Gesellschaft, Politik

Pandemie und das Leben im Augenblick: kurzsichtig oder klug?

EM 2021: Jubelnde Fußballfans beim Public Viewing ohne Abstand und Maske
EM 2021: Euphorie ohne Maske und Abstand beim Public Viewing (Foto: epa)

In der Sozialpsychologie gibt es einen Begriff, der menschliches Verhalten treffend auf den Punkt bringt: den sogenannten „myopischen Effekt“. Myopisch heißt kurzsichtig und entsprechend bedeutet das Phänomen, dass mich Konsequenzen, die mein Verhalten in ferner Zukunft haben könnte, nicht so sehr interessieren wie ihr Effekt im Moment. Also stecke ich mir als Raucher/in die nächste Kippe an – die Befriedigung im Augenblick zählt mehr als der mögliche Lungenkrebs ein Jahrzehnt später. Ich kaufe den Kaffee im Pappbecher (jetzt praktisch – das Müllproblem fällt für mich spürbar erst später an) oder fliege spontan nach Mallorca (die Spätfolgen für die Natur wiegen weniger als der Spaß im Moment). Auch das aktuell wahrnehmbare Verhalten (feiernde Fußballfans, volle Einkaufsstraßen und Cafés) lässt sich dadurch erklären: jetzt will ich leben, Menschen treffen, meinem Vergnügen nachgehen – auch wenn das eine weitere Pandemiewelle im Herbst bedeuten mag. Ist das nun verwerflich – oder gut?

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Familie, Gesellschaft

Mama, du bist nicht allein. Wahre Kurzgeschichten über die Herausforderungen des Mutterseins (Rezension)

Buchcover „Mama, du bist nicht allein“

Manchmal erfährst du von einem Buch und weißt sofort: das musst du haben. So erging es mir mit „Mama, du bist nicht allein“ von Andrea Bruchwitz. Neun Kurzgeschichten, basierend auf den Erfahrungen echter Mütter, die die Seiten der Mutterschaft zeigen, über die Mütter normalerweise nur hinter vorgehaltener Hand berichten. Neun Geschichten, die zugleich zeigen, wie wunderbar und kraftvoll das Muttersein sein kann, mit all diesen Verwerfungen. 

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Familie, Gesellschaft

„Kind, kauf dir was Schönes!“ Elternsein und Konsum

Spielzeugkasse mit Spielgeld von oben

Als ich selbst noch ein Kind war, kamen zuweilen mein Opa und meine Tante zu Besuch. Mein Opa immer mit den Armen voller Laugenbrezeln und sonstiger Leckereien. Noch mit zehn, elf Jahren setzte ich mich Brezeln essend auf seinen Schoß und kuschelte mich an ihn. Diese Momente liebten mein Opa und ich gleichermaßen; bis heute verbinde ich damit die Erinnerung, wie liebevoll – und ganz praktisch – er für uns, seine Liebsten, sorgte. Ein Moment der Zärtlichkeit und der erwartungslosen, heiteren Freude am Zusammensein.

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Gesellschaft, Politik

Business trotz Virus. Corona und die soziale Gerechtigkeit

Obdachloser mit Maske und Gummihandschuhen

Im Frühjahr 2020 kam das Corona-Virus über uns wie eine Naturgewalt. Im ersten Lockdown wurden Schulen und Kindergärten komplett geschlossen, das soziale Leben eingefroren und Menschen hamsterten in den Supermärkten Lebensmittel und Klopapier. Deutschland befand sich im Ausnahmezustand – verständlich angesichts der Bedrohung durch eine Krankheit, wie sie Europa seit der Spanischen Grippe vor rund 100 Jahren nicht mehr gekannt hat. Inzwischen sind jedoch fast 1 1/2 Jahre seit Beginn der Pandemie vergangen und es zeigen sich immer deutlicher die Folgen politischer Entscheidungen, die zwar das Ziel der Viruseindämmung zu erreichen scheinen, dafür aber enorme soziale Schäden in Kauf nehmen und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, die bereits vor der Pandemie bestanden, tolerieren oder sogar verstärken.

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