Wie riecht der Februar? Eine Übung in Achtsamkeit

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Wonach riecht eigentlich der Februar?

  • nach von Regen durchnässten, in der Tasche vergessenen Wollhandschuhen?
  • nach Schweiß unter Winterjacken, wenn der Frost des Morgens am Mittag frühlingshaften Temperaturen gewichen ist?
  • nach Holzkohlerauchfäden, die die Luft durchziehen?
  • nach erdbeerliköriger Kotze, Polyesterstoff und dem Fettstift der Schminke an Karneval?
  • nach Puderzucker, der beim Hineinbeißen von Fastnachtskrapfen aufstiebt?
  • nach lehmig in der Sonne verdampfenden Pfützen?

Meine Mitbloggerin fundevogel hat mich mit ihrem wunderbaren Blogbeitrag zu den Düften des Januars dazu inspiriert, in den Februar hineinzuschnuppern. 

Ein Geruch und drei Erkenntnisse

Ich tat es während der Fahrt von meiner Arbeitsstelle zum Kindergarten meines Sohnes und bemerkte drei Dinge:

  • während man Rad fährt, riecht man (fast) nichts. Der Fahrtwind lässt nur die Wahrnehmung der intensivsten Gerüche zu. Das wirkliche Riechen erfordert also offensichtlich, ebenso wie das wirkliche Betrachten, ZEIT!
  • Wirklich Riechen, Schnuppern, Wahrnehmen schenkt auch Zeit. Die verbrachte Zeit scheint sich zu dehnen. Ich denke das in den Sekunden, nachdem ich tatsächlich vom Rad abgestiegen bin, mich zu einer Pfütze herunterbeuge und versuche, den leicht kalkigen, erdigen Duft des verdunstenden Wassers einzufangen. Jetzt, während ich die Erinnerung daran niederschreibe, muss ich an Momo denken, Hauptfigur des gleichnamigen Kinderbuchklassikers des Autors Michael Ende: als alles hetzt und rennt und die unheimlichen „grauen Männer“, die „Zeitdiebe“ dieser feinsinnigen Parabel, ihr auf den Fersen sind, bewegt sie sich so langsam es geht, Schritt für Schritt, folgt einer Schildkröte, die ihr den Weg zu ihrem nächsten Ziel weist. Daran muss ich denken, als ich, gebeugt über „meine“ Pfütze, den Fluss des Tages für einen Augenblick durchbreche: das bewusste sich Zeit Nehmen gibt gefühlt Zeit zurück.
  • damit bin ich bei dem, was mir diese Meditation über den Duft, den flüchtigsten aller sinnlichen Eindrücke, deutlich macht: werde ich langsam, weitet sich meine Wahrnehmung. Und lasse ich zu, dass das geschieht, geschieht etwas Wunderbares: ich komme wieder bei dem an, was ich tue. Frei nach Eckhart Tolle: Jetzt! Und Jetzt. Und Jetzt. 

Als Mensch mit ohnehin feiner Wahrnehmung, manchmal überflutet von den Reizen einer Großstadt und dem Leben, das mein Alltag als berufstätige und getrennt erziehende Mutter mit sich bringt, ist dieser Augenblick eine willkommene Erinnerung: 

Das Leben zeigt sich dir als erfüllend, lebensvoll und wunderbar – wenn du ihm den Raum dazu gibst. 

Herzliche, feinsinnige Grüße an diesem Wochenende, Sunnybee

PS. Wer mag, hier eine Buchrezension von mir zum Thema: 

Jorge Bucay: „Drei Fragen“ und Eckhart Tolle: „Jetzt!“

[Foto: Pixabay]

Jorge Bucay: „Drei Fragen“ und Eckhart Tolle: „Jetzt!“

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Mit Büchern ist es für mich wie mit Menschen: 

Ich lasse mich nicht gern verkuppeln. 

Entsprechend bin ich gar nicht besonders erfreut darüber, Bücher geschenkt zu bekommen, erst recht nicht mit der Empfehlung: „Das könnte dich interessieren.“ Ich bin eine begeisterte Leserin und habe zugleich, als berufstätige, getrennt erziehende Mutter eines Kleinkindes, nicht besonders viel Zeit, um in Ruhe zu schmökern. Somit ist jede Beziehung, die ich mit einem neuen Buch eingehe, für mich etwas Besonderes. Ich treffe meine Auswahl mit Bedacht – und möchte sie mir nicht von anderen treffen lassen. 

Das vorweg zum ersten der beiden Lebensratgeber, die ich hier vorstellen möchte. 

Eckhart Tolle: „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“

Fast jeder, der sich mit den Themen Achtsamkeit, Selbstfürsorge und bewusster Wahrnehmung befasst, dürfte auf Eckhart Tolle stoßen. Als Klappentext der Ausgabe, die ich geschenkt bekam, mit der Empfehlung, das Buch werde mich begeistern (!), erklären die Fernsehmoderatorin Nina Ruge, Jazz-Musiker Roger Cicero und Schauspielerin Ursula Karven sinngemäß, das Bändchen habe ihr Leben verändert. Darunter grinst mich ein Brillenträger in Kordjacket an – Eckhart Tolle himself – und die Erläuterung zu seinem Werk erklärt, seine „profunde und gleichzeitig […] einfache Lehre“ habe unzähligen Menschen in aller Welt geholfen, „Frieden und […] Erfüllung“ zu finden. 

Nun ja. In der Buchhandlung hätte ich das kleine gelbe Buch wohl zur Seite gelegt. So hatte ich es aber schon in der Hand und begann zu lesen. Zunächst eine klassische „Erweckungsgeschichte“: Eckhart Tolle, ein junger Mann um die 30, ist von Ängsten und Depressionen geplagt und erlebt eines Morgens einen Moment völliger Haltlosigkeit. Alles, woran er sich als „Identität“ geklammert hat, kommt ihm bedeutungslos vor, bzw. scheint ihm zu entgleiten. Er reagiert darauf – verständlicherweise – mit großer Angst und fällt schließlich in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf. Als er daraus erwacht, hat sich seine Wahrnehmung gewandelt: er spürt nun, dass seine äußere Identität, Beruf, Status, seine Beziehungen, Hoffnungen und Erwartungen tatsächlich nur eine äußerliche Hülle sind. Eine Art „Scheingewand“, unter dem sein wahres Selbst – und damit ein tiefer Frieden – verborgen ist. Ein SEIN, das einfach da ist und sich in Dankbarkeit und Annahme mit allem verbindet und verbunden fühlt. 

Der Rest des Buches ist ein (fiktiver) Dialog zwischen einem klugen Schüler und seinem nicht minder klugen Lehrer. Eines der „Gespräche“ klingt z.B. so: 

– [An meiner Lebenssituation] festzuhängen ist es, was mich unglücklich macht.

– Vergiss für eine Weile deine Lebenssituation und gib deinem Leben die Aufmerksamkeit.

– Was ist der Unterschied?

–  […] Deine Lebenssituation ist eine Einbildung des Verstandes. Dein Leben ist wirklich. Finde das „schmale Tor, das zum Leben führt“. Es heißt: das Jetzt. Reduziere dein Leben auf diesen Moment. Deine Lebenssituation mag voller Probleme sein – das sind die meisten Lebenssituationen -, aber finde heraus, ob du in diesem Moment irgendein Problem hast. Nicht morgen oder in zehn Minuten, sondern jetzt. Gibt es jetzt ein Problem? […] Benutze deine Sinne. Sei völlig da, wo du bist. Schau dich um. Schau nur, interpretiere nicht. Sieh das Licht, sieh Konturen, Farben, Materialien. Sei dir der stillen Gegenwart aller Dinge bewusst. […] Erlaube allem zu sein, innen und außen. Erlaube das „So-Sein“ aller Dinge. Bewege dich tief ins Jetzt hinein. Du lässt die abstumpfende Welt von geistiger Abstraktion und von Zeit hinter dir. Du verlässt den kranken Verstand, der dir deine Lebensenergie entzieht, so wie er auch langsam die Erde vergiftet und zerstört. Du erwächst aus dem Traum von Zeit in die Gegenwart.

Tja, damit hatte Herr Tolle mich für sich gewonnen. Nicht, weil ich immer schon mal „meinen kranken Verstand ablegen“ wollte, sondern weil ich intuitiv nachvollziehen konnte, welche Erleichterung und Freude im wirklich „Gegenwärtig-Sein“ liegen kann. Ich las also weiter. Und empfehle das Buch jetzt hier. Vor allem aber lebe ich, so oft es geht,  tatsächlich mein Leben und nicht meine Lebenssituation, z.B. indem ich auf dem Weg von meinem Arbeitsplatz zum Kindergarten meines Sohnes erschnuppere: „Wie riecht der Februar?“ 🙂

Jorge Bucay: „Drei Fragen“

Und damit zu einem zweiten klugen Buch, das mich seit Jahren begleitet, in dem Sinn, dass ich immer mal wieder hineinlinse, mich festlese und klüger und bestärkt daraus hervortauche. „Drei Fragen“ habe ich ebenfalls  nicht gesucht. Eine Freundin hatte mich zu einer Lesung von Jorge Bucay eingeladen, den ich davor nicht kannte. So saßen wir denn zwischen etwa 40 anderen Leserinnen und Lesern und hörten uns die Geschichten dieses rundlichen, gut gelaunten Manns mittleren Alters an, der es schaffte, uns die größten Fragen des Lebens „Wer bin ich?“ „Wohin gehe ich?“ „Und mit wem?“ nonchalant wie Zuckergebäck zu präsentieren und noch einige mögliche Antworten mit dazu. 

Kein Guru, der sagt: So ist es richtig, das ist der eine, rechte Weg zum Glück.

„Selbstverständlich geht es nicht darum, sich sklavisch an irgendein Konzept zu halten, das ich hier aufstelle. Wie jeder weiß, entspricht die Karte niemals exakt dem Gebiet und so ist auch jeder Leser aufgerufen, den Kurs zu korrigieren, wann auch immer der Autor seiner Meinung nach falschliegt. Nur so werden wir am Schluss zueinanderfinden. Du mit deinen Antworten und ich mit meinen. Das heißt, du hast deine Antworten gefunden. Und ich die meinen.“

Das hörte sich für mich vielversprechend an. Zumal ich die drei Fragen, die Bucay aufwirft, höchst spannend fand – und finde:

„[…] Die erste Aufgabe ist es, herauszufinden, wer ich bin. Die definitive Begegnung mit mir selbst. Zu lernen, von niemandem abhängig zu sein.

Die zweite Aufgabe besteht darin, mich zu entscheiden, wohin ich gehe. Die Suche nach Erfüllung und Sinn. Unsere Bestimmung im Leben zu finden.

Und als Drittes gilt es sich auszusuchen, mit wem. Die Begegnung mit dem anderen und den Mut, all das zurückzulassen, was sich nicht stimmig anfühlt. Sich der Liebe zu öffnen und die passenden Wegbegleiter zu finden.“

Der Kreis schließt sich

An dieser Stelle treffen Bucay und Tolle dann wohl aufeinander: Wo ich tief im Inneren bei dem bin, was IST und mit dem einverstanden bin, wer ich bin, kann ich im Außen mit der Welt und den Menschen in echte Verbindung treten. Spüre ich dieses tiefe Stimmig- und Gegenwärtig-Sein in mir, brauche ich außen niemanden, der mir sagt, wohin ich gehen soll. Und ich kann für andere, ebenso wie für mich, eine Quelle des Friedens, der Liebe und der Akzeptanz werden. 

Ich würde sagen, allein um an diesen klugen Gedanken teilzuhaben, lohnt sich der Kauf dieser beiden Werke. 

Herzliche, philosophische, Grüße, Sunnybee

PS. Wie immer sind die Bücher, die ich hier vorstelle, persönliche Empfehlungen. Ich erhalte dadurch keinerlei finanziellen Vorteil und verfolge keine kommerziellen Interessen.

Warum mir Zeiten digitaler Stille wichtig sind: Ein Selbstversuch

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Ab sofort gibt’s hier im Blog an ZWEI festen Tagen neue Beiträge zu lesen: MITTWOCHS und SAMSTAGS. 

Ich mache damit einen Selbstversuch. Warum?

  1. Ich schreibe für meinen Blog unheimlich gern und gerade auch sehr viel, die Tastatur steht sozusagen nicht still😉. Das macht mir ehrlich Spaß und hat einen tollen „Nebeneffekt“: inzwischen lesen eine Menge Leute meine Artikel und nicht wenige von euch beehren mich mit ihren tollen, durchdachten, oft auch persönlichen Kommentaren, die ich sehr gern beantworten will. 
  1. Das Netz ist – jawohl – schnell und immer verfügbar. Ping Ping. Kurznachrichten, Chats, E-Mails, die Kommentare und Benachrichtigungen, die mich über meinem Blog erreichen: ein stetes „Hintergrundrauschen“, das mein Leben untermalt. Dutzende Extra-Reize, die meine Handlungen, Gedanken, Gespräche jeden einzelnen Tag unterbrechen. Dazu sage ich jetzt einfach mal STOP. 

Ob mir das gelingen wird? 

Ich habe hier im Blog schon einmal geschrieben, warum mir Zeiten digitaler Stille wichtig sind. 

Zur (eigenen) Erinnerung: 

  • weil ich mit meinen besten Freund/innen und mit meiner Familie an einem Tisch zusammensitzen und mit ihnen sprechen will, nicht chatten oder Sprachnachrichten austauschen, die neue Form des „sich gegenseitig auf den Anrufbeantworter Sprechens“. Das tue ich für meinen Geschmack schon viel zu oft. 
  • weil ich merke, es entspannt mich, wenn ich längere Zeit am Stück mein Handy nicht in der Hand habe, keinen neuen Informations- und Kommunikations-Input erhalte, keine zusätzlichen Reize in meinem ohnehin reizintensiven Alltag. 
  • weil ich mich ertappt habe, wie ein Pawlowscher Hund auf das Signal „Sie haben Post“ zu reagieren: es zuckt mir in den Fingern und ich spüre den deutlichen Drang, nachzusehen, wer da was geschrieben hat. Frei nach McLuhan: „The Medium is the Message“: diese Nachricht will ich gar nicht empfangen. Das ist mir für meinen Geschmack entschieden zu konditioniert!

Daher lese – und schreibe – ich jetzt versuchsweise zu festen Zeiten.

Die restliche Zeit bleibt mein Handy AUS. So richtig. Ohne Empfang. In der Tasche, bzw. gleich im Schrank. Mal sehen, was passiert. 

Vermutlich einfach nur himmlische Ruhe?!

Vielleicht hat der eine oder die andere ja sogar Lust mitzumachen? Dann freue ich mich – wie immer – über Kommentare, wie es euch dabei ergangen ist. Ich lese und beantworte sie dann, wenn mein Handy wieder an ist. Vermutlich nächsten Samstag!😀

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Wie fröhlich sich das Leben manchmal zeigt

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Hier zwei heitere „Miniaturen“ meines Tages heute. 

1) Bunt wie das Leben

Im Supermarkt fällt mein Blick auf eine Pinwand mit Kleinanzeigen. „Zu verschenken: Kleines einsames Herz, kaum gebraucht, warm und geräumig“, lese ich in geschwungener Handschrift auf einer Kontaktanzeige. Und: „Für Romantiker und Praktiker“ – die Überschrift einer Annonce für ein Grundstück samt maroder Bebauung… Daneben die Einladung eines Behindertenzentrums zum Weihnachtsmarkt; 14 Bündel Briketts sind zu verkaufen und jemand sucht einen Schlafzimmerschrank. Ich bleibe, meine Einkäufe noch in der Hand, lächelnd stehen und freue mich, wie bunt, skurril und liebenswert sich mir hier das Leben zeigt!

2) „So sympathisch!“

Dazu passt, was mir davor widerfahren ist: in einem Secondhand-Laden frage ich nach Einmachgläsern. Mein Sohn hat eines fallen gelassen, das ich für die Frühstücksflocken in Verwendung hatte… Einmachgläser erhalte ich nicht, aber, ganz unvermittelt, ein wunderhübsches Kompliment des Verkäufers: „Darf ich Ihnen sagen: Sie haben so eine sympathische Ausstrahlung!“ Und dass, wo ich gerade heute gar nicht besonders fröhlich aus dem Haus gegangen bin. Ich bedanke mich herzlich, verlasse das Geschäft – und freue mich bis jetzt, einige Stunden später, über die Leichtigkeit und Freude, die das Leben immer wieder zu bieten hat. – Wenn ich sie wahrzunehmen weiß.

Herzliche, beschwingte Grüße, Sunnybee

Chicken on Speed – Warum ich (k)ein Fan von Effizienz bin

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Kehrdienst, Gelbe Säcke, Autobahnen: Deutschland ist traditionellerweise ein Land der Struktur und Effizienz.

Ich schätze dies

a) wenn mich die Bahn pünktlich von A nach B bringt

b) wenn ich beim Arzt/Anwalt/Sachbearbeiter drankomme, ohne diesen bestechen zu müssen

c) wenn die Müllmänner morgens meinen Dreck der Woche abräumen und dabei noch ein Lächeln für meinen Sohn und mich übrig haben.

Positive Seiten der Effizienz 

Effizienz hat durchaus ihr Gutes: sie macht Abläufe und Begegnungen mit Menschen schnell, produktiv und gut einschätzbar. Eine Gesellschaft, die durch Effizienz geprägt ist, bietet im besten Fall saubere Straßen, ein funktionierendes Gesundheits- und Schulsystem, verlässlich geöffnete und nachvollziehbar arbeitende Behörden, eine Rechtssprechung, in der absehbar ist, wann und aufgrund welcher Gründe es zu einem Urteil kommt usw. Zumindest in Ansätzen profitieren wir in nice new Germany also durchaus von den Segnungen der Effizienz. 

Wo Effizienz für mich nichts zu suchen hat:

a) bei der Kindererziehung

b) bei der Partnersuche und dem Pflegen zwischenmenschlicher Kontakte (einen Artikel dazu findet ihr hier)

c) beim Essen. 

Letzteres wurde mir heute wieder einmal bewusst: 

Mittagspause: Zwischen Arbeit und Abholen meines Sohnes aus dem Kindergarten bleibt eine Stunde Zeit. Ich habe Hunger und beschließe „Asiatisch“ essen zu gehen. Aufgrund der begrenzten Zeit, die mir zu Verfügung steht wähle ich einen Schnellimbiss in der Innenstadt. 

Tja, und mir geschieht, wie ich’s verdiene…

„Rice oder Chicken?“

„Hühnchen bitte.“

„Nr. 38, Chicken. 7,50€. Nächster, bitte.“

Nachdem der Herr an der Theke meine Bestellung weitergebrüllt hat, lasse ich mich an einem der sechs langen Tische nieder, an denen bereits zahlreiche andere „Gäste“ mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind. In ihre Smartphones vertieft, schaufeln sie Hühnchen, Nudeln und Wokgemüse in sich hinein. Auch ich bekomme, kaum habe ich mich aus meinem Mantel geschält, meinen Appell: „Nr. 38!“ Kaum drei Minuten nach Bestellung steht mein Gericht auf der Theke zum Abholen bereit. Ich balanciere den Teller zurück zu meinem Platz, angle dabei nach Besteck, Pappbecher und Servierte. 

Erster Geschmackstest: nicht einmal schlecht, frisch im Wok zubereitetetes Fleisch und Gemüse mit „Sauce Einerlei“ auf Kokosmilchbasis. Mein Blick zu den anderen Essern bestätigt: es scheint zu schmecken.

Kurz nachdem ich meine Mahlzeit begonnen habe, setzen sich mir zwei junge Männer direkt gegenüber. Da die Tische etwa 50cm breit sind kommen wir uns ziemlich nahe. Das hindert die zwei nicht daran, sich nach einem raschen Blick in meine Richtung gruß- und kommentarlos mir gegenüber zu platzieren und mit dem Essen zu beginnen. Ich setze mich für meine restliche Mahlzeit um, denn wenn schon Tischnachbarn, dann zumindest welche mit Kinderstube… 

Tja, und so verlasse ich das „Lokal“ nach diesem Mittagessen zwar satt und doch mit einem seltsamen Hunger: Nach Genuss, Muße, Entspannung, vielleicht auch echter Gesellschaft – eben dem Gegenteil von Effizienz…

Wie eine ebensolche Mittagspause einmal ganz anderes verlief, beschreibe ich übrigens in meinem Artikel Kater Mau Tse-Tung. Oder: „Wenn Sie lachen, haben Sie ein wunderschönes Gesicht!“

Mich würde interessieren, wie ihr auf diese Art der „Effizienz“ im Alltag reagiert – ob sie euch stört oder ob ihr findet, dass die positiven Seiten überwiegen. Schreibt mir eure Meinung!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

„Was ist echte Stärke für dich?“ (Aufruf zur Blogparade)

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Passend zum Wochenauftakt: Der Aufruf zu meiner ersten selbst gestarteten  BLOGPARADE! 🙂

Ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt und zu dem ich jetzt zu meiner ersten „Blogparade“ aufrufen möchte: 

Was ist echte Stärke für dich? 

Anlass für mich ist ein monatliches Frühstückstreffen für allein- und getrennt erziehende Mütter (und Väter), das ich – inzwischen zum fünften Mal – gemeinsam mit Bloggerin Christina von www.getrenntmitkind.de organisiert habe. Drei bis vier Stunden lang sitzen wir im Park (im Sommer) oder in einem Lokal (jetzt im Herbst und Winter), lachen, essen, tauschen uns aus, während unsere Kinder miteinander spielen. Und ich bin jedes Mal wieder begeistert, was für tolle – und starke – Frauen dabei den Weg zu uns finden. (Infos über kontakt[at]mutter-und-sohn.blog)

Daher hier, was echte Stärke für MICH ist:

Echte Stärke ist für mich eine Mischung aus der Fähigkeit, sich wieder aufzurappeln, wenn das Leben einen umgeworfen hat, sein eigenes Verhalten zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen und andererseits auch bei seinem Standpunkt zu bleiben, wenn dieser einem wichtig ist. So wie die Mutter, die, alleinerziehend, für ihre an Diabetes erkrankte Tochter kämpfte, als diese von mehreren Kindergärten aufgrund ihrer Erkrankung als „zu riskant“ abgelehnt wurde. Oder wie überhaupt jede Mutter (und jeder Vater), die (oder der) nach einer Trennung das eigene Leben neu sortiert und sich darauf einlässt, neue Erfahrungen zu machen und wieder liebevolle Beziehungen einzugehen.

Stark ist für mich auch jemand, der sich selbst erkennt und schätzt, aber auch andere sein lassen kann, wie sie sind, es z.B. nicht nötig hat, Fremdes abzuwerten, weil es das eigene Selbstbild bedrohen könnte. Das erlebe ich bei eigentlich allen der klugen, reflektierten Frauen, die bisher den Weg zu unserem Frühstückstreffen gefunden haben – und ich fühle mich dadurch bereichert, gestärkt und inspiriert! 

Wichtig ist mir auch, dass kein Mensch immer stark sein kann. Echte Stärke erwächst meiner Meinung nach aus der Annahme der eigenen Schwäche(n). Bin ich z.B. rechthaberisch, könnte es nur ein weiteres Zeichen meiner Schwäche sein, diesen Umstand vehement zu verneinen. Erkenne ich meine Schwäche jedoch an, kann ich mich dadurch für Alternativen zu meinem bisherigen Verhalten öffnen. Auch diesen Entwicklungsprozess durchlaufen viele der allein- und getrennt erziehenden Frauen und Männer, mit denen ich mich in den letzten Monaten unterhalten habe. Es tut gut, sich darin wiederzuerkennen und gestärkt zu fühlen!

Abschließend möchte ich einen meiner Studierenden zitieren, der zwar weder allein-, noch getrennt erziehend ist, aufgrund seiner Flucht aus Syrien vor drei Jahren aber die Erfahrung eines Bruches in seiner Biographie teilt. Er schrieb mir in einem Essay zur Frage „Was ist echte Stärke für dich?“ folgendes: 

„Echte Stärke ist für mich, wenn ich ganz bewusst und achtsam lebe. Wenn man bewusst lebt, bleibt man bei jedem Schritt in seinem Leben stark. Man kauft bewusst ein und man weiß, was man braucht, man isst bewusst und achtet auf gesunde Ernährung. Man denkt bewusst und bildet sich seine eigene Meinung und lässt sich nicht durch die Medien und andere Menschen beeinflussen. Man achtet darauf, wie man mit seinen Mitmenschen spricht, aber das ist nicht einfach. Wenn man sich die ganze Zeit mit seiner Vergangenheit beschäftigt und Angst vor der Zukunft hat, verliert man die Kontrolle über die Gegenwart. Der Schlüssel von Bewusstsein und bewusstem Leben ist Leben im Hier und Jetzt.“

Wollt ihr mitmachen? Dann 

  1. schreibt euren eigenen Blogartikel zum Thema (vom Bild mit Zweizeiler bis zum ausgearbeiteten Essay ist alles möglich😉) 
  2. Schreibt mir bis zum 15.11.2018 einen Kommentar mit Link zu eurem Artikel, den ich auf meiner Seite online stelle
  3. Verweist in eurem Blog, oder gern auch auf Facebook oder Twitter (@mama_schreibt) auf meinen Blog und diese Blogparade!

Ich freue mich sehr, von euch zu lesen! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Habt ihr, Lydia, Charlotte, Christina, Jannike oder auch Samybee, Tilman oder Nadine Lust, mitzumachen? Gerade mit euren ganz unterschiedlichen Biographien fände ich eine Antwort auf meine Frage super spannend! Aber wer auch immer sonst Lust hat, zu schreiben – nur her damit: ich freue mich!😀

Blogparade: Meistgelesener Artikel im Monat Oktober

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Ommmm. 😉

Mögest du glücklich sein (Teil 1)“: Ein kleiner Exkurs zum Buddhismus – aber vor allem ein, von mir erprobtes, „Rezept“, wenn sich mal alle Gedanken um das eigene (Un-) Glück drehen, um den  Blick liebevoll auf andere zu richten und sich damit wunderbarerweise selbst ein Stück zufriedener zu machen. Sehr simpel und wirkt tatsächlich! In „Mögest du glücklich sein (Teil 2)“ beschreibe ich, warum die kleine Übung so wirkungsvoll ist.

Warum ich das hier erwähne?

1) Die Beiträge waren meine meistaufgerufenen Artikel im Monat Oktober, mit denen ich mich gern an der gleichnamigen „Blogparade“ von Anja von der Kellerbande beteilige. Tolle Idee, ich habe darüber bereits einige lesenswerte Blogs entdeckt!

2) Ich mag sie nachwievor und vielleicht sind sie für den einen oder die andere von euch ja tatsächlich anregend – würde mich freuen!

Herzlichen Gruß an alle, die bei mir mitlesen und danke an Anja für deine Inspiration! 🙂

Sunnybee