Bin ich sexy? Vom inneren Leuchten

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Passend zum neuen Jahr hier ein leichter, sinnlicher, von Herzen fröhlicher Text!🙂

Tanz ins neue Jahr

Den Jahreswechsel habe ich dieses Jahr tanzend begangen. Nicht auf einer überteuerten Silvesterfeier zwischen Büffet und Böllern, sondern weit außerhalb der Stadt auf einem Seminar. Mein Sohn war samt Vater bei den Großeltern und ich durfte ganz bei mir sein, tanzend, lachend, sinnlich, mich selbst (und andere) erforschend, in der Berührung, Bewegung, Begegnung, mit mir und mit anderen. 

Der eine oder die andere, die sich auf diesem Feld der (körperlichen) Begegnung noch selten bewegt hat, fragt sich jetzt vielleicht: wovon spricht die Frau da? Tanz? Innere und äußere Berührung, dazu diese Textüberschrift – wo hat sie sich bloß herumgetrieben? 

Nun, es war ein Biodanza-Seminar, das mir einen der schönsten – und ich merke es, auch einen der am meisten „nachklingenden“ – Jahresübergänge der letzten Jahre beschert hat. 

Begegnung mit mir und der Welt

Was ist Biodanza? Ich würde sagen: Begegnung, mit mir selbst und mit anderen. Zum einen tatsächlich Tanz, alleine, zu zweit, mit mehreren oder der ganzen Gruppe, aus dem Gefühl heraus und ohne vorgegebene Schrittfolge. Manchmal stehe ich aber auch einfach nur still mit anderen zusammen, Hand in Hand oder Arm in Arm, wir klopfen uns gegenseitig den Rücken ab oder berühren einander zart. Es ist wirklich eine (von den Kursleitenden behutsam angeleitete) Art, sich selbst und anderen zu begegnen: eine überaus sinnliche, ausdrucksstarke und umfassende Art der Kontaktaufnahme. Jede und jeder kann dabei so sein, wie er oder sie ist – und lernt zugleich, die eigenen Möglichkeiten der Begegnung zu erweitern.

Biodanza = Tanz des Lebens

Ich erkenne mich im (wohlwollenden) Blick der anderen wieder, teile Neugier, Begeisterung, Lebensfreude und Anziehung, aber auch Skepsis, Zurückhaltung, Schüchternheit oder Vorsicht. So lerne ich viel über mein so Sein und darüber, wie menschlich und „normal“ all meine Gefühle sind, denn meine Mit-Tänzerinnen und -Tänzer sind wie ich schüchtern und forsch, ernst und verspielt und vor allem dankbar, in all ihrer Eigenheit Wohlwollen, Kontakt und Akzeptanz zu erfahren.

Biodanza heißt übersetzt in etwa „Tanz des Lebens“ oder auch: „Das Leben tanzen“ und dieser besondere Tanz enthält tatsächlich alle Facetten, die das Leben voll, rund und wunderbar machen. Nur eben mit der Möglichkeit, sie im geschützten Rahmen zu erleben und in grundsätzlichem Wohlwollen all derer, die dieselbe Erfahrung suchen und sich ihr stellen. 

Sexy ist, wer das Leben in sich fühlt

Und was hat das mit Sexyness zu tun? Nun, ich habe mich in diesen Tagen so sinnlich, lebensfroh und sexy gefühlt wie schon lange nicht mehr – und hatte wohl tatsächlich eine Art „Leuchten“ um mich. Einer Mitbloggerin habe ich geschrieben, dass sich meiner Meinung nach daraus die Anziehungskraft speist, die ich (für mich und) für andere habe. Ich schreibe bewusst auch „für mich“, denn ist wahre Anziehungskraft nicht immer auch die (genussvolle) Freude an sich selbst?

Und ich habe es in diesen Tagen tatsächlich genossen, ganz klar bei mir UND bei den anderen zu sein. Ich habe mich sehr sicher und selbstbewusst gefühlt, ganz bei mir und dabei in tiefer Weise verbunden mit all diesen Menschen, die ich davor zum Großteil noch gar nicht kannte. 

Die Tiefe hinter der „Sexyness“

„Sexyness“ ist ein Begriff, den ich aus Werbung und kommerzieller (Selbst-) Beschreibung kenne. Wir streben manchmal danach, wenn wir uns eigentlich nach etwas viel Tiefergehendem sehnen: nach Anerkennung, Gesehenwerden, auch: nach umfassender Lebendigkeit, Lebensfreude, dem Gefühl, gut zu sein, wie wir sind und uns sinnlich am Leben zu erfreuen. 

Menschen, die das leben, sind sexy, (weitgehend) unabhängig von ihren äußeren Attributen. Meine körperlichen Merkmale allein machen mich im Umkehrschluss nicht sexy. Wahrlich anziehend werde ich dadurch, dass das Leben durch mich strahlt, dass ich letztlich etwas zu geben habe: intellektuell, gefühlsmäßig, im Kontakt mit der Welt. 

Und das wünsche ich dir für das neue Jahr: diese Lebendigkeit, die Begegnung begünstigt, die Kontakt tief, sinnlich und erfüllend macht und dich sein lässt, wie du bist: wertvoll, wunderbar und voll Möglichkeit zu wirklichem inneren Leuchten!

Herzliche, lebensfrohe Grüße, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

„Welche Brille trägst du?“ Was unser Blick auf die Welt bewirkt

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1991 beschrieb der Soziologe und Philosoph Paul Watzlawick ein seltsames Phänomen:

In den Fünfzigerjahren bemerkten immer mehr Einwohner der amerikanischen Stadt Seattle kleine Kratzer an den Windschutzscheiben ihrer Autos.

Bald waren unter den Menschen zwei Theorien zur Entstehung der Kratzer entstanden: Für die Vertreter der „Fall-out-Theorie“, geprägt durch die Berichterstattung des Kalten Krieges, waren die Kratzer das Ergebnis von radioaktiven Niederschlägen, die von russischen Atomtests verursacht wurden, für die Vertreter der „Asphalt-Theorie“ waren die Kratzer das Ergebnis einer Veränderung des Straßenbelags durch umfangreiche Baumaßnahmen.

Weil die Aufregung in der Stadt so groß war, wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt. Diese kam zu einem ganz anderen Ergebnis. Statt die beiden Theorien zu untersuchen, prüfte die Kommission zuerst, ob es überhaupt eine Zunahme an Kratzern auf Windschutzscheiben gab.

Und das Ergebnis war: Es gab keine.

Wie aber kamen die Einwohner zu ihrer Wahrnehmung? Als die Berichterstattung über zerkratzte Windschutzscheiben zunahm, prüften immer mehr Menschen die Scheiben ihrer Autos. Dazu starrten sie sie von außen aus nächster Nähe an, statt wie sonst von innen durch sie hindurchzusehen. In der Erwartung, Schäden zu entdecken, sahen die Menschen aus ihrem eigens dazu eingenommenen Blickwinkel Kratzer, die gewöhnlich bei jedem Auto vorhanden sind, die sie aber vorher nie wahrgenommen hatten. Die Aufregung in Seattle war also weder das Ergebnis von Atomtests noch von Baumaßnahmen, sondern das Resultat von auf der Suche nach Schäden angestarrten Windschutzscheiben.

Vielleicht sollten wir manchmal eher unsere Perspektive überprüfen, als über den „Wahrheitsgehalt“ einer Angelegenheit zu streiten.

Mir kommt das in den Sinn, wenn ich über zwischenmenschliche Beziehungen im Familien- und Freundeskreis nachdenke, ebenso wie – im größeren Rahmen – über die Art, wie wir z.B. Menschen begegnen, die aufgrund von Kriegen und religiöser Verfolgung oder auch einfach „nur“ aufgrund wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit nach Deutschland geflüchtet sind.

Schauen wir durch die Brille der Angst, die Brille des Vorbehalts – oder durch die der Zuversicht und der hoffnungsvollen Erwartung? Je nach Perspektive werden wir die „Kratzer auf der Scheibe“, die in wirklich jeder Situation und Beziehung zu finden sind, ganz anders deuten.

In diesem Sinn herzliche, weihnachtliche Grüße euch allen! Ich danke Birgit Boukes dafür, dass sie mich auf die oben  zitierte Parabel aufmerksam machte, die mich zu diesem Beitrag anregte.

Sunnybee

Wie fröhlich sich das Leben manchmal zeigt

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Hier zwei heitere „Miniaturen“ meines Tages heute. 

1) Bunt wie das Leben

Im Supermarkt fällt mein Blick auf eine Pinwand mit Kleinanzeigen. „Zu verschenken: Kleines einsames Herz, kaum gebraucht, warm und geräumig“, lese ich in geschwungener Handschrift auf einer Kontaktanzeige. Und: „Für Romantiker und Praktiker“ – die Überschrift einer Annonce für ein Grundstück samt maroder Bebauung… Daneben die Einladung eines Behindertenzentrums zum Weihnachtsmarkt; 14 Bündel Briketts sind zu verkaufen und jemand sucht einen Schlafzimmerschrank. Ich bleibe, meine Einkäufe noch in der Hand, lächelnd stehen und freue mich, wie bunt, skurril und liebenswert sich mir hier das Leben zeigt!

2) „So sympathisch!“

Dazu passt, was mir davor widerfahren ist: in einem Secondhand-Laden frage ich nach Einmachgläsern. Mein Sohn hat eines fallen gelassen, das ich für die Frühstücksflocken in Verwendung hatte… Einmachgläser erhalte ich nicht, aber, ganz unvermittelt, ein wunderhübsches Kompliment des Verkäufers: „Darf ich Ihnen sagen: Sie haben so eine sympathische Ausstrahlung!“ Und dass, wo ich gerade heute gar nicht besonders fröhlich aus dem Haus gegangen bin. Ich bedanke mich herzlich, verlasse das Geschäft – und freue mich bis jetzt, einige Stunden später, über die Leichtigkeit und Freude, die das Leben immer wieder zu bieten hat. – Wenn ich sie wahrzunehmen weiß.

Herzliche, beschwingte Grüße, Sunnybee

Chicken on Speed – Warum ich (k)ein Fan von Effizienz bin

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Kehrdienst, Gelbe Säcke, Autobahnen: Deutschland ist traditionellerweise ein Land der Struktur und Effizienz.

Ich schätze dies

a) wenn mich die Bahn pünktlich von A nach B bringt

b) wenn ich beim Arzt/Anwalt/Sachbearbeiter drankomme, ohne diesen bestechen zu müssen

c) wenn die Müllmänner morgens meinen Dreck der Woche abräumen und dabei noch ein Lächeln für meinen Sohn und mich übrig haben.

Positive Seiten der Effizienz 

Effizienz hat durchaus ihr Gutes: sie macht Abläufe und Begegnungen mit Menschen schnell, produktiv und gut einschätzbar. Eine Gesellschaft, die durch Effizienz geprägt ist, bietet im besten Fall saubere Straßen, ein funktionierendes Gesundheits- und Schulsystem, verlässlich geöffnete und nachvollziehbar arbeitende Behörden, eine Rechtssprechung, in der absehbar ist, wann und aufgrund welcher Gründe es zu einem Urteil kommt usw. Zumindest in Ansätzen profitieren wir in nice new Germany also durchaus von den Segnungen der Effizienz. 

Wo Effizienz für mich nichts zu suchen hat:

a) bei der Kindererziehung

b) bei der Partnersuche und dem Pflegen zwischenmenschlicher Kontakte (einen Artikel dazu findet ihr hier)

c) beim Essen. 

Letzteres wurde mir heute wieder einmal bewusst: 

Mittagspause: Zwischen Arbeit und Abholen meines Sohnes aus dem Kindergarten bleibt eine Stunde Zeit. Ich habe Hunger und beschließe „Asiatisch“ essen zu gehen. Aufgrund der begrenzten Zeit, die mir zu Verfügung steht wähle ich einen Schnellimbiss in der Innenstadt. 

Tja, und mir geschieht, wie ich’s verdiene…

„Rice oder Chicken?“

„Hühnchen bitte.“

„Nr. 38, Chicken. 7,50€. Nächster, bitte.“

Nachdem der Herr an der Theke meine Bestellung weitergebrüllt hat, lasse ich mich an einem der sechs langen Tische nieder, an denen bereits zahlreiche andere „Gäste“ mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind. In ihre Smartphones vertieft, schaufeln sie Hühnchen, Nudeln und Wokgemüse in sich hinein. Auch ich bekomme, kaum habe ich mich aus meinem Mantel geschält, meinen Appell: „Nr. 38!“ Kaum drei Minuten nach Bestellung steht mein Gericht auf der Theke zum Abholen bereit. Ich balanciere den Teller zurück zu meinem Platz, angle dabei nach Besteck, Pappbecher und Servierte. 

Erster Geschmackstest: nicht einmal schlecht, frisch im Wok zubereitetetes Fleisch und Gemüse mit „Sauce Einerlei“ auf Kokosmilchbasis. Mein Blick zu den anderen Essern bestätigt: es scheint zu schmecken.

Kurz nachdem ich meine Mahlzeit begonnen habe, setzen sich mir zwei junge Männer direkt gegenüber. Da die Tische etwa 50cm breit sind kommen wir uns ziemlich nahe. Das hindert die zwei nicht daran, sich nach einem raschen Blick in meine Richtung gruß- und kommentarlos mir gegenüber zu platzieren und mit dem Essen zu beginnen. Ich setze mich für meine restliche Mahlzeit um, denn wenn schon Tischnachbarn, dann zumindest welche mit Kinderstube… 

Tja, und so verlasse ich das „Lokal“ nach diesem Mittagessen zwar satt und doch mit einem seltsamen Hunger: Nach Genuss, Muße, Entspannung, vielleicht auch echter Gesellschaft – eben dem Gegenteil von Effizienz…

Wie eine ebensolche Mittagspause einmal ganz anderes verlief, beschreibe ich übrigens in meinem Artikel Kater Mau Tse-Tung. Oder: „Wenn Sie lachen, haben Sie ein wunderschönes Gesicht!“

Mich würde interessieren, wie ihr auf diese Art der „Effizienz“ im Alltag reagiert – ob sie euch stört oder ob ihr findet, dass die positiven Seiten überwiegen. Schreibt mir eure Meinung!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Blogparade: Meistgelesener Artikel im Monat Oktober

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Ommmm. 😉

Mögest du glücklich sein (Teil 1)“: Ein kleiner Exkurs zum Buddhismus – aber vor allem ein, von mir erprobtes, „Rezept“, wenn sich mal alle Gedanken um das eigene (Un-) Glück drehen, um den  Blick liebevoll auf andere zu richten und sich damit wunderbarerweise selbst ein Stück zufriedener zu machen. Sehr simpel und wirkt tatsächlich! In „Mögest du glücklich sein (Teil 2)“ beschreibe ich, warum die kleine Übung so wirkungsvoll ist.

Warum ich das hier erwähne?

1) Die Beiträge waren meine meistaufgerufenen Artikel im Monat Oktober, mit denen ich mich gern an der gleichnamigen „Blogparade“ von Anja von der Kellerbande beteilige. Tolle Idee, ich habe darüber bereits einige lesenswerte Blogs entdeckt!

2) Ich mag sie nachwievor und vielleicht sind sie für den einen oder die andere von euch ja tatsächlich anregend – würde mich freuen!

Herzlichen Gruß an alle, die bei mir mitlesen und danke an Anja für deine Inspiration! 🙂

Sunnybee

November-Gewömsel

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Gestatten: Novembergewömsel. 

Das Alltagsgewusel an einem Novembertag: Einkaufen, Wäsche waschen, Hosen bügeln, für die Arbeit Notizen machen, im Tagebuch kritzeln, unmotiviert ein paar Takte auf dem Klavier klimpern, Kind vom Kindergarten abholen, Essen richten, im Netz surfen während Kind Mittagsschlaf macht usw. 

Das ganze kombiniert mit Temperaturen um 0 Grad draußen und grau verhangenem Himmel sowie stickiger Heizungsluft drinnen und einer Mischung aus Lethargie und Gereiztheit: Es sollte sich was bewegen – aber was?

Laaaaangweilig!

Kinder benennen das mit dieser langgezogenen Form von „Laaaangweilig!“, die auch immer mehr als pure Langeweile enthält. Ein allgemeines Unwohl- und Unwilligsein, eine Trübung des Gemüts. 

Novembergewömsel ist auch der Zweifel, der anklopft um zu fragen: macht das alles noch Sinn? Dein Blog, dein Engagement, das Leben vor Ort in der großen Stadt. Du kickst eine Kippe aus dem Weg, die hier überall liegen gelassen wurden und möchtest nur knurren: „Lasst mich in Ruhe!“ – Oder wahlweise: „Tut doch was!“ „Hört mich, seht her!“ So weit liegt das gar nicht auseinander. 

Gestatten: Ich mag heute nicht. Ich bin beleidigt. Keine weiteren Ziele, Projekte, Vorhaben. Wenn keiner auf die Beiträge in meinem Blog antwortet, schreibe ich eben keine mehr, bzw. schreibe welche, aber stelle sie nicht ins Netz. Wenn sich der Himmel nicht klärt, bleib ich zuhause – und überhaupt. 

Novembergewömsel ist auch dieses Gran Selbstmitleid („Ach du weh, ich Arme!“) und Selbstgerechtigkeit („Nur mir geht’s schlecht!…“)

Sch… egal. Darf auch mal sein. Übrigens auch Ende Oktober. Macht’s gut, ich bin dann mal weg.

Komme schon wieder – aber heute nicht mehr. 

Grüße, Sunnybee

PS. A propos Wortneuschöpfungen: Die Rezension eines ganzen Buchs über ungewöhnliche – und fast unübersetzbare – Wörter findet ihr in dem wunderbaren Blog Lesen… in vollen Zügen. Danke, Andrea, immer wieder für die Inspiration! 🙂

PPS. Wollt ihr in einem Blog von einer Frau lesen, die ganz und gar unlethargisch ihre echten Probleme anpackt, dann besucht Samybee. Danke, dein Mut und deine Tatkraft inspirieren mich gerade oft!