Familie, Persönliches

Partylöwen unter sich? Geburtstags-Einladungen im Kindergarten

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Wow! Gerade noch habe ich meinen Sohn aus der Babytrage geschält, da spaziert er schon vor mir her in den Kindergarten – und die erste Kindergeburtstagseinladung flattert ins Haus. Weiterlesen „Partylöwen unter sich? Geburtstags-Einladungen im Kindergarten“

Familie, Partnerschaft, Persönliches

Was ist das größte Geschenk, das du je bekommen hast? (Blogparade)

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Passend zu Weihnachten, der großen „Familienfeier“ des Christentums, nehme ich heute an meiner eigenen Blogparade teil:

Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du in deinem Leben bekommen oder geschenkt hast? 

Die spontane erste Antwort, die mir in den Sinn kommt: mein Sohn und die Liebe, die ich für ihn empfinden kann. 

Und dennoch möchte ich diesen Text einem anderen mir sehr nahe stehenden Menschen – und seiner Liebe zu mir – widmen. 

Vier Monate nach der Geburt meines Sohnes im Jahr 2015 hatte ich 10 Kilo abgenommen, konnte kaum noch zehn Treppenstufen auf einmal mit ihm auf dem Arm bewältigen, hatte einen Ruhepuls von fast 200. Ausgelöst durch die hormonelle Umstellung nach Schwangerschaft und Geburt hatte ich eine massive Schilddrüsenüberfunktion. Der dringende ärztliche Rat, neben der medikamentösen Behandlung: schonen Sie sich, vermeiden Sie zusätzlichen Stress und essen Sie in Ruhe mehrere gehaltvolle Mahlzeiten pro Tag, um körperlich wieder zu Kräften zu kommen. 

Entspannen mit Säugling in der Großstadt?

Gut gemeint, aber wie umgesetzt, (weitgehend) auf mich gestellt in einer Großstadt, mit einem Säugling, der mich nachts noch im Zweistundentakt weckte und einem Partner, der darum kämpfte, sich in seiner Rolle zwischen Beruf und Vaterdasein zurechtzufinden?

Vermutlich war meine Situation ernster als ich es damals realisierte. Im Rückblick sehe ich, dass ich mich fast verloren hatte zwischen den Anforderungen des Mutter-Seins und der Belastung einer nicht wirklich stabilen Partnerschaft zwischen dem Vater meines Sohnes und mir. Innige Glücksmomente, gefolgt von heftigen Streits, Schlafmangel und über Wochen immer nur wenige Minuten, in denen ich meine Aufmerksamkeit ungeteilt auf mich selbst richten konnte – obwohl mein Leben als Mutter eines Säuglings äußerlich gar nicht ungewöhnlich verlief, stimmte innerlich offensichtlich etwas ganz und gar nicht: mein Körper gab mir schließlich das Signal: so geht es nicht weiter, was du hier lebst macht dich krank! 

Der sichere Hafen 

Das größte Geschenk, das ich in diesem Moment bekam, war tatsächlich die Liebe meiner Mutter. Ohne zu zögern, lud sie mich und unseren Sohn in ihr Haus ein. Was als „Nothilfe“ für ein bis zwei Wochen gedacht war, wurde letztlich zu einer über zweimonatigen Lebensgemeinschaft auf Zeit. Sie, die eigentlich gar nicht besonders gern kocht, grub alle Lieblingsrezepte meiner Kindheit aus, kochte drei warme Mahlzeiten pro Tag für mich, wiegte mein Kind in den Schlaf, wenn ich erschöpft kurz davor war, selbst einzuschlafen, kaufte ein, hörte mir zu, bzw. ließ mich einfach still und momenteweise ganz bei mir sein. Erst im Rückblick verstand ich auch, welche Sorgen sie sich um mich gemacht haben muss, da der dauerhaft hohe Puls wohl ernsthaft gefährlich für mein Herz war und sie ja wusste: ich hatte nicht nur die Verantwortung für mich selbst, sondern auch für mein kleines Kind.

In gewisser Weise „rettete“ mich meine Mutter in diesen Wochen, vor allem, weil sie mir den Raum gab, mich – nach und nach – wieder selbst zu fühlen. Unter ihrer Fürsorge und ihrer liebevollen, aber nie fordernden, Aufmerksamkeit in dieser Zeit konnte ich zunächst körperlich und dann auch seelisch wieder zu Kräften kommen. Und ich fand nach und nach Antworten in mir, wie ich mein Leben, zurück in der Großstadt, weiterführen wollte. 

Halt und Orientierung

Ich muss ehrlich zugeben, mein Partner (und jetziger Ex-Partner) spielte in dieser Zeit keine große Rolle für mich. Zu sehr waren wir beide in unseren inneren Mustern gefangen, um uns gegenseitig in dieser Ausnahmesituation Halt und Orientierung zu geben. Wir hatten einander angefeindet, statt uns gegenseitig zu stützen. 

Diese Unterstützung, ernsthaft krank, mit einem wenige Monate alten Säugling, erhielt ich von meiner Mutter – und ich bin ihr sehr dankbar dafür, auch wenn ich das in dieser Deutlichkeit wohl bis heute noch gar nicht formuliert habe. 

Lieben und loslassen können

Dankbar bin ich auch, dass sie mich dann wieder „ziehen“ ließ, zurück in ein Leben und auch in eine Partnerschaft, die sicher alles andere als optimal für mich war. 

Ihre Fähigkeit, zu lieben und mich zugleich loszulassen, versuche ich jetzt meinem Sohn zu schenken, wiederum auf meine ganz eigene Weise. Dass ich dazu in der Lage bin, verdanke ich (auch) der Liebe meiner Mutter. Daher ist diese Liebe eines der größten Geschenke meines Lebens für mich. 

Mit dankbarem Gruß, Sunnybee

PS. Fühlst du dich inspiriert und möchtest an meiner Blogparade teilnehmen? Bis zum 31.12.18 kannst du das sehr gerne noch tun! Ich freue mich schon sehr auf weitere verblüffende, berührende oder zum Nachdenken anregende Beiträge! Hier der Link dazu. 

Familie, Gesellschaft, Persönliches

„Anstrengungs-Verweigerung“? Warum es sich lohnt, unseren Kindern zu vertrauen

614D3C99-D846-4846-8D8F-4A4DA08E8289Vor kurzem habe ich einen sehr interessanten Blogartikel gelesen. Das Thema: „Anstrengungsverweigerung“. 

Ehrlich gesagt konnte ich mir erst gar nicht wirklich etwas unter dem Begriff vorstellen. In ihrem Artikel beschreibt Bloggerin Charlotte eine Situation, in der ihre Tochter, anstatt – wie wohl als Teil des Mathematikunterrichts erwünscht – die Stufen einer Schultreppe zu zählen, ihre Lehrerin in ein angeregtes Gespräch verwickelte, um damit eben, wie die Autorin schlussfolgert, die Anstrengung der gestellten Aufgabe zu vermeiden. Ihr Charme habe die Lehrerin auch erfolgreich in die Irre geführt – jedenfalls habe sie die Aufgabe nicht lösen müssen, der Lehrerin sei aber gar nicht aufgefallen, dass ihre offensichtlich liebenswerte Schülerin auf diese Weise die Anstrengung umgangen sei. Den kompletten Artikel findet ihr hier. 

Meine Mit-Bloggerin reflektiert in ihren Texten, wie ich finde, sehr liebevoll und wertschätzend das Leben mit ihren (Adoptiv-) Kindern. Umso mehr verblüfft mich ihre Schlussfolgerung an dieser Stelle und vor allem, wie sie auf das Verhalten ihrer Tochter reagiert. 

In einem weiteren Artikel geht sie auf mögliche Ursachen der „Anstrengungsverweigerung“ ein. Wenn ich meine Mit-Bloggerin richtig verstehe, handelt es sich dabei um eine tiefgehende Störung des Selbstvertrauens. Kinder, die bereits sehr früh, z.B. wegen der Trennung von ihren Eltern oder aufgrund von Verwahrlosung, die Erfahrung hätten machen müssen, dass ihre Grundbedürfnisse (Nahrung, Schlaf, körperliche Nähe) nicht erfüllt worden seien, hätten dadurch gelernt, dass ihr Bemühen, durch Weinen die Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu bekommen um z.B. gefüttert zu werden, sinnlos sei. Als Konsequenz habe sich in ihnen ein grundlegendes Gefühl von Hilflosigkeit verfestigt: die Wahrnehmung, selbst nichts an ihrer Situation ändern zu können und es daher letztlich auch gar nicht mehr versuchen zu müssen. Meine Mit-Bloggerin schließt daraus, das solcherart traumatisierte Kinder später auch in anderen Bereichen dazu tendierten aus der tief verwurzelten Angst, „es ja doch nicht zu schaffen“ gar nicht erst zu versuchen, ein Ziel zu erreichen, sondern die dafür erforderliche Anstrengung von vornherein vermieden. 

Aufschieben zur Selbstentlastung

Ich finde diese Erklärung durchaus plausibel und habe selbst schon bei Menschen, die als Kind ähnlich traumatisierenden Lebensumständen ausgesetzt waren, dieses Verhalten wahrgenommen. In der Sozialpsychologie wird hierbei von der Strategie der Misserfolgsvermeidung vs. der Erfolgssuche angesichts äußerer Belastung gesprochen. Auch das Phänomen, unangenehmen Aufgaben ein Stück weit auszuweichen, kennt wohl fast jeder – es hat inzwischen ja sogar einen Namen: die Prokrastination…

Erst einmal mit der besten Freundin einen Schwatz zu halten, die Mikrowelle zu reinigen und den Kühlschrank aufzuräumen, bevor wir uns an das Verfassen der Steuererklärung setzen, gestehen wir Erwachsenen uns durchaus zu. Solange dieses Ausweichverhalten angesichts ungeliebter Aufgaben nicht überhand nimmt, haben wir dafür sogar Verständnis. Letztlich ist es schlicht eine Form der Selbstentlastung. Wir wissen, wir müssen etwas tun, fühlen uns momentan der Aufgabe jedoch nicht gewachsen – und weichen aus. Anstrengungsvermeidung eben…

Druck, um Angst vor Druck zu lösen?

Umso überraschender fand ich die Reaktion meiner Mit-Bloggerin auf das Verhalten ihrer Tochter. Sie berichtet, wie sie darauf bestehe, dass eine Aufgabe genau zu dem von ihr genannten Zeitpunkt zu machen sei. Im Notfall blieben sie eben so lange am Schreibtisch sitzen, bis die Aufgabe erledigt sei. In einem weiteren Artikel (Homeschooling für traumatisierte Kinder) beschreibt sie sogar, dass ihr Sohn während stundenlangen Übens nach der Schule massive Wutanfälle bekomme: 

„Mein Sohn brüllt herum, schreit, schlägt um sich, manchmal wirft er seinen Stuhl um. Am Ende verfällt er meist einfach nur noch in ein verzweifeltes Weinen, aus dem er sich erst nach über einer Stunde wieder beruhigt. Erst dann können wir weiter arbeiten. Vielleicht…“

Ganz offensichtlich sträubt sich etwas massiv in ihm, die gestellte Aufgabe zu genau diesem Zeitpunkt zu erfüllen – obwohl er grundsätzlich durchaus in der Lage ist, sie zu lösen. Ohne äußeren Druck tue er das auch, wie meine Mitbloggerin beschreibt. 

Aber warum besteht die Autorin dann genau in diesem Moment auf ihrer Forderung? Verfestigt sie dadurch nicht gerade das Gefühl ihres Sohnes, der Übermacht der Erwachsenen nichts entgegenzusetzen zu haben? Dass seine Bedürfnisse letztlich nicht zählen? Wir Erwachsenen würden uns nach einem langen Arbeitstag sicher auch lieber der Entspannung widmen, als uns mit Themen, die uns ohnehin Angst einjagen, zu konfrontieren. Warum gestehen wir unseren Kindern diese Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und auch Selbstfürsorge oft gar nicht zu? Sind Kinder „junge Wilde“, die – notfalls mit Zwang – dazu genötigt werden müssen, sich sozialkompatibel zu verhalten? Oder noch subtiler: meinen wir, sie vor sich selbst schützen zu müssen? 

Warum gehen wir so leicht davon aus, dass unsere Maßstäbe (z.B. gute schulische Leistungen) die richtigen sind und der Weg, den wir für unsere Kinder vorsehen, tatsächlich der ist, der sie glücklich macht? Wieviel Freiheit geben wir unseren Kindern, auch gerade, wenn sie nicht unserem Weg folgen? Wenn wir am liebsten ändern wollten, was sie in sich tragen? Das ist für mich als Mutter eine sehr wichtige Frage.

Was mein Sohn mich lehrt…

Abschließend möchte ich eine Situation skizzieren, in der ich selbst – wieder einmal – viel von meinem Sohn gelernt habe: Nach einem langen Arbeits – und Kindergartentag waren wir beide erschöpft. Mein Sohn (3) fing an, mit hundert Dingen zu spielen (Eisenbahn, Puzzle, Spielzeugautos, Bilderbücher etc.), konnte sich aber auf nichts mehr wirklich konzentrieren. Innerhalb kürzester Zeit sah sein Kinderzimmer aus, als sei dort eine Bombe eingeschlagen: überall verstreut lag sein Spielzeug, dazwischen Kleidungsstücke, die er aus irgendeinem Grund aus dem Schrank geräumt hatte. Da es auf sieben Uhr zuging hatten wir beide Hunger. Ich hatte aber noch nichts zum Abendessen vorbereitet. Gereizt bat ich meinen Sohn, zumindest einen Teil des Spielzeugs in die dafür vorgesehene Kiste zu räumen, während ich uns etwas kochte. Seine Antwort rundheraus: „Nö. Du, Mami!“ Sekundenlang schossen mir Gedanken durch den Kopf wie: „Unmöglich, kaum drei, benimmt sich mein Sohn wie ein kleiner Pascha!“ oder auch: „Das kann ich ihm jetzt nicht durchgehen lassen, sonst hilft er beim nächsten Mal erst recht nicht mit!…“ Müde wie ich war und nachdem ich davor, länger als ich eigentlich Lust hatte, mit ihm gespielt hatte, fühlte ich sogar, wie einen Moment lang der Gedanke in mir aufstieg: „Unmöglich – wie undankbar!“

Zum Glück atmete ich dann tief durch, schnappte mir meinen kleinen Halunken und erklärte ihm in ruhigem Ton, ich sei müde, er habe das ganze Spielzeug aus dem Schrank geräumt und ich habe keine Lust, es jetzt aufzuräumen, da ich auch noch das Abendessen machen müsse. Ob er eine Idee habe, was wir da tun könnten? Seine Antwort verblüffte mich. „Klar, Mama!“ Eben noch voller Widerstand, strahlte er mich auf einmal an: „Ich mache das Abendessen für uns!“

Tja, und das tat er dann… An diesem Abend gab es für uns beide jeweils eine große Schüssel Müsli mit frischem Saft. Schälchen, Becher, Besteck, Milch und Getränke holte mein Großer mit seinen gerade 3 völlig eigenständig aus Kühlschrank und Regalen und deckte den Tisch für uns – während ich sein Zimmer aufräumte. Wenig später saßen wir tatsächlich beim Abendessen, beide sehr zufrieden – und ich hatte wieder einmal etwas gelernt: 

Mein Weg ist nicht der einzig mögliche. 

Und: 

Willst du, dass deine Kinder ihre Probleme selbst lösen, schenke ihnen das Vertrauen, sie es auf ihre Weise machen zu lassen!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Ganz herzlichen Dank an Charlotte für deine inspirierenden Beiträge. Ich hoffe, du fühlst dich von meiner kritischen Auseinandersetzung mit deinen Artikeln nicht angegriffen! Wie immer freue ich mich über Reaktionen und Kommentare! 🙂