Gesellschaft, Politik

Zwischen Wirtschaft und Politik: Welche Rolle spielt die Wissenschaft in der Pandemie?

Weiße Maus sitzt auf Hand mit medizinischen Schutzhandschuhen und schaut frontal in die Kamera.

Vor kurzem bin ich auf einen Artikel gestoßen, der die Rolle der Wissenschaft in der Corona-Pandemie beleuchtet und moralische Bewertungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse („Dieses Verhalten ist aus epidemiologischen Gründen wertvoll und solidarisch, jenes nicht“) kritisch hinterfragt. Ein Beitrag, der mich gerade sehr nachdenklich macht. Hat der Autor mit seiner Einschätzung recht? Prof. Michael Esfeld lehrt Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne (Schweiz) und gehört seit 2009 der deutschen Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften an.

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Familie, Gesellschaft

Was wir 2022 wirklich brauchen. Teil 2: Gesundheitsschutz und das Recht der freien Wahl

Grafik: zwei Frauen mit Mund-Nasenbedeckung stehen einander gegenüber und schauen beide nach unten auf ihr Handy.

Teil 1: „Schule und Bildung in der Pandemie

Teil 3: „Was stärkt Familien im 3. Jahr der Pandemie?

Das Thema Gesundheit – auch Anfang 2022 ein heißes Eisen, nicht nur für Familien. Dabei mussten Eltern natürlich bereits vor der Pandemie Entscheidungen treffen, die ihre Gesundheit und die Gesundheit ihrer Kinder betrafen. Neu ist seit rund zwei Jahren die Dauerpräsenz medizinischer Themen innerhalb unserer Gesellschaft und die damit einhergehende Aufregung und zum Teil auch Polarisierung. Beim Thema Gesundheit gibt es wie bei der Frage der Bildung bei weitem keine einheitliche Elternmeinung. Am ehesten würden wohl die meisten Eltern der Aussage zustimmen, das Beste für ihre Kinder zu wollen. Was dieses „Beste“ allerdings sein soll, daran scheiden sich – so zumindest mein Eindruck – nach fast zwei Jahren Pandemie – weiterhin die Geister. 

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Familie, Gesellschaft

Wir müssen draußen bleiben. Wie es sich gerade anfühlt, in Deutschland nicht gegen Covid-19 geimpft zu sein 

Junger Mann sitzt auf Stuhl neben Ärztin, die eine Spritze in der Hand hält.

Herbst 2021: Nieselregen. Es ist empfindlich kalt. Mit meinem einjährigen Sohn stehe ich vor unserem Lieblingscafé. Sein Bewegungsdrang ist groß, unabhängig vom Wetter. Ich selbst würde mich jetzt gern bei einer Tasse Kaffee im Lokal aufwärmen. Aber wie überall in der Gastronomie gilt auch hier seit Mitte Oktober 3G („Zutritt nur für Geimpfte, Getestete und Genesene“). Ich bin bisher nicht gegen Covid-19 geimpft. Entsprechend der Bestimmungen in unserem Bundesland dürfte ich das Lokal somit aktuell nur mit rund 100 € teurem PCR-Test betreten. Selbst finanziert, obwohl ich damit, genau wie mit der Impfung, meine Mitmenschen schützen würde. Ich gehöre damit zu den rund 30% nicht gegen Covid-19 Geimpften über 12 Jahren in Deutschland, auf die aktuell massiver gesellschaftlicher Druck ausgeübt wird.

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Gesellschaft, Politik

Pandemie und das Leben im Augenblick: kurzsichtig oder klug?

EM 2021: Jubelnde Fußballfans beim Public Viewing ohne Abstand und Maske
EM 2021: Euphorie ohne Maske und Abstand beim Public Viewing (Foto: epa)

In der Sozialpsychologie gibt es einen Begriff, der menschliches Verhalten treffend auf den Punkt bringt: den sogenannten „myopischen Effekt“. Myopisch heißt kurzsichtig und entsprechend bedeutet das Phänomen, dass mich Konsequenzen, die mein Verhalten in ferner Zukunft haben könnte, nicht so sehr interessieren wie ihr Effekt im Moment. Also stecke ich mir als Raucher/in die nächste Kippe an – die Befriedigung im Augenblick zählt mehr als der mögliche Lungenkrebs ein Jahrzehnt später. Ich kaufe den Kaffee im Pappbecher (jetzt praktisch – das Müllproblem fällt für mich spürbar erst später an) oder fliege spontan nach Mallorca (die Spätfolgen für die Natur wiegen weniger als der Spaß im Moment). Auch das aktuell wahrnehmbare Verhalten (feiernde Fußballfans, volle Einkaufsstraßen und Cafés) lässt sich dadurch erklären: jetzt will ich leben, Menschen treffen, meinem Vergnügen nachgehen – auch wenn das eine weitere Pandemiewelle im Herbst bedeuten mag. Ist das nun verwerflich – oder gut?

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Gesellschaft, Politik

Business trotz Virus. Corona und die soziale Gerechtigkeit

Obdachloser mit Maske und Gummihandschuhen

Im Frühjahr 2020 kam das Corona-Virus über uns wie eine Naturgewalt. Im ersten Lockdown wurden Schulen und Kindergärten komplett geschlossen, das soziale Leben eingefroren und Menschen hamsterten in den Supermärkten Lebensmittel und Klopapier. Deutschland befand sich im Ausnahmezustand – verständlich angesichts der Bedrohung durch eine Krankheit, wie sie Europa seit der Spanischen Grippe vor rund 100 Jahren nicht mehr gekannt hat. Inzwischen sind jedoch fast 1 1/2 Jahre seit Beginn der Pandemie vergangen und es zeigen sich immer deutlicher die Folgen politischer Entscheidungen, die zwar das Ziel der Viruseindämmung zu erreichen scheinen, dafür aber enorme soziale Schäden in Kauf nehmen und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, die bereits vor der Pandemie bestanden, tolerieren oder sogar verstärken.

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