Familie, Partnerschaft

„Mental Load“ im Familienleben: Lust auf ein Experiment?

Successful Housewife. Multitasking Woman. Perfect Wife. Pop Art. Vector illustration

Was ist eigentlich die „Mental Load“, von der in feministischen Kreisen des öfteren die Rede ist, wenn es um die Aufgabenverteilung innerhalb von Familien geht? Lust auf ein Experiment?

Nimm die untenstehende Tabelle und trage ein Kreuz bei allen Tätigkeiten ein, die du täglich, wöchentlich oder  monatlich übernimmst. Kopiere die Vorlage und bitte deinen Lebensgefährten oder deine Lebensgefährtin, dasselbe zu tun. Bist du alleinerziehend, trage ein, was du selbst übernimmst und was du an Großeltern, gute Freunde oder den Ex-Partner „auslagerst“. Ein Dank für die Auflistung an Johanna „Jo“ Lücke, Berliner Lektorin, Texterin und freie Autorin (u.a. auf ihrem Blog feministmotherhood.de).

Hier geht’s zu deinem ganz persönlichen „Mental-Load“-Selbsttest!

Ich finde diese Selbstbefragung spannend, da sie innerhalb kürzester Zeit verdeutlicht, wie viel „Kleinkram“ im Familienalltag täglich, wöchentlich und monatlich anfällt und dass sich dieser insgesamt zu einem enormen Arbeitspensum summiert. Es kostet eben Zeit und Energie, auch scheinbar banale Dinge zu erledigen wie die Blumen zu gießen, an Luis’ nächstgrößere Kindergartenschlappen zu denken und diese zu besorgen oder Tante Greta eine Karte zum 70. Geburtstag zu schreiben.

Wie sieht dein Ergebnis aus?

Eigentlich ist egal, wer innerhalb eurer Familie welche konkreten Arbeiten übernimmt. Spannend ist, wer sich zu welchem Anteil und aus welchen Gründen für die anfallenden Aufgaben verantwortlich fühlt:

  • Was geht dir leicht und „wie nebenbei“ von der Hand?
  • Was würdest du am liebsten abgeben, bzw. gibst es bereits ab?
  • Was erledigst du bewusst nicht (oder nur selten), um dich selbst im Alltag zu entlasten?
  • Worüber streitest du dich mit den Menschen in deinem nahen Umfeld am meisten? Und warum?
  • Welche Tätigkeiten sind in deinem Alltag am zeitintensivsten?
  • Welche Tätigkeiten sind mit dem größten Prestige verbunden, erhalten also besondere Anerkennung?
  • Welche Tätigkeiten werden am wenigsten gesehen? Wer übernimmt sie?

Vielleicht fallen dir weitere Fragen ein oder Aufgaben, die innerhalb der Tabelle gar nicht genannt sind, innerhalb eurer Familie aber auch erledigt werden müssen. Ergänze, was du für nötig hältst.

Die Last alltäglicher Verantwortung

„Mental Load“ bezeichnet übrigens den Gesamtaufwand und die entsprechende Mehrbelastung, die durch Haushaltstätigkeiten und Kindererziehung entstehen. Über die Summe der praktischen Aufgaben hinaus umfasst die Mental Load auch die Last der alltäglichen Verantwortung für das Organisieren von Haushalt und Familie, die Beziehungspflege sowie das Auffangen persönlicher Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Diese Definition entnehme ich sinngemäß einem Anfang März 2020 erschienenen sehr guten Artikel zum Thema „Gerechte Arbeitsteilung in der Familie“ der Autorin Simone Schlosser auf Deutschlandfunk Kultur.

Kein „Aufrechnen“ in romantischen Beziehungen?

Wem übrigens immer noch im Kopf herumspukt, dass ein „Aufrechnen“ familiärer Aufgaben innerhalb einer romantischen Beziehung nichts zu tun habe, der mache sich bewusst:

  1. Je mehr ich wahrnehme, was alles zu erledigen ist, umso mehr kann ich wertschätzen, was der oder die andere bereitwillig übernimmt.
  2. Statt diffusen Frusts, weil eine/r von beiden neben der (bezahlten) Arbeit außer Haus scheinbar viel mehr „Freizeit“ hat, kann ich konkret benennen, was genau mich stört und was meiner Meinung nach der oder die andere übernehmen soll. Statt: „Kümmere dich mehr um die Kinder“ also z.B. die konkrete Aufforderung: „Kannst du bitte einmal monatlich mit Hannes zum Frisör gehen (und selbst an den Termin denken sowie ihn vereinbaren)?/ Kannst du Jannik und Petra morgens die Pausenbrote streichen? / Serap bei den Hausaufgaben helfen?“
  3. Ganz neue Formen der (familiären) Arbeitsteilung sind denkbar: „Schichten“, in denen mal der eine oder der andere verantwortlich ist. Geld gegen Arbeit, auch zuhause (eine/r übernimmt mehr Aufgaben zuhause, der/die andere spart für ihn oder sie dafür z.B. für eine private Rentenversicherung Geld an), oder andere kreative Modelle, welche die „Mental Load“ gerecht auf mehrere Schultern verteilen.
  4. Nicht zuletzt können alle, die für die Familienarbeit verantwortlich sind, besonders unbeliebte oder strittige Aufgaben bewusst an Menschen außerhalb der Familie „auszulagern“ oder auf ein Minimum reduzieren. Das muss gar nicht die bezahlte Putzhilfe oder der einmal wöchentlich engagierte Babysitter sein. Vielleicht hat der Patenonkel Spaß daran, mit seiner Nichte neue Schuhe kaufen zu gehen oder die Großeltern mögen den nächsten Kindergeburtstag planen. Auch hier: Kreativität hilft. Loslassen auch.

Mich interessiert, wie ihr das innerhalb eurer Familien handhabt. Was macht euch zufrieden und wo seht ihr eure persönlichen „Baustellen“? Wer entlastet euch, wenn ihr alleinerziehend seid und wer macht was und wieviel in eurer Partnerschaft? Übernehmen auch eure Kinder ihren Anteil an der familiären „Mental Load“?

Auf weiteres, wirklich gemeinschaftliches „Schultern“ der Aufgaben in der Familienarbeit!

Sarah (mutter-und-sohn.blog)

[Foto: buggyfit.de]

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