Silvesterknaller: Das Ergebnis der „Flüsterpost“

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Erinnert ihr euch? 

Anfang Dezember bat ich euch, mir eine Frage zu stellen, die dann sowohl ich als auch ihr mit einem Blogbeitrag beantworten würdet. Ich nannte das ganze „Flüsterpost“. Ein wenig wie bei einer Blogparade, nur dass ihr mit euren Fragen den Impuls geben konntet.

6 spannende Fragen

Bis zum 15.12.18 haben mich auch tatsächlich einige Fragen erreicht, allerdings interessanterweise per Mail, persönlich oder über Kurznachrichten. Vielleicht war das „öffentliche“ Fragen im Blog für einige von euch doch zu „persönlich“? Oder der alte Spruch „Frag nicht so dumm!“ zu präsent in manchen Köpfen, um sich in dieser Form zu exponieren?

Hier jedenfalls die sechs Fragen, die ich selbst am interessantesten fand und zu denen ich im Verlauf der nächsten Wochen tatsächlich jeweils einen Blogartikel schreiben werde (insofern ich es denn nicht schon getan habe).

1. Gibt es einen Satz, der dich (in schwierigen Situationen) durch dein Leben begleitet?

Ja, den gibt es und ich werde hier im Blog bald darüber schreiben, warum dieser gerade in schwierigen (Entscheidungs-) Situationen für mich wirklich hilfreich ist! [Nachtrag: Hier ist der Artikel!🙂]

2. Hast du ein Vorbild, einen Menschen, den du bewunderst? 

Eine schwierige Frage für mich, da ich eigentlich eher dazu tendiere, mich an inneren Maßstäben zu orientieren statt konkrete Menschen als Vorbild zu wählen und ihnen nachzueifern. Ich nehme die Frage als Herausforderung an und möchte hier im Blog auch dazu schreiben.

3. Warum bloggst du?

Es gibt mehrere Gründe. Ich habe darüber bereits zwei Artikel geschrieben: Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? und Wer ist „Sunnybee“? Sechs Monate mutter-und-sohn.blog. Ich bin neugierig, ob sich für mich im Verlauf der nächsten Monate noch weitere Antworten ergeben, dann schreibe ich zu der Frage vielleicht noch einmal einen Beitrag.

4. Wem bist du dankbar?

Tja… dem Leben, das mich oft schon herausgefordert, mir aber auch einen wunderbaren Sohn, Gesundheit sowie Zuversicht und innere Stärke geschenkt hat. Meiner Familie, meinem Ex-Partner und Vater meines Sohnes, (engen) Freunden. Das Thema „Dankbarkeit“ zieht sich durch viele meiner Texte. Ich habe z.B. hier („Die Liebe (m)einer Mutter“) und hier („14 Stunden. Dankbar sein“) schon einmal explizit darüber geschrieben und auch eine meiner Blogparaden hat viel mit dem Thema Dankbarkeit zu tun: „Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du je erhalten hast?“. Ich bin gespannt, welche weiteren Aspekte des Themas sich mir noch erschließen. Dann greife ich es hier im Blog sicher wieder auf.

5. Hast du Lust, über Sina Trinkwalder zu schreiben?

Sina Wer?! Ich hatte von der Frau noch nie gehört, als ein Bekannter mir vorschlug, einen Blogartikel über sie zu schreiben. Aber nach kurzer Recherche weiß ich: sie ist einen Text wert und den könnt ihr jetzt bereits hier im Blog lesen – klickt einfach auf den Link, dann findet ihr ihn!

6. Was ist „Heimat“ für dich?

Eine weitere interessante Frage, wie ich finde. Heimat als soziale Herkunft oder Herkunftsort? Innere Heimat oder gar Heimat in einem größeren, spirituellen Sinn? Auch darüber werde ich in den nächsten Wochen schreiben.

Vielleicht habt ihr ja inzwischen Lust, selbst zur Tastatur zu greifen und zu einer der Fragen einen „Antwortartikel“ zu verfassen? 

Ich bin gespannt und wünsche allen, die meinen Blog mitlesen, herzlich einen guten Jahreswechsel und für 2019 alles Gute!🙂🍀 

Lieben Gruß, Sunnybee 

Blindenstöcke für Togo. Ein Nachtrag zum Artikel über Sina Trinkwalder

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Schüler des „Centre des Aveugles de Kpalimé“ (C) Isadora75

Hier noch eine Ergänzung zu meinem Artikel über die Unternehmerinnen Sina Trinkwalder und ihr soziales Engagement im Rahmen ihrer Textilfirma manomama.

Ein Kommentar zu meinem Blogbeitrag hat mich zum Nachdenken gebracht. Tilman, ein Blogger, der seit längerem meine Beiträge mitliest, schreibt mir: 

„Wenn Du Dich bei so einem Artikel ganz klein fühlst ist das normal. Mach das Notwendige, dann ist schon mal an Dich gedacht. Dann das Mögliche, dann machst Du die Welt hier und da auch etwas besser und das ist doch wunderbar. Und es langt, einem bedürftigen Mensch mit Deinen Möglichkeiten eine Freude zu machen. Und dann blicke auf das Geleistete zurück und erfreue Dich an Dir und der Welt. Und an Sina Trinkwalder 😉“

Klarsicht und Nachsicht

Was mir sehr an diesem Kommentar gefällt und mich dazu bringt, jetzt noch einen (Folge-) Artikel zu verfassen, ist die Klarsicht – und auch Nachsicht – , die aus diesen Zeilen spricht. Ein Porträt wie das der Unternehmerin Trinkwalder soll in keiner Weise einschüchternd wirken – jedenfalls ist das nicht meine Absicht. Aber natürlich haben „Power-Menschen“ wie Trinkwalder oder z.B. auch Monika Hauser von Medica Mondiale oder der (inzwischen verstorbene) Karlheinz Böhm, der die Hilfsorganisation Menschen für Menschen gründete, prinzipiell auch etwas Einschüchterndes an sich. Die Kraft, Überzeugung, Konsequenz und Ausdauer, die sie bei Aufbau und Erhalt ganzer Unternehmen, bzw. Hilfsorganisationen, an den Tag legten und legen, würden wir vermutlich gar nicht aufbringen. Je nach Naturell und aktueller Situation reagieren wir dementsprechend mit (neidloser) Anerkennung, Staunen – oder auch einem vagen Unbehagen. Das „Ich-sollte-auch-was-tun-aber-krieg-den-Hintern-nicht-hoch“-Gefühl… Und allzu oft wenden wir uns dann ab mit der Empfindung „Eine Nummer zu groß für mich!“ und der paradoxen Schlussfolgerung: „Dann tue ich lieber gar nichts!“

Daher unterschreibe ich in aller Deutlichkeit Tilmans Bemerkung: 

Mache das dir Mögliche – damit machst du die Welt bereits etwas besser. Und es reicht, schon einem bedürftigen Mensch mit Deinen Möglichkeiten eine Freude zu machen. 

15 Blindenstöcke für Togo

Beim Surfen im Netz bin ich auf der Seite einer weiteren Bloggerin gelandet, deren Beiträge ich sehr schätze. Als blinde Mutter mit arabischem Hintergrund und bereits erwachsenen Kindern erschließt mir Lydia von lydiaswelt tatsächlich einen ganz neuen Blick auf die Welt. Was ich z.B. nicht wusste: im afrikanischen Togo gibt es nur etwa fünf Schulen für blinde und sehbehinderte Menschen. Eine davon ist das „Centre des aveugles de Kpalimé“, ein zum Teil spendenfinanziertes, kirchlich geführtes Hilfszentrum mit Regelschule für Blinde und Sehbehinderte. Die Einrichtung ist laut der Beschreibung des Blogartikels gut organisiert und ermöglicht zahlreichen Menschen mit Seheinschränkung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Trotz des Engagements der Lehrer/innen und Betreuer fehlt es materiell jedoch an vielem. So verfügt das „Centre des aveugles de Kpalimé“ offensichtlich nicht über ausreichend wirklich funktionstüchtige Blindenstöcke. Die aus dem Nachbarland Ghana importierten Langstöcke sind oft verbogen und kaum noch brauchbar. Als Sehende kann ich mir kaum vorstellen, was es bedeutet, mit so einem notdürftig funktionsfähigem Hilfsmittel unterwegs zu sein. 

Lydia, die auf ihrem Blog von dieser Situation berichtet, hat daher eine Spendenaktion initiiert. Ziel: Geld für 15 neue Blindenstöcke zu sammeln, die an das „Centre des aveugles de Kpalimé“ in Togo gespendet werden können. Da jeder Stock 20€ kostet, ist das Ziel, insgesamt 300€ zusammen zu bekommen. Die Aktion läuft noch bis zum 15. Januar 2019. Mehr Infos dazu findest du hier.

Tja – Initiative muss nicht groß, pompös und weltumspannend sein. Der wache Blick, was nötig ist, genügt. Und dann einfach machen! Genau so viel, wie dir mit deiner Kraft, Energie und Überzeugung möglich ist.

In diesem Sinne herzliche „Nach-Weihnachtsgrüße“ und Freude und Dankbarkeit für alles, was uns geschenkt ist!

Sunnybee

„Wunder muss man selber machen!“ Ein Portrait der Gründerin Sina Trinkwalder

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Unternehmerin Sina Trinkwalder (Foto: Michael Schrenk)

Sina Wer?… Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, von wem der Bekannte sprach, der mir vorschlug, in meinen Blog ein Portrait von Sina Marie Trinkwalder zu veröffentlichen.

Wer also ist Sina Trinkwalder?

Eine echte Powerfrau! Nach einem (abgebrochenen) Studium der Politik und Betriebswirtschaftslehre gründet sie mit gerade einmal 21 Jahren mit ihrem damaligen Mann eine Werbeagentur. Gemeinsam führen sie diese elf Jahre lang, bevor Trinkwalder sich 2010, nach der Geburt ihres Sohnes, entschließt, ein weiteres Unternehmen zu gründen: die – inzwischen aufgrund ihres sozialen Engagements mehrfach preisgekrönte – Textilfirma manomama. 

Menschlichkeit statt Gewinn-Maximierung

Wir geben Menschen, die sonst jede Firma ablehnt, eine Chance, ihren eigenen Erwerb zu erwirtschaften und ermöglichen ihnen damit wieder Teilhabe an unserer Gesellschaft“, erklärt Sina Trinkwalder auf der Homepage der Firma deren Geschäftskonzept. Diese laut Arbeitsagentur „schwer vermittelbaren“ Menschen sind gehandicapt, mit Migrationshintergrund, alleinerziehend (!) oder ohne Schulabschluss – eben ganz normale Menschen, denen es aufgrund ihrer Biographie oder Lebenssituation schwer fällt, den Anforderungen eines flexiblen, an Effizienz und Gewinnmaximierung orientierten Arbeitsmarktes zu genügen. 

Dabei ist manomama kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen. Die auf der Website vorgestellte und online bestellbare Kleidung unterscheidet sich in Stil und Art der Präsentation kaum von ähnlichen Angeboten großer (Online-) Modefirmem. 

Ökologisch, regional und fair produziert

Was anders ist: diese Kleidung wird regional hergestellt, d.h. auch die Rohstoffe kommen, soweit verfügbar, aus der Region. Diejenigen, die die Kleidungsstücke produzieren, werden mit Stundenlöhnen von mindestens 10 Euro tatsächlich fair bezahlt und über die Standards der gängigen Textil-Ökosiegel hinaus verzichtet manomama komplett auf erdölbasierte Komponenten, die z.B. Hosen den typischen Stretch-Effekt geben. Und die Philosophie der Firma ist wohl tatsächlich die einer „Familie“, in der die Stärkeren die Schwächeren unterstützen, so dass alle gemeinsam ein sinnvolles Projekt auf den Weg bringen und erhalten können. Sina Trinkwalder nennt in ihrem privaten Blog einige ihrer rund 150 MitarbeiterInnen jedenfalls beim Vornamen und scheint ihre Biographien genau zu kennen. 

Lohnt sich das?

Auf der ethisch-sozialen Ebene ganz sicher. Auszeichnungen wie der Bayerische Bürgerkulturpreis, der Deutsche Nachhaltigkeitspreis oder auch der Barbara-Künkelin-Preis für „couragierte Frauen, die etwas ändern wollen“, geben Sina Trinkwalder recht. Zuletzt erhielt sie 2015 für ihr soziales Engagement sogar das Bundesverdienstkreuz. Sie kommentierte trocken: „Ein Schleifchen für die Mädels, eine Hundeplakette für die Jungs, ich hab gedacht, ich schmeiß mich weg!“ (EMMA, 1/2016)

Direkt und geradeheraus, dazu selbstbewusst unterwegs in allen sozialen Medien, ist die Unternehmerin ein wahres Marketingtalent. Einnahmen aus ihrer Werbeagentur bildeten dabei den Grundstock für ihre heutige Firma manomama. Ist dieses an sozialen und ökologischen Werten orientierte Unternehmen auch wirtschaftlich rentabel? Nun, 9 Millionen Umsatz machte manomama bereits 2016, immerhin 80.000 Euro Gewinn nach Abzug aller Steuern. Die Zusammenarbeit mit der Drogeriemarktkette dm oder dem Lebensmittelhandel tegut sind Teil von Trinkwalders Marketing-Strategie; Aufritte in diversen Talkshows und Radiosendungen sowie ihr privater Blog zeigen, dass sie ihr Geschäftskonzept zu vertreten und erfolgreich ihre Netzwerke zu nutzen weiß.

Ziele für die Zukunft

Was ist Trinkwalders Vision für die Zukunft? Auf die rhetorische Frage eines Journalisten, ob sie nicht fürchte, dass ihr „Weltverbesserer-Ansatz“ nur punktuell helfe, antwortet sie jedenfalls in der für sie typischen direkten und humorvollen Weise: 

„Wie geht denn ein Umbruch vonstatten? Einer geht vor und schlägt mit der Machete eine Schneise in den Dschungel. Dann folgen die anderen. […] Für manchen anderen Unternehmer bin ich vielleicht auch der rostige Nagel im Hintern, der mehr Antrieb verleiht.“

Und was sonst stößt Wandel an: dass eine/r rausgeht, selbst denkt – und macht. Also los! 🙂

Herzlich, Sunnybee

Zum Weiterlesen:

Was ist das größte Geschenk, das du je bekommen hast? (Blogparade)

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Passend zu Weihnachten, der großen „Familienfeier“ des Christentums, nehme ich heute an meiner eigenen Blogparade teil:

Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du in deinem Leben bekommen oder geschenkt hast? 

Die spontane erste Antwort, die mir in den Sinn kommt: mein Sohn und die Liebe, die ich für ihn empfinden kann. 

Und dennoch möchte ich diesen Text einem anderen mir sehr nahe stehenden Menschen – und seiner Liebe zu mir – widmen. 

Vier Monate nach der Geburt meines Sohnes im Jahr 2015 hatte ich 10 Kilo abgenommen, konnte kaum noch zehn Treppenstufen auf einmal mit ihm auf dem Arm bewältigen, hatte einen Ruhepuls von fast 200. Ausgelöst durch die hormonelle Umstellung nach Schwangerschaft und Geburt hatte ich eine massive Schilddrüsenüberfunktion. Der dringende ärztliche Rat, neben der medikamentösen Behandlung: schonen Sie sich, vermeiden Sie zusätzlichen Stress und essen Sie in Ruhe mehrere gehaltvolle Mahlzeiten pro Tag, um körperlich wieder zu Kräften zu kommen. 

Entspannen mit Säugling in der Großstadt?

Gut gemeint, aber wie umgesetzt, (weitgehend) auf mich gestellt in einer Großstadt, mit einem Säugling, der mich nachts noch im Zweistundentakt weckte und einem Partner, der darum kämpfte, sich in seiner Rolle zwischen Beruf und Vaterdasein zurechtzufinden?

Vermutlich war meine Situation ernster als ich es damals realisierte. Im Rückblick sehe ich, dass ich mich fast verloren hatte zwischen den Anforderungen des Mutter-Seins und der Belastung einer nicht wirklich stabilen Partnerschaft zwischen dem Vater meines Sohnes und mir. Innige Glücksmomente, gefolgt von heftigen Streits, Schlafmangel und über Wochen immer nur wenige Minuten, in denen ich meine Aufmerksamkeit ungeteilt auf mich selbst richten konnte – obwohl mein Leben als Mutter eines Säuglings äußerlich gar nicht ungewöhnlich verlief, stimmte innerlich offensichtlich etwas ganz und gar nicht: mein Körper gab mir schließlich das Signal: so geht es nicht weiter, was du hier lebst macht dich krank! 

Der sichere Hafen 

Das größte Geschenk, das ich in diesem Moment bekam, war tatsächlich die Liebe meiner Mutter. Ohne zu zögern, lud sie mich und unseren Sohn in ihr Haus ein. Was als „Nothilfe“ für ein bis zwei Wochen gedacht war, wurde letztlich zu einer über zweimonatigen Lebensgemeinschaft auf Zeit. Sie, die eigentlich gar nicht besonders gern kocht, grub alle Lieblingsrezepte meiner Kindheit aus, kochte drei warme Mahlzeiten pro Tag für mich, wiegte mein Kind in den Schlaf, wenn ich erschöpft kurz davor war, selbst einzuschlafen, kaufte ein, hörte mir zu, bzw. ließ mich einfach still und momenteweise ganz bei mir sein. Erst im Rückblick verstand ich auch, welche Sorgen sie sich um mich gemacht haben muss, da der dauerhaft hohe Puls wohl ernsthaft gefährlich für mein Herz war und sie ja wusste: ich hatte nicht nur die Verantwortung für mich selbst, sondern auch für mein kleines Kind.

In gewisser Weise „rettete“ mich meine Mutter in diesen Wochen, vor allem, weil sie mir den Raum gab, mich – nach und nach – wieder selbst zu fühlen. Unter ihrer Fürsorge und ihrer liebevollen, aber nie fordernden, Aufmerksamkeit in dieser Zeit konnte ich zunächst körperlich und dann auch seelisch wieder zu Kräften kommen. Und ich fand nach und nach Antworten in mir, wie ich mein Leben, zurück in der Großstadt, weiterführen wollte. 

Halt und Orientierung

Ich muss ehrlich zugeben, mein Partner (und jetziger Ex-Partner) spielte in dieser Zeit keine große Rolle für mich. Zu sehr waren wir beide in unseren inneren Mustern gefangen, um uns gegenseitig in dieser Ausnahmesituation Halt und Orientierung zu geben. Wir hatten einander angefeindet, statt uns gegenseitig zu stützen. 

Diese Unterstützung, ernsthaft krank, mit einem wenige Monate alten Säugling, erhielt ich von meiner Mutter – und ich bin ihr sehr dankbar dafür, auch wenn ich das in dieser Deutlichkeit wohl bis heute noch gar nicht formuliert habe. 

Lieben und loslassen können

Dankbar bin ich auch, dass sie mich dann wieder „ziehen“ ließ, zurück in ein Leben und auch in eine Partnerschaft, die sicher alles andere als optimal für mich war. 

Ihre Fähigkeit, zu lieben und mich zugleich loszulassen, versuche ich jetzt meinem Sohn zu schenken, wiederum auf meine ganz eigene Weise. Dass ich dazu in der Lage bin, verdanke ich (auch) der Liebe meiner Mutter. Daher ist diese Liebe eines der größten Geschenke meines Lebens für mich. 

Mit dankbarem Gruß, Sunnybee

PS. Fühlst du dich inspiriert und möchtest an meiner Blogparade teilnehmen? Bis zum 31.12.18 kannst du das sehr gerne noch tun! Ich freue mich schon sehr auf weitere verblüffende, berührende oder zum Nachdenken anregende Beiträge! Hier der Link dazu. 

„Welche Brille trägst du?“ Was unser Blick auf die Welt bewirkt

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1991 beschrieb der Soziologe und Philosoph Paul Watzlawick ein seltsames Phänomen:

In den Fünfzigerjahren bemerkten immer mehr Einwohner der amerikanischen Stadt Seattle kleine Kratzer an den Windschutzscheiben ihrer Autos.

Bald waren unter den Menschen zwei Theorien zur Entstehung der Kratzer entstanden: Für die Vertreter der „Fall-out-Theorie“, geprägt durch die Berichterstattung des Kalten Krieges, waren die Kratzer das Ergebnis von radioaktiven Niederschlägen, die von russischen Atomtests verursacht wurden, für die Vertreter der „Asphalt-Theorie“ waren die Kratzer das Ergebnis einer Veränderung des Straßenbelags durch umfangreiche Baumaßnahmen.

Weil die Aufregung in der Stadt so groß war, wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt. Diese kam zu einem ganz anderen Ergebnis. Statt die beiden Theorien zu untersuchen, prüfte die Kommission zuerst, ob es überhaupt eine Zunahme an Kratzern auf Windschutzscheiben gab.

Und das Ergebnis war: Es gab keine.

Wie aber kamen die Einwohner zu ihrer Wahrnehmung? Als die Berichterstattung über zerkratzte Windschutzscheiben zunahm, prüften immer mehr Menschen die Scheiben ihrer Autos. Dazu starrten sie sie von außen aus nächster Nähe an, statt wie sonst von innen durch sie hindurchzusehen. In der Erwartung, Schäden zu entdecken, sahen die Menschen aus ihrem eigens dazu eingenommenen Blickwinkel Kratzer, die gewöhnlich bei jedem Auto vorhanden sind, die sie aber vorher nie wahrgenommen hatten. Die Aufregung in Seattle war also weder das Ergebnis von Atomtests noch von Baumaßnahmen, sondern das Resultat von auf der Suche nach Schäden angestarrten Windschutzscheiben.

Vielleicht sollten wir manchmal eher unsere Perspektive überprüfen, als über den „Wahrheitsgehalt“ einer Angelegenheit zu streiten.

Mir kommt das in den Sinn, wenn ich über zwischenmenschliche Beziehungen im Familien- und Freundeskreis nachdenke, ebenso wie – im größeren Rahmen – über die Art, wie wir z.B. Menschen begegnen, die aufgrund von Kriegen und religiöser Verfolgung oder auch einfach „nur“ aufgrund wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit nach Deutschland geflüchtet sind.

Schauen wir durch die Brille der Angst, die Brille des Vorbehalts – oder durch die der Zuversicht und der hoffnungsvollen Erwartung? Je nach Perspektive werden wir die „Kratzer auf der Scheibe“, die in wirklich jeder Situation und Beziehung zu finden sind, ganz anders deuten.

In diesem Sinn herzliche, weihnachtliche Grüße euch allen! Ich danke Birgit Boukes dafür, dass sie mich auf die oben  zitierte Parabel aufmerksam machte, die mich zu diesem Beitrag anregte.

Sunnybee

Wurzeln und Flügel: Was darf man Kindern zutrauen?

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Lydia, von lydiaswelt stellt in ihrem Blog die interessante Frage: Wie viel Eigenständigkeit darf man Kindern eigentlich zutrauen? 

Darf eine 2 1/2-Jährige selbst ihr Brot mit dem Brotmesser in Stücke schneiden? Erlaube ich meinem Sechsjährigen, beim Bäcker um die Ecke, zu dem wir jeden Morgen gehen, alleine Brötchen holen zu gehen, wenn er das möchte? Und lasse ich meine Elfjährige mit dem Zug allein zu Oma fahren? 

Gefährde ich meine Kinder, wenn ich ihnen viel zutraue? 

In der Frage „Was darf ich meinen Kindern zutrauen?“ schwingt ja die Besorgnis mit, sie gegebenenfalls zu überfordern oder gar zu gefährden, dadurch, dass ich Dinge nicht für sie übernehme. Und natürlich ist die Besorgnis einerseits berechtigt: einen Dreijährigen würde ich nicht alleine zuhause lassen um mal eben einkaufen zu gehen. Einen Sechsjährigen, zusammen mit seiner zehnjährigen Schwester, aber vielleicht schon? Und mein Dreijähriger darf an der Kasse mit dem Geld, das ich ihm gebe, „bezahlen“, den Einkaufswagen zurück zum Sammelpunkt fahren, ihn anschließen und die Pfandmünze entgegennehmen. Begleitet von mir, bzw. unter meinem aufmerksamen Blick aus der Ferne – aber gefühlt selbst gemacht.

Von Wurzeln und Flügeln

Ehrlich gesagt lebe ich seit der Geburt meines Sohnes vor gut drei Jahren in dem Bewusstsein: Meine Aufgabe ist, ihm Wurzeln zu geben – aber auch, ihn seine Flügel entdecken (und entfalten) zu lassen. Bestenfalls kann ich ihm das Vertrauen schenken, dass ich 100% für ihn da sein möchte und oft auch da sein kann. Von dieser Basis aus wird er seine eigenen Wege gehen (müssen). Und das ist – und wird in Zukunft noch weiter – meine zweite Aufgabe als Mutter sein: ihm soweit zu vertrauen, dass ich ihn loslassen kann. 

Im Kleinen erlebe ich das bereits heute, wenn mein inzwischen dreijähriger Sohn Dinge alleine machen möchte, die ich wenige Wochen zuvor noch für ihn erledigt habe. „Mama, selber!“ ist sein mehr oder wenig energisch geäußerter Satz, der im Moment unseren Alltag begleitet. Und ich lasse ihn sehr oft machen. Manchmal mit einem verstohlenen Blick, ob ihm das Selbermachen auch gelingt, oft durchaus mit der Mahnung: „Vorsicht, schwer, heiß, scharf!“ und natürlich lasse ich ihn nicht allein mit dem Fleischmesser oder der Gartenschere hantieren. Aber bereits mit 2 1/2 Jahren durfte er mit dem Laufrad vorneweg bis zur Bordsteinkante fahren, anfänglich begleitet von meinem Ruf: „Vorsicht, Straße!“ Natürlich hatte ich ihm davor gezeigt und erklärt, dass das Warten an der Straße unbedingt erforderlich ist, hatte es mit ihm einige Male geübt, durchaus theatralisch dabei auf die Gefährlichkeit der vorbeifahrenden Autos hingewiesen – aber dann ließ ich ihn fahren. Und er wartet jedes Mal genau an der Kante, Daumen hoch, ein stolzes Lächeln auf dem Gesicht: „Schau, Mama, was ich kann!“

Zutrauen kommt von Vertrauen

Dass ich meinem Sohn viel zutraue hat auch damit zu tun, dass ich ihn von klein an als sehr umsichtig erlebt habe: vom Boden auf den Stuhl und vom Stuhl auf den Tisch – er klettert und balanciert unerschrocken, aber nicht, ohne zu prüfen, ob der nächste Schritt auch wirklich sicher ist. Er will sehr viel selbst machen, aber wenn ihm etwas nicht ganz geheuer ist, sagt er auch schon mal „Mama, du bitte!“ und beobachtet, was ich dann tue. Und genauso, wie er – wie alle Kinder – den Schalk im Nacken hat und durchaus schon mal die Plätzchendose vom Regal angelt, wenn ich sie ihm gerade verboten habe; – weise ich ihn im ruhigen und eindeutigen Ton auf die Gefährlichkeit eines heißen Herds oder des Kloputzmittels im Badezimmerschrank hin, lässt er tatsächlich verlässlich die Finger davon. 

Offensichtlich vertraut er mir, dass ich ihn nur bei wirklicher Gefahr in einem bestimmten ernsten Tonfall warne – und ich vertraue ihm, dass er mich versteht und vernünftig genug ist, sich nicht selbst zu gefährden. Ist das verfrüht bei einem Dreijährigen? Aber ab wann ist Vertrauen dann gerechtfertigt? Ab sechs, ab vierzehn, mit der Volljährigkeit?

Meine eigene Kindheit und Jugend

Meine eigenen Eltern haben mir früh viel zugetraut. Und ich bin ihnen sehr dankbar dafür. Ich bin mit 19 Jahren zunächst für ein Jahr ins Ausland gegangen und danach von zuhause ausgezogen. Spätestens ab da konnten sie mich ohnehin nur noch aus der Ferne begleiten. Und ich habe sie durchaus noch oft um Rat gefragt – lege auch heute noch großen Wert auf ihre Meinung – aber meine Entscheidungen habe ich letztlich immer selbst getroffen, oft scheinbar mutig und unerschrocken, im Grunde aber vor allem mit dem Vertrauen, zu wissen, was ich mir zutrauen konnte – und kann.

Dieses Bewusstsein habe ich dadurch erworben, dass meine Eltern mir als Kind und Jugendliche ihr Vertrauen schenkten. Und das will ich meinem Sohn weitergeben: indem ich an seinem Leben Anteil nehme, ihn kennenlerne, um seine Wünsche und Ziele und seine Fähigkeiten weiß – und indem ich ihn dann machen lasse, seinem Alter, seinem Entwicklungsstand gemäß. Im Rahmen seiner Möglichkeiten und manchmal einen Schritt darüber hinaus. Dann halte ich innerlich vielleicht die Luft an: „Geht das gut?“, aber nur so wird er lernen können, was sein strahlender Blick an der Straßenkante heute schon zeigt: Ich kann das – und ich bin das Vertrauen meiner Liebsten wert! 

Wie seht ihr das? Wieviel traut ihr euren Kindern zu (und warum)? Und wo liegen bei euch die Grenzen des Vertrauens? Wenn ihr mögt, schreibt mir dazu oder antwortet Lydia auf ihre Blogparade !

Herzlichen Gruß, Sunnybee

Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

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Meine Mitbloggerin Anna Koschinski stellt in ihrem Blog die Frage: „Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?“ Hier meine Antwort:

Am Anfang stand ein Streit

Tatsächlich stand am Anfang ein Streit: „Ich kann es nicht mehr hören!“, schleuderte mir eine (ältere) Kollegin entgegen: Das Gejammer junger Mütter, sie seien durch Beruf und Kinderfürsorge doppelt belastet. Sie selbst pflege trotz Vollzeitstelle seit Jahren ihre alte Mutter und jammere auch nicht. Das sei ihre „Privatsache“ und meine eben auch, da ich entschieden habe, ein kleines Kind zu haben UND berufstätig zu sein.

Dieses (Streit-) Gespräch war die Initialzündung. Zwei Nachtschichten später stand meine Website und ich hatte meinen ersten Artikel verfasst: Privatsache? Ich fand – und finde – nämlich durchaus, dass der Spagat zwischen beruflichem Engagement und privater Fürsorge (der sogenannten „Care-Arbeit“) ein gesellschaftlich relevantes Thema ist und es zu einfach gedacht ist, (zeitweise) Überforderung damit auf die zu geringe Belastbarkeit einzelner Mütter oder Väter zu schieben. 

Eine Gesellschaft ist so sozial wie die, die in ihr leben 

Der Start meines Blogs war also durchaus kämpferisch – und gesellschaftliche Themen sind bis heute ein wichtiger Aspekt meiner Seite: mich interessiert z.B. sehr, wie eine Gesellschaft aussehen kann, die weniger den Erfolg und die Leistung des Einzelnen im Fokus hat, sondern durch soziales Handeln und Interesse am Gegenüber geprägt ist. Parallel zu meinem Blog setze ich das inzwischen auch im realen Leben um: sei es ein von mir organisiertes Kaffeetrinken mit meinen Nachbarn  im Haus oder der mit einer Freundin initiierte Stammtisch für Allein- und Getrennterziehende: Netzwerke zu schaffen und sich (auch) im echten Leben wirklich zu begegnen ist ein wichtiges Thema für mich. 

Vermutlich auch, weil ich nach der Trennung vom Vater meines Sohnes Anfang 2017 nach Wegen suchte, mich als (getrennt erziehende) Mutter mit kleinem Kind neu zu orientieren. Wir betreuen unseren mittlerweile dreijährigen Sohn fast zu gleichen Teilen in einem Wechselmodell – auch hierüber und über die verschiedenen Phasen der Neuorientierung als getrennt lebende Familie schrieb ich zahlreiche Artikel.  

Und wie weiter? 

Mein Blog ist mir in den letzten Monaten wichtig geworden. Ich finde es großartig, in ihm einen Raum zu haben, in dem ich andere an meinen Überlegungen zu psychologischen und gesellschaftlichen Themen  teilhaben lassen kann. Ich erhalte auch immer wieder die Rückmeldung, Artikel seien bewegend oder gäben in irgendeiner Weise genau wieder, womit sich mein Gegenüber gerade befasse. Das Teilen meiner Gedanken in diesem Blog trägt dazu bei, dass ich auch im „echten“ Leben Menschen, die ich davor noch gar nicht kannte, schneller und „persönlicher“ kennen lerne – sie haben über das Lesen meiner Texte bereits einen Zugang zu mir erhalten, der sich ihnen sonst viel langsamer – wenn überhaupt – erschlossen hätte. Umgekehrt entstehen durch den Austausch über meine Texte tiefe und anregende Gespräche, die den Grundstock zu realen Freundschaften legen. Besonders begeisterte mich zuletzt meine erste selbst gestartete „Blogparade“ zur Frage „Was ist echte Stärke für dich?“: Innerhalb weniger Tage erhielt ich Dutzende Kommentare und zehn mir bis dato (weitgehend) unbekannte Menschen verfassten auf ihren Websites  wunderbare, berührende und tiefsinnige Antwortartikel. 

Freud und Leid des Bloggens

Die Kehrseite des Bloggens habe ich jedoch auch schon kennen gelernt: Eine Aufmerksamkeit, die sich durch „Klickzahlen“ oder gesammelte „Likes“ zeigt, kann einen regelrechten Sog entwickeln: Was, diesen Artikel haben in wenigen Tagen 120 Menschen gelesen? Beim nächsten sollen es noch mehr werden! Auch das Bloggen an sich, über so persönliche Themen, wie ich es tue, hat etwas Ambivalentes. Das Netz ist öffentlich, letztlich anonym und oft auch „stumm“: jeder kann meine, zum Teil sehr offen formulierten, Gedanken lesen, aber muss sich in keiner Weise dazu positionieren. Eine Reaktion wie in einem persönlichen Gespräch erhalte ich längst nicht immer – und andererseits bietet der Blog offensichtlich auch Raum für Projektion: so hat sich, zumindest nehme ich es so im Rückblick wahr, einmal ein Mann hauptsächlich aufgrund meiner Blog-Artikel in mich verliebt und dabei vermutlich übersehen, dass ein echtes Kennenlernen nicht in derselben Intensität und Geschwindigkeit stattfinden kann wie das „Kennenlernen“ eines anderen über seine geschriebenen Texte.

Mir selbst und anderen schreibend begegnen

Jawohl: das Bloggen ist für mich auch eine Art, mir selbst – und anderen – schreibend zu begegnen: die vielfältigen, bunten Erfahrungen, die sich in den letzten Monaten daraus ergeben haben, bestätigen, dass dieser Weg (gerade) der richtige für mich ist. 

Vielleicht ermögliche ich in Zukunft anderen in Form von Workshops, im Prozess des Schreibens „Heimat“ in sich zu finden, sich selbst und andere besser zu verstehen und den ‚roten Faden’ in ihrer Biographie zu entdecken?

Mein Weg ist jedenfalls der der Begegnung: echt, liebevoll (zu mir und zu anderen), offen dafür, innerlich zu wachsen und mir und anderen immer wieder Raum zu geben, einfach zu sein. Ich bin erwartungsvoll, was sich dabei in meinem Blog – und über meinen Blog hinaus im „echten“ Leben -entwickelt. Der Grundstein ist gelegt!

Herzliche Grüße – und ein herzliches Dankeschön an alle, die mich als Leserinnen und Leser seit Beginn meines Blogs im April 2018 begleiten, meine Artikel teilen und kommentieren und diese besondere Art des Austauschs mit mir führen!

Sunnybee

PS. Ach ja… Wer ist „Sunnybee“? Und warum schreibe ich unter Pseudonym? Das erkläre ich hier.