Gesellschaft, Persönliches

Mut für mich? Nicht „Everybody’s Darling“ sein. Ergebnis meiner Blogparade zum Thema „Mut“

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„Was ist wirklich mutig für dich?“, fragte ich Anfang November in meiner Blogparade. Ein für mich spannendes Thema. Das fanden offensichtlich auch 10 andere Bloggerinnen und Blogger, die meine Leser*innen und mich an ihren Gedanken und Erfahrungen teilhaben ließen. Herzlichen Dank dafür! Hier die Ergebnisse meiner „Mut-Parade“.

Bevor ich euch die 10 Autorinnen und Autoren und ihre Texte vorstelle, zunächst meine ganz persönliche Antwort auf die Frage:

Was ist wirklich mutig für dich?

Mut ist für mich, nicht „Jedermanns Liebling“ sein zu wollen. Vielleicht kostet mich das persönlich Mut, weil ich – sozialisiert als Mädchen und Frau – schon früh gelernt habe: Ich werde gelobt, wenn ich Schönes erschaffe, gewissenhaft meine Aufgaben erledige, mit einem Lächeln erfülle, was als Bitte an mich herangetragen wird.

Natürlich schließt Mut Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit anderen gegenüber nicht aus – im Gegenteil, in einem kühlen oder gar abwertenden Umfeld kann ein solches Handeln sehr mutig sein. Andererseits ist meiner Meinung nach Mut auch immer mit einer Portion Eigensinn verbunden: ich gehe eben innerlich und äußerlich nicht die „ausgetretenen“ Wege, sondern wage hinzusehen und dort hinzugehen, wo „Neuland“ für mich ist.

Mein persönliches Neuland ist oft auch für die Menschen um mich herum neu und erst einmal irritierend. Also reagieren sie vielleicht befremdet oder versuchen mich sogar von meinem Weg abzubringen. Mut ist dann für mich, dass ich mir selbst treu bleibe und eben darauf verzichte, „Everybody’s Darling“ zu sein.

Äußerer Mut, inneres Selbstwertgefühl

Insofern hat äußerer Mut für mich viel mit einem stabilen Gefühl des Selbst-Werts zu tun: glaube ich an den Wert meiner Empfindungen, Wahrnehmungen und letztlich an meinen eigenen Weg, kann ich diesen auch nach außen klar vertreten.

Mut ist für mich also, mir selbst zu vertrauen, in meinem So-Sein sichtbar zu werden und meinen Weg zu gehen, auch wenn er anderen nicht gefällt.

Oft genug darf ich dabei erleben, dass sich gerade durch meinen Mut Türen öffnen und sich neue Chancen ergeben, manchmal in einer Form, in der ich sie nie erwartet habe. Aber lest selbst!

10 beeindruckende Texte zum Thema „Mut“

Über die Links gelangt ihr jeweils zum Beitrag.

Sovely Matters (murmelmeister.com)

Als letzter Beitrag meiner Blogparade erreichte mich Sovelys Reflexion: Sie greift das schöne Wort „beherzt“ (Englisch: „whole hearted“) auf, denn, wie sie sagt: „Es braucht das ganze Herz, um tatsächlich Mut zu haben!“ Nur wenn ich mich aus meiner Komfortzone herausbewege, eröffne ich mir die Möglichkeit, wirklich Neues an mir und meiner Umwelt zu entdecken und dadurch zu wachsen. Ich stimme ihr zu und ergänze: das „ganze Herz“ und der Mut bedingen sich meiner Meinung nach. Wenn ich mit ganzem Herzen und ganzer Seele bei einer Sache bin, vollbringe ich Dinge, die auf andere beeindruckend und mutig wirken. Aber letztlich sind sie schlicht mein Weg und ich werde getragen von der Stimmigkeit, diesem zu folgen.

Anna-Leke (mamimeckerfrei.de)

Vor Sovely meldete sich Anna-Leke zu Wort. Für sie hat Mut viel mit „Echtheit“ zu tun, sich zu zeigen, wie frau eben ist, mit allen Stärken, aber auch Unsicherheiten und weniger „vorzeigbaren“ Seiten. Sie plädiert für einen ehrlicheren und liebevolleren Umgang mit uns selbst, auch als Mütter: unsere Kinder dürfen uns auch mal „zuviel“ werden und wir dürfen uns hilflos und überfordert fühlen. Mich hat ihr Satz berührt: „Es liegt an uns, ob wir diese Tabus weiter mit tragen, oder uns selbst endlich das Klebeband vom Mund entfernen.“ Ihre Haltung gibt Anna-Leke als Coach, u.a. in ihrer Facebookgruppe „Mamimeckerfrei“, an andere Mütter weiter. Aktuell könnt ihr euch noch zu ihrem „Mut-Adventskalender“ anmelden, mit ganz wunderbaren Impulsen zum mutig(er) werden. Kostprobe vom 1. Dezember? „Gestehe uns, was du nicht kannst. / Sage ein paar freundliche Worte zu einem Fremden. / Schließe die Augen und schreie so laut du kannst, dann spüre. / Mutige Innenschau: Wo wäre ich gern noch mutiger? Was hält mich davon ab?“ Klingt spannend, oder?

Marita (patchworkaufaugenhoehe.de)

Auch Marita berät Familien als zertifizierte Elternkursleiterin und Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation. Ich habe sie und ihren Mann vor einigen Wochen persönlich kennen lernen dürfen. Die beiden waren vor rund zehn Jahren definitiv mutig, denn sie haben sich auf ein gemeinsames Leben als Patchworkfamilie eingelassen. So hat Marita neben zwei leiblichen Kindern einen inzwischen 11 1/2-jährigen „Bonussohn“, der auch mit ihnen zusammenlebt. In ihrem Beitrag beschreibt sie, was Mut für sie im Sinn der Gewaltfreien Kommunikation bedeutet und warum es für sie ein mutiger Schritt war, sich auf einen Partner mit Kind einzulassen. In ihrer Online-Beratung und über ihre Facebook-Gruppe „Patchworkaufaugenhöhe“ begleitet sie Frauen und Männer, die sich nach einer Trennung auf das Leben in einer Patchworkfamilie einlassen.

Tilman (tilmansite.wordpress.com)

Tilman nahm als einer von zwei Männern an meiner Blogparade teil. Er begleitet mich als treuer Leser meines Blogs schon seit langem und ich freue mich, dass er sich auch an dieser Blogparade beteiligt hat. Sein schlichtes und klares Fazit: „Mut ist für mich, die eigene Angst zu akzeptieren“. Sehr schön finde ich das Bild, das er für seinen Blogbeitrag gewählt hat: Ein Gemälde von Léon-Maxime Faivre („Deux mères“), eine Frau, die versucht, ihre Kinder, nur mit einer Keule bewaffnet, vor einer Bärin zu schützen; das Tier, offensichtlich ebenfalls eine (Tier-) Mutter, hat sie und ihre Kinder bereits in die Enge getrieben. Verletzlichkeit und Stärke in einem Bild vereint: danke, Tilman, dafür und für deine Worte!

Robert (robinioblog.wordpress.com)

Vor Tilmans Beitrag erreichte mich Roberts Text und seine Reflexion passt thematisch gut zum Themenkomplex Mut, Verletzlichkeit und Stärke. Er lässt seine Leser*innen teilhaben an einem Moment der Schwäche, einem „Tränen Intermezzo“, und kommt zu der Schlussfolgerung: „Mut ist auch oder ganz besonders, zu zeigen die eigene Schwäche. Den tiefen Schmerz. Dass ich brauche deine Hilfe. Mut zu finden, den Helden nicht zu spielen, ist ein Held zu sein.“ Ja, dem kann ich definitiv zustimmen. Und ich danke dir, Robert, sehr für diesen persönlichen, gefühlvollen Beitrag!

Tetegina (Facile98.wordpress.com)

Teresa („Tetegina“) beschreibt in ihrem Blogbeitrag eine konkrete Situation, in der sie Mut gezeigt hat: Ein Streit zweier junger Männer, der in Handgreiflichkeiten ausgeartet ist. Einer der Männer blutet bereits. Ohne groß darüber nachzudenken, geht sie dazwischen und verhindert so eine weitere Schlägerei. Erst hinterher wird ihr bewusst, in welche Gefahr sie sich gebracht hat. Wirklich wütend macht sie aber, dass viele der Passanten einfach tatenlos zugesehen haben: „Was für ein Wahnsinn… vor allem diese glotzenden Menschen, die nichts tun, außer nur glotzen, die regen mich sowas von auf.“ Danke, Tetegina, dass du gehandelt hast, das macht mir selbst Mut. Und, ja, Zivilcourage und der Einsatz für andere gehört definitiv zu einer Blogparade zum Thema „Mut“!

Jani und Freddy (nochsoein.blog)

Auch Jani und ihr Mann Freddy, die sich in ihrem Blog mit Themen wie Minimalismus und Nachhaltigkeit befassen, gehen auf das Thema „Mut“ ein, u.a. mit Blick auf die Gesellschaft um sie herum. Für sie bedeutet, mutig zu sein, für die eigenen demokratischen und sozialen Werte einzutreten und sich von Gegenwind nicht irritieren zu lassen: „Dazu gehört für uns gegen Ungerechtigkeiten aufzustehen, sich für die schwächeren Mitglieder unserer Gesellschaft einzusetzen, gegen Rassismus, Intoleranz, Diskriminierung, Sexismus und Ausgrenzung vorzugehen und sich für die Einhaltung von Menschenrechten stark zu machen. Das braucht in der Gesellschaft eine ordentliche Portion Mut!“ Schön, dass ihr diesen Mut habt. Dass meine Blogparade zudem nach eurer Aussage Thema eures Gesprächs am Abendbrottisch war, freut mich besonders!

Nadine (dresdenmutti.com)

Nadine wiederum, deren Blog ich schon seit einiger Zeit gerne lese, beschreibt eine persönliche Entscheidung, die sie viel Mut gekostet hat. Mit Mann und zwei Kindern ist sie aus dem Rheinland zurück in ihre Heimat Dresden gezogen und hat sich somit entscheiden müssen: folge ich meiner inneren Stimme, auch wenn ich noch nicht weiß, wohin mich meine Entscheidung führen wird, oder lasse ich aus Angst vor der Veränderung alles beim Alten? Ihr, wie ich finde, beeindruckendes Fazit: „Ich allein habe eine Entscheidung für vier getroffen und getragen – das wog schwer! Und doch machte die Entscheidung leicht und frei.“ Danke für diesen Denkanstoß!

Petra (rappido.home.blog)

Auch Petras Weg zeigt, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern vielmehr, sich seinen Ängsten zu stellen. Ihre ehrlichen, unverstellten Texte berühren mich immer wieder, so auch dieser, in dem sie erzählt, wie sie trotz ihrer Furcht für ihren Sohn vom 3-Meterbrett springt, ihre Kinder zur Welt bringt, sich von Mann und Haus trennt, weil sie in ihrem damaligen Leben nicht mehr glücklich ist und noch einmal ganz neu anfängt. „Ich weiss, dass hinter der Angst die ganz grossen Dinge warten. Die besonderen, wertvollen. Die, für die es sich lohnt über seinen Schatten zu springen. Die, an die man sich lange erinnert und die einen zum Schmunzeln bringen, wenn man zurückdenkt.“ Ja, liebe Petra, das sehe ich genauso. Dein Text empfinde ich wirklich als ermutigend!

Silke (gut-alleinerziehend.de)

Mit Silke schließt sich der Kreis beeindruckender Autor*innen, die ich hier vorstellen kann. Sie hat mir die Freude gemacht, sich als Erste an meiner Blogparade zu beteiligen, mit einem kreativen und zugleich kämpferischen Text über die wahren „Drachentöterinnen“ der Moderne. Nach der Trennung vom Vater ihrer Kinder hat sie sich in beeindruckender Weise neu orientiert und im Leben wieder Fuß gefasst. Ihr Blog und auch ihre zwei Facebook-Gruppen für alleinerziehende Mütter, bzw. alleinerziehende Mütter und Väter („gut-alleinerziehend“) sind für viele zu einem echten Halt geworden. Ihr Fazit: Das Alleinerziehend-Sein hat mich stärker und selbstbewusster gemacht. […] Die Drachen „Angst“ und „Zweifel“ tauchen allerdings immer wieder in meinem Leben auf. Aber statt mich vor ihnen zu verkriechen, weiß ich jetzt, dass sich der Kampf mit ihnen lohnt. Denn die Drachen hüten einen Schatz, den sie mir nicht einfach kampflos überlassen. Es ist der Schlüssel ins Königreich „Freiheit“, wo es noch viel schöner ist, als in der damals sehnlichst herbeigesehnten Komfortzone.

Was für beeindruckende Beiträge! Ich bedanke mich ganz herzlich bei euch allen, die ihr an meiner Blogparade teilgenommen habt.

Und was fällt euch zum Thema „Mut“ ein? Welcher Beitrag hat euch am meisten berührt oder euch zum Nachdenken gebracht? Wie immer freue ich mich, von euch zu lesen! 

Herzliche, ermutigende, Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit, Sarah

[Foto: Pixabay]

[Dieser Beitrag enthält Links zu Seiten, die kommerzielle Angebote enthalten und damit (unbezahlte) Werbung]

9 Gedanken zu „Mut für mich? Nicht „Everybody’s Darling“ sein. Ergebnis meiner Blogparade zum Thema „Mut““

  1. Danke, Sarah, für deine Worte. Deine Worte zu unseren Beiträgen sowie dein Beitrag zum Thema. Sich nicht einfach der Situation oder einem Umstand anzupassen ist manchmal eine große Herausforderung. Das heißt zu sich selbst stehen. Das fällt doch vielen Menschen schwer.
    Lg, Robert

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  2. Danke, liebe Sarah, für die bunte Blogparade. Ich habe es zeitlich nicht geschafft, nachdem WordPress ein Update herausgebracht hat, nach dem die App eine Weile nicht mehr blind bedienbar war. Zum Glück habe ich es wieder im Griff.

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Lydia, danke für deinen Kommentar. Kein Problem, ich rufe sicher mal wieder eine „Parade“ aus!🙂 Und absurd, dass du wg. eines Updates der Software auf einmal nicht mehr bloggen konntest… War mir tatsächlich aufgefallen, dass du länger nichts geschrieben hattest. Zum Glück klappt es jetzt wieder. Lg, Sarah

      Gefällt 1 Person

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