Gesellschaft, Persönliches, Politik

150 geile Uschis: Frauenpower beim ersten „Geile Uschi-Kongress“ in Köln

„Geile Uschi-Kongress“? Henriette Frädrich, Organisatorin des ersten Kölner „Geile Uschi-Kongresses“ am 26.10.2019, erklärt auf ihrer Website, was der Begriff für sie bedeutet: Ein „selbstironisches Kompliment an all die tollen, großartigen Frauen, die geradlinig ihren Weg gehen, ihr Ding machen, die sich nicht scheuen, zu polarisieren und zu provozieren“. Ein Speakerinnen-Event von Frauen für Frauen und Männer. Klingt toll? 

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Beruf, Familie, Gesellschaft, Politik

Gut ist gut genug. Vom Umgang mit Perfektionismus (Teil 2)

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Ich habe meinen Artikel „Gut ist gut genug. Vom Umgang mit Perfektionismus“ einigen Freunden und Bekannten gezeigt und zwei Reaktionen erhalten, auf die ich hier eingehen möchte:

Die erste Reaktion war folgendes Video:

Kabarettist Florian Schroeder in der NDR Talk Show vom 28.1.2016

Eine Parodie auf gesellschaftlichen Erwartungsdruck, der 2018 (bzw. 2016) in Deutschland (und sicher nicht nur da) auf Frauen lastet. Wie Schroeder unter anderem sagt:

„Sie muss Karriere machen und zwar selbstbewusst, aber nicht als Emanze, aber emanzipiert muss sie sein, feministisch organisiert und überhaupt gut drauf. Sie darf keine Rabenmutter sein; wenn sie zu Hause ist, muss sie trotzdem Karriere machen. Und den Stress, den sie hat, den darf man niemals spüren!“

Der Kommentar der jungen Frau und Mutter, die mir das Video schickte: „Ein etwas satirischer, aber leider auch zutreffender Clip“.

„Perfekt ist widersprüchlich“

In der Tat wird in Deutschland Frauen (und zunehmend auch Männern) suggeriert, Beruf und Familie seien gut vereinbar und es sei möglich und wünschenswert, zugleich einfühlsame Mutti (oder Vati), sexy Geliebte/r und toughe/r Arbeitnehmer/in zu sein. Auch Männern wird meiner Meinung nach vermittelt: Machst du Karriere und erwartest, dass deine Frau dir zuhause den Rücken freihält, bist du komplett „old school“ – aber Karriere machst du gefälligst, sonst nimmt dich auch keiner ernst. Der „moderne Mann“ ist somit emotional feinfühlig, beruflich durchsetzungsstark, kümmert sich engagiert um seine Kinder, falls er welche hat, arbeitet aber dennoch weiter Vollzeit, da er dank gender pay gap ohnehin (meist) mehr Geld als seine Partnerin nach Hause bringt.

Zwei Strategien: Ausblenden oder Anpassen

Meiner Meinung nach unterscheiden sich die Erwartungen, die im Jahr 2018 in Deutschland an Männer und Frauen gerichtet werden, gar nicht so sehr, der Umgang damit jedoch nachwievor: Männer versuchen die innere Spannung, die dieser Druck sicher auch in ihnen erzeugt, tendenziell aufzulösen, indem sie einen der Bereiche „ausblenden“ und den Fokus eben auf den – noch immer gesellschaftlich anerkannteren – legen. Wie viele Väter reduzieren tatsächlich ihre Arbeitszeit dauerhaft, um mehr Zeit für die Familie zu haben? Wie viele Männer engagieren sich ernsthaft und über Jahre – wie es viele Frauen tun – in der sogenannten  „Care Arbeit“, der (bezahlten und nicht-bezahlten) Fürsorge für Kinder, Alte oder Kranke?

Frauen andererseits versuchen meiner Meinung nach oft tatsächlich, alles „unter einen Hut“ zu bringen und es damit letztlich allen recht zu machen: das endet dann in der Teilzeitstelle (in Deutschland in vielen Branchen noch immer das Karriere-Aus), neben der Dutzende private Verpflichtungen  „gewuppt“ werden wollen.

Welche „Gesellschaft“ erwartet hier etwas? 

Die zweite Reaktion, die ich an dieser Stelle erwähnen will, war die Frage eines aus dem Iran eingewanderten Bekannten: „Wer ist diese, im Video genannte, „Gesellschaft“ und woher wissen wir von solchen Erwartungen? 

Gute Frage! Wer transportiert diese „überladenen“ und damit kaum erfüllbaren Vorstellungen von „Männlichkeit“ bzw. „Weiblichkeit“? Die Gesellschaft sind in einer Demokratie doch WIR, ihre Mitglieder! Letztlich bestimmen wir, durch unser Handeln und unsere Entscheidungen, jeden Tag, wohin sich die Werte unserer Gesellschaft entwickeln.

Ich habe meinem Bekannten geantwortet: 

„Ich bin der Meinung, dass es nicht abstrakt eine „Gesellschaft“ gibt, sondern dass es immer konkrete Menschen und Institutionen sind, die die Werte dieser Gesellschaft prägen. Insofern kann jeder Einzelne auch mitbestimmen, in welche Richtung sich diese Werte entwickeln – und in einer Demokratie hat meiner Meinung nach auch jeder die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass z.B. Grundwerte wie die Meinungsfreiheit oder der Schutz von Schwächeren nicht in Frage gestellt werden.“

In diesem Sinn noch einmal mein Plädoyer an mich selbst, aber auch an alle „Entscheiderinnen und Entscheider“ in Politik oder Wirtschaft und letztlich an jeden von uns:

Gut ist gut genug.

Der Anspruch, „alles“, „immer“ und „perfekt“ zu leisten, erzeugt nicht nur für jede/n Einzelne/n von uns enormen Druck, sondern hat konkrete gesellschaftliche Folgen: In einer Leistungsgesellschaft zählt eben wenig, was unvollkommen und nicht wirtschaftlich verwertbar ist. Das zeigt sich in der Art, wie Care-Arbeit oder eben oft auch sogenannte „weiche“ Themen wie Tier- und Umweltschutz, Frauen- und Kinderrechte marginalisiert werden.

Wollen wir das nicht hinnehmen, sollten wir meiner Meinung nach auch im Privaten beginnen, das Diktat des „Höher-Schneller-Weiter“ zu hinterfragen. Insofern kann ein tief empfundenes und gelebtes „Gut ist gut genug“ nicht nur ein privater „Befreiungsschlag“ sein, sondern ist auch ganz klar ein relevanter Gegen-Kommentar zu der (Leistungs-) Gesellschaft, deren weitere Entwicklung wir mit bestimmen.

Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Hier bin ich wirklich gespannt auf eure Anmerkungen und Kommentare. 🙂

Schreibt mir, was ihr dazu denkt!

Mit herzlichem Gruß, Sunnybee 

 

 

Beruf, Familie, Gesellschaft, Politik

Die Richterin der Frauen: Erna Scheffler, erste Richterin am Bundesverfassungsgericht

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(C) Bundesregierung / Rolf Unterberg

Lust auf eine Powerfrau?

Dann lest hier über eine Juristin, die sich in ihrer Jugend nicht nur Abitur und Staatsexamen hart erkämpfen musste, sondern als erste Richterin überhaupt am deutschen Bundesverfassungsgericht tätig war. 

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“

Ohne sie würde ich heute vermutlich nicht meinen Beruf ausüben und könnte dadurch, getrennt lebend, meinen Sohn und mich finanzieren. Ich würde vielleicht auch nicht mit entsprechendem Selbstvertrauen meinen männlichen Kollegen gegenüber das Wort ergreifen, im Bewusstsein dessen, was das Grundgesetz seit 1949 in Artikel 3, Absatz 2 formuliert: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Und nicht zuletzt würde mein Sohn mit völlig anderen Rollenbildern aufwachsen: Mama am Herd, ohne eigenes Konto, Papa als der „Entscheider“, der das Leben außerhalb des Hauses regelt. So führt er sein (Puppen-) „Baby“ ebenso selbstverständlich mit dem Kinderwagen aus, wie er mit seinem (Spielzeug-) „Motorrad“ zur „Arbeit“ flitzt und ich bin in seiner Vorstellung genauso klar berufstätig und für das Geldverdienen verantwortlich wie sein Vater. 

Pionierin Dr. Erna Scheffler

Ein Kompliment also an Dr. Erna Scheffler, von 1951 bis 1963 erste Richterin am Bundesverfassungsgericht. Im Spiegel habe ich vor kurzem einen sehr interessanten Artikel über sie gelesen („Fünf Wörter“), der mir noch einmal bewusst machte, welche kurze Zeitspanne eigentlich seit dem Moment verstrichen ist, als Männer und Frauen qua Gesetz gleichberechtigt wurden.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt“: Dieser Satz, 1949 von der Juristin und SPD-Abgeordneten Elisabeth Selbert durchgefochten, wäre ohne Frauen wie Richterin Scheffler vielleicht heute noch eine leere Floskel. Erst 1953 erreichte sie mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit ein Urteil, das den bis dahin umstrittenen Gleichberechtigungs-Passus im Grundgesetz als rechtmäßig und damit auch für Entscheidungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) als verbindlich definierte. 

Diskriminierung in der Familie ist illegal

Nach diesem Grundsatzentscheid waren Urteile, die den Familienvater allein aufgrund seines Geschlechts zum Entscheidungsträger und „Oberhaupt“ der Familie erklärten, ungesetztlich, die bis dahin gesellschaftlich akzeptierte Diskriminierung von Frauen in Ehe und Familie wurde illegal. 

Dass das alles erst 65 Jahre her ist, verblüfft mich immer noch. Und zugleich ist auch heute vollständige Gleichberechtigung z.B. bei Gehaltsverhandlungen oder im Steuerrecht ja noch längst nicht selbstverständlich. Aber Frauen sind mit großem Selbstbewusstsein auch in akademischen Berufen tätig und viele Mütter verdienen ihr eigenes Geld, was ihnen im Fall partnerschaftlicher Konflikte oft erst den Schritt zur Trennung ermöglicht. Zugleich erhalten auch Väter die Möglichkeit zu einem neuen Rollenverständnis: Seit 1953 ist der Mann auch vor dem Gesetz nicht mehr vor allem Ernährer und Entscheider, sondern darf gleichberechtigtes Mitglied der Familie sein und z.B. eine Bindung zu seinen Kindern aufbauen, die über Abendspielstunden und Wochenendfreizeit hinausgeht. Die Elternzeit, die allmählich auch immer mehr Väter in Anspruch nehmen, ist sicher ein (richtiger und wichtiger) Schritt in diese Richtung. 

Mehr Raum für Männer und Frauen

Somit haben die „fünf  Wörter“ Elisabeth Selberts („Männer und Frauen sind gleichberechtigt“), die Richterin Scheffler in ihrem Grundsatzurteil bestätigte, nicht nur das Potential, Frauen zu stärken und sie ihrer Rechte zu versichern, sondern weiten auch den Raum, der sich für Männer auftut: das Recht auf beruflichen Erfolg und finanzielle Unabhängigkeit gilt seit 1953 für beide Geschlechter, aber auch das Recht auf elterliche Fürsorge und innerfamiliäres Engagement. 

Danke Ihnen, Richterin Scheffler! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Zum Weiterlesen: 

Elisabeth Selbert als „Mutter der Gleichberechtigung“ (Die Zeit online)

Dr. Erna Scheffler am Bundesverfassungsgericht (STB Web)

Initiative zur gesetzlichen Stärkung von „Care“-Arbeit in Familie und Beruf (Online-Petition)