Es ist soweit. Die laue Luft lockt die Menschen aus den Häusern. In den Parks sitzen sie zu zweit, zu dritt auf Decken, machen auf Matten und an öffentlichen Turngeräten Sport. Ich schlendere zwischen Schrebergärten hindurch. Ein Faden Grillduft zieht durch die Luft, Vögel singen.
Mama spielt nicht. Jedenfalls nicht wie der Fünfjährige. Und auch nicht wie die sechs Monate alte Schnuckelbacke. Keine Karambolage auf dem Auto-Teppich, kein „Ich-fang-den-Stoff-Frosch-und-esse-ihn-auf“. Wäre ja auch komisch, oder? Schließlich bin ich vierzig, nicht vier. Oder? Warum übernehmen dann so viele Eltern – und gerade auch wir Mütter – dennoch wie selbstverständlich die Rolle, der wir eigentlich längst entwachsen sind? Kämmen scheinbar mit Inbrunst stundenlang Barbie-Ponys oder stapeln Duplo-Steine aufeinander? Ich tue das inzwischen nur noch selten – und meine Kinder sind trotzdem froh.
Ich bin gerne Mama. Und ich genieße es, manchmal kein bisschen mütterlich zu sein. Ich bin eine gute Mama, ich weiß es – wenn ich diese Auszeiten habe. In diesen Momenten räume ich wirklich alle Pixibücher und Duplosteine vom Wohnzimmersofa zurück ins Kinderzimmer, versinke sechs Stunden lang in der Recherche zu einem Artikel und schreibe ihn, ohne dabei Hunger und Durst zu spüren. Ich treffe mich mit Freundinnen und denke nur an mich. Erwachsenenthemen, Erwachseneninteressen. Mein Tempo, mein Rhythmus, meine Zeit. Gut so.
Wie regeln wir den Umgang mit unserem gemeinsamen Kind, bzw. den gemeinsamen Kindern, wenn wir uns trennen? Vor dieser Frage standen 2017 auch der Vater meines älteren Sohnes und ich. Wir entschieden uns damals für das Wechselmodell, unser Sohn sollte also abwechselnd bei seinem Vater und bei mir leben. Für uns als Familie die richtige Entscheidung. Und dennoch gerade in der ersten Zeit nach der Trennung nicht einfach umzusetzen. Dr. Isabell Lütkehaus und Thomas Matthäus haben im dtv/Beck-Verlag einen Ratgeber zum Wechselmodell herausgegeben.
Pandemie. Winter. Säugling. Ich gebe zu, diese Kombination bringt auch mich zuweilen an meine Grenzen. Innerlich fluchend, stapfe ich, den Kinderwagen schiebend, durch den Schneematsch. Alleine, weil die Freundin, die mich sonst begleitet, inzwischen selbst Spazierengehen für gefährlich hält. Übernächtigt, weil mich mein Jüngster gerade vier bis fünfmal jede Nacht aus dem Schlaf reißt. Durchgefroren, weil die winterliche Kältewelle Deutschland mit Minusgraden im zweistelligen Bereich überzieht. Ich könnte mich jetzt der „Pandemie-Lethargie“ ergeben, wie eine andere Freundin es beschreibt. Oder aber…