alleinerziehend, Gesellschaft, Persönliches

Was ist wirklich mutig für dich? Einladung zur Blogparade – bis 11.11.19!

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Meine Schwester flog mit 16 ohne Begleitung nach Argentinien und lebte für knapp drei Wochen bei Freunden meiner Eltern. Sie stieg allein in Madrid um und hatte vor der Reise extra Spanisch gelernt. Mutig, oder? Weiterlesen „Was ist wirklich mutig für dich? Einladung zur Blogparade – bis 11.11.19!“

Hochsensibilität, Persönliches

November-Gewömsel

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Gestatten: Novembergewömsel. 

Das Alltagsgewusel an einem Novembertag: Einkaufen, Wäsche waschen, Hosen bügeln, für die Arbeit Notizen machen, im Tagebuch kritzeln, unmotiviert ein paar Takte auf dem Klavier klimpern, Kind vom Kindergarten abholen, Essen richten, im Netz surfen während Kind Mittagsschlaf macht usw. 

Das ganze kombiniert mit Temperaturen um 0 Grad draußen und grau verhangenem Himmel sowie stickiger Heizungsluft drinnen und einer Mischung aus Lethargie und Gereiztheit: Es sollte sich was bewegen – aber was?

Laaaaangweilig!

Kinder benennen das mit dieser langgezogenen Form von „Laaaangweilig!“, die auch immer mehr als pure Langeweile enthält. Ein allgemeines Unwohl- und Unwilligsein, eine Trübung des Gemüts. 

Novembergewömsel ist auch der Zweifel, der anklopft um zu fragen: macht das alles noch Sinn? Dein Blog, dein Engagement, das Leben vor Ort in der großen Stadt. Du kickst eine Kippe aus dem Weg, die hier überall liegen gelassen wurden und möchtest nur knurren: „Lasst mich in Ruhe!“ – Oder wahlweise: „Tut doch was!“ „Hört mich, seht her!“ So weit liegt das gar nicht auseinander. 

Gestatten: Ich mag heute nicht. Ich bin beleidigt. Keine weiteren Ziele, Projekte, Vorhaben. Wenn keiner auf die Beiträge in meinem Blog antwortet, schreibe ich eben keine mehr, bzw. schreibe welche, aber stelle sie nicht ins Netz. Wenn sich der Himmel nicht klärt, bleib ich zuhause – und überhaupt. 

Novembergewömsel ist auch dieses Gran Selbstmitleid („Ach du weh, ich Arme!“) und Selbstgerechtigkeit („Nur mir geht’s schlecht!…“)

Sch… egal. Darf auch mal sein. Übrigens auch Ende Oktober. Macht’s gut, ich bin dann mal weg.

Komme schon wieder – aber heute nicht mehr. 

Grüße, Sunnybee

PS. A propos Wortneuschöpfungen: Die Rezension eines ganzen Buchs über ungewöhnliche – und fast unübersetzbare – Wörter findet ihr in dem wunderbaren Blog Lesen… in vollen Zügen. Danke, Andrea, immer wieder für die Inspiration! 🙂

PPS. Wollt ihr in einem Blog von einer Frau lesen, die ganz und gar unlethargisch ihre echten Probleme anpackt, dann besucht Samybee. Danke, dein Mut und deine Tatkraft inspirieren mich gerade oft!

alleinerziehend, Gesellschaft, Hochsensibilität, Persönliches

Quiche und Freu(n)de: Nachbarschafts-experimente

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Eine Quiche, zwei Kuchen, 6 Erwachsene, 4 Kinder, Sonnenschein – was ist das?

Ein gelungenes Nachbarschafts-Kaffeetrinken!:-)

Vor ein paar Wochen habe ich hier im Blog darüber nachgedacht, was für eine Chance es sein kann, (freundlichen) Kontakt zu den eigenen Nachbarn zu pflegen. Ich hatte auch überlegt, was vor allem Großstädter davon abhält, ihre Nachbarn überhaupt kennen lernen zu wollen.

Theorie und Praxis

Am 25. Mai diesen Jahres, am offiziellen ‚Tag der Nachbarschaft‘, wollte ich meine Vorstellungen von guter Nachbarschaft ein Stück weit realisieren… etwa zehn Tage davor hängte ich einen Zettel in den Flur des Mehrfamilienhauses, in dem ich mit meinem Sohn wohne:

„Liebe Nachbarinnen und Nachbarn! Am 25. Mai ist europaweiter „Tag der Nachbarschaft“. Ich möchte an diesem Tag in unserem Hinterhof gerne ein kleines „Nachbarschaftsfest“ organisieren. Wer hat Lust mitzumachen? Ich selbst werde wohl einen Kuchen backen und wer mag, bekommt von mir einen frischen (Milch-) Kaffee zubereitet!;-) Je nach Wetter können wir auch das Schwimmbecken aufstellen, so dass unsere Kinder aus dem Haus darin planschen können!“

Angegeben waren Ort und Zeit des geplanten Fests und einige Zeilen Platz mit der Bitte, einzutragen, ob meine Nachbarn kommen und was sie (kulinarisch) beitragen konnten.

Schweigen im Mehrfamilienhaus

Tja, und was passierte? Über eine Woche lang NICHTS!… Oder doch: die Nachbarn, die ich noch am besten kannte, sagten ab, da sie in Urlaub waren. Ansonsten Schweigen von Parterre bis Dachgeschoss… Keine Zusage und auch keinerlei Reaktion, dass der Aushang überhaupt gelesen worden war. Was sollte ich davon halten? Ich muss es wohl meinen Erwartungen zuschreiben, aber ich war nicht nur enttäuscht, ich nahm die Stille persönlich. Hatte ich doch (für mich mutig) diesen ersten Schritt gemacht und jetzt hielt es keiner für nötig, darauf zu reagieren, geschweige denn, sich dafür ähnlich wie ich zu begeistern?

Nachbarn sind keine Freunde

Ich erzählte einer Freundin, die ich schon lange kenne, von meiner Enttäuschung – und wurde noch einmal enttäuscht. Denn sie fand das Verhalten meiner Nachbarn ganz normal. Sie hätte auf einen solchen Aushang auch nicht reagiert, denn Nachbarn seien nun einmal keine Freunde. Also müsse es keiner persönlich nehmen, wenn man auf ein näheres Kennenlernen keine Lust habe. Sich nicht zu melden sei Antwort genug. Sie hätte auch keine Lust, mit ihren Nachbarn im Hof zu sitzen.

Nun ja, ich wollte mich mit diesem (scheinbaren?) Desinteresse nicht zufrieden geben. Wie es der Zufall wollte, begegnete ich im Verlauf der nächsten Tage gleich mehreren meiner Nachbarn im Flur. Ich fragte nach, ob sie kommen würden – und erntete zumindest höfliches Interesse…;-)

Gelungene Feier

Und doch war das kleine „Hoffest“, das letztlich zustande kam, ein voller Erfolg, wie ich finde: drei entspannte Stunden, Plausch über Musik, Blumen und Kinder bei leckerem Essen. Beste Freunde werden wir Nachbarn wohl nicht, dazu sind wir alle zu verschieden und haben unsere eigenen Leben. Aber einander als Nachbarn kennen zu lernen war offensichtlich nicht nur für mich richtig nett. Wer weiß, vielleicht verschönern wir den Innenhof noch weiter, mit neuer Farbe an den Wänden, Spielgeräten für die Kinder und ein paar Blumen? Meine Nachbarn zwei Etagen über mir haben schon erklärt, sie seien bereit mitzuhelfen. Am Abend des 25. Mais ging ich jedenfalls glücklich ins Bett. Und der nächste Schritt auf meine „fremden“ Nachbarn zu wird mir schon leichter fallen!

Ein Sprichwort sagt: „Niemand weiß, was er kann, bevor er’s versucht.“ Ein zweites: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.

An diesem Abend war das für mich genau so.

 

 

Kunst, Persönliches

Wo Mut die Seele trägt

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Wer sind die afghanischen Frauen, die die Taliban unter den Tschador gezwungen haben? Nahid Shahalimi, Autorin dieses Buches, ist selbst Afghanin. Mit 12 Jahren musste sie aus ihrem Heimatland flüchten und lebt nach mehreren Jahren in Kanada nun in Deutschland. Als erwachsene Frau kehrt sie in das Land ihrer Kindheit zurück, bereist es fast drei Jahre lang und bringt die „Fundstücke“ mit, die in diesem Buch versammelt sind. 

20 mit zahlreichen Fotografien versehene Portraits starker afghanischer Frauen zwischen 16 und Ende 60 finden sich hier: Ein Mädchen, das sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Flüchtlingskindern einsetzt, eine Psychiaterin, die sich in einer Klinik in Kabul der Seelen psychisch- und suchtkranker afghanischer Frauen annimmt und eine der wenigen aktiven Pilotinnen Afghanistans sind nur drei davon. Beeindruckende Frauen, die das (westliche) Klischee der „unterdrückten afghanischen Frau“ erschüttern und doch täglich mit den Folgen der Kriege in ihrem Land und der Kontrolle der fundamentalistisch-religiösen Machthaber konfrontiert sind.

Ein Beleg, dass Stärke sich oft dort zeigt, wo sie gerade nicht gefördert wird. Einziger Wermutstropfen: manchmal hätte ich mir als Leserin gewünscht, noch mehr von den einzelnen Frauen, ihre Beweggründe und biografischen Stationen, zu erfahren. Obwohl die Portaits mehrere Seiten lang sind, öffnen sie zuweilen erst die Tür zu der Persönlichkeit der Frauen. Doch auch so ist der Blick, den Shahalimi durch ihren Mut und ihre Wissbegier uns Leser/innen ermöglicht, unbedingt lesenswert!

Leseprobe: 

„Die internationalen Medien vermitteln ein falsches Bild der afghanischen Frauen. Wir sind nicht zu Hause angebunden. Wir engagieren uns aktiv in der Gesellschaft. Ja, es gibt Gewalt und Unterdrückung von Frauen, aber es gibt auch großartige Frauen, die mutig voranschreiten und engagierte Mitglieder der afghanischen Gesellschaft sind.“ (Zarifa Adiba, afghanische Musikerin)

Nahid Shahalimi: Wo Mut die Seele trägt. Wir Frauen in Afghanistan. Elisabeth Sandmann-Verlag.