Flüsterpost I: Welcher Satz hilft dir in schwierigen Situationen?

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Eine Freundin hat mir die Frage gestellt: Gibt es einen Satz, der dich (in schwierigen Situationen) durch dein Leben begleitet?

Ja, den gibt es (ich beantworte damit Frage 1 meiner Flüsterpost).

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.

Für mich der Lackmustest meines Wollens: Will ich etwas wirklich, aus einem tiefen, inneren JA heraus, ist (fast) alles möglich. Ich habe so schon große Reisen geplant und umgesetzt, meinen Wohnort und meinen Arbeitsplatz gewechselt, ein Kind empfangen, das ich ins Leben begleite, Beziehungen beendet oder wieder aufgenommen. Ein tiefes, inneres JA trägt mich und gibt mir die Stärke und Zuversicht, auch weit entfernte äußere Ziele zu erreichen.

Zweifle ich aber, finde Gründe aller Art, dass etwas zu schwer, zu riskant, überhaupt zu … sei – dann will ich meist schlicht nicht wirklich und muss erst die Wahrheit in mir finden, muss warten, bis das Wollen in mir klar ist. 

Ich bin eine Visionärin, die fest auf dem Boden steht. 

Ich denke assoziativ, in Analogien, bin froh, wenn ich ein Ziel anvisieren kann, das ruhig auch (noch) in der Ferne liegt.

Will ich etwas wirklich, bewege ich mich in die Richtung dieses Ziels, mit Ausdauer, Mut und Zuversicht. 

Zugleich wäge ich bei jeder (großen) Entscheidung auch ab: Reichen meine Kräfte? Was erfüllt mich wirklich, was habe ich schon geschaffen – und geschafft – und worauf kann ich bauen? 

Eine Visionärin, mit beiden Beinen auf der Erde.

Dazu passt dieser Satz: 

Das Feuer, das Streben, auch ein tiefes Vertrauen: „Wer will, findet Wege 

– und die bodenständige Rückbesinnung, falls ich mich (noch) nicht bewege: Welche Ausflüchte sage ich mir selbst vor? Womit klebe ich mich am Boden fest, statt zu fliegen? – „Wer nicht will, findet Gründe“.

Der Satz hilft mir, meine Wahrheit zu finden:

Warum verharre ich im „Vielleicht“?

Und:

Wo ist der Weg zu mir?

Ein klares „Ja“ oder ein klares „Nein“. Der Impuls, der wieder Bewegung bringt. In die eine – oder die andere – Richtung.

Gibt es einen Satz, der auch dich trägt, bewegt und begleitet? Schreib mir hier im Kommentar davon, wenn du magst – oder verfasse deinen eigenen Blogartikel zum Thema!🙂

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

 

Kater Mau Tse-Tung. Oder: „Wenn Sie lachen, haben Sie ein wunderschönes Gesicht!“

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Mittagspause: 50 Minuten Zeit zwischen meiner Arbeit und dem Abholen meines Sohnes aus der Kita. Ich beschließe, mir in einer Bäckerei auf dem Weg ein belegtes Brötchen und eine Tasse Kaffee zu holen.

Haben Sie eine Katze?

An einen der Stehtische gelehnt, trinke ich gerade den ersten Schluck, als zwei Herren das Ladenlokal betreten: der eine schätzungsweise Anfang 60, der andere um die 70, schlohweißer Vollbart, Typ emeritierter Privatdozent. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie die zwei umständlich parlierend ihre Bestellung aufgeben. Schließlich stehen sie am Stehtisch neben mir.
„Haben Sie eine Katze?“, beginnt der Ältere der beiden unverzüglich das Gespräch. Etwas verblüfft verneine ich. Das bringt den Herrn jedoch nicht aus dem Konzept: „Aber Sie kennen doch sicher jemanden, der eine Katze hat, oder?“, fährt er fort, um unvermittelt das Thema zu wechseln: „Lesen Sie Bücher? Also, auf Papier?“ Diesmal nicke ich. „Wunderbar!“, der Herr strahlt: „Dann hätte ich genau das Richtige für Sie – sehen Sie, eine Leseprobe…“ Er schiebt mir ein Blatt Papier zu. Offensichtlich eine Rezension, zuoberst der Titel: „Kater Mau Tse-Tung. Wie man einen Menschen hat oder: Über die artgerechte Haltung von Zweibeinern“.

Kater Mau und sein Sekretär

Abwartend sehe ich mein Gegenüber an. „Ich bin nur der Sekretär“, fährt dieser fort. „Sie verstehen, mein Kater Mau… großes Werk der Katzenliteratur… bescheidene Mitwirkung meinerseits… Gedanken des Verfassers per Telepathie übertragen und von mir niedergeschrieben…“ Meine Verblüffung ist mir sicher anzusehen. Zugleich beginnt mich das Gespräch zu amüsieren. Die Herren wirken eigentlich ganz „normal“. Feine Ironie blitzt aus den Augen des Weißbärtigen, während er mir die Vorzüge seines Werks (pardon: das des Katers) beschreibt. Er möchte es mir tatsächlich zum Kauf empfehlen.
„Aha, Mau/Mao Tse-Tung, eindeutige kulturelle Referenzen! -“, steige ich, mit Anspielung auf den Titel, in das Gespräch ein. „Aber gewiss!“, der Herr nickt eifrig: „Sehen Sie, hier -“ Er zeigt auf den ersten Absatz der Rezension. Ich überfliege ihn:

„Dieses sensationelle Sachbuch über die kaum bekannten Hintergründe einer nachhaltigen Menschenerziehung durch das Volk der Hauskatzen sollte in keiner Bibliothek fehlen. Lüftet es doch den Schleier über Geheimnisse und Verfahren, mit deren Hilfe es den Samtpfoten seit Jahrtausenden gelingt, den hoffnungslos in seinen defekten „höheren Ideen“ verlorenen Zweifuß vor dem Allerschlimmsten zu bewahren und ihn sanft aber gnadenlos seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen: der Hege und Pflege, der Bewunderung und Verehrung, der Verwöhnung und Verschmusung der Katzentiere – so, wie es sich gehört!“

Ich muss ihm zustimmen, dass die Welt auf ein solches Werk gewartet hat!

Gesang und Komplimente

Nun ja, das Gespräch geht in dieser Form noch eine Weile weiter, der etwa 60-jährige Herr mischt sich zwischenzeitlich als „Sidekick“ ein, bzw. geht mäßigend dazwischen, wenn seinen Begleiter die Begeisterung zu allzu umfangreichen Monologen hinzureißen droht. Auch eine kurze Gesangseinlage der extra von „Kater Mau“ vertonten und im Buch enthaltenen Kompositionen wird mir geboten… Alles in allem eine wunderbar absurde Situation zwischen Quarkstrudeln und Puddingteilchen!

Nach etwa zehn Minuten habe ich mein belegtes Brötchen verzehrt und verabschiede mich, nicht ohne den beiden viel Erfolg bei der Verbreitung ihres Werks zu wünschen. „Sie haben mich zum Lachen gebracht, danke für das Gespräch!“, rufe ich ihnen zu. Als ich bereits dabei bin, mein Fahrrad neben dem Eingang aufzuschließen, kommt mir der etwa 60-jährige Herr noch hinterher: „Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber wenn Sie lachen, haben Sie ein wunderschönes Gesicht!“

Ich muss noch einmal lachen, bedanke mich herzlich und fahre breit grinsend und kopfschüttelnd davon.

Was will mir das sagen?

Und wäre mir das alles nicht genau so heute, am 13. Juni 2018, passiert, ich würde es wohl nicht glauben. So bin ich froh, dass ich zu Beginn des Gesprächs nicht einfach gebrummt habe: „Kein Interesse“. Denn hätte ich sonst solch eine nette, absurde, herzwärmende Begegnung mit Kater Mau Tse-Tung und seinen Fürsprechern gehabt?

Ein Lob auf das Leben, das sich oft dort am lebendigsten zeigt, wo man es am wenigsten erwartet!

Herzliche Grüße, Sunnybee