Wer ist „Sunnybee“? Sechs Monate mutter-und-sohn.blog

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Yippieh – Jubiläum! Seit einem halben Jahr blogge ich. Knapp neunzig Artikel habe ich seit meinem Blog-Start im April 2018  ins Netz gestellt, vom Zweizeiler bis zum sorgfältig redigierten Interview mit alleinerziehenden Müttern und Vätern. 

Ich schreibe auf mutter-und-sohn.blog sehr persönliche, unverstellte Texte. Liest du diese regelmäßig, erfährst du viel von mir. Dennoch teile ich hier weder meinen Namen noch mein Gesicht. 

Warum unter Pseudonym? 

„Sunnybee“, die „sonnige Biene“, wie ein alter Freund süffisant übersetzte, war eine spontane Idee beim Erstellen meines Blogs. In den 1920er Jahren schrieb Kurt Tucholsky, ein Autor, den ich sehr schätze, unter Pseudonym in der Berliner gesellschaftskritischen Zeitschrift „Die Weltbühne“. Tucholsky wählte für jede seiner „Stimmen“ in der von ihm herausgegebenen Wochenschrift einen anderen „Autor“ – und seine Leserinnen und Leser reagierten ganz verschieden auf die vermeintlich unterschiedlichen Verfasser. So wurde z.B. „Autor Tiger“ gelobt, während Aussage und Stil von „Herrn Panther“ missfielen – und umgekehrt. 

Eine Gesellschaft ist so sozial wie die Menschen, die sie gestalten

Meine Stimme hier in diesem Blog ist „Sunnybee“. Das Bild auf der Startseite zeigt eine Biene auf einer Sonnenblume – es wirkt auf mich fröhlich und kraftvoll. Bin ich so? 

Ja – ebenso wie nachdenklich und manchmal unsicher und geschwächt. Seit der Trennung vom Vater meines Sohnes vor gut 1 1/2 Jahren trägt mein Blog viel zu meiner inneren Balance und Stärkung bei. Hier formuliere ich meine Gedanken und Gefühle und bringe dabei etwas in die Welt, was bestenfalls andere begleitet und inspiriert.

Ich will hier auf die Situation Allein- und Getrennterziehender aufmerksam machen – und zeigen: eine Gesellschaft ist so menschlich wie die Menschen, die sie gestalten. Will ich andere annehmen, ist meiner Meinung nach wichtig, dass ich mich selbst annehmen kann: meine Stärken und Schwächen; was mir vertraut erscheint ebenso wie Seiten an mir, die mich befremden. Meiner Meinung nach resultiert die Ablehnung des Unbekannten im „Außen“, die sich zum Beispiel in der Abwertung Geflüchteter oder Menschen, die anders als der Mainstream leben, zeigt, häufig aus der Ablehnung „fremder“ Anteile in mir selbst. In diesem Sinn verstehe ich das Private durchaus als politisch: bin ich mit mir und meinem direkten Umfeld im Reinen, bleibt mir Kraft und Motivation, Dinge im größeren gesellschaftlichen Rahmen wahrzunehmen und gegebenenfalls zu verändern.

Eure Stimme – meine Antwort

Ihr, meine Leserinnen und Leser, seid mein Gegenüber. Der Austausch mit euch ist mir wichtig. Kommentare, Fragen, Reaktionen auf meine Artikel: lasst mich an euren Gedanken teilhaben – ich freue mich sehr darüber! 🙂

Herzliche Grüße, Sunnybee

Hier geht’s weiter zum Blog.

 

Schwamm drüber? Vom Umgang mit seelischer Verletzung

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Wie gehe ich damit um, wenn ich durch die Handlung eines anderen Menschen sehr verletzt wurde, bzw. mich sein gegenwärtiges Verhalten noch immer verletzt? In Trennungssituationen – aber natürlich nicht nur dort – bin ich häufig damit konfrontiert, dass ein mir nahestehender Mensch sich so verhält, wie ich es für mich nicht akzeptieren kann und/oder will. 

Wie reagiere ich auf erlittene Verletzung? 

Natürlich, ich kann versuchen, den anderen zu ändern, was meiner Meinung nach in etwa so vielversprechend ist, wie einer Fliege, die immer wieder gegen dieselbe Stelle einer Glasscheibe fliegt, zu raten, sich diese durchlässig zu denken… Ich bin der festen Überzeugung, dass Situationen – und auch Menschen – sich grundlegend wandeln können, aber sicher nie dann, wenn ich gerade Druck auf sie ausübe. Oder anders gesagt: Wandel geschieht, aber nicht nach meinem Fahrplan! Wie also umgehen damit, dass etwas, zumindest für den Moment, für mich unabänderlich ist? Was tun, wenn genau das so schmerzlich für mich ist, dass ich es kaum ertragen kann? 

Meiner Meinung nach kann ich an dieser Stelle versuchen, den Konflikt selbst zu verneinen, indem ich alles „in einer Harmonie-Soße ertränke“, wie ein kluger Bekannter kürzlich zu mir sagte, mich also verständnisvoll und akzeptierend gebe, wo ich eigentlich keinerlei Verständnis aufzubringen vermag. Damit erreiche ich jedoch lediglich eins: oberflächlich beseitige ich die Spannung, dies aber auf Kosten meiner Bedürfnisse und Gefühle. Und diese werden sich sicher einen Weg bahnen: sei es in latent aggressiven Sticheleien oder einer diffusen Abwehr dem anderen gegenüber. Keine gute Lösung! Gefühle sind die Wachhunde der Seele. Sie werden umso lauter, je mehr du versuchst, sie zu ignorieren. 

Umgang mit Groll und Verbitterung

Was aber, wenn die inneren Abwehrmechanismen meinen negativen Gefühlen gegenüber so stark sind, dass ich mir hartnäckig versage, sie überhaupt wahrzunehmen? Vielleicht, weil ich als Kind der „Sonnenschein“ der Familie, der vernünftige Sohn oder die pflegeleichte Tochter sein musste? Dann mag etwas in mir entstehen, das wirklich zerstörerisch in jede Form sozialen Kontakts hineinspielt: ich werde bitter. 

Verbitterung – oder auch: Groll – ist meiner Meinung nach ein höchst wirkungsvolles und dennoch nur schwer nachweisbares Gift, das jede Lebendigkeit aus meinen Beziehungen – und letztlich aus mir selbst – zieht. Groll „tarnt“ sich als (selbstgerechte) Anklage („Das tut man nicht. Das lasse ich ihm/ihr nicht durchgehen!“), als beleidigtes Jammern („Er/Sie hat mich so verletzt, wie soll ich das verzeihen?“) oder als scheinbar objektives Urteil („Der Richter/das Jugendamt/Gutachter XY hat bewiesen, dass er/sie im Unrecht ist“). Allen drei Schutzstrategien – denn nichts anderes sind Anklage, Jammern und emotionale Distanzierung – dienen letztlich einem Zweck: nicht zu fühlen, was unterhalb des Grolls zu finden ist, nämlich höchst lebendige Trauer, Wut, Verletzung – und, noch eine „Schicht“ tiefer, ein reiner, im wahren Sinne lebensvoller, Wunsch nach liebevoller Verbindung. 

Wer grollt, kann nicht vergeben

Wem ich grolle, dem kann ich nicht verzeihen. Das ist meiner Meinung nach ein Missverständnis mancher Ratgeber: demjenigen, der oder die mich verletzt hat, zu vergeben, ist sicher sinnvoll und der Weg, wie ich ihn oder sie loslassen oder einen echten Neuanfang versuchen kann. Vor der Vergebung steht jedoch, dass ich verdaut habe, was als Verletzung in mir ist. Ich muss Gefühle der Trauer, Wut oder Enttäuschung wahrnehmen und ihnen wohl auch, z.B. im Gespräch mit einem/r Therapeuten/in, in Form von Tränen oder als Tagebucheintrag, Ausdruck verleihen, um mit dem in Berührung zu kommen, was dahinter steht: eine grundlegende Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe und Verbindung.

Der Weg, mit seelischen Verletzungen umzugehen kann nicht sein, die Verletzung selbst zu verneinen („Schwamm drüber“) oder sich den Zugang zu den verletzten Gefühlen zu verbieten (Groll und Bitterkeit). Es muss der Weg sein, zu leben, was an Trauer, Wut, Schmerz und Enttäuschung da ist, um dann – vielleicht – zu der ursprünglichen Sehnsucht zurückzufinden: zu echter Verbindung, zu Austausch und Liebe, bzw. Loslassen und Verzeihen.

Herzlich alles Gute auf deinem Weg, Sunnybee 

Danke an C.R. und H.S.: Die Gespräche mit euch haben mich zu diesem Text inspiriert!

Die Kunst, (sich selbst) zu loben

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Ein ehrlich gemeintes Kompliment  ist etwas Wunderbares. Weil es sichtbar macht, was an Gutem da ist. Weil es die Seele stärkt und zwischen dem, der lobt und dem, der das Kompliment erhält, Herzensnähe schaffen kann: „Ich sehe dich und was ich sehe, gefällt mir!“

Dennoch fällt es vielen Erwachsenen erstaunlich schwer, andere – geschweige denn sich selbst – zu loben. Hier habe ich darüber schon einmal geschrieben. „Das steigt ihr zu Kopf!“, „Am Ende denkt er, ich wolle mich bei ihm anbiedern!“. „Eigenlob stinkt!“ So in etwa die vorgebrachten „Gründe“, ein von Herzen kommendes Kompliment gar nicht erst auszusprechen. Die Kultur des Nicht-Lobens hat in Deutschland Tradition. Liegt es am reservierten Naturell der Teutonen oder zeigt sich hier eine späte Folge der „braunen“ Ideologie der 1930er und 40er-Jahre, nach der dem „Volkskörper“ jede Verzärtelung ausgetrieben werden sollte? 

Konkret, überraschend und ehrlich gemeint

Das Loben selbst ist nämlich gar nicht so schwer. Für ein Kompliment, dass das Potential hat, von Herzen zu erfreuen, gelten eigentlich nur drei Regeln: 

  1. Es ist konkret
  2. Es überrascht
  3. Es ist ehrlich gemeint. 

Ein tolles Lob ist konkret

Also: „Der Leberfleck an deiner Schulter sieht aus wie ein Klecks Schoko-Eis. Mmmm..“ Oder: „Die Einleitung deines Vortrags hat mich begeistert. Der Vergleich Spinozas mit einem Nilpferd war wirklich originell.“ Oder: Für deinen selbstgebackenen Pflaumenkuchen würde ich bis nach XY (weit entfernter Ort) laufen: sooo lecker!“

Wem das übertrieben erscheinen mag, der sei auf Regel zwei und drei verwiesen: Ein gutes Kompliment überrascht – und es ist ehrlich gemeint. 

Ein tolles Lob überrascht

Also nicht das Kompliment für die strahlend blauen Augen, sondern vielleicht für die charmante kleine Lücke zwischen den Schneidezähnen. Oder für die Elfenohren. Oder den Leberfleck am Kinn. Und für den klugen Kopf nicht das hundertste Lob seiner einfallsreichen Gedanken, sondern ein Dankeschön, dass er Dinge so anschaulich erklärt. Oder gut zuhören kann. Oder so nett lächelt, während er doziert – was eben zutrifft. Es gilt: das Gewohnte erfreut; ein Blick für das Neue begeistert!

Ein tolles Lob ist ehrlich gemeint

Das bringt mich zum letzten Punkt meiner kleinen „Lobes-Hymne“: ein Lob, das das Potential hat, von Herzen zu erfreuen, kommt meist selbst von Herzen. Da sind die gewählten Worte zweitrangig. „Du bist einfach super!“ „Das hast du wunderbar gemacht!“ – Weder originell noch überraschend, aber mit leuchtenden Augen vorgetragen vielleicht das, was dem anderen als Glücksmoment des Tages im Gedächtnis bleibt. Letztlich gilt eben: „Ich sehe dich und was ich sehe, gefällt mir!“ Und um das deutlich zu machen reicht manchmal ein liebevoller Blick. 

Ich wünsche dir, dass du Komplimente dieser Art dir und anderen noch häufig schenkst. Danke für dein aufmerksames Mitlesen!

Herzliche Grüße, Sunnybee

PS. Magst du hier von dem schönsten Kompliment schreiben, das du in der letzten Zeit bekommen hast? Ich freue mich, von dir zu lesen! 

Fitte Wurst. Von der Werbung für’s Leben lernen (Teil 1)

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Kennt ihr diese einzeln eingeschweißten Salami-Sticks, eigentlich eine Snack-Idee der 1980er, leicht gummiartig in der Konsistenz und so intensiv gewürzt, dass sich der Verdacht aufdrängt, hier sei geschmacklich etwas zu kaschieren? Manche schwören ja darauf – „schmeckt“, „macht satt“, „ist bequem für unterwegs“, sind in etwa die Argumente von Wurst-Fans und Salami-Marketing. Auf die Idee, die Schweinefleisch-Stengel für sonderlich gesund zu halten kam meines Wissens nach keiner. 

Gesundheits-Snack light

Aber genau hier setzt die Werbeanzeige an, die ich vor kurzen im Kundenmagazin einer Supermarktkette entdeckte: auf himmelblauem Grund finden sich zwei Wurststäbchen zwischen pinken Sneakers und sonnengelben Hanteln. Der Slogan dazu: „Fitness kann so leicht sein!“ 

Dass ich darauf noch nicht gekommen bin: Wurst-Sticks als der  perfekte Snack nach meinem Workout!… Neckische Piktogramme umrahmen das Produkt: „100% natürlich“ (die 100% dick hervorgehoben), „glutenfrei“ (durchgestrichene Ähre), „laktosefrei“ (durchgestrichene Milchflasche). Schließlich noch die Information „max. 122kcal pro Stück (25g)“.

Soweit ich weiß, besteht Salami – zumindest traditionellerweise – aus einer Mischung aus Fleisch, Fett und Gewürzen. Getreide (glutenreich) ist ebenso wie Milch (laktosehaltig) eher nicht Bestandteil. Aber schaden kann es es ja nicht, zu betonen, dass die beiden „Bäh-Zutaten“ aller Lebensmittelunverträglichen nicht enthalten sind. Wirkt irgendwie beruhigend, genau wie die garantierte Natürlichkeit. Fleischmix wie Gott ihn schuf sozusagen, garantiert milch- und weizenfrei.

Und „nur“ 122 Kcal pro 25 Gramm. Macht zwar gute 480 Kcal pro 100 Gramm, der normalerweise üblichen Referenzmenge, aber wer will das wissen? Zum Vergleich: eine Kiwi hat laut Aussage desselben Kundenmagazins einen Brennwert von etwa 80 Kcal pro 100 Gramm, ein Stück Aprikosenkuchen mit Streusel schlägt mit knapp 240 Kcal zu Buche, dem Gegenwert von zwei (!) der eingeschweißten Würste. 

Liebesgöttin 100% aktiv

Was lerne ich daraus? Willst du ein Produkt auf dem Markt neu positionieren, behaupte schlicht das Gegenteil von allem, was bisher darüber im Umlauf war: Salami als kalorienarmer Fitness-Snack? Warum nicht? Die Natürlichkeit der Sticks ist in etwa so groß wie die einer Tiefkühl-Steinofenpizza? Ganz egal: Die Aufmerksamkeit deiner zukünftigen Kunden ist dir sicher.

Vielleicht der Tipp für alle, die genug vom Image der stets unter Zeitdruck stehenden, mann-, geld- und freudlosen Alleinerziehenden haben: wie wär’s mit einer Kampagne des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Die Liebesgöttin. Das Leben kann so leicht sein“. Darunter, untermalt von neckischen Piktogrammen: „100% aktiv“, „immer auf Draht“, „beziehungserfahren“. Nicht vergessen: Himmelblauer Grund, ein bis zwei Hanteln, pinkfarbene Dessous. Wäre doch gelacht, wenn sich die Botschaft nicht auf dem Markt etablieren ließe!…

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. „Von der Werbung für’s Leben lernen“ (Teil 2) findet ihr übrigens hier.

Getrennt, mit Kind und hochsensibel

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Berufstätig und Mutter eines Kleinkinds zu sein, sowie getrennt lebend für die Alltagsorganisation weitgehend alleine die Verantwortung zu tragen, wäre wohl für jeden Menschen eine Herausforderung.

Getrennt erziehend und hochsensibel

Kommt dazu eine hohe Empfänglichkeit für äußere und innere Reize sowie die intensive Auseinandersetzung mit Erlebtem, bedeutet das vor allem eins: Ich muss wirklich gut für mich sorgen, will ich – körperlich und seelisch gesund – für mich und andere da sein. Die Psychologin Elain N. Aron prägte Mitte der 1990er Jahre in ihrem Buch „The highly sensitive person – How to thrive when the world oberwhelmes you“ den Begriff der Hochsensibilität für die Verbindung aus geschärfter Wahrnehmung und intensiver Verarbeitung von Reizen. Selbst in hohem Maße reizempfänglich und sensibel, war ihr Anliegen unter anderem, dieser Form der körperlichen und seelischen Disposition ihr „Stigma“ zu nehmen.

Reizüberflutung und der Umgang damit

Ja, als Mensch mit hochsensiblem Empfinden bist du tendenziell schneller reizüberflutet, wirst nervös, wenn eine Situation zu laut oder durch intensive Gerüche und/oder unfreiwilligen (körperlichen) Kontakt zu anderen Menschen geprägt ist. Da kann ein Schwimmbadbesuch im Hochsommer ähnlich „überflutend“ wirken wie die schlichte Fahrt zur Arbeit in der überfüllten Bahn oder – für Eltern – der Besuch einer Kleinkindkrabbelgruppe. Was weniger intensiv wahrnehmende Menschen als anregend oder gar entspannend wahrnehmen, ist für dich unter Umständen zuviel und erzeugt bei dir gegenteilige Gefühle, nämlich den Wunsch nach Rückzug und Ruhe. 

Ja, als hochsensibler Mensch musst du dein Leben tatsächlich anders strukturieren als Menschen, die äußere und innere Reize weniger intensiv wahrnehmen und verarbeiten. Jedem hellhäutigen Menschen würdest du raten, sich nicht zu lange der prallen Sonne auszusetzen, bzw. ein Sonnenschutzmittel zu verwenden. Für hochsensible Menschen gilt entsprechend: nach Phasen großer Reizdichte brauchen wir Zeiten des Rückzugs, der Regeneration und Reflexion. Und inmitten der reizintensiven Situation brauchen wir Mechanismen, um uns vor Überflutung – in Analogie, zu starker Sonneneinstrahlung – zu schützen. In der U-Bahn kann hierfür etwas Banales wie Ohropax ausreichen, mit denen wir den Geräuschpegel um uns herum dämpfen – oder eben – gerade wenn wir beruflich viel mit Menschen und/oder in lauten, komplexen Situationen zu tun haben – eine um einige Stunden reduzierte Arbeitszeit oder feste Rituale und damit Zeiten, die nur uns gehören (10 Minuten Meditation am Morgen, der Arbeitsweg mit dem Rad durch den Park, ein Kaffee vor dem Abholen des/r Kindes/r aus der Betreuung).

Denn: Ja, Menschen, die hochsensibel empfinden, sind genauso in der Lage, Führungsaufgaben zu übernehmen, sind grundsätzlich genauso belastbar, emotional ausgeglichen und lebensfroh wie Menschen mit geringerer Reizempfänglichkeit. Aber wir müssen andere Wege gehen. Ein Leben mit nur 5-6h Schlaf pro Nacht, unter Zeitdruck, mit vielen parallel zu erledigenden Aufgaben, von denen einige mit äußerer und innerer Spannung verbunden sind, ist nichts für uns. Dummerweise sieht so jedoch der ganz normale Alltag vieler Getrennt- und Alleinerziehender aus… 

Wie sorge ich gut für mich?

Hochsensibel im Leben stehen und dabei körperlich und seelisch gesund bleiben kann also nicht heißen, sich so vielen Reizen wie möglich zu entziehen (auch hier die Analogie: würden wir, hellhäutig, die Sonne komplett meiden, würden wir ebenso krank wie bei einem Zuviel an Sonneneinstrahlung). Es muss aber heißen: sich selbst bewusst zu sein und immer wieder ganz bewusst für sich Sorge zu tragen. 

Hier beschreibe ich 10 Wege, sich selbst Gutes zu tun.

Herzlichen Gruß, Sunnybee

 

Krokodrillo. Oder: Was macht ein Zoo-Krokodil außerhalb der Öffnungszeiten?

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(C) Krokodrillo

Kinderbücher zu rezensieren ist für mich ein bisschen wie „Urlaub“. Urlaub vom erwachsenen, tendenziell wertenden und/oder zweckgebundenen Denken, von einem Blick auf die Welt, der an der Ebene des Offensichtlichen hängenbleibt, womit sich ihm meiner Meinung nach das Wunder der Welt verschließt. 

Krokodrillo ist ein Buch, das genau dieses leicht Absurde und damit Faszinierende hinter dem Alltäglichen entdeckt. Ein Buch ganz ohne Worte, auf dessen kunstvoll illustrierten Seiten sich dennoch eine komplexe Geschichte entspinnt. 

Was macht ein Zookrokodil außerhalb der Öffnungszeiten?

Krokodrillo beginnt seinen Tag wie jeder ordentliche Arbeitnehmer: der Wecker reißt ihn aus seinem Traum, er gewandet sich in Hemd, Krawatte und Jacket und pendelt mit der Metro zu seiner Arbeitsstätte. Dabei zwängt er sich zwischen den Mitreisenden hindurch zum Ausgang der Bahn, eilt die Treppen der Metrostation hinauf, ersteht ein gebratenes Hähnchen als Mittagessen sowie einen Strauß Blumen (für wen, sei nicht verraten), entkleidet sich schließlich im Umkleidebereich eines Bades (nicht ohne seine Straßenkleidung ordentlich in einem Spind zu verstauen) und tritt auf den letzten Seiten des Buches, nackt wie Gott ihn schuf, seinen Dienst an – als zähnezeigendes, regungslos hinter Glas verharrendes… Zookrokodil. 

Wer hätte das gedacht? Und gerade deswegen ist das Buch ein wunderbarer „Lesespaß“! Wie im Leben entfaltet sich während des Betrachtens und Beschreibens der detail- und pointenreichen Bilder eine immer wieder neue Geschichte. Die äußere Handlung – Krokodrillos Weg zur Arbeit – bleibt gleich, aber die Wahrnehmung seines Weges verändert sich bei jeder Lektüre.

Mein Sohn (3) liebt das Buch und ich auch – Mmmm! 🙂

Giovanna Zoboli und Mariachiara di Giorgio: Krokodrillo. Bohem-Verlag. (Ab 2)