alleinerziehend, Gesellschaft, Hochsensibilität, Persönliches

Quiche und Freu(n)de: Nachbarschafts-experimente

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Eine Quiche, zwei Kuchen, 6 Erwachsene, 4 Kinder, Sonnenschein – was ist das?

Ein gelungenes Nachbarschafts-Kaffeetrinken!:-)

Vor ein paar Wochen habe ich hier im Blog darüber nachgedacht, was für eine Chance es sein kann, (freundlichen) Kontakt zu den eigenen Nachbarn zu pflegen. Ich hatte auch überlegt, was vor allem Großstädter davon abhält, ihre Nachbarn überhaupt kennen lernen zu wollen.

Theorie und Praxis

Am 25. Mai diesen Jahres, am offiziellen ‚Tag der Nachbarschaft‘, wollte ich meine Vorstellungen von guter Nachbarschaft ein Stück weit realisieren… etwa zehn Tage davor hängte ich einen Zettel in den Flur des Mehrfamilienhauses, in dem ich mit meinem Sohn wohne:

„Liebe Nachbarinnen und Nachbarn! Am 25. Mai ist europaweiter „Tag der Nachbarschaft“. Ich möchte an diesem Tag in unserem Hinterhof gerne ein kleines „Nachbarschaftsfest“ organisieren. Wer hat Lust mitzumachen? Ich selbst werde wohl einen Kuchen backen und wer mag, bekommt von mir einen frischen (Milch-) Kaffee zubereitet!;-) Je nach Wetter können wir auch das Schwimmbecken aufstellen, so dass unsere Kinder aus dem Haus darin planschen können!“

Angegeben waren Ort und Zeit des geplanten Fests und einige Zeilen Platz mit der Bitte, einzutragen, ob meine Nachbarn kommen und was sie (kulinarisch) beitragen konnten.

Schweigen im Mehrfamilienhaus

Tja, und was passierte? Über eine Woche lang NICHTS!… Oder doch: die Nachbarn, die ich noch am besten kannte, sagten ab, da sie in Urlaub waren. Ansonsten Schweigen von Parterre bis Dachgeschoss… Keine Zusage und auch keinerlei Reaktion, dass der Aushang überhaupt gelesen worden war. Was sollte ich davon halten? Ich muss es wohl meinen Erwartungen zuschreiben, aber ich war nicht nur enttäuscht, ich nahm die Stille persönlich. Hatte ich doch (für mich mutig) diesen ersten Schritt gemacht und jetzt hielt es keiner für nötig, darauf zu reagieren, geschweige denn, sich dafür ähnlich wie ich zu begeistern?

Nachbarn sind keine Freunde

Ich erzählte einer Freundin, die ich schon lange kenne, von meiner Enttäuschung – und wurde noch einmal enttäuscht. Denn sie fand das Verhalten meiner Nachbarn ganz normal. Sie hätte auf einen solchen Aushang auch nicht reagiert, denn Nachbarn seien nun einmal keine Freunde. Also müsse es keiner persönlich nehmen, wenn man auf ein näheres Kennenlernen keine Lust habe. Sich nicht zu melden sei Antwort genug. Sie hätte auch keine Lust, mit ihren Nachbarn im Hof zu sitzen.

Nun ja, ich wollte mich mit diesem (scheinbaren?) Desinteresse nicht zufrieden geben. Wie es der Zufall wollte, begegnete ich im Verlauf der nächsten Tage gleich mehreren meiner Nachbarn im Flur. Ich fragte nach, ob sie kommen würden – und erntete zumindest höfliches Interesse…;-)

Gelungene Feier

Und doch war das kleine „Hoffest“, das letztlich zustande kam, ein voller Erfolg, wie ich finde: drei entspannte Stunden, Plausch über Musik, Blumen und Kinder bei leckerem Essen. Beste Freunde werden wir Nachbarn wohl nicht, dazu sind wir alle zu verschieden und haben unsere eigenen Leben. Aber einander als Nachbarn kennen zu lernen war offensichtlich nicht nur für mich richtig nett. Wer weiß, vielleicht verschönern wir den Innenhof noch weiter, mit neuer Farbe an den Wänden, Spielgeräten für die Kinder und ein paar Blumen? Meine Nachbarn zwei Etagen über mir haben schon erklärt, sie seien bereit mitzuhelfen. Am Abend des 25. Mais ging ich jedenfalls glücklich ins Bett. Und der nächste Schritt auf meine „fremden“ Nachbarn zu wird mir schon leichter fallen!

Ein Sprichwort sagt: „Niemand weiß, was er kann, bevor er’s versucht.“ Ein zweites: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.

An diesem Abend war das für mich genau so.

 

 

Kunst, Persönliches

Tolle Nachbarn

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(C) Tolle Nachbarn

In Schafstadt geht es gesittet zu: der Polizist dreht seine Runden, alle Nachbarn sind in ihrem jeweiligen Zuhause, Frau Spätzle fegt, Frau Schopf schimpft, weil die Nachbarn über ihr ihren Teppich am offenen Fenster ausklopfen. Alles sehr ordentlich, alles ziemlich grau. Das ändert sich, als die ersten neuen Nachbarn einziehen: ausgerechnet Familie Wolf knattert mit Motorrad samt Beiwagen ins Viertel… Helle Aufregung unter den Schafen! Von Seite zu Seite wird die Nachbarschaft bunter, Familie Affe zieht ein und pflanzt Kletterranken, die Löwes spielen Pingpong auf der Dachterrasse, aus dem Kurzwarenladen am Eck wird die „Bar zum Krokodil“. Das Leben verlagert sich von den Wohnungen auf die Straße, es wird geredet, gelacht, gegessen und gefeiert.

Ein Such- und Wimmelbuch für Kinder, und für Erwachsene eine Parabel mit feinem Humor, darüber, dass Nachbarschaft mehr sein kann als Kehrdienst und eingehaltene Ruhezeiten. Tolle Nachbarn, tolles Buch – in der Tat!:-)

Leseprobe:

„Panik im Viertel! Alle meine Nachbarn kriegen Angst! „Der Wolf ist da! Der Wolf ist da!“, schreit Herr Sesselpups und rennt panisch davon. „Marsch, ihr geht jetzt sofort in die Schule!“, befiehlt der Lehrer, doch seine Schüler finden es hier viel spannender. Und ich bin begeistert: Familie Wolf zieht nämlich in die Wohnung direkt unter mir ein. Endlich mal was Neues!“

Helene Lasserre und Gilles Bonotaux: Tolle Nachbarn. Jacoby&Stuart-Verlag. (Ab 2,5)

alleinerziehend, Gesellschaft, Persönliches

„Tag, Frau Nachbarin!“

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Am 25. Mai 2018 ist „Tag der Nachbarschaft“.

Müller, Gonzalez, Freyherr, Oblomov – manchmal kennen wir von unseren Nachbarn ja nicht mehr als die Namen auf den Klingelschildern. Vor allem in Großstädten ist die „Omi“ in Kittelschürze selten geworden, die, auf ihre Fensterbank gestützt, vom Haus nebenan aus den Klatsch des Tages pflegt…

Wir „connecten“ uns mit Freunden in Bayreuth, New York und Santiago de Chile, verfolgen die Bürgerrechtsbewegungen in Kairo und den Krieg in Aleppo – und erschrecken fast ein wenig, wenn uns im Hausflur die junge Mutter aus dem ersten Stock über den Weg läuft. Ein scheues „Hallo“, vielleicht der Gedanke: „Wär’ ja nett, mehr von ihr zu erfahren“ – dann dreht sich das Leben weiter und der zarte Kontakt bleibt ungenutzt.

Sehnsucht nach Nachbarschaft 

Dabei scheint gerade in großen Städten reges Interesse – ja geradezu eine Sehnsucht – nach einem Wiederauflebenlassen der Nachbarschaft zu bestehen! Portale wie nextdoor.de oder nebenan.de, die die Kontaktaufnahme zwischen Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft ermöglichen, erfahren regen Zulauf. Für mich verbunden mit einer leisen Komik: der „Handy-Mittler“ scheint vonnöten zu sein, um den Menschen nebenan überhaupt wahrzunehmen: Beim Bäcker steht man stumm nebeneinander, aber online freut man sich, dass man den Nachbarn vom Bäcker kennt und schreibt ihm vielleicht sogar!…;-)

Doch unbesehen dieser kleinen Spitze – es ist eigentlich egal, auf welchem Weg sich der Kontakt zu den Nachbarn ergibt: ein Gewinn ist er auf jeden Fall! Sei es auf der praktischen Ebene (Päckchenannahme und Blumengießen), oder auf fast freundschaftlicher Basis – den Kontakt mit seinen Nachbarn zu pflegen hebt die Stimmung: Mit einem meiner (ehemaligen) Nachbarn treffe ich mich, auch nachdem ich ein paar Straßen weiter gezogen bin, noch immer alle paar Wochen zu einem gemeinsamen Frühstück – eine Tradition, die sich „heimelig“ anfühlt, mich fröhlich macht und die ich nicht mehr missen möchte. Mehrere Nachbarn in meinem Haus haben (kleine) Kinder und auch da ist es schön, sich mal auf einen Spaziergang oder für einen Kaffee treffen zu können.

Lüstling oder AfD-Liebhaber?

Gleichzeitig scheint, vor allem in Großstädten, eine leise Furcht zu bestehen: was, wenn ich das Gespräch beginne – und mein Nachbar stellt sich als Lüstling, AfD-Sympathisant oder einfach nur aufdringliche Labertasche heraus? Anders als bei sonstiger Kontaktaufnahme, online oder im realen Leben, weiß er oder sie schließlich, wo ich wohne – und das kann schon ganz schön nah sein… Vielleicht besteht gerade deswegen an Orten, an denen ich meinen Mitmenschen im Park, in der Straßenbahn und im Einkaufszentrum ohnehin nah „auf die Pelle rücke“, eine gewisse Zurückhaltung den unmittelbaren Nachbarn gegenüber.

Ich werde am „Tag der Nachbarschaft“ meinen Nachbarn im Haus, die ich zum Glück inzwischen alle kenne, jedenfalls ein Kaffeetrinken im Hof vorschlagen; vielleicht ein Schwimmbecken aufbauen für die Kinder im Haus. Möglicherweise hänge ich sogar ein Schild an die (Haus-) Tür: Wer Lust hat, komme – von der Straße her – mit dazu!

Mal sehen, was passiert. Vielleicht berichte ich demnächst hier davon?! 🙂 => Hier findet ihr meinen „Erfahrungsbericht“!

Hier mehr Informationen zum „Tag der Nachbarschaft“: www.tagdernachbarn.de/ueber-den-tag/idee