alleinerziehend, Gesellschaft, Politik

Fitte Wurst. Von der Werbung für’s Leben lernen

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Kennt ihr diese einzeln eingeschweißten Salami-Sticks, eigentlich eine Snack-Idee der 1980er, leicht gummiartig in der Konsistenz und so intensiv gewürzt, dass sich der Verdacht aufdrängt, hier sei geschmacklich etwas zu kaschieren? Manche schwören ja darauf – „schmeckt“, „macht satt“, „ist bequem für unterwegs“, sind in etwa die Argumente von Wurst-Fans und Salami-Marketing. Auf die Idee, die Schweinefleisch-Stengel für sonderlich gesund zu halten kam meines Wissens nach keiner. 

Gesundheits-Snack light

Aber genau hier setzt die Werbeanzeige an, die ich vor kurzen im Kundenmagazin einer Supermarktkette entdeckte: auf himmelblauem Grund finden sich zwei Wurststäbchen zwischen pinken Sneakers und sonnengelben Hanteln. Der Slogan dazu: „Fitness kann so leicht sein!“ 

Dass ich darauf noch nicht gekommen bin: Wurst-Sticks als der  perfekte Snack nach meinem Workout!… Neckische Piktogramme umrahmen das Produkt: „100% natürlich“ (die 100% dick hervorgehoben), „glutenfrei“ (durchgestrichene Ähre), „laktosefrei“ (durchgestrichene Milchflasche). Schließlich noch die Information „max. 122kcal pro Stück (25g)“.

Soweit ich weiß, besteht Salami – zumindest traditionellerweise – aus einer Mischung aus Fleisch, Fett und Gewürzen. Getreide (glutenreich) ist ebenso wie Milch (laktosehaltig) eher nicht Bestandteil. Aber schaden kann es es ja nicht, zu betonen, dass die beiden „Bäh-Zutaten“ aller Lebensmittelunverträglichen nicht enthalten sind. Wirkt irgendwie beruhigend, genau wie die garantierte Natürlichkeit. Fleischmix wie Gott ihn schuf sozusagen, garantiert milch- und weizenfrei.

Und „nur“ 122 Kcal pro 25 Gramm. Macht zwar gute 480 Kcal pro 100 Gramm, der normalerweise üblichen Referenzmenge, aber wer will das wissen? Zum Vergleich: eine Kiwi hat laut Aussage desselben Kundenmagazins einen Brennwert von etwa 80 Kcal pro 100 Gramm, ein Stück Aprikosenkuchen mit Streusel schlägt mit knapp 240 Kcal zu Buche, dem Gegenwert von zwei (!) der eingeschweißten Würste. 

Liebesgöttin 100% aktiv

Was lerne ich daraus? Willst du ein Produkt auf dem Markt neu positionieren, behaupte schlicht das Gegenteil von allem, was bisher darüber im Umlauf war: Salami als kalorienarmer Fitness-Snack? Warum nicht? Die Natürlichkeit der Sticks ist in etwa so groß wie die einer Tiefkühl-Steinofenpizza? Ganz egal: Die Aufmerksamkeit deiner zukünftigen Kunden ist dir sicher.

Vielleicht der Tipp für alle, die genug vom Image der stets unter Zeitdruck stehenden, mann-, geld- und freudlosen Alleinerziehenden haben: wie wär’s mit einer Kampagne des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Die Liebesgöttin. Das Leben kann so leicht sein“. Darunter, untermalt von neckischen Piktogrammen: „100% aktiv“, „immer auf Draht“, „beziehungserfahren“. Nicht vergessen: Himmelblauer Grund, ein bis zwei Hanteln, pinkfarbene Dessous. Wäre doch gelacht, wenn sich die Botschaft nicht auf dem Markt etablieren ließe!…

Herzlichen Gruß, Sunnybee

 

alleinerziehend, Familie, Gesellschaft

Das Kabinett beim Kita-Fest

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Wusstet ihr, dass im aktuellen Kabinett drei Patchwork-Eltern, eine Alleinerziehende, 6 Menschen ohne Kinder und eine siebenfache Mutter sitzen? 12 Regierungsmitglieder sind verheiratet (davon elf mit einem Partner des anderen Geschlechts), zwei leben in einer Partnerschaft ohne Trauschein, eine Politikerin ist geschieden, ein Politiker Single.

Diese Information verdanke ich der aktuellen Ausgabe eines deutschlandweit erscheinenden Familienmagazins. Eine Grafik klärt mich außerdem über die Gesamtzahl der Kinder der Kabinettsmitglieder auf (27), und dass diese, auf die einzelnen Politiker/innen verteilt, zwischen null und genannten sieben Kindern schwankt.

Ein ziemlich „bunter Haufen“ also, die Vertreterinnen und Vertreter unseres neu formierten Regierungsbündnisses! (Jedenfalls, was Beziehungsstatus, Elternschaft und Lebensentwurf angeht – in Bezug auf Hautfarbe und Herkunft ist das Kabinett einheitlich weiß und „nicht-migriert“;-)).

Merkel beim Kita-Fest

Ich stelle mir die Herren (9) und Damen (7) in einem ganz anderen Rahmen vor: beim Kita-Sommerfest. Frau Dr. Merkel, im frühlingshaft roséfarbenen Blazer, rückt ihre Perlenkette zurecht: hoffentlich denkt Joachim an die Hackbällchen. Sie selbst war am Vortag wieder so spät zuhause, dass er die Vorbereitung übernehmen musste. Zum Glück bleibt ihm nach seiner Emeritierung etwas mehr Zeit für Privates… Neben Merkel Hubertus Heil, Minister für Arbeit und Soziales. Sein Jüngster, 3, zieht an seinem Hosenbein: „Papa, mir ist schlecht. Papa, kann ich noch von der Grütze haben?“ Zwei rot verklebte Hände hinterlassen ihre Spuren auf Herrn Heils Beinkleid. Anja Karliczek, Ministerin für Bildung, sieht den Bemühungen ihres Kollegen, seinen Anzug fleckenfrei zu halten, amüsiert zu: „Zum Glück sind unsere aus dem Gröbsten heraus“, kann sie sich einer Neckerei nicht enthalten, „Unser Jüngster macht nächstes Jahr Abitur.“ „- Mit Anfang zwanzig ist denen wegen ganz anderen Dingen schlecht!…“ Horst Seehofer dreht sich grinsend zu den beiden. Gerd Müller am Grill lächelt still.

Bad im Pool

„Wann findet eigentlich die Tombola statt? Und stimmt es, dass der Gewinner zwei Wochen Küchendienst erlassen bekommt?“ Andreas Scheuer, Verkehrsminister, gesellt sich zu der Gruppe. „Keine Ahnung, aber ein bisschen besser könnte die Organisation schon sein -“ Ursula von der Leyen schaut säuerlich: „Nicht mal die Anfahrtsbeschreibung war richtig. Nicht wahr, Heiko, wir sind zweimal falsch abgebogen, und das mit Navi!“ „Man sollte sich eben nicht zu sehr auf die Technik verlassen -“ Svenja Schulze, Umweltministerin, lächelt süffisant: „Mein Mann ist ja Geschäftsführer des Vereins Klimadiskurs NRW und er sagt immer…“ Ihre weiteren Worte gehen in der allgemeinen Aufregung unter: Franziska Giffeys Jüngster ist in den aufgestellten Swimmingpool gefallen. „Warte, ich helfe ihm heraus!“ Julia Klöckner, Landwirtschaftsministerin, eilt ihrer Kollegin zu Hilfe: „Hast du Wechselklamotten dabei?“ „Er ist acht, Julia, da sollte man eigentlich davon ausgehen, dass er nicht mit Kleidern badet…“ Die Familienministerin lächelt etwas gestresst: „Damit ist das Fest für uns gelaufen.“ „Ich kenne das -“, Katharina Barley nickt mitfühlend: „Immer, wenn man denkt, es läuft gerade glatt, ist wieder irgendwas.“
„Das stelle ich mir für Sie als Alleinerziehende gar nicht so einfach vor -“, Helge Braun, Kanzleramtsminister, tritt neben sie. „Ist nicht anders, wenn man gemeinsam erzieht“, schaltet sich Heiko Maas ein: „Meine Lebensgefährtin und ich haben drei Kinder, unseren einen Sohn hat sie mit in die Beziehung gebracht. Ich kann Ihnen sagen, da geht es oft auch drunter und drüber!…“

„Sind die Würstchen schon fertig?“ Peter Altmaier, Wirtschaftsminister, schlendert interessiert zum Grill. „Gut Ding will Weile haben, Herr Kollege!“ Gerd Müller, Minister für Entwicklung, wendet fachmännisch die Käseknacker. Im nächsten Moment Gebrüll. Müller fährt herum: „Wessen Kind ist das?“ Ein etwa sechsjähriger Junge hat sich das Feuerzeug auf dem Tisch hinter ihm ausgeliehen und damit die bereitliegenden Servierten in Brand gesteckt. Geistesgegenwärtig kippt Peter Altmaier sein Bier über die Flammen.

„Manchmal bin ich direkt froh, dass mein Mann und ich unser Patenkind nur alle paar Wochen bei uns haben…“ Jens Spahn betrachtet fein lächelnd das Geschehen. „- Keine Kinder sind auch was Schönes. Noch ein Bier, Herr Kollege?“ Olaf Scholz, Finanzminister, reicht ihm ein Glas Frischgezapftes.

Wir verlassen das Geschehen… 

Ach ja: alle Handlungen, Schauplätze und (beinahe) alle personenbezogenen Fakten sind natürlich rein fiktiv, spekulativ und geben in keiner Weise die Realität wieder. Oder hättet ihr ernsthaft gedacht, dass Herr Dr. Sauer Hackbällchen rollt?:-)