Was ist Menschlichkeit? (Aufruf zur Blogparade, bis 15.4.19)

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Was macht mich zu dem, der ich bin? Aber auch: wie lebe ich ein menschenwürdiges und menschenfreundliches Leben? Und was ist überhaupt typisch „Mensch“ für mich?

Was ist „Menschlichkeit“ für dich?

Wollt ihr bei meiner aktuellen BLOGPARADE mitmachen? 

Dann schreibt bis zum 15.4.2019 einen Artikel zum Thema!

  1. Ihr könnt – MÜSST ABER NICHT – dabei einen Film benennen, der eurer Meinung nach eine Antwort auf diese Frage gibt und könnt beschreiben, was euch an ihm in Bezug auf das Thema „Menschlichkeit“ besonders treffend erscheint, was euch nachdenklich macht oder berührt.
  1. Schreibt unter meinen Artikel einen Kommentar mit einem Link zu eurem Blogartikel. 
  1. Erwähnt diese Blogparade in eurem Blog, auf Facebook (@Sarah Sunnybee) oder Twitter (@mama_schreibt) und erfreut euch an den, hoffentlich zahlreichen, tollen Filmtipps und Blogartikeln!

Drei Filme – Drei Antworten

Ich möchte als Anregung drei Filme mit euch teilen, die drei komplett unterschiedliche Antworten geben  auf die Frage: „Was ist Menschlichkeit?

1) The Square 

Eine bitterböse und wirklich nachdenklich stimmende Satire auf den Kunst- und Kulturbetrieb. Christian, getrennt lebender Vater zweier Töchter und Kurator eines Stockholmer Museums für moderne Kunst, soll die nächste Ausstellung bewerben: The Square, ein „Zufluchtsort, wo Ruhe und Fürsorge herrschen“, wo alle „die gleichen Rechte und Pflichten“ haben, so jedenfalls der Pressetext des Museums. Um das Ganze für die Medien attraktiver zu machen, überlegt sich die für das Projekt engagierte Werbeagentur ausgerechnet ein Schockvideo, das schließlich ohne Christians Wissen online geht. Der Kurator selbst ist während des ganzen Films immer wieder mit der Frage konfrontiert: Wie komme ich damit zurecht, dass ich gar nicht so menschenfreundlich bin, wie es eigentlich mein Anspruch ist?

De facto ist Christian nämlich ein reichlich misstrauischer und kontrollierter Mensch, der darauf besteht, sein benutztes Kondom nach einem One-Night-Stand selbst zu entsorgen, statt von Seiten der Frau, mit der er gerade geschlafen hat, Samenraub zu riskieren. Einem Obdachlosen gegenüber erklärt er, mit den Luxuseinkaufstaschen neben sich und einem Coffee to go in der Hand, er habe „leider kein Geld“. Andererseits hilft er spontan einer Frau, die auf der Straße bedroht zu werden scheint und muss erleben, dass das Ganze ein Trick war um ihn selbst auszurauben. Eindeutig Gut und Böse gibt es in diesem Film nicht – menschlich sein bedeutet nach Aussage des Werks, selbstbezogen und altruistisch zu handeln, couragiert und feige. Die Vielschichtigkeit, mit der der Film seine Figuren zeichnet, macht ihn, neben seiner unzweifelhaften Komik, zu einem wirklich großartigen Kommentar zum Thema „Menschlichkeit“.

2) Mütter und Töchter

Einen ganz anderen Aspekt von „Menschlichkeit“ greift der Film „Mütter und Töchter“ auf. Hier geht es um die Frage: Was macht mich zu dem Menschen, der ich bin? Meine Gene oder die Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin? Und wer bin ich, wenn ich über meine Herkunft nichts weiß? 

Der Film zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben dreier Frauen. Die fast 50-jährige Karen hat ihr Kind als Teenager auf den Druck ihrer Eltern hin zur Adoption frei gegeben und leidet bis jetzt darunter. Lucy kann keine Kinder bekommen und ringt mit sich, ob sie einen Adoptionsantrag stellen soll. Und die toughe, ein wenig unnahbare Anwältin Elizabeth wurde selbst adoptiert und findet erst nach und nach eine Haltung zu den Fragen „Wer bin ich?“ Und: „Was ist wohl meine Mutter, die mich weggegeben hat, für ein Mensch?“ Ein sehr berührender, fein und nuancenreich gespielter Film, dessen „Menschlichkeit“ darin besteht, dass seine Charaktere sich letztlich frei zu ihrem Weg entscheiden können, auch wenn die Dinge, die ihnen widerfahren, schicksalshaft verwoben sind; sie sind eben mehr als die bloße Summe ihrer Erfahrungen oder ihrer Gene.

3) Her

Der Film „Her“ stellt schließlich die grundsätzliche Frage: Was macht uns überhaupt menschlich? Und kann eine Maschine menschenähnliche Züge entwickeln?

In einer (nahen) Zukunft: Der Journalist Theodore erhält als Gadget ein neuartiges, lernfähiges Handy-Betriebssystem, das auf seinem Smartphone in Dialog mit ihm tritt. Die Computerstimme begleitet ihn ab sofort jeden Tag, anfänglich bloß als heitere, stets hilfsbereite Assistentin, doch bald wird „Samantha“ zum emotionalen Bezugspunkt des einsamen Mannes. Sie heitert ihn auf, lacht über seine Scherze – und er verliebt sich in sie. 

Soweit könnte das die tragische Geschichte eines Technik-Nerds sein. Doch Samanthas Programmierung ist so vollkommen, dass sie tatsächlich das Potential hat, menschlich zu sein – und sich ebenfalls verliebt. Theodore und Samantha werden ein Paar, eine halb digitale, halb analoge „Amour fou“,  und als ihre Liebe gegen Ende des Films auf die Probe gestellt wird, leidet man als Zuschauer/in tatsächlich mit: mit dem jungen Mann, aber auch mit Samantha, dem Operating System. 

Drei wirklich sehenswerte Filme, drei komplett unterschiedliche Antworten auf die Frage: 

„Was ist Menschlichkeit?“

Ich bin gespannt – und freue mich –  auf EURE Antworten! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Mein schönstes (immaterielles) Geschenk: Das Ergebnis meiner Blogparade

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Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du in deinem Leben bekommen – oder geschenkt – hast?

Diese Frage stellte ich Mitte Dezember im Rahmen meiner Blogparade. Ein von mir gewünschter – und geschaffener – Gegenpunkt zum kommerziellen Schenken, das die Vorweihnachtszeit ansonsten doch oft prägt.

8 wunderbare Gaben

Und ich habe von euch tatsächlich zahlreiche wirklich wunderbare Geschenke erhalten: tiefsinnige, toll formulierte Antwortartikel. Und das in der hektischen, mit Aktivität angefüllten Adventszeit. DANKE euch allen, die ihr die Muße gefunden und an meiner Blogparade teilgenommen habt!

Wer jetzt neugierig ist – hier findet ihr alle Texte, die aufgrund meines Aufrufs entstanden sind: 

Tilman/tilmansite

„Meine Geburt ist wohl eher ein physisches Geschenk. Gleiches gilt auch für das Geschenk der Geburt unserer Kinder. Also sage ich: meine psychische Wiedergeburt. Die findet statt nach jeder (guten) Meditation.“ Mehr hier.

Regina/klatschmohnrot

„Enya, eine Schülerin, die ich schon kennengelernt habe, als sie noch in den Kindergarten ging, kam einmal wöchentlich zu mir zum Klavierunterricht. […] Wir verstanden uns prima, haben immer einen ganz besonderen Draht zueinander. Einmal, wir hatten gerade Weihnachtslieder geübt, um sie den Eltern in einer kleinen Feierstunde vorzuspielen, sagte sie zu mir: „Regina, glaubst du an Engel?“ Hier geht’s weiter.

Alexandra/himmelbuntundwolkenvoll

„Das schönste Geschenk, das ich je bekommen und gleichzeitig geschenkt habe, ist das Leben. Leben ist für mich gleichzusetzen mit Liebe.“ Lest hier.

Anna/alleinerziehend-selbständig

„Ich bekam also dieses Geschenk von Micha und ich packte es aus. Darin: Ein blaues Tagebuch. […] Und Micha sagte: „Wenn dich mal keiner fragt, wie dein Tag so war.“ Dieses Tagebuch war nämlich nicht nur ein Tagebuch, sondern es war ein Buch, das mir Fragen stellte: Wie war dein Tag? Ganz einfach und schlicht.“ Hier geht’s weiter.

Kathinka/pauliskleinesuniversum

„Ich glaube, das Gefühl der Dankbarkeit ist das größte und schönste nicht-materialle Geschenk, das ich mir selbst in meinem Leben gemacht habe. Und gerne teile ich mit dir und den anderen Lesern meine Dankbarkeitsliste für 2018. In Ordnung?“ Hier findet ihr sie.

Elke Bitzer/Fotografisches Reisen und Wanderungen

„Geschenke, die mir die allerhöchste Freude bescherten gibt es reichlich und sie sind allesamt nicht-materieller Natur. Eine Rangfolge kann ich schwerlich festlegen, da einige absolut gleichrangig sind. Deshalb folgt mir durch meine Aufzählung, bunt durcheinander gewürfelt.“ Lest hier.

Charlotte/charlottesadoptionsblog

„Maxim und Nadeschda sind das größte Geschenk, das ich jemals in meinem Leben bekommen habe. Ja, unser Leben ist mit vielen Herausforderungen gespickt. Viele oder zu viele, derer ich mir im Vorfeld nicht bewusst war. Und die Verantwortung für diese beiden Kinder ist manchmal übermächtig. Doch wenn abends nach viel Kuscheln und ausgiebigem Vorlesen meine Kinder in ihren Betten liegen, mein Sohn beim Gute Nacht Sagen fest den Arm um mich gelegt hat und halb schlafend geseufzt hat „Meine Mama!“, meine Tochter meine Hand hält, damit ich bleibe, bis sie schläft, betrachte ich glücklich meine wunderbaren Kinder.“ Den ganzen Beitrag findet ihr hier.

Lea/kommunikatz 

„Was mir in diesem Moment klar wurde: Sie vertraut mir und sie traut mir zu, dass ich mit all meinen Bedürfnissen und Besonderheiten eine gute und gewissenhafte Geschäftsführerin des Welthauses sein werde. Ein solches Vertrauen habe ich von einer mir nicht sehr nahestehenden Person noch nie erfahren und dieses quasi blinde Vertrauen empfinde ich als unglaublich schönes und großes Geschenk.“ Lest hier weiter.

Auch mich hat die Frage nach dem schönsten immateriellen Geschenk meines Lebens zu einem (sehr persönlichen) Artikel inspiriert: „Die Liebe (m)einer Mutter“. Hier findet ihr ihn. 

Ganz herzliche, dankbare Grüße und sehr gerne bis zur nächsten Blogparade. Sie wird mit dem Thema Berührung zu tun haben – ihr könnt gespannt sein!🙂

Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Flüsterpost I: Welcher Satz hilft dir in schwierigen Situationen?

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Eine Freundin hat mir die Frage gestellt: Gibt es einen Satz, der dich (in schwierigen Situationen) durch dein Leben begleitet?

Ja, den gibt es (ich beantworte damit Frage 1 meiner Flüsterpost).

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.

Für mich der Lackmustest meines Wollens: Will ich etwas wirklich, aus einem tiefen, inneren JA heraus, ist (fast) alles möglich. Ich habe so schon große Reisen geplant und umgesetzt, meinen Wohnort und meinen Arbeitsplatz gewechselt, ein Kind empfangen, das ich ins Leben begleite, Beziehungen beendet oder wieder aufgenommen. Ein tiefes, inneres JA trägt mich und gibt mir die Stärke und Zuversicht, auch weit entfernte äußere Ziele zu erreichen.

Zweifle ich aber, finde Gründe aller Art, dass etwas zu schwer, zu riskant, überhaupt zu … sei – dann will ich meist schlicht nicht wirklich und muss erst die Wahrheit in mir finden, muss warten, bis das Wollen in mir klar ist. 

Ich bin eine Visionärin, die fest auf dem Boden steht. 

Ich denke assoziativ, in Analogien, bin froh, wenn ich ein Ziel anvisieren kann, das ruhig auch (noch) in der Ferne liegt.

Will ich etwas wirklich, bewege ich mich in die Richtung dieses Ziels, mit Ausdauer, Mut und Zuversicht. 

Zugleich wäge ich bei jeder (großen) Entscheidung auch ab: Reichen meine Kräfte? Was erfüllt mich wirklich, was habe ich schon geschaffen – und geschafft – und worauf kann ich bauen? 

Eine Visionärin, mit beiden Beinen auf der Erde.

Dazu passt dieser Satz: 

Das Feuer, das Streben, auch ein tiefes Vertrauen: „Wer will, findet Wege 

– und die bodenständige Rückbesinnung, falls ich mich (noch) nicht bewege: Welche Ausflüchte sage ich mir selbst vor? Womit klebe ich mich am Boden fest, statt zu fliegen? – „Wer nicht will, findet Gründe“.

Der Satz hilft mir, meine Wahrheit zu finden:

Warum verharre ich im „Vielleicht“?

Und:

Wo ist der Weg zu mir?

Ein klares „Ja“ oder ein klares „Nein“. Der Impuls, der wieder Bewegung bringt. In die eine – oder die andere – Richtung.

Gibt es einen Satz, der auch dich trägt, bewegt und begleitet? Schreib mir hier im Kommentar davon, wenn du magst – oder verfasse deinen eigenen Blogartikel zum Thema!🙂

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

 

Silvesterknaller: Das Ergebnis der „Flüsterpost“

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Erinnert ihr euch? 

Anfang Dezember bat ich euch, mir eine Frage zu stellen, die dann sowohl ich als auch ihr mit einem Blogbeitrag beantworten würdet. Ich nannte das ganze „Flüsterpost“. Ein wenig wie bei einer Blogparade, nur dass ihr mit euren Fragen den Impuls geben konntet.

6 spannende Fragen

Bis zum 15.12.18 haben mich auch tatsächlich einige Fragen erreicht, allerdings interessanterweise per Mail, persönlich oder über Kurznachrichten. Vielleicht war das „öffentliche“ Fragen im Blog für einige von euch doch zu „persönlich“? Oder der alte Spruch „Frag nicht so dumm!“ zu präsent in manchen Köpfen, um sich in dieser Form zu exponieren?

Hier jedenfalls die sechs Fragen, die ich selbst am interessantesten fand und zu denen ich im Verlauf der nächsten Wochen tatsächlich jeweils einen Blogartikel schreiben werde (insofern ich es denn nicht schon getan habe).

1. Gibt es einen Satz, der dich (in schwierigen Situationen) durch dein Leben begleitet?

Ja, den gibt es und ich werde hier im Blog bald darüber schreiben, warum dieser gerade in schwierigen (Entscheidungs-) Situationen für mich wirklich hilfreich ist! [Nachtrag: Hier ist der Artikel!🙂]

2. Hast du ein Vorbild, einen Menschen, den du bewunderst? 

Eine schwierige Frage für mich, da ich eigentlich eher dazu tendiere, mich an inneren Maßstäben zu orientieren statt konkrete Menschen als Vorbild zu wählen und ihnen nachzueifern. Ich nehme die Frage als Herausforderung an und möchte hier im Blog auch dazu schreiben.

3. Warum bloggst du?

Es gibt mehrere Gründe. Ich habe darüber bereits zwei Artikel geschrieben: Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? und Wer ist „Sunnybee“? Sechs Monate mutter-und-sohn.blog. Ich bin neugierig, ob sich für mich im Verlauf der nächsten Monate noch weitere Antworten ergeben, dann schreibe ich zu der Frage vielleicht noch einmal einen Beitrag.

4. Wem bist du dankbar?

Tja… dem Leben, das mich oft schon herausgefordert, mir aber auch einen wunderbaren Sohn, Gesundheit sowie Zuversicht und innere Stärke geschenkt hat. Meiner Familie, meinem Ex-Partner und Vater meines Sohnes, (engen) Freunden. Das Thema „Dankbarkeit“ zieht sich durch viele meiner Texte. Ich habe z.B. hier („Die Liebe (m)einer Mutter“) und hier („14 Stunden. Dankbar sein“) schon einmal explizit darüber geschrieben und auch eine meiner Blogparaden hat viel mit dem Thema Dankbarkeit zu tun: „Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du je erhalten hast?“. Ich bin gespannt, welche weiteren Aspekte des Themas sich mir noch erschließen. Dann greife ich es hier im Blog sicher wieder auf.

5. Hast du Lust, über Sina Trinkwalder zu schreiben?

Sina Wer?! Ich hatte von der Frau noch nie gehört, als ein Bekannter mir vorschlug, einen Blogartikel über sie zu schreiben. Aber nach kurzer Recherche weiß ich: sie ist einen Text wert und den könnt ihr jetzt bereits hier im Blog lesen – klickt einfach auf den Link, dann findet ihr ihn!

6. Was ist „Heimat“ für dich?

Eine weitere interessante Frage, wie ich finde. Heimat als soziale Herkunft oder Herkunftsort? Innere Heimat oder gar Heimat in einem größeren, spirituellen Sinn? Auch darüber werde ich in den nächsten Wochen schreiben.

Vielleicht habt ihr ja inzwischen Lust, selbst zur Tastatur zu greifen und zu einer der Fragen einen „Antwortartikel“ zu verfassen? 

Ich bin gespannt und wünsche allen, die meinen Blog mitlesen, herzlich einen guten Jahreswechsel und für 2019 alles Gute!🙂🍀 

Lieben Gruß, Sunnybee 

Wurzeln und Flügel: Was darf man Kindern zutrauen?

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Lydia, von lydiaswelt stellt in ihrem Blog die interessante Frage: Wie viel Eigenständigkeit darf man Kindern eigentlich zutrauen? 

Darf eine 2 1/2-Jährige selbst ihr Brot mit dem Brotmesser in Stücke schneiden? Erlaube ich meinem Sechsjährigen, beim Bäcker um die Ecke, zu dem wir jeden Morgen gehen, alleine Brötchen holen zu gehen, wenn er das möchte? Und lasse ich meine Elfjährige mit dem Zug allein zu Oma fahren? 

Gefährde ich meine Kinder, wenn ich ihnen viel zutraue? 

In der Frage „Was darf ich meinen Kindern zutrauen?“ schwingt ja die Besorgnis mit, sie gegebenenfalls zu überfordern oder gar zu gefährden, dadurch, dass ich Dinge nicht für sie übernehme. Und natürlich ist die Besorgnis einerseits berechtigt: einen Dreijährigen würde ich nicht alleine zuhause lassen um mal eben einkaufen zu gehen. Einen Sechsjährigen, zusammen mit seiner zehnjährigen Schwester, aber vielleicht schon? Und mein Dreijähriger darf an der Kasse mit dem Geld, das ich ihm gebe, „bezahlen“, den Einkaufswagen zurück zum Sammelpunkt fahren, ihn anschließen und die Pfandmünze entgegennehmen. Begleitet von mir, bzw. unter meinem aufmerksamen Blick aus der Ferne – aber gefühlt selbst gemacht.

Von Wurzeln und Flügeln

Ehrlich gesagt lebe ich seit der Geburt meines Sohnes vor gut drei Jahren in dem Bewusstsein: Meine Aufgabe ist, ihm Wurzeln zu geben – aber auch, ihn seine Flügel entdecken (und entfalten) zu lassen. Bestenfalls kann ich ihm das Vertrauen schenken, dass ich 100% für ihn da sein möchte und oft auch da sein kann. Von dieser Basis aus wird er seine eigenen Wege gehen (müssen). Und das ist – und wird in Zukunft noch weiter – meine zweite Aufgabe als Mutter sein: ihm soweit zu vertrauen, dass ich ihn loslassen kann. 

Im Kleinen erlebe ich das bereits heute, wenn mein inzwischen dreijähriger Sohn Dinge alleine machen möchte, die ich wenige Wochen zuvor noch für ihn erledigt habe. „Mama, selber!“ ist sein mehr oder wenig energisch geäußerter Satz, der im Moment unseren Alltag begleitet. Und ich lasse ihn sehr oft machen. Manchmal mit einem verstohlenen Blick, ob ihm das Selbermachen auch gelingt, oft durchaus mit der Mahnung: „Vorsicht, schwer, heiß, scharf!“ und natürlich lasse ich ihn nicht allein mit dem Fleischmesser oder der Gartenschere hantieren. Aber bereits mit 2 1/2 Jahren durfte er mit dem Laufrad vorneweg bis zur Bordsteinkante fahren, anfänglich begleitet von meinem Ruf: „Vorsicht, Straße!“ Natürlich hatte ich ihm davor gezeigt und erklärt, dass das Warten an der Straße unbedingt erforderlich ist, hatte es mit ihm einige Male geübt, durchaus theatralisch dabei auf die Gefährlichkeit der vorbeifahrenden Autos hingewiesen – aber dann ließ ich ihn fahren. Und er wartet jedes Mal genau an der Kante, Daumen hoch, ein stolzes Lächeln auf dem Gesicht: „Schau, Mama, was ich kann!“

Zutrauen kommt von Vertrauen

Dass ich meinem Sohn viel zutraue hat auch damit zu tun, dass ich ihn von klein an als sehr umsichtig erlebt habe: vom Boden auf den Stuhl und vom Stuhl auf den Tisch – er klettert und balanciert unerschrocken, aber nicht, ohne zu prüfen, ob der nächste Schritt auch wirklich sicher ist. Er will sehr viel selbst machen, aber wenn ihm etwas nicht ganz geheuer ist, sagt er auch schon mal „Mama, du bitte!“ und beobachtet, was ich dann tue. Und genauso, wie er – wie alle Kinder – den Schalk im Nacken hat und durchaus schon mal die Plätzchendose vom Regal angelt, wenn ich sie ihm gerade verboten habe; – weise ich ihn im ruhigen und eindeutigen Ton auf die Gefährlichkeit eines heißen Herds oder des Kloputzmittels im Badezimmerschrank hin, lässt er tatsächlich verlässlich die Finger davon. 

Offensichtlich vertraut er mir, dass ich ihn nur bei wirklicher Gefahr in einem bestimmten ernsten Tonfall warne – und ich vertraue ihm, dass er mich versteht und vernünftig genug ist, sich nicht selbst zu gefährden. Ist das verfrüht bei einem Dreijährigen? Aber ab wann ist Vertrauen dann gerechtfertigt? Ab sechs, ab vierzehn, mit der Volljährigkeit?

Meine eigene Kindheit und Jugend

Meine eigenen Eltern haben mir früh viel zugetraut. Und ich bin ihnen sehr dankbar dafür. Ich bin mit 19 Jahren zunächst für ein Jahr ins Ausland gegangen und danach von zuhause ausgezogen. Spätestens ab da konnten sie mich ohnehin nur noch aus der Ferne begleiten. Und ich habe sie durchaus noch oft um Rat gefragt – lege auch heute noch großen Wert auf ihre Meinung – aber meine Entscheidungen habe ich letztlich immer selbst getroffen, oft scheinbar mutig und unerschrocken, im Grunde aber vor allem mit dem Vertrauen, zu wissen, was ich mir zutrauen konnte – und kann.

Dieses Bewusstsein habe ich dadurch erworben, dass meine Eltern mir als Kind und Jugendliche ihr Vertrauen schenkten. Und das will ich meinem Sohn weitergeben: indem ich an seinem Leben Anteil nehme, ihn kennenlerne, um seine Wünsche und Ziele und seine Fähigkeiten weiß – und indem ich ihn dann machen lasse, seinem Alter, seinem Entwicklungsstand gemäß. Im Rahmen seiner Möglichkeiten und manchmal einen Schritt darüber hinaus. Dann halte ich innerlich vielleicht die Luft an: „Geht das gut?“, aber nur so wird er lernen können, was sein strahlender Blick an der Straßenkante heute schon zeigt: Ich kann das – und ich bin das Vertrauen meiner Liebsten wert! 

Wie seht ihr das? Wieviel traut ihr euren Kindern zu (und warum)? Und wo liegen bei euch die Grenzen des Vertrauens? Wenn ihr mögt, schreibt mir dazu oder antwortet Lydia auf ihre Blogparade !

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

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Meine Mitbloggerin Anna Koschinski stellt in ihrem Blog die Frage: „Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?“ Hier meine Antwort:

Am Anfang stand ein Streit

Tatsächlich stand am Anfang ein Streit: „Ich kann es nicht mehr hören!“, schleuderte mir eine (ältere) Kollegin entgegen: Das Gejammer junger Mütter, sie seien durch Beruf und Kinderfürsorge doppelt belastet. Sie selbst pflege trotz Vollzeitstelle seit Jahren ihre alte Mutter und jammere auch nicht. Das sei ihre „Privatsache“ und meine eben auch, da ich entschieden habe, ein kleines Kind zu haben UND berufstätig zu sein.

Dieses (Streit-) Gespräch war die Initialzündung. Zwei Nachtschichten später stand meine Website und ich hatte meinen ersten Artikel verfasst: Privatsache? Ich fand – und finde – nämlich durchaus, dass der Spagat zwischen beruflichem Engagement und privater Fürsorge (der sogenannten „Care-Arbeit“) ein gesellschaftlich relevantes Thema ist und es zu einfach gedacht ist, (zeitweise) Überforderung damit auf die zu geringe Belastbarkeit einzelner Mütter oder Väter zu schieben. 

Eine Gesellschaft ist so sozial wie die, die in ihr leben 

Der Start meines Blogs war also durchaus kämpferisch – und gesellschaftliche Themen sind bis heute ein wichtiger Aspekt meiner Seite: mich interessiert z.B. sehr, wie eine Gesellschaft aussehen kann, die weniger den Erfolg und die Leistung des Einzelnen im Fokus hat, sondern durch soziales Handeln und Interesse am Gegenüber geprägt ist. Parallel zu meinem Blog setze ich das inzwischen auch im realen Leben um: sei es ein von mir organisiertes Kaffeetrinken mit meinen Nachbarn  im Haus oder der mit einer Freundin initiierte Stammtisch für Allein- und Getrennterziehende: Netzwerke zu schaffen und sich (auch) im echten Leben wirklich zu begegnen ist ein wichtiges Thema für mich. 

Vermutlich auch, weil ich nach der Trennung vom Vater meines Sohnes Anfang 2017 nach Wegen suchte, mich als (getrennt erziehende) Mutter mit kleinem Kind neu zu orientieren. Wir betreuen unseren mittlerweile dreijährigen Sohn fast zu gleichen Teilen in einem Wechselmodell – auch hierüber und über die verschiedenen Phasen der Neuorientierung als getrennt lebende Familie schrieb ich zahlreiche Artikel.  

Und wie weiter? 

Mein Blog ist mir in den letzten Monaten wichtig geworden. Ich finde es großartig, in ihm einen Raum zu haben, in dem ich andere an meinen Überlegungen zu psychologischen und gesellschaftlichen Themen  teilhaben lassen kann. Ich erhalte auch immer wieder die Rückmeldung, Artikel seien bewegend oder gäben in irgendeiner Weise genau wieder, womit sich mein Gegenüber gerade befasse. Das Teilen meiner Gedanken in diesem Blog trägt dazu bei, dass ich auch im „echten“ Leben Menschen, die ich davor noch gar nicht kannte, schneller und „persönlicher“ kennen lerne – sie haben über das Lesen meiner Texte bereits einen Zugang zu mir erhalten, der sich ihnen sonst viel langsamer – wenn überhaupt – erschlossen hätte. Umgekehrt entstehen durch den Austausch über meine Texte tiefe und anregende Gespräche, die den Grundstock zu realen Freundschaften legen. Besonders begeisterte mich zuletzt meine erste selbst gestartete „Blogparade“ zur Frage „Was ist echte Stärke für dich?“: Innerhalb weniger Tage erhielt ich Dutzende Kommentare und zehn mir bis dato (weitgehend) unbekannte Menschen verfassten auf ihren Websites  wunderbare, berührende und tiefsinnige Antwortartikel. 

Freud und Leid des Bloggens

Die Kehrseite des Bloggens habe ich jedoch auch schon kennen gelernt: Eine Aufmerksamkeit, die sich durch „Klickzahlen“ oder gesammelte „Likes“ zeigt, kann einen regelrechten Sog entwickeln: Was, diesen Artikel haben in wenigen Tagen 120 Menschen gelesen? Beim nächsten sollen es noch mehr werden! Auch das Bloggen an sich, über so persönliche Themen, wie ich es tue, hat etwas Ambivalentes. Das Netz ist öffentlich, letztlich anonym und oft auch „stumm“: jeder kann meine, zum Teil sehr offen formulierten, Gedanken lesen, aber muss sich in keiner Weise dazu positionieren. Eine Reaktion wie in einem persönlichen Gespräch erhalte ich längst nicht immer – und andererseits bietet der Blog offensichtlich auch Raum für Projektion: so hat sich, zumindest nehme ich es so im Rückblick wahr, einmal ein Mann hauptsächlich aufgrund meiner Blog-Artikel in mich verliebt und dabei vermutlich übersehen, dass ein echtes Kennenlernen nicht in derselben Intensität und Geschwindigkeit stattfinden kann wie das „Kennenlernen“ eines anderen über seine geschriebenen Texte.

Mir selbst und anderen schreibend begegnen

Jawohl: das Bloggen ist für mich auch eine Art, mir selbst – und anderen – schreibend zu begegnen: die vielfältigen, bunten Erfahrungen, die sich in den letzten Monaten daraus ergeben haben, bestätigen, dass dieser Weg (gerade) der richtige für mich ist. 

Vielleicht ermögliche ich in Zukunft anderen in Form von Workshops, im Prozess des Schreibens „Heimat“ in sich zu finden, sich selbst und andere besser zu verstehen und den ‚roten Faden’ in ihrer Biographie zu entdecken?

Mein Weg ist jedenfalls der der Begegnung: echt, liebevoll (zu mir und zu anderen), offen dafür, innerlich zu wachsen und mir und anderen immer wieder Raum zu geben, einfach zu sein. Ich bin erwartungsvoll, was sich dabei in meinem Blog – und über meinen Blog hinaus im „echten“ Leben -entwickelt. Der Grundstein ist gelegt!

Herzliche Grüße – und ein herzliches Dankeschön an alle, die mich als Leserinnen und Leser seit Beginn meines Blogs im April 2018 begleiten, meine Artikel teilen und kommentieren und diese besondere Art des Austauschs mit mir führen!

Sunnybee

PS. Ach ja… Wer ist „Sunnybee“? Und warum schreibe ich unter Pseudonym? Das erkläre ich hier.

Klingelingeling! Aufruf zur Blogparade (bis 31.12.18)

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Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du in deinem Leben bekommen – oder geschenkt – hast?

Vorweihnachtszeit – Zeit der Besinnlichkeit, der Einkehr und der Vorfreude auf die Weihnachtstage?

Ja, auch. Aber oft (leider) auch eine Zeit der Hektik und des Überangebots an quietschenden, blinkenden, duftenden, glimmenden „Weihnachts-Gadgets“. Von der Keksdose für 1€ (unter welchen Bedingungen hergestellt??) bis zum Christstollen und den Nikoläusen, die ab Anfang November im „Quengelregal“ neben der Supermarktkasse Spalier stehen – Weihnachtszeit ist – zumindest in Deutschland – doch eindeutig auch die Zeit der (materiellen) Geschenke sowie der damit verbundenen Erwartungen – und damit schlicht eine Zeit intensiven Konsums. 

Als Gegenpunkt möchte ich hier fragen: 

Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du in deinem Leben bekommen – oder geschenkt – hast?

Meinen (sehr persönlichen) Beitrag findest du hier.

Willst du an dieser Blogparade teilnehmen? Dann:  

  1. schreibe deinen eigenen Blogartikel zum Thema (vom Bild mit Zweizeiler bis zum ausgearbeiteten Essay ist alles möglich😉)
  2. Schreibe mir bis zum 31.12.2018 einen Kommentar mit Link zu deinem Artikel, den ich auf meiner Seite online stelle
  3. Verweise in deinem Blog, oder gern auch auf Facebook oder Twitter (@mama_schreibt) auf meinen Blog und diese Blogparade!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Danke übrigens an Christina, Lydia, Lea, Charlotte, Easter, Regina, KathinkaTilmanTigerfour, LisaLyrifantNadine, AndreaLuisa, Samybee und noch einige weitere aus der bunten Bloggerwelt für die Inspiration, die ich durch eure Texte, Beiträge und Kommentare in den letzten Monaten erhalten habe. Vielleicht hat ja der eine oder die andere von euch (wieder) Lust auf eine Antwort?