„Lasst sie spielen!“ Warum das für uns Eltern manchmal gar nicht so einfach ist

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Als engagierte Mama mache ich mir natürlich den ein oder anderen Gedanken dazu, was mein Kind, so wünsche ich es mir, zu einem selbstbewussten, mit sich zufriedenen und eigenständigen Menschen heranwachsen lässt.

Und manchmal denke ich: Eigentlich muss ich da gar nichts „machen“. Ein solcher Mensch ist mein Kind schon. Vielleicht sollte ich mehr darauf achten, in den nächsten Jahren, während ich mit meiner „Erziehung“ an ihm herumwerkle, nichts zu „versauen“?!😉

Haben dänische Kinder mehr Selbstvertrauen? 

In der Huffington Post habe ich einen interessanten Artikel gelesen, warum dänische Kinder angeblich selbstbewusster, mit mehr Selbstvertrauen und insgesamt glücklicher als deutsche Kinder seien. Wie immer natürlich als Verallgemeinerung zu kurz gedacht, teile ich dennoch im Kern die These der Autorin: statt Kinder auf Leistung (im schulischen und außerschulischen Bereich) zu trimmen und sie über Gymnastiktraining, Schach-AG und Musikunterricht zu 1a-Sportlern, -Schülerinnen oder -Musikern „formen“ zu wollen, sollte man sie viel mehr eigenständig und selbstbestimmt machen lassen, nämlich einfach spielen. Und zwar frei, allein oder mit Freunden, ohne als Erwachsene reinzuquatschen, sie anzuregen, zu maßregeln oder zu regulieren.

Spielt doch – aber so wie’s uns gefällt!

Das ist gar nicht so leicht, wie mir ein gemeinsam im Zoo verbrachter Vormittag mit einer befreundeten Mutter vor kurzem deutlich machte. Ich musste dabei an die weisen Sätze aus dem bezaubernden Kinderbuch „Ganz die Mama“ von David Melling denken:

Meine Mama mag es nicht, wenn ich mich langweile. Sie sagt dann: „Beschäftige dich doch mal!“ Aber wenn ich mir dann eine tolle Beschäftigung suche [laut, wild und/oder matschig]… dann sagt sie: „Jetzt gib doch mal fünf Minuten Ruhe!

Tja… so sind wir Eltern ja oft tatsächlich, oder? Meine Freundin, die ich an diesem Vormittag traf, war – wie ich ja oft auch – zurecht stolz, dass sich ihr 21/2-jähriger Sohn allein beschäftigte und wir uns währenddessen unterhalten konnten. Aber mehrmals an diesem Morgen erlebte ich die Situation, dass er sich gerade wirklich in ein Spiel, bzw. die Entdeckung seiner Umgebung zu vertiefen begann – und genau in diesem Moment von meiner Freundin unterbrochen wurde. Er probierte sichtlich begeistert ein Puzzle im Zooladen aus – meine Freundin trat zu ihm und fragte, ob wir nicht die Tiere im Gehege nebenan ansehen wollten.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Spielzeugtraktor vorbei und kaum hatte er sich das Steuer erobert und ging begeistert „auf Reisen“, unterbrach sie ihn wieder, andere Kinder wollten auch noch fahren und wir müssten jetzt auch weiter, wir wollten doch die Tiere ansehen. Ersteres stimmte, aber die Tiere liefen uns sicher nicht weg und trotz der zwei wartenden Kinder hätte sie ihn sicher noch 30 Sekunden „bis zum nächsten Parkplatz weiterfahren“ lassen können.

Und schließlich – es regnete und auf dem Zoogelände hatten sich diverse große Pfützen gebildet – unsere Jungs diese und sprangen (natürlich) mit Wonne hinein. Und auch da: kaum hatten sie sich richtig in ihr Spiel vertieft, rief meine Freundin recht scharf zum Aufbruch, die Füße ihres Sohnes würden ohne Gummistiefel nass und er solle sich nicht erkälten.

Gründe gegen freies Spielen?

Wartende Kinder am Traktor, Erkältungsgefahr oder eben der „Zweck“ des Zoobesuchs, die ausgestellten Tiere – natürlich gut verständlich, dass meine Freundin in diesen Situationen auf Aufbruch drängte – ich habe es in ähnlichen Momenten selbst schon getan. Und doch unterband sie damit, vermutlich völlig unbeabsichtigt, den Impuls ihres Sohnes zu wirklich eigenständiger Beschäftigung. Und das, obwohl sie genau das, wie sie selbst sagt, eigentlich sehr schätzt.

Dass sie vielleicht zum Aufbruch rief, weil sie selbst die Tiere sehen wollte, keine Lust hatte, im Zooladen, bzw. in der Kälte herumzustehen oder die nassen Kleider ihres Sohnes zu wechseln, fände ich wiederum überaus legitim. Aber vielleicht sollten wir unseren Kindern, wenn wir das nächste Mal zu ihnen sagen: „Spielt doch!“ auch ehrlich hinzufügen: „Aber spielt etwas, was mir gefällt, bzw. was ich für sinnvoll/pädagogisch wertvoll/anderweitig erbaulich erachte.“

Das wäre wohl manchmal ehrlicher, als die Freiheit und Eigenständigkeit unserer Kleinsten zu fordern – und im nächsten Moment dann doch zu beschneiden.

Oder was meint ihr? Einschreiten, wenn es zu laut/zu wild/zu matschig wird? Oder einfach machen lassen? Wieviel – und welches Spiel – erlaubt ihr euren Kindern?

Herzlichen Gruß, Sunnybee

 

„Was ist echte Stärke für dich?“ (Aufruf zur Blogparade)

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Passend zum Wochenauftakt: Der Aufruf zu meiner ersten selbst gestarteten  BLOGPARADE! 🙂

Ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt und zu dem ich jetzt zu meiner ersten „Blogparade“ aufrufen möchte: 

Was ist echte Stärke für dich? 

Anlass für mich ist ein monatliches Frühstückstreffen für allein- und getrennt erziehende Mütter (und Väter), das ich – inzwischen zum fünften Mal – gemeinsam mit Bloggerin Christina von www.getrenntmitkind.de organisiert habe. Drei bis vier Stunden lang sitzen wir im Park (im Sommer) oder in einem Lokal (jetzt im Herbst und Winter), lachen, essen, tauschen uns aus, während unsere Kinder miteinander spielen. Und ich bin jedes Mal wieder begeistert, was für tolle – und starke – Frauen dabei den Weg zu uns finden. (Infos über kontakt[at]mutter-und-sohn.blog)

Daher hier, was echte Stärke für MICH ist:

Echte Stärke ist für mich eine Mischung aus der Fähigkeit, sich wieder aufzurappeln, wenn das Leben einen umgeworfen hat, sein eigenes Verhalten zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen und andererseits auch bei seinem Standpunkt zu bleiben, wenn dieser einem wichtig ist. So wie die Mutter, die, alleinerziehend, für ihre an Diabetes erkrankte Tochter kämpfte, als diese von mehreren Kindergärten aufgrund ihrer Erkrankung als „zu riskant“ abgelehnt wurde. Oder wie überhaupt jede Mutter (und jeder Vater), die (oder der) nach einer Trennung das eigene Leben neu sortiert und sich darauf einlässt, neue Erfahrungen zu machen und wieder liebevolle Beziehungen einzugehen.

Stark ist für mich auch jemand, der sich selbst erkennt und schätzt, aber auch andere sein lassen kann, wie sie sind, es z.B. nicht nötig hat, Fremdes abzuwerten, weil es das eigene Selbstbild bedrohen könnte. Das erlebe ich bei eigentlich allen der klugen, reflektierten Frauen, die bisher den Weg zu unserem Frühstückstreffen gefunden haben – und ich fühle mich dadurch bereichert, gestärkt und inspiriert! 

Wichtig ist mir auch, dass kein Mensch immer stark sein kann. Echte Stärke erwächst meiner Meinung nach aus der Annahme der eigenen Schwäche(n). Bin ich z.B. rechthaberisch, könnte es nur ein weiteres Zeichen meiner Schwäche sein, diesen Umstand vehement zu verneinen. Erkenne ich meine Schwäche jedoch an, kann ich mich dadurch für Alternativen zu meinem bisherigen Verhalten öffnen. Auch diesen Entwicklungsprozess durchlaufen viele der allein- und getrennt erziehenden Frauen und Männer, mit denen ich mich in den letzten Monaten unterhalten habe. Es tut gut, sich darin wiederzuerkennen und gestärkt zu fühlen!

Abschließend möchte ich einen meiner Studierenden zitieren, der zwar weder allein-, noch getrennt erziehend ist, aufgrund seiner Flucht aus Syrien vor drei Jahren aber die Erfahrung eines Bruches in seiner Biographie teilt. Er schrieb mir in einem Essay zur Frage „Was ist echte Stärke für dich?“ folgendes: 

„Echte Stärke ist für mich, wenn ich ganz bewusst und achtsam lebe. Wenn man bewusst lebt, bleibt man bei jedem Schritt in seinem Leben stark. Man kauft bewusst ein und man weiß, was man braucht, man isst bewusst und achtet auf gesunde Ernährung. Man denkt bewusst und bildet sich seine eigene Meinung und lässt sich nicht durch die Medien und andere Menschen beeinflussen. Man achtet darauf, wie man mit seinen Mitmenschen spricht, aber das ist nicht einfach. Wenn man sich die ganze Zeit mit seiner Vergangenheit beschäftigt und Angst vor der Zukunft hat, verliert man die Kontrolle über die Gegenwart. Der Schlüssel von Bewusstsein und bewusstem Leben ist Leben im Hier und Jetzt.“

Wollt ihr mitmachen? Dann 

  1. schreibt euren eigenen Blogartikel zum Thema (vom Bild mit Zweizeiler bis zum ausgearbeiteten Essay ist alles möglich😉) 
  2. Schreibt mir bis zum 15.11.2018 einen Kommentar mit Link zu eurem Artikel, den ich auf meiner Seite online stelle
  3. Verweist in eurem Blog, oder gern auch auf Facebook oder Twitter (@mama_schreibt) auf meinen Blog und diese Blogparade!

Ich freue mich sehr, von euch zu lesen! 

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Habt ihr, Lydia, Charlotte, Christina, Jannike oder auch Samybee, Tilman oder Nadine Lust, mitzumachen? Gerade mit euren ganz unterschiedlichen Biographien fände ich eine Antwort auf meine Frage super spannend! Aber wer auch immer sonst Lust hat, zu schreiben – nur her damit: ich freue mich!😀

„Gut gemacht!“ Eigenlob stinkt (nicht)!

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Was bist du groß geworden!“, „Ei, ein Kacka!“, „Du schläfst ja schon durch!“: Unsere Kinder loben wir großzügig und – je jünger sie sind – mit umso größerem Enthusiasmus. Im Baby- und Kleinkindalter oft sogar für Dinge, die weniger persönliche Leistung als vielmehr biologische Notwendigkeit sind.

Eigenlob stinkt?

Bei uns selbst sind wir da schon knausriger: Wann haben wir Erwachsenen – und speziell wir allein- und getrennt erziehenden Mütter – uns das letzte Mal gelobt? Und ich meine nicht ein geseufztes: „Ist ja gerade nochmal gut gegangen!“ oder ein halbherziges „So schlecht war der Tag heute ja gar nicht“… Ich meine die Art Lob, die das Herz weit macht, ein Lächeln ins Gesicht zaubert und bewirkt, dass du dich leicht, dankbar und schlicht glücklich fühlst. So was in der letzten Zeit erhalten? Von dir selbst?

Autonomie und Selbstliebe

Eine kluge Frau brachte mich kürzlich darauf, dass diese Art des Lobens viel mit (innerer) Autonomie zu tun hat: Nur wenn ich „wer bin“, kann ich auch stolz auf mich sein. Kinder loben wir instinktiv für ihre Schritte in Richtung Autonomie: zunehmende Körperbeherrschung, das erste selbst gesprochene – und später selbst geschriebene – Wort, ihr wachsendes Selbst-Bewusstsein und später das aufkommende Bewusstsein für die Gefühle und Bedürfnisse ihrer Umwelt.

Als Erwachsene schreiben wir uns gemeinhin einen nicht geringen Grad an Autonomie zu: uns sagt (meist) keiner mehr, was wir anzuziehen, zu essen, wie wir zu leben oder wen wir als Partner/in zu wählen haben. Begeben wir uns in Abhängigkeit, dann doch scheinbar „aus freien Stücken“. Wir wählen Wohnort, Lebensstil, Partner/in, den Glauben oder die Ideologie, der wir folgen, selbständig und (relativ) frei.

Dennoch verstehe ich echte Autonomie vor allem als innere Unabhängigkeit – und die entsteht meiner Meinung nach dadurch, dass ich (zunehmend) annehme, was eben ist – an und in mir genauso wie an und in den Menschen, mit denen ich lebe. Je mehr ich das tue, umso mehr Raum gewinne ich: für Leichtigkeit, für ein tragendes Gefühl von Selbstliebe und eben diesen tief gehenden, von Dankbarkeit durchzogenen Stolz auf das, was ich kann, wer ich bin und was ich für mich – und andere – tue.

Eben ein von Herzen kommendes: „Gut gemacht!“ Von mir, für mich selbst. Ein solches „Gut gemacht!“ wünsche ich auch dir – von dir und für dich selbst!

Herzlich, Sunnybee