alleinerziehend, Beruf, Familie, Gesellschaft

Des Pudels Kern – Goethes „Faust“, unser Kindergarten und ich

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Ich lebe im Luxus. Ich habe ein wunderbares Kind und einen Beruf, der mir gefällt. Ich verdiene mein eigenes Geld, kann mich dennoch häufig um meinen Sohn kümmern und in der letzten Zeit habe ich sogar noch mitten am Tag Zeit für mich!

Unser Sohn geht seit Ende August in den Kindergarten. Dieser bietet eine Betreuung von 7.30-16.30 Uhr. Unser Sohn geht offensichtlich gern dort hin. Soweit ich es bisher überblicke, machen die Erzieherinnen und die Kita-Leitung ihre Arbeit wirklich gut. Allein in die Gruppe unseres Sohnes wurden zu Beginn des Kindergartenjahres acht (!) neue Kinder aufgenommen. Drei Erzieherinnen teilen sich die Betreuung für 20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren, spielen, malen und basteln mit den Kindern, lesen vor, gehen mit den Kleinen aufs Klo und trösten Kinder, die hingefallen sind oder gerade Heimweh haben. Sie richten das Mittagessen an, sprechen mit Eltern, führen Telefonate, besprechen und dokumentieren die Ereignisse des Tages und planen die Aktivitäten des nächsten.

Und diese engagierten Frauen (zumindest in unserem Kindergarten sind es immer noch ausschließlich Frauen) ermöglichen Frauen wie mir, einen Beruf auszuüben, den wiederum ich gewählt habe, der mich herausfordert und in guten Momenten auch erfüllt, der mir ermöglicht, mein eigenes Geld zu verdienen und mich z.B. mittags um eins eine Stunde lang in Goethes „Faust“ zu vertiefen:

Dass ich erkenne, was die Welt/ im Innersten zusammenhält“, lese ich. Und: „Wie alles sich zum Ganzen webt,/Eins in dem anderen wirkt und lebt!“ Doktor Faustus’ Suche nach einem tieferen Sinn, nach dem Grundlegenden hinter der Materie, das sich ihm trotz – oder gerade aufgrund? – angehäufter Gelehrsamkeit nicht erschließt, berührt mich.

Bekanntermaßen verleitet ihn sein Wissensdurst zum Pakt mit dem Teufel selbst. Dieser bemerkt zu Beginn des Dramas im „Prolog im Himmel“ halb mitfühlend, halb mit zynischer Freude:

Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen. / Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag, / Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag. / Ein wenig besser würd er leben, / Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben; / Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, / Nur tierischer als jedes Tier zu sein.

Da stehe ich nun, nicht als männlicher, von Wissensdurst geplagter Gelehrter, sondern als Frau, Mutter und Akademikerin. Was in Goethes „Faust“ noch unmöglich ist (Gretchen wird bekanntlich unverheiratet schwanger, als sie ihrer Liebe zu Faust folgt und ist dadurch sozial gebrandmarkt), ist für mich in der heutigen Zeit durchaus vereinbar: ich wurde schwanger, lebe inzwischen vom Vater meines Kindes getrennt und übe zugleich einen Beruf aus. Ich bin als Frau und Mutter durch mein Gefühl und meine Körperlichkeit bestimmt und nutze zugleich lust- (und manchmal auch leidvoll) meinen Intellekt. 

Das alles dank eines Netzes von – immer noch zum Großteil weiblichen – UnterstützerInnen in Kindertagesstätten, Kindergärten, Nachmittagsbetreuung und (später) offener Ganztagsschule. 

Wie Dr. Faustus will ich viel – und zahle wie er auch meinen Preis dafür. Das Ziehen im Herzen, wenn mein Sohn bei der Verabschiedung im Kindergarten doch einmal weint, ich aber eine halbe Stunde später bei der Arbeit sein muss und daher nicht für ihn da sein kann. Das Jonglieren mit Themen, die eigentlich unvereinbar sind: Schulcurricula und Windelentwöhnung, Biene Maja und mündliches Abitur. Und nicht zuletzt die Frage: Ergibt das, was ich da lebe, auch einen Sinn?

Es irrt der Mensch, solang er strebt“: den Satz legt Goethe Gott selbst in den Mund im oben bereits erwähnten „Prolog im Himmel“. Und so stehe ich denn da mit Hoffnung und Zweifel, manchmal, wie heute, mit dem Gefühl von Dankbarkeit und Fülle – dann wieder erfüllt von der Furcht, dass etwas fehlt, bzw. dass, zuviel gewollt, nichts richtig gelingen könnte.

Wir modernen akademisch gebildeten Frauen sind Faust und Gretchen, im Spagat zwischen Glauben und Wissen, Vertrauen und Zweifel, immer auf der Suche nach „des Pudels Kern“. Mit der Möglichkeit zu wählen und der Freiheit, die Welt (mit) zu gestalten – und der Herausforderung mit beidem umzugehen. 

Wie lebst du dein Leben zwischen Beruf und Kind, Intellekt und Gefühl? Wenn du magst, schreib mir dazu in einem Kommentar!

Herzlich, Sunnybee

alleinerziehend, Familie, Persönliches

Girls’ Power: Ein Single-Mom Wochenend-Ausflug

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12 Frauen, 13 Kinder, davon bis auf eines alle unter vier. Ein Tagungshaus mit Landschulheimcharme, zwei Tage und zwei Nächte fernab der großen Stadt – geht das gut?

Was ist (zunächst) das Verbindende zwischen uns Wochenendurlauberinnen? Wir kennen uns nicht besonders gut, den Aufenthalt hat der engagierte Seelsorger einer katholischen Gemeinde als Urlaubswochenende für Getrennt- und Alleinerziehende organisiert. Wir sind alle von den Vätern unserer Kinder getrennt oder waren nie mit ihnen zusammen. Was suchen wir? Zwei Tage Erholung? Entspannung? Austausch mit Frauen in einer ähnlichen Situation oder Unterhaltung für die Kleinen? Oder einfach nur „mal sehen, was passiert“?

Freundlicher Empfang

Die Ankunft im Gästehaus ist geprägt von Vorfreude und (etwas nervöser) Erwartung. Unsere „Hausdame“ empfängt uns freundlich und übergibt allen Teilnehmerinnen die Schlüssel zu den gebuchten Zimmern. Die Ausstattung ist einfach, aber sauber und funktional. Willkommener Luxus: zu allen Räumen gehört ein eigenes Bad. Die erste halbe Stunde vergeht mit gegenseitiger Vorstellung, bzw. Begrüßung und einer ersten Orientierung auf dem weitläufigen Gelände. Die Kleinen finden das Ganze offensichtlich genauso aufregend wie wir Großen, mein Sohn ist, eigentlich untypisch für ihn, auf einmal verschwunden und mir wird einen Moment lang mau zumute, bis eine der Mütter Entwarnung gibt – er wollte statt bei mir lieber in der oberen Etage des Gästehauses beim Auspacken „helfen“ und hat sich den Weg dorthin allein gesucht…

Die Eigenständigkeit der Kinder in diesen zwei Tagen beeindruckt mich. Obwohl die meisten sich bisher nicht kannten, finden sich immer wieder mehrere von ihnen zum Spiel zusammen. Das großzügige Außengelände mit Klettergerüsten, Rutschbahn, Trampolin und sogar einer kleinen Seilbahn ist natürlich einladend. Für uns Mütter beruhigend: in der Nähe sind keine Gefahrenquellen wie Straßen oder Flüsse, so dass wir auch die 2- bis 3-Jährigen einfach mal laufen lassen können. Wohltuende Erholung und die Gelegenheit zum ein oder anderen Gespräch zwischen uns Erwachsenen. Das gute Wetter trägt das Übrige zur insgesamt sehr entspannten Atmosphäre bei. 

Wir werden während der zwei Tage mit Vollpension verwöhnt, morgens und abends gibt es ein Büffet, für die zwei Mittagsmahlzeiten dürfen wir Wünsche anmelden, alles ist frisch und lecker zubereitet. Die festen Essenszeiten geben den Tagen eine für mich wohltuende Struktur, ohne uns allzusehr einzuschränken. Es bleibt genug Muße, um miteinander ins Gespräch zu kommen, mit den Kindern zu spielen, bzw. ihnen beim Spielen zuzusehen oder auch einfach mal für ein halbes Stündchen still auf einer Bank in der Sonne zu sitzen – eine Wohltat, die im Alltag mit Kleinkind ohne extra Kinderbetreuung ja nur selten möglich ist.

Kinderstreich und Happy Hour

Natürlich gibt es auch Momente, in denen der eine Sohn oder die andere Tochter quengelt, sich gestoßen hat oder laut rufend seine „Mama“ sucht, die für einen Moment außer Sichtweite geraten ist. Aber insgesamt scheint die stille Übereinkunft zu herrschen: Wir wollen eine schöne Zeit und das möglichst entspannt – also sorgt jede möglichst gut für sich und im Zweifelsfall auch noch ein wenig für die anderen – indem eben mal mit ein paar tröstenden Worten für die Kleinen oder ein paar Minuten „Mitbetreuen“ ausgeholfen wird. Mein Sohn und ich bekommen für die Heimfahrt sogar ein paar Schuhe ausgeliehen, da Junior die glorreiche Idee hatte, mit dem einzigen mitgebrachten Paar Sandalen Weitwurfübungen ins (undurchdringliche) Gestrüpp zu machen…

Ich habe das Gefühl, die Kleinen – und auch der einzige, achtjährige, Größere – genießen es sehr, nicht zu jedem Zeitpunkt unter direkter Beobachtung der Erwachsenen zu stehen. Und auch ich genieße – ich gebe es ehrlich zu – nicht ausschließlich von meinem Sohn und seinen Spielideen in Beschlag genommen zu werden. Zu der „Zeit für uns“, die wir Mütter offensichtlich auch alle suchen, gehören die drei bis vier Stunden, nachdem die Kinder im Bett sind. Müde gespielt vom Tag finden die meisten trotz ungewohnter Umgebung recht schnell in den Schlaf und wir Mütter sammeln uns ohne große Absprachen im „Gemeinschaftsraum“ auf einer der Etagen des Gästehauses. Eine der Damen hat die Zutaten für einen exquisiten Aperol Spritz mitgebracht (samt Orangendekor) und je später die Stunde, umso ausgelassener die Stimmung. Liebe und Dating, aber auch ernstere Themen kommen zur Sprache. Wow! Tolle, selbstbewusste, interessante Frauen haben hier zusammengefunden.

Der letzte Morgen sonntags ist dementsprechend etwas von Müdigkeit geprägt… Einige haben Samstag nachmittags noch einen Ausflug gemacht, aber auch ohne weiteres Programm waren die zwei Tage angefüllt an Eindrücken. Herzliche Begegnungen, der ein oder andere (kleinere) Schreckmoment, Anregung und Entspannung, die sich etwa die Waage hielten – nach einem Abschiedsfoto reisen wir zurück in unsere Leben daheim. 

Das Wochenende war für mich tatsächlich eine gelungene Auszeit, eine wirklich schöne „Gemeinschaft auf Zeit“, an der jede und jeder in dem Maß teilhaben konnte, wie es eben passend war – und es war für viele von uns sicher nicht die letzte gemeinsame Aktivität. Girls’ power eben – das passende Motto auf dem T-Shirt, das eine der Teilnehmerin auf dem Abschieds-Gruppenfoto trug! 🙂

Beruf, Familie, Persönliches

14 Stunden. Dankbar sein

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22 Uhr. Seit 14 Stunden bin ich auf den Beinen. Ich bin dankbar.

6-8 Uhr: Aufstehen, Familienzeit, Kind zur Kita. Ich bin dankbar für den Moment, als mein Sohn nach dem Aufwachen noch schlaftrunken seine Arme nach mir ausstreckt: „Mama, komm!“ und wir erst einmal eine Runde kuscheln.

8-10 Uhr: Weg zur Arbeit, Schulorganisation. Ich bin dankbar für das scherzhafte Geplänkel mit einem Kollegen zwischen zwei Punkten, die wir besprechen müssen, und dafür, dass mir eine andere Kollegin Unterlagen mit ausdruckt, die ich benötige.

10-12 Uhr: Lehrerkonferenz, die letzte in diesem Schuljahr. Ich bin dankbar, dass ich klar und sicher meinen Standpunkt vertreten kann, als die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe, an der ich beteiligt bin, kritisch diskutiert werden. Dankbar macht mich auch, dass wir als Kollegium in einem anderen Punkt eine Entscheidung treffen, die zu gerechterer Arbeitsbelastung für mehrere Kolleg/innen führt. Ich hatte mit initiiert, dass das Thema in der Konferenz zur Sprache kam und bin stolz und froh über dieses Ergebnis.

12-15 Uhr: Verabschiedung mehrerer Kolleg/innen, die bis zu 40 Jahre an der Schule waren, aufgrund ihrer anstehenden Pensionierung. Ich bin gerührt über die Anerkennung, die die Kolleg/innen für ihre Arbeit und ihr Engagement erhalten. Und ich freue mich, einen Beruf ausüben zu dürfen, der mir sinnvoll erscheint und mir oft sogar Spaß macht.

15-17 Uhr: Heimweg. Geburtstagsgrüße für meine Nichte. Kurze Auszeit. Ich bin noch ganz erfüllt von den schönen Ereignissen in den Stunden zuvor und schicke meiner kleinen Nichte ein selbstgestaltetes Bilderrätsel zu ihrem 3. Geburtstag. Ich stelle mir vor, wie sie sich darüber freuen wird und freue mich, meine Schwester und ihre Familie bald wiedersehen zu können.

17-18 Uhr: Übergabe unseres Sohnes durch meinen Ex-Freund. Spontan verbinden wir die Übergabe mit einer Kugel Eis beim Italiener um die Ecke. Ich bin froh und dankbar, dass dies so friedlich möglich ist und freue mich sehr an der Begeisterung unseres Kleinen. Auch der Abschied von seinem Vater verläuft friedlich.

18-20 Uhr: Haushalt, Gespräch mit meiner Nachbarin. Während ich das Abendessen zubereite spielt unser Sohn im Innenhof unseres Hauses mit zwei Nachbarsmädchen, die einige Jahre älter sind als er. Ich staune und bin stolz, wie eigenständig und kontaktfreudig er mit seinen knapp drei Jahren schon ist und freue mich sehr über den fürsorglichen Ton, den die 6- und 10-jährigen Mädchen ihm gegenüber anschlagen. Spontan setzt sich ihre Mutter zu mir und wir unterhalten uns fast eine Stunde, während die drei miteinander spielen.

20-22 Uhr: Abendessen, Kind ins Bett, Zeit für mich. Deutlich später als sonst essen wir zu Abend und ich bringe unseren Sohn ins Bett. Ich bin froh und dankbar für die Zeit, die ich mit ihm verbringen kann. Die schönen Momente des Tages klingen noch in mir nach, so dass ich ihm auch relativ gelassen durch zwei Wutanfälle, die ihn aufgrund seiner Müdigkeit überkommen, hindurchhelfen kann. Vor dem Einschlafen lese ich ihm eine Geschichte vor und genieße, wie er sich dabei an mich kuschelt.

14 Stunden war ich fast ohne Unterbrechung auf den Beinen. Ein angefüllter, durchaus anstrengender Tag. Im Rückblick wird mir klar, was mich heute – wie so oft – glücklich gemacht hat: die Begegnung und der Austausch mit Menschen, die mir etwas bedeuten und dass ich wahrnehme, was ich kann, wofür ich stehe und was ich bewegen kann. – Und nicht zuletzt, dass ich nicht alles selbst bewegen muss.

Das lässt mich lächeln, macht mich dankbar – und froh!

Herzliche Grüße
Sunnybee

 

 

 

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Lena H.: „Ich bin eigentlich ausgesöhnt mit ihm“

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Lena H.: Ihr Lachen ist mitreißend, ihre Mohnschnecken legendär;-) – herzlich und kreativ ist sie, Estlandliebhaberin (ein Teil ihrer familiären Wurzeln sind hier zu finden) und verlässlich für ihre Freunde da. Seit fast 15 Jahren arbeitet sie als selbständige Übersetzerin, ist daneben Mutter einer mittlerweile zehnjährigen Tochter, von derem Vater sie seit 31/2 Jahren getrennt lebt. Ich freue mich sehr, mit ihr meine Reihe „Working Moms & Dads“ beginnen zu dürfen!

Liebe Lena,

du lebst vom Vater deiner Tochter seit inzwischen 3 ½ Jahren getrennt. Verstehst du dich als alleinerziehend?

Ich würde schon sagen, dass ich alleinerziehend bin, denn meine Tochter und ihr Vater sehen sich einfach nicht so oft. Sie ist immer mittwochs und jedes zweite Wochenende bei ihm. Insofern treffe ich die meisten Alltagsentscheidungen. Das empfinde ich auch als entlastend, weil ich dadurch nicht immer in den Konflikt mit ihm gehen muss. Als wir zusammen lebten, gab es häufig Konflikte in Bezug auf Fragen der Kindererziehung und jetzt kann ich das alleine entscheiden. Manchmal empfinde ich die alleinige Verantwortung natürlich auch als belastend. Es gab schon Phasen, in denen ich wirklich froh war, wenn unsere Tochter wieder mal bei ihrem Vater war. Aber im Alltag empfinde ich unser Modell als positiv. An größeren Fragen ist mein ehemaliger Mann übrigens beteiligt, er ist z.B. in Entscheidungen zur Schulwahl mit einbezogen oder geht auch mal mit unserer Tochter zum Arzt.

Eure Tochter ist die meiste Zeit bei dir und eher „zu Besuch“ bei ihrem Vater. Hast du den Eindruck, das ist für sie stimmig? 

Neulich hat unsere Tochter gesagt, sie möchte gerne öfter zu Papa, also an zwei Tagen pro Woche. Sie hat auch geweint und ich habe mich gefragt: haben die beiden einfach nur eine schöne Zeit zusammen und sie hat deswegen Lust, öfter zu ihm zu gehen, oder geht es ihm seelisch nicht gut, wie das schon einmal der Fall war, und sie will ihn glücklich machen? Ich habe nicht pauschal gesagt: Das geht nicht, aber ihr erklärt, dass ich den Eindruck habe, sie sei nicht so ausgeglichen gewesen, als sie eine Zeit lang häufiger bei ihm gewesen sei. Das hat sie so hingenommen. Ich habe aber auch gesagt: Du kannst natürlich zu Papa gehen, wenn du das gerne möchtest. Bisher haben wir das immer so gehandhabt, dass sie auch spontan zu ihm gehen konnte, wenn sie das wollte. Sie ruft ihn dann an und meist sagt er dann: „Ja, ich komme und hole dich ab!“

Einen direkten Austausch über eure Tochter habt ihr als Eltern nicht mehr?

Kaum. Wir haben uns zwar in Bezug auf die Schulwahl ausgetauscht und ich habe ihn auch kürzlich angerufen wegen des Geburtstags unserer Tochter. Aber die Kommunikation zwischen uns ist nicht wirklich gut. Wenn wir etwas absprechen müssen, schreiben wir einander meist Kurznachrichten. Einmal im Monat schickt er mir seinen Dienstplan, aber er selbst ruft mich eigentlich nie an und manchmal antwortet er auch nicht sofort auf meine Nachrichten. Die Kommunikation zwischen uns ist wirklich noch schwierig.

Ihr habt also Themenbereiche, über die ihr nicht redet und kommuniziert überhaupt wenig miteinander. Wünschst du dir das anders?

Wenn seine Art zu kommunizieren anders wäre, könnte uns vielleicht noch ein Freundschaft verbinden. Ich würde mir das total wünschen. Ich empfinde uns auch als Eltern noch verbunden. Am Geburtstag unserer Tochter habe ich ihn gesehen und gedacht: Ich würde ihn eigentlich am liebsten in den Arm nehmen und sagen: „Hey, guck mal, wir haben eine zehnjährige Tochter!“ Und ich denke auch noch daran, wie er mir im Kreißsaal bei der Geburt geholfen hat… [lacht]. Ich bin ihm auch noch für vieles in unserer Beziehung dankbar. Ich bin eigentlich ausgesöhnt mit ihm, aber ich habe das Gefühl, er ist es überhaupt nicht mit mir. Das macht es, glaube ich, so schwer.

Was war in der Zeit seit eurer Trennung besonders schwierig? Was ist euch deiner Meinung nach gut gelungen?

Ich glaube, was wir gut hinbekommen haben, ist, dass unsere Tochter wirklich sagen kann: „Ich will zu Papa“ und wir uns diesbezüglich spontan einigen können. Schwierig ist allerdings, wie gesagt, die Kommunikation. Auch während unserer Ehe konnten wir uns über viele Dinge einfach nicht verständigen und mussten irgendwann sagen: Okay, wir können darüber nicht reden. Die Übergaben sind daher auch nicht einfach. Eine Zeit lang haben wir noch zusammen einen Tee getrunken, aber seitdem wir, u.a. wegen des Unterhalts, mehrere ernsthafte Konflikte hatten, tun wir das nicht mehr. Mein ehemaliger Mann holt unsere Tochter meist bei uns ab. Wir sprechen dabei wenig miteinander. Diese Situationen sind nicht schön. Manchmal ist unsere Tochter auch bei einer Freundin und er holt sie von dort ab. Von ihm aus geht sie meist in die Schule und von dort zurück zu mir.

Im Ganzen ist das sicher keine einfache Situation. Würdest du sagen, dass dir dein Beruf eher Kraft gibt oder ist er eine zusätzliche Belastung?

Mein Beruf als Übersetzerin ist etwas, was mich ausmacht und ich bin sehr froh, dass ich ihn habe. Natürlich gibt es Situationen, in denen mir alles zu viel wird und ich denke, ich könnte auch mal Urlaub vertragen. Als Selbständige ist es einfach schwer, sich wirklich frei zu nehmen. Zwischen Weihnachten und Neujahr möchte ich eigentlich keine Aufträge annehmen, aber dann arbeite ich nur einen halben Monat, was wegen des Geldes wieder schwierig ist. Das ist eine Schattenseite des Alleinseins. Mein ehemaliger Mann hat ja gut verdient, wir hatten ein sicheres Einkommen – das hat sich seit der Trennung für mich schon deutlich verändert.

War die eigentliche Trennung für dich eine schwere Entscheidung?

Auf jeden Fall. Es war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Was mir geholfen hat, waren auf jeden Fall meine Freunde. Ich glaube, es war rettend für mich, dass ich Freunde – und auch meine Mutter – hatte. Alle haben mich darin bestärkt, meinen Weg zu gehen. Und auch jetzt noch hilft es mir, so gute Freunde zu haben. Mir fällt auf, dass einiges, was ich bisher erzählt habe, ziemlich negativ klingt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es trotzdem ganz gut läuft. Vermutlich, weil ich keinen Groll mehr gegenüber meinem ehemaligen Mann hege. Ich würde ihm trotzdem noch eine Hühnersuppe kochen, wenn er krank wäre. Ich bin einfach ausgesöhnt mit ihm. Nur doof eben, dass es ihm wohl mit mir nicht so geht… [lacht]

Was würdest du jemandem, der als Alleinerziehende/r erst seit kurzer Zeit getrennt ist, mitteilen wollen?

Ich würde raten, dass er oder sie versuchen soll, herauszufinden, was der eigene Anteil an der Trennung und auch an den Konflikten in der Beziehung war. Zu schauen: was davon will ich in der nächsten Beziehung genauso, was will ich anders machen? Und auch zu sagen: Okay, das ist mein Weg gewesen, es gab Gründe, warum ich so gehandelt habe. Den anderen kann ich nicht verändern. Ich habe eine Freundin, die immer versucht, ihren Ex-Mann dazu zu bringen, ihre Kinder anders zu erziehen, als er es tut. Aber er ist einfach so und sie kann ihn nicht anrufen und sagen: „Guck mal, das hast du schon wieder falsch gemacht!“ Man muss akzeptieren, was der andere mit den Kindern macht, es sei denn, es ist etwas Gefährliches. Damit Frieden zu schließen und wirklich anzunehmen, dass man den anderen nicht verändern kann, ist meiner Meinung nach das Wichtigste.

Vielen Dank für das Interview!

alleinerziehend, Partnerschaft

Single-Mom-Dating

Frühlingsblumen

Hier sind sie: 5 heiße (und nicht mal ganz sinnlose) Dating-Tipps für Single-Moms:

1) Gönn’s dir – und sei organisiert

Als Alleinerziehende fehlt dir vor allem eins: Zeit! Daher musst du deinen Dating-Einsatz planen wie den Wocheneinkauf oder die eine Stunde Yoga donnerstags, die du dir freigeschaufelt hast: Informiere dich, recherchiere und poste online, wenn deine Kinder im Bett sind (und du nicht gerade beim Ins-Bett-Bringen neben ihnen eingeschlafen bist) – und engagiere einen Babysitter, bzw. nutze konsequent „Papa-Zeit“ der Kleinen für persönliche Treffen.

2) Geh online – aber nur für den ersten Kontakt

Online-Dating ist super, verspricht Kontakte, ohne das Haus zu verlassen und enorme Zeitersparnis, – in Wirklichkeit ist es der größte Zeitfresser überhaupt. Anmeldung im Datingportal, Profil erstellen und zwei, drei aussagekräftige Sätze formulieren, eine erste Recherche unter den 40 „aussichtsreichsten“ Kandidaten – schwups, sind zwei Stunden vergangen. Ohne irgendeinen realen Kontakt… Daher: Nutze Dating-Plattformen, aber nur zur Kontaktaufnahme. Und verabrede dich so schnell wie möglich im echten Leben. Der Traumprinz mag online zu finden sein – aber sollte er sich als untersetzter Kettenraucher mit Mundgeruch entpuppen, weißt du das wenigstens sofort (bzw. sehr bald) und hast nicht schon viel Zeit (=> Punkt 1), Energie und Hoffnung investiert.

3) Triff dich mit männlichen Bekannten 

Nein: Nicht, um den Kollegen aus der Finanzabteilung, der dir zwei Jahre nachgestiegen ist und den du noch nie wirklich prickelnd fandest, endlich zu erhören – sondern weil es schlicht gut tut, jemanden zu treffen, der einen (noch immer) toll findet (alter Verehrer) oder mit dem man sich toll unterhalten kann (alter Freund und Bekannter). Und vergiss nicht: du bist aus der Übung! Jahre, vielleicht Jahrzehnte, war dein Mann/Partner dein männlicher Hauptbezugspunkt; als Alleinerziehende womöglich dein Sohn oder dein Bruder – da tut es schlicht gut, sich mit Männern außerhalb des Familienkreises auszutauschen – auch mal ganz ohne Partnerschafts-Hintergedanken.

4) Sei nett zu dir

Tu dir Gutes und unternimm so viele Dinge wie möglich, die dafür sorgen, dass du dich fröhlich – oder zumindest ausgeglichen – fühlst. Und auch mit Kind, Kegel und Beruf noch ab und zu sexy und geistreich – einfach als individuelles Wesen. Sei ehrlich: du willst einen Mann als Frau kennen lernen und nicht als Chauffeurin, Projektmanagerin, Hobbypsychologin oder Putzfee – auch wenn du das alles immer wieder (auch) bist. Und wenn du jetzt denkst: wann soll ich denn auch noch nett zu mir sein? => Punkt 1!

5) Augen auf – im echten Leben!

Der letzte Tipp verbindet die vier Punkte davor: das Leben bietet Möglichkeiten – nutze sie! Daher: Sei da! Schau hin! Lächle (zumindest, wenn du nicht total erschöpft bist). Mach die Augen auf! Ein Miniflirt mit dem netten Studenten, der dir in letzter Minute die Tür zur U-Bahn aufgehalten hat. Ein Lächeln für den älteren Herrn, der dich an der Kasse vorlässt. Mal wirklich ein Bier mit dem Kollegen, der das schon seit zwei Jahren vorschlägt.

Dating im engen Sinn heißt: einen potentiellen Partner kennen lernen. Im weiteren Sinn bedeutet es viel mehr. Nämlich: das Leben (wieder) kennen lernen. Dich selbst, die Männer – und all die verrückten kleinen und großen Dinge dazwischen. In diesem Sinn: Lebe – und finde (vielleicht) dabei auch noch den passenden Mann!