Familie, Gesellschaft, Persönliches

„Super-Moms“: Warum Power-Mütter ganz schön einschüchternd sein können

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7. In Worten: SIEBEN. Da musste ich doch kurz schlucken.

Was mir gestern via Handy-Display entgegenblinkte, war eine Ansage: die sieben (!) offensichtlich wohlgeratenen Sprösslinge einer Berliner Bloggerin und Autorin. Weiterlesen „„Super-Moms“: Warum Power-Mütter ganz schön einschüchternd sein können“

alleinerziehend, Gesellschaft, Politik

Fitte Wurst. Von der Werbung für’s Leben lernen (Teil 1)

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Kennt ihr diese einzeln eingeschweißten Salami-Sticks, eigentlich eine Snack-Idee der 1980er, leicht gummiartig in der Konsistenz und so intensiv gewürzt, dass sich der Verdacht aufdrängt, hier sei geschmacklich etwas zu kaschieren? Manche schwören ja darauf – „schmeckt“, „macht satt“, „ist bequem für unterwegs“, sind in etwa die Argumente von Wurst-Fans und Salami-Marketing. Auf die Idee, die Schweinefleisch-Stengel für sonderlich gesund zu halten kam meines Wissens nach keiner. 

Gesundheits-Snack light

Aber genau hier setzt die Werbeanzeige an, die ich vor kurzen im Kundenmagazin einer Supermarktkette entdeckte: auf himmelblauem Grund finden sich zwei Wurststäbchen zwischen pinken Sneakers und sonnengelben Hanteln. Der Slogan dazu: „Fitness kann so leicht sein!“ 

Dass ich darauf noch nicht gekommen bin: Wurst-Sticks als der  perfekte Snack nach meinem Workout!… Neckische Piktogramme umrahmen das Produkt: „100% natürlich“ (die 100% dick hervorgehoben), „glutenfrei“ (durchgestrichene Ähre), „laktosefrei“ (durchgestrichene Milchflasche). Schließlich noch die Information „max. 122kcal pro Stück (25g)“.

Soweit ich weiß, besteht Salami – zumindest traditionellerweise – aus einer Mischung aus Fleisch, Fett und Gewürzen. Getreide (glutenreich) ist ebenso wie Milch (laktosehaltig) eher nicht Bestandteil. Aber schaden kann es es ja nicht, zu betonen, dass die beiden „Bäh-Zutaten“ aller Lebensmittelunverträglichen nicht enthalten sind. Wirkt irgendwie beruhigend, genau wie die garantierte Natürlichkeit. Fleischmix wie Gott ihn schuf sozusagen, garantiert milch- und weizenfrei.

Und „nur“ 122 Kcal pro 25 Gramm. Macht zwar gute 480 Kcal pro 100 Gramm, der normalerweise üblichen Referenzmenge, aber wer will das wissen? Zum Vergleich: eine Kiwi hat laut Aussage desselben Kundenmagazins einen Brennwert von etwa 80 Kcal pro 100 Gramm, ein Stück Aprikosenkuchen mit Streusel schlägt mit knapp 240 Kcal zu Buche, dem Gegenwert von zwei (!) der eingeschweißten Würste. 

Liebesgöttin 100% aktiv

Was lerne ich daraus? Willst du ein Produkt auf dem Markt neu positionieren, behaupte schlicht das Gegenteil von allem, was bisher darüber im Umlauf war: Salami als kalorienarmer Fitness-Snack? Warum nicht? Die Natürlichkeit der Sticks ist in etwa so groß wie die einer Tiefkühl-Steinofenpizza? Ganz egal: Die Aufmerksamkeit deiner zukünftigen Kunden ist dir sicher.

Vielleicht der Tipp für alle, die genug vom Image der stets unter Zeitdruck stehenden, mann-, geld- und freudlosen Alleinerziehenden haben: wie wär’s mit einer Kampagne des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Die Liebesgöttin. Das Leben kann so leicht sein“. Darunter, untermalt von neckischen Piktogrammen: „100% aktiv“, „immer auf Draht“, „beziehungserfahren“. Nicht vergessen: Himmelblauer Grund, ein bis zwei Hanteln, pinkfarbene Dessous. Wäre doch gelacht, wenn sich die Botschaft nicht auf dem Markt etablieren ließe!…

Herzlichen Gruß, Sunnybee

PS. „Von der Werbung für’s Leben lernen“ (Teil 2) findet ihr übrigens hier.

Familie, Gesellschaft

„Er spielt den Hund“: Entwicklungs-Gespräche in der Kita

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Auch in unserer Kita (Kinder von 0-3) besteht Dokumentationspflicht. Seitenweise Bögen mit Skalen, in denen die Erzieherinnen anzukreuzen haben: verwendet Julius, Clarise, Cem eine Schere? Isst Pia mit dem Löffel, spricht S-Laute? Läuft Hannes rückwärts, malt Kreise, pupst im Takt.. hoppla, letzteres Kriterium wurde, soweit ich weiß, noch nicht erhoben.

In sogenannten „Entwicklungsgesprächen“ bekommen wir Eltern einmal pro Jahr die ausführliche Rückmeldung: In der Ampelmetaphorik gesprochen – alles im grünen, gelben oder roten Bereich? Evaluation beginnt heutzutage, bevor die Kleinen ihren Namen sagen können.

Er ist sozial und spielt den Hund

Wollt ihr wissen, wie unser Sohn abgeschnitten hat? Sehr sozial (yippieh, wusste ich schon!…), langsam im Sprechenlernen, kann Schere, Kreise, Rückwärtslaufen, zieht sich, wenn Stress in der Kitagruppe herrscht, eher zurück anstatt sich ins Gemenge zu werfen. Ein sensibles Kind – und „er spielt öfter den Hund“, den die älteren Mädchen der Gruppe dann Gassi führen… Gut, das wusste ich noch nicht.

„Seine“ Erzieherin, die, zu großen Teilen in ihrer Freizeit, die Dokumentation für ihn erledigt hat, ist herzlich, klug und unaufgeregt: „Wir stärken ihn, damit er nicht untergeht, wenn die Kleinen kloppen und die Großen kommandieren.“ „Das wird schon im Kindergarten. Er zeigt, was er möchte und sucht sich seine Bereiche, in denen er dann sein Ding macht.“

Also alles gut soweit. Warum fühle ich mich nach dem Gespräch trotzdem erschöpft?

In der Wettbewerbsarena

Vielleicht, weil es eigentlich absurd ist, das eigene Kind schon vor dem Kindergarten an „Normkurven“ messen zu lassen. Und weil es bei aller – angestrebten – Gelassenheit die Vergleicheritis ausbrechen lässt: ist der Junior nicht zu forsch, zu devot, zu langsam, zu schnell, zu sozial, zu eigenbrötlerisch? Eigentlich müssten da schon alle Alarmglocken schrillen – und zwar nicht wegen des Kindes, sondern wegen einem selbst: was tue ich hier gerade? Bin ich wirklich bereit, meinen Sohn in diese Wettbewerbsarena zu stoßen? Wer bastelt den schönsten Fisch, wer spricht mit 21/2 am gewähltesten, wer hat die besten Spielideen? Was schleichen sich da für Gedanken in meinen Kopf? Schafft er das im Kindergarten? Kommt er mit bei dem, was gefordert wird? Behauptet er sich unter den anderen Kindern?

Kinder können grausam sein, schlicht (noch) gefühllos für die Gefühle anderer. Kinder können aber auch sehr liebevoll sein, oft gerade, wenn man gar nicht erwartet hat, dass sie schon so viel von dem, was zwischen Menschen passiert, verstehen. Was Kinder höchst selten tun: gefühllos oder liebevoll sein „auf Kommando“. Wachsen auf Kommando. Sich für Dinge begeistern, aufhören mit Dingen zu schmeißen, zuhören und „brav sein“ auf Kommando.

Bepunktet statt gesehen 

Vor allem Kinder im Kleinkindalter sind meiner Meinung nach oft noch sehr nah an dem, was wirklich ihnen entspricht. Sie sind draufgängerisch, wild, zögernd, suchen Aufmerksamkeit, wollen gesehen werden und ihre Entdeckungen der Welt mit den ‚Großen‘ teilen. Wenn wir dann sagen: „Jetzt ist aber Kreise malen dran, nicht Schnecken streicheln“ oder vermerken: „Ungelenk mit Schere und Papier“, dabei war der wackelige Stuhl und das Balancieren darauf im Moment einfach spannender – dann landet das Kreuz in der Skala am Ende bei gelb oder rot.

Wir haben das Kind gut eingeordnet. Gesehen haben wir es nicht. Und wenn klein Luise, klein Tim oder Lukas dann in der Kita beißen, weil zuhause alle immer nur meckern oder Carla „Hund und Frauchen“ spielen will, um wenigstens einmal das Kommando zu haben – dann können wir Erwachsenen uns fragen: was genau haben wir da eigentlich beigebracht?

Vielleicht würde uns so ein Evaluationsgespräch manchmal auch ganz gut tun. Gelb-rot-grüne Skala inklusive.

Herzlichen Gruß
Sunnybee