Ostern: Lammbraten und Auferstehung

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Ostern – „Ostereier!“, jubelt mein Sohn. „Osterferien!“, juble ich… 

Aber was feiern wir eigentlich, an diesem, laut christlicher Tradition, „höchsten Feiertag“ des Jahres? Für viele sind die Ostertage inzwischen vor allem eine Auszeit, an der sie mit Familie und Freunden zusammen kommen können, ein Aufatmen nach den langen Wintermonaten, der Frühling zeigt sich mit erster Wärme, lichtgrünem Laub und Blütenknospen. 

Als Kind liebte ich an Ostern das Ostereiersammeln. Wir waren als Familie zusammen, es gab ein wunderschön dekoriertes Frühstück und leckeres Ostergebäck. Mein Sohn erlebt jetzt einmal mit seinem Vater, einmal mit mir und den jeweiligen Großeltern das Osterfest. Alltag im Leben getrennter Eltern. Diesmal werde ich ihn nicht beim Eiersuchen erleben – nächstes Jahr wieder. Ich freue mich dafür auf eine schöne Zeit mit meiner Familie. 

In gewisser Weise lässt mich das an den eigentlichen Anlass des Osterfests denken, jedenfalls, wenn man dem christlichen Glauben vertraut: Ostern, das Fest, an dem wir Christus’ Auferstehung feiern. 

Lang, lang ist es her, seit ich wirklich regelmäßig in die Kirche gegangen bin, aber an die Bibelgeschichte erinnere ich mich noch: Jesus nach der grausamen Kreuzigung zu Grabe getragen, lag dort drei Tage; aber auf einmal war das Grab leer und seine Anhänger erhielten von ihm höchstpersönlich die Botschaft, er sei „auferstanden von den Toten“. Ganz schön mystisch, oder „spooky“, je nach Perspektive. 

Jesus’ Jünger glaubten ihm zuerst übrigens auch nicht. Es brauchte sozusagen „mehrere Anläufe“, bis ihre Herzen sich für die – eigentlich schlichte – Botschaft öffnen konnten: Ich bleibe bei euch, ich habe euch nicht verlassen. Geht, und tragt das hinaus in die Welt: mein (körperlicher) Tod trennt mich nicht endgültig von euch. Das Unrecht, das mir angetan wurde, konnte mir zwar das (körperliche) Leben nehmen, aber mich und das, wofür ich stehe, nicht besiegen.

Während ich mit Erwartung, einem Funken Wehmut, weil mein Sohn nicht bei mir sein wird, aber durchaus auch mit Vorfreude, den Ostertagen entgegensehe, denke ich, in welchem Zusammenhang ich dieses Vertrauen, „nicht allein“, nicht im Stich, gelassen worden zu sein, empfinden kann. 

Eltern, Großeltern, die der Tod uns „genommen“ hat, die in unseren Herzen und den Erzählungen der Lebenden aber noch immer lebendig sind? Gerade an Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern denken wir ja oft besonders intensiv an die Lieben, die nicht (mehr) bei uns sein können. 

Verbindungen und Beziehungen, die „gestorben“ sind, von denen wir uns lösen oder sie in neuer Form gestalten müssen?

Letztlich auch die vielen „letzten“ Male des Lebens, die wir oft erst im Rückblick wahrnehmen: Ja, in dieser Runde werden wir nie wieder zusammen sitzen. Dieses Haus bewohnen wir nicht mehr. Diese winzige Jacke wird mein Kind nie wieder tragen. 

Gerade Kinder, übrigens ebenso wie der Frühling und die Natur, zeigen uns aber in aller Deutlichkeit, was wir auch als den tiefen Sinn des Osterfestes erkennen können: nichts bleibt, alles wandelt sich. Dinge enden, wir müssen sie „zu Grabe tragen“, uns von ihnen verabschieden, mit Schmerzen um sie trauern – aber wenn wir unser Vertrauen, letztlich unseren Glauben in etwas, das uns trägt, nicht verlieren, werden wir erleben, was bereits Jesus uns verspricht: dass sich Dinge wandeln, dass Verletzungen heilen und neue Freude entstehen kann. Dass auch ein Ende nicht endgültig sein muss. In der alten Form werden wir nicht wiederbekommen, was uns genommen worden ist, aber wenn wir uns öffnen, wird Neues zu uns kommen. In Form von Erkenntnis, Freude, neuen Beziehungen und Verbindungen. Vor allem aber in Form eines tiefen Vertrauens, dass auch das Schmerzlichste, der Verlust oder Tod eines geliebten Menschen, uns eines nicht nehmen kann: die grundlegende Freude am Leben! 

Meiner Meinung nach drückt das die Parabel der „Auferstehung“ Jesus’ aus. Und in diesem Sinne wünsche ich euch allen ganz herzlich ein schönes Osterfest!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

„Echt entspannend!“ Praxis-Tipps von Allein- und Getrennt-Erziehenden

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Wann entspannen wir uns? Wenn wir (innerlich und äußerlich) zur Ruhe kommen, wenn unsere Bedürfnisse nach Rückzug und Erholung, oder andererseits nach Austausch und Gemeinschaft, befriedigt sind, wir uns sicher und geborgen fühlen. 

Gar nicht so leicht für Allein- und Getrennt-Erziehende? 

Nachdem ich hier im Blog bereits aus meiner Perspektive über konkrete Entspannungs-Möglichkeiten im Alltag als getrennt erziehende Mutter geschrieben hatte, wollte ich wissen, wie sich andere allein- und getrennterziehende Eltern entspannen. Also habe ich die Teilnehmerinnen in einem Online-Forum für Allein- und Getrennterziehende, sowie zahlreiche allein- und getrennt erziehende Freundinnen und Bekannte genau danach gefragt. Die Antworten dieser starken, reflektierten Frauen sowie meine eigenen Erfahrungen als getrennt erziehende Mutter eines mittlerweile dreijährigen Sohnes findet ihr in diesem Artikel.

Raus in die Natur

Interessanterweise drehten sich viele der genannten Tipps darum, mit den eigenen Kindern etwas in der Natur zu unternehmen. Im Wald, am Strand oder im Park ergeben sich Spielideen oft wie von selbst. Eben noch überreizte und zugleich gelangweilte (Klein-) Kinder wandeln sich offensichtlich zu unternehmungslustigen Entdeckern, bzw. fröhlichen Genießerinnen, sobald wir unsere Wohnungen verlassen. Ich kann das nur bestätigen. Tatsächlich hat auch auf mich die Mischung aus frischer Luft und Bewegung in der Natur eine eindeutig positive Wirkung. Warum ist das so? Offensichtlich ist ein Teil von uns eben doch „archaisch“ gepolt. So reagiert eines unserer Hirnareale, das für die Verarbeitung von Reizen zuständig ist, offenbar positiv auf Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher oder Blätterrauschen, und das vor allem, wenn wir bereits gestresst sind (vgl. GEO-Online: „Darum wirken Naturgeräusche so entspannend“).

Kein Wunder also, dass folgende Tipps uns wirklich Entspannung schenken: 

  • Kind auf den Kindersitz, bzw. in dem Radanhänger packen und ab an den nächsten Fluss, bzw. ins nächste Waldstück. Weinberge gehen auch, wie Petra, alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder, in ihrem Blog auf unterhaltsame Weise beschreibt. Von Christinas Bericht über einen Tag im Wald mit ihrem Sohn, den sie gemeinsam mit dessen Vater getrennt erzieht, könnt ihr euch hier inspirieren lassen. Wie eine andere alleinerziehende Mutter bestätigt, sind offene, gut überschaubare Flächen ohne Gefahrenquellen wie z.B. stark befahrene Straßen optimal. Ein kleines Picknick, bzw. ein Eis unterwegs hebt zusätzlich die Stimmung.
  • Eine Mutter gibt den Tipp, mit Kind auf dem Spielplatz parallel auf zwei Schaukeln zu schaukeln, jeder in seinem Tempo; oder gemeinsam liegend in der Nestschaukel in den Himmel zu schauen. Alle „Beobachtungs- und Sammelspiele“ (Wolken oder Schiffe zählen, Eicheln oder Stöcke sammeln) können zusätzlich Ruhe in einen gemeinsamen Ausflug bringen.
  • Gemeinsam im Garten werkeln, Erde und Natur fühlen. Falls kein eigener Garten vorhanden ist: in vielen Städten gibt es inzwischen tolle Urban Gardening-Projekte, eine Übersicht über einige davon findet ihr z.B. hier und hier. Auch ein Schrebergarten kann eine Alternative sein.
  • im Tierpark oder Zoo Tiere beobachten und ggf. füttern.
  • Bei Regen gut eingepackt trotzdem auf die Straße gehen, bzw. auch einfach nur ans (geöffnete) Fenster setzen, die an der Scheibe herunterlaufenden Regentropfen beobachten und eine besonders leckere Knabberei essen, die es nur bei dieser Gelegenheit gibt.

Entspannen in Gemeinschaft

Neben Ruhe fehlt vielen allein- und getrennt erziehenden Elternteilen oft vor allem eins: sozialer Kontakt. Einsamkeit bis hin zu sozialer Isolation ist ein massiver Stressfaktor und kann uns sogar krank machen. Mit unseren Kindern sind wir selten allein, fühlen uns ohne erwachsene Ansprechpartner, körperliche Berührung, bzw. seelischen Austausch, aber zuweilen doch einsam. Entsprechend empfinden viele, die alleine für ihr Kind zuständig sind, es als extrem wohltuend, einmal nicht mehr bloß zu zweit unterwegs zu sein. Eine der von mir befragten Mütter bringt es auf den Punkt: „Wenn der Fokus von uns beiden weg ist, ist definitiv weniger Spannung in der Luft, also auch mehr Entspannung möglich.“ 

Daher hier einige konkrete Tipps für Entspannung in Gemeinschaft: 

  • Kocht und esst mit Freund/innen, die in der Nähe wohnen. Über meine Erfahrung damit habe ich auch bereits in meinem ersten Artikel zum Thema „Entspannung“ geschrieben.
  • Geht mit euren Kindern ins Café. Das funktioniert z.B. mit meinem Sohn, seit er etwa 21/2 Jahre alt ist, erstaunlich gut. Wir bestellen uns einen Crêpe oder ein Stück Kuchen (auch das schon ein Highlight), beobachten Leute, plaudern, und zumindest mein Sohn liebt es, als „Großer“ in Mamas Begleitung „auszugehen“.
  • Für noch Kleinere gibt es inzwischen in vielen (größeren) Städten „Kindercafés“, die mit Spielmöglichkeiten und kindgerechter Speisekarte auf die Bedürfnisse von Kleinkindern und ihren Eltern ausgerichtet sind. Im Winter eine nette Möglichkeit, auch ohne konkrete Verabredung als Mutter oder Vater unter „Gleichgesinnten“ zu sein. Allerdings oft leider laut, daher vielleicht nicht für jede/n entspannend.
  • Macht Yoga oder belegt sonstige Sportkurse mit Kinderbetreuung. Entsprechende Angebote findet ihr z.B. im Veranstaltungsprogramm von Kirchengemeinden oder Bürgerzentren. Auch Fitnessstudios bieten oft Kinderbetreuung während ihrer Kurse an. Zumindest in großen Städten gibt es schon seit einiger Zeit speziell für Mütter und Väter Sportabgebote mit Baby in der Trage (Kurse wie Kangafit etc.) oder Laufgruppen, die sich zum Joggen mit Kleinkind im Buggy treffen. Ich persönlich habe das nicht ausprobiert, weil es mir mit meinem lebhaften und früh mobilen Sohn wenig entspannend erschien, aber je nach Naturell und Alter des Kindes ist es einen Versuch wert.
  • Spezielle Alleinerziehendentreffs und Stammtische (fragt in Familienberatungsstellen oder gründet vielleicht sogar selbst einen? Gemeinsam mit einer Freundin habe ich das vor etwa einem Jahr getan und schon mehrere schöne Vormittage beim Frühstück mit sehr netten anderen allein- und getrennt erziehenden Müttern verbracht.
  • Verreist mit anderen Allein- und Getrennterziehenden. Wirklich lohnenswerte Seminare speziell für diese Zielgruppe bietet z.B. im Raum Köln das Alleinerziehendenpastoral des Erzbistums an. Aber auch ohne organisiertes Programm kann ein solcher Kurzurlaub ein voller Erfolg sein. Ich habe hier im Blog bereits einmal über ein solches Wochenende geschrieben. Auf der Seite unterwegsmitkind.com berichtet eine alleinerziehende Mutter von ihren eigenen Erfahrungen. Hier findet ihr viele praktische Tipps und auch eine erste Übersicht an Reiseunternehmen, die Single-Reisen mit Kind anbieten. Auch die Seite frauenparadies.de bietet Tipps für die Planung einer Reise als einzelne/r Erwachsene/r mit Kind.

Sich (seelisch und körperlich) berühren lassen 

Nicht zuletzt sehnen sich viele Allein- und Getrennterziehende, die (noch) keine neue Partnerschaft eingegangen sind, schlicht nach körperlicher und seelischer Berührung. Es versteht sich von selbst, dass unsere Kinder nicht dazu da sind, einen Partner oder eine Partnerin zu ersetzen, aber auch ihnen können wir unsere Berührung schenken und es genießen, von ihnen freudig und liebevoll umarmt zu werden. Eine alleinerziehende Mutter beschreibt eine, wie ich finde, besonders originelle Art der spielerischen Berührung:

„Wir spielen Pizzabacken. Dabei kneten wir uns abwechselnd den Rücken durch und belegen ihn mit leckeren Sachen. Ich liebe, diese 5 Minuten auf dem Bauch liegend „beackert“ zu werden. Thai Massage ist ein Abklatsch dagegen.“

Weitere „Berührungs-Ideen“ mit Kind?

  • sich bewusst Zeit nehmen und Kaffeeklatsch zelebrieren (mit einer leckeren und laaaangsam gemeinsam zubereiteten Tasse Kakao oder Tee/Kaffee).
  • Etwas lesen, je nach Alter der Kinder jeder für sich oder gemeinsam das Lieblingsbuch vorlesen. Geht natürlich auch mit Hörspielen und – klar – dem Lieblingsfilm der Kleinen.
  • Malen, basteln und dabei ggf. entspannende Musik oder ein Hörspiel hören.
  • Ausgelassen und eng umschlungen tanzen.
  • Laut singen.
  • Morgens im Bett – natürlich nur, wenn das Kind Lust darauf hat – noch zehn Minuten KUSCHELN!🙂
  • Gemeinsam kochen und das Kind seinem Alter entsprechend mithelfen lassen. Funktioniert zumindest bei uns gut: Mein Dreijähriger liebt es gerade, „groß“ zu sein und mir im Alltag zu helfen – und ich bekomme ganz nebenbei noch das Notwendige erledigt.
  • Miteinander im Winter abends baden, bzw. das Kind im Wasser planschen lassen und sich mit einer Tasse Tee daneben setzen.

Die innere Haltung

Natürlich trägt zur (gemeinsamen) Entspannung auch ganz entscheidend die innere Haltung bei. Ich muss mir Entspannung gönnen, um sie überhaupt suchen – und finden – zu können. Und nicht zuletzt muss ich mich selbst und auch mein Kind erst richtig kennenlernen: was entspannt mich – und was ist für mich, gemeinsam mit meinem Kind, wirklich entspannend? Eine kluge alleinerziehende Freundin fasst es, wie ich finde, treffend zusammen: 

„Mir geht es so, dass ich dann gut entspannen kann, wenn ich meine Gesamtsituation grundsätzlich akzeptiere, gut mit mir im Kontakt bin, mich auf die Situation/die Stunden mit Kind gut einlassen kann und wir dann gemeinsam überlegen, was uns gerade gut tut/wozu wir Lust haben. Dann genieße ich die Zeit sehr, bin dankbar für mein Kind und fühle, wie glücklich und ruhig mich das macht. Wenn ich selbst nicht bei mir bin und mich im Hamsterrad drehe, können dieselben Aktivitäten sich zusätzlich stressig anfühlen. Kommt also ganz auf meine Selbstfürsorge an, inwieweit ich überhaupt in der Lage bin mit meinem Kind gemeinsam zu entspannen und es nicht als Last zu empfinden!“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen!🙂 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Eure Meinung interessiert mich:

Wie entspannt ihr euch?

Könnt ihr mit (einigen) dieser Tipps etwas anfangen? Habe ich eurer Meinung nach etwas Wichtiges vergessen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

[Alle Links in diesem Artikel sind persönliche Empfehlungen, ich habe durch den Verweis auf sie keinen finanziellen Vorteil.]

[Foto: Pixabay]

„Sei einfach mehr wie ich!“ Vier zerstörerische Sätze für jede Partnerschaft – und wie wir es besser machen

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Nach jeder Trennung kommt irgendwann der Punkt, an dem wir unsere „Fühler“ wieder ausstrecken, wieder offen für eine neue Partnerschaft sind. 

Nicht nochmal den Mist! 

Die alten Fehler wollen wir aber nicht noch einmal machen. Daher hier ein „Best of“ der wirklich hinderlichsten Glaubenssätze innerhalb jeder Partnerschaft – und wie wir sie umschiffen können. 

  1. Sei einfach mehr wie ich.
  2. Glaub an mich, denn ich selbst tu’s nicht.
  3. Weil du mich hast brauchst du kein eigenes Leben.
  4. Du verlässt mich sowieso.

1. Sei einfach mehr wie ich

Wir wollen die selbstbewusste, aufmerksame Partnerin, den verständnisvollen, zärtlichen Partner. Statt dessen sitzen nach zwei Jahren verliebter Idylle auf einmal dieses hysterische Nervenbündel oder der Egomane, der sich nur um sich zu drehen scheint neben uns und erheben den Anspruch, unsere Partnerin, bzw. unser Partner zu sein… Sauerei!

Das wollen wir diesmal besser machen. 

Gut, dann lass uns damit anfangen: Du bist nicht wie ich – und brauchst es auch nicht zu sein. 

Und zugleich, das Paradox der Liebe: wenn ich mich wirklich und innig in dich verliebt habe, bist du vermutlich doch ganz schön wie ich. Das simple „Gesetz der Resonanz“: Ich bin unsicher – und finde einen Menschen, der, wie auch immer er oder sie sich äußerlich gebart, doch letztlich innerlich unsicher ist. Ich begegne, umgekehrt, entspannt und selbstbewusst dem Leben – die Chancen werden nie größer sein, dass mein Herzensmensch im Innersten genau diese Qualitäten hat. Denn mich zieht an, was ich aussende. 

Fazit: Wenn dir nicht passt, was du (immer wieder) in deiner Partnerschaft bekommst, fang’ bei dir an, etwas zu ändern. Dann kann der andere ruhig ein bisschen mehr wie du werden – ganz ohne dass du ihn oder sie umerziehst…🙂

2. Glaub an mich, denn ich selbst tu’s nicht

Hängt eng mit Punkt eins zusammen: will ich den anderen ändern, dann meist, weil er mir so, wie er oder sie ist, nicht „genügt“. Aber was ist gut genug für mich? Superman, Mrs. Einstein? Mr. Kamasutra? Hinter unerfüllbar hohen Ansprüchen steht oft die heimliche Angst, selbst nicht zu genügen. Wenn ich möchte, dass der andere mich mit seinen schillernd bunten Federn schmückt, ist es um mein Vertrauen in mein eigenes Federkleid im tiefsten Inneren vermutlich nicht besonders gut bestellt. 

Daher: statt zu erwarten, dass der andere mich durch sein Auftreten und seine Qualitäten „erhöht“, fange ich da an, wo es wirklich etwas aufzubauen gibt: bei mir, meinem Selbstbewusstsein und meinem Vertrauen in mich selbst! 

3. Wenn du mich hast, brauchst du kein eigenes Leben

Hinter dem Wunsch, ALLES gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin zu machen, am besten gar keine Zeit mehr allein zu verbringen und möglichst nie getrennte Wege zu gehen, steht oft das diffuse Gefühl, ohne ihn oder sie eigentlich kein eigenes Leben zu haben. Das auszusprechen – oder überhaupt wahrzunehmen – ist gar nicht leicht. Statt dessen klingt das „verpackt“ so: „Immer willst du deine Kumpel treffen, statt mit mir in den neuen Sofia Coppola-Film zu gehen“ oder, noch besser: „Ohne dich macht mir nichts Spaß/ will ich mich mit gar niemandem treffen/ macht mein Leben keinen Sinn.“

Tja, dann ist es höchste Zeit, das zu ändern! Mit wem soll mein Partner oder meine Partnerin zusammen sein, wenn es mich gar nicht gibt? Frau Hofrat Zitzewitz, die werte Frau Gemahlin des Hofrats? Die Zeiten sind vorbei? Dann benehme ich mich gefälligst nicht, als gebe es mich nur als „Anhängsel von“. Umgekehrt ist das auch der beste Schutz davor, zu fordern, der andere solle, über die ersten drei Monate hinaus, nur noch eins sehen: nämlich mich, mich, MICH!

4. Du verlässt mich sowieso

Ohne Selbstbewusstsein, Wertschätzung für mich selbst und mein „eigenes“ Leben kann es sich verdammt bedrohlich anfühlen, in einer Partnerschaft zu leben. Klar: Wenn ich mir selbst vorkomme wie ein Hauch dünner Luft, was sollte der andere dann an mir finden? Du verlässt mich sowieso. Der Totschlagsatz, der alle Entwicklungsmöglichkeit blockiert. Weil aus ihm Angst spricht und damit der Nährstoff jeder Partnerschaft fehlt: das Vertrauen. Und zwar leider nicht nur in den anderen, sondern vor allem in mich selbst. 

Wie’s besser geht? 

Lerne, dich selbst anzunehmen, wie du bist. Stolz auf deine Stärken zu sein und liebevoll mit deinen Schwächen umzugehen. Dann kommst du gar nicht in Versuchung vom anderen etwas zu verlangen, was dir selbst abgeht. Spürst du echte Selbstsicherheit und ein Vertrauen in dich und die Welt, brauchst du eins jedenfalls nicht mehr: einen Partner, bzw. eine Partnerin, der oder die „dich glücklich macht“. Denn das bist du dann schon selbst – beste Voraussetzung, um wirklich den Menschen zu finden, der zu dir passt!🙂

Kannst du mit diesen Tipps etwas anfangen – oder eher nicht? Ich freue mich über deinen Kommentar! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Krank mit Kind? Ein Resümee

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Wie war das einmal, vor langer Zeit? Krank mit Fieber im Bett liegen und nur ab und zu gefragt werden: „Möchtest du noch einen Tee?“, „Wie geht es dir?“, „Warte, ich mache dir einen Teller mit frischem Obst“?

Krank sein mit (kleinem) Kind ist ein anderes Kaliber. 39 Grad Fieber: wenn du Glück hast, ist Wochenende und der Vater springt ein. Oder die Oma. Oder eine nette Nachbarin. Was du nie wieder hast ist die selige Gewissheit, GAR nichts mehr zu müssen. Einfach nur Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Magen-Darm-Infekt auskurieren zu können – so lange, wie es eben braucht, bis du wieder gesund bist. Statt dessen weißt du: spätestens am dritten Tag musst du – Fieber oder nicht – zum Arzt und ein Attest für deinen Arbeitgeber besorgen. Und selbst, wenn du deiner beruflichen Tätigkeit ein paar Tage nicht nachgehst – dein „Job“ zu Hause kennt keine, bzw. so gut wie keine, Krankenzeiten. 

Längerfristig krank sein?

Fieber mit Kleinkind: „Mama, SPIELEN!“ – spätestens nach einer Stunde sind die Ideen für ruhige (!) Spiele im Liegen (!) von der Couch aus dann auch erschöpft. Glücklich also, wer einen Partner, bzw. Ex-Partner hat, der das Kind für 2-3 Tage klaglos und die komplette Zeit über betreut. Glück auch, wenn ihn noch eine dritte Person (nette Nachbarin, Oma oder Opa) dabei entlasten kann. Das Glück haben viele – und erst recht viele komplett Alleinerziehende – gar nicht. 

Trotzdem bleibt es auch bei solch eigentlich günstigen Umständen dabei: länger als maximal vier, fünf Tage darfst du als Mutter nicht ausfallen, darfst du nicht ernsthaft krank sein – sonst gerät das ganze Gebilde aus Absprachen, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten, aus dem dein Leben besteht, gefährlich ins Wanken. Berufstätig Mutter eines Kleinkinds zu sein ist auch so bereits ein Spagat, der im Alltag oft nur mit einer Menge mauer Kompromisse zu bewältigen ist. Nein, es ist nicht schön, sein Kind weinend im Kindergarten zurückzulassen, weil es an diesem Morgen schlicht mehr Mama bräuchte, Mama aber jetzt und sofort weiter zur Arbeit muss. Nein, es ist nicht schön, abends gereizt und übermüdet Kind oder Partner anzupflaumen und den Frust wegen einer beruflichen Besprechung bei ihnen abzuladen. Nein, es ist auch nicht schön, sich für die Arbeit perfekt vorbereitet zu haben und dann hat das Kind Fieber und Mama muss zuhause bleiben. Und noch doofer ist es, wenn am Ende die Dinge nicht mehr möglich sind, die einem wirklich Spaß machen, weil man – nach stressigen Wochen – einfach selbst krank wird. 

Krankheit als (Warn-) Signal

„Krankheit macht ehrlich.“ Der Meinung ist zumindest der Alternativmediziner und Autor Rüdiger Dahlke. Du brichst dir, über die Kloschüssel gebeugt, die Seele aus dem Leib? Was gerade an deinem Leben ist „zum Kotzen“? Du fieberst und dir platzt schier der Kopf vor Schmerzen? Gibt es einen (inneren) Konflikt, den du trotz allen Kopfzerbrechens nicht lösen kannst? 

Natürlich haben Grippe und Co häufig ganz „handfeste“ Ursachen. Schließlich bist du als Mutter oder Vater im Alltag genügend Viren und Bakterien ausgesetzt, schläfst oft zu wenig, erlebst viele Momente, die stressig sind. Dennoch lohnt sich meiner Meinung nach der Blick auf deine Krankheit auch als das, was sie eben auch ist: Warn- und Signalgeber. Es reicht. Es wird dir zuviel. Rien ne va plus. 

Wenn du fiebernd, mit Matschbirne im Bett liegst, kannst du erleben, wer dich (er-) trägt, mit all deiner Schwäche und Bedürftigkeit. Du kannst auch erleben, wie gut du dich selbst erträgst, sobald du einmal aus der Rolle der souveränen, leistungsstarken Managerin deines Lebens fällst.

Was brauchst du, wenn du krank bist?

Was brauchst du in solchen Momenten? Menschen, die dir ganz konkret und verlässlich ihre Hilfe anbieten? „Ich passe zwei Tage auf dein Kind mit auf.“ „Ich hole deinen Sohn vom Kindergarten ab und bringe ihn zu dir.“ „Ich habe Gemüsesuppe gekocht, magst du einen Teller?“ Oder vielmehr die seelische „Nahrung“? Die warmherzige Nachfrage, auch am dritten, vierten Tag noch: „Wie geht es dir?“ „Kann ich etwas für dich tun?“. Das Angebot: „Ich bin da, wenn du mich brauchst“?

Mich selbst hat vor kurzem eine heftige Grippe erwischt. Letztlich nichts Dramatisches und doch haben mir die vier Tage, ausgeknockt mit Fieber im Bett, doch deutlich gezeigt, was ich wirklich brauche. Neben der praktischen Unterstützung, die mein Ex-Partner mir zumindest einige Tage lang geben konnte, indem er unseren Sohn allein betreut hat, nämlich auch die Wärme echten Mitgefühls, einfach die Erfahrung: da interessieren sich Menschen, die mir nahe stehen, für mich, gerade auch, wenn ich körperlich und seelisch geschwächt bin.

Ich merke, dass ich nicht die Erwartung haben darf, dieses Mitgefühl wie selbstverständlich zu bekommen – dass ich andererseits aber auch aktiv darum bitten darf: „Können wir reden?“ „Kommst du vorbei?“ „Kannst du mir einfach zuhören, jetzt, wo es mir gerade nicht gut geht?“ Ich kann noch viel mehr zeigen, dass ich mir genau diese Unterstützung wünsche und dass ich sie auch brauche. Ich habe keine „Garantie“ dafür, dass ich sie bekomme. Aber fragen kann ich. Und ich muss es auch, damit ich langfristig gesund bleibe.

Wie geht unsere Gesellschaft mit Schwäche um?

Krank sein mit (kleinem) Kind ist kein Zuckerschlecken. Abgesehen davon, dass man innerhalb kürzester Zeit verstörend elend aussehen und sich entsprechend fühlen kann, passt Krankheit nicht in eine Gesellschaft, die vom gesunden, starken, leistungsfähigen Menschen ausgeht. Eine simple Grippe kann uns in kürzester Zeit „auf die andere Seite“ katapultieren. Dort, wo die Bedürftigen, Geschwächten, Wehrlosen stehen. Mit einer Grippe ist das Ganze meist auf eine, maximal zwei, Wochen beschränkt. Trotzdem reicht das meiner Meinung nach, um den Blick zu schärfen für die folgenden Fragen:

  • Wer ist da, wenn es mir schlecht geht?
  • Wer bin ich ohne die Fähigkeit, Leistung zu erbringen?
  • Läuft mein Leben im Notfall auch ohne mich?

Große Fragen, die man sich sicher nicht mit Bronchitis und Fieber stellen sollte. Aber durchaus Fragen, die es wert sind, sie sich zu stellen, wenn wir – hoffentlich bald – wieder gesund sind. Schlicht, um beim nächsten Mal, mit Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen nicht zuerst und vor allem vor einer Sache Angst zu haben: überhaupt und ernsthaft krank zu werden. 

Herzliche, nachdenkliche Grüße, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Unser Stammtisch in der „Freundin“!

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Ganz schön aufregend: Anfang des Jahres trat eine Redakteurin der Frauenzeitschrift „Freundin“ an Christina (getrenntmitkind.de) und mich heran und fragte, ob sie über den Stammtisch für allein- und getrennt erziehende Eltern, den wir seit Sommer 2018 in Köln organisieren, berichten könne. 

Wir sagten zu, wurden interviewt sowie bei einem professionellen Fotoshooting im noch winterlich kühlen Köln von allen Seiten belichtet.

Das Ergebnis findet ihr in der Print-Ausgabe der Freundin (7/2019), die momentan am Kiosk zu finden ist: Kurz und treffend auf den Punkt gebracht, warum unser Stammtisch einen Besuch wert ist!🙂

Also, wenn ihr im Raum Köln/Bonn/Düsseldorf wohnt und allein- oder getrennt erziehend seit, kommt einfach mal vorbei. Wir freuen uns auf euch!

Die Infos zum Mai-Termin findet ihr hier: Stammtisch Mai 2019. 

Weitere Termine veröffentlicht Christina regelmäßig auf ihrer Website oder ihr schreibt mir eine Mail über kontakt[at]mutter-und-sohn.blog.

Herzlichen Gruß, Sunnybee 

Jannike Stöhr: „Man muss fragen, damit sich Möglichkeiten ergeben.“

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(C) jannikestoehr.com

Jannike Stöhr, 32, ist „Job-Testerin“, Autorin und Coach für berufliche Neuorientierung. Nach einem erfolgreichen Berufseinstieg bei VW verließ sie 2014 ihre gut bezahlte Festanstellung ebenso wie ihre Wohnung und reiste ein Jahr lang durch ganz Deutschland, um insgesamt dreißig unterschiedliche Berufe kennen zu lernen. Daraus ist ein Buch entstanden: „Das Traumjob-Experiment“. Jannike wird seitdem für Vorträge gebucht um über ihre Erfahrungen zu sprechen. Zudem arbeitet sie als Business-Coach und berät Menschen, die sich im Prozess beruflicher Neufindung befinden. 2018 hat sie gemeinsam mit dem Sachbuchautor Emilio Galli Zugaro ihr zweites Buch veröffentlicht: „Ich bin so frei. Raus aus dem Hamsterrad – rein in den richtigen Job“, ein Ratgeber, in dem es ebenfalls um berufliche Neuorientierung geht. Was Jannike zu ihrem bisherigen Werdegang bewegt hat und warum ihre Erfahrungen auch für Allein- und Getrennterziehende hilfreich sein können, erzählt sie hier.

Wie würdest du deinen Beruf jemandem beschreiben, der sich unter ‚Bloggerin‘, ‚Speakerin‘ oder ‚Job-Testerin‘ nichts vorstellen kann?

Einem 5-Jährigen würde ich sagen: In meinem Beruf begleite ich Leute, gucke mir an, was sie machen, mit was sie zufrieden sind, wenn sie es machen und dann schreibe ich darüber und veröffentliche das im Internet. Ich mache das, weil es mein Ding ist. Weil es mich wirklich sehr interessiert.“

Ich frage Jannike, warum sie genau diese Tätigkeiten mit solcher Begeisterung ausübe. Sie erklärt mir daraufhin, dass das Thema „Orientierung“ für sie selbst über viele Jahre sehr bedeutend gewesen sei. Sie habe sich immer gefragt: „Wo gehöre ich eigentlich hin, was ist mein Ding?“ Zudem sei Lernen an sich für sie genussvoll. Eine weitere Frage, die sie antreibe, sei also: „Was will ich neu lernen und begreifen?“ Auch die Werte Freiheit und Abwechslung seien wichtig für sie. All diese Aspekte könne sie in ihrem „Berufs-Portfolio“ vereinen und daher sei sie so zufrieden damit.

Die Frage „Warum machst du das?“ ist ja immer eine Frage, die zu viel Zufriedenheit bei der Arbeit führen kann, weil sie dir einfach den Sinn hinter deinem Tun deutlich macht.

Jannike betont, ob man eine Tätigkeit als sinnvoll empfinde, liege in der eigenen Biographie begründet und vielen sei erst einmal unklar, in welchem Beruf sich dieser Sinn für sie finde. So gibt es ihrer Meinung nach auch keinen objektiven „Traumjob“, sondern vielmehr Tätigkeiten, die uns erfüllen, weil wir persönlich sie als sinnvoll erachten. Dies wiederum liege darin begründet, dass etwas an unserer Tätigkeit in uns auf Resonanz treffe und unser Impuls zu handeln dadurch eine ganz andere Kraft bekomme.

„Beispiel Entwicklungszusammenarbeit in Afrika: Das ist ja per se eine sehr sinnvolle Tätigkeit. Und trotzdem würde ich für mich sagen, mein Antrieb ist eher das Thema Orientierung, weil ich persönlich so lange um berufliche Orientierung gerungen habe. Für jemanden, der in Afrika gelebt hat, der dort Hunger und Leid mitbekommen hat, hat die Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika eine ganz andere Bedeutung als für mich. Deswegen ist die Frage nach dem Sinn einer Tätigkeit auch sehr individuell.“

Ich frage Jannike, ob ein Blick auf die eigene Biographie ihrer Meinung nach auch nach einer Trennung im Prozess der Neuorientierung hilfreich sein kann.

Ich glaube, dass ein Blick auf die Biographie immer sinnvoll ist, weil der Umstand, wie wir Dinge erlebt haben und sie einschätzen, einen riesigen Einfluss auf die Gegenwart hat. Mir war das „Warum?“ als ich ausgestiegen bin noch gar nicht klar. Das habe ich erst während meines Tuns gefunden. Und ich glaube, wenn dir etwas wichtig ist, wie mir in dem Fall, dass ich meinen Platz finden wollte, entwickelst du eine ganz besondere Kraft. Mir war diese Frage so wichtig, dass ich 2014 alles aufgegeben habe und herumgereist bin. Der Impuls war einfach so stark.“

In ihrem Buch „Ich bin so frei“ betonen Jannike und ihr Mitautor Emilio Galli Zugaro zudem immer wieder, dass es nicht reiche, abstrakt etwas ändern zu wollen und in Gedanken Alternativen durchzuspielen. Ab einem gewissen Punkt müsse man einfach handeln.

Wenn du die Erfahrung dazu nicht hast, dann wird es halt immer ein Gedanke bleiben. Du kannst nicht „die Perfektion“ erreichen im Kopf. Thesen aufstellen, ist meine Devise, tut nicht weh, das ist noch keine endgültige Entscheidung. Also mach das ruhig. Aber dann schau in der Realität, wie es wirklich ist, unternimm also relativ schnell Dinge in die Richtung, die du dir beruflich vorstellen kannst und begleite oder befrage Menschen, die schon dort sind, wo du gerne wärst. Da passiert ganz viel, was wir gar nicht absehen können. Es entwickelt einfach eine Kraft, weil wir es erleben und erfahren.“

Natürlich frage ich Jannike, die selbst in einer festen Partnerschaft lebt und bisher keine Kinder hat, wie Allein- oder Getrennterziehende nach einer Trennung, an einem Punkt, an dem sie in vielerlei Hinsicht geschwächt sind, die Kraft zu dieser Entschlossenheit finden sollen. Jannike bestätigt mir, dass gerade die Unsicherheit, die eine berufliche wie private Neuorientierung mit sich bringe, Menschen ihrer Erfahrung nach am meisten Angst mache. Das sei auch bei ihr so gewesen.

Ich hatte mir, bevor ich ausgestiegen war, Horrorszenarien ausgemalt, was alles schief gehen könnte. Dass ich mich total verschulden würde, dass alles nur eine Schnapsidee wäre, ich niemanden für mein Projekt begeistern könnte. Ein Coach hat mal zu mir gesagt, Menschen sind auf einem Level von 20% Zufriedenheit in ihrem Leben und sie sehen etwas, das könnte ein Level von 50% Zufriedenheit oder gar 100% mit sich bringen, aber vorher müssen sie durch eine Kuhle durch. Das heißt, es geht erst mal bergab, weil sie die Unsicherheit aushalten müssen. Veränderung ist selten angenehm. Und weil Menschen so viel Angst vor dieser Kuhle haben, bleiben sie lieber auf diesem Level von Zufriedenheit, anstatt eine Veränderung anzustreben. Ich glaube, es ist die Unsicherheit, die Angst macht – und diese Angst kenne ich auch von mir.“

Ich frage, was Jannike einer jungen Frau raten würde, die einen Beruf hat, in dem sie 40h im Schichtdienst tätig ist und somit eigentlich nicht alleinerziehend für ihr Kind da sein kann. Wie soll sie ganz praktisch eine berufliche Neuorientierung angehen? Jannike rät, vor allem nicht alles sofort zu wollen:

„Es gibt eine Studie der Psychologin Herminia Ibarra, die berufliche Neuorientierungsprozesse untersucht hat. Ein Ergebnis war, dass von der Erkenntnis „Ich möchte nicht mehr, ich möchte etwas anderes machen“ bis zu dem Gefühl „Ich bin angekommen“ etwa drei Jahre vergehen. Es ist eine schrittweise Hinentwicklung. Man muss der Persönlichkeit beim Umstieg auch die Möglichkeit geben, sich mit zu entwickeln. Es muss nicht alles von heute auf morgen passieren. Also muss man sich, gerade in einer Situation wie der oben beschriebenen, nicht auch noch den Druck machen, sofort den perfekten Job zu finden. Aber man kann sich auf den Weg machen und Schritt für Schritt gucken, was zeitlich und finanziell möglich ist. Wie viel Zeit kann ich investieren, um zu schauen, was ich beruflich machen will, um diese Thesen dann an der Realität zu überprüfen und mich somit Schritt für Schritt umzuorientieren? Und auf finanzieller Ebene: Kann ich meine Arbeitszeit eventuell reduzieren, mir da Freiräume schaffen? Was für einen Lebensstandard habe ich? Brauche ich das alles wirklich? Es kostet tatsächlich Zeit, sich zu orientieren, aber man hat keine Eile. Man kann Schritt für Schritt vorgehen. Allein zu wissen, dass dieser Prozess Zeit braucht, kann einem schon viel Stress nehmen.“

Mich interessiert auch, was sie einer alleinerziehenden Mutter oder einem alleinerziehendem Vater raten würde, die Verpflichtungen den eigenen Kindern gegenüber haben oder z.B. durch Umgangsregelungen an den Wohnort des Ex-Partners gebunden sind. Wie sollen sie damit umgehen, ganz real in der Verwirklichung ihrer Pläne gebremst zu sein?

Jannike betont, dass es extrem wichtig sei, eigene Wünsche und Ziele zu kommunizieren.

Wenn man mit denjenigen, die einem etwas bedeuten, über seine Wünsche spricht und auch um Hilfe bittet, können viel mehr Freiräume geschaffen werden, als man sich vorstellt. Das habe ich bei meinem Experiment auch erfahren können: wenn man nicht fragt, passiert nichts. Man muss fragen, damit sich Möglichkeiten ergeben. Fragen und sich mitteilen und darüber reden, was einen bewegt, das ist total hilfreich – auch in dieser Situation.“

Das meinen sie und ihr Mitautor in dem Ratgeber „Ich bin so frei“ wohl damit, das eigene Umfeld in den Orientierungsprozess mit einzubeziehen. Allerdings sei es nicht selten so, dass gerade das engste Umfeld mit Angst und Vorbehalten auf die Neuorientierung reagiere. Gerade dann sei es wertvoll, sich mit Menschen außerhalb des engsten Kreises zu unterhalten, die nicht so starre Vorstellungen von der eigenen Person haben. Jannike betont, dass sie ohnehin versuche, sich mit Menschen zu umgeben, die sie förderten, unterstützten und auch herausforderten:

Meiner Meinung nach ist es extrem wichtig, ein gutes Umfeld zu haben. Wenn mich jemand wirklich blockieren und demotivieren würde und ich ihm oder ihr nicht aus dem Weg gehen könnte, würde ich schauen, dass ich die Schnittstellen so gering wie möglich halte und z.B. über manche Themen mit dieser Person nicht spreche. Andererseits ist natürlich auch eine interessante Frage: Blockiert er oder sie dich wirklich oder kannst du vielleicht konstruktive Kritik aus den Einwänden ziehen?“

Jannike verweist in diesem Zusammenhang auf ein Buch des Autors Jia Jiang („Wie ich meine Angst vor Zurückweisung überwand und unbesiegbar wurde“), in dem dieser beschreibt, wie er sich bewusst mit Situationen konfrontierte, in denen er Ablehnung riskierte. Dadurch lernte er vor allem zwei Dinge: 1) eine Ablehnung hat meist mehr mit dem anderen als mit einem selbst zu tun. 2) Es lohnt sich, sie als Inspiration zu sehen: Vielleicht hast du das falsche Publikum gewählt? Oder du musst dein Thema nochmal überdenken? Vielleicht hast du irgend etwas nicht bedacht?

Ich frage Jannike, was ihr persönlich die Kraft gibt, trotz äußerer Widerstände an ihren Zielen festzuhalten. Ihre Antwort ist klar:

Ich weiß heute, warum ich die Dinge tue. Das empfinde ich als extrem wichtig. Bei einem Projekt wie dem der 30 Jobs der Zukunft weiß ich einfach, das wird Realität, egal wie viele Leute mir absagen, das werde ich schaffen. Und manchmal dauert es eben länger, manchmal sieht das Ergebnis ein bisschen anders aus, aber irgend ein Weg wird sich finden. Man malt sich ja manchmal Dinge aus und erst während des Machens merkt man, dass man etwas ändern muss. Oder man wird auf Dinge hingewiesen, die man so noch nicht bedacht hat. Deswegen, denke ich, ist es auch legitim, seine Ziele anzupassen, wenn man denkt, es wäre anders besser.“

A propos Ziele: Zum Ende des Gesprächs frage ich Jannike nach ihren Plänen für die nahe Zukunft. Auch hier greift sie das Thema „Lernen“ auf: Ihr aktuelles Projekt („Dreißig Jobs der Zukunft“), der Ausbau ihrer Tätigkeit als Business-Coach, ein Aufenthalt in New York, auf den sie sich sehr freut. Natürlich, von diesen Möglichkeiten, das eigene Leben, vor allem auch räumlich und zeitlich, so frei und selbstbestimmt zu gestalten, können viele Allein- und Getrennterziehende nur träumen. Dennoch empfinde ich Jannikes Fazit als ermutigend.

Ich habe das Gefühl, dass sich mein Leben Stück für Stück mehr fügt und dass runder und schöner wird, was vorher noch wie Stückwerk aussah. Dass die Teile immer mehr ineinander greifen und sich die Dinge festigen. Das ist total schön. Das kann ich auch genießen.“

Die Klarheit und Heiterkeit, die sie dabei ausstrahlt, gefällt mir gut. Und ich glaube ihr, dass sie durch ihre intensive Suche, durch ihre Offenheit und den Mut, ihren Fragen das entsprechende Handeln folgen zu lassen, ihren beruflichen Weg gefunden hat, bzw. immer wieder neu finden wird. „Man muss fragen, damit sich Möglichkeiten ergeben“: Dieser Satz klingt auch nach dem Gespräch noch in mir nach.

Mehr Infos zu Jannike Stöhr und ihren Projekten findet ihr auf ihrer Website: jannikestoehr.com

 

Willi Wiberg. Oder: Gibt es in Büchern eigentlich auch alleinerziehende Papas?

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Mit allein- oder getrennt erziehenden Eltern oder in Patchwork-Familien zu leben ist inzwischen in der Lebenswirklichkeit vieler Kinder „ganz normal“ – einerseits. Andererseits dominiert in Kinderbüchern oft noch das traditionelle Modell: Papa-Mama-Kind. 

Ein erfreuliches Gegenbeispiel und eigentlich bereits ein Klassiker ist die seit 1972 (!) erscheinende Reihe „Willi Wiberg“ der schwedischen Autorin Gunilla Bergström.

Willi und sein Papa

Willi lebt zusammen mit seinem Vater ein glückliches Kinderleben. Er ärgert sich über seine großen Cousins, die ihn nicht für voll nehmen und zeigt ihnen gewitzt, dass er schon weit mehr begreift als sie dachten. Er hält seinen Papa beim Einschlafen auf Trab, bis dieser nach dem 10. „Botengang“ erschöpft auf dem Wohnzimmerboden einnickt. Er erlebt Abenteuer mit seinem besten Freund oder seinem Fantasiefreund Alfons, von dem Willis Papa nach einiger Zeit ziemlich genervt ist. Schließlich ist er so groß, dass er selbst Babysitten darf und dabei dem kleinen Benni vom gefährlichsten, schrecklichsten Monster erzählt, das er sich ausdenken kann –  der Kleine will nämlich keine harmlose Gutenachtgeschichte. 

Willis Welt ist wohlbehütet – und dabei erfrischend wenig „pädagogisch wertvoll“. In einer der Erzählungen wundert sich sein Vater, dass sein Sohn gar keine Widerworte mehr gibt und sogar sein Zimmer aufräumt. Irgendetwas scheint mit ihm nicht in Ordnung zu sein. Und tatsächlich: Willi hat Angst vor der Schule, die er bald zum ersten Mal besuchen soll. Sein Papa erzählt ihm daraufhin, dass gerade jetzt, am Abend vor dem ersten Schultag, tausende Kinder mit klopfendem Herzen in ihren Betten lägen und keines wisse, dass genau nebenan ein Kind genau so aufgeregt wie es selbst sei. Sich auf diese Weise „in guter Gesellschaft“ zu fühlen beruhigt Willi und er schläft schließlich doch zufrieden ein. 

Pass auf, Willi Wiberg!

Andererseits gibt es Tage, an denen Willis Vater selbst nicht gut zu sprechen ist. Auch das ist erfrischend: Die Erwachsenen sind durchaus mal geistesabwesend, schlecht gelaunt oder wollen ihre Ruhe. Willi nimmt das hin wie die Wolken am Himmel und sieht die Möglichkeiten, die sich dadurch bieten: 

„[A]n manchen Tagen will Papa ganz in Ruhe gelassen werden. Dann will er Zeitung lesen oder fernsehen und überhaupt nicht mit Willi spielen. An solchen Tagen kann man auch an den Werkzeugkasten gehen. Wenn Väter in Ruhe gelassen werden wollen, kümmern sie sich nicht weiter um das, was man tut. Heute ist das so.“

Aber natürlich achtet der Vater – hinter seiner Zeitung – darauf, dass sein Sohn die gefährliche Säge aus dem Werkzeugkasten nicht nimmt. Jedenfalls erinnert er ihn mantraartig daran: „Fass die Säge nicht an!“ Willi gehorcht ihm bereitwillig – er ist mit Holzbrettern, Hammer und Nägeln aus dem Werkzeugkasten ja bereits ausreichend beschäftigt…

Die Welt aus Willis Sicht

Die Perspektive der Bücher ist großartig: die Erwachsenen sind für Willi Maßstab und Bezugspunkt, er versucht, ihren Forderungen bereitwillig nachzukommen – manchmal kommt nur etwas dazwischen, wenn zum Beispiel Willis Fantasiefreund Papas Pfeife verschludert, die zu nehmen – Willi weiß es genau – eigentlich VERBOTEN ist. Oder wenn er mit seinem aus Brettern zusammengebauten „Hubschrauber“ im Dschungel landet und ihn ein Löwe (sein Kater „Pussel“) zu verschlingen droht. Dann braucht er die Säge, um sich aus dem Hubschrauber zu befreien, bloß, dass die sein Papa strikt verboten hat… 

Willis Papa ist großzügig, gelassen und manchmal fast ein bisschen zu lieb, wie die Erzählerin an einer Stelle bemerkt. Und er ist wohl alleinerziehend. Freunde tauchen auf, Lehrer, auch Cousins und eine Großmutter, die Willi innig liebt – aber keine „Frau Wiberg“. Und letztlich kommen Willi und sein Vater zu zweit sehr gut zurecht. Papa liest seinem Sohn vor und spielt mit ihm, bindet sich die Schürze um und bringt Willi ein Glas Wasser ans Bett, liest Zeitung, raucht Pfeife und wechselt das Bettzeug, das Willi mit dem Wasser durchnässt hat. 

Willi Wiberg und sein Papa sind ein tolles Team. Und mein Sohn, ebenso wie ich, sind Fans dieser Reihe, seitdem wir sie im Bücherregal meiner Nichte entdeckt haben. Deren Vater, mein Schwager, hatte ihr seine Bücher vererbt – er ist selbst bereits mit Willi großgeworden. 

Klare Sache: Empfehlenswert!

Herzlich, Sunnybee