„Sei einfach mehr wie ich!“ Vier zerstörerische Sätze für jede Partnerschaft – und wie wir es besser machen

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Nach jeder Trennung kommt irgendwann der Punkt, an dem wir unsere „Fühler“ wieder ausstrecken, wieder offen für eine neue Partnerschaft sind. 

Nicht nochmal den Mist! 

Die alten Fehler wollen wir aber nicht noch einmal machen. Daher hier ein „Best of“ der wirklich hinderlichsten Glaubenssätze innerhalb jeder Partnerschaft – und wie wir sie umschiffen können. 

  1. Sei einfach mehr wie ich.
  2. Glaub an mich, denn ich selbst tu’s nicht.
  3. Weil du mich hast brauchst du kein eigenes Leben.
  4. Du verlässt mich sowieso.

1. Sei einfach mehr wie ich

Wir wollen die selbstbewusste, aufmerksame Partnerin, den verständnisvollen, zärtlichen Partner. Statt dessen sitzen nach zwei Jahren verliebter Idylle auf einmal dieses hysterische Nervenbündel oder der Egomane, der sich nur um sich zu drehen scheint neben uns und erheben den Anspruch, unsere Partnerin, bzw. unser Partner zu sein… Sauerei!

Das wollen wir diesmal besser machen. 

Gut, dann lass uns damit anfangen: Du bist nicht wie ich – und brauchst es auch nicht zu sein. 

Und zugleich, das Paradox der Liebe: wenn ich mich wirklich und innig in dich verliebt habe, bist du vermutlich doch ganz schön wie ich. Das simple „Gesetz der Resonanz“: Ich bin unsicher – und finde einen Menschen, der, wie auch immer er oder sie sich äußerlich gebart, doch letztlich innerlich unsicher ist. Ich begegne, umgekehrt, entspannt und selbstbewusst dem Leben – die Chancen werden nie größer sein, dass mein Herzensmensch im Innersten genau diese Qualitäten hat. Denn mich zieht an, was ich aussende. 

Fazit: Wenn dir nicht passt, was du (immer wieder) in deiner Partnerschaft bekommst, fang’ bei dir an, etwas zu ändern. Dann kann der andere ruhig ein bisschen mehr wie du werden – ganz ohne dass du ihn oder sie umerziehst…🙂

2. Glaub an mich, denn ich selbst tu’s nicht

Hängt eng mit Punkt eins zusammen: will ich den anderen ändern, dann meist, weil er mir so, wie er oder sie ist, nicht „genügt“. Aber was ist gut genug für mich? Superman, Mrs. Einstein? Mr. Kamasutra? Hinter unerfüllbar hohen Ansprüchen steht oft die heimliche Angst, selbst nicht zu genügen. Wenn ich möchte, dass der andere mich mit seinen schillernd bunten Federn schmückt, ist es um mein Vertrauen in mein eigenes Federkleid im tiefsten Inneren vermutlich nicht besonders gut bestellt. 

Daher: statt zu erwarten, dass der andere mich durch sein Auftreten und seine Qualitäten „erhöht“, fange ich da an, wo es wirklich etwas aufzubauen gibt: bei mir, meinem Selbstbewusstsein und meinem Vertrauen in mich selbst! 

3. Wenn du mich hast, brauchst du kein eigenes Leben

Hinter dem Wunsch, ALLES gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin zu machen, am besten gar keine Zeit mehr allein zu verbringen und möglichst nie getrennte Wege zu gehen, steht oft das diffuse Gefühl, ohne ihn oder sie eigentlich kein eigenes Leben zu haben. Das auszusprechen – oder überhaupt wahrzunehmen – ist gar nicht leicht. Statt dessen klingt das „verpackt“ so: „Immer willst du deine Kumpel treffen, statt mit mir in den neuen Sofia Coppola-Film zu gehen“ oder, noch besser: „Ohne dich macht mir nichts Spaß/ will ich mich mit gar niemandem treffen/ macht mein Leben keinen Sinn.“

Tja, dann ist es höchste Zeit, das zu ändern! Mit wem soll mein Partner oder meine Partnerin zusammen sein, wenn es mich gar nicht gibt? Frau Hofrat Zitzewitz, die werte Frau Gemahlin des Hofrats? Die Zeiten sind vorbei? Dann benehme ich mich gefälligst nicht, als gebe es mich nur als „Anhängsel von“. Umgekehrt ist das auch der beste Schutz davor, zu fordern, der andere solle, über die ersten drei Monate hinaus, nur noch eins sehen: nämlich mich, mich, MICH!

4. Du verlässt mich sowieso

Ohne Selbstbewusstsein, Wertschätzung für mich selbst und mein „eigenes“ Leben kann es sich verdammt bedrohlich anfühlen, in einer Partnerschaft zu leben. Klar: Wenn ich mir selbst vorkomme wie ein Hauch dünner Luft, was sollte der andere dann an mir finden? Du verlässt mich sowieso. Der Totschlagsatz, der alle Entwicklungsmöglichkeit blockiert. Weil aus ihm Angst spricht und damit der Nährstoff jeder Partnerschaft fehlt: das Vertrauen. Und zwar leider nicht nur in den anderen, sondern vor allem in mich selbst. 

Wie’s besser geht? 

Lerne, dich selbst anzunehmen, wie du bist. Stolz auf deine Stärken zu sein und liebevoll mit deinen Schwächen umzugehen. Dann kommst du gar nicht in Versuchung vom anderen etwas zu verlangen, was dir selbst abgeht. Spürst du echte Selbstsicherheit und ein Vertrauen in dich und die Welt, brauchst du eins jedenfalls nicht mehr: einen Partner, bzw. eine Partnerin, der oder die „dich glücklich macht“. Denn das bist du dann schon selbst – beste Voraussetzung, um wirklich den Menschen zu finden, der zu dir passt!🙂

Kannst du mit diesen Tipps etwas anfangen – oder eher nicht? Ich freue mich über deinen Kommentar! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Grabe dort, wo Wasser ist: 5 Schritte zu beruflichem und privatem Erfolg

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Beruflich und privat erfolgreich zu sein bedeutet für jede/n etwas anderes. Während die eine sich mit den Telefonnummern ihrer VIP-Freunde in der Tasche und dem 100.000€ Jahreseinkommen erfolgreich fühlt, sucht der andere im Job die Möglichkeit, etwas zu bewirken und freut sich, von seinen Freunden zum Patenonkel der neugeborenen Tochter ernannt zu werden. Und ein dritter ist froh, nach zwei Jahren Projektarbeit die erste unbefristete Anstellung ergattert zu haben.

Was ist beruflicher und privater Erfolg für mich? 

Ich persönlich definiere beruflichen und privaten Erfolg so: Ich habe die persönlichen, finanziellen und strukturellen Ressourcen, um umsetzen, was mir wirklich wichtig ist und es gelingt mir, andere dafür zu begeistern. Beruflicher und privater Erfolg bedeutet für mich somit eher die Verwirklichung von Werten mit der daraus resultierenden Zufriedenheit als  das Erreichen äußerer „Benchmarks“ wie der nächsthöheren Gehaltsstufe, dem noch interessanteren Job oder dem immer größer werdenden Freundeskreis. 

Äußerlicher Erfolg ist auch wichtig

Zugleich ist es mir durchaus wichtig, einen gut bezahlten, gesellschaftlich anerkannten und inhaltlich sinnvollen Job auszuüben. Und ich freue mich über einen wirklich tragfähigen,  reichen Freundeskreis wie vermutlich (fast) jede/r von uns. Auch Anerkennung und eine bestimmte Reichweite meines Blogs oder des Stammtischs für Allein- und Getrennterziehende, den ich 1x pro Monat gemeinsam mit einer Freundin organisiere, ist mir wichtig. Insofern kann ich Business-Coach Dr. Johanna Disselhoff, auf die ich kürzlich gestoßen bin, nur zustimmen: gerade wir Frauen müssen uns darin üben, nicht nur „um der Sache Willen“ fleißig aktiv zu sein, sondern unsere Qualitäten und unsere beruflichen und privaten Erfolge auch im rechten Licht zu präsentieren. Auf ihrer Website gibt sie fünf wirklich brauchbare Tipps, wie du im beruflichen Rahmen auf dich und deine Leistung aufmerksam machen kannst.

5 Schritte zu beruflichem und privatem Erfolg

Ich beziehe mich hier auf Disselhoffs Punkte, gehe jedoch noch einen Schritt weiter. Damit bin ich bei 

Tipp Nr. 1: Fang nicht immer wieder von vorne an

Mal angenommen, Du wolltest etwas zum Steuerrecht für Alleinerziehende in Erfahrung bringen. Vermutlich würdest du im Netz recherchieren (z.B. bei der in Finanzdingen ziemlich gewitzten Madame Moneypenny), in einer Chat-Gruppe deine Frage posten oder dich im Freundeskreis umhören, ob jemand Bescheid weiß. Eher unwahrscheinlich, dass du ganz alleine versuchen würdest, das deutsche Steuerrecht und seine Schlupflöcher zu durchdringen? 

Dann hast du bereits einiges richtig gemacht!

Nutze, was da ist und fange nicht immer wieder bei Null an. Beratungsstellen und Coaching-Angebote helfen dir, wenn du von etwas keine Ahnung hast. Bestehende Netzwerke, Stammtische, Chat-Gruppen, wenn du Kontakte knüpfen möchtest, oder dein Anliegen bekannter machen möchtest. Bringe in Erfahrung, wer schon groß ist in dem Bereich, in dem du erst noch groß werden möchtest – und mache diese Menschen auf dich aufmerksam. Uns Frauen fällt das oft nicht leicht: wir wollen nicht aufdringlich sein, uns nicht zu sehr in den Vordergrund spielen, empfinden Kontakte, die wir aus den oben genannten Motiven anstrebten, als „unecht“ oder gar „berechnend“. Aber das sind sie nicht: vielmehr greifst du dabei klug auf Ressourcen zurück, die andere vor dir geschaffen haben – ebenso wie du selbst wieder zur Ressource werden wirst für diejenigen, die nach dir kommen. Es ist ein Geben und Nehmen: „Netzwerken“ im eigentlichen Sinn. 

Tipp Nr. 2: Sei stolz auf das, was du tust 

Gut kannst du in vielen Dingen werden. Aber deinen Erfolg genießen, sobald du ihn denn einmal hast, kannst du nur, wenn du innerlich überzeugt bist von dem, was du tust und sogar stolz darauf. Stell dir vor, du spielst mit dem Gedanken, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben. Tatsächlich wird deine Dozentin auf dich aufmerksam und bietet dir zunächst eine Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin und anschließend eine Promotionsstelle an. Dein Promotionsthema bekommst du sozusagen auf dem goldenen Tablett serviert, da es für deine Professorin dem Drittmittelerwerb dient, sie für dieses Forschungsprojekt also Geld für ihren Lehrstuhl bekäme. Nimmst du das Angebot an? Mir selbst ist genau dies vor einigen Jahren widerfahren – und ich habe NEIN gesagt. Weil ich vom Thema der Arbeit nicht überzeugt war und drei Jahre meines Lebens lieber meinen eigenen Zielen als dem Drittmittelerwerb widmen wollte. Das Angebot war äußerlich toll und für jemanden mit anderen Beweggründen sicher auch interessant – ich selbst wäre dabei nicht glücklich geworden. Das wusste ich damals und davon bin ich noch heute überzeugt. Ich wäre nicht stolz auf das gewesen, was ich erreicht hätte, denn ich war innerlich nicht davon überzeugt. Das bringt mich zu…

Tipp Nr. 3: Finde heraus, was du wirklich willst

Wenn dich etwas mit Begeisterung erfüllt, wirst du richtig gut darin werden. Du wirst auch während Durststrecken dabei bleiben können und gerade dadurch besteht die große Chance, dass du tatsächlich erfolgreich wirst. Ich verstehe unter dieser Art der Begeisterung nicht ein kurzfristiges Entzücken über irgendetwas, sondern eine tiefgehende Überzeugung, dass richtig ist, was du gerade tust.  Warum würden wir sonst unserem Baby klaglos 870x die versch…en Windeln wechseln? Warum würden wir jahrelange Ausbildungen oder echte berufliche Durststrecken auf uns nehmen, um einer Sache treu zu bleiben, bzw. ein Ziel zu erreichen und wären im tiefen Inneren auch noch zufrieden damit? Weil es uns sinnvoll erscheint und sich in irgendeiner Weise mit unseren grundsätzlichen Werten deckt. Will ich Spaß und Zerstreuung oder anderen helfen? Will ich Macht oder mich innerlich weiterentwickeln? Finde es heraus. Z.B. mit diesen 10 Fragen hier. Und dann…

Tipp Nr. 4: Grabe nur dort, wo Wasser ist

Ich könnte auch sagen: Suche dir Gleichgesinnte. Aber das erfolgreiche „Nach-dem-Wasser-Graben“ meint mehr. Werde sehr aufmerksam dafür, wie die Menschen, mit denen du gemeinsame Ziele verfolgen möchtest, auf das reagieren, was du tust. Ich z.B. schreibe diesen Blog seit inzwischen knapp einem Jahr. Einige Menschen, von denen ich es eigentlich erwartet hätte, reagieren so gut wie gar nicht darauf, andere waren kurzfristig hellauf begeistert, haben ihr Interesse aber ähnlich schnell wieder verloren. Und dann gibt es noch diejenigen, die irgendwann als Leser/innen dazu gekommen sind, vielleicht erst sporadisch, dann immer regelmäßiger und mich inzwischen zu beinahe jedem Beitrag mit ihrem Kommentar und eigenen Überlegungen erfreuen. 

Ich würde sagen, das Beispiel des Blogs lässt sich auf Freundschaften wie Geschäftsbeziehungen übertragen: du wirst immer Menschen begegnen, die schlicht kalt lässt, worum du dich bemühst und wer du bist. Daran änderst du auch nichts, wenn du „gräbst“ wie verrückt. Du schürfst dir höchstens die Finger wund. Dann gibt es die schnell und hellauf Begeisterten. Sie können dich in deinem eigenen ersten Enthusiasmus unterstützen, aber verlass dich nicht darauf, dass sie noch da sein werden, wenn dein Weg nach den ersten vielversprechenden Schritten  steiniger werden sollte. Tja, und dann gibt es, in Freundschaften wie in Geschäftsbeziehungen, diejenigen mit dem „langen Atem“, die dir und dem Anliegen, das du vertrittst, echtes Interesse entgegenbringen. Letztlich liegt das daran, dass deine Werte und die daraus resultierenden Ziele in ihnen selbst etwas anklingen lassen. Daher bleiben sie „am Ball“ – wie du selbst. Mit diesen Menschen kannst du wirklich etwas auf die Beine stellen. Hier liegt die Grundlage für tiefe Freundschaften oder verbindliche, wirklich fruchtbare Zusammenarbeit in der Arbeitswelt. 

Tipp Nr. 5: Tu Gutes und sprich darüber

Und wie findest du diese Juwele der zwischenmenschlichen Kooperation? Diese Menschen, die jedes deiner Netzwerke erst wirklich tragfähig machen? Glück? Gutes Karma? Ich würde vielmehr sagen: Hier lohnt sich das Trommeln, Klappern, Federschütteln wirklich: du hast etwas zu geben (nämlich ein Produkt, Projekt oder eine Idee, die du mit wirklicher innerer Überzeugung (=> Tipp Nr. 2) vertrittst. Und du brauchst Gleichgesinnte (=> Tipp Nr. 4), damit diese Idee tatsächlich „in die Welt“ kommen kann. Somit knüpfst du Kontakte (=> Tipp Nr. 1), nicht um deiner selbst, bzw. um deines persönlichen Erfolgs Willen, sondern, weil du von dem, was du erreichen willst, wirklich überzeugt bist. Weil es sich tatsächlich mit deinen Werten deckt (=> Tipp Nr. 3).

Ich bin überzeugt, das wird dich tatsächlich erfolgreich machen. Menschen fühlen sich angezogen von innerer Überzeugung. Das bringt dir die Aufmerksamkeit und letztlich den strukturellen und finanziellen Rahmen, durch den du deine Ziele verwirklichen kannst. Und damit es dir tatsächlich Freude macht, sie zu erreichen und dich somit letztlich auch erfolgreich zu fühlen, musst du dem folgen, wohin dich deine Überzeugung trägt. Erkenne, was du tief in deinem Inneren willst – und dann lebe danach. Das macht dich wirklich erfolgreich; vor allem nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. 

In diesem Sinne: herzlich viel Erfolg!😉

Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Als Paar getrennt, als Eltern verbunden: Co-Parenting als alternative Familienform

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Familien leben zusammen, die Eltern trennen sich und dann haben die Erwachsenen höchstens noch miteinander zu tun, wenn es formale Dinge zu klären gibt.

Darauf einigen sich viele Paare mit Kindern nach der Trennung und für die meisten stimmt dieses Modell wohl auch. Häufig hat sich ja im Verlauf der Partnerschaft gezeigt, dass die Beziehung auf der zwischenmenschlichen Ebene nicht harmoniert und manchmal überwiegt wohl schlicht der Wunsch, mit dem anderen nach der Trennung „so wenig wie möglich“ zu tun zu haben. 

Co-Parenting als Alternative? 

Ich möchte hier dennoch ein anderes Modell beleuchten: Was ist nämlich, wenn ich nach einer Trennung mit meinem Partner zwar nicht (mehr) zusammenlebe, wir auch keine Beziehung mehr führen, uns jedoch so stark als Eltern verbunden fühlen, dass wir unsere Beziehung auf dieser Ebene weiterführen wollen – und zwar über rein formale Absprachen oder gelegentlichen Austausch hinaus?

Co-Parenting ist das Eltern-Sein auf rein freundschaftlicher Basis. Befasst man sich ein wenig mit dem Thema, stößt man z.B. auf den Berliner Autor und Referenten Jochen König, der mit einer engen Freundin sein zweites Kind zeugte, ohne mit ihr je eine Liebesbeziehung geführt zu haben. Die Frau lebte zum Zeitpunkt der Empfängnis in einer Beziehung zu einer Frau, allerdings waren sich alle drei Beteiligten einig, dass sie gleichermaßen Eltern ihres Kindes sein wollten, auch wenn, wie gesagt, zwischen Kindsvater und Kindsmutter nie eine Partnerschaft bestand. 

In „Regenbogenfamilien“, also Familien, an denen schwule oder lesbische Paare beteiligt sind, ist rein biologisch ja immer ein/e Dritte/r an der Kindszeugung beteiligt und es bleibt lediglich die Frage, wie eingebunden in das Leben des Kindes diese Person sein wird. Das kann unter Lesben von einer anonymen Samenspende bis hin zu aktiver Vaterschaft wie in Königs Fall variieren, unter Schwulen im Prinzip auch von der auf die Schwangerschaft beschränkten Leihmutterschaft bis hin zum gemeinsamen Aufziehen eines Kindes zu dritt oder gar zu viert (zwei Frauen und zwei Männer, die jeweils eine gleichgeschlechtliche Beziehung führen und von denen ein Mann und eine Frau die leiblichen, ihre Partner die Co-Eltern sind). 

Dass Familienmodelle, die Co-Parenting beinhalten, gelingen können, können viele „Regenbogen-Eltern“ bestätigen. Dass sie grandios scheitern können, wohl auch. Kompliziert wird es jedenfalls, wenn die Ursprungskonstellation sich verändert, sich die ursprünglichen Paare trennen und die Beteiligten neue Partner finden. Erhält dann ein Kind, das Co-Eltern hat, noch weitere Co-Elternteile? Und welche Rolle spielen diese wiederum im Familienzusammenhang? Patchwork 2.0 sozusagen… 

Vermutlich ist es letztlich eine Frage der Bindung zum Kind und der Bereitschaft aller Beteiligten, sich – in welcher Form auch immer – weiterhin als „Familie“ zu sehen, die solche komplexen Lebensformen möglich macht. 

Getrennt als Paar, als Eltern verbunden? 

Lässt sich nun all dies auf getrennt lebende, aber immer noch freundschaftlich verbundene Eltern übertragen? Der Unterschied zu den zuvor beschriebenen Modellen besteht ja vor allem darin, dass ein ursprünglich konventionelles Modell (Vater-Mutter-Kind(er)) erst nach der Trennung in gewisser Weise „unkonventionell“ wird, indem nämlich nach einer neuen Form des miteinander Familie Lebens gesucht wird, eben, ohne als Eltern durch eine Liebesbeziehung verbunden zu sein. 

Nun könnte man sagen, dass diese Konstellation seit jeher in Dutzenden äußerlich klassischer Familien an der Tagesordnung ist. Die Paarbeziehung ist mehr oder weniger erkaltet, man bleibt „wegen der Kinder“ zusammen, lebt die Paarebene ggf. in Form von Affären oder Nebenbeziehungen außerhalb der offiziellen Ehe und im besten Fall ist man freundschaftlich verbunden und eben nur noch äußerlich ein Paar. 

Im Grunde würde das bewusste „Co-Parenting“ nach einer Trennung dann lediglich bedeuten, dass die Trennung auf der Paarebene auch offiziell vollzogen, die Eltern-Ebene aber bewusst als Verbindung der Eltern untereinander geschätzt – und gepflegt – wird. 

Wie kann so etwas aussehen? 

Im Alltag kann diese „Beziehungspflege“ als Eltern darin bestehen, sich nicht nur regelmäßig – und über formale Absprachen hinaus – über das gemeinsame Kind auszutauschen, sondern bewusst auch mit dem Kind/den Kindern als Familie gemeinsam Zeit zu verbringen, z.B. in Form von Ausflügen oder sonstigen Unternehmungen im Alltag. 

Klar muss beiden Elternteilen sein, dass die Paarbeziehung endgültig beendet ist. Und natürlich ist auch hier die Frage, wie „stabil“ ist dieses Modell, vor allem, wenn sich eines der beiden Elternteile oder gar beide neu binden. Besteht dann seitens der neuen Partner Eifersucht auf die noch immer enge Beziehung der Eltern? Oder behindert die Co-Parenting-Beziehung sogar den Aufbau einer engen Bindung an einen neuen Partner oder eine neue Partnerin? 

Klar dürfte wohl sein, dass diese Form der Elternschaft einen komplexen Prozess der Neuorientierung fordert. Die zuvor bestehende Liebesbeziehung zwischen den Eltern muss erst endgültig (auch innerlich) abgeschlossen und ihr Verlust betrauert worden sein, bevor der Weg zu einer auf Freundschaft basierenden Elternschaft möglich ist. Das „Freunde Sein“ darf von keinem der Beteiligten als minderwertiger Ersatz für eine Partnerschaft angesehen werden, sondern als echte – von beiden erwünschte – Alternative. 

5 Aspekte gelingender Co-Elternschaft 

Als Paar getrennt, als Eltern zusammen“, nennt ein Ratgeber diese Form des Familienlebens. Die Tipps darin lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

Lernen Sie, (wieder) konstruktiv und respektvoll miteinander zu kommunizieren 

• Seien Sie klar und verbindlich, was Absprachen und finanzielle Regelungen angeht 

• Es gibt nicht den einen, „richtigen“ Weg, um diese Form des Familie-Seins zu leben. Seien Sie kreativ darin, Lösungen zu finden, die wirklich für Sie und Ihr(e) Kinder passen und nicht solche, die Ihnen konventionell „erwünscht“ erscheinen. 

• Lernen Sie sich selbst kennen und arbeiten Sie gegebenenfalls an Ihren Schwächen 

• Seien Sie stolz auf Ihre ganz eigene Art, eine Familie zu führen. Solange Sie und Ihre Kinder damit glücklich sind, ist es die beste für Sie, völlig egal, was andere denken mögen. 

Meiner Meinung nach kann dieser Weg, auch nach einer Trennung gemeinsam als Eltern „Familie“ zu sein, gerade dann regelrecht entlastend wirken, wenn die Paarbeziehung davor durch massive Erwartungen, wie eine im konventionellen Sinn „gute“ und „richtige“ Beziehung auszusehen habe, beeinflusst war. Wir können lernen, die Großzügigkeit und Gelassenheit, die wir im besten Fall unseren engsten Freunden entgegenbringen, einem Menschen gegenüber zu zeigen, mit dem wir eine noch stärkere und zudem lebenslange Verbindung haben, nämlich ein gemeinsames Kind. 

Ob Großzügigkeit, Toleranz und Gelassenheit nicht ohnehin die beste Voraussetzung auch für eine auf Liebe basierende Partnerschaft ist, sei dahingestellt. Im besten Fall bietet das Co-Parenting Eltern, die als (Liebes-) Paar gescheitert sind, die Chance, sich als „Nur-Eltern“ tatsächlich liebevoll zu begegnen. Und in einer solchen Familie aufzuwachsen wünscht man ja eigentlich jedem Kind. 

Herzlichen Gruß, Sunnybee 

PS. Was haltet ihr vom Konzept des Co-Parenting nach einer Trennung? Kennt ihr eventuell sogar jemanden, der diese besondere Form des Familienlebens praktiziert? Ich bin auf eure Kommentare gespannt!

[Foto: Pixabay]

Ein klares Ja! Wie lerne ich mir – und anderen – (wieder) zu vertrauen?

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Vor ziemlich genau zwei Wochen habe ich an dieser Stelle über eine Frau geschrieben, die Geld sammelt, um Blindenstöcke für seheingeschränkte Schülerinnen und Schüler in Togo anzuschaffen. Ich habe die Aktion weiter verfolgt: jetzt, drei Tage vor Ablauf der Frist, haben mehr als ein Dutzend Menschen bereits 625 Euro (!) gespendet. Ziel waren ursprünglich 300 Euro für 15 Stöcke. Wow!

Auch ich hatte mich an der Spendenaktion beteiligt und das, obwohl ich auf der Straße eigentlich immer an den Menschen vorbeilaufe, die für Hilfsorganisationen Passanten mit Sammelbüchsen ansprechen oder sie gar zur Mitgliedschaft bei einer dieser Organisationen animieren wollen. 

Lydia Zoubek, meine Mitbloggerin, die für Togo sammelt, kenne ich auch nicht – und doch vertraue ich ihr soweit, ihr sozusagen „blind“ Geld zu überweisen, auf ihre Aussage hin, sie werde dieses für den oben genannten Zweck verwenden. 

Diese Erfahrung bewegt mich, noch einmal über das Thema Vertrauen nachzudenken. 

Als Erwachsene haben wir ja gewissermaßen „verlernt“, bzw. uns abgewöhnt, „blind“ zu vertrauen. Wir mögen durchaus offen auf andere Menschen zugehen, aber kaum einer würde einen Fremden sofort zu sich einladen, ihm seine Bankverbindung nennen oder das eigene Kind anvertrauen. Wir haben im Verlauf unseres Lebens eine – durchaus sinnvolle – Einschätzung entwickelt, dass ein Grundmaß an Vertrauen sinnvoll und für zwischenmenschliches Zusammensein unumgänglich ist, wir aber durchaus auch prüfen sollten, wem wir unser Vertrauen schenken. Nicht jeder, der uns in unserem Leben begegnet, hat auch die Absicht – oder ist in der Lage – unserem Vertrauen gerecht zu werden. Und ich denke, es ist sinnvoll, dass wir da klar unserer Intuition vertrauen: habe ich mit einer Sache oder einem Menschen „ein komisches Gefühl“, sollte ich dieses meiner Meinung nach immer ernst nehmen. Zumindest zeigt es mir, dass für mich an dieser Stelle etwas nicht ganz stimmig ist und worum es sich dabei handelt, sollte ich klären, um auch nach außen wieder klar sein zu können.

Tatsächlich nehme ich den Ansatz, meiner Intuition zu folgen, jedoch als schmalen Grat wahr. Einerseits sind die Signale, die mir mein Gefühl sendet, berechtigt: auch einem objektiv vertrauenswürdigen Menschen sollte ich mich nur in dem Maß und Tempo öffnen, wie es für mich stimmig ist, alles andere würde zu meiner Überforderung und anschließendem Rückzug führen. Andererseits haben wir alle innerhalb unseres Lebens, und gerade auch, wenn wir uns z.B. von unseren Lebenspartnern getrennt haben, die Erfahrung machen müssen, dass einmal gegebenes Vertrauen eben auch enttäuscht werden kann. Oder gar, dass wir uns selbst nicht mehr wirklich trauen: kann ich mich auf meine Gefühle – der Abwehr wie der Anziehung – noch verlassen, oder sind sie wie ein Wachhund, der anschlägt, weil er seinen eigenen Schatten sieht?

Grenzen des Vertrauens

Ich möchte hier neben Situationen, in denen ich in der Lage bin, aus vollem Herzen zu vertrauen, auch solche ansprechen, in denen ich meinem Gegenüber (scheinbar) grundlos misstrauisch begegne. Was bringt mich dazu, mein Kind nur „mit schlechtem Gefühl“ bei der Betreuerin abzugeben? Warum frage ich meinen Partner, ob er es mit seinen Gefühlen ernst meint? Wieso halte ich auf der Straße meine Tasche fest, wenn mich ein Mensch mit abgerissener Kleidung anspricht?

Das sind nur Beispiele für ein, vielleicht berechtigtes, vielleicht aber auch überzogenes, Misstrauen, das mich in diesem Moment erfüllt. Dahinter steht das Gefühl, ich müsse mich schützen. Und der einzige Weg, Schutz zu finden, sei der, die „Türen zu mir“ zu verrammeln. Dann sage ich „Nein“, „Stopp“ und beginne manchmal auch zu rationalisieren, „gute Gründe“ für das zu finden, was eigentlich nur ein diffuses Gefühl ist: Ich vertraue dir nicht!

Ich finde, es ist einen Blick wert, nachzusehen – und nachzuspüren – warum ich an dieser Stelle nicht vertraue. Überfordert mich etwas im Verhalten der Person oder an der Situation? Bräuchte ich schlicht mehr Zeit und/oder mehr (positive) Erfahrungen mit diesem Menschen, um mich zu öffnen? Habe ich in ähnlicher Situation bereits einmal schlechte Erfahrungen gemacht (z.B. auch als Kind) und daher verinnerlicht: hier ist Vertrauen gefährlich? Bin ich vielleicht überhaupt ein Mensch, der sich behutsam an die eigenen Grenzen und die seiner Mitmenschen herantasten muss, um sich nicht „überrannt“ zu fühlen? 

Welche Persönlichkeit habe ich? 

Bereits Kinder unterscheiden sich darin, wie offen – oder aber deutlich zurückhaltend – sie auf andere zugehen. Schon Zweijährige lassen sich bereitwillig berühren und z.B. auch von weniger vertrauten Menschen auf den Arm nehmen – oder eben nicht. Die Bereitschaft zur Öffnung anderen Menschen gegenüber ist meiner Meinung nach in jedem Menschen angelegt – anders könnte ich als kleines Kind ja gar nicht überleben – aber in welchem Maß ich mich öffne, wie vielen Menschen und in welcher Geschwindigkeit, scheint schon bei kleinen Kindern Teil ihrer Persönlichkeit zu sein. 

Habe ich dann als kleiner Mensch vielleicht ein paar Mal zu oft gehört: „Jetzt stell dich nicht so an!“ oder – subtiler – „Wie schön, dass du dich nicht so anstellst!“, verinnerliche ich statt echtem Vertrauen in mich selbst und in andere vielleicht eher: wenn ich meine Grenzen nicht wahre, erhalte ich Zuneigung. Und später, wenn ich diese Grenzen dann wahren kann, schlägt mein Gefühl um und ich kämpfe (nachträglich und natürlich vergeblich) gegen die Grenzüberschreiter meiner Kindheit, indem ich als erwachsener Mensch jeden, der mir gefühlt „zu nahe“ kommt, hinter meine Mauern verweise. 

Vertrauen kommt von Zutrauen

Ich muss mir selbst vertrauen, mir zutrauen, meine (inneren) Grenzen wahren zu können. Ich muss fühlen, dass ich rechtzeitig „Nein“ sagen, einen Richtungswechsel bewirken, die Situation, in der ich mich befinde, mit gestalten kann, um wirklich JA sagen zu können. Um echtes Vertrauen schenken zu können. 

Dieses „Nachbemuttern“ oder „Nachbevatern“ meiner selbst ist oft ein langwieriger Prozess und ich sollte es mir wert sein, mir dabei z.B. auch therapeutische Hilfe zu suchen, wenn ich merke, ich komme alleine nicht weiter. Vertrauen in mich selbst, in die mir Nächsten und in die Welt ist sozusagen der „Humus“ meines Lebens, das, was es reich und lebendig macht. Warum sollte ich mir diesen Nährstoff vorenthalten und in der Dürre stetigen latenten Misstrauens vor mich hinvegetieren?

Ich glaube, viele Menschen leben mit diesem Schmerz eines früh enttäuschten Vertrauens. Ich sehe es als Aufgabe meines Menschseins an, dieses Vertrauen in mir wieder zu finden und zu nähren. So, dass ich z.B. auch als Mutter oder Vater meinem Kind sagen kann: „So geht das – so setzt du gesunde Grenzen!“ und: „So geht das – so vertraust du in die Welt!“

Die Welt ist gut, sie ist freudvoll und sehr viel ist möglich, wenn du nicht von Angst, sondern von Vertrauen geleitet wirst. So zu denken – und zu fühlen – ist nicht naiv. Es ist kraftvoll und letztlich von tiefer Weisheit erfüllt. Kein Kind würde sein Leben beginnen ohne dieses erste tiefe Vertrauen. Also lasst uns aufhören, unseren Kindern einzureden, sie seien zu vertrauensselig. Gerade an diesem tiefen Vertrauen krankt doch unsere Welt. Lasst uns eher unseren Kleinsten zuhören und dieses Vertrauen auch wieder in uns nähren: ein klares JA zum Leben, zu unseren Mitmenschen und zur Welt!

Herzliche, bewegte Grüße, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Was ist das größte Geschenk, das du je bekommen hast? (Blogparade)

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Passend zu Weihnachten, der großen „Familienfeier“ des Christentums, nehme ich heute an meiner eigenen Blogparade teil:

Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du in deinem Leben bekommen oder geschenkt hast? 

Die spontane erste Antwort, die mir in den Sinn kommt: mein Sohn und die Liebe, die ich für ihn empfinden kann. 

Und dennoch möchte ich diesen Text einem anderen mir sehr nahe stehenden Menschen – und seiner Liebe zu mir – widmen. 

Vier Monate nach der Geburt meines Sohnes im Jahr 2015 hatte ich 10 Kilo abgenommen, konnte kaum noch zehn Treppenstufen auf einmal mit ihm auf dem Arm bewältigen, hatte einen Ruhepuls von fast 200. Ausgelöst durch die hormonelle Umstellung nach Schwangerschaft und Geburt hatte ich eine massive Schilddrüsenüberfunktion. Der dringende ärztliche Rat, neben der medikamentösen Behandlung: schonen Sie sich, vermeiden Sie zusätzlichen Stress und essen Sie in Ruhe mehrere gehaltvolle Mahlzeiten pro Tag, um körperlich wieder zu Kräften zu kommen. 

Entspannen mit Säugling in der Großstadt?

Gut gemeint, aber wie umgesetzt, (weitgehend) auf mich gestellt in einer Großstadt, mit einem Säugling, der mich nachts noch im Zweistundentakt weckte und einem Partner, der darum kämpfte, sich in seiner Rolle zwischen Beruf und Vaterdasein zurechtzufinden?

Vermutlich war meine Situation ernster als ich es damals realisierte. Im Rückblick sehe ich, dass ich mich fast verloren hatte zwischen den Anforderungen des Mutter-Seins und der Belastung einer nicht wirklich stabilen Partnerschaft zwischen dem Vater meines Sohnes und mir. Innige Glücksmomente, gefolgt von heftigen Streits, Schlafmangel und über Wochen immer nur wenige Minuten, in denen ich meine Aufmerksamkeit ungeteilt auf mich selbst richten konnte – obwohl mein Leben als Mutter eines Säuglings äußerlich gar nicht ungewöhnlich verlief, stimmte innerlich offensichtlich etwas ganz und gar nicht: mein Körper gab mir schließlich das Signal: so geht es nicht weiter, was du hier lebst macht dich krank! 

Der sichere Hafen 

Das größte Geschenk, das ich in diesem Moment bekam, war tatsächlich die Liebe meiner Mutter. Ohne zu zögern, lud sie mich und unseren Sohn in ihr Haus ein. Was als „Nothilfe“ für ein bis zwei Wochen gedacht war, wurde letztlich zu einer über zweimonatigen Lebensgemeinschaft auf Zeit. Sie, die eigentlich gar nicht besonders gern kocht, grub alle Lieblingsrezepte meiner Kindheit aus, kochte drei warme Mahlzeiten pro Tag für mich, wiegte mein Kind in den Schlaf, wenn ich erschöpft kurz davor war, selbst einzuschlafen, kaufte ein, hörte mir zu, bzw. ließ mich einfach still und momenteweise ganz bei mir sein. Erst im Rückblick verstand ich auch, welche Sorgen sie sich um mich gemacht haben muss, da der dauerhaft hohe Puls wohl ernsthaft gefährlich für mein Herz war und sie ja wusste: ich hatte nicht nur die Verantwortung für mich selbst, sondern auch für mein kleines Kind.

In gewisser Weise „rettete“ mich meine Mutter in diesen Wochen, vor allem, weil sie mir den Raum gab, mich – nach und nach – wieder selbst zu fühlen. Unter ihrer Fürsorge und ihrer liebevollen, aber nie fordernden, Aufmerksamkeit in dieser Zeit konnte ich zunächst körperlich und dann auch seelisch wieder zu Kräften kommen. Und ich fand nach und nach Antworten in mir, wie ich mein Leben, zurück in der Großstadt, weiterführen wollte. 

Halt und Orientierung

Ich muss ehrlich zugeben, mein Partner (und jetziger Ex-Partner) spielte in dieser Zeit keine große Rolle für mich. Zu sehr waren wir beide in unseren inneren Mustern gefangen, um uns gegenseitig in dieser Ausnahmesituation Halt und Orientierung zu geben. Wir hatten einander angefeindet, statt uns gegenseitig zu stützen. 

Diese Unterstützung, ernsthaft krank, mit einem wenige Monate alten Säugling, erhielt ich von meiner Mutter – und ich bin ihr sehr dankbar dafür, auch wenn ich das in dieser Deutlichkeit wohl bis heute noch gar nicht formuliert habe. 

Lieben und loslassen können

Dankbar bin ich auch, dass sie mich dann wieder „ziehen“ ließ, zurück in ein Leben und auch in eine Partnerschaft, die sicher alles andere als optimal für mich war. 

Ihre Fähigkeit, zu lieben und mich zugleich loszulassen, versuche ich jetzt meinem Sohn zu schenken, wiederum auf meine ganz eigene Weise. Dass ich dazu in der Lage bin, verdanke ich (auch) der Liebe meiner Mutter. Daher ist diese Liebe eines der größten Geschenke meines Lebens für mich. 

Mit dankbarem Gruß, Sunnybee

PS. Fühlst du dich inspiriert und möchtest an meiner Blogparade teilnehmen? Bis zum 31.12.18 kannst du das sehr gerne noch tun! Ich freue mich schon sehr auf weitere verblüffende, berührende oder zum Nachdenken anregende Beiträge! Hier der Link dazu. 

Eine starke Beziehung führen

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Getrennt mit Kind über (gelingende) Beziehungen schreiben? – Warum nicht? 😉 Wann sprechen wir überhaupt von einer „starken“, tragfähigen Beziehung? 

Eine Beziehung ist stark

  • wenn sie in guten wie schlechten Zeiten Bestand hat,
  • wenn sie Veränderungen aushält (sei es der Lebensumstände oder der Partner selbst),
  • wenn sie den Beteiligten Raum gibt, zu wachsen und sich (weiter) zu entwickeln und zugleich der Raum ist, in dem alle Beteiligten sein können, wie sie sind.

Eine solche Beziehung kann zwischen Eltern und Kindern bestehen, zwischen Partnern oder sehr engen Freunden. In einer solchen Beziehung sage ich sinnbildlich zwei Dinge:

1) Ich vertraue dir, dass du mich (er-) tragen kannst. 

2) Und ich lasse zu, dass du es auf deine Weise tust.

Vertrauen in mich und in andere

Besonders in einer Partnerschaft resultieren Eifersucht, Angst vor Erwartungen oder Verlustangst doch letztlich oft aus einer Sache: fehlendem Vertrauen. Das Vertrauen in meine eigene Stärke und in die Fähigkeit, für mich einzustehen – aber auch in die Vertrauenswürdigkeit des anderen: wird er oder sie mich tatsächlich (er-) tragen in guten wie in schlechten Zeiten? Meine Macken aushalten und mir beistehen über die ersten Hürden unserer Partnerschaft hinaus? Ist mein Gegenüber auch vertrauenswürdig in dem Sinn, dass er oder sie gut für sich sorgt und mir nicht die Verantwortung für das eigene Verhalten aufzubürden versucht? 

Ich vertraue dir, dass du mich (er-) tragen kannst. Und ich lasse zu, dass du es auf deine Weise tust. 

Schwäche, Bedürftigkeit und Fehlbarkeit (die eigene wie die der anderen) enthalten letztlich ein großes Potential: sie geben mir die Möglichkeit gut für mich selbst zu sorgen. Manchmal erhält eine Beziehung ja gerade dadurch Tragkraft, dass ich fürsorglich zu mir selbst bin und meinem Partner oder meiner Partnerin somit den Raum gebe, nach den eigenen Bedürfnissen zu handeln.

Was ist?

Ich wünsche mir mehr Fürsorge, Nähe oder Austausch mit meinem Partner oder meiner Partnerin?

Was kann die Lösung sein?

Ich bin fürsorglich zu mir selbst und lasse ihn oder sie mir genau soviel Fürsorge, Nähe und Austausch geben, wie für ihn oder sie stimmig ist. Ist das weniger, als ich möchte, suche ich mir Menschen, die mir geben können, was mir fehlt. 

Was ist?

Ich möchte, dass meine Partnerin oder mein Partner mehr Initiative zeigt oder eigenständiger ist?

Was kann die Lösung sein?

Ich setze die Dinge um, die mir wichtig sind und erlaube ihr oder ihm, zu tun, was sie oder er möchte und vermag. Ist mir das nicht genug, suche ich mir Menschen, die mit mir umsetzen, was mir auf den Nägeln brennt. 

Was ich mir wünsche, gebe ich

Aber was, wenn das Vertrauen innerhalb der Beziehung – oder, z.B. nach einer Trennung, in Beziehungen an sich – erschüttert ist und sich beide Beteiligten schwer damit tun, (wieder) aufeinander zuzugehen? 

Ein kraftvoller Gedanke mag dann sein: was ich mir vom anderen wünsche, gebe ich ihm oder ihr zunächst selbst. 

Was ist?

Ich wünsche mir, dass meine Partnerin mich annimmt, wie ich bin?

Was kann die Lösung sein?

Ich nehme sie an, wie sie ist. 

Was ist?

Ich wünsche mir, dass mein Partner mir vertraut?

Was kann die Lösung sein?

Ich vertraue ihm. 

Was ist?

Ich wünsche mir, bei meiner Partnerin schwach, fehlbar,  unsicher, unbequem sein zu dürfen?

Was kann die Lösung sein?

Ich erlaube ihr, bei mir schwach, fehlbar, unsicher, unbequem zu sein.

Was ist?

Ich wünsche mir, dass mein Partner seine Angst verliert, nicht zu genügen?

Was kann die Lösung sein?

Ich erlaube mir selbst meine Angst, nicht zu genügen. Will ich meinen Partner perfekt, kann ich das nur schwer verbergen – und zweifle meist selbst daran, gut genug zu sein, so, wie ich eben bin.

Eine starke Beziehung erfordert (innere) Stärke

Eine Beziehung zu führen erfordert die Bereitschaft zu Entwicklung und damit eine wichtige Form innerer Stärke. Andererseits erlaubt mir eine „starke“ Beziehung auch, in ihr schwach zu sein. Ich muss meine Unsicherheit und Fehlbarkeit nicht verstecken, denn mein Gegenüber nimmt mich mit ihr an. Andererseits darf meine Partnerin oder mein Partner selbst „unperfekt“ sein, bzw. Dinge auf eine Weise tun, die ich nicht schätze, weil ich stark genug bin, mich und unsere Beziehung dadurch nicht in Frage gestellt zu fühlen. 

Insofern ist eine starke Beziehung auch immer bedingt durch die (innere) Stärke zweier Menschen: Die Stärke, dem anderen zu vertrauen – und ihn (oder sie) sein zu lassen, wie er (oder sie) ist. 

Was ist für euch eine starke Beziehung? Stimmt ihr meinen Überlegungen zu oder seid ihr anderer Meinung? Ich freue mich über euren Kommentar!

Herzliche Grüße, Sunnybee

Wo Wildblumen wachsen: Vom Umgang mit Verlust

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Steve Rahmn hatte ein Haus. Eine Garage, einen Vorplatz mit Gartenzaun; Kleiderschränke, Küchenregale, Schlafzimmer, ein Bad – bis zur Nacht vom 9. auf den 10. Oktober 2017, als ein Flächenbrand in Kalifornien innerhalb weniger Stunden all das zerstörte. Jetzt wachsen dort, wo einmal sein Haus war, Wildblumen. 

Rahmn selbst plant, an dieselbe Stelle ein neues Haus zu bauen, mit Geld, das die Versicherung ihm nach dem Brand gezahlt hat. Er spricht von Gemeinschaftssinn, den das Feuer geweckt habe: mit anderen Anwohnern hat er eine Organisation gegründet, an die sich Betroffene wenden können, wenn sie beim Umgang mit Versicherungen oder Behörden Hilfe brauchen. Rahmn spricht auch davon, dass er den ganzen „stuff“, den er über die Jahre angesammelt habe, eigentlich nicht brauche. Auf einem Foto steht er mit Frau und dreijährigem Sohn vor seinem Grundstück: hinter ihm Brachland, aber er wirkt eher entschlossen als verzweifelt. 

Wie gehen wir mit Verlust um?

Hab und Gut, unser Zuhause, das ist das Eine. Uns nahe stehende Menschen zu verlieren, ist noch einmal etwas anderes. Aber letztlich bleibt die Frage: hadern wir und klagen, oder nehmen wir den Verlust an wie Rahmn das Feuer, das ihm und seiner Familie (materiell) fast alles genommen hat – und ihm zugleich einen echten Neuanfang ermöglicht? Eine Brache ist auch der Ort, wo Wildblumen wachsen können. Wo ich Schmerz und Verlust wahrnehme, ist immer auch die Möglichkeit, dass Neues entsteht. 

Blick voraus – und zurück 

Rahmn geht seinen Neuanfang scheinbar hemdsärmelig an. Aber ausschlaggebend war für ihn, dass er, wie er sagt, nach dem Brand in den Trümmern seines Hauses eine Gürtelschnalle seines Vaters wiederfand. Zumindest dieser Teil seiner Vergangenheit war nicht ausgelöscht. Wie er sagt, wusste er erst da, dass er sein Haus wieder aufbauen wollte. 

Ich bin der Meinung, dass wir nicht wirklich weiter kommen ohne die Verbindung zu unserer Vergangenheit und zu unseren Wurzeln. Wollen wir, nach einer Trennung oder einem Todesfall, den Schmerz „eindämmen“, indem wir kompromisslos alles Vergangene hinter uns lassen, kann genau das uns daran hindern, unseren Verlust zu akzeptieren. Wie Rahmn nach etwas noch Bestehendem suchte, müssen auch wir nach Dingen suchen, die weiter Bestand haben. Jeder Verlust geht mit Zerstörung einher (manchmal ganz praktisch in Form einer Aufteilung gemeinsamen Besitzes, manchmal als Verlust gewohnter Strukturen und gemeinsamer Hoffnungen und Ziele), aber wirklich alles kann gar nicht zerstört werden. Unsere Aufgabe ist es, Rahmns „Gürtelschnalle“ zu finden, das Teil, das uns die Hoffnung zurückgibt und uns weitermachen lässt. 

Ist das nicht der Sinn des Lebens: es geht weiter und nichts geht je wirklich verloren – auch wenn wir lernen müssen, dem Verlust selbst immer wieder ins Auge zu sehen?

Herzliche, nachdenkliche Grüße, Sunnybee