Hochsensibilität, Persönliches

Nachtgedanken. Oder: Dein Licht zum 1. Advent

Brennende Kerze vor schwarzem Hintergrund

Manchmal sitzen sie uns auf der Brust, die  Nachtgedanken. Als Kind habe ich in einem Märchenbuch einmal das Bild eines Nachtalbs gesehen: ein garstiger Kerl, halb Greis, halb koboldhafter Dämon, der es sich auf der Brust des Schläfers bequem gemacht hatte. Dieser starrte ihn im Moment des Erwachens entsetzt an; der Alb grinste zufrieden. Das Bild hat mich damals sehr beeindruckt. Ich konnte die Bedrohlichkeit der Szene spüren, ohne sie selbst schon erlebt zu haben. Heute dagegen weiß ich, wie es sich anfühlen kann, nachts den Druck von Verantwortung und Alltagsaufgaben zu spüren, die Sorge, ob meine Kräfte reichen werden, ob es mir gelingen wird, meine Lieben und mich gut durch alles zu führen, was uns als Herausforderung begegnet. Geht es dir manchmal auch so? Dann lies hier:

Du bist nie allein.

Selbst wenn du dich, in tiefer Nacht, verlassen fühlen magst. Wenn dich Sorgen hindern, wieder in den Schlaf zu finden und du spürst, dass Angst dein Vertrauen in dich und die Menschen um dich herum blockiert – selbst dann bist du nicht allein. Denn auch wenn sonst niemand greifbar ist. Wenn du vielleicht fast verzweifelst, weil du im Außen nach Hilfe suchst und sie dort nicht in der Form erhältst, wie du sie benötigen würdest – du hast noch immer dich selbst. Nimm dich wahr: deinen Atem, den Grund unter deinen Füßen, dein SEIN. Du gehst dir nicht verloren. Und wie ein Feuer alles niederbrennen, aber doch nicht die Natur am Wiederwachsen hindern kann, so mag dich deine Verzweiflung im Moment überwältigen – aber sie kann dir das Leben selbst nicht nehmen. Daher: nimm dich wahr: deinen Atem, den Grund unter deinen Füßen. Du selbst bist der Halt, den du im Außen suchst. Du bist nicht allein. 

Sorge gut für dich selbst. Nähre dich.

Das meine ich ganz wörtlich. Vielleicht bist du während des Tages nicht dazu gekommen, genügend zu essen. Oder du hast dich nicht in Ruhe hingesetzt, um das Erlebte zu verdauen. Dies fehlt dir nun, um nachts auch innerlich zur Ruhe zu kommen. Dann sorge gut für dich. Eine gute Bekannte, Mutter zweier kleiner Kinder, hat mir erzählt, sie dusche manchmal nachts, wenn alle schliefen, heiß und ganz in Ruhe. Das sei ihr Weg, sich selbst Gutes zu tun. Ich selbst gönne mir schon einmal einen großen Teller selbstgekochte Bolognese, die ich am Vortag ohne Muße hätte essen müssen. Oder ich schreibe meine Gedanken auf und auf einmal ist die Stille der Nacht mein Raum zur Kontemplation, in dem ich mir mit neuer Kraft begegne.

Du bist Teil eines großen Ganzen.

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb angesichts seines Todes: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag“. Seine Worte begleiten mich seit Jahren. Wenn du meinst, den Halt zu verlieren, wenn du Angst oder Verzweiflung spürst, dann sei dir bewusst, du bist im doppelten Sinn nicht allein. Du hast immer dich selbst. Und du bist Teil von etwas, das über dich hinausgeht. Ob du dieses Empfinden des Gehalten- und Getragenwerdens als von einer höheren Instanz geschenkt betrachtest oder in ihm das fein gesponnene Netz all der Menschen wahrnimmst, die wie du zweifeln, horchen und auf der Suche sind – du bist getragen und ein Teil des Ganzen. Im Allein-Sein steckt das All-Eins-Sein. Du bist tief verbunden mit allen, die wie du verzweifeln und neue Kraft gewinnen. Deine persönlichen Sorgen sind nur ein Klang unter vielen. Gib sie ab. Du bist nicht allein. 

Sieh das Licht. In dir und in der Welt.

Tauchst du auf aus deiner Verzweiflung, dann zeigt sich dir wie die Dämmerung des Morgens der Schimmer neuer Hoffnung. So hell wie dieser Tag, an dem alles neu möglich ist, glimmt auch in dir das Licht deiner Möglichkeiten. Gib ihm den Raum, dich ganz zu erhellen. Wie das Adventslicht die Winternacht Woche für Woche stärker erhellt, so kannst auch du dich erhellen lassen von neuem Vertrauen, von Liebe und Zuversicht. Du bist nicht allein. Auch in Nächten wie diesen.

Herzlichen Gruß, Sarah (mutter-und-sohn.blog)

[Foto: Pixabay]

2 Gedanken zu „Nachtgedanken. Oder: Dein Licht zum 1. Advent“

  1. Mein Moment-ICH sitzt im Zeitkörper und entsteht so wie du die Wörter setzt. Ich lese dich und bin sofort einverstanden mit dem Alles-In-Einem sein. Du hast verstanden was sich uns immer wieder offenbart. Die kleinen Glücklichkeiten nicht verpackt und nicht in Tüten. Nein, direkt vor dir sitzend oder als Klang oder Stimme in deinem Ohr oder als Hand in deiner Hand. Ein Versprechen richtig zu sein und seinen Platz zu kennen. Wie eine Kerze zu brennen im Wissen zu strahlen und ein Licht in die Welt zu tragen…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s