„Wunder muss man selber machen!“ Ein Portrait der Gründerin Sina Trinkwalder

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Unternehmerin Sina Trinkwalder (Foto: Michael Schrenk)

Sina Wer?… Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, von wem der Bekannte sprach, der mir vorschlug, in meinen Blog ein Portrait von Sina Marie Trinkwalder zu veröffentlichen.

Wer also ist Sina Trinkwalder?

Eine echte Powerfrau! Nach einem (abgebrochenen) Studium der Politik und Betriebswirtschaftslehre gründet sie mit gerade einmal 21 Jahren mit ihrem damaligen Mann eine Werbeagentur. Gemeinsam führen sie diese elf Jahre lang, bevor Trinkwalder sich 2010, nach der Geburt ihres Sohnes, entschließt, ein weiteres Unternehmen zu gründen: die – inzwischen aufgrund ihres sozialen Engagements mehrfach preisgekrönte – Textilfirma manomama. 

Menschlichkeit statt Gewinn-Maximierung

Wir geben Menschen, die sonst jede Firma ablehnt, eine Chance, ihren eigenen Erwerb zu erwirtschaften und ermöglichen ihnen damit wieder Teilhabe an unserer Gesellschaft“, erklärt Sina Trinkwalder auf der Homepage der Firma deren Geschäftskonzept. Diese laut Arbeitsagentur „schwer vermittelbaren“ Menschen sind gehandicapt, mit Migrationshintergrund, alleinerziehend (!) oder ohne Schulabschluss – eben ganz normale Menschen, denen es aufgrund ihrer Biographie oder Lebenssituation schwer fällt, den Anforderungen eines flexiblen, an Effizienz und Gewinnmaximierung orientierten Arbeitsmarktes zu genügen. 

Dabei ist manomama kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen. Die auf der Website vorgestellte und online bestellbare Kleidung unterscheidet sich in Stil und Art der Präsentation kaum von ähnlichen Angeboten großer (Online-) Modefirmem. 

Ökologisch, regional und fair produziert

Was anders ist: diese Kleidung wird regional hergestellt, d.h. auch die Rohstoffe kommen, soweit verfügbar, aus der Region. Diejenigen, die die Kleidungsstücke produzieren, werden mit Stundenlöhnen von mindestens 10 Euro tatsächlich fair bezahlt und über die Standards der gängigen Textil-Ökosiegel hinaus verzichtet manomama komplett auf erdölbasierte Komponenten, die z.B. Hosen den typischen Stretch-Effekt geben. Und die Philosophie der Firma ist wohl tatsächlich die einer „Familie“, in der die Stärkeren die Schwächeren unterstützen, so dass alle gemeinsam ein sinnvolles Projekt auf den Weg bringen und erhalten können. Sina Trinkwalder nennt in ihrem privaten Blog einige ihrer rund 150 MitarbeiterInnen jedenfalls beim Vornamen und scheint ihre Biographien genau zu kennen. 

Lohnt sich das?

Auf der ethisch-sozialen Ebene ganz sicher. Auszeichnungen wie der Bayerische Bürgerkulturpreis, der Deutsche Nachhaltigkeitspreis oder auch der Barbara-Künkelin-Preis für „couragierte Frauen, die etwas ändern wollen“, geben Sina Trinkwalder recht. Zuletzt erhielt sie 2015 für ihr soziales Engagement sogar das Bundesverdienstkreuz. Sie kommentierte trocken: „Ein Schleifchen für die Mädels, eine Hundeplakette für die Jungs, ich hab gedacht, ich schmeiß mich weg!“ (EMMA, 1/2016)

Direkt und geradeheraus, dazu selbstbewusst unterwegs in allen sozialen Medien, ist die Unternehmerin ein wahres Marketingtalent. Einnahmen aus ihrer Werbeagentur bildeten dabei den Grundstock für ihre heutige Firma manomama. Ist dieses an sozialen und ökologischen Werten orientierte Unternehmen auch wirtschaftlich rentabel? Nun, 9 Millionen Umsatz machte manomama bereits 2016, immerhin 80.000 Euro Gewinn nach Abzug aller Steuern. Die Zusammenarbeit mit der Drogeriemarktkette dm oder dem Lebensmittelhandel tegut sind Teil von Trinkwalders Marketing-Strategie; Aufritte in diversen Talkshows und Radiosendungen sowie ihr privater Blog zeigen, dass sie ihr Geschäftskonzept zu vertreten und erfolgreich ihre Netzwerke zu nutzen weiß.

Ziele für die Zukunft

Was ist Trinkwalders Vision für die Zukunft? Auf die rhetorische Frage eines Journalisten, ob sie nicht fürchte, dass ihr „Weltverbesserer-Ansatz“ nur punktuell helfe, antwortet sie jedenfalls in der für sie typischen direkten und humorvollen Weise: 

„Wie geht denn ein Umbruch vonstatten? Einer geht vor und schlägt mit der Machete eine Schneise in den Dschungel. Dann folgen die anderen. […] Für manchen anderen Unternehmer bin ich vielleicht auch der rostige Nagel im Hintern, der mehr Antrieb verleiht.“

Und was sonst stößt Wandel an: dass eine/r rausgeht, selbst denkt – und macht. Also los! 🙂

Herzlich, Sunnybee

Zum Weiterlesen:

6 Kommentare zu „„Wunder muss man selber machen!“ Ein Portrait der Gründerin Sina Trinkwalder

    1. O la la, Tilman, was war in den Weihnachtsplätzchen?!😉 Mein Schul- und Küchenlatein lässt mich radebrechen: „Lasst uns erst das Notwendige, dann das Nützliche, dann das Erfreuliche geben, aber auf jeden Fall das, was dauerhaften Wert hat“?!“ Klärst du mich auf? Und kanntest du Sina Trinkwalder vor diesem Artikel schon? Lg, Sunnybee

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    2. Hahahaa. Die Weihnachtsplätzchen waren sehr lecker und geraucht hab ich auch nix. Was meine ich damit? Ich freue mich über Sina (die ich vorher noch nicht kannte) dass Sie das hinbekommt. Rate aber allen Lesern (und auch mir selbst): Wenn Du Dich bei so einem Artikel ganz klein fühlst ist das normal. Mach das Notwendige, dann ist schon mal an Dich gedacht. Dann das Mögliche, dann machst Du die Welt hier und da auch etwas besser und das ist doch wunderbar. Und es langt einem bedürftigen Mensch mit Deinen Möglichkeiten eine Freude zu machen. Und dann blicke auf das Geleistete zurück und erfreue Dich an Dir und der Welt. Und an Sina Trinkwalder 😉

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  1. Lieber Tilman, herzlichen Dank für die Ergänzung – und was du hier sagst, unterschreibe ich in vollem Umfang!🙂 Ich gehe auch einfach mal davon aus, dass auch eine engagierte, starke und erfolgreiche Frau wie Sina Trinkwalder ihre Momente hat, in denen ihr mal alles zuviel wird – wie eben wir alle. Ja, du hast recht, diese Seite spreche ich in dem Artikel kaum an. Was mir an deinem Kommentar sehr gefällt: Tue das (dir) Mögliche, nur einem Menschen gegenüber, dann hast du schon viel getan. So in etwa versuche ich das auch. Zu hoher Anspruch nützt echt keinem – den wollte ich mit diesem Artikel auch nicht wecken. Eher ein bewunderndes – und neidloses – Staunen, was die Frau auf die Beine stellt! Lieben Gruß und bis bald wieder mal, Sunnybee

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