Wehmütig spricht die Mätresse…

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Modigliani Ohne Titel (C) WahooArt.com

Wehmütig spricht die Mätresse: „Du Armleuchter! Eingezwercht mit dir ist mir ganz blümerant zumute!“

… Aber, sorry, wer an dieser Stelle auf Offenbarungen ex privatum hofft, muss enttäuscht den Blick abwenden:

Das hier ist WERBUNG

… und auch noch in eigener Sache, nämlich für meine ganz persönliche Sammlung an Lieblingswörtern, die ich HIER VERÖFFENTLICHT habe und die ihr per Kommentar sehr gern und zur großen Freude meinerseits noch bis ÜBERMORGEN (25.1.) ergänzen könnt. Zu GEWINNEN gibt es auch was!🙂

Und außerdem ist es SELBSTSCHUTZ

… denn wenn das Leben gerade mit einer bunten Mischung aus höchst Schönem und höchst Unerfreulichem über einem zusammenschlägt und viel zu tun ist und eigentlich die Muße zu jedem Sammeln, Ordnen, Reflektieren fehlt, dann ist LACHEN manchmal das einzig Mögliche. Und Sinnvolle. Finde ich.

Daher dieser nicht sehr sinnreiche  und dennoch sinnvolle Post, inklusive gleich fünf (!) Lieblingswörtern, die ihr im ersten Satz dieses Beitrags, sowie – ich sagte es bereits – hier findet!…

Herzlichen Gruß, Sunnybee

 

 

„Fake News“ im Kinderzimmer: Wieviel Ehrlichkeit braucht mein Kind?

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Wir alle lügen unsere Kinder an. 

Jeden Tag. Mehrmals. Manchmal bewusst, aber oft, ohne es recht zu bemerken. Wir lügen aus Bequemlichkeit und um Konflikte zu vermeiden: „Die Gummibärchen sind alle.“ (Stimmt nicht, es ist uns nur zu mühsam, dem kleinen Schleckmaul zu erklären, warum jetzt Schluss mit Süßem ist). Aus Fürsorge: „Wenn du von dort runterfällst, brichst du dir beide Beine!“ (Na ja, aus der Höhe verstauchst du dir in Wahrheit  höchstens den Knöchel). Und schließlich – auch unseren Kindern gegenüber schon – aus Höflichkeit und zur Ermutigung: „Wunderschön gemalt!“ (wenn man dieses zweifarbige Gekritzel „Malen“ nennen kann).

Die Lüge als sozialer Kitt

Ein Schelm, wer dieses Lügen als Teil des wahren „Menschlich-Seins“ bezeichnete! Denn tatsächlich ist es für uns selbstverständlich, diese „weißen Lügen“ Familie, Freunden und Bekannten gegenüber zu verwenden. Alltagslügen machen unser Zusammenleben einfacher und manchmal auch angenehmer. „Wie gefällt dir meine neue Frisur?“ Was antworten wir, wenn wir sie in Wahrheit schrecklich finden? „Gut“?! Oder ausweichend: „Die alte war auch schön“, bzw. „Ja, toll, dass du so experimentierfreudig bist“? Nicht viele von uns würden ihrem Gegenüber wohl auf den Kopf zu sagen, dass sie den neuen Haarschnitt höchst unvorteilhaft finden.

Und so vermitteln wir unseren Kindern eine „doppelte Botschaft“: Du sollst nicht lügen. Aber Tante Maria lautstark als „doof“ bezeichnen sollst du auch nicht – selbst, wenn sie es ist. Ist das Taktgefühl? Sinnvolle Etikette und Grundlage höflichen Miteinanders? Oder einfach Erziehung zur Unehrlichkeit?

„Otto war’s!“

Warum empört es uns andererseits, wenn unser Kind „Nein, hab’ ich nicht!“ erwidert auf die Frage, ob es die Gummibärchen, die wir zuvor geleugnet hatten, gefunden und gegessen habe? Im Kleinkindalter – und aus dieser Warte schreibe ich momentan ja, mit Blick auf meinen dreijährigen Sohn – mag das noch niedlich wirken: „Hast du den Saft verschüttet?“ „Nein, [Phantasiefreund] Otto war’s.“ Oder noch besser: „Nein, du?“ (mit  unschuldigem Blick). Offensichtlich haben schon Kinder ab etwa drei Jahren ein Bewusstsein dafür, dass manches Verhalten erwünscht und anderes nicht gern gesehen ist – und dass eine (Not-) Lüge sich als Ausweg aus dieser Situation anbietet. 

Später wünschen wir uns jedoch z.B. Teenager, die uns nicht vorsätzlich anlügen, auf deren Wort wir uns verlassen können. Mein Ex-Freund und Vater meines Sohnes hat hierzu kürzlich etwas Kluges gesagt: „Wenn ich als Jugendlicher wirklich etwas ausgefressen hatte, habe ich es immer meiner Mutter erzählt. Sie wurde dann vielleicht sauer und ich musste meinen Fehler wieder gut machen – aber verurteilt hat sie mich nicht.

Ehrlichkeit entsteht durch Vertrauen

Wenn wir also wollen, dass unsere Kinder zu ehrlichen Menschen heranwachsen, kommt es wohl weniger darauf an, ob wir die ein oder andere „Alltagslüge“ ihnen gegenüber verwenden, sondern vielmehr, ob wir ihnen vermitteln: „Ich liebe dich, auch wenn du etwas getan hast, was mir nicht gefällt“ und umgekehrt: „Habe ich etwas getan, was nicht in Ordnung war, versuche ich es nicht zu vertuschen, sondern stehe dazu“.

„Ja, ich habe deine Lieblingsjacke durch das falsche Waschprogramm auf Puppengröße geschrumpft“. „Nein, das Schwein lebt nicht weiter, nachdem es zu Wurst gemacht wurde“. Ehrlichkeit zahlt sich meiner Meinung nach dort aus, wo ich durch sie ihren ganz eigenen Wert vermitteln kann.

Ehrlichkeit als Basis echter Begegnung

Ehrlich zu sein kann unbequem sein, schmerzhaft und manchmal sogar gefährlich. Aber es ist meiner Meinung nach die Basis wirklich vertrauensvollen Kontakts. Schwindle ich, unterschlage Dinge und erzähle Halbwahrheiten, mag das das Zusammensein mit meinen Mitmenschen auf den ersten Blick erleichtern. Tatsächlich jedoch wird es dadurch oberflächlich und brüchig; sollte eine meiner Lügen auffliegen, erschüttert dies den Glauben an die grundsätzliche Aufrichtigkeit unseres Kontakts. 

In Zeiten von Fake News und der Inszenierung von Halbwahrheiten wird meiner Meinung nach immer bedeutender, welche Haltung wir dem Lügen gegenüber einnehmen. 

Geben wir zu, dass wir manchmal zu schwach sind, die Wahrheit zu vertreten, bemühen uns aber zugleich um Aufrichtigkeit, ist das meiner Meinung nach schon einmal ein Anfang für den Glauben an die grundsätzliche Ehrlichkeit zwischen uns. Und die ist meiner Meinung nach essentiell. Für uns – und für unsere Kinder.

Wie haltet ihr es mit den kleinen „Alltagslügen“? Absolute Ehrlichkeit oder erlaubt ihr euch – und euren Kindern – die ein oder andere Schwindelei? Wenn ihr wollt, schreibt mir euren Kommentar dazu!

Herzliche Grüße, Sunnybee

„Lasst sie spielen!“ Warum das für uns Eltern manchmal gar nicht so einfach ist

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Als engagierte Mama mache ich mir natürlich den ein oder anderen Gedanken dazu, was mein Kind, so wünsche ich es mir, zu einem selbstbewussten, mit sich zufriedenen und eigenständigen Menschen heranwachsen lässt.

Und manchmal denke ich: Eigentlich muss ich da gar nichts „machen“. Ein solcher Mensch ist mein Kind schon. Vielleicht sollte ich mehr darauf achten, in den nächsten Jahren, während ich mit meiner „Erziehung“ an ihm herumwerkle, nichts zu „versauen“?!😉

Haben dänische Kinder mehr Selbstvertrauen? 

In der Huffington Post habe ich einen interessanten Artikel gelesen, warum dänische Kinder angeblich selbstbewusster, mit mehr Selbstvertrauen und insgesamt glücklicher als deutsche Kinder seien. Wie immer natürlich als Verallgemeinerung zu kurz gedacht, teile ich dennoch im Kern die These der Autorin: statt Kinder auf Leistung (im schulischen und außerschulischen Bereich) zu trimmen und sie über Gymnastiktraining, Schach-AG und Musikunterricht zu 1a-Sportlern, -Schülerinnen oder -Musikern „formen“ zu wollen, sollte man sie viel mehr eigenständig und selbstbestimmt machen lassen, nämlich einfach spielen. Und zwar frei, allein oder mit Freunden, ohne als Erwachsene reinzuquatschen, sie anzuregen, zu maßregeln oder zu regulieren.

Spielt doch – aber so wie’s uns gefällt!

Das ist gar nicht so leicht, wie mir ein gemeinsam im Zoo verbrachter Vormittag mit einer befreundeten Mutter vor kurzem deutlich machte. Ich musste dabei an die weisen Sätze aus dem bezaubernden Kinderbuch „Ganz die Mama“ von David Melling denken:

Meine Mama mag es nicht, wenn ich mich langweile. Sie sagt dann: „Beschäftige dich doch mal!“ Aber wenn ich mir dann eine tolle Beschäftigung suche [laut, wild und/oder matschig]… dann sagt sie: „Jetzt gib doch mal fünf Minuten Ruhe!

Tja… so sind wir Eltern ja oft tatsächlich, oder? Meine Freundin, die ich an diesem Vormittag traf, war – wie ich ja oft auch – zurecht stolz, dass sich ihr 21/2-jähriger Sohn allein beschäftigte und wir uns währenddessen unterhalten konnten. Aber mehrmals an diesem Morgen erlebte ich die Situation, dass er sich gerade wirklich in ein Spiel, bzw. die Entdeckung seiner Umgebung zu vertiefen begann – und genau in diesem Moment von meiner Freundin unterbrochen wurde. Er probierte sichtlich begeistert ein Puzzle im Zooladen aus – meine Freundin trat zu ihm und fragte, ob wir nicht die Tiere im Gehege nebenan ansehen wollten.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Spielzeugtraktor vorbei und kaum hatte er sich das Steuer erobert und ging begeistert „auf Reisen“, unterbrach sie ihn wieder, andere Kinder wollten auch noch fahren und wir müssten jetzt auch weiter, wir wollten doch die Tiere ansehen. Ersteres stimmte, aber die Tiere liefen uns sicher nicht weg und trotz der zwei wartenden Kinder hätte sie ihn sicher noch 30 Sekunden „bis zum nächsten Parkplatz weiterfahren“ lassen können.

Und schließlich – es regnete und auf dem Zoogelände hatten sich diverse große Pfützen gebildet – unsere Jungs diese und sprangen (natürlich) mit Wonne hinein. Und auch da: kaum hatten sie sich richtig in ihr Spiel vertieft, rief meine Freundin recht scharf zum Aufbruch, die Füße ihres Sohnes würden ohne Gummistiefel nass und er solle sich nicht erkälten.

Gründe gegen freies Spielen?

Wartende Kinder am Traktor, Erkältungsgefahr oder eben der „Zweck“ des Zoobesuchs, die ausgestellten Tiere – natürlich gut verständlich, dass meine Freundin in diesen Situationen auf Aufbruch drängte – ich habe es in ähnlichen Momenten selbst schon getan. Und doch unterband sie damit, vermutlich völlig unbeabsichtigt, den Impuls ihres Sohnes zu wirklich eigenständiger Beschäftigung. Und das, obwohl sie genau das, wie sie selbst sagt, eigentlich sehr schätzt.

Dass sie vielleicht zum Aufbruch rief, weil sie selbst die Tiere sehen wollte, keine Lust hatte, im Zooladen, bzw. in der Kälte herumzustehen oder die nassen Kleider ihres Sohnes zu wechseln, fände ich wiederum überaus legitim. Aber vielleicht sollten wir unseren Kindern, wenn wir das nächste Mal zu ihnen sagen: „Spielt doch!“ auch ehrlich hinzufügen: „Aber spielt etwas, was mir gefällt, bzw. was ich für sinnvoll/pädagogisch wertvoll/anderweitig erbaulich erachte.“

Das wäre wohl manchmal ehrlicher, als die Freiheit und Eigenständigkeit unserer Kleinsten zu fordern – und im nächsten Moment dann doch zu beschneiden.

Oder was meint ihr? Einschreiten, wenn es zu laut/zu wild/zu matschig wird? Oder einfach machen lassen? Wieviel – und welches Spiel – erlaubt ihr euren Kindern?

Herzlichen Gruß, Sunnybee

 

Kleines Verzeichnis klangvoller Wörter [mit Gewinnspiel]

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Hier mal ein Beitrag, ein wenig außerhalb meines sonstigen Themenbereichs, aber – hach – eine Wonne für mich als Sprachliebhaberin und Wortspielerin…

Ach ja: und zu gewinnen gibt es auch noch was!😉

Andrea Schuster, die, wie ich, seit etwa einem Jahr ihren tollen Blog „Lesen… in vollen Zügen“ betreibt, durch dessen Buchempfehlungen ich mich immer wieder gern inspirieren lasse, hat vor kurzem einen Artikel verfasst, der mich aus mehreren Gründen anspricht und mich, wie ihr seht, jetzt sogar zu einem „Antwortartikel“ bewegt. 

„You go me on the cookie“

Andrea stellt in ihrem Beitrag das Buch „You go me on the cookie“ der Amerikanerin Dana Newman vor, das auf offensichtlich charmante und unterhaltsame Weise die Untiefen der deutschen Sprache „auslotet“, speziell aus nichtdeutscher Sicht. Andreas Rezension an sich ist einen Besuch ihres Blogs wert. Mich begeistert an ihrem Artikel jedoch besonders, dass sie die Autorin des Werks, die inzwischen in Deutschland lebt, spontan zu einem (Kurz-) Interview getroffen hat, das die Buchbesprechungen als „I-Tüpfelchen“ ergänzt. Und damit bin ich irgendwie doch wieder beim Thema meines Blogs: WOW, beeindruckend, welche Netzwerke und Verbindungen die Bloggerei auch im „echten“ Leben, außerhalb des Netzes, möglich machen kann. Mehr davon!

Meine Lieblingswörter

Und somit jetzt zum „Kernthema“ dieses Artikels: Andrea fragt nämlich nach dem Lieblingswort Ihrer Leser/innen und das bringt mich zu: 

I-Tüpfelchen

„Ein wunderbar verspieltes Wort, das sich in die deutsche Sprache geschlichen hat wie das ä-Tüpfelchen in „Sahnehäubchen“ und jeder Sache das beigibt, was sie wirklich exquisit macht. Und nicht zuletzt die charmante Referenz an die „Umlautigkeit“ der deutschen Sprache, die mit all ihren i-, ö-, ä- und ü-Tüpfelchen zu bezaubern weiß!“

Kleinod

„Schau es dir an, das Kleinod: Loblied an die Schönheit der Welt und dabei klein und filigran, nur von dem erkannt, der es mit wachem – und wertschätzendem – Blick zu finden und sich an seiner Schönheit zu erfreuen vermag.“

Mätresse

„Allein der Klang erweckt das Bild von Fülle, runder Sinnlichkeit, verhängten Fenstern. […] An ihr ist das Meiste versteckt, aber nichts verschämt. In ihrer Grandezza verlangt die Mätresse von dem, der zu ihr kommt, eine ihr entsprechende Größe. Damit ist sie das altmodische Symbol für eine Frau ohne Eigenständigkeit – aber mit Stolz.“

Wehmut

„Ein eigenes Wunder, die Wehmut. Achtungsvolles Tribut an die Vielschichtigkeit der Seele. Leichter als die drückende Schwermut, nicht halb so drängend wie die Sehnsucht, dabei eng verwandt mit der sanft ziehenden Nostalgie, so ist sie Begriff für eine ganz eigene Art des Empfindens. […] Die Wehmut ist überwachsenes Leid, von der Zeit gedämpfter Schmerz. […] Melancholische Berichterstatterin, beschreibt sie, was sie sieht, ergriffen und doch aus Distanz.“

Langmut

„Was will sie mir sagen, die aristokratisch wirkende Langmut? Erhaben über der Menge der alltagssprachlichen Begriffe steht sie da: stolz, nachsichtig, etwas angestaubt und doch achtungsgebietend in ihrer antiquierten Schönheit. […] Sie hat den Überblick, über den sie aus der Nähe, in das Geschehen verstrickt, nicht verfügen würde. Dabei ist sie nicht distanziert von den Dingen, die sie betrachtet. Aus dem ihr eigenen Abstand verfolgt sie diese mit Empathie, Großzügigkeit und Nachsicht. […] Wie das mittelhochdeutsche „muot“ ahnen lässt, steht sie für eine besondere Gesinnung: eine souveräne, in ihrer Macht dezente alte Dame.“

Ihr seht, gerade „explodiere“ ich ein wenig vor Schreib- und Schaffensfreude und danke herzlich Andrea – und letztlich auch Dana Newman unbekannterweise – für diese Inspiration!

Wollt ihr ein Buch von mir?

Damit möchte ich auch euch, meinen lieben Leserinnen und Lesern, die Frage stellen: 

Was ist euer absolutes Lieblingswort? 

Und – aufgepasst – unter allen, die hier bis zum 25.1.19 kommentieren, verlose ich ebenfalls ein echtes „Kleinod“, nämlich ein Buch VON MIR, das ich vor etwa zehn Jahren selbst verfasst und gestaltet habe! Unter anderem enthält es das titelgebende „Verzeichnis klangvoller Wörter“. Ihr seht einen Ausschnitt daraus oben als Titelbild meines Beitrags. Wenn ihr also interessiert seid, schreibt! Und natürlich auch so, wenn ihr einfach nur euren ganz persönlichen „Wort-Schatz“ hier verewigen wollt.

Ich bin auf euer Lieblingswort gespannt!🙂

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Mein schönstes (immaterielles) Geschenk: Das Ergebnis meiner Blogparade

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Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du in deinem Leben bekommen – oder geschenkt – hast?

Diese Frage stellte ich Mitte Dezember im Rahmen meiner Blogparade. Ein von mir gewünschter – und geschaffener – Gegenpunkt zum kommerziellen Schenken, das die Vorweihnachtszeit ansonsten doch oft prägt.

8 wunderbare Gaben

Und ich habe von euch tatsächlich zahlreiche wirklich wunderbare Geschenke erhalten: tiefsinnige, toll formulierte Antwortartikel. Und das in der hektischen, mit Aktivität angefüllten Adventszeit. DANKE euch allen, die ihr die Muße gefunden und an meiner Blogparade teilgenommen habt!

Wer jetzt neugierig ist – hier findet ihr alle Texte, die aufgrund meines Aufrufs entstanden sind: 

Tilman/tilmansite

„Meine Geburt ist wohl eher ein physisches Geschenk. Gleiches gilt auch für das Geschenk der Geburt unserer Kinder. Also sage ich: meine psychische Wiedergeburt. Die findet statt nach jeder (guten) Meditation.“ Mehr hier.

Regina/klatschmohnrot

„Enya, eine Schülerin, die ich schon kennengelernt habe, als sie noch in den Kindergarten ging, kam einmal wöchentlich zu mir zum Klavierunterricht. […] Wir verstanden uns prima, haben immer einen ganz besonderen Draht zueinander. Einmal, wir hatten gerade Weihnachtslieder geübt, um sie den Eltern in einer kleinen Feierstunde vorzuspielen, sagte sie zu mir: „Regina, glaubst du an Engel?“ Hier geht’s weiter.

Alexandra/himmelbuntundwolkenvoll

„Das schönste Geschenk, das ich je bekommen und gleichzeitig geschenkt habe, ist das Leben. Leben ist für mich gleichzusetzen mit Liebe.“ Lest hier.

Anna/alleinerziehend-selbständig

„Ich bekam also dieses Geschenk von Micha und ich packte es aus. Darin: Ein blaues Tagebuch. […] Und Micha sagte: „Wenn dich mal keiner fragt, wie dein Tag so war.“ Dieses Tagebuch war nämlich nicht nur ein Tagebuch, sondern es war ein Buch, das mir Fragen stellte: Wie war dein Tag? Ganz einfach und schlicht.“ Hier geht’s weiter.

Kathinka/pauliskleinesuniversum

„Ich glaube, das Gefühl der Dankbarkeit ist das größte und schönste nicht-materialle Geschenk, das ich mir selbst in meinem Leben gemacht habe. Und gerne teile ich mit dir und den anderen Lesern meine Dankbarkeitsliste für 2018. In Ordnung?“ Hier findet ihr sie.

Elke Bitzer/Fotografisches Reisen und Wanderungen

„Geschenke, die mir die allerhöchste Freude bescherten gibt es reichlich und sie sind allesamt nicht-materieller Natur. Eine Rangfolge kann ich schwerlich festlegen, da einige absolut gleichrangig sind. Deshalb folgt mir durch meine Aufzählung, bunt durcheinander gewürfelt.“ Lest hier.

Charlotte/charlottesadoptionsblog

„Maxim und Nadeschda sind das größte Geschenk, das ich jemals in meinem Leben bekommen habe. Ja, unser Leben ist mit vielen Herausforderungen gespickt. Viele oder zu viele, derer ich mir im Vorfeld nicht bewusst war. Und die Verantwortung für diese beiden Kinder ist manchmal übermächtig. Doch wenn abends nach viel Kuscheln und ausgiebigem Vorlesen meine Kinder in ihren Betten liegen, mein Sohn beim Gute Nacht Sagen fest den Arm um mich gelegt hat und halb schlafend geseufzt hat „Meine Mama!“, meine Tochter meine Hand hält, damit ich bleibe, bis sie schläft, betrachte ich glücklich meine wunderbaren Kinder.“ Den ganzen Beitrag findet ihr hier.

Lea/kommunikatz 

„Was mir in diesem Moment klar wurde: Sie vertraut mir und sie traut mir zu, dass ich mit all meinen Bedürfnissen und Besonderheiten eine gute und gewissenhafte Geschäftsführerin des Welthauses sein werde. Ein solches Vertrauen habe ich von einer mir nicht sehr nahestehenden Person noch nie erfahren und dieses quasi blinde Vertrauen empfinde ich als unglaublich schönes und großes Geschenk.“ Lest hier weiter.

Auch mich hat die Frage nach dem schönsten immateriellen Geschenk meines Lebens zu einem (sehr persönlichen) Artikel inspiriert: „Die Liebe (m)einer Mutter“. Hier findet ihr ihn. 

Ganz herzliche, dankbare Grüße und sehr gerne bis zur nächsten Blogparade. Sie wird mit dem Thema Berührung zu tun haben – ihr könnt gespannt sein!🙂

Sunnybee

Ein klares Ja! Wie lerne ich mir – und anderen – (wieder) zu vertrauen?

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Vor ziemlich genau zwei Wochen habe ich an dieser Stelle über eine Frau geschrieben, die Geld sammelt, um Blindenstöcke für seheingeschränkte Schülerinnen und Schüler in Togo anzuschaffen. Ich habe die Aktion weiter verfolgt: jetzt, drei Tage vor Ablauf der Frist, haben mehr als ein Dutzend Menschen bereits 625 Euro (!) gespendet. Ziel waren ursprünglich 300 Euro für 15 Stöcke. Wow!

Auch ich hatte mich an der Spendenaktion beteiligt und das, obwohl ich auf der Straße eigentlich immer an den Menschen vorbeilaufe, die für Hilfsorganisationen Passanten mit Sammelbüchsen ansprechen oder sie gar zur Mitgliedschaft bei einer dieser Organisationen animieren wollen. 

Lydia Zoubek, meine Mitbloggerin, die für Togo sammelt, kenne ich auch nicht – und doch vertraue ich ihr soweit, ihr sozusagen „blind“ Geld zu überweisen, auf ihre Aussage hin, sie werde dieses für den oben genannten Zweck verwenden. 

Diese Erfahrung bewegt mich, noch einmal über das Thema Vertrauen nachzudenken. 

Als Erwachsene haben wir ja gewissermaßen „verlernt“, bzw. uns abgewöhnt, „blind“ zu vertrauen. Wir mögen durchaus offen auf andere Menschen zugehen, aber kaum einer würde einen Fremden sofort zu sich einladen, ihm seine Bankverbindung nennen oder das eigene Kind anvertrauen. Wir haben im Verlauf unseres Lebens eine – durchaus sinnvolle – Einschätzung entwickelt, dass ein Grundmaß an Vertrauen sinnvoll und für zwischenmenschliches Zusammensein unumgänglich ist, wir aber durchaus auch prüfen sollten, wem wir unser Vertrauen schenken. Nicht jeder, der uns in unserem Leben begegnet, hat auch die Absicht – oder ist in der Lage – unserem Vertrauen gerecht zu werden. Und ich denke, es ist sinnvoll, dass wir da klar unserer Intuition vertrauen: habe ich mit einer Sache oder einem Menschen „ein komisches Gefühl“, sollte ich dieses meiner Meinung nach immer ernst nehmen. Zumindest zeigt es mir, dass für mich an dieser Stelle etwas nicht ganz stimmig ist und worum es sich dabei handelt, sollte ich klären, um auch nach außen wieder klar sein zu können.

Tatsächlich nehme ich den Ansatz, meiner Intuition zu folgen, jedoch als schmalen Grat wahr. Einerseits sind die Signale, die mir mein Gefühl sendet, berechtigt: auch einem objektiv vertrauenswürdigen Menschen sollte ich mich nur in dem Maß und Tempo öffnen, wie es für mich stimmig ist, alles andere würde zu meiner Überforderung und anschließendem Rückzug führen. Andererseits haben wir alle innerhalb unseres Lebens, und gerade auch, wenn wir uns z.B. von unseren Lebenspartnern getrennt haben, die Erfahrung machen müssen, dass einmal gegebenes Vertrauen eben auch enttäuscht werden kann. Oder gar, dass wir uns selbst nicht mehr wirklich trauen: kann ich mich auf meine Gefühle – der Abwehr wie der Anziehung – noch verlassen, oder sind sie wie ein Wachhund, der anschlägt, weil er seinen eigenen Schatten sieht?

Grenzen des Vertrauens

Ich möchte hier neben Situationen, in denen ich in der Lage bin, aus vollem Herzen zu vertrauen, auch solche ansprechen, in denen ich meinem Gegenüber (scheinbar) grundlos misstrauisch begegne. Was bringt mich dazu, mein Kind nur „mit schlechtem Gefühl“ bei der Betreuerin abzugeben? Warum frage ich meinen Partner, ob er es mit seinen Gefühlen ernst meint? Wieso halte ich auf der Straße meine Tasche fest, wenn mich ein Mensch mit abgerissener Kleidung anspricht?

Das sind nur Beispiele für ein, vielleicht berechtigtes, vielleicht aber auch überzogenes, Misstrauen, das mich in diesem Moment erfüllt. Dahinter steht das Gefühl, ich müsse mich schützen. Und der einzige Weg, Schutz zu finden, sei der, die „Türen zu mir“ zu verrammeln. Dann sage ich „Nein“, „Stopp“ und beginne manchmal auch zu rationalisieren, „gute Gründe“ für das zu finden, was eigentlich nur ein diffuses Gefühl ist: Ich vertraue dir nicht!

Ich finde, es ist einen Blick wert, nachzusehen – und nachzuspüren – warum ich an dieser Stelle nicht vertraue. Überfordert mich etwas im Verhalten der Person oder an der Situation? Bräuchte ich schlicht mehr Zeit und/oder mehr (positive) Erfahrungen mit diesem Menschen, um mich zu öffnen? Habe ich in ähnlicher Situation bereits einmal schlechte Erfahrungen gemacht (z.B. auch als Kind) und daher verinnerlicht: hier ist Vertrauen gefährlich? Bin ich vielleicht überhaupt ein Mensch, der sich behutsam an die eigenen Grenzen und die seiner Mitmenschen herantasten muss, um sich nicht „überrannt“ zu fühlen? 

Welche Persönlichkeit habe ich? 

Bereits Kinder unterscheiden sich darin, wie offen – oder aber deutlich zurückhaltend – sie auf andere zugehen. Schon Zweijährige lassen sich bereitwillig berühren und z.B. auch von weniger vertrauten Menschen auf den Arm nehmen – oder eben nicht. Die Bereitschaft zur Öffnung anderen Menschen gegenüber ist meiner Meinung nach in jedem Menschen angelegt – anders könnte ich als kleines Kind ja gar nicht überleben – aber in welchem Maß ich mich öffne, wie vielen Menschen und in welcher Geschwindigkeit, scheint schon bei kleinen Kindern Teil ihrer Persönlichkeit zu sein. 

Habe ich dann als kleiner Mensch vielleicht ein paar Mal zu oft gehört: „Jetzt stell dich nicht so an!“ oder – subtiler – „Wie schön, dass du dich nicht so anstellst!“, verinnerliche ich statt echtem Vertrauen in mich selbst und in andere vielleicht eher: wenn ich meine Grenzen nicht wahre, erhalte ich Zuneigung. Und später, wenn ich diese Grenzen dann wahren kann, schlägt mein Gefühl um und ich kämpfe (nachträglich und natürlich vergeblich) gegen die Grenzüberschreiter meiner Kindheit, indem ich als erwachsener Mensch jeden, der mir gefühlt „zu nahe“ kommt, hinter meine Mauern verweise. 

Vertrauen kommt von Zutrauen

Ich muss mir selbst vertrauen, mir zutrauen, meine (inneren) Grenzen wahren zu können. Ich muss fühlen, dass ich rechtzeitig „Nein“ sagen, einen Richtungswechsel bewirken, die Situation, in der ich mich befinde, mit gestalten kann, um wirklich JA sagen zu können. Um echtes Vertrauen schenken zu können. 

Dieses „Nachbemuttern“ oder „Nachbevatern“ meiner selbst ist oft ein langwieriger Prozess und ich sollte es mir wert sein, mir dabei z.B. auch therapeutische Hilfe zu suchen, wenn ich merke, ich komme alleine nicht weiter. Vertrauen in mich selbst, in die mir Nächsten und in die Welt ist sozusagen der „Humus“ meines Lebens, das, was es reich und lebendig macht. Warum sollte ich mir diesen Nährstoff vorenthalten und in der Dürre stetigen latenten Misstrauens vor mich hinvegetieren?

Ich glaube, viele Menschen leben mit diesem Schmerz eines früh enttäuschten Vertrauens. Ich sehe es als Aufgabe meines Menschseins an, dieses Vertrauen in mir wieder zu finden und zu nähren. So, dass ich z.B. auch als Mutter oder Vater meinem Kind sagen kann: „So geht das – so setzt du gesunde Grenzen!“ und: „So geht das – so vertraust du in die Welt!“

Die Welt ist gut, sie ist freudvoll und sehr viel ist möglich, wenn du nicht von Angst, sondern von Vertrauen geleitet wirst. So zu denken – und zu fühlen – ist nicht naiv. Es ist kraftvoll und letztlich von tiefer Weisheit erfüllt. Kein Kind würde sein Leben beginnen ohne dieses erste tiefe Vertrauen. Also lasst uns aufhören, unseren Kindern einzureden, sie seien zu vertrauensselig. Gerade an diesem tiefen Vertrauen krankt doch unsere Welt. Lasst uns eher unseren Kleinsten zuhören und dieses Vertrauen auch wieder in uns nähren: ein klares JA zum Leben, zu unseren Mitmenschen und zur Welt!

Herzliche, bewegte Grüße, Sunnybee

Berührt euch! Vom Segen menschlicher Berührung

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Kinder leben durch Berührung: Bereits im Mutterleib ertasten sie ihre Umgebung, als Baby wandert fast alles in ihren Mund und wird genussvoll mit Lippen und Zunge erforscht, und wenig später beginnen die kleinen Wesen tastend und greifend die Welt im Wortsinn zu erfassen. 

Auch in anderem Sinn sind Kinder Berührungswesen: würden wir sie nicht herumtragen, streicheln und wiegen, beruhigend tätscheln und uns Hand in Hand mit ihnen zu ihren ersten Abenteuern aufmachen, würden sie verkümmern wie Pflanzen, denen das Sonnenlicht vorenthalten wird. 

Über Berührung nehmen wir von frühester Kindheit an unsere Grenzen und die unserer Umwelt wahr. Das bin ich – und das bist du! Wenn Kinder das begreifen, ist ihnen ein Meilenstein der Persönlichkeitsentwicklung gelungen. Zu dieser Erfahrung trägt weit davor das hundertfache Be-Greifen ihrer selbst und ihrer Umwelt bei. 

Erwachsene leben berührungsarm 

Umso erstaunlicher, dass wir uns als Erwachsene die haptische Wahrnehmung unserer Umwelt zu großen Teilen „abgewöhnt“ und sie häufig fast verlernt zu haben scheinen. Die Sinneseindrücke über Augen und Ohren dominieren unser Bild der Welt: diese ist für uns farbig und voller Klang und Lärm, aber nur noch selten kratzig oder samtig, schweißnass oder pergamentartig trocken, pulsierend heiß oder kühl und wächsern. Ein Händedruck verrät uns viel über einen anderen Menschen, eine Umarmung noch mehr. Freude, Furcht, Anstrengung, Vorsicht oder Wohlbefinden zeigen sich auch in Stimme und Haltung. Aber die tiefen Ebenen körperlichen und seelischen Befindens sind oft erst in der Berührung wahrnehmbar: Ein schwacher Puls, Kühle oder Hitze der Haut, Verdichtung des Gewebes in Form von Schwellungen und Knoten waren vor Zeiten der Apparatemedizin zuverlässige Ratgeber ärztlicher Kunst. Heute stellt selbst manch Kinderarzt seine Diagnose hinter seinem Schreibtisch hervor, ohne seine kleinen Patienten ein einziges Mal zu berühren.

Mich mutet das höchst seltsam an und ich empfinde diese Berührungsarmut als Beschränkung, die wir uns unnötigerweise selbst auferlegen. Nicht nur im Sinn der Informationsaufnahme können wir die Welt durch die Berührung um eine ganze Dimension bereichern. Vor allem im zwischenmenschlichen Kontakt nähren wir uns damit auch. 

Lasst euch (wieder) berühren!

Einsamkeit, die „Krankheit“ individualistischer Gesellschaften, geht ja oft einher mit einem eklatanten Mangel an Berührung. Manch alter Mensch geht zum Friseur oder Arzt, um wieder einmal gefragt zu werden, wie es ihm oder ihr gehe – und eben, um berührt zu werden. 

Aber auch für uns „mittelalte“, ins Leben eingebundene, Erwachsene gilt: lasst uns das wärmende Feuer der Berührung wieder entfachen – oder am Leben erhalten! Umarmt eure Kinder und Eltern. Setzt euch Schulter an Schulter mit euren Freunden. Geht Hand in Hand mit euren Liebsten. Kuschelt, küsst und kost mit allen Sinnen. Streichelt, tastet, matscht mal wieder! Lasst frische Blumenerde durch eure Finger rieseln. Tastet mit euren Zehen nach Grashalmen, fühlt im Sommer Kies und Schotter unter euren Füßen!

Die Welt ist mehr, als Augen sehen und Ohren lauschen können. Berührt euch selbst und andere. Teilt diese Erfahrung mit euren Kindern. Lasst euch (wieder) berühren von dieser wunderbaren Welt!

Herzliche, sinnliche Grüße, Sunnybee

PS. Bald folgt hier eine Blogparade, die im weiteren Sinn mit dem Thema „Berührung“ zu tun hat. Ihr könnt gespannt sein!🙂