alleinerziehend, Beruf, Familie, Gesellschaft

Hanno S.: „Wenn etwas stirbt, macht es auch Platz für Neues“

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Als ich Hanno S. kennenlerne, fallen mir als erstes seine wirklich leuchtenden Augen auf. Spontan frage ich ihn, ob er bei meiner Reihe „Working Moms & Dads“ mitmachen möchte. Als Seelsorger einer christlichen Gemeinde organisiert er seit etwa einem Jahr einen monatlichen Frühstückstreff für Alleinerziehende, bei dem wir uns auch begegnet sind. Er hat zwei Kinder, von deren Mutter er seit 2014 getrennt lebt. 

Lieber Hanno,

du bist berufstätig und hast Kinder. Wie würdest du deinen Kindern deinen Beruf erklären?

Ich glaube, den muss ich ihnen gar nicht erklären, sie sind damit mehr oder weniger aufgewachsen. Mein Arbeitgeber ist so familienfreundlich, dass ich bei den allermeisten Veranstaltungen die Kinder mitnehmen kann – und so erübrigt sich dann häufig der Babysitter… Von daher wissen sie, was ich mache. Inzwischen sagen sie nur manchmal: „Oh, nicht schon wieder, ich will nicht mit“ – in diesem Fall in die Kirche!… [lacht] Dadurch, dass ich auch abends und am Wochenende beschäftigt bin, weil ich eben viel mit Menschen arbeite, die tagsüber berufstätig sind, habe ich häufig auch Termine, wenn die Kinder da sind. Es nervt sie dann, dass ich die Zeit nicht mit ihnen verbringen kann. Da ich mit meiner ehemaligen Frau das Wechselmodell praktiziere (die Kinder sind eine Woche bei ihr, eine Woche bei mir), versuche ich allerdings, möglichst sämtliche Abendtermine auf die Zeit zu legen, in der die Kinder nicht bei mir sind, so dass ich in der anderen Woche mehr Zeit für sie habe.

Du sagst, der kirchliche Bezug spielt bei deiner Arbeit eine wichtige Rolle. Nehmen deine Kinder das wahr und stellen z.B. Fragen dazu? Deinen vorherigen Beruf als Journalist haben sie wohl (noch) nicht so intensiv kennengelernt?

Auch meinen Beruf als Journalist haben sie kennengelernt, aber nicht so intensiv. Das war eben ein reiner Bürojob: ich war tagsüber weg und am späten Nachmittag wieder da. Von daher haben sie inhaltlich nicht so viel mitgekriegt, vielleicht das ein oder andere Ergebnis gesehen, in einer Zeitung oder auf einer Internetseite. Bei meinem jetzigen Beruf im kirchlichen Bereich, wo es ja auch viel um Glaubensfragen und um ethische Fragen geht, die ja durchaus in die Erziehung hineinspielen, führen wir immer wieder mal Gespräche, auch über inhaltliche Fragen, die eben auch Glaubensthemen berühren.

Also beeinflusst deine berufliche Rolle auch dein Familienleben?

Das lässt sich gar nicht vermeiden, denn im Grunde genommen gibt es keine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Als Seelsorger bin ich für Menschen da und wenn ich in meinem Privatleben im Supermarkt einkaufe und jemanden aus der Gemeinde an der Kasse treffe, der mich etwas fragt, kann ich mir ja nicht die Frage stellen: ist das jetzt eine seelsorgerische Fragestellung, die zu meinem Beruf gehört, oder ist das was Privates – das lässt sich oft nicht klar trennen. Oder wenn ich mir Gedanken zu etwas mache, das mit der Kirche zu tun hat, kann ich das natürlich am Schreibtisch sitzend machen, oder ich kann dabei joggen gehen. Was ist das dann: Freizeit oder Beruf? Letzte Woche hatten wir zum Beispiel von der Kirche aus eine Kinoveranstaltung, da sind meine Kinder mitgekommen, sowohl zum Auf- und Abbauen, als auch zum Filmgucken und fanden den Abend total super. So gesehen ist mein Beruf eigentlich ein Traumberuf für Alleinerziehende, weil sich einfach vieles mit Familie sehr gut vereinbaren lässt.

Du lebst getrennt von der Mutter deiner Kinder. Welche Auswirkungen hat das für dich im Alltag?

Ja, seit fast genau vier Jahren sind wir getrennt. Im Alltag hat sich natürlich vieles vereinfacht, dadurch dass ich in der Woche, in der die Kinder nicht da sind, mehr Zeit zu verplanen habe, auch für Dinge, die mir selbst wichtig sind. Auf der anderen Seite ist natürlich die Woche, in der die Kinder bei mir sind, extrem anstrengend, weil ich dann alles alleine mit den Kindern organisiere. Sich wie früher kurzfristig abzusprechen in der Form „Kannst du gleich mal die Kinder übernehmen, wenn ich dies oder jenes mache?“ ist eben nicht mehr möglich. Die Absprachen sind einfach vorher nötig und das funktioniert glücklicherweise bei uns sehr gut, weil wir beide aufeinander Rücksicht nehmen. Wenn der eine einen Sonderwunsch hat, geht der andere nach Möglichkeit darauf ein und wir versuchen das eben optimal zu planen.

Das heißt, eure Kinder wechseln wochenweise von einem Zuhause ins andere?

Sie haben bei beiden Eltern ihr eigenes Kinderzimmer, der „Wechselkoffer“ reist dann immer mit. Mittlerweile ist es nicht nur ein Koffer, sondern auch Tüten und Taschen mit Schul- und Sportsachen. Es ist immer ein kleiner Umzug…

Also schon einiges an Logistik, auch für die Kinder?

Ja, aber das ist super abgesprochen, wir haben z.B. einen gemeinsamen Kalender im Internet, wo wir die Familientermine und die Betreuungszeiten eingeben. Dann weiß jeder, wann was ansteht und bekommt sofort mit, wenn sich irgendwelche neuen Termine ergeben. Jeder plant normalerweise, wenn es um Verabredungen geht, nur für seine Zeit, aber es kann natürlich auch mal eine Geburtstagseinladung kommen, die in die Zeit des anderen fällt. Die wird dann direkt eingetragen und diesbezüglich haben wir ganz klare Absprachen: Geburtstagsgeschenke werden von dem besorgt, in dessen Betreuungszeit die Feier fällt und beim Wechsel ist es meist so, dass der, der die Kinder übernimmt, sie abholt – das ist eigentlich alles sehr klar geregelt und läuft deshalb auch sehr gut.

Das hört sich ja relativ sortiert und auch entspannt an. Ich nehme mal an, das war nicht immer so… Wie würdest du den Weg der letzten vier Jahre beschreiben? Welche Schwierigkeiten gab es während eurer Trennung? Was ist euch im Rückblick gut gelungen?

Die größte Herausforderung war eigentlich die Annullierung der kirchlichen Ehe, die Scheidung und das Auseinanderdividieren der Finanzen. Das auseinander zu friemeln hat über drei Jahre gedauert. Erst als es diese Reizthemen nicht mehr gab, endeten auch die Konflikte. Von dem her waren die drei Jahre nach der Trennung schon sehr schmerzhaft und bitter. Zum Glück waren die Kinder selbst kein Streitthema – als Organisator für Angebote Alleinerziehender bekomme ich ja mit, wie kräftezehrend und belastend es ist, wenn das der Fall ist. Aber auch bei uns bestanden am Anfang Unsicherheiten bezüglich Betreuungsregelungen: wie kann ich den anderen einschätzen? Ist das, was er macht, ehrlich gemeint? Da wieder auf ein normales Level zu kommen, eben nicht dem anderen etwas Negatives zu unterstellen, sondern dieses Misstrauen abzubauen, war wahrscheinlich die größte Herausforderung. Eine ganz wichtige Grundlage für die letztlich positive Entwicklung zwischen uns war sicherlich, dass meine ehemalige Frau und ich, was die Kindererziehung angeht, eigentlich kaum Meinungsverschiedenheiten haben. Das vereinfacht sicher vieles. Inzwischen haben wir eine super Grundlage, können auch miteinander flachsen, Spaß haben – ich habe ihr sogar gesagt, im Sommer, wenn der Wechsel im Urlaub ansteht, könne sie noch ein paar Tage in unser Ferienhaus mitkommen, auch mit ihrem neuen Freund… aber das klappt bei ihr wahrscheinlich nicht. Dass überhaupt solche Überlegungen möglich sind, finde ich sehr wertvoll.

Würdest du dich überhaupt als „alleinerziehend“ bezeichnen?

Nein, ich würde mich tatsächlich eher als getrennt- und nicht als alleinerziehend bezeichnen, weil die Betreuungszeit wirklich fast hälftig aufgeteilt ist und meine ehemalige Frau und ich auch die gleiche Bedeutung für die Kinder haben. Insofern richtet sich das Angebot in meiner Gemeinde ja auch an „Allein- und Getrennterziehende“.

Für eure Kinder sind die Zeiten, die sie jeweils bei euch verbringen, klar festgelegt, aber sie haben die Möglichkeit, den Elternteil, bei dem sie gerade nicht sind, jederzeit anzurufen?

Ja, wir hatten ganz am Anfang, was aber auch auf das erwähnte Misstrauen zurückzuführen war, ausprobiert, zu sagen: kein Kontakt zu dem jeweils anderen, wenn die Kinder bei ihm oder ihr sind. Aber es hat sich schnell gezeigt, dass das eine wahnsinnige Belastung für die Kinder ist, denn da schwingt immer mit, dass es nicht gut ist, wenn die Kinder beim anderen sind. Und mir ist klar geworden, dass es ganz wichtig für die Kinder ist, zu wissen, man findet es gut, wenn sie mit dem anderen Elternteil klar kommen und wir als Eltern unterstützen sie auch dabei. Das war am Anfang bei uns auch nicht der Fall und hat schließlich zu einer ziemlich heftigen Eskalation geführt, bei der wir auch eine Familienberatungsstelle einschalten mussten. Mittlerweile haben wir tatsächlich die Situation, dass mein Sohn, wenn er zum Beispiel anruft und sich darüber beschwert, wie „Sch…e“ Mama oder Papa gerade ist und sagt: „Ich möchte zu dir kommen!“, wir ihm beide sagen: „Du musst das erst klären. Wenn ihr in Harmonie auseinander geht, kannst du gerne kommen.“ Das führt meist dazu, dass er nach ein oder zwei Stunden anruft und sagt: „Ich habe alles geklärt und bleibe doch hier.“ [lacht]

Also seid ihr, auch wenn ihr kein Paar mehr seid, als Eltern euren Kindern gegenüber noch immer eine Einheit?

Ja, ich glaube, anders funktioniert es auch nicht. Denn wenn wir das nicht machen würden, würde genau das passieren, was mein Sohn schon häufiger versucht hat, nämlich, uns gegeneinander auszuspielen, indem er sagt: „Bei Mama darf ich das aber“, oder „Da bekomme ich so viel Taschengeld und hier nicht“. Dann sage ich immer: „Kannst du bei Mama gerne so machen, bei mir gilt eine andere Regelung. Und ich kläre das mit Mama“. Dann weiß er sofort: Aha, da bestehen Absprachen! Das hat auch schon mal dazu geführt, dass wir bei der Übergabe noch zusammen saßen und uns unterhalten haben, er eine Beschwerde äußerte und wir beide gleicher Meinung gegen ihn waren – da hat er gesagt, dass er es nicht ertragen würde, wenn wir zusammen wären, das wäre ihm zuviel… [lacht]

Also ist euer Familienleben in gewisser Weise entspannter also vor der Trennung?

In Bezug auf die Kindererziehung war es eigentlich immer schon entspannt. Die hatten wir schon immer Halb und Halb aufgeteilt. Ich habe als Selbständiger meinen freien Tage in der Woche für die Kinder genutzt und meine ehemalige Frau in ihrer eigenen Selbständigkeit unterstützt. Ich bin, als die Kinder klein waren, häufig mitgefahren, während sie am Wochenende Seminare hielt, und habe die Kinder versorgt. Eine lustige Anekdote ist: Sie hat fast zeitgleich mit ihrer Kollegin, mit der zusammen sie selbstständig ist, das erste Kind bekommen, und die beiden Jungen sind ein bisschen wie Brüder aufgewachsen. Ich habe in der Zeit sehr viel Betreuungszeit übernommen: Wenn wir dann zu irgendwelchen Seminaren in Deutschland oder auch Österreich gefahren sind, habe ich im Nebenzimmer die Kinder bespaßt, in den Kaffeepausen kamen die Mütter zum Stillen rein und gingen danach wieder zu ihrem Seminar… [lacht] Insofern hatte ich immer sehr viel Kontakt zu den Kindern.

Ich nehme an, auch deswegen war für dich klar, dass nur das Wechselmodell für dich in Frage kommt, also nicht die „klassische“ Form des Umgangs, nach der du nur jedes zweite Wochenende mit deinen Kindern zusammen wärst?

Nein, das hätte für mich und auch für die Kinder nicht funktioniert, weil sie das einfach nicht gewohnt sind. Bei meiner Tochter habe ich zwölf Monate Elternzeit genommen, meine Frau zwei Monate… das war mit meiner Selbstständigkeit sehr gut zu vereinbaren.

Insofern spielt dein Beruf also eine wichtige Rolle dafür, wie du dein Privatleben gestalten kannst?

Ja, ich glaube, ein Beruf, in dem man feste Arbeitszeiten hat und in dem die Arbeitszeiten vorgegeben sind, ist als Allein- oder Getrennterziehender schwierig. Ich sehe das bei den Müttern [bei den Alleinerziehenden-Veranstaltungen der Kirche], die sich, wenn das Kind krank wird, fragen: Kann ich mich jetzt krank schreiben lassen, ohne Gefahr zu laufen, meinen Job zu verlieren? Bei einer Mutter, die ich kenne, war das tatsächlich so: sie hat die Arbeitsstelle, bei der sie frisch begonnen hatte, verloren, weil sie sich wegen ihres Kindes hat krankschreiben lassen. Diesbezüglich hat sich in den letzten Jahrzehnten schon viel verändert, aber es ist immer noch zu wenig. Auch für Väter gilt: es gibt immer noch zu viele Firmen oder Berufe, in denen der Vater maximal die zwei Monate Elternzeit nehmen kann und wenn er mehr nimmt, wird ihm suggeriert, dass es schwierig wird mit der Weiterbeschäftigung, wenn er zurückkommt.

Habt ihr, als eure Kinder kleiner waren, auch Betreuung außerhalb der Familie (Kindergarten etc.) in Anspruch genommen?

Ja, beide Kinder waren im Kindergarten. Wir hatten sogar vor dem Kindergarten eine Tagesmutter, die beide betreut hat und die beide auch geliebt haben, sie war wirklich ein Glücksgriff – und es wäre tatsächlich auch bei zwei selbständigen Elternteilen schwierig gewesen, die Betreuung ganz alleine zu stemmen.

Empfindest du deinen Beruf eher als etwas, was dir Kraft gibt, oder als zusätzliche Belastung?

Ich kann sagen, dass der Beruf, den ich jetzt ausübe, mein absoluter Traumberuf ist: es gibt keinen Beruf, den ich lieber machen würde. Nach meinen Kindern hat der auch erste Priorität. Ich habe sehr, sehr lange gesucht, bis ich einen Beruf gefunden habe, der mich wirklich glücklich und zufrieden macht und dabei auch sehr schwierige Zeiten hinter mich gebracht; deswegen hat das, was ich jetzt erreicht habe und die Zufriedenheit, die damit einhergeht, einen sehr, sehr hohen Stellenwert für mich.

Also ist dein Beruf definitiv etwas, was dir auch Kraft gibt?

Auf jeden Fall.

Was erfüllt dich mit Freude und Stolz, wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst?

Mit Stolz erfüllt mich sicherlich, dass meine ehemalige Frau und ich es tatsächlich geschafft haben, nach diesen 3 ½ Jahren wieder friedlich miteinander umzugehen. Das war ein echter Kampf, aber ich glaube tatsächlich, und das ist eine wesentliche Erkenntnis, die ich in der Zeit hatte, dass Leid in jedem Fall zu etwas Gutem führen kann; dass etwas, das stirbt, den Platz frei macht für etwas, das neu entstehen kann. Und mit jeder Trennung und auch jedem Abschied geht eine unglaubliche Chance einher. Diese Chance dann zu nutzen bedarf natürlich auch Kraft, aber man ist ja nicht alleine, man kann sich auch Kraft holen, und das haben meine Kinder, meine frühere Frau und ich in der Zeit auch getan. Der Weg, den wir gegangen sind, war sehr, sehr schwer, aber es ist sehr viel Gutes daraus entstanden. Was mich wirklich stolz macht, ist, dass ich inzwischen eine gute Beziehung zu meiner ehemaligen Frau habe, die langsam wieder in eine freundschaftliche Richtung geht. Gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, nochmals mit ihr zusammen zu sein, weil wir tatsächlich einfach zu verschieden sind. Aber diese ganzen Streitthemen in den Griff zu bekommen und eine freundschaftliche Basis zu schaffen, das konnte ich mir lange Zeit nicht vorstellen und ich kannte tatsächlich auch nur ein einziges Paar, das es geschafft hat, so was hinzukriegen, scheint wahrhaftig selten zu sein, ist aber erstrebenswert.

Also heißt das auch, bloß, weil eine Situation im Augenblick verfahren erscheint, heißt das nicht, dass das so bleiben muss?

Ich selbst dachte immer: Das muss doch jetzt irgendwann ein Ende finden. Ich hätte nie gedacht, dass das 3 ½ Jahre dauern kann. Es gibt ja Bücher, in denen ein Jahr nach der Trennung gefragt wird, wie es denjenigen, die sich getrennt haben, geht. In denen steht auch, dass die meisten Paare ein Jahr danach noch genau das Datum wissen, an dem die Trennung stattgefunden hat. Auch ich weiß heute noch, dass es der 19. April war. Eine Trennung ist einfach eine Sache, die prägend fürs Leben ist, möglicherweise sogar eines der prägendsten Ereignisse überhaupt. Sie kann auch unwahrscheinlich viel Wertvolles mit sich bringen, aber es kann eben auch lange dauern, bis das ersichtlich wird. Und ich hatte gedacht, ein, zwei Jahre vielleicht, dann ist alles geklärt.

Diese lange Zeit ist ja auch eine Art der Wertschätzung: Hier gibt es etwas, das überhaupt getrennt – und betrauert – werden muss: Ihr z.B. habt ja über zwei Jahrzehnte miteinander verbracht…

Ja, mehr als die Hälfte meines Lebens.

Was hat dir und auch deinen Kindern in der Zeit der Trennung geholfen?

Sowohl meine ehemalige Frau als auch ich haben eine Therapie begonnen, wir haben auch eine Paartherapie gemacht und eine Familienbegleitung, in die die Kinder mit einbezogen waren. Diese Familienbegleitung fand ich allerdings nur bedingt hilfreich. Letztlich haben die Dinge, die dort besprochen wurden, uns zwar bestätigt, dass unser Weg der richtige war, uns aber nicht unbedingt neue Impulse gegeben. Was den Kindern vor allem geholfen hat, war die Erkenntnis, die leider doch relativ spät kam, dass wir als Eltern versuchen sollten, Konflikte einerseits nicht vor den Kindern zu verbergen und andererseits nicht lautstark eskalieren zu lassen. Zu erkennen, dass diese lautstarken Eskalationen vor den Kindern nicht sein dürfen, ist das eine. Danach zu zu handeln, das andere. Die eigene Betroffenheit hinten anzustellen, scheint oft fast unmöglich zu sein. Aber daran zu arbeiten ist, glaube ich, ist ganz wichtig, weil das meiner Meinung nach bei den Kindern viel Schmerz verursacht. Ich glaube, Kinder nehmen so ziemlich alles wahr und von daher ist es tatsächlich das Allerwichtigste, dass die Eltern miteinander klarkommen. Die Probleme, die da sind, sind einfach da, aber solange die Eltern vernünftig miteinander umgehen, ist das für die Kinder okay. Ein Familientherapeut sagte einmal, dass Kinder Atmosphäre „inhalieren“: es lässt sich nichts vor ihnen verbergen. Sie leiden am meisten darunter. Das hat sich bei meiner Tochter darin gezeigt, dass sie wirklich bis fast genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Situation zwischen meiner ehemaligen Frau und mir entspannt hat, jedes Mal, wenn sie bei mir war und wir gemeinsam am Tisch saßen, aus heiterem Himmel anfing zu weinen und gesagt hat: Ich möchte, dass ihr wieder zusammen seid. Das hat schlagartig aufgehört, als wir wieder miteinander klar kamen. Seitdem versucht sie auch nicht mehr, uns als Eltern zusammenzubringen, in der Art, dass sie, wenn wir uns treffen, Vater an der linken, Mama an der rechten Hand, versucht, unsere Hände zusammenzuführen. Das kommt nicht mehr vor.

Wenn ich dich richtig verstehe, ist es für eure Kinder also gar nicht so wichtig, dass ihr als Liebespaar zusammen seid, sondern, dass ihr miteinander reden könnt und euch nicht anfeindet?

Ja, dass einfach Harmonie besteht. Dass sie merken, klar, die Familie wird nie wieder zusammen sein, aber es ist zumindest so lebbar. Und ganz wesentlich bei den beiden – das ist natürlich ein Glücksfall, bei Einzelkindern ist das ja leider nicht der Fall – sie hatten sich gegenseitig, konnten sich gegenseitig stützen, und heute merkt man auch, wie stark die Geschwisterbeziehung dadurch geworden ist.

Gibt es etwas, was du anderen (berufstätigen) Alleinerziehenden mitgeben möchtest?

Dadurch, dass ich es, sowohl als Selbständiger, als auch jetzt, in einer abhängigen Beschäftigung, unglaublich leicht hatte, Familie und Beruf zu vereinbaren, kann ich jemandem, der nicht in dieser Situation ist, eigentlich schlecht etwas raten. Ich kann ja schlecht sagen, sucht euch einen familienfreundlichen Beruf… [lacht] Das ist natürlich die einfachste Lösung. Aber tatsächlich ist es meiner Meinung nach wesentlich, die Kinder im Blick zu behalten, alle Regelungen nach den Kindern auszurichten und sich auch nicht davor zu scheuen, Entscheidungen zu treffen, die sich vielleicht gegen den Beruf richten und dafür dem Wohl der Kinder dienen. Gegebenenfalls sogar zu sagen: Ich schränke Aufstiegschancen oder Karrieremöglichkeiten ein, um Zeit für die Familie zu haben. Denn man muss natürlich sehen, dass die Zeit, vor allem die mit Kleinkindern, nie wieder kommt.

Das ist natürlich für Alleinerziehende, bei denen es um die Existenzsicherung und nicht in erster Linie um Karrierechancen geht, schwierig…

Es gibt ja solche und solche Alleinerziehende. Ich habe auch schon Alleinerziehende kennen gelernt, die tatsächlich überhaupt keine finanziellen Sorgen haben und natürlich auch keine Probleme, die Kinder fremd betreuen zu lassen, egal, was es kostet. Aber das hilft den Kindern ja nicht. Meiner Meinung nach brauchen die Kinder tatsächlich den Elternkontakt. Und sich dann für einen beruflichen Werdegang zu entscheiden, der dem Beruf und nicht dem Kind den Schwerpunkt gibt, finde ich schwierig. Auf der anderen Seite hilft berufliche Erfüllung auch, das Allgemeinbefinden zu heben und schlägt sich somit auch wieder in der Familie nieder. Man muss da einfach eine gute Balance finden. Für jemanden, der sich um die pure Existenz sorgt, für den stellt sich die Frage natürlich nicht.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

alleinerziehend, Beruf, Familie, Gesellschaft

Lena H.: „Ich bin eigentlich ausgesöhnt mit ihm“

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Lena H.: Ihr Lachen ist mitreißend, ihre Mohnschnecken legendär;-) – herzlich und kreativ ist sie, Estlandliebhaberin (ein Teil ihrer familiären Wurzeln sind hier zu finden) und verlässlich für ihre Freunde da. Seit fast 15 Jahren arbeitet sie als selbständige Übersetzerin, ist daneben Mutter einer mittlerweile zehnjährigen Tochter, von derem Vater sie seit 31/2 Jahren getrennt lebt. Ich freue mich sehr, mit ihr meine Reihe „Working Moms & Dads“ beginnen zu dürfen!

Liebe Lena,

du lebst vom Vater deiner Tochter seit inzwischen 3 ½ Jahren getrennt. Verstehst du dich als alleinerziehend?

Ich würde schon sagen, dass ich alleinerziehend bin, denn meine Tochter und ihr Vater sehen sich einfach nicht so oft. Sie ist immer mittwochs und jedes zweite Wochenende bei ihm. Insofern treffe ich die meisten Alltagsentscheidungen. Das empfinde ich auch als entlastend, weil ich dadurch nicht immer in den Konflikt mit ihm gehen muss. Als wir zusammen lebten, gab es häufig Konflikte in Bezug auf Fragen der Kindererziehung und jetzt kann ich das alleine entscheiden. Manchmal empfinde ich die alleinige Verantwortung natürlich auch als belastend. Es gab schon Phasen, in denen ich wirklich froh war, wenn unsere Tochter wieder mal bei ihrem Vater war. Aber im Alltag empfinde ich unser Modell als positiv. An größeren Fragen ist mein ehemaliger Mann übrigens beteiligt, er ist z.B. in Entscheidungen zur Schulwahl mit einbezogen oder geht auch mal mit unserer Tochter zum Arzt.

Eure Tochter ist die meiste Zeit bei dir und eher „zu Besuch“ bei ihrem Vater. Hast du den Eindruck, das ist für sie stimmig? 

Neulich hat unsere Tochter gesagt, sie möchte gerne öfter zu Papa, also an zwei Tagen pro Woche. Sie hat auch geweint und ich habe mich gefragt: haben die beiden einfach nur eine schöne Zeit zusammen und sie hat deswegen Lust, öfter zu ihm zu gehen, oder geht es ihm seelisch nicht gut, wie das schon einmal der Fall war, und sie will ihn glücklich machen? Ich habe nicht pauschal gesagt: Das geht nicht, aber ihr erklärt, dass ich den Eindruck habe, sie sei nicht so ausgeglichen gewesen, als sie eine Zeit lang häufiger bei ihm gewesen sei. Das hat sie so hingenommen. Ich habe aber auch gesagt: Du kannst natürlich zu Papa gehen, wenn du das gerne möchtest. Bisher haben wir das immer so gehandhabt, dass sie auch spontan zu ihm gehen konnte, wenn sie das wollte. Sie ruft ihn dann an und meist sagt er dann: „Ja, ich komme und hole dich ab!“

Einen direkten Austausch über eure Tochter habt ihr als Eltern nicht mehr?

Kaum. Wir haben uns zwar in Bezug auf die Schulwahl ausgetauscht und ich habe ihn auch kürzlich angerufen wegen des Geburtstags unserer Tochter. Aber die Kommunikation zwischen uns ist nicht wirklich gut. Wenn wir etwas absprechen müssen, schreiben wir einander meist Kurznachrichten. Einmal im Monat schickt er mir seinen Dienstplan, aber er selbst ruft mich eigentlich nie an und manchmal antwortet er auch nicht sofort auf meine Nachrichten. Die Kommunikation zwischen uns ist wirklich noch schwierig.

Ihr habt also Themenbereiche, über die ihr nicht redet und kommuniziert überhaupt wenig miteinander. Wünschst du dir das anders?

Wenn seine Art zu kommunizieren anders wäre, könnte uns vielleicht noch ein Freundschaft verbinden. Ich würde mir das total wünschen. Ich empfinde uns auch als Eltern noch verbunden. Am Geburtstag unserer Tochter habe ich ihn gesehen und gedacht: Ich würde ihn eigentlich am liebsten in den Arm nehmen und sagen: „Hey, guck mal, wir haben eine zehnjährige Tochter!“ Und ich denke auch noch daran, wie er mir im Kreißsaal bei der Geburt geholfen hat… [lacht]. Ich bin ihm auch noch für vieles in unserer Beziehung dankbar. Ich bin eigentlich ausgesöhnt mit ihm, aber ich habe das Gefühl, er ist es überhaupt nicht mit mir. Das macht es, glaube ich, so schwer.

Was war in der Zeit seit eurer Trennung besonders schwierig? Was ist euch deiner Meinung nach gut gelungen?

Ich glaube, was wir gut hinbekommen haben, ist, dass unsere Tochter wirklich sagen kann: „Ich will zu Papa“ und wir uns diesbezüglich spontan einigen können. Schwierig ist allerdings, wie gesagt, die Kommunikation. Auch während unserer Ehe konnten wir uns über viele Dinge einfach nicht verständigen und mussten irgendwann sagen: Okay, wir können darüber nicht reden. Die Übergaben sind daher auch nicht einfach. Eine Zeit lang haben wir noch zusammen einen Tee getrunken, aber seitdem wir, u.a. wegen des Unterhalts, mehrere ernsthafte Konflikte hatten, tun wir das nicht mehr. Mein ehemaliger Mann holt unsere Tochter meist bei uns ab. Wir sprechen dabei wenig miteinander. Diese Situationen sind nicht schön. Manchmal ist unsere Tochter auch bei einer Freundin und er holt sie von dort ab. Von ihm aus geht sie meist in die Schule und von dort zurück zu mir.

Im Ganzen ist das sicher keine einfache Situation. Würdest du sagen, dass dir dein Beruf eher Kraft gibt oder ist er eine zusätzliche Belastung?

Mein Beruf als Übersetzerin ist etwas, was mich ausmacht und ich bin sehr froh, dass ich ihn habe. Natürlich gibt es Situationen, in denen mir alles zu viel wird und ich denke, ich könnte auch mal Urlaub vertragen. Als Selbständige ist es einfach schwer, sich wirklich frei zu nehmen. Zwischen Weihnachten und Neujahr möchte ich eigentlich keine Aufträge annehmen, aber dann arbeite ich nur einen halben Monat, was wegen des Geldes wieder schwierig ist. Das ist eine Schattenseite des Alleinseins. Mein ehemaliger Mann hat ja gut verdient, wir hatten ein sicheres Einkommen – das hat sich seit der Trennung für mich schon deutlich verändert.

War die eigentliche Trennung für dich eine schwere Entscheidung?

Auf jeden Fall. Es war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Was mir geholfen hat, waren auf jeden Fall meine Freunde. Ich glaube, es war rettend für mich, dass ich Freunde – und auch meine Mutter – hatte. Alle haben mich darin bestärkt, meinen Weg zu gehen. Und auch jetzt noch hilft es mir, so gute Freunde zu haben. Mir fällt auf, dass einiges, was ich bisher erzählt habe, ziemlich negativ klingt, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es trotzdem ganz gut läuft. Vermutlich, weil ich keinen Groll mehr gegenüber meinem ehemaligen Mann hege. Ich würde ihm trotzdem noch eine Hühnersuppe kochen, wenn er krank wäre. Ich bin einfach ausgesöhnt mit ihm. Nur doof eben, dass es ihm wohl mit mir nicht so geht… [lacht]

Was würdest du jemandem, der als Alleinerziehende/r erst seit kurzer Zeit getrennt ist, mitteilen wollen?

Ich würde raten, dass er oder sie versuchen soll, herauszufinden, was der eigene Anteil an der Trennung und auch an den Konflikten in der Beziehung war. Zu schauen: was davon will ich in der nächsten Beziehung genauso, was will ich anders machen? Und auch zu sagen: Okay, das ist mein Weg gewesen, es gab Gründe, warum ich so gehandelt habe. Den anderen kann ich nicht verändern. Ich habe eine Freundin, die immer versucht, ihren Ex-Mann dazu zu bringen, ihre Kinder anders zu erziehen, als er es tut. Aber er ist einfach so und sie kann ihn nicht anrufen und sagen: „Guck mal, das hast du schon wieder falsch gemacht!“ Man muss akzeptieren, was der andere mit den Kindern macht, es sei denn, es ist etwas Gefährliches. Damit Frieden zu schließen und wirklich anzunehmen, dass man den anderen nicht verändern kann, ist meiner Meinung nach das Wichtigste.

Vielen Dank für das Interview!

alleinerziehend, Familie, Partnerschaft

Über sieben Brücken – Entspannte Kindsübergaben nach der Trennung

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Zugegeben: Der Titel klingt nicht gerade entspannt;-) Aber wenn ich ehrlich bin: was hier beschrieben werden soll, ist (oft) ja auch nicht mit den angenehmsten Gefühlen verbunden…

Das ist die Ausgangssituation:

  • Mama und Papa haben sich getrennt und auf wechselseitigen Umgang (in welcher Form auch immer) mit ihrem/n gemeinsamen Kind/ern geeinigt.
  • Das heißt, das Kind (der Lesbarkeit halber bleibe ich ab hier bei der Singularform) muss irgendwie von Elternteil A zu Elternteil B kommen und den Übergang von einem Elternzuhause ins andere bewältigen.
  • Dieser Vorgang soll für ALLE Beteiligten möglichst berechenbar, friedlich und – im besten Fall – entspannt vor sich gehen.

Sieben „goldene“ Brücken

Daher hier so etwas wie eine Sammlung von Punkten, die vielleicht dabei helfen können, diesen – oft auch noch Jahre nach der Trennung – kritischen Moment zu „entschärfen“. Ganz im Sinne der DDR-Kultband Karat;-):

„Über sieben Brücken musst du gehn, sieben dunkle Jahre überstehn, siebenmal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.“

Ich gehe übrigens davon aus, dass das Verhältnis der Eltern nicht komplett zerrüttet und von einem Grundmaß gegenseitigen Respekts geprägt ist, aber eben durchaus noch spannungsreich. Und dass das Kind noch in einem Alter ist, in dem es „übergeben“ werden muss. Andernfalls wird es sowieso (mit-) entscheiden, wie es die Wechsel von einem Elternteil zum anderen gestalten will. Hier also der Versuch der „sieben Brücken“:

Brücke 1: Absprachen treffen und einhalten

Es klingt banal und ist oft doch Anlass zu den schmerzhaftesten Streitigkeiten überhaupt: kurzfristig verschobene, abgesagte oder einfach ignorierte Termine, aber auch Unklarheit bei der Absprache. „Ich bringe dir Pia Samstag Nachmittag“ ist keine ausreichende Absprache. „Samstag 14 Uhr an der Haltestelle vor deiner Wohnung“ schon eher. Möglichst schriftlich festgehalten, z.B. per Mail oder SMS.

Brücke 2: Übergabe über neutrale Dritte, wenn möglich

Meiner bisherigen Erfahrung nach sind die Übergaben „über neutrale Dritte“, die sich ganz natürlich aus dem Tagesablauf ergeben, für alle Beteiligten am entspanntesten. Papa bringt Luis also morgens zur Kita, Mama holt ihn nachmittags dort ab. Mit Luis wechselt ggf. eine Tasche mit notwendiger Kleidung/ Medikamenten etc. und eventuell ein „Übergabe-Tagebuch“ (siehe Brücke 6) von einem Zuhause ins andere. Eine persönliche Begegnung mit allem Konfliktpotenzial wird so schlicht vermieden – was gerade in Phasen, in denen eine/r mit dem/r anderen am liebsten „nichts zu tun hätte“ die beste Lösung sein kann.

Brücke 3: Neutraler Übergabeort

Besonders wenn das Verhältnis zwischen den Eltern noch angespannt ist, ist die Wohnungstür meiner Meinung nach kein guter Übergabeort. Zu greifbar sind die Erinnerung an ein möglicherweise verlorenes Heim oder Streitereien, die an eben dieser Tür schon stattgefunden haben. Statt dessen: einen öffentlichen Ort wählen. Der Eingang der Stadtbücherei oder eines Supermarkts, der Arbeitsplatz eines Elternteils oder eben die Haltestelle vor der Wohnung, falls der Bringende mit der Bahn kommt. Diszipliniert übrigens auch ungemein, falls Gespräche „von Angesicht zu Angesicht“ regelmäßig zu eskalieren drohen. Mit Kollegen oder zahlreichen Passanten als Zuschauern streitet es sich schlicht weniger entspannt…;-)

Brücke 4: „Anschlusshandlung“ planen

Der Wechsel von einer ‚Elternwelt‘ in die andere ist für ein (kleines) Kind ohnehin schon eine Leistung; dabei verdient es Hilfestellung! Und die kann darin bestehen, dass es mit Papa (oder Mama) nach der Übergabe immer erst mal einen gemeinsamen Kakao trinken darf. Oder dass gemeinsam noch zwei, drei Dinge fürs Wochenende eingekauft werden (das Kind darf sich eine Lieblingsspeise aussuchen), oder dass noch 10 Minuten im Park nebenan Blumen gezupft werden. Oder ein Bilderbuch vorgelesen wird. Jedes Mal. Zeit zum Ankommen. Und um Mama (oder Papa) nach der (vorübergehenden) Trennung erst mal ganz für sich zu haben.

Brücke 5: Schmusetier als Begleiter

Ein weiterer „Übergangshelfer“ kann meiner Meinung nach das Kuscheltier sein, das immer von Mama mit zu Papa wechselt (und umgekehrt). Wenn Mama (oder Papa) schon nicht mit ins andere Zuhause darf, dann zumindest Schnuffi/Kuschel/Fanti. Der tröstet auch, wenn der andere Elternteil vermisst wird. Bei unserem Sohn ist es ein (kleines) Kissen, das, vehement „abgeschmust“ und inzwischen x-fach geflickt, auf jeden Fall mit muss.

Brücke 6: Übergabe-Tagebuch

Diesen Tipp habe ich von einer Freundin, deren Ex-Partner nach der Trennung einige Zeit lang gar keinen persönlichen Kontakt zu ihr wollte. Die beiden haben alle wichtigen Informationen über ihren gemeinsamen Sohn (geplante Veranstaltungen in der Kita, von denen nur einer beim Abholen erfahren hatte, zu planende weitere Absprachen etc.) in einem Notizbuch festgehalten, das in einer Tasche, gemeinsam mit ihrem Kind, von einem Elternteil zum anderen gewandert ist. Die Übergabe selbst fand über „neutrale Dritte“ (siehe Brücke 2) statt, so dass sie sich tatsächlich eine Zeit lang gar nicht zu sehen und so gut wie gar nicht miteinander zu sprechen brauchten, was die ganze Situation entspannte.

Brücke 7: Keine Streitereien vor dem Kind

Oder: Wo einer verliert, kann keiner gewinnen. Daher: Übergaben sind nicht der Ort, um dem/r anderen (vor dem Kind) mitzuteilen, was er/sie falsch gemacht hat, falsch macht oder (potenziell) falsch machen wird. Sie sind nicht der Ort, um mal eben zu klären, wie man das mit dem nächsten Urlaub regelt, sie sind auch nicht der Ort, um sich über die neue Freundin auszukotzen, weil man den/die andere/n gerade „greifbar“ hat…. Das alles schadet: dem eigenen Seelenwohl, dem Verhältnis, das man als Eltern zueinander hat (und JAWOHL: Eltern bleibt man nunmal!) – und natürlich und vor allem dem Kind, das man doch am meisten liebt und dessen Wohl sich hoffentlich beide Eltern wünschen!

So, das war‘s! 🙂 Im besten Fall konnte ich euch die ein oder andere Anregung geben (alle Tipps übrigens am eigenen Leib erprobt und (meist) beherzigt!…)

Habe ich was vergessen? Habt ihr Anmerkungen zu dem, was hier steht? Dann schreibt mir. Ich freue mich sehr über Kommentare!