Entspannt sein heißt für mich: ganz bei mir selbst zu sein

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Für alle, die meinem Blog in den letzten Tagen verfolgt haben: hier Teil 3 meiner kleinen „Entspannungs-Triologie“!😉

„Was ist wirklich entspannend für dich?“

Lea Heuser stellt im Rahmen einer Blogparade auf ihrer Website genau diese Frage. Auf ihren Aufruf hin habe ich bereits zwei Artikel geschrieben, jeweils aus der Perspektive der getrennt erziehenden Mutter eines kleinen Sohnes. Während mein erster Text die Haltung hinterfragt, mit der ich mir Spannung – oder aber Entspannung – im Alltag mit kleinem Kind erzeuge, sammelt mein zweiter Text konkrete Tipps für eine entspannte Freizeitgestaltung allein mit Kind. 

Entspannung ist für mich mehr als ein Moment der Muße

Mich wirklich zu entspannen geht für mich aber viel tiefer als gemeinsam mit meinem Kind Momente der Muße und Erholung zu finden. Nach der Veröffentlichung der Artikel führte ich ein intensives Gespräch mit einer guten Freundin. Wir unterhielten uns nicht nur über Entspannung, sondern im weiteren Sinn über Achtsamkeit, (Selbst-) Mitgefühl und inneres Wachstum, so dass mir die Idee kam, das Thema Entspannung noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu beleuchten: mit dem Fokus auf mich und meine Bedürfnisse, auch als Mutter, aber eben nicht ausschließlich auf meine Rolle als Mutter bezogen. Daher – voilà – hier Entspannungs-Beitrag Nr. 3!

Ruhe finden im fokussierten Tun

Ich beginne damit, dass ich über das Schreiben schreibe. Vielleicht hast du dich als regelmäßige Leserin oder treuer Leser schon einmal gefragt, wie ich als berufstätige Mutter eines Kleinkindes die Energie und vor allem die Zeit finde, etwa jeden dritten Tag einen Artikel online zu stellen, insgesamt in einem Jahr rund 170 Beiträge. Nun ja, ich schreibe oft abends und manchmal auch nachts, wenn mein Sohn schläft. Ab und an auch mitten am Tag, z.B. während seines Mittagsschlafs. Keimt in mir ein Gedanke und verdichtet sich innerhalb einiger Minuten – oder auch Stunden – zur konkreten Idee, nutze ich schlicht die nächste sich mir bietende Gelegenheit, das Gedachte „zu Papier“ zu bringen. 

Was wiederum die Energie angeht, so gibt mir das Schreiben eher Energie, als dass es sie mir entzieht. Der berühmte „Flow“ des Mihály Csíkszentmihályi: ich verbinde mich, während ich meine Blogartikel verfasse, mit etwas, das mir tief im Inneren wertvoll erscheint. Während ich schreibe, gehe ich in meinem Tun auf, spüre tatsächlich über Stunden weder Hunger noch Durst und bin voller Energie. Die Fokussierung, die ich beim Schreiben aufbringen muss, schenkt mir Entspannung. Dadurch, dass ich mich ohne Ablenkung und in kreativer Weise mit Themen befassen darf, die mich interessieren, komme ich zur Ruhe. 

Wirklich entspannend ist für mich auch, im Beisein anderer sowie alleine ganz bei mir selbst zu sein. 

Was ich damit meine? Ich kann es einerseits „ex negativo“ beschreiben: Bin ich im Zusammensein mit meinem Kind, mit Freunden oder auch in beruflichen Situationen gerade nicht „bei mir“, drängt meine Aufmerksamkeit, mein Fokus, weg von mir und hin zum anderen. „Was will er jetzt von mir?“, „Was denkt sie über mich?“, „Was kann ich tun, damit er oder sie mich mag?“

Bleibe ich umgekehrt bei mir und achte darauf, welche Mechanismen in mir, statt vermeintlich im anderen, ablaufen, verliert die Stimme des plappernden Verstandes ihre Kraft. Ich kann wahrnehmen, dass ich überrascht, erschreckt, erfreut oder sehnsuchtsvoll reagiere, ohne reflexartig den anderen zur Ursache meiner Gefühle zu erklären. Sein oder ihr Handeln mag meine Empfindungen ausgelöst haben, aber mit ihnen umgehen kann (nur) ich selbst. Ich kann dafür sorgen, mir im Gespräch, im Kontakt mit meinem Kind oder auch mit Freunden, Vorgesetzten oder einem Partner den Raum zu geben, den ich gerade brauche. Durch ein klares – innerliches oder auch äußeres – NEIN („Das passt nicht für mich“, „Ich bin nicht Ihrer Meinung“, „Ich möchte, dass du wertschätzender mit mir sprichst“) – und ebenso durch ein klares JA („Es ist wunderschön, mit dir zusammen zu sein“, „Ich möchte dieses Vorhaben mit Ihnen umsetzen“, „Ich liebe dich“). Diese Klarheit im Außen habe ich nur, wenn ich auch innerlich klar und ganz bei mir bin. Dann habe ich es nicht nötig, beleidigt oder furchtsam „um mein Recht“ zu kämpfen, denn ich weiß, dass es ohnehin mein Recht ist, dass meine Bedürfnisse, ebenso wie die des anderen, erfüllt werden – soweit es denn eben möglich ist. Genau darüber (wie es möglich sein kann), können wir verhandeln, aber nicht, ob meine Bedürfnisse – oder die meines Gegenübers – überhaupt relevant sind.

Andererseits muss ich mir mit der Haltung innerer Klarheit auch nicht „beweisen“, dass ich unterhaltsam/ erfolgreich/ liebenswert etc. bin, denn mein Selbstwert hängt nicht davon ab, ob mich jemand anderes für wertvoll hält. Wünsche ich mir also die Zuneigung oder Anerkennung eines anderen, kann ich dies wahrnehmen, ohne die Angst, mich im Falle einer Ablehnung „wertlos“ zu fühlen. Die Abwehr eigener Bedürfnisse (nach Ruhe und Rückzug, Austausch und Kontakt, Sicherheit oder Anerkennung) hängt meiner Wahrnehmung nach oft mit einer diffusen Furcht vor der eigenen Bedürftigkeit zusammen. Dabei ist es ganz natürlich, dass ich geliebt, anerkannt und gesehen werden will. Wir Menschen sind soziale Wesen, wir sind auf die Zuneigung und Wertschätzung anderer angewiesen um uns selbst lieben zu lernen und zu gedeihen. Nicht umsonst sind Liebesentzug, Abwertung und soziale Isolation die schmerzhaftesten Erfahrungen, die wir innerhalb unserer Entwicklung machen können. Aber es sagt eben zugleich nichts über unseren Wert aus, wenn wir diese Wertschätzung von außen nicht erhalten. Das zu erkennen gibt uns wahre innere Freiheit.

Was also entspannt mich wirklich? 

  • Mich auf Dinge, die mir wichtig erscheinen, zu fokussieren und sie in Ruhe und Konzentration verfolgen zu können.
  • Meine Gefühle als das wahrzunehmen, was sie sind: Signalgeber meiner inneren Prozesse und nicht die heimlichen Herrscher über mein Tun. Ich kann sie wahrnehmen, ohne ihnen reflexartig folgen zu müssen und finde dadurch im Zusammensein mit anderen wie mit mir selbst innere Ruhe und echte Entspannung.

Somit ist wahre Entspannung für mich letztlich eins: In tiefem Frieden ganz bei mir selbst zu sein – allein und im Zusammensein mit anderen. 

Und was ist Entspannung für dich?

Wie gehst du selbst mit den (alltäglichen) Anforderungen des Lebens um? Schreib mir hier oder beteilige dich noch bis zum 20.05. an Leas Blogparade!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: privat]

15 Stunden unter Strom: Kind, Beruf und Hochsensibilität

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Ich habe hier im Blog bereits mehrmals über das Leben als hochsensible, berufstätige und getrennt erziehende Mutter eines Kleinkindes geschrieben. In meinem Artikel „Hochsensibel Eltern sein: 5 Tipps für ein glücklicheres Familienleben“ fasse ich zusammen, was hochsensible Wahrnehmung überhaupt bedeutet. Der Text enthält außerdem konkrete Tipps, wie ich im Alltag mit meinem  (kleinen) Kind meinen Bedürfnissen als intensiv wahrnehmende und fühlende Person gerecht werden kann. 

Mein ganz normales Leben

In diesem Text möchte ich euch ein Praxisbeispiel geben: meinen „ganz normalen“ Tag als berufstätige Mutter, der, wie ihr sehen werdet, durch zahlreiche Faktoren geprägt ist, die für hochsensibel wahrnehmende Menschen stressauslösend sein können. Dazu gehören Zeitdruck, ein von außen vorgegebenes Lebenstempo, das kaum Momente der Entspannung und der Muße möglich macht, große Lautstärke, unvorhergesehene Ereignisse, die rasches Handeln erfordern, starke äußere Präsenz ohne die Wahlmöglichkeit, zu welchem Zeitpunkt man in dieser Weise „vor Menschen treten“ möchte, etc. 

Für mich selbst kann ich sagen, dass mich keiner der oben genannten Faktoren per se „aus der Bahn wirft“ (obwohl sie mir alle nicht angenehm sind). Vielmehr empfinde ich den Vergleich mit einem (inneren) Gefäß als sehr treffend: Jeder äußere und innere Reiz lässt den Pegel ein wenig weiter steigen – ähnlich, als würde man Wasser in ein Glas füllen. Irgendwann ist der Glasrand erreicht und ab diesem Punkt erfüllt mich ein Gefühl der Anspannung, Irritation und Gereiztheit: „es reicht“, ich fühle mich körperlich und seelisch überlastet. Diesen Zustand des Überreizt- und Gestresstseins kennen natürlich auch Menschen mit nicht-hochsensibler Disposition. Ich würde sagen, lediglich der Zeitpunkt, an dem „das Maß voll“ ist, ist bei hochsensiblen Menschen früher erreicht – es fließen schlicht mehr Reize in unser seelisches Gefäß. 

„Action“ von 6 bis 21 Uhr

Was also tun, wenn das Kind mich um sechs Uhr weckt und am liebsten noch im Bett mit mir Verstecken spielen oder für eines seiner Kuscheltiere eine „Geburtstagsparty“ ausrichten möchte? Duschen, Anziehen und Frühstück zubereiten erfolgt ab Minute eins des Tages in der Gesellschaft eines wahlweise fröhlich plappernden, aufgeregt herumtobenden oder quengelnden Kleinkindes. Bevor ich irgendwann zwischen 8 und 10 Uhr bei meiner (bezahlten) Arbeit erscheine, habe ich schon etwa 100x beschwichtigt, wohlwollend kommentiert, getröstet, Grenzen gesetzt, ermutigt, meinen Sohn gebremst und angetrieben – und dabei Brote für den Kindergarten zubereitet, Kleider und meine Arbeitsunterlagen zusammengesucht, Betten gemacht und die Küche notdürftig wieder aufgeräumt. Danach die Fahrt zum Kindergarten, der fröhliche – oder an manchen Tagen auch tränenreiche – Abschied: drei bis vier Stunden Action, bevor der offizielle Arbeitstag überhaupt beginnt. 

Als Lehrerin bin ich, wie Menschen in anderen sozialen Berufen, abermals Dutzenden von Reizen ausgesetzt, sobald ich nur das Schulgebäude betrete. Während meiner Unterrichtszeit – und oft auch noch in den Pausen – kommuniziere, plane, beurteile, ermutige, bremse, schlichte und moderiere ich. Ich scherze mit Kolleginnen und Kollegen, treffe Absprachen und trage Konflikte aus. Und nicht zuletzt vermittle ich natürlich in meinem Unterricht noch die – zum Teil komplexen – Inhalte meiner Fächer. Etwa 5-6 Zeitstunden lang stehe ich damit pro Tag während meiner Unterrichtszeit quasi nonstop unter Strom – oft tatsächlich ohne nennenswerte Pausen. 

Nach der Arbeit dann kehre ich zurück in meinen zweiten „Job“: ich hole meinen Sohn vom Kindergarten ab und betreue ihn nochmals 4-5 Stunden, bis er (endlich) schlafen geht. Oft sind wir zu diesem Zeitpunkt bereits beide erschöpft, was mir – je nach Tagesverfassung – ein kuscheliges, liebevoll anhängliches oder aber wütend forderndes Kleinkind beschert. Gegen acht bis neun Uhr schläft mein Sohn meist – und manchmal bin ich beim Ins-Bett-Bringen bereits selbst eingeschlafen, bevor er sich auch nur zur Seite drehen konnte…

Was trägt mich durch Tage wie diesen?

Tage wie dieser sind mein Alltag – und sind für mich als hochsensibel empfindenden Menschen eigentlich purer Stress. Was hilft mir also, in diesem „Sturm des Lebens“ dennoch die Ruhe zu bewahren? 

1) Stress überhaupt als Stress wahrnehmen 

Körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit, Kopf- oder Rückenschmerzen, Heißhunger oder ausbleibender Appetit, aber auch die klassische hartnäckige Erkältung, die Stimme, die wegbleibt, die Magenverstimmung oder das Sodbrennen, das uns quälen mag, ebenso wie hartnäckige Unlust, kreisende, negative Gedanken oder konstante Gereiztheit sind alles Faktoren, die uns darauf hinweisen können, dass wir körperlich und seelisch überlastet sind. Das wahrzunehmen und auf die Ursache des Symptoms statt auf das Symptom selbst zu reagieren sehe ich als absolute Notwendigkeit an für hochsensible Menschen in fordernden Lebenssituationen. Wir können schlicht weniger „wegdrücken“, bevor wir mit – gegebenenfalls gravierenden – körperlichen und seelischen Beschwerden auf Überlastung reagieren. 

Ich z.B. wache häufig in den frühen Morgenstunden auf und kann nicht mehr einschlafen, wenn ich beruflich stressige Phasen durchlebe. Statt im Dunkeln liegen zu bleiben und ins Grübeln zu geraten, hilft mir in solchen Momenten, mich zu bewegen oder meine Gedanken niederzuschreiben. Häufig komme ich erst dabei den Gefühlen hinter meiner Anspannung auf die Spur. Wut, Angst oder Trauer auszudrücken (in Worten, Gesten oder Tränen), statt nur die Spannung auszuhalten, die sie erzeugen, ist erleichternd. Und führt häufig dazu, dass gerade dann sich auch der Schlaf wieder einstellt. Unsere Gefühle wollen uns unseren Weg zeigen, wir dürfen sie nicht fürchten!

2) Inseln der Ruhe und Schlaf

Genauso wichtig wie das Wahrnehmen meiner Gefühle (sowie der dahinter liegenden Bedürfnisse) empfinde ich, mir den Raum für mich selbst zu geben. An Tagen, die mir kaum echte Pausen möglich machen, erreiche ich das für mich durch Langsamkeit während meiner Aktivitäten. Also mittags kein schneller Snack auf die Hand im Gehen. Statt dessen setze ich mich für das Essen bewusst hin und konzentriere mich für zehn Minuten oder eine Viertelstunde tatsächlich allein auf meine Mahlzeit. Will ein Kollege oder Schüler zwischen Tür und Angel eine Entscheidung von mir, hilft mir oft die Aussage, darüber müsse ich noch nachdenken und dass ich einen Termin, z.B. am nächsten Tag, vereinbare, um das Ganze in Ruhe zu besprechen. Und meinem Sohn gegenüber schlage ich Aktivitäten vor, bei denen ich mich selbst entspannen kann. Ich lasse ihm z.B. ein Bad ein, lese ein Buch mit ihm oder packe ihn bei schönem Wetter auf den Fahrradsitz und radle den nächsten Radweg entlang. Nur wer sich auch erholen kann bleibt dauerhaft leistungsfähig. Ich habe die Verantwortung für mich selbst und mein Kind, also muss ich danach handeln!

3) Es darf auch mal „schei..e“ sein

Gelassenheit bei Konflikten mit dem Partner oder der Partnerin, mit Freundinnen oder Kollegen, oder wenn unvorhergesehene Ereignisse alle eigene Planung über den Haufen werfen – sie ist ein hehres Ziel. Aber was erreiche ich, wenn ich mir sozusagen „befehle“, Dinge nicht so ernst zu nehmen, bzw. nicht so „empfindlich“ zu sein? Wozu führt mein Anspruch, die Wut, Verwirrung oder Nervosität, die äußere Ereignisse in mir auslösen, bitte jetzt und sofort weniger intensiv zu spüren? Nun ja – höchst wahrscheinlich werden all meine negativen Gefühle nur noch stärker. 

Die Situation, mit der ich konfrontiert bin, ist wie sie ist. Und ich reagiere darauf nun mal auf eine gewisse Weise. Ich finde etwas nicht plötzlich angenehm oder gut handhabbar, bloß weil ich es mir befehle. Manchmal muss ich mir im Gegenteil zugestehen, WIE wütend, (innerlich) angstbibbernd oder todtraurig mich eine bestimmte Situation macht und ggf. auch annehmen, dass ich mich schlicht hilflos oder überfordert fühle, um erst dann die Erleichterung spüren zu können, dass ich eben auch nicht alles souverän bewältigen muss. Es ist normal, dass ich Angst, Wut oder Trauer spüre, dass sich das Leben manchmal schei…e anfühlt – ich darf das fühlen. Und ich darf sogar danach handeln. Indem ich mal laut werde und ungeduldig oder mich auch zwei Tage krank melde, selbst „nur“ wegen einer starken Erkältung und weil ich offensichtlichen genau in diesem Moment eine Auszeit brauche. Aber ich brauche nicht zusätzlich Angst haben, jetzt nur noch überfordert, nie wieder fröhlich oder eine „schlechte Mutter“ zu sein. 

Als hochsensibler Mensch muss ich lernen, mit meinen starken seelischen Reaktionen auf äußere Eindrücke umzugehen. Was weniger fein wahrnehmende Gemüter kaum registrieren, kann bei uns Hochsensiblen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Meine Aufgabe ist also nicht, weniger zu fühlen, sondern ich muss lernen, weniger verunsichert auf meine Gefühle zu reagieren. Das mag nicht leicht sein, wenn ich gegebenfalls jahrelang gehört – oder mir selbst eingeredet – habe, meine Wahrnehmung sei übertrieben oder zu „zimperlich“. Aber ich kann genau diese Annahme meiner Gefühle lernen, z.B. mit einem Ansatz wie dem der ACT-Therapie (Acceptance and Commitment Therapy), der dabei unterstützt, die eigenen Gefühle wahr- und anzunehmen, sich jedoch nicht komplett von Ihnen überrollen zu lassen. 

Es geht nicht darum, dass alles gut ist, es geht darum, das ich mit dem umgehen kann, was ist. Genau das wünsche ich dir, egal ob du dich als hochsensibel wahrnimmst oder nicht!

Herzlichen Gruß, Sunnybe

Mehr Infos zum Thema „Hochsensibilität“ findet ihr z.B. auf zartbesaitet.net oder auf Lichtiges.de, der Seite der Kölner Autorin und Trainerin Caren Klaschka, die Themenabende und Coachings speziell für Hochsensible anbietet.

Außerdem zwei lesenswerte Bücher zum Thema Acceptance and Commitment Therapy (ACT) (auch für nicht-hochsensible Menschen😉):

Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei“ von Russ Harris: Ein einfach zu lesender und dennoch fundierter Ratgeber mit konkreten Übungen, um die Grundsätze der Acceptance-and-Commitment-Therapy in den Alltag zu integrieren.

Das Leben annehmen“ von Matthias Wengenroth: Umfassende Information zum Thema ACT. Das Buch geht ausführlich auf die psychischen Prozesse ein, die dazu führen, dass wir negative Gefühle haben und zeigt Möglichkeiten auf, wie wir diesen mithilfe von Achtsamkeit und klaren inneren Werten selbstbestimmt begegnen können.

[Alle Links sind persönliche Empfehlungen und keine bezahlte Werbung]

[Foto: Pixabay]

Geduld: Wie sie uns hilft, unsere Ziele zu erreichen

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Tempo, Tempo! Unsere Welt zelebriert die Geschwindigkeit. Wir bewegen im Netz gigantische Datenmengen, beantworten unsere Mails innerhalb weniger Stunden und werden nervös, wenn unsere Freunde nicht umgehend zurückrufen, obwohl sie unsere Nachricht offensichtlich bekommen haben.

Geduldigsein ist unbeliebt

„Gedulde dich!“ Das hören wir nicht gern. Wir möchten über unsere Zeit frei bestimmen können, möchten auch bei Entscheidungsprozessen eine Lösung möglichst sofort oder wenigstens in klar definierter Zukunft erhalten. Nicht umsonst gibt es in vielen Behörden Wartemarken, anhand derer wir uns orientieren können, wann wir an der Reihe sind: sie strukturieren die Zeit, die wir wartend verbringen und erleichtern es uns somit, geduldig zu sein. 

Aber was tun wir in Situationen, die uns Geduld ohne Wartemarke abverlangen? In denen wir zum Teil noch nicht einmal wissen, ob wir das Ziel, das uns vorschwebt, irgendwann erreichen? Wie gehen wir mit Prozessen um, deren Tempo wir nicht beschleunigen, die wir noch nicht einmal aktiv steuern können? 

Geduld ohne klares Ziel

Gerade innere Entscheidungsprozesse fordern oft, dass wir auf ihr Ergebnis warten können: Egal, ob wir über eine berufliche Veränderung nachdenken, über einen Wohnortswechsel oder über Dinge, die wir in unseren privaten Beziehungen ändern wollen, schnell geht da meist gar nichts. 

Oft steht uns zunächst nicht mehr zu Verfügung als die Wahrnehmung: „Hier stimmt was nicht“. Aber damit spüren wir häufig noch keinen eindeutigen Impuls in eine andere Richtung. „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“, so ließ schon Goethe seinen Dr. Faustus klagen. Je nach Temperament neigen wir dazu, das ursprüngliche Unbehagen zu negieren und zu versuchen, „alles beim Alten“ zu lassen – oder aber wir verfallen in hektischen Aktionismus: irgendwas müssen wir doch tun – die aktuelle Situation ist jedenfalls unerträglich. 

Bewegung braucht ein Ziel

Aber wohin bewegen, wenn das Ziel noch gar nicht klar ist? Gerade große, weitreichende Entscheidungen fallen uns ja nicht umsonst oft schwer. Zum Teil liegt das schlicht daran, dass wir eben nicht wie Maschinen funktionieren. Unser Leben ist keine rationale Gewichtung von Für und Wider (auch wenn wir uns das mit entsprechenden Listen zuweilen suggerieren). Soll ich mir eine andere Arbeit suchen? Und falls ja, welche? Da streiten sich häufig nicht nur Sicherheitsbedürfnisse mit dem Bedürfnis nach mehr Anregung oder weniger Konflikten, je nachdem, womit wir in unserem aktuellen Beruf unzufrieden sind; darüber hinaus sind wir mit der Frage konfrontiert: „Was ist eine echte Alternative?“ Welche Talente habe ich – und kann ich diese in einer Weise praktisch nutzen, so dass ich in absehbarer Zeit mein Leben davon finanzieren kann? Wie sieht es mit so handfesten Dingen wie Krankenversicherung und Altersvorsorge aus, wenn ich mich beruflich neu orientiere? 

Im privaten Bereich fühlt sich das oft noch essentieller an. Den Sprung in eine neue Partnerschaft wagen oder innerhalb einer bestehenden Partnerschaft ganz neue Wege versuchen? Was, wenn ich mich hier „falsch“ entscheide? Im schlimmsten Fall merke ich meinen Irrtum erst, wenn ich Menschen unwiderruflich verletzt und wichtige Brücken abgebrochen habe?

Entscheidungen sind korrigierbar

Nun ja, abgesehen davon, dass jede Veränderung auch immer nur EIN Punkt einer langen Kette von Entwicklungen ist und sich fast keine Entscheidung nicht auch wieder revidieren ließe – besteht eben die Krux aller wichtigen Entscheidungen darin, dass ich erst einmal innerlich Klarheit gefunden haben muss um meine Ziele im Außen verfolgen zu können. Also habe ich – neben der irrationalen Angst, mein Leben mit einer Entscheidung unumkehrbar in eine falsche Richtung zu lenken – die ganz reale Aufgabe, mir überhaupt erst über meine Wünsche und konkreten Ziele klar zu werden. 

Und genau hier kommt die Geduld ins Spiel. Denn versuche ich, diesen Klärungsprozess zu beschleunigen oder gar, ihn durch Aktionismus zu umgehen, erlebe ich allzu oft wenig später, dass schon wieder alles „stockt“, dass ich noch immer mit Dingen unzufrieden bin, die ich eigentlich lösen wollte – oder umgekehrt, dass mich allzu schnell der Mut verlässt, eben weil ich innerlich noch nicht sicher genug bin, dass der eingeschlagene Weg wirklich der richtige ist. 

Was ich durch Hefekuchen lernte

Mit etwa 12 Jahren backte ich als eine Art Hobby regelmäßig sonntags für meine Familie Hefegebäck. Mein ganzer Stolz war, dass mir der Teig wunderbar luftig gelang. Entsprechend sorgfältig mischte ich das Milch-Mehl-Hefegemisch und ließ es an einem warmen Ort ruhen, war ich mir doch bewusst, dass gerade diese Ruhezeiten den Teig schließlich „aufgehen“ und sich zu seiner vollen Pracht entwickeln ließen. 

Ein bisschen – man verzeihe mir das „Küchenlatein“ – ist es mit wirklich großen, weitreichenden Entscheidungen meiner Meinung nach wie mit diesem Hefeteig. Wir müssen die Zutaten mischen (uns Informationen beschaffen, welche Möglichkeiten uns zu Verfügung stehen, uns über rechtliche und finanzielle Konsequenzen beraten lassen, Dinge im Kleinen ausprobieren, mit guten Freunden oder professionellen Ratgebern über unsere Hoffnungen und Befürchtungen sprechen); aber bevor wir handeln, ist oft genau so ein „Gärungsprozess“ erforderlich. All die Informationen, die wir über Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre, gesammelt haben, müssen sich setzen und sortieren. Die dabei wahrnehmbare äußere Untätigkeit ist in diesem Zusammenhang nicht zu verwechseln mit Stillstand, denn de facto spielen sich innerlich gewaltige Umwälzungsprozesse ab. Nicht umsonst weist der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth darauf hin, dass Stress – und darunter fällt auch (gefühlter) Zeitdruck bei Entscheidungen – ein entscheidender Faktor ist, der uns während des Entscheidens blockiert. Lassen wir die Informationen eine Weile „ruhen“ und unterbrechen damit (scheinbar) den aktiven Entscheidungsprozess, können sich diese neu sortieren und eines Morgens wachen wir tatsächlich auf und spüren in aller Deutlichkeit: „Hier geht’s lang!“ 

Das ist der Moment, in dem wir vom Planen zum Handeln kommen – und unsere Ziele Wirklichkeit werden lassen.

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Ein weises Gedicht Rainer Maria Rilkes passt, wie ich finde, wunderbar zum Thema: 

„Habe Geduld gegen alles Ungelöste in deinem Herzen und versuche, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind.

Forsche jetzt nicht nach den Antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst, und es handelt sich darum, alles zu leben.

Lebe jetzt die Fragen – Vielleicht lebst du dann allmählich, ohne es zu merken eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

Wie riecht der Februar? Eine Übung in Achtsamkeit

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Wonach riecht eigentlich der Februar?

  • nach von Regen durchnässten, in der Tasche vergessenen Wollhandschuhen?
  • nach Schweiß unter Winterjacken, wenn der Frost des Morgens am Mittag frühlingshaften Temperaturen gewichen ist?
  • nach Holzkohlerauchfäden, die die Luft durchziehen?
  • nach erdbeerliköriger Kotze, Polyesterstoff und dem Fettstift der Schminke an Karneval?
  • nach Puderzucker, der beim Hineinbeißen von Fastnachtskrapfen aufstiebt?
  • nach lehmig in der Sonne verdampfenden Pfützen?

Meine Mitbloggerin fundevogel hat mich mit ihrem wunderbaren Blogbeitrag zu den Düften des Januars dazu inspiriert, in den Februar hineinzuschnuppern. 

Ein Geruch und drei Erkenntnisse

Ich tat es während der Fahrt von meiner Arbeitsstelle zum Kindergarten meines Sohnes und bemerkte drei Dinge:

  • während man Rad fährt, riecht man (fast) nichts. Der Fahrtwind lässt nur die Wahrnehmung der intensivsten Gerüche zu. Das wirkliche Riechen erfordert also offensichtlich, ebenso wie das wirkliche Betrachten, ZEIT!
  • Wirklich Riechen, Schnuppern, Wahrnehmen schenkt auch Zeit. Die verbrachte Zeit scheint sich zu dehnen. Ich denke das in den Sekunden, nachdem ich tatsächlich vom Rad abgestiegen bin, mich zu einer Pfütze herunterbeuge und versuche, den leicht kalkigen, erdigen Duft des verdunstenden Wassers einzufangen. Jetzt, während ich die Erinnerung daran niederschreibe, muss ich an Momo denken, Hauptfigur des gleichnamigen Kinderbuchklassikers des Autors Michael Ende: als alles hetzt und rennt und die unheimlichen „grauen Männer“, die „Zeitdiebe“ dieser feinsinnigen Parabel, ihr auf den Fersen sind, bewegt sie sich so langsam es geht, Schritt für Schritt, folgt einer Schildkröte, die ihr den Weg zu ihrem nächsten Ziel weist. Daran muss ich denken, als ich, gebeugt über „meine“ Pfütze, den Fluss des Tages für einen Augenblick durchbreche: das bewusste sich Zeit Nehmen gibt gefühlt Zeit zurück.
  • damit bin ich bei dem, was mir diese Meditation über den Duft, den flüchtigsten aller sinnlichen Eindrücke, deutlich macht: werde ich langsam, weitet sich meine Wahrnehmung. Und lasse ich zu, dass das geschieht, geschieht etwas Wunderbares: ich komme wieder bei dem an, was ich tue. Frei nach Eckhart Tolle: Jetzt! Und Jetzt. Und Jetzt. 

Als Mensch mit ohnehin feiner Wahrnehmung, manchmal überflutet von den Reizen einer Großstadt und dem Leben, das mein Alltag als berufstätige und getrennt erziehende Mutter mit sich bringt, ist dieser Augenblick eine willkommene Erinnerung: 

Das Leben zeigt sich dir als erfüllend, lebensvoll und wunderbar – wenn du ihm den Raum dazu gibst. 

Herzliche, feinsinnige Grüße an diesem Wochenende, Sunnybee

PS. Wer mag, hier eine Buchrezension von mir zum Thema: 

Jorge Bucay: „Drei Fragen“ und Eckhart Tolle: „Jetzt!“

[Foto: Pixabay]

Jorge Bucay: „Drei Fragen“ und Eckhart Tolle: „Jetzt!“

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Mit Büchern ist es für mich wie mit Menschen: 

Ich lasse mich nicht gern verkuppeln. 

Entsprechend bin ich gar nicht besonders erfreut darüber, Bücher geschenkt zu bekommen, erst recht nicht mit der Empfehlung: „Das könnte dich interessieren.“ Ich bin eine begeisterte Leserin und habe zugleich, als berufstätige, getrennt erziehende Mutter eines Kleinkindes, nicht besonders viel Zeit, um in Ruhe zu schmökern. Somit ist jede Beziehung, die ich mit einem neuen Buch eingehe, für mich etwas Besonderes. Ich treffe meine Auswahl mit Bedacht – und möchte sie mir nicht von anderen treffen lassen. 

Das vorweg zum ersten der beiden Lebensratgeber, die ich hier vorstellen möchte. 

Eckhart Tolle: „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“

Fast jeder, der sich mit den Themen Achtsamkeit, Selbstfürsorge und bewusster Wahrnehmung befasst, dürfte auf Eckhart Tolle stoßen. Als Klappentext der Ausgabe, die ich geschenkt bekam, mit der Empfehlung, das Buch werde mich begeistern (!), erklären die Fernsehmoderatorin Nina Ruge, Jazz-Musiker Roger Cicero und Schauspielerin Ursula Karven sinngemäß, das Bändchen habe ihr Leben verändert. Darunter grinst mich ein Brillenträger in Kordjacket an – Eckhart Tolle himself – und die Erläuterung zu seinem Werk erklärt, seine „profunde und gleichzeitig […] einfache Lehre“ habe unzähligen Menschen in aller Welt geholfen, „Frieden und […] Erfüllung“ zu finden. 

Nun ja. In der Buchhandlung hätte ich das kleine gelbe Buch wohl zur Seite gelegt. So hatte ich es aber schon in der Hand und begann zu lesen. Zunächst eine klassische „Erweckungsgeschichte“: Eckhart Tolle, ein junger Mann um die 30, ist von Ängsten und Depressionen geplagt und erlebt eines Morgens einen Moment völliger Haltlosigkeit. Alles, woran er sich als „Identität“ geklammert hat, kommt ihm bedeutungslos vor, bzw. scheint ihm zu entgleiten. Er reagiert darauf – verständlicherweise – mit großer Angst und fällt schließlich in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf. Als er daraus erwacht, hat sich seine Wahrnehmung gewandelt: er spürt nun, dass seine äußere Identität, Beruf, Status, seine Beziehungen, Hoffnungen und Erwartungen tatsächlich nur eine äußerliche Hülle sind. Eine Art „Scheingewand“, unter dem sein wahres Selbst – und damit ein tiefer Frieden – verborgen ist. Ein SEIN, das einfach da ist und sich in Dankbarkeit und Annahme mit allem verbindet und verbunden fühlt. 

Der Rest des Buches ist ein (fiktiver) Dialog zwischen einem klugen Schüler und seinem nicht minder klugen Lehrer. Eines der „Gespräche“ klingt z.B. so: 

– [An meiner Lebenssituation] festzuhängen ist es, was mich unglücklich macht.

– Vergiss für eine Weile deine Lebenssituation und gib deinem Leben die Aufmerksamkeit.

– Was ist der Unterschied?

–  […] Deine Lebenssituation ist eine Einbildung des Verstandes. Dein Leben ist wirklich. Finde das „schmale Tor, das zum Leben führt“. Es heißt: das Jetzt. Reduziere dein Leben auf diesen Moment. Deine Lebenssituation mag voller Probleme sein – das sind die meisten Lebenssituationen -, aber finde heraus, ob du in diesem Moment irgendein Problem hast. Nicht morgen oder in zehn Minuten, sondern jetzt. Gibt es jetzt ein Problem? […] Benutze deine Sinne. Sei völlig da, wo du bist. Schau dich um. Schau nur, interpretiere nicht. Sieh das Licht, sieh Konturen, Farben, Materialien. Sei dir der stillen Gegenwart aller Dinge bewusst. […] Erlaube allem zu sein, innen und außen. Erlaube das „So-Sein“ aller Dinge. Bewege dich tief ins Jetzt hinein. Du lässt die abstumpfende Welt von geistiger Abstraktion und von Zeit hinter dir. Du verlässt den kranken Verstand, der dir deine Lebensenergie entzieht, so wie er auch langsam die Erde vergiftet und zerstört. Du erwächst aus dem Traum von Zeit in die Gegenwart.

Tja, damit hatte Herr Tolle mich für sich gewonnen. Nicht, weil ich immer schon mal „meinen kranken Verstand ablegen“ wollte, sondern weil ich intuitiv nachvollziehen konnte, welche Erleichterung und Freude im wirklich „Gegenwärtig-Sein“ liegen kann. Ich las also weiter. Und empfehle das Buch jetzt hier. Vor allem aber lebe ich, so oft es geht,  tatsächlich mein Leben und nicht meine Lebenssituation, z.B. indem ich auf dem Weg von meinem Arbeitsplatz zum Kindergarten meines Sohnes erschnuppere: „Wie riecht der Februar?“ 🙂

Jorge Bucay: „Drei Fragen“

Und damit zu einem zweiten klugen Buch, das mich seit Jahren begleitet, in dem Sinn, dass ich immer mal wieder hineinlinse, mich festlese und klüger und bestärkt daraus hervortauche. „Drei Fragen“ habe ich ebenfalls  nicht gesucht. Eine Freundin hatte mich zu einer Lesung von Jorge Bucay eingeladen, den ich davor nicht kannte. So saßen wir denn zwischen etwa 40 anderen Leserinnen und Lesern und hörten uns die Geschichten dieses rundlichen, gut gelaunten Manns mittleren Alters an, der es schaffte, uns die größten Fragen des Lebens „Wer bin ich?“ „Wohin gehe ich?“ „Und mit wem?“ nonchalant wie Zuckergebäck zu präsentieren und noch einige mögliche Antworten mit dazu. 

Kein Guru, der sagt: So ist es richtig, das ist der eine, rechte Weg zum Glück.

„Selbstverständlich geht es nicht darum, sich sklavisch an irgendein Konzept zu halten, das ich hier aufstelle. Wie jeder weiß, entspricht die Karte niemals exakt dem Gebiet und so ist auch jeder Leser aufgerufen, den Kurs zu korrigieren, wann auch immer der Autor seiner Meinung nach falschliegt. Nur so werden wir am Schluss zueinanderfinden. Du mit deinen Antworten und ich mit meinen. Das heißt, du hast deine Antworten gefunden. Und ich die meinen.“

Das hörte sich für mich vielversprechend an. Zumal ich die drei Fragen, die Bucay aufwirft, höchst spannend fand – und finde:

„[…] Die erste Aufgabe ist es, herauszufinden, wer ich bin. Die definitive Begegnung mit mir selbst. Zu lernen, von niemandem abhängig zu sein.

Die zweite Aufgabe besteht darin, mich zu entscheiden, wohin ich gehe. Die Suche nach Erfüllung und Sinn. Unsere Bestimmung im Leben zu finden.

Und als Drittes gilt es sich auszusuchen, mit wem. Die Begegnung mit dem anderen und den Mut, all das zurückzulassen, was sich nicht stimmig anfühlt. Sich der Liebe zu öffnen und die passenden Wegbegleiter zu finden.“

Der Kreis schließt sich

An dieser Stelle treffen Bucay und Tolle dann wohl aufeinander: Wo ich tief im Inneren bei dem bin, was IST und mit dem einverstanden bin, wer ich bin, kann ich im Außen mit der Welt und den Menschen in echte Verbindung treten. Spüre ich dieses tiefe Stimmig- und Gegenwärtig-Sein in mir, brauche ich außen niemanden, der mir sagt, wohin ich gehen soll. Und ich kann für andere, ebenso wie für mich, eine Quelle des Friedens, der Liebe und der Akzeptanz werden. 

Ich würde sagen, allein um an diesen klugen Gedanken teilzuhaben, lohnt sich der Kauf dieser beiden Werke. 

Herzliche, philosophische, Grüße, Sunnybee

PS. Wie immer sind die Bücher, die ich hier vorstelle, persönliche Empfehlungen. Ich erhalte dadurch keinerlei finanziellen Vorteil und verfolge keine kommerziellen Interessen.

Warum mir Zeiten digitaler Stille wichtig sind: Ein Selbstversuch

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Ab sofort gibt’s hier im Blog an ZWEI festen Tagen neue Beiträge zu lesen: MITTWOCHS und SAMSTAGS. 

Ich mache damit einen Selbstversuch. Warum?

  1. Ich schreibe für meinen Blog unheimlich gern und gerade auch sehr viel, die Tastatur steht sozusagen nicht still😉. Das macht mir ehrlich Spaß und hat einen tollen „Nebeneffekt“: inzwischen lesen eine Menge Leute meine Artikel und nicht wenige von euch beehren mich mit ihren tollen, durchdachten, oft auch persönlichen Kommentaren, die ich sehr gern beantworten will. 
  1. Das Netz ist – jawohl – schnell und immer verfügbar. Ping Ping. Kurznachrichten, Chats, E-Mails, die Kommentare und Benachrichtigungen, die mich über meinem Blog erreichen: ein stetes „Hintergrundrauschen“, das mein Leben untermalt. Dutzende Extra-Reize, die meine Handlungen, Gedanken, Gespräche jeden einzelnen Tag unterbrechen. Dazu sage ich jetzt einfach mal STOP. 

Ob mir das gelingen wird? 

Ich habe hier im Blog schon einmal geschrieben, warum mir Zeiten digitaler Stille wichtig sind. 

Zur (eigenen) Erinnerung: 

  • weil ich mit meinen besten Freund/innen und mit meiner Familie an einem Tisch zusammensitzen und mit ihnen sprechen will, nicht chatten oder Sprachnachrichten austauschen, die neue Form des „sich gegenseitig auf den Anrufbeantworter Sprechens“. Das tue ich für meinen Geschmack schon viel zu oft. 
  • weil ich merke, es entspannt mich, wenn ich längere Zeit am Stück mein Handy nicht in der Hand habe, keinen neuen Informations- und Kommunikations-Input erhalte, keine zusätzlichen Reize in meinem ohnehin reizintensiven Alltag. 
  • weil ich mich ertappt habe, wie ein Pawlowscher Hund auf das Signal „Sie haben Post“ zu reagieren: es zuckt mir in den Fingern und ich spüre den deutlichen Drang, nachzusehen, wer da was geschrieben hat. Frei nach McLuhan: „The Medium is the Message“: diese Nachricht will ich gar nicht empfangen. Das ist mir für meinen Geschmack entschieden zu konditioniert!

Daher lese – und schreibe – ich jetzt versuchsweise zu festen Zeiten.

Die restliche Zeit bleibt mein Handy AUS. So richtig. Ohne Empfang. In der Tasche, bzw. gleich im Schrank. Mal sehen, was passiert. 

Vermutlich einfach nur himmlische Ruhe?!

Vielleicht hat der eine oder die andere ja sogar Lust mitzumachen? Dann freue ich mich – wie immer – über Kommentare, wie es euch dabei ergangen ist. Ich lese und beantworte sie dann, wenn mein Handy wieder an ist. Vermutlich nächsten Samstag!😀

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

Hochsensibel Eltern sein: 5 Tipps für ein glücklicheres Familienleben

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Eine hohe Empfänglichkeit für äußere und innere Reize und intensive Gefühle während ihrer Verarbeitung – so in etwa lässt sich „Hochsensibilität“ in kürzester Form definieren.

Hochsensibilität ist eine körperliche Besonderheit, die Auswirkungen auf das psychische und physische Wohlbefinden haben kann. Entsprechend müssen hochsensibel empfindende Menschen Wege finden, mit ihrer Disposition umzugehen, um einer Welt, die ihnen oft als zu laut, zu schnell und manchmal auch zu unüberschaubar erscheint, gerecht zu werden. Tun sie dies nicht, bzw. gehen Eltern nicht auf die Bedürfnisse ihres hochsensiblen Kindes ein, kann dies zu massiven Anspannungs- und Stresssymptomen führen, wie z.B. Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhter Aggressivität und Unruhe, aber auch Angstgefühlen und Niedergeschlagenheit. 

Die Pflicht, gut für sich selbst zu sorgen

Als hochsensibel wahrnehmende  Mutter oder hochsensibler Vater habe ich die Verantwortung – ich würde sogar sagen, die Pflicht – gut für mich zu sorgen und damit nicht nur mich, sondern auch die mir am nächsten Stehenden (Kinder und ggf. den Partner, bzw. die Partnerin) zu schützen sowie mir und meiner Umwelt die Möglichkeit zu geben, mein Potential als Mensch und Mutter oder Vater voll auszuschöpfen. 

Mutter oder Vater sein ist ein „Fulltime-Job“. Für mein(e) Kind(er) bin ich 24/7 verantwortlich, selbst wenn ich sie nicht die ganze Zeit um mich habe. Potenziert wird dieses Gefühl des „Rund-um-die-Uhr-Zuständigseins“, wenn ich zusätzlich zu meiner Aufgabe als Mutter oder Vater einen Beruf ausübe und somit in einem zweiten Bereich Verantwortung trage, oder wenn ich gar alleinerziehend bin und damit emotional (und oft auch praktisch) die Fürsorge und Erziehung meiner Kinder alleine schultern muss.

5 praktische Tipps für einen entspannteren Alltag

Wie soll das alles mit hochsensibler Disposition möglich sein? In diesem Fall brauche ich die Auszeiten für mich körperlich, um nicht nach einiger Zeit überreizt zusammenzubrechen, bzw. zu explodieren. Und das unter den Umständen, die das Zusammenleben mit (kleinen) Kindern eben mit sich bringt: viel und schnell wechselnde Aktivität, oft große Lautstärke, Gefühlsausbrüche in sekundenschnellem Wechsel, dazu die Besonderheit, dass alles blitzschnell anders kommen kann als geplant: wie soll ich da die Struktur finden sowie die Momente der Ruhe und Kontemplation, die ich als hochsensibler Mensch wie die Luft zum Atmen brauche? 

1) Ich nehme meine Bedürfnisse ernst und handle nach ihnen

Nun, zuerst einmal, indem ich meine Bedürfnisse ernst nehme. Mag sein, dass es für andere, weniger reizempfindliche, Menschen passt, direkt nach der Arbeit ihr Kind vom Kindergarten abzuholen und sich mit zwei anderen Familien zum Kindersportkurs zu verabreden. Wenn ich weiß, dass mich das stresst und der Lautstärke- und Aktivitätspegel nach einem Arbeitsvormittag für mich zu viel wäre, MACHE ICH DAS NICHT.

Lieber gehe ich allein mit meinem Kind auf dem Spielplatz oder wir lassen uns im Winter zuhause ein Bad ein. Wenn ich mich dabei entspanne, haben alle Beteiligten mehr davon, als wenn ich abends völlig überreizt Kind oder Partner anschnauze oder erschöpft an meiner Kompetenz als Mutter oder Vater zweifle. 

2) Kurze Wege planen

Nicht nur hochsensible Eltern verzweifeln manchmal an der Vielzahl an Aktivitäten, die es mit Kind zu bewältigen gilt. Da stehen nachmittags der Musik- oder Sportkurs auf dem Programm, außerdem das Treffen mit der Kita-Freundin im anderen Stadtteil und das Kindercafé im Nachbarort wollte man auch immer schon mal ausprobieren. Dann noch schnell der Termin bei der Bank auf dem Weg dorthin und vor der Arbeit am nächsten Tag der Zahnarztbesuch, natürlich, nachdem die Kinder gut in Schule oder Kindergarten angekommen sind. Unter der „Atemlosigkeit“ eines solchen Lebens klagen viele Eltern – für hochsensible Mütter oder Väter ist sie geradezu Gift.

Herumgegondel zwischen Stadtteilen für die „Freizeitbespaßung“, ein quasi pausenloses Programm von 6 Uhr morgens bis abends um 21 Uhr?! NICHT FÜR HOCHSENSIBLE. Mistet aus, was an Freizeitaktivitäten nicht absolut nötig ist und falls eure Kinder wirklich zum Judo oder in den Kinder-Malkurs wollen, wählt den Kurs, der am leichtesten erreichbar ist. Auf Matten hopsen macht 4-Jährigen auch Freude, wenn es in der Schule um die Ecke stattfindet – es muss nicht der Kurs nach Montessori-Pädagogik im anderen Stadtteil sein. Das gilt übrigens auch für eigene Aktivitäten. Fahrzeiten sind Stresszeiten und Wege zwischen zwei Aktivitäten sind keine Pausen – außer, ihr könnt auf eure Privat-Limousine zurückgreifen und euch vom Chauffeur durch die Gegend gondeln lassen… 

3) Sich echte Pausen gönnen

Auf der Seite „pusteblumen-fuer-mama“ hat die Autorin, selbst hochsensible Mutter von zwei Kindern im Schul- und Vorschulalter, in einem ihrer Artikel sehr treffend beschrieben, wie nötig hochsensible Eltern Pausen brauchen. Und zwar nicht nur ein Kaffee „in Ruhe“, während die Kinder nebenan das Kinderzimmer auseinandernehmen. Auch das hastig bei der Arbeit eingenommene Mittagessen und selbst der Yoga-Kurs am Samstag Vormittag, während der Partner oder die Babysitterin die Kinder betreut, sind nicht echte Pausen, wie sie Hochsensible eigentlich benötigen.

Wirklich Abschalten braucht Zeit. Ein Stresspegel, der sich über Tage aufgebaut hat, flacht nicht innerhalb eines Vormittags ohne Programm ab. Dafür braucht es – ab und zu – ganze Tage, ein Wochenende, gar eine Woche „Auszeit“ um wirklich wieder einmal bei sich anzukommen, ganz in die eigenen Interessen einzutauchen, ohne Ablenkung und Anforderung von anderer Seite. Fast unmöglich als Mutter oder Vater? Ja, einfach ist es nicht, sich diese Freiräume zu schaffen. Aber für hochsensible Eltern sind sie meiner Meinung nach so wichtig, dass die Überlegung lohnt: kann ich (phasenweise) weniger oder gar nicht arbeiten, um vormittags, wenn mein Kind in Schule oder Kindergarten ist, regelmäßig Zeit für mich zu haben? Kann mein (Ex-) Partner oder ein Au-Pair mein Kind regelmäßig alleine betreuen, können die Großeltern mein Kind auch einmal für mehrere Tage zu sich nehmen? Pausen schaffe ich mir, indem ich wirklich innerlich loslasse – und nicht immer alles selber machen will.

4) Loslassen lernen

Das führt mich zum vierten praktischen Tipp, der gerade für hochsensible Mütter oder Väter oft schwer umzusetzen ist. Hört auf, euch ständig Gedanken zu machen! Ich bin entbehrlich. Auch für mein Kind. Natürlich nicht im großen und absoluten Sinn, aber im Alltag eben immer wieder. Sonst würde es nie den Schritt weg von meiner Hand zu anderen Bezugspersonen und später zu Erziehern oder Lehrerinnen und seinen Freunden in Kindergarten oder Schule machen. Also muss ich lernen, auch gedanklich loszulassen. Die „Mental Workload“, die hundert Alltagsdinge, die ich – meist gerade als Mutter – im Kopf habe, wirken unterschwellig als Reiz, den ich eben auch zu verarbeiten habe. Klappt der Termin beim Logopäden nächsten Mittwoch?  Lohnt sich das Engagement für gesünderes Essen im Kindergarten? Muss ich mit Vater /Lehrerin/Erzieher XY über das Verhalten von Kind YZ sprechen?

Dadurch, dass hochsensible Menschen so viel wahrnehmen und oft auch vielseitig interessiert sind, haben sie die Tendenz, sich zu allem ihre Gedanken zu machen. Und das ist manchmal zu viel. Daher: Fünf gerade sein lassen. Andere machen Dinge vielleicht anders, aber nicht unbedingt schlechter. Ich fühle mich also im Zweifelsfall mal nicht verantwortlich und mische mich nicht ein. Loslassen ist die Devise!

5) Eigene Interessen verfolgen

Und nicht zuletzt ist es für alle Eltern, aber besonders für hochsensible Mütter und Väter, wichtig, eigene Interessen zu verfolgen. Warum ist das so? Hochsensibel wahrnehmende Menschen tanken oft gerade dadurch auf, dass sie sich ganz in eine Sache vertiefen. Das kann die Modelleisenbahn, ein philosophisches Traktat oder das Schnittmuster einer komplizierten Nähvorlage sein. Viele Hochsensible blühen auf, wenn sie sich ungestört einer Aufgabe widmen, sie gedanklich ganz durchdringen können. Oft nähern sie sich dabei übrigens mit Freuden den großen Fragen des Lebens: „Wie sinnvoll ist, was ich hier tue?“ „Was ist gut, was ist böse?“ „Wohin führt mich dieser Weg?“

Tja – und wie passt das alles zu einem Alltag als Eltern, der eben doch sehr oft durch banale Wiederholung (das 20. Mal  den Ball fangen, die 100. Vokabel abfragen) geprägt ist, durch die Notwendigkeit, Angefangenes abrupt zu beenden (das Kind hat Hunger, fällt von der Leiter, muss JETZT Pipi)? Eben kaum. Daher ist es so wichtig, dass ich meine Interessen pflege und dabei eine Dosis gesunden Egoismus entwickle. Ich muss mir selbst, gerade auch als hochsensible Mutter oder hochsensibler Vater, so wichtig sein, dass ich mir Freiräume für mich selbst schaffe. Und das, indem ich an der ein oder anderen Stelle loslasse und auf echte Pausen bestehe – weil ich sie brauche, um im Sturm des Lebens ich selbst zu sein. 

Das Potential hochsensibler Eltern

Das Potential hochsensibler Eltern ist groß. Tiefergehende Zusammenhänge erkennen zu können, ein feines Gespür für Menschen und Prozesse innerhalb einer Gruppe (z.B. auch einer Familie) zu haben sowie sich intensiv mit einer Sache zu beschäftigen und dafür auch andere zu begeistern – diese Fähigkeiten können hochsensible Mütter oder Väter zu tollen Eltern machen – wenn sie dafür Sorge tragen, für sich den Rahmen zu schaffen, in dem dieses Potential zur Entfaltung kommen kann. 

Falls du dich in diesem Artikel als hochsensible Mutter oder hochsensiblen Vater erkannt haben solltest, aber auch wenn dich einfach „nur“ die Tipps in diesem Artikel angesprochen haben, wünsche ich dir die Überzeugung und Kraft, genau danach zu handeln und damit liebevoll zu dir zu sein!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. Einen Selbsttest, um für dich zu klären „bin ich hochsensibel?“ und weitere Information zum Thema findest du inzwischen auf vielen Websites, u.a. hier.

Weiterhin lesenswert zum Thema: lichtiges.de, die Seite der Trainerin, Autorin und Künstlerin Caren Klaschka, die im Raum Köln als Coach zum Thema Hochsensibilität berät und Workshops anbietet, sowie die bereits im Artikel genannte Website pusteblumen-fuer-mama.de, auf der die Autorin, wie ich finde, sehr ansprechend, ehrlich und „ungeschönt“ ihre Erfahrungen als hochsensible Mutter teilt. Alle Links sind persönliche Empfehlungen, ich habe durch den Verweis auf sie keinerlei finanziellen Vorteil.

[Foto: Pixabay]