Gesellschaft, Politik

Pandemie und das Leben im Augenblick: kurzsichtig oder klug?

EM 2021: Jubelnde Fußballfans beim Public Viewing ohne Abstand und Maske
EM 2021: Euphorie ohne Maske und Abstand beim Public Viewing (Foto: epa)

In der Sozialpsychologie gibt es einen Begriff, der menschliches Verhalten treffend auf den Punkt bringt: den sogenannten „myopischen Effekt“. Myopisch heißt kurzsichtig und entsprechend bedeutet das Phänomen, dass mich Konsequenzen, die mein Verhalten in ferner Zukunft haben könnte, nicht so sehr interessieren wie ihr Effekt im Moment. Also stecke ich mir als Raucher/in die nächste Kippe an – die Befriedigung im Augenblick zählt mehr als der mögliche Lungenkrebs ein Jahrzehnt später. Ich kaufe den Kaffee im Pappbecher (jetzt praktisch – das Müllproblem fällt für mich spürbar erst später an) oder fliege spontan nach Mallorca (die Spätfolgen für die Natur wiegen weniger als der Spaß im Moment). Auch das aktuell wahrnehmbare Verhalten (feiernde Fußballfans, volle Einkaufsstraßen und Cafés) lässt sich dadurch erklären: jetzt will ich leben, Menschen treffen, meinem Vergnügen nachgehen – auch wenn das eine weitere Pandemiewelle im Herbst bedeuten mag. Ist das nun verwerflich – oder gut?

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Gesellschaft, Politik

Business trotz Virus. Corona und die soziale Gerechtigkeit

Obdachloser mit Maske und Gummihandschuhen

Im Frühjahr 2020 kam das Corona-Virus über uns wie eine Naturgewalt. Im ersten Lockdown wurden Schulen und Kindergärten komplett geschlossen, das soziale Leben eingefroren und Menschen hamsterten in den Supermärkten Lebensmittel und Klopapier. Deutschland befand sich im Ausnahmezustand – verständlich angesichts der Bedrohung durch eine Krankheit, wie sie Europa seit der Spanischen Grippe vor rund 100 Jahren nicht mehr gekannt hat. Inzwischen sind jedoch fast 1 1/2 Jahre seit Beginn der Pandemie vergangen und es zeigen sich immer deutlicher die Folgen politischer Entscheidungen, die zwar das Ziel der Viruseindämmung zu erreichen scheinen, dafür aber enorme soziale Schäden in Kauf nehmen und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, die bereits vor der Pandemie bestanden, tolerieren oder sogar verstärken.

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Familie, Politik

Mit Pieks zurück ins Leben? Ein Kommentar zur Impfung gegen Covid-19

Schild „Einbahnstraße“

Wann ist dieses Gefühl entstanden? Die Annahme, wir bräuchten erst die medizinische Erlaubnis, um wieder unbeschwert am Leben teilhaben zu können? Im Beitrag einer Bloggerin, deren Gedanken ich gerne verfolge, lese ich: „Möge die Impfung ihr langfristig wieder Begegnungen mit freudiger Gelöstheit ermöglichen in der Familie, in Freundschaften, im Stadtviertel, im Beruf. Möge sie selbst nicht erkranken mit kurzen oder langen schweren Folgen. Möge diese Impfung einen Beitrag leisten zur gesellschaftlichen Bewältigung des Notstands.“

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alleinerziehend, Politik

„Kinder haben in der Pandemie keine Lobby!“ Eine alleinerziehende Mutter macht sich Luft

Grafik: Frau steht allein am Fenster und sieht nach draußen.

Martina Johann ist alleinerziehend. Sie hat zwei schulpflichtige Kinder und arbeitet in einer Familienberatungsstelle. Ende April 2021 schreibt sie mir eine Mail. „Ich finde es so ungerecht, was die (Schul-) Politik aktuell uns und unseren Kindern antut“, schreibt sie. Hier ihr Statement:

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Gesellschaft, Politik

Was darf Satire? Ein Kommentar zur Aktion #Allesdichtmachen

Screenshot der Aktion #allesdichtmachen.
Rund 50 Schauspieler/innen kritisierten die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung mit ihrer Aktion #Allesdichtmachen

Vor drei Tagen veröffentlichten über fünfzig Schauspieler/innen unter dem Hashtag #Allesdichtmachen kurze satirische Videos, in denen sie auf die psychologischen und sozialen Folgen der Corona-Maßnahmen hinwiesen und diese dafür kritisierten. So spielte zum Beispiel Schauspieler Volker Bruch ironisch auf den einschüchternden Effekt der negativen Dauerberichterstattung der letzten Monate an, Schauspieler Jan-Josef Liefers bedankte sich sarkastisch bei den Medien dafür, dass diese kaum einen Disput über die Entscheidungen der Regierung zuließen. Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts forderte scheinbar euphorisch „immer mehr Maßnahmen, um endlich wieder ans Meer fahren zu können“ und bezog sich damit auf die Sehnsucht nach Normalität, die vermutlich viele teilen und die die meisten (fast) alle Vorgaben klaglos umsetzen lässt, in der Hoffnung, der Pandemie damit endlich Herr zu werden. Schauspieler Martin Brambach schließlich wies darauf hin, dass viele aktuell auf andere zeigen, diese zum Beispiel anfeinden, wenn sie sich an Vorgaben wie das Masketragen oder den Mindestabstand nicht halten und dies zugleich als Solidarität bezeichnen.

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