst niederlegen würde; abgesehen von diesen beiden Punkten frage ich mich: Wer hat all diesen Müll einfach liegen lassen?!

Und damit meine ich nicht die vollgestopften Tüten, die neben den bereits überquellenden Mülltonnen standen. Sondern die einzelne Plastikschale hier, den Pappbecher dort, eine geleerte Getränkedose, eine zerbrochene Flasche, verteilt auf Grasflächen, Bänke, Treppenstufen und auch zwei Spielplätze, an denen ich vorbeifuhr.

Egoismus ist cool, oder? 

Sind das dieselben Mütter und Väter, die ihren Kindern Biogemüse kochen und grünen Strom beziehen? Oder ein ganz anderer „Menschenschlag“, die heimlichen Darth Vaders der Umweltaktivisten? Sind es „Immer die andern“, wie die Liedermacherin und Musikproduzentin Dota Kehr in einem ihrer Lieder selbstkritisch fragt? 

Momente selbstbezogenen Handelns sind in unserem Alltag allgegenwärtig. Oft fallen sie uns gar nicht mehr auf, oder wir empören uns lediglich über sie, wenn wir ihre Folgen am eigenen Leib spüren: „Die hat sich einfach nicht an die Absprachen gehalten“ oder: „So ein Rüpel, hätte mir doch die Tür aufhalten können“, beschweren wir uns, ohne zu überlegen, wie vielen Freunden und Bekannten wir in letzter Zeit kurzfristig abgesagt haben, wo wir unsere Kontakte genutzt haben, um den letzten Platz in einer begehrten Veranstaltung zu ergattern oder in welcher Schlange wir uns zuletzt vorgedrängelt haben…

Egoismus wird nicht cool, bloß weil er „normal“ ist 

Aber Egoismus wird nicht cool, bloß weil ihn viele zu ihrem Maßstab erheben. Geiz ist nicht „geil“, bloß weil eine Elektronikmarkt-Kette ihn zum Teil ihres Slogans macht. Kurzfristig absagen, weil man „Besseres zu tun“ hat, wird nicht dadurch besser, dass viele es tun. YouTube-Schadenfreude- oder Bodyshaming-Videos („Schau mal, die fette Kuh!“ „Höhö, der rennt tatsächlich gegen den Zaun!“) bieten vielleicht für den Moment Erheiterung und das Gefühl, besser dazustehen als andere, sie sind aber ähnlich unsympathisch wie das „Ätschibätsch“ der Kindergartenfreundin vor 25 Jahren. Und Müll, den wir in der Natur verstreuen, räumt sich eben nicht von selbst weg, auch wenn uns das im Rausch der ersten wärmenden Sonnenstrahlen entfallen sein mag. 

Egoismus macht einsam

Im Gegenteil. Egoismus lässt uns ziemlich alleine dastehen. Selbst im Business-Jargon ist die „Win-Win-Situation“ inzwischen eine wohlbekannte Phrase. Zum Wohle anderer zu handeln und davon selbst zu profitieren mag sogar wenig altruistischen Gemütern reizvoll erscheinen. Tatsächlich stehen wir längerfristig besser da, wenn wir sozial handeln. Kurzfristig mag uns unsoziales Verhalten, dem keine direkte Bestrafung folgt, attraktiv erscheinen – aber wenn wir wählen können, ob wir unsere Zeit lieber mit dem unkooperativen Ego-Shooter verbringen, mit der selbstbezogenen Zicke oder aber mit Menschen, die mehr im Blick haben als sich selbst, fällt unsere Antwort sicher eindeutig aus. Der Psychologe John Cacioppo von der Universität Chicago veröffentlichte mit Kolleg/innen im Fachmagazin „Personality and Social Psychology Bulletin“ Mitte 2017 eine Studie, wonach soziale Isolation zu einem Gefühl der Bedrohung und damit aus Selbstschutz zu egoistischerem Verhalten führen kann – und umgekehrt eben genau dieser Egoismus zu weiterer sozialer Isolation.

Situationen, in denen wir auf die Großzügigkeit, das Mitdenken und Engagement anderer angewiesen sind und sein werden, gibt es mehr als genug. Wonach sehnen wir uns, wenn wir krank sind? Was werden wir brauchen, wenn wir alt und gebrechlich sein werden? Wer sorgt – zu einem oft viel zu geringen Lohn – für unsere Kinder? Wo können wir „wir selbst“ sein, das Schutzschild, das wir gegenüber der (Arbeits-) Welt aufrecht erhalten, sinken lassen? 

Vielleicht sollten wir das bedenken, bevor wir in der Kantine unserem Kollegen das letzte Stück Kuchen wegschnappen – und nicht erst wenn unser Kind das nächste Mal nach den Sandförmchen seines Spiel-Buddys grapscht. 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

15 Stunden unter Strom: Kind, Beruf und Hochsensibilität

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Ich habe hier im Blog bereits mehrmals über das Leben als hochsensible, berufstätige und getrennt erziehende Mutter eines Kleinkindes geschrieben. In meinem Artikel „Hochsensibel Eltern sein: 5 Tipps für ein glücklicheres Familienleben“ fasse ich zusammen, was hochsensible Wahrnehmung überhaupt bedeutet. Der Text enthält außerdem konkrete Tipps, wie ich im Alltag mit meinem  (kleinen) Kind meinen Bedürfnissen als intensiv wahrnehmende und fühlende Person gerecht werden kann. 

Mein ganz normales Leben

In diesem Text möchte ich euch ein Praxisbeispiel geben: meinen „ganz normalen“ Tag als berufstätige Mutter, der, wie ihr sehen werdet, durch zahlreiche Faktoren geprägt ist, die für hochsensibel wahrnehmende Menschen stressauslösend sein können. Dazu gehören Zeitdruck, ein von außen vorgegebenes Lebenstempo, das kaum Momente der Entspannung und der Muße möglich macht, große Lautstärke, unvorhergesehene Ereignisse, die rasches Handeln erfordern, starke äußere Präsenz ohne die Wahlmöglichkeit, zu welchem Zeitpunkt man in dieser Weise „vor Menschen treten“ möchte, etc. 

Für mich selbst kann ich sagen, dass mich keiner der oben genannten Faktoren per se „aus der Bahn wirft“ (obwohl sie mir alle nicht angenehm sind). Vielmehr empfinde ich den Vergleich mit einem (inneren) Gefäß als sehr treffend: Jeder äußere und innere Reiz lässt den Pegel ein wenig weiter steigen – ähnlich, als würde man Wasser in ein Glas füllen. Irgendwann ist der Glasrand erreicht und ab diesem Punkt erfüllt mich ein Gefühl der Anspannung, Irritation und Gereiztheit: „es reicht“, ich fühle mich körperlich und seelisch überlastet. Diesen Zustand des Überreizt- und Gestresstseins kennen natürlich auch Menschen mit nicht-hochsensibler Disposition. Ich würde sagen, lediglich der Zeitpunkt, an dem „das Maß voll“ ist, ist bei hochsensiblen Menschen früher erreicht – es fließen schlicht mehr Reize in unser seelisches Gefäß. 

„Action“ von 6 bis 21 Uhr

Was also tun, wenn das Kind mich um sechs Uhr weckt und am liebsten noch im Bett mit mir Verstecken spielen oder für eines seiner Kuscheltiere eine „Geburtstagsparty“ ausrichten möchte? Duschen, Anziehen und Frühstück zubereiten erfolgt ab Minute eins des Tages in der Gesellschaft eines wahlweise fröhlich plappernden, aufgeregt herumtobenden oder quengelnden Kleinkindes. Bevor ich irgendwann zwischen 8 und 10 Uhr bei meiner (bezahlten) Arbeit erscheine, habe ich schon etwa 100x beschwichtigt, wohlwollend kommentiert, getröstet, Grenzen gesetzt, ermutigt, meinen Sohn gebremst und angetrieben – und dabei Brote für den Kindergarten zubereitet, Kleider und meine Arbeitsunterlagen zusammengesucht, Betten gemacht und die Küche notdürftig wieder aufgeräumt. Danach die Fahrt zum Kindergarten, der fröhliche – oder an manchen Tagen auch tränenreiche – Abschied: drei bis vier Stunden Action, bevor der offizielle Arbeitstag überhaupt beginnt. 

Als Lehrerin bin ich, wie Menschen in anderen sozialen Berufen, abermals Dutzenden von Reizen ausgesetzt, sobald ich nur das Schulgebäude betrete. Während meiner Unterrichtszeit – und oft auch noch in den Pausen – kommuniziere, plane, beurteile, ermutige, bremse, schlichte und moderiere ich. Ich scherze mit Kolleginnen und Kollegen, treffe Absprachen und trage Konflikte aus. Und nicht zuletzt vermittle ich natürlich in meinem Unterricht noch die – zum Teil komplexen – Inhalte meiner Fächer. Etwa 5-6 Zeitstunden lang stehe ich damit pro Tag während meiner Unterrichtszeit quasi nonstop unter Strom – oft tatsächlich ohne nennenswerte Pausen. 

Nach der Arbeit dann kehre ich zurück in meinen zweiten „Job“: ich hole meinen Sohn vom Kindergarten ab und betreue ihn nochmals 4-5 Stunden, bis er (endlich) schlafen geht. Oft sind wir zu diesem Zeitpunkt bereits beide erschöpft, was mir – je nach Tagesverfassung – ein kuscheliges, liebevoll anhängliches oder aber wütend forderndes Kleinkind beschert. Gegen acht bis neun Uhr schläft mein Sohn meist – und manchmal bin ich beim Ins-Bett-Bringen bereits selbst eingeschlafen, bevor er sich auch nur zur Seite drehen konnte…

Was trägt mich durch Tage wie diesen?

Tage wie dieser sind mein Alltag – und sind für mich als hochsensibel empfindenden Menschen eigentlich purer Stress. Was hilft mir also, in diesem „Sturm des Lebens“ dennoch die Ruhe zu bewahren? 

1) Stress überhaupt als Stress wahrnehmen 

Körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit, Kopf- oder Rückenschmerzen, Heißhunger oder ausbleibender Appetit, aber auch die klassische hartnäckige Erkältung, die Stimme, die wegbleibt, die Magenverstimmung oder das Sodbrennen, das uns quälen mag, ebenso wie hartnäckige Unlust, kreisende, negative Gedanken oder konstante Gereiztheit sind alles Faktoren, die uns darauf hinweisen können, dass wir körperlich und seelisch überlastet sind. Das wahrzunehmen und auf die Ursache des Symptoms statt auf das Symptom selbst zu reagieren sehe ich als absolute Notwendigkeit an für hochsensible Menschen in fordernden Lebenssituationen. Wir können schlicht weniger „wegdrücken“, bevor wir mit – gegebenenfalls gravierenden – körperlichen und seelischen Beschwerden auf Überlastung reagieren. 

Ich z.B. wache häufig in den frühen Morgenstunden auf und kann nicht mehr einschlafen, wenn ich beruflich stressige Phasen durchlebe. Statt im Dunkeln liegen zu bleiben und ins Grübeln zu geraten, hilft mir in solchen Momenten, mich zu bewegen oder meine Gedanken niederzuschreiben. Häufig komme ich erst dabei den Gefühlen hinter meiner Anspannung auf die Spur. Wut, Angst oder Trauer auszudrücken (in Worten, Gesten oder Tränen), statt nur die Spannung auszuhalten, die sie erzeugen, ist erleichternd. Und führt häufig dazu, dass gerade dann sich auch der Schlaf wieder einstellt. Unsere Gefühle wollen uns unseren Weg zeigen, wir dürfen sie nicht fürchten!

2) Inseln der Ruhe und Schlaf

Genauso wichtig wie das Wahrnehmen meiner Gefühle (sowie der dahinter liegenden Bedürfnisse) empfinde ich, mir den Raum für mich selbst zu geben. An Tagen, die mir kaum echte Pausen möglich machen, erreiche ich das für mich durch Langsamkeit während meiner Aktivitäten. Also mittags kein schneller Snack auf die Hand im Gehen. Statt dessen setze ich mich für das Essen bewusst hin und konzentriere mich für zehn Minuten oder eine Viertelstunde tatsächlich allein auf meine Mahlzeit. Will ein Kollege oder Schüler zwischen Tür und Angel eine Entscheidung von mir, hilft mir oft die Aussage, darüber müsse ich noch nachdenken und dass ich einen Termin, z.B. am nächsten Tag, vereinbare, um das Ganze in Ruhe zu besprechen. Und meinem Sohn gegenüber schlage ich Aktivitäten vor, bei denen ich mich selbst entspannen kann. Ich lasse ihm z.B. ein Bad ein, lese ein Buch mit ihm oder packe ihn bei schönem Wetter auf den Fahrradsitz und radle den nächsten Radweg entlang. Nur wer sich auch erholen kann bleibt dauerhaft leistungsfähig. Ich habe die Verantwortung für mich selbst und mein Kind, also muss ich danach handeln!

3) Es darf auch mal „schei..e“ sein

Gelassenheit bei Konflikten mit dem Partner oder der Partnerin, mit Freundinnen oder Kollegen, oder wenn unvorhergesehene Ereignisse alle eigene Planung über den Haufen werfen – sie ist ein hehres Ziel. Aber was erreiche ich, wenn ich mir sozusagen „befehle“, Dinge nicht so ernst zu nehmen, bzw. nicht so „empfindlich“ zu sein? Wozu führt mein Anspruch, die Wut, Verwirrung oder Nervosität, die äußere Ereignisse in mir auslösen, bitte jetzt und sofort weniger intensiv zu spüren? Nun ja – höchst wahrscheinlich werden all meine negativen Gefühle nur noch stärker. 

Die Situation, mit der ich konfrontiert bin, ist wie sie ist. Und ich reagiere darauf nun mal auf eine gewisse Weise. Ich finde etwas nicht plötzlich angenehm oder gut handhabbar, bloß weil ich es mir befehle. Manchmal muss ich mir im Gegenteil zugestehen, WIE wütend, (innerlich) angstbibbernd oder todtraurig mich eine bestimmte Situation macht und ggf. auch annehmen, dass ich mich schlicht hilflos oder überfordert fühle, um erst dann die Erleichterung spüren zu können, dass ich eben auch nicht alles souverän bewältigen muss. Es ist normal, dass ich Angst, Wut oder Trauer spüre, dass sich das Leben manchmal schei…e anfühlt – ich darf das fühlen. Und ich darf sogar danach handeln. Indem ich mal laut werde und ungeduldig oder mich auch zwei Tage krank melde, selbst „nur“ wegen einer starken Erkältung und weil ich offensichtlichen genau in diesem Moment eine Auszeit brauche. Aber ich brauche nicht zusätzlich Angst haben, jetzt nur noch überfordert, nie wieder fröhlich oder eine „schlechte Mutter“ zu sein. 

Als hochsensibler Mensch muss ich lernen, mit meinen starken seelischen Reaktionen auf äußere Eindrücke umzugehen. Was weniger fein wahrnehmende Gemüter kaum registrieren, kann bei uns Hochsensiblen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Meine Aufgabe ist also nicht, weniger zu fühlen, sondern ich muss lernen, weniger verunsichert auf meine Gefühle zu reagieren. Das mag nicht leicht sein, wenn ich gegebenfalls jahrelang gehört – oder mir selbst eingeredet – habe, meine Wahrnehmung sei übertrieben oder zu „zimperlich“. Aber ich kann genau diese Annahme meiner Gefühle lernen, z.B. mit einem Ansatz wie dem der ACT-Therapie (Acceptance and Commitment Therapy), der dabei unterstützt, die eigenen Gefühle wahr- und anzunehmen, sich jedoch nicht komplett von Ihnen überrollen zu lassen. 

Es geht nicht darum, dass alles gut ist, es geht darum, das ich mit dem umgehen kann, was ist. Genau das wünsche ich dir, egal ob du dich als hochsensibel wahrnimmst oder nicht!

Herzlichen Gruß, Sunnybe

Mehr Infos zum Thema „Hochsensibilität“ findet ihr z.B. auf zartbesaitet.net oder auf Lichtiges.de, der Seite der Kölner Autorin und Trainerin Caren Klaschka, die Themenabende und Coachings speziell für Hochsensible anbietet.

Außerdem zwei lesenswerte Bücher zum Thema Acceptance and Commitment Therapy (ACT) (auch für nicht-hochsensible Menschen😉):

Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei“ von Russ Harris: Ein einfach zu lesender und dennoch fundierter Ratgeber mit konkreten Übungen, um die Grundsätze der Acceptance-and-Commitment-Therapy in den Alltag zu integrieren.

Das Leben annehmen“ von Matthias Wengenroth: Umfassende Information zum Thema ACT. Das Buch geht ausführlich auf die psychischen Prozesse ein, die dazu führen, dass wir negative Gefühle haben und zeigt Möglichkeiten auf, wie wir diesen mithilfe von Achtsamkeit und klaren inneren Werten selbstbestimmt begegnen können.

[Alle Links sind persönliche Empfehlungen und keine bezahlte Werbung]

[Foto: Pixabay]

„Top 5 Bio-Hacks“: Wenn Sprache ausschließt und Worte Barrieren schaffen.

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Kürzlich kaufte ich mir nach Längerem wieder einmal eine Zeitschrift, die sich als „Magazin für Pop, Politik und Feminismus“ bezeichnet. Eigentlich Themen, die mir selbst am Herzen liegen. 

Top 5 Bio-Hacks

Ich schlug willkürlich eine Seite auf und stieß auf den Artikel: „Top 5 Bio-Hacks“. Und nein – der Kalauer sei erlaubt – hier geht es nicht um Kleingehacktes, sondern vielmehr… ja, um was eigentlich?

Tamara Pertamina ist eine multidisziplinäre Künstlerin und ehemalige Sexarbeiterin aus Yogyakarta, die sich mit Geschlechtsidentität im präkolonialen Indonesien beschäftigt. Ihr Studio befindet sich im HONFabLab, dem ersten Makerspace seiner Art in Indonesien. Hier werden Kunst, Wissenschaft und Technologie in einen Dialog gebracht, um Fragen der sozialen Gerechtigkeit zu reflektieren.

Aha. Ich verstehe nicht alles, aber Fragen der sozialen Gerechtigkeit interessieren mich durchaus. Außerdem will ich wissen, was es mit den „Bio-Hacks“ auf sich hat. Also lese ich weiter. Ein paar Zeilen später erfahre ich, was Ms. Pertaminas Arbeiten auszeichnet:

Ihre jüngste Performance „The CRISPR Sperm Bank: Experience Trans-Species Possibilities“ (die Abkürzung steht für „Clustered Regularly Interspaced Short Palimdromic Repeats) wirft Fragen nach den politischen und ökonomischen Dimensionen wissenschaftlicher Spekulationen über mögliche transgene Zukünfte auf. Kann Queer Theory in diesem Kontext kreative Wege des Nachdenkens über Transbiologie aufzeigen? „Wenn mein ganzer Körper aus Plastik hergestellt werden kann, was ist dann organisch? Nur mein Herz“, so Tamara Pertamina im Interview mit hyperallergetic.com.

Sorry… ich bin des Deutschen wie des Englischen mächtig, aber hier verstehe ich schlicht kaum ein Wort. Was, um Himmels Willen sind „transgene Zukünfte“? (Bis jetzt wusste ich nicht einmal, dass sich „Zukunft“ im Plural deklinieren lässt). Was sind „Clustered Regularly Interspaced Short Palimdromic Repeats“? Und, ok, es geht offensichtlich um die Verfremdung und Erweiterung des Körpers mithilfe von Genmanipulation oder plastischer Chirurgie (das „Plastik“ im Körper?). Was das alles mit „sozialer Gerechtigkeit“ zu tun hat, erschließt sich mir beim Lesen des Artikels schlicht nicht. 

Sich über Fremdes lustig machen 

Andere Welten. Jawohl, es ist immer leicht, sich über Fremdes lustig zu machen. Oft genug schlicht, weil man es nicht begreift. Das Magazin spiegelt offensichtlich einen akademischen Gender-Feminismus, zu dem ich, die ich nicht dessen ganz speziellen Sprach-Code beherrsche, schlicht keinen Zugang habe. 

Sorry, aber das ist Bullshit: Sprache, die trennt, die Barrieren schafft. Da helfen auch keine Gender*Sternchen…

Einige Seiten davor lese ich in einem Artikel zum Thema „Kinder kriegen oder kinderlos bleiben“:

Heti [die Autorin des Buches, das in dem Beitrag besprochen wird] argumentiert stets als die Künstlerin, die ihre Freiheit und Einsamkeit schätzt und nicht nur, wie Eltern es tun, ein paar Leben, sondern potenziell Generationen überdauernde, Tausende Existenzen berührende Werke hervorbringt.

Aha. Hier scheut das Magazin die klaren Worte nicht. Eltern, die „nur ein paar Leben“ produzieren vs. Künstlerinnen (und hier sind nur die kinderlosen gemeint), die Generationen überdauernde Werke schaffen. Die ewige Spaltung in die niedere Biologie und die höheren geistigen Sphären. Nur stehen sich hier zur Abwechslung einmal nicht das niedere, dem Gefühl und sinnlichem Empfinden unterworfene Weib und der rationale Mann gegenüber, sondern Eltern vs. kinderlose Kreative. 

Spaltung statt Solidarität

Vielleicht kein Zufall, dass viele der Autor*innen gerade letzterer Kategorie angehören? Der Artikel mit dem sprechenden Titel „Abgrund Mutterschaft“ (so wird er auf dem Cover des Magazins beworben), zeigt, ebenso wie der Text zu den „Bio-Hacks“, jedenfalls, welcher Graben zwischen Menschen verläuft, die sich im Namen von Gender Forschung und Queer Theory mit „transgenen Zukünften“ befassen und Menschen, die einfach nur ihren Kindern die Nase abwischen, ihnen Roller fahren beibringen und sie in ein Leben als zufriedene, sozial kompetente Erwachsene begleiten wollen.

Betrachte ich mich selbst als Mutter sowie – meinem Selbstverständnis nach – als durchaus intellektuelle, akademisch gebildete Frau, so merke ich: Ich bin mit dieser Form des „Feminismus“ nicht gemeint. Jedenfalls mit meinen Bedürfnissen, wegen Teilzeitarbeit nicht an gläserne Decken zu stoßen oder trotz reduzierter Arbeitszeit eine vernünftige Altersversorgung zu bekommen. Wer sich gedanklich mit „Clustered Regularly Interspaced Short Palimdromic Repeats“ beschäftigt, kämpft eher nicht für mehr Kindergartenplätze und das Recht von Frauen (und Männern), zu entscheiden, wann arbeite ich z.B. weniger, um für meine alten Eltern oder meine Kinder da zu sein? Videoinstallationen und Performances mögen kontroverse Themen aufgreifen. De facto helfen sie Frauen, Homosexuellen, Trans* und Co aber wohl nur peripher dagegen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts oder der Kleidung, die sie tragen, diskriminiert, belästigt und bedroht zu werden. 

Queer- und Gender-Studies sind aufgebrochen um Normen zu hinterfragen und (Geschlechter-) Grenzen aufzubrechen. Leider, so kommt es mir jedenfalls nach dem Blättern in diesem Magazin vor, haben sie neue Barrieren errichtet: Eine Sprache, die allein durch ihre Komplexität, durch hunderte, nur einem geschulten Publikum erschließbare, Querverweise und Bezüge ausschließend wirkt. Und eine Haltung, die im Namen von Minderheiten die Probleme ganzer Bevölkerungsschichten ignoriert, bzw. herunterspielt. Nein zu „Blackfacing“ und „Heteronormativität“, aber „Alltagssorgen“ wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind „nicht ihr Thema“. 

Der Artikel zur (Anti-) Mutterschaft fasst das klar zusammen: 

Hetis Beobachtungen, warum es für Frauen heute immer noch fast unmöglich ist, beides zu haben [Kind und berufliche Erfüllung], sind so scharfsinnig wie wütend, lassen die Leser*innen aber doch ein wenig desillusioniert, fast unbefriedigt zurück, da der Status quo klug beschrieben, aber nicht an ihm gerüttelt wird.

Tja, allein dafür lohnte sich für mich die Lektüre der Zeitschrift. Ich persönlich, als Frau und Mutter, fühle mich von einem Feminismus nicht repräsentiert, der über die „Unterdrückung von gebärfähigen Menschen“ (Bonmot aus einem weiteren Artikel) schwadroniert, aber sich letztlich nicht für Eltern interessiert, die „nur“ die eigenen Kinder produzieren und ins Leben begleiten. 

Nein danke, diesen Prophet*innen glaube ich nicht!

Und ihr? Steht ihr dieser Form des Feminismus ebenfalls skeptisch gegenüber oder könnt ihr ihm durchaus etwas abgewinnen? Oder ist euch die Empörung über „toxische Männlichkeit“ sowie der Kampf für „Safer Spaces“ und eine „körperpositive Haltung“ schlicht egal? Freue mich über eure Kommentare.

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

 

#bloggersforfuture: Mein Selbstversuch im Supermarkt

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Das Thema Klimaschutz lässt mich nicht los. Daher heute ausnahmsweise mein dritter Blogbeitrag diese Woche!…😉

Greta Thunberg startete Mitte letzten Jahres von Stockholm aus die freitäglichen Fridays for Future-Demonstationen, auf denen sich Schüler/innen und Studierende für den Klimaschutz einsetzen. Alexandra von livelifegreen.de machte mich mit ihrer Blogparade noch einmal darauf aufmerksam: aus Solidarität zu den demonstrierenden Jugendlichen habe ich daraufhin selbst einen Blogartikel verfasst. Wenn ihr mögt, könnt ihr in hier noch einmal lesen!

Mein Selbstversuch im Supermarkt

Während des Schreibens wurde mir auch noch einmal klar: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. So abgegriffen der Spruch auch ist, so viel Wahrheit steckt doch in ihm. Wer Greta zuhört, z.B. beim Stockholmer TED-Talk Ende 2018, ist nicht nur beeindruckt von ihren Englischkenntnissen, sondern merkt schnell: Sie will einfach nicht mehr hinnehmen, dass bloß GEREDET, aber all die Klimaabkommen, Emissionspläne und guten Vorsätze nicht in die Tat umgesetzt werden. 

Also los! Wie steht es um meine ganz persönlichen guten Vorsätze? Jede Woche trage ich (mindestens) eine große Tüte Plastikverpackungen hinunter in den Keller, wo sie (für mich) auf Nimmerwiedersehen in der Gelben Tonne verschwinden. Das sollte heute, beim Einkauf im Supermarkt, anders sein. 

Ich muss dazu sagen, ich war einfach nur beim Lebensmittelhändler um die Ecke, in diesem Fall ein Netto, der Ort, wo ich im Alltag unter Zeitdruck oft noch schnell ein paar Lebensmittel einkaufe, schlicht, weil der Laden zu Fuß in fünf Minuten erreichbar ist. 

Was habe ich gelernt?

  1. Will ich Gemüse tatsächlich unverpackt kaufen, bleibt mir in einem „Normalo-Supermarkt“ wie Netto nicht gerade viel Auswahl: hier gibt es zwar wie überall mehrere Sorten Kartoffeln, Tomaten oder Paprika, aber fast alles ist in Plastik eingeschweißt. Ich entscheide mich für die einzigen Paprika, die unverpackt zu haben sind, ebenso für die einzigen unverpackten Tomaten und die nicht-eingeschweißten Gurken. Kartoffeln gibt es hier nur im Netz aus Kunststofffäden, ich müsste sie also z.B. auf dem Markt besorgen, wollte ich wirklich konsequent auf Verpackungsmüll verzichten und paradoxerweise sind auch die Bio-Karotten und Bio-Gurken in diesem Laden nur verpackt zu haben. Karotten kaufe ich diesmal trotzdem, da es schlicht keine unverpackte Alternative gibt. Jedenfalls weiß ich jetzt, welches Gemüse ich hier auf keinen Fall unverpackt bekomme.
  2. Milchprodukte sind in einem Supermarkt wie Netto ohne Frischetheke ebenfalls nur in Plastik verpackt zu haben. Käse eingeschweißt, Joghurt, Sahne und Crème fraîche im Kunststoffbecher. Auch Milch und Saft gibt es nicht in (Mehrweg-) Glasflaschen. Ich verzichte diesmal auf den Einkauf und mache mir innerlich eine Notiz, diese in Zukunft in einem weiter entfernten Supermarkt zu kaufen, der Milchprodukte auch im Glas anbietet. Allerdings habe ich kein Auto, werde also sehen müssen, wie ich das Problem mit dem Pfand löse. Vermutlich gebe ich die Glasflaschen dann bei Netto zurück…🙂
  3. Fisch, Wurstwaren und Fleisch kaufe ich persönlich selten und bei Netto so gut wie nie. Zwar gibt es dort inzwischen eine eigene hauseigene Bio-Marke, aber die Auswahl bei tierischen Produkten ist gering – immerhin Bio-Hackfleisch finde ich, allerdings lediglich zertifiziert nach EU-Bionorm. 
  4. Eier gibt es – immerhin in EU-Bio-Qualität – in der Pappschachtel. Für alle weiteren Wünsche (Regionalität, keine standardmäßige Tötung männlicher Küken) müsste ich in einem anderen Supermarkt oder auf dem Markt einkaufen.
  5. Reis, Nudeln, Bohnen, Linsen: NUR in der Plastiktüte zu haben. Hier mache ich mir innerlich die Notiz, diese Produkte tatsächlich einmal im „Unverpackt“-Laden zu besorgen. Bei uns im großstädtisch ökobewussten Viertel gibt es seit Kurzem sogar einen…
  6. Aus Bequemlichkeit kaufe ich noch eine Fertigpizza (verpackt in der Pappschachtel und eingeschweißt in Plastik), für den Genuss etwas Schokolade (Pappschachtel und Alufolie) und für den Haushalt neues Waschmittel. Bei Süßigkeiten und Hygiene- sowie Reinigungsprodukten das wahre (Verpackungs-) Elend: zumindest bei Netto nur Einweg-Plastikflaschen und Plastikverpackungen, in denen Bonbons oder Spülmaschinentabs oft noch einzeln verpackt sind. Also Waschpulver, Spülmittel und Co künftig auch nur noch im „Unverpackt“-Laden besorgen? Selbst in anderen Supermärkten und Drogeriemärkten habe ich hierzu noch nicht viele Alternativen gefunden. Für Hinweise bin ich dankbar – auch ohne mein Spülmittel gleich selbst mixen zu müssen…

Mein Fazit nach 20 Minuten im „Normalo“-Supermarkt?

  1. Es ist einerseits verdammt schwer verpackungsfrei einzukaufen – zum Teil tatsächlich unmöglich, da es die Produkte nur plastikumhüllt gibt. Andererseits entfällt die „Qual der Wahl“ zumindest bei Obst und Gemüse, da es schlicht meist nur eine Sorte gibt, die unverpackt zu haben ist.
  2. Auf Verpackung zu verzichten kann sich mit anderen Vorsätzen „beißen“, also z.B. in Bio-Qualität oder regional produziert einzukaufen. Das war mir schon früher bewusst, wenn ich z.B. im März aus Neuseeland importierte „Bio“-Erdbeeren bewusst liegen ließ. In eine Zwickmühle gerate ich, wenn ausgerechnet das Bio-Gemüse nur eingeschweißt zu haben ist…
  3. Lebensmittel mit möglichst wenig Verpackung sowie tierische Produkte in Bio-Qualität zu kaufen, erfordert eine gewisse Planung. Einfach mal eben schnell im nächsten Supermarkt bekommt man, wie ich bei meinem Selbstversuch gemerkt habe, schlicht nicht alles. Bei allen „Trockenprodukten“ wie Nudeln, Reis und Keksen sowie allen Reinigungsmitteln und Hygieneartikeln bieten oft selbst Bio-Läden nur in Plastik verpackte Produkte. Offensichtlich lohnt sich hier tatsächlich das Einkaufen in Unverpackt-Läden oder auf dem Markt, wo man ggf. eigene Behälter mitbringen kann. 
  4. Alle Spontankäufe („Coffee to go“) und Convenient-Food wie der fertig zubereitete Salat, der Smoothie im Plastikfläschchen oder die Tiefkühlpizza produzieren extrem viel Verpackungsmüll. Ein weiterer Grund (neben Gesundheit und Geldbeutel), tendenziell darauf zu verzichten?

Ich jedenfalls habe mir diesmal auf dem Weg nach Hause keinen Coffee-to-go aus dem Automaten gelassen und werde mir jetzt WIRKLICH einen Mehrweg-Kaffeebecher kaufen, da ich mir oft unterwegs einen Kaffee oder Tee auf die Hand gönne. Wirklich schwierig erscheint es mir nicht, umweltbewusst(er) einzukaufen – aber Konsequenz und etwas zusätzliche Planung erfordert es schon – nun ja, die ist definitiv gut investiert!🙂

Mich würde sehr interessieren, welche Erfahrungen ihr mit dem Umsetzen eurer eigenen guten Vorsätze bisher gemacht habt. Oder ist euch das ganze Thema letztlich doch nicht so wichtig? Ich freue mich über eure Kommentare!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Wie es auch gehen kann: Der Thornton’s Budgens-Supermarkt in London wurde innerhalb von 10 Wochen komplett plastikfrei. Einen Bericht darüber findet ihr hier.