Hochsensibilität, Persönliches

Häutungen. Wie ich lerne, mir selbst treu zu sein

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Ich stecke gerade in einem grundlegenden Veränderungsprozess. Ich nehme Anlauf, um etwas Neues zu wagen und weiß noch nicht, ob es trägt, wer mich dabei begleiten wird und wo genau mein Weg verläuft.

Ich merke, ich stoße mit mir nahen Menschen schmerzhaft aneinander; wir stehen da wie Gämsböcke, die mit gegeneinandergepressten Köpfen ihre Kräfte messen. Nichts bewegt sich. Ich will meine Fragen teilen und erhalte Antworten. Den anderen ist scheinbar alles klar, mir aber noch längst nicht. Ich muss diesen Weg der Klärung alleine gehen, brauche keine/n, der mir sagt, wie’s geht!

Was ist mein Weg?

Mein Kampf ist auch ein Ringen um innere Klarheit. In kleinen Schritten werden meine Gedanken zum Wunsch, zum Plan, schließlich zu meinem Weg. Noch ist es allerdings ein ganzes Stück bis dorthin. Und es wird nicht einfacher dadurch, dass ich die Verantwortung für mindestens einen weiteren Menschen trage, für meinen Sohn.

Ich war zum Glück noch nie eine Bedenkenträgerin, die nichts unternimmt, weil alles zu viel, zu groß und überhaupt zu … ist. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich vor den Veränderungen, die ich in Erwägung ziehe, ordentlich Respekt.

Wo die Angst ist, geht es lang“. Das war lange mein Credo. Nun, ich bin weniger „radikal“ geworden, bzw. arbeite mich erst mühsam wieder zu meinen Wurzeln vor, zu dem mir eigenen, freigeistigen, Wesen. Meine Verantwortung als Mutter, mein Beruf, inzwischen zehn Jahre in immer fester gerahmten Bahnen, haben mich geprägt.

Ich will aber keinen Kanal entlangschippern, sondern meinem Lebensfluss folgen.

Vor kurzem bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mich stark berührt hat. Natalie schreibt in ihrem Fundevogelnest über innere Wachstumsschmerzen, über das Gefühl, das sich etwas in ihr andeutet, aber noch nicht bereit ist, ganz nach außen zu stoßen. Inspirieren ließ sie sich von den Hühnern, die sie offensichtlich hält, nennt diesen Prozess „Mauser“, entsprechend der Zeit, in der die Hennen nach rund 14 Monaten ihr Federkleid wechseln:

Wie Stifte bohren sich die noch nicht entfalteten Federn durch die Haut. […] Unansehnlich sind unsere Hühner zurzeit und sie scheinen sich auch so zu fühlen, wirken missgelaunt, ohne ihre vertraute freundliche Energie. Diese Phase wird vorübergehen, bald werden sie wieder rundum geschützt und isoliert sein und ihre Ressourcen für Eier und Liebenswertsein wiederhaben. Ohne ihre Mauser würden sie zugrunde gehen.

Ja, auch mir fehlt gerade die „vertraute freundliche Energie“ und ich bin sehr mit mir selbst beschäftigt. Aber tröstlich zu lesen, wie unabdingbar diese „Mauser“ ist. Bei Hühnern sicherlich. Und – ich spüre es – auch bei mir.

Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind.“ (Anais Nin)

Herzlichen Gruß, Sarah

[Foto: Pixabay]

6 Gedanken zu „Häutungen. Wie ich lerne, mir selbst treu zu sein“

  1. Für deine Häutung und Mauser wünsche ich dir alles Gute und hoffe, dass sich deine neuen Federn nicht ganz so unangenehm durch deine Haut bohren wie bei den hier erwähnten Hühnern 🙂

    Wir kommen in unserem Leben aus meiner Erfahrung immer wieder an solche Weggabelungen. Vor allem in oder nach größeren Krisen wie Trennung, Krankheit etc. Ich finde dein altes Motto „Wo die Angst ist, geht es lang“ nach wie vor passend. Raus aus der Komfortzone ist ein effektiver Weg, wenn auch kein einfacher.

    Du wirst deinen neuen Weg sehr gut gehen, da bin ich sicher. Mit Authentizität und Lebensfreude. Und irgendwann auch ohne Angst.

    Fühl dich gedrückt.
    Christina

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    1. Liebe Christina,
      danke für deine herzlichen und klugen Worte. Ich schreibe u.a. auch deshalb immer wieder mal offen hier im Blog über solche „Zweifel- und Zögermomente“ weil es mir hilft, sie in mir selbst anzunehmen – und vielleicht sind Texte wie dieser ja auch für jemanden in einer ähnlichen Situation hilfreich, auch wenn ich davon vermutlich nie erfahren werde…🙂
      Herzlichen Gruß zurück, Sarah

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  2. Hey Sarah,
    ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft für deine Mauser. Ich bin selbst so froh, vor fast zwei Jahren den Schritt nach Dresden gewagt zu haben – das Schicksal von drei weiteren Menschen auf den Schultern, aber immerhin nicht allein. Es ist so schwierig, Entscheidungen zu treffen, aber manchmal lohnt sich so eine Mauser!

    Liebe Grüße von Nadine, deren Papa Taubenzüchter ist und die sich mit dem Mausern daher ganz gut auskennt 🙂

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    1. Hey Nadine,
      auch Dir herzlichen Dank für deine lieben Worte. Dein Beispiel mit Dresden nehme ich mal als Inspiration!🙂
      Und spannend zu hören, dass du dich dank deines Vaters tatsächlich mit der Mauser auskennst…
      Ja, Übergänge (vor allem mit offenem Ende) sind nie einfach.
      Was mir gerade gut tut: überhaupt in Bewegung zu kommen. Mit kleinen Schritten zwar, aber die Richtung stimmt schon, denke ich.
      Danke für deine Ermutigung und liebe Grüße nach Dresden!
      Sarah

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  3. Liebe Sarah, danke für das Verlinken und das herrliche Mauserfoto, meine Hennen sehen noch furchtbarer aus, heute Frost und bei ihnen schimmert die Haut durch.

    Es gibt wohl immer Phasen im Leben, in denen man sich neu sortiert und in unserer hopp-hopp-Welt erwarten wir von uns, dass wir dann gleich weiter wissen, alles super taff in die Hand nehmen und erwarten – um im Bild zu bleiben – von uns, gleich wieder Eier zu legen und gestehen uns eher selten Verzagtheit und Ratlosigkeit zu.
    Aber wir sind keine Maschinen (und Hühner auch nicht!)

    Liebe Grüße und eine glückliche Mauser
    Natalie

    P.S. Am Ende noch ein bisschen Besserwisserei, aber manchmal entwickeln Falschinformtionen (bzw. von mir missverständlich in die Welt gesetzte Informationen) so ein komisches Eigenleben: Eine Henne mausert mit 14-16 Monaten das erste Mal, im zweiten Herbst ihres Lebens, in der Regel ist sie im Frühling geboren. Danach regelmäßig jeden Herbst.

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    1. Liebe Natalie,
      danke auch dir für deine Antwort und nochmals für deinen schönen Text, der mich überhaupt zu diesem Artikel bewegt hat!
      „In unserer hopp-hopp Welt erwarten wir, […] dass wir dann gleich weiter wissen, alles super taff in die Hand nehmen […], aber wir sind keine Maschinen“ – da stimme ich dir 100% zu und es tut gut, dass so auch nochmal zu lesen, denn allzu oft erwarte auch ich in Phasen der Suche und (Um-) Orientierung noch Zielstrebigkeit und Effizienz von mir. Aber wie Ziele anstreben, wenn die alten nicht mehr wirklich und die neuen noch nicht wirklich Gültigkeit haben… da ist dann eben das „Dazwischen-Sein“ angesagt! Tja… 😉
      Herzliche Grüße, Sarah

      Gefällt 1 Person

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