Silvesterknaller: Das Ergebnis der „Flüsterpost“

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Erinnert ihr euch? 

Anfang Dezember bat ich euch, mir eine Frage zu stellen, die dann sowohl ich als auch ihr mit einem Blogbeitrag beantworten würdet. Ich nannte das ganze „Flüsterpost“. Ein wenig wie bei einer Blogparade, nur dass ihr mit euren Fragen den Impuls geben konntet.

6 spannende Fragen

Bis zum 15.12.18 haben mich auch tatsächlich einige Fragen erreicht, allerdings interessanterweise per Mail, persönlich oder über Kurznachrichten. Vielleicht war das „öffentliche“ Fragen im Blog für einige von euch doch zu „persönlich“? Oder der alte Spruch „Frag nicht so dumm!“ zu präsent in manchen Köpfen, um sich in dieser Form zu exponieren?

Hier jedenfalls die sechs Fragen, die ich selbst am interessantesten fand und zu denen ich im Verlauf der nächsten Wochen tatsächlich jeweils einen Blogartikel schreiben werde (insofern ich es denn nicht schon getan habe).

1. Gibt es einen Satz, der dich (in schwierigen Situationen) durch dein Leben begleitet?

Ja, den gibt es und ich werde hier im Blog bald darüber schreiben, warum dieser gerade in schwierigen (Entscheidungs-) Situationen für mich wirklich hilfreich ist! [Nachtrag: Hier ist der Artikel!🙂]

2. Hast du ein Vorbild, einen Menschen, den du bewunderst? 

Eine schwierige Frage für mich, da ich eigentlich eher dazu tendiere, mich an inneren Maßstäben zu orientieren statt konkrete Menschen als Vorbild zu wählen und ihnen nachzueifern. Ich nehme die Frage als Herausforderung an und möchte hier im Blog auch dazu schreiben.

3. Warum bloggst du?

Es gibt mehrere Gründe. Ich habe darüber bereits zwei Artikel geschrieben: Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? und Wer ist „Sunnybee“? Sechs Monate mutter-und-sohn.blog. Ich bin neugierig, ob sich für mich im Verlauf der nächsten Monate noch weitere Antworten ergeben, dann schreibe ich zu der Frage vielleicht noch einmal einen Beitrag.

4. Wem bist du dankbar?

Tja… dem Leben, das mich oft schon herausgefordert, mir aber auch einen wunderbaren Sohn, Gesundheit sowie Zuversicht und innere Stärke geschenkt hat. Meiner Familie, meinem Ex-Partner und Vater meines Sohnes, (engen) Freunden. Das Thema „Dankbarkeit“ zieht sich durch viele meiner Texte. Ich habe z.B. hier („Die Liebe (m)einer Mutter“) und hier („14 Stunden. Dankbar sein“) schon einmal explizit darüber geschrieben und auch eine meiner Blogparaden hat viel mit dem Thema Dankbarkeit zu tun: „Was ist das schönste (immaterielle) Geschenk, das du je erhalten hast?“. Ich bin gespannt, welche weiteren Aspekte des Themas sich mir noch erschließen. Dann greife ich es hier im Blog sicher wieder auf.

5. Hast du Lust, über Sina Trinkwalder zu schreiben?

Sina Wer?! Ich hatte von der Frau noch nie gehört, als ein Bekannter mir vorschlug, einen Blogartikel über sie zu schreiben. Aber nach kurzer Recherche weiß ich: sie ist einen Text wert und den könnt ihr jetzt bereits hier im Blog lesen – klickt einfach auf den Link, dann findet ihr ihn!

6. Was ist „Heimat“ für dich?

Eine weitere interessante Frage, wie ich finde. Heimat als soziale Herkunft oder Herkunftsort? Innere Heimat oder gar Heimat in einem größeren, spirituellen Sinn? Auch darüber werde ich in den nächsten Wochen schreiben.

Vielleicht habt ihr ja inzwischen Lust, selbst zur Tastatur zu greifen und zu einer der Fragen einen „Antwortartikel“ zu verfassen? 

Ich bin gespannt und wünsche allen, die meinen Blog mitlesen, herzlich einen guten Jahreswechsel und für 2019 alles Gute!🙂🍀 

Lieben Gruß, Sunnybee 

Blindenstöcke für Togo. Ein Nachtrag zum Artikel über Sina Trinkwalder

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Schüler des „Centre des Aveugles de Kpalimé“ (C) Isadora75

Hier noch eine Ergänzung zu meinem Artikel über die Unternehmerinnen Sina Trinkwalder und ihr soziales Engagement im Rahmen ihrer Textilfirma manomama.

Ein Kommentar zu meinem Blogbeitrag hat mich zum Nachdenken gebracht. Tilman, ein Blogger, der seit längerem meine Beiträge mitliest, schreibt mir: 

„Wenn Du Dich bei so einem Artikel ganz klein fühlst ist das normal. Mach das Notwendige, dann ist schon mal an Dich gedacht. Dann das Mögliche, dann machst Du die Welt hier und da auch etwas besser und das ist doch wunderbar. Und es langt, einem bedürftigen Mensch mit Deinen Möglichkeiten eine Freude zu machen. Und dann blicke auf das Geleistete zurück und erfreue Dich an Dir und der Welt. Und an Sina Trinkwalder 😉“

Klarsicht und Nachsicht

Was mir sehr an diesem Kommentar gefällt und mich dazu bringt, jetzt noch einen (Folge-) Artikel zu verfassen, ist die Klarsicht – und auch Nachsicht – , die aus diesen Zeilen spricht. Ein Porträt wie das der Unternehmerin Trinkwalder soll in keiner Weise einschüchternd wirken – jedenfalls ist das nicht meine Absicht. Aber natürlich haben „Power-Menschen“ wie Trinkwalder oder z.B. auch Monika Hauser von Medica Mondiale oder der (inzwischen verstorbene) Karlheinz Böhm, der die Hilfsorganisation Menschen für Menschen gründete, prinzipiell auch etwas Einschüchterndes an sich. Die Kraft, Überzeugung, Konsequenz und Ausdauer, die sie bei Aufbau und Erhalt ganzer Unternehmen, bzw. Hilfsorganisationen, an den Tag legten und legen, würden wir vermutlich gar nicht aufbringen. Je nach Naturell und aktueller Situation reagieren wir dementsprechend mit (neidloser) Anerkennung, Staunen – oder auch einem vagen Unbehagen. Das „Ich-sollte-auch-was-tun-aber-krieg-den-Hintern-nicht-hoch“-Gefühl… Und allzu oft wenden wir uns dann ab mit der Empfindung „Eine Nummer zu groß für mich!“ und der paradoxen Schlussfolgerung: „Dann tue ich lieber gar nichts!“

Daher unterschreibe ich in aller Deutlichkeit Tilmans Bemerkung: 

Mache das dir Mögliche – damit machst du die Welt bereits etwas besser. Und es reicht, schon einem bedürftigen Mensch mit Deinen Möglichkeiten eine Freude zu machen. 

15 Blindenstöcke für Togo

Beim Surfen im Netz bin ich auf der Seite einer weiteren Bloggerin gelandet, deren Beiträge ich sehr schätze. Als blinde Mutter mit arabischem Hintergrund und bereits erwachsenen Kindern erschließt mir Lydia von lydiaswelt tatsächlich einen ganz neuen Blick auf die Welt. Was ich z.B. nicht wusste: im afrikanischen Togo gibt es nur etwa fünf Schulen für blinde und sehbehinderte Menschen. Eine davon ist das „Centre des aveugles de Kpalimé“, ein zum Teil spendenfinanziertes, kirchlich geführtes Hilfszentrum mit Regelschule für Blinde und Sehbehinderte. Die Einrichtung ist laut der Beschreibung des Blogartikels gut organisiert und ermöglicht zahlreichen Menschen mit Seheinschränkung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Trotz des Engagements der Lehrer/innen und Betreuer fehlt es materiell jedoch an vielem. So verfügt das „Centre des aveugles de Kpalimé“ offensichtlich nicht über ausreichend wirklich funktionstüchtige Blindenstöcke. Die aus dem Nachbarland Ghana importierten Langstöcke sind oft verbogen und kaum noch brauchbar. Als Sehende kann ich mir kaum vorstellen, was es bedeutet, mit so einem notdürftig funktionsfähigem Hilfsmittel unterwegs zu sein. 

Lydia, die auf ihrem Blog von dieser Situation berichtet, hat daher eine Spendenaktion initiiert. Ziel: Geld für 15 neue Blindenstöcke zu sammeln, die an das „Centre des aveugles de Kpalimé“ in Togo gespendet werden können. Da jeder Stock 20€ kostet, ist das Ziel, insgesamt 300€ zusammen zu bekommen. Die Aktion läuft noch bis zum 15. Januar 2019. Mehr Infos dazu findest du hier.

Tja – Initiative muss nicht groß, pompös und weltumspannend sein. Der wache Blick, was nötig ist, genügt. Und dann einfach machen! Genau so viel, wie dir mit deiner Kraft, Energie und Überzeugung möglich ist.

In diesem Sinne herzliche „Nach-Weihnachtsgrüße“ und Freude und Dankbarkeit für alles, was uns geschenkt ist!

Sunnybee

„Wunder muss man selber machen!“ Ein Portrait der Gründerin Sina Trinkwalder

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Unternehmerin Sina Trinkwalder (Foto: Michael Schrenk)

Sina Wer?… Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, von wem der Bekannte sprach, der mir vorschlug, in meinen Blog ein Portrait von Sina Marie Trinkwalder zu veröffentlichen.

Wer also ist Sina Trinkwalder?

Eine echte Powerfrau! Nach einem (abgebrochenen) Studium der Politik und Betriebswirtschaftslehre gründet sie mit gerade einmal 21 Jahren mit ihrem damaligen Mann eine Werbeagentur. Gemeinsam führen sie diese elf Jahre lang, bevor Trinkwalder sich 2010, nach der Geburt ihres Sohnes, entschließt, ein weiteres Unternehmen zu gründen: die – inzwischen aufgrund ihres sozialen Engagements mehrfach preisgekrönte – Textilfirma manomama. 

Menschlichkeit statt Gewinn-Maximierung

Wir geben Menschen, die sonst jede Firma ablehnt, eine Chance, ihren eigenen Erwerb zu erwirtschaften und ermöglichen ihnen damit wieder Teilhabe an unserer Gesellschaft“, erklärt Sina Trinkwalder auf der Homepage der Firma deren Geschäftskonzept. Diese laut Arbeitsagentur „schwer vermittelbaren“ Menschen sind gehandicapt, mit Migrationshintergrund, alleinerziehend (!) oder ohne Schulabschluss – eben ganz normale Menschen, denen es aufgrund ihrer Biographie oder Lebenssituation schwer fällt, den Anforderungen eines flexiblen, an Effizienz und Gewinnmaximierung orientierten Arbeitsmarktes zu genügen. 

Dabei ist manomama kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen. Die auf der Website vorgestellte und online bestellbare Kleidung unterscheidet sich in Stil und Art der Präsentation kaum von ähnlichen Angeboten großer (Online-) Modefirmem. 

Ökologisch, regional und fair produziert

Was anders ist: diese Kleidung wird regional hergestellt, d.h. auch die Rohstoffe kommen, soweit verfügbar, aus der Region. Diejenigen, die die Kleidungsstücke produzieren, werden mit Stundenlöhnen von mindestens 10 Euro tatsächlich fair bezahlt und über die Standards der gängigen Textil-Ökosiegel hinaus verzichtet manomama komplett auf erdölbasierte Komponenten, die z.B. Hosen den typischen Stretch-Effekt geben. Und die Philosophie der Firma ist wohl tatsächlich die einer „Familie“, in der die Stärkeren die Schwächeren unterstützen, so dass alle gemeinsam ein sinnvolles Projekt auf den Weg bringen und erhalten können. Sina Trinkwalder nennt in ihrem privaten Blog einige ihrer rund 150 MitarbeiterInnen jedenfalls beim Vornamen und scheint ihre Biographien genau zu kennen. 

Lohnt sich das?

Auf der ethisch-sozialen Ebene ganz sicher. Auszeichnungen wie der Bayerische Bürgerkulturpreis, der Deutsche Nachhaltigkeitspreis oder auch der Barbara-Künkelin-Preis für „couragierte Frauen, die etwas ändern wollen“, geben Sina Trinkwalder recht. Zuletzt erhielt sie 2015 für ihr soziales Engagement sogar das Bundesverdienstkreuz. Sie kommentierte trocken: „Ein Schleifchen für die Mädels, eine Hundeplakette für die Jungs, ich hab gedacht, ich schmeiß mich weg!“ (EMMA, 1/2016)

Direkt und geradeheraus, dazu selbstbewusst unterwegs in allen sozialen Medien, ist die Unternehmerin ein wahres Marketingtalent. Einnahmen aus ihrer Werbeagentur bildeten dabei den Grundstock für ihre heutige Firma manomama. Ist dieses an sozialen und ökologischen Werten orientierte Unternehmen auch wirtschaftlich rentabel? Nun, 9 Millionen Umsatz machte manomama bereits 2016, immerhin 80.000 Euro Gewinn nach Abzug aller Steuern. Die Zusammenarbeit mit der Drogeriemarktkette dm oder dem Lebensmittelhandel tegut sind Teil von Trinkwalders Marketing-Strategie; Aufritte in diversen Talkshows und Radiosendungen sowie ihr privater Blog zeigen, dass sie ihr Geschäftskonzept zu vertreten und erfolgreich ihre Netzwerke zu nutzen weiß.

Ziele für die Zukunft

Was ist Trinkwalders Vision für die Zukunft? Auf die rhetorische Frage eines Journalisten, ob sie nicht fürchte, dass ihr „Weltverbesserer-Ansatz“ nur punktuell helfe, antwortet sie jedenfalls in der für sie typischen direkten und humorvollen Weise: 

„Wie geht denn ein Umbruch vonstatten? Einer geht vor und schlägt mit der Machete eine Schneise in den Dschungel. Dann folgen die anderen. […] Für manchen anderen Unternehmer bin ich vielleicht auch der rostige Nagel im Hintern, der mehr Antrieb verleiht.“

Und was sonst stößt Wandel an: dass eine/r rausgeht, selbst denkt – und macht. Also los! 🙂

Herzlich, Sunnybee

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