Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

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Meine Mitbloggerin Anna Koschinski stellt in ihrem Blog die Frage: „Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?“ Hier meine Antwort:

Am Anfang stand ein Streit

Tatsächlich stand am Anfang ein Streit: „Ich kann es nicht mehr hören!“, schleuderte mir eine (ältere) Kollegin entgegen: Das Gejammer junger Mütter, sie seien durch Beruf und Kinderfürsorge doppelt belastet. Sie selbst pflege trotz Vollzeitstelle seit Jahren ihre alte Mutter und jammere auch nicht. Das sei ihre „Privatsache“ und meine eben auch, da ich entschieden habe, ein kleines Kind zu haben UND berufstätig zu sein.

Dieses (Streit-) Gespräch war die Initialzündung. Zwei Nachtschichten später stand meine Website und ich hatte meinen ersten Artikel verfasst: Privatsache? Ich fand – und finde – nämlich durchaus, dass der Spagat zwischen beruflichem Engagement und privater Fürsorge (der sogenannten „Care-Arbeit“) ein gesellschaftlich relevantes Thema ist und es zu einfach gedacht ist, (zeitweise) Überforderung damit auf die zu geringe Belastbarkeit einzelner Mütter oder Väter zu schieben. 

Eine Gesellschaft ist so sozial wie die, die in ihr leben 

Der Start meines Blogs war also durchaus kämpferisch – und gesellschaftliche Themen sind bis heute ein wichtiger Aspekt meiner Seite: mich interessiert z.B. sehr, wie eine Gesellschaft aussehen kann, die weniger den Erfolg und die Leistung des Einzelnen im Fokus hat, sondern durch soziales Handeln und Interesse am Gegenüber geprägt ist. Parallel zu meinem Blog setze ich das inzwischen auch im realen Leben um: sei es ein von mir organisiertes Kaffeetrinken mit meinen Nachbarn  im Haus oder der mit einer Freundin initiierte Stammtisch für Allein- und Getrennterziehende: Netzwerke zu schaffen und sich (auch) im echten Leben wirklich zu begegnen ist ein wichtiges Thema für mich. 

Vermutlich auch, weil ich nach der Trennung vom Vater meines Sohnes Anfang 2017 nach Wegen suchte, mich als (getrennt erziehende) Mutter mit kleinem Kind neu zu orientieren. Wir betreuen unseren mittlerweile dreijährigen Sohn fast zu gleichen Teilen in einem Wechselmodell – auch hierüber und über die verschiedenen Phasen der Neuorientierung als getrennt lebende Familie schrieb ich zahlreiche Artikel.  

Und wie weiter? 

Mein Blog ist mir in den letzten Monaten wichtig geworden. Ich finde es großartig, in ihm einen Raum zu haben, in dem ich andere an meinen Überlegungen zu psychologischen und gesellschaftlichen Themen  teilhaben lassen kann. Ich erhalte auch immer wieder die Rückmeldung, Artikel seien bewegend oder gäben in irgendeiner Weise genau wieder, womit sich mein Gegenüber gerade befasse. Das Teilen meiner Gedanken in diesem Blog trägt dazu bei, dass ich auch im „echten“ Leben Menschen, die ich davor noch gar nicht kannte, schneller und „persönlicher“ kennen lerne – sie haben über das Lesen meiner Texte bereits einen Zugang zu mir erhalten, der sich ihnen sonst viel langsamer – wenn überhaupt – erschlossen hätte. Umgekehrt entstehen durch den Austausch über meine Texte tiefe und anregende Gespräche, die den Grundstock zu realen Freundschaften legen. Besonders begeisterte mich zuletzt meine erste selbst gestartete „Blogparade“ zur Frage „Was ist echte Stärke für dich?“: Innerhalb weniger Tage erhielt ich Dutzende Kommentare und zehn mir bis dato (weitgehend) unbekannte Menschen verfassten auf ihren Websites  wunderbare, berührende und tiefsinnige Antwortartikel. 

Freud und Leid des Bloggens

Die Kehrseite des Bloggens habe ich jedoch auch schon kennen gelernt: Eine Aufmerksamkeit, die sich durch „Klickzahlen“ oder gesammelte „Likes“ zeigt, kann einen regelrechten Sog entwickeln: Was, diesen Artikel haben in wenigen Tagen 120 Menschen gelesen? Beim nächsten sollen es noch mehr werden! Auch das Bloggen an sich, über so persönliche Themen, wie ich es tue, hat etwas Ambivalentes. Das Netz ist öffentlich, letztlich anonym und oft auch „stumm“: jeder kann meine, zum Teil sehr offen formulierten, Gedanken lesen, aber muss sich in keiner Weise dazu positionieren. Eine Reaktion wie in einem persönlichen Gespräch erhalte ich längst nicht immer – und andererseits bietet der Blog offensichtlich auch Raum für Projektion: so hat sich, zumindest nehme ich es so im Rückblick wahr, einmal ein Mann hauptsächlich aufgrund meiner Blog-Artikel in mich verliebt und dabei vermutlich übersehen, dass ein echtes Kennenlernen nicht in derselben Intensität und Geschwindigkeit stattfinden kann wie das „Kennenlernen“ eines anderen über seine geschriebenen Texte.

Mir selbst und anderen schreibend begegnen

Jawohl: das Bloggen ist für mich auch eine Art, mir selbst – und anderen – schreibend zu begegnen: die vielfältigen, bunten Erfahrungen, die sich in den letzten Monaten daraus ergeben haben, bestätigen, dass dieser Weg (gerade) der richtige für mich ist. 

Vielleicht ermögliche ich in Zukunft anderen in Form von Workshops, im Prozess des Schreibens „Heimat“ in sich zu finden, sich selbst und andere besser zu verstehen und den ‚roten Faden’ in ihrer Biographie zu entdecken?

Mein Weg ist jedenfalls der der Begegnung: echt, liebevoll (zu mir und zu anderen), offen dafür, innerlich zu wachsen und mir und anderen immer wieder Raum zu geben, einfach zu sein. Ich bin erwartungsvoll, was sich dabei in meinem Blog – und über meinen Blog hinaus im „echten“ Leben -entwickelt. Der Grundstein ist gelegt!

Herzliche Grüße – und ein herzliches Dankeschön an alle, die mich als Leserinnen und Leser seit Beginn meines Blogs im April 2018 begleiten, meine Artikel teilen und kommentieren und diese besondere Art des Austauschs mit mir führen!

Sunnybee

PS. Ach ja… Wer ist „Sunnybee“? Und warum schreibe ich unter Pseudonym? Das erkläre ich hier.

„Kannst du mal eben?“ Der Mythos der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Familie haben und gleichzeitig beruflich durchstarten – alles kein Problem? Hier ein (Gegen-) Beispiel aus der Praxis:

Kaum heute im Lehrerzimmer angekommen, kommt der Kollege, der an unserer Schule für die Organisation der Abiturprüfungen zuständig ist, auf mich zu: ein anderer Kollege sei erkrankt, ob ich an seiner Stelle an einer der Prüfungen teilnehmen könne. Zeit der Prüfung: 8.00-8.30 Uhr, an einem Freitag, an dem ich aufgrund meiner Teilzeitstelle keinen Unterricht habe und somit eigentlich nicht in der Schule bin.

Einen trifft’s immer

Tja… ich erwidere, ich müsse erst abklären, ob das organisatorisch möglich sei – und dann überlege ich: 

  1. Freitags bringe ich normalerweise unseren Sohn zum Kindergarten. Der öffnet frühestens um 7.30 Uhr. Bis 8 Uhr würde ich es höchstens gebeamt ans andere Ende der Stadt schaffen. Babysitter um 7 Uhr morgens? Oma/Opa vor Ort und bereits wach? Leider nein.
  2. Das heißt, ich muss absagen, oder mein Expartner bringt unseren Sohn in den Kindergarten. Da wir naturgemäß nicht mehr zusammen wohnen, müsste unser Sohn von Donnerstag auf Freitag außer der Reihe bei ihm schlafen oder sein Papa müsste ihn freitags vor seiner Arbeit bei mir abholen, zum Kindergarten bringen und selbst eine Stunde später als sonst mit der Arbeit beginnen. 
  3. Oder ich sage für die Prüfung ab. Immerhin werde ich auch nur für eine Teilzeitstelle bezahlt und habe an diesem Tag offiziell unterrichtsfrei. Andererseits sind Abiturprüfungen ein Dienstgeschäft, zu dem ich vertraglich verpflichtet bin; ich könnte also auch einfach von meiner Schulleitung zur Teilnahme an der Prüfung gezwungen werden.
  4. Was, wenn ich darauf bestünde, keine Zeit zu haben? Die Prüfung verschieben? Ein Prüfling und zwei Kolleg/innen plus demjenigen, der das Ganze organisieren müsste, wären involviert… Oder ein anderer Kollege, bzw. eine andere Kollegin müsste einspringen – sicher zur Freude des- oder derjenigen, die es an meiner Stelle treffen würde. 

Wilde Mischung aus Pflichtgefühl, schlechtem Gewissen und Gereiztheit. Und eine klassische Situation, in der ein „Kannst du mal eben?“ nicht einfach aus dem Handgelenk zu schütteln ist – jedenfalls nicht ohne „Kosten“ und Zugeständnisse irgendeiner der Beteiligten.

Letztlich sage ich zu. Mein Ex-Partner wird an diesem Tag unseren Sohn in den Kindergarten bringen können. 

Mythos Vereinbarkeit 

Wirklich zufrieden bin ich mit dieser Lösung nicht. Und denke wieder mal: das sind die Momente, in denen die angebliche „Vereinbarkeit“ von Familie und Beruf sich als große Mogelpackung entpuppt. Andere Klassiker: krankes Kind oder kranke Eltern; Kita wegen Streik/Grippewelle etc. geschlossen; nur Vormittagsbetreuung in der Schule; Babysitter springt ab; Überstunden bei der Arbeit; Termine nachmittags und abends, etc.

Irgendeine/r zahlt immer drauf. Und das sage ich, die ich, was die Arbeitszeiten angeht, als Lehrerin einen der familienfreundlichsten Berufe der Welt ausübe!…

Was sagt ihr dazu: Habt ihr ähnliche Erfahrungen auch schon gemacht? Wie kommt ihr mit dem Spagat zwischen Beruf und Familienleben zurecht? Oder übertreibe ich eurer Meinung nach und es ist alles „halb so wild“?

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Petition für eine verbesserte „Randzeitbetreuung“ in Kindergärten und Schulen unterzeichnen? Hier könnt ihr das tun!

 

„Echt stark!“ Ein Resümee meiner ersten eigenen Blogparade

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Ich bin beeindruckt. Gerührt (das auch). Fasziniert und stolz: was für eine Resonanz auf meine erste selbstgestartete BLOGPARADE!

Was ist echte Stärke für dich?

Für meinen Aufruf zur Blogparade habe ich die bisher mit Abstand meisten Reaktionen und Kommentare auf meiner Seite erhalten. Und eigentlich jeder „Antwortartikel“, der mich erreicht hat, ist es wert, dass ich ihn an dieser Stelle noch einmal erwähne und damit vielleicht weitere Leser/innen auf ihn aufmerksam mache. Also los!

1) Tilmans Site

Als erster Beitrag erreichte mich nach wenigen Stunden eine, für Tilman typische, Mischung aus knappem Text und ausdrucksstarkem Bild. Sehr schön: seht selbst!

2) Lydias Welt

„Lydias Welt“ als Autorin mit arabischstämmigem Hintergrund, zweifache Mutter und engagierte Bloggerin, die in ihren Texten ihr Leben mit einer starken Seheinschränkung beschreibt, ist für mich selbst beeindruckend und faszinierend. Ihr Beitrag zum Thema „Stärke“ war es auch. Hier findet ihr ihn.

3) kommunikatz

Über Lydia fand Lea zu meiner Seite und beteiligte sich an der Blogparade. Ihr Beitrag berührte mich, da sie darin in sehr persönlicher Weise eigene Schwäche(n) darstellt – und gerade darin die Möglichkeit zu echter Stärke aufzeigt. Ihren Text findet ihr hier.

4) Getrenntmitkind

Christina kenne ich, anders als die drei bisher genannten Autor/innen, persönlich: wir haben vor etwa einem halben Jahr einen Stammtisch für Getrennt- und Alleinerziehende ins Leben gerufen, über den ich auch hier im Blog schon ein paar Mal geschrieben habe. Ihre klugen und ermutigenden Worte findet ihr hier.

5) Mein schönes Leben

Anna kannte ich noch nicht, aber mir fiel sofort die herzliche Art auf, mit der sie mich in ihrem Kommentar anschrieb. In ihrem Blog gibt sie ganz handfeste Tipps für mehr (innere und äußere) Sortiertheit im Leben – kann nie schaden, finde ich! Ihren inspirierenden Blogbeitrag findet ihr hier.

6) Dresden Mutti

Nadine, zweifache Mutter und kluge, reflektierte Bloggerin aus Dresden (die es davor jahrelang ins Rheinland verschlagen hatte) beleuchtet in ihrem Text noch einmal eine andere Seite „echter Stärke“, nämlich, dass sie meist gerade dann gefordert ist, wenn sich das Leben nicht von seiner „besten Seite“ zeigt. Lest hier!

7) Das tägliche Gruseln

Ina antwortete mir wie Tilmann schon bald nach Erscheinen meines Artikels und fand sich in meinen Worten wohl direkt wieder. Ihre eigenen – inspirierenden – Worte findet ihr hier.

8) Frau Sabienes

Sabienes Text könnte man in jedem Ratgeber abdrucken. Sie beschreibt echte Stärke als Resilienz, seelische Widerstandskraft, und nennt gleich mehrere „Mantras“, die helfen können, diese zu erreichen. Ebenfalls sehr lesenswert! Ihren Artikel findet ihr hier.

9) Charlottes Adoptionsblog

Charlotte schließlich antwortete mir kurz vor Ende meiner Blogparade, was mich sehr freute, da ich ihren Blog schon seit einiger Zeit verfolge und ihre Sicht auf die Welt oft inspirierend finde. Sie beschreibt in ihrem Artikel u.a. die Stärke ihrer beiden (adoptierten) Kinder. Ihren berührenden Beitrag findet ihr hier.

10) Schutzgarten

Auch Manja entschloss sich „kurz vor Schluss“ zu einem Beitrag. Ihr Text beschreibt sensibel und facettenreich verschiedene Formen von Stärke wie z.B. die Fähigkeit bewusst zuzuhören und dabei die eigenen Grenzen gut zu wahren oder als Elternteil mit hochsensibler Wahrnehmung gut für sich zu sorgen. Lest ihren Artikel hier!

Neben diesen zehn tollen Blogbeiträgen erreichten mich mehrere Kommentare, die in ihrem Umfang und Gehalt teilweise auch Beitragsqualität hatten. Danke an Wortmann, Nora, und Hannah: Eure Worte klingen noch in mir nach!

Der Austausch soll weitergehen!

Daher möchte ich an dieser Stelle meinen Wunsch äußern, dass diese Form des anregenden und bereichernden Austauschs auf meiner Seite keine einmalige Sache bleiben möge! Also, falls ihr mögt, abonniert meinem Blog (z.B. über den „Folgen“-Button auf der Startseite), so dass ihr über weitere Artikel in Zukunft per Mail informiert werdet, beteiligt euch über die Kommentarfunktion am Austausch über meine Texte und erzählt gern weiter, wo und wie meine Seite zu finden ist!

Schwarz als Mischung vieler Farben

Beenden möchte ich diesen Artikel mit den klugen Worten meiner Leserin Hannah. Sie schrieb in ihrem Kommentar:

“Stärke heißt für mich, im Schwarzen eine Mischung vieler Farben sehen zu können“.

Ursprünglich hatte ich meinen Blog begonnen, um einen Gegenpunkt zu der Entmutigung und auch Hilflosigkeit zu setzen, die ich als frisch getrennt lebende Mutter eines kleinen Sohnes zuweilen empfand. Daraus ist inzwischen ein Projekt voller Leben und ein Ausdruck meiner eigenen inneren Stärke geworden! Mehrere Türen, auch außerhalb der Bloggerwelt, haben sich für mich dadurch bereits geöffnet. Ich bin gespannt und voll freudiger Erwartung, in welche Richtung sich mein Leben und auch mutter-und-sohn.blog weiter entwickeln wird!

Herzliche Grüße, Sunnybee

PS. Zum Weiterlesen:

NEU: Flüsterpost – Mach mit! (bis 15.12.18)

Darf ich als Mutter (eigene) Ziele haben?

Bei Netto an der Kasse: Was ich heute beim Einkauf lernte

 

 

 

 

NEU: Flüsterpost – Mach mit! (bis 15.12.18)

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WIE GEHT’S ?

1) Frage schicken

Du schickst mir eine Frage, die dir auf den Nägeln brennt und die im weitesten Sinn etwas mit den Themen meines Blogs (Mutter – berufstätig – alleinerziehend – kreativ) zu tun hat.

Wie erreichst du mich?

Über das Kommentarfeld unter diesem Artikel oder per Mail über kontakt[at]mutter-und-sohn.blog.

2) Meine Antwort an dich

Ich schreibe einen Blogartikel mit meiner Antwort zu deiner Frage. In meinem Artikel verweise ich auf dich und deinen Blog.

3) Dein Kommentar

Du kommentierst meine Antwort mit einem eigenen Artikel in deinem Blog und erwähnst darin unseren Ideen (Aus-) Tausch. Den Link zu deinem Artikel schreibst du als Kommentar unter meinen Blogbeitrag.

Ein bisschen wie bei einer Blogparade, nur hast DU dabei die Möglichkeit, das Thema unseres „Blog-Gesprächs“ zu bestimmen.

Lust, mitzumachen? Dann schreib mir deine Frage bis zum 15.12.2018.

Ich bin gespannt!🙂

Herzlichen Gruß, Sunnybee

 

„Was ist echte Stärke für dich?“ (Aufruf zur Blogparade)

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Passend zum Wochenauftakt: Der Aufruf zu meiner ersten selbst gestarteten  BLOGPARADE! 🙂

Ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt und zu dem ich jetzt zu meiner ersten „Blogparade“ aufrufen möchte: 

Was ist echte Stärke für dich? 

Anlass für mich ist ein monatliches Frühstückstreffen für allein- und getrennt erziehende Mütter (und Väter), das ich – inzwischen zum fünften Mal – gemeinsam mit Bloggerin Christina von www.getrenntmitkind.de organisiert habe. Drei bis vier Stunden lang sitzen wir im Park (im Sommer) oder in einem Lokal (jetzt im Herbst und Winter), lachen, essen, tauschen uns aus, während unsere Kinder miteinander spielen. Und ich bin jedes Mal wieder begeistert, was für tolle – und starke – Frauen dabei den Weg zu uns finden. (Infos über kontakt[at]mutter-und-sohn.blog)

Daher hier, was echte Stärke für MICH ist:

Echte Stärke ist für mich eine Mischung aus der Fähigkeit, sich wieder aufzurappeln, wenn das Leben einen umgeworfen hat, sein eigenes Verhalten zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen und andererseits auch bei seinem Standpunkt zu bleiben, wenn dieser einem wichtig ist. So wie die Mutter, die, alleinerziehend, für ihre an Diabetes erkrankte Tochter kämpfte, als diese von mehreren Kindergärten aufgrund ihrer Erkrankung als „zu riskant“ abgelehnt wurde. Oder wie überhaupt jede Mutter (und jeder Vater), die (oder der) nach einer Trennung das eigene Leben neu sortiert und sich darauf einlässt, neue Erfahrungen zu machen und wieder liebevolle Beziehungen einzugehen.

Stark ist für mich auch jemand, der sich selbst erkennt und schätzt, aber auch andere sein lassen kann, wie sie sind, es z.B. nicht nötig hat, Fremdes abzuwerten, weil es das eigene Selbstbild bedrohen könnte. Das erlebe ich bei eigentlich allen der klugen, reflektierten Frauen, die bisher den Weg zu unserem Frühstückstreffen gefunden haben – und ich fühle mich dadurch bereichert, gestärkt und inspiriert! 

Wichtig ist mir auch, dass kein Mensch immer stark sein kann. Echte Stärke erwächst meiner Meinung nach aus der Annahme der eigenen Schwäche(n). Bin ich z.B. rechthaberisch, könnte es nur ein weiteres Zeichen meiner Schwäche sein, diesen Umstand vehement zu verneinen. Erkenne ich meine Schwäche jedoch an, kann ich mich dadurch für Alternativen zu meinem bisherigen Verhalten öffnen. Auch diesen Entwicklungsprozess durchlaufen viele der allein- und getrennt erziehenden Frauen und Männer, mit denen ich mich in den letzten Monaten unterhalten habe. Es tut gut, sich darin wiederzuerkennen und gestärkt zu fühlen!

Abschließend möchte ich einen meiner Studierenden zitieren, der zwar weder allein-, noch getrennt erziehend ist, aufgrund seiner Flucht aus Syrien vor drei Jahren aber die Erfahrung eines Bruches in seiner Biographie teilt. Er schrieb mir in einem Essay zur Frage „Was ist echte Stärke für dich?“ folgendes: 

„Echte Stärke ist für mich, wenn ich ganz bewusst und achtsam lebe. Wenn man bewusst lebt, bleibt man bei jedem Schritt in seinem Leben stark. Man kauft bewusst ein und man weiß, was man braucht, man isst bewusst und achtet auf gesunde Ernährung. Man denkt bewusst und bildet sich seine eigene Meinung und lässt sich nicht durch die Medien und andere Menschen beeinflussen. Man achtet darauf, wie man mit seinen Mitmenschen spricht, aber das ist nicht einfach. Wenn man sich die ganze Zeit mit seiner Vergangenheit beschäftigt und Angst vor der Zukunft hat, verliert man die Kontrolle über die Gegenwart. Der Schlüssel von Bewusstsein und bewusstem Leben ist Leben im Hier und Jetzt.“

Wollt ihr mitmachen? Dann 

  1. schreibt euren eigenen Blogartikel zum Thema (vom Bild mit Zweizeiler bis zum ausgearbeiteten Essay ist alles möglich😉) 
  2. Schreibt mir bis zum 15.11.2018 einen Kommentar mit Link zu eurem Artikel, den ich auf meiner Seite online stelle
  3. Verweist in eurem Blog, oder gern auch auf Facebook oder Twitter (@mama_schreibt) auf meinen Blog und diese Blogparade!

Ich freue mich sehr, von euch zu lesen! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Habt ihr, Lydia, Charlotte, Christina, Jannike oder auch Samybee, Tilman oder Nadine Lust, mitzumachen? Gerade mit euren ganz unterschiedlichen Biographien fände ich eine Antwort auf meine Frage super spannend! Aber wer auch immer sonst Lust hat, zu schreiben – nur her damit: ich freue mich!😀

Wer hat die dickste Posaune? – Die Last des sozialen Vergleichs

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„Willst du glücklich sein, bau dir ein Haus. Willst du glücklich bleiben, vergleiche es nicht mit dem deines Nachbarn.“

Konkurrenz im Beruf

Ein Bekannter von mir ist Musiker. Unter Musikern sei es üblich, sich zu vergleichen, erklärte er mir kürzlich: Wer werde wie oft angerufen, um an einem interessanten Projekt mitzuarbeiten? Wer spiele in welchem Orchester? Wer sei der Schüler von Koryphäe XY, bzw. habe selbst namhafte Schüler? 

Mein Bekannter empfindet diese „Vergleicheritis“ durchaus als belastend, kann sich jedoch von dem Konkurrenzdruck, den sie mit sich bringt, nicht ganz frei machen. „Ich frage mich, was habe ich bisher (beruflich) erreicht? Ist es das, was ich wirklich will? Geht da noch was? Ein Ortswechsel, neue Projekte?“ Er artikuliert es nicht in genau dieser Weise, aber sein Leben ist bestimmt durch (gefühlt) hundert unterschiedliche Aktivitäten, jeden Tag ist er in einer anderen Stadt, möchte man sich mit ihm verabreden, hat er einen „Termin“ in einer Woche anzubieten.

Nichts dagegen zu sagen? Die „Rushhour“ des Lebens eben zwischen 20 und 50? Oder die Normalität im Leben eines Berufsmusikers, dessen Arbeit Mobilität und ein überdurchschnittliches Engagement erfordert? 

Ich betrachte aus etwas Distanz dieses bewegte Leben und bin eigentlich ganz froh, in meinem mehr Konstanz zu haben, auch nicht mehr so drängend die Frage: wo geht es beruflich – und damit auch in Bezug auf Lebensmittelpunkt und innere Orientierung – hin? 

Konkurrenz im Privaten 

Dennoch kenne ich Momente, in denen auch ich beginne, mein Leben mit dem anderer zu vergleichen. Kollegin XY, jünger als ich, kehrt nach einem Jahr aus der Elternzeit zurück, arbeitet gleich Vollzeit und übernimmt auch noch eine Führungsaufgabe. Soweit bin ich bis jetzt nicht – sollte ich?! Oder: Ich spaziere mit meinem Sohn an einem Sonntag allein durch den Zoo, eine Bekannte hat mir absagen müssen, da ihr Kind krank geworden ist. Überall Papa-Mama-Kind-Familien. Ich bin hier als Mutter allein mit meinem Kind. Ok so – oder ein Defizit? 

Was ich merke: Häufig machen gar nicht die Lebensumstände an sich unzufrieden, sondern der Vergleich mit anderen. Das mag vor allem in Bereichen geschehen, in denen ich nicht ganz sicher bin, ob mein Weg der richtige (für mich) ist, oder wenn ich meine Lebenssituation nicht frei gewählt habe, wie das oft nach einer Trennung der Fall ist. Dann beginne ich gegebenenfalls auf die zu schielen, die „haben, was ich nicht habe“ und werde nur noch unzufriedener. 

Andererseits kann ich durchaus sehr erfolgreich sein in dem, was ich tue – und doch auf das schielen, was (noch) nicht da ist. Mit einer sicheren, gut bezahlten Arbeitsstelle, einem gesunden Kind, einem seit Jahren bestehenden Freundeskreis und einer hübschen Wohnung kann ich zufrieden sein – oder ich schaue neidisch auf die, deren Wohnung größer ist, die in einer Partnerschaft leben, mit zwei Kindern oder anderem Beruf.

Ich bin sehr froh, dass mich diese Momente der Unzufriedenheit nur selten heimsuchen. Bemerke ich dennoch, dass ich mit Unmut – oder Trauer – auf das Leben anderer blicke, hilft mir immer sehr die Erkenntnis: es ist das Leben anderer. Du würdest es selbst nie so leben, würdest dich selbst ganz mit in dieses Leben nehmen und bist du jetzt unzufrieden, wärst du es nach kürzester Zeit unter anderen Umständen auch. 

Zufriedenheit ist kaum abhängig von dem was „außen“ ist

Eine Studie der University of Massachusetts ergab bereits 1978, dass sich die Zufriedenheit von Menschen nach einem Lotteriegewinn nicht bedeutend von der derjenigen ohne Gewinn unterschied und dass selbst Menschen, die eine Querschnittslähmung zu akzeptieren hatten, nicht gravierend schlechter über ihr Leben dachten als die Vergleichgruppe ohne Lähmung.

Was schließe ich daraus: bestehe nicht darauf, das Leben der „anderen“ zu haben. Bist du wirklich unzufrieden mit dem, was in deinem Leben ist, stelle fest, was dich stört – und ändere es. Ein Berufs- oder Ortswechsel mit 30, 40 oder 50? Nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Du fühlst dich ungeliebt und allein: lerne, dich selbst anzunehmen und weniger um dich selbst zu kreisen, dann kommen Menschen von ganz alleine auf dich zu. 

Manchmal bist du aber wirklich krank, sehr geschwächt oder die Situation, mit der du unzufrieden bist, lässt sich tatsächlich im Moment nicht ändern. Dann – altes Lied natürlich, und dennoch wahr – nimm an, was ist. 

Und hier kann dir vielleicht tatsächlich der soziale Vergleich hilfreich sein. Nicht, indem du dich weiter mit anderen misst, oder dich über die stellst oder gar auf die herabsiehst, denen es „noch schlechter als dir“ geht. Nein, indem du wahrzunehmen beginnst, was du alles hast, selbst in deinem Unglück – und oft ist das noch erstaunlich viel. 

Interessanterweise sind ja oft nicht diejenigen am glücklichsten, die am meisten haben, sondern die, die zufrieden mit dem sind, was sie haben. Und ganz sicher hast auch du in diesem Moment sehr viel. Sollte dich also wieder einmal die Unruhe packen des „Höher-schneller-weiter“, des „Ich will, was ich nicht habe“ – dann halte inne und übe dich in der Dankbarkeit für das, was du hast – es wird, dadurch, dass du es siehst, wertvoll. Ganz ohne sozialen Vergleich. 

Klingt für dich plausibel, was ich hier schreibe – oder bist du anderer Meinung? Ich freue mich, von dir zu lesen!

Herzliche Grüße, Sunnybee

Julia M.: „Ich will, dass wir es zusammen schön haben!“

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Julia ist zum Zeitpunkt unseres Gesprächs seit sechs Monaten vom Vater ihrer 2-jährigen Tochter getrennt. Während unserer Unterhaltung beeindruckt mich die Ernsthaftigkeit und Offenheit, mit der sie auf meine Fragen eingeht. Ihre Fähigkeit, sowohl ihr eigenes Verhalten als auch das anderer sehr sensibel und bewusst zu hinterfragen, habe ich seitdem immer wieder als bereichernd erlebt. Als ich ihr einige Wochen nach unserem Gespräch das fertig redigierte Interview zu lesen gebe, fällt uns auf, wieviel seitdem bereits wieder geschehen ist: nichts im Leben ist endgültig – auch das eine Erkenntnis, die für mich mit den Gesprächen mit Julia verbunden ist!

Du bist berufstätig und hast eine Tochter. Wie würdest du deiner Tochter deinen Beruf beschreiben?

Da ich Ärztin bin, können ja selbst Kinder schon recht viel mit meinem Beruf anfangen. Ich würde ihr erklären, dass ich jeden Tag viele Menschen sehe, die mit gesundheitlichen Problemen zu mir kommen und dass ich versuche herauszufinden, wie ich den Menschen helfen kann. Meine Tochter ist erst zwei und hat erst vor kurzem angefangen, überhaupt den Begriff ‚Arbeit‘ zu verwenden. Ich habe aber den Eindruck, dass er für sie gleichbedeutend mit ’nicht anwesend sein‘ ist. Wenn sie aus dem Raum geht, sagt sie: „Tschüss – Arbeit“ [lacht].

Welchen Einfluss hat deine Arbeit in Bezug auf euren gemeinsamen Alltag?

Ich arbeite ungefähr 20-25 Stunden pro Woche, auf vier bis fünf Tage verteilt. An drei Tagen arbeite ich vormittags: während dieser Zeit ist meine Tochter in einer Spielgruppe. Sie ist dadurch eben ein paar Stunden ohne mich, aber die Spielgruppe tut ihr meinem Eindruck nach wirklich gut. Wenn ich danach von der Arbeit komme konzentriere ich mich auch ganz auf meine Tochter und wir genießen die gemeinsame Zeit. Nur an einem Tag arbeite ich nachmittags: da verbringen wir den Vormittag zusammen, bevor sie durch meine Mutter oder Freunde betreut wird – an diesem Tag bin ich schon immer sehr angespannt, da ich zu einem bestimmten Zeitpunkt leistungsfähig und an einem bestimmten Ort sein muss. Ich bin dann auch nicht so geduldig und einfühlsam meiner Tochter gegenüber, was mir leid tut. Aber das ist eigentlich nur an diesem einen Tag so. Insgesamt fühle ich mich dadurch, dass ich wieder arbeite, eher ausgeglichener und glücklicher. Ich könnte mir überhaupt nicht vorstellen, ausschließlich mit meiner Tochter zuhause zu sein, wie z.B. im Jahr meiner Elternzeit. Das wäre nicht gut für mich und damit auch nicht für meine Tochter… [lacht]

Was hat dein Beruf für eine Bedeutung für dein Selbstbild?

Meinen Beruf auszuüben bedeutet für mich, ein paar Stunden zu haben, die nur mir gehören. Früher habe ich das überhaupt nicht so empfunden: Die Zeit, die ich mit meiner Arbeit verbracht habe, war genau die Zeit, die ich nicht für mich hatte. Aber mit Kind hat sich das grundlegend verändert: Die Stunden, in denen ich arbeite sind jetzt die, in denen ich „Erwachsenengespräche“ führe und Gedanken zu Ende denken kann. Die Medizin an sich und die Begegnung mit Menschen ist etwas, das mir einfach großen Spaß macht und zu mir gehört. Ich weiß nicht, ob ich vielleicht, wenn meine Tochter älter ist, wieder Kapazität habe, mehr zu arbeiten. Im Moment, mit ihr als Kleinkind, das einfach noch viel Betreuung und Aufmerksamkeit braucht, empfinde ich diesen Arbeitsumfang als perfekt. Mir hat, ehrlich gesagt, meine Arbeit noch nie so viel Spaß gemacht hat wie jetzt, in dieser Kombination, mit Kind und Arbeit.

Du lebst seit etwa einem halben Jahr getrennt vom Vater deiner Tochter. Welche Auswirkungen hat das für deinen Alltag?

Seit der Trennung muss ich viel mehr auf Leute zugehen und andere um Gefallen bitten. Wir hatten z.B. eine Kinderbetreuung, die erst um neun Uhr angefangen hat; ich fange aber um acht Uhr an zu arbeiten und mein Ex-Partner hat vor der Trennung unsere Tochter morgens zur Kinderbetreuung gebracht. So war nach der Trennung einer der ersten Schritte, dass ich die Spielgruppenbetreuerin gefragt habe, ob es für sie denkbar wäre, dass ich unsere Tochter 11/2 Stunden früher bringen könnte. Das war tatsächlich möglich, was mich sehr freute, da ich weiß, dass sich unsere Tochter dort sehr wohl fühlt. Auch mein Arbeitgeber ist mir zum Glück in Bezug auf meine Arbeitszeiten entgegengekommen. An einem Morgen beginne ich meine Arbeit jetzt etwas später und diesen Morgen genieße ich sehr, da ich dann morgens ungefähr eine Viertelstunde Freizeit habe. In der Zeit gehe ich immer auf eine Tasse Kaffee zum Italiener. Im Ganzen hat sich aber gar nicht so viel geändert in Bezug auf die Alltagsorganisation, weil sich mein Ex-Partner auch vor der Trennung wenig um die Betreuung unter der Woche gekümmert hat.

Also scheinen zwei Konsequenzen eurer Trennung zu sein: Du hast sehr viel Kontakt zu Menschen außerhalb deiner Familie, auch einfach, weil du Unterstützung benötigst – und du hast einen sehr durchstrukturierten Alltag?

Dieser durchgeplante Alltag gibt mir auch Sicherheit. Ich war immer ein eher chaotischer Mensch und jetzt habe ich für mich z.B. einen festen Tag eingeführt, an dem ich den Wocheneinkauf mache. Dafür lege ich schon davor fest, was ich an welchem Tag koche. Auch einen festen Putztag möchte ich einrichten… Ich merke einfach, das gibt mir Sicherheit. Sonst denke ich immer: oh, irgendwann musst du noch einkaufen gehen und wer weiß, wann? So weiß ich einfach, den Einkauf machst du immer an diesem Tag und damit ist er auch erledigt.

Würdest du dich selbst als alleinerziehend beschreiben?

Nein, eigentlich nicht. Der Vater meiner Tochter betreut sie momentan zwar nur jedes zweite Wochenende. Das ist im Prinzip wenig Zeit, wenn auch nicht weniger, als er vorher mit ihr verbracht hat… Und dennoch würde ich mich eher als ‚getrennt erziehend‘ als als alleinerziehend bezeichnen. Mein Ex-Partner spielt schon noch eine große Rolle für meine Tochter. Ganz allein bin ich da auf jeden Fall nicht. Und natürlich sind auch noch ganz viele andere Leute an der Erziehung beteiligt. Gerade die Tagesmutter ist z.B. auch eine sehr wichtige Person, von der ich in der Trennungszeit, als ich besorgt war, welche Auswirkungen die Trennung für mein Kind hat, immer wusste: sie bleibt auf jeden Fall eine Konstante. Das war für mich ein tröstlicher Gedanke. Die beiden haben eine innige Beziehung und unsere Tagesmutter ermöglicht uns vieles: durch ihre Flexibilität spielt sie schon eine große Rolle in unserem Erziehungsalltag. Und dann ist da natürlich meine Mutter, die mich oft unterstützt und einige Freunde, die auch flexibel einspringen, wenn ich außer der Reihe mal einen Tag mehr arbeiten muss. Also, alleinerziehend bin ich definitiv nicht.

Das heißt, du hast wirklich ein Netz an Menschen, die dich unterstützen. Hast du dir das seit der Trennung erarbeitet oder bestand das schon davor?

Dieses Netz gab es schon davor, es ist nur noch engmaschiger geworden. Es war einfach klar, dass ich jetzt noch stärker darauf angewiesen bin und alle haben dankenswerterweise auch gesagt, sie sind für mich da und versuchen zu helfen, wo es geht. Gleichzeitig merke ich: ich bin schon in einer blöden Situation, weil ich ständig um Hilfe bitten muss. An manchen Tagen finde ich das auch wirklich unangenehm. Jetzt im Sommer habe ich z.B. Urlaubssperre, die Tagesmutter steht aber für einige Wochen nicht zu Verfügung, ebenso wenig wie der Vater meiner Tochter. Da genügend Leute zu finden, die unser Kind betreuen können während ich arbeite, ist schon wirklich aufwendig.

Das heißt, die Verantwortung für die Organisation liegt bei dir, lag aber auch schon in eurer Beziehung bei dir?

Ja, im Prinzip hat sich das kaum verändert, es ist jetzt nur eindeutiger… [lacht] Das macht es in gewisser Weise auch einfacher für mich. Bereits in der Beziehung hatte ich die volle Verantwortung für die Organisation. Das fand ich ziemlich ungerecht und wir hatten auch häufig Diskussionen darüber. Uns war es aber nicht möglich dabei wirklich zu einer Einigung zu kommen. Jetzt ist einfach klar: ich habe die ganze Verantwortung und letztendlich läuft es besser so. Auch die Arbeit fällt mir leichter. Vor der Trennung haben mich die Konflikte zuhause so in Beschlag genommen, dass ich meinen Patienten gar nicht meine volle Aufmerksamkeit schenken konnte. Ich genieße sehr, dass das Energieloch durch die Konflikte in unserer Beziehung jetzt nicht mehr besteht. Ich habe auch das Gefühl, wieder mehr Kontrolle über mein Leben zu haben. Für mich hat es also auf jeden Fall auch positive Seiten, dass ich das jetzt alles alleine regle.

Seit eurer Trennung ist ein halbes Jahr vergangen. Was gab es für Hürden und Schwierigkeiten während eurer Trennung, was ist euch gut gelungen?

Sehr schwierig ist nachwievor, dass ich mit meinem Ex-Partner nur sehr schwer besprechen kann, wenn Veränderungen anstehen oder ich nicht einverstanden damit bin, wie wir etwas geregelt haben. Die Kommunikation zwischen uns ist oft noch schwierig. Im Verlauf der Trennung waren wir auch häufiger in der Beratung eines Familienzentrums. Für mich war das hilfreich: Ich wusste immer, hier kann ich Dinge besprechen, ohne dass mein Ex-Partner sich komplett verschließt oder mich angreift und abwertet. Ich wusste, das ist ein geschützter Raum, in dem ich Dinge besprechen kann, die mir, auch in Bezug auf unsere Tochter, wichtig sind. Wir waren drei oder vier Mal bei der Beratungsstelle. Ursprünglich sind wir dort noch als Paar hingegangen, um die Beziehung zu erhalten. Aber letztlich war es der Ort, an dem ich mich in geschütztem Rahmen getrennt habe. Die Beratenden dort haben uns auch direkt angeboten, weiter zu kommen um die ersten Schritte nach der Trennung zu besprechen. Das war auch gut. Ich würde das jeder Zeit wieder in Anspruch nehmen. Leider muss man relativ lange auf Termine warten.

Grundsätzlich gab es im Verlauf der Trennung also schon die Bereitschaft deines Ex-Partners, Dinge zu besprechen?

Das ist von Mal zu Mal sehr verschieden. Ich versuche bereits, die Momente abzupassen, in denen er offen für ein Gespräch ist. Kürzlich wollte ich z.B. etwas mit ihm besprechen, das hat er jedoch komplett abgewehrt. Als wir einige Tage später wieder Kontakt hatten war er jedoch ruhiger und wir konnten auch eine Lösung finden. Andererseits gelingt es uns über weite Strecken schon gut, den Umgang für unsere Tochter relativ ruhig und regelmäßig zu gestalten. Die Situationen, in denen sie uns zusammen erlebt hat, sind überwiegend – nicht entspannt, das ist das falsche Wort [lacht] – sie sind friedlich verlaufen.

Das heißt, eure Verantwortung als Eltern nehmt ihr beide wahr. Hast du einen Eindruck, wie eure Tochter die Trennung erlebt?

Ich glaube, dass sie die Trennung nicht wirklich als ‚unsere‘ Trennung als Paar erlebt hat, sondern eher als ihre Trennung. Die Folge für sie ist, dass ihr Papa jetzt nicht mehr immer da ist. Auch wenn er sie während der Beziehung nicht häufig betreut hat, war er doch anwesend und sie hat ihn jeden Tag gesehen. Das ist für sie, denke ich, der größte Einschnitt und sie äußert das auch immer wieder. Ich habe den Eindruck, dass die zwölf Tage, in denen sie ihn nicht sieht, für sie eigentlich zu lang sind. Daher haben wir jetzt gerade beschlossen, dass mein Ex-Partner sie zwischen den Wochenendtreffen noch einmal sehen soll.

Telefoniert eure Tochter mit ihrem Vater in der Zeit, in der sie bei dir ist oder umgekehrt an den Wochenende, an denen sie bei deinem Ex-Partner ist?

Das haben wir am Anfang gemacht, aber ich hatte den Eindruck, dass es nicht wirklich gut für sie war, deswegen machen wir es momentan nicht mehr. Allerdings schicken wir uns gegenseitig Fotos von ihr und schreiben auch per Textnachricht über lustige Dinge, die wir mit ihr erlebt haben oder über neue Schritte in ihrer Entwicklung.

Ihr tauscht euch also noch regelmäßig über eure Tochter aus, über das Organisatorische hinaus. Das ist ja noch eine Art Verbindung und auch Verbundenheit. Wie gehst du damit um?

Der Kontakt spielt sich für mich ganz klar auf der Elternebene ab. Ich habe schon den Eindruck, dass wir auf der Paarebene strikt getrennt sind. Und andererseits finde ich es einfach normal, dass mein Ex-Partner Freude daran hat, an dem Anteil zu nehmen, was sein Kind in der Zeit macht, in der es nicht bei ihm ist. Und für mich ist es auch schön meine Freude an meinem Kind zu teilen. Natürlich ist ihr Vater da auch eine Person, an die ich dabei denke. Solange ich den Eindruck habe, dass es ihm Freude macht von ihr zu lesen, werde ich ihm auch weiter Nachrichten und Bilder schicken.

Ist euer Kontakt also eher etwas, das den Prozess der Trennung erleichtert oder erschwert?

Unsere Paarbeziehung hatte sich bereits aufgelöst, während wir noch zusammen wohnten. Für mich besteht die Paarebene daher schon länger als ein halbes Jahr nicht mehr. Aber das Menschliche kann man ja nicht endgültig trennen, wenn man Eltern ist… Und natürlich ist daran auch negativ, dass ich sehr aufmerksam und sensibel bin, aus der Angst heraus, dass sich sein Unmut wieder gegen mich richten könnte oder aber, dass er über unsere Tochter etwas ausleben könnte, das sich eigentlich gegen mich richtet. Ich wünsche mir, dass sich seine Stimmungen und Launen nicht so stark auf unseren Kontakt auswirken. Unsere Entscheidungen und Handlungen sollten sich nach dem Wohl unserer Tochter richten, natürlich unter der Bedingung, dass es uns auch gut damit geht. Ich wünsche mir, dass in unseren Kontakt nichts hineinspielt, was mit seinem oder meinem Ego zu tun hat.

Empfindest du in dieser Situation, die ja sicher oft auch schwierig ist, deinen Beruf eher als etwas, das dir Kraft gibt oder als zusätzliche Belastung?

Eindeutig als etwas, das mir Kraft gibt! Dabei habe ich meinen Beruf vor der Geburt und der Trennung eigentlich immer als belastend und überfordernd erlebt. Aber jetzt empfinde ich ihn als wirklich stabilisierend. So schwierig es in den größten Chaoszeiten war, mich morgens hinzusetzen, mich zu sammeln und für meine Patienten eine gewisse Kraft und Ruhe auszustrahlen, so sehr hat mir das auch geholfen. Ich arbeite zum Glück in seinem sehr wertschätzenden Umfeld in Bezug auf meine Kolleginnen und Kollegen und auch meine Patienten. Das gibt mir immer wieder Kraft. Und da sich meine berufliche Situation geändert hat, machen die Begegnungen mit Menschen inzwischen einen großen Teil meiner Arbeit aus. Auch die Möglichkeit, durch die Arbeit eine andere Rolle auszuüben als die der getrennt erziehenden Mutter tut mir gut. Sicher hängt das auch damit zusammen, dass ich mir den Luxus leisten kann, so wenig zu arbeiten. Es wäre wohl etwas anderes, wenn ich 40 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten müsste. Dann würde ich meine Arbeit vermutlich hauptsächlich als belastend und kräftezehrend empfinden.

Gibt es etwas, worauf du stolz bist, mit Blick auf die letzten Monate?

Ich bin stolz darauf, dass es mir gelungen ist, unseren Alltag so einzurichten, dass er „rund“ läuft. Ich bin auch stolz darauf, dass es uns allen dreien – bei meinem Ex-Partner kann ich es natürlich nicht abschließend beurteilen – deutlich besser geht. Besonders bei meiner Tochter und mir merke ich, dass wir emotional viel, viel stabiler und zufriedener sind als zuvor. Und ich bin schon stolz, dass uns das bis jetzt so gut gelungen ist.

Gibt es etwas, was du anderen, noch nicht lange getrennt lebenden Eltern, mitteilen möchtest?

Ich kann nur sagen, dass ich in den letzten Monaten ganz stark die Erfahrung gemacht habe, dass der etwas abgenutzte Spruch „Wenn es dir gut geht, geht es deinem Kind gut“ stimmt. Meine Tochter hat mir das deutlich gezeigt und ich kann nur empfehlen, diesen Gedanken zu beherzigen. Mir ist auch immer wichtig, dass es meinem Ex-Partner in der Zeit, die unsere Tochter mit ihm verbringt, gut geht, denn sonst wird sie die Zeit bei ihm nicht genießen können.

Was hat dir geholfen seit der Trennung?

Zunächst einmal die Trennung selbst. Und natürlich die Menschen, die mich umgeben. Ich habe zum Glück relativ schnell wieder Kraft verspürt neue Menschen kennen zu lernen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich gerade. Das ist schon wichtig für mich. Auch wenn ich schon ein gutes Netzwerk hatte, waren das hauptsächlich Menschen, die ich aus der Schwangerschaft und aus dem ersten Babyjahr kannte und von diesen hat sich niemand getrennt. Und ich merke, dass meine alten Freunde mit einigen Themen, die mich seit der Trennung beschäftigen, nicht viel anfangen können. Diesbezüglich hat es sehr gut getan, andere Allein- oder Getrennterziehende kennen zu lernen, aber auch einfach Menschen ohne Kind. In den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass mir vor allem diese Kontakte sehr helfen. Denn für all die Dinge, die ich früher gemacht hätte, damit es mir gut geht – Sport, Hobbys – habe ich schlicht keine Zeit!… [lacht] Ich habe natürlich auch das Glück, dass meine Arbeit mir so viel Freude bereitet. Und ich habe mich schon vor der Trennung mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt und mir Wege erarbeitet, wie ich mit belastenden Situationen umgehen kann. Und dennoch ist es bei weitem nicht so, dass ich immer ausgeglichen und entspannt bin… Ich habe auch eine Therapeutin, die mich vor und während der Trennung begleitet hat: das ist auch hilfreich für mich.

Das klingt so, als ob es dir gut gelingt, für dich zu sorgen?

[Beginnt auf einmal zu weinen] Es ist ein Gleichgewicht, das ich immer wieder neu erringen muss. Das kostet einfach wirklich viel Kraft und Energie. Ich merke immer wieder, dass ich dieses Gleichgewicht zu verlieren drohe – daran muss ich ganz bewusst arbeiten. Aber das mache ich. [lacht] Schon aus reinem Überlebenswillen! Und irgendwie ist es mit einem Kind ja auch so, dass man sich nicht heulend und depressiv in die Ecke setzen kann. Meine Tochter hilft mir also auch: einerseits dadurch, dass sie mich, so fröhlich und witzig wie sie ist, immer wieder aufheitert, aber auch dadurch, dass einfach klar ist, ich muss für sie da sein. Das ist mein ganz starker Wunsch: ich will, dass wir es zusammen schön haben!

Das ist eine wirklich liebevolle Aussage. Vielen Dank für unser offenes Gespräch!