alleinerziehend, Familie, Gesellschaft

Das Kabinett beim Kita-Fest

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Wusstet ihr, dass im aktuellen Kabinett drei Patchwork-Eltern, eine Alleinerziehende, 6 Menschen ohne Kinder und eine siebenfache Mutter sitzen? 12 Regierungsmitglieder sind verheiratet (davon elf mit einem Partner des anderen Geschlechts), zwei leben in einer Partnerschaft ohne Trauschein, eine Politikerin ist geschieden, ein Politiker Single.

Diese Information verdanke ich der aktuellen Ausgabe eines deutschlandweit erscheinenden Familienmagazins. Eine Grafik klärt mich außerdem über die Gesamtzahl der Kinder der Kabinettsmitglieder auf (27), und dass diese, auf die einzelnen Politiker/innen verteilt, zwischen null und genannten sieben Kindern schwankt.

Ein ziemlich „bunter Haufen“ also, die Vertreterinnen und Vertreter unseres neu formierten Regierungsbündnisses! (Jedenfalls, was Beziehungsstatus, Elternschaft und Lebensentwurf angeht – in Bezug auf Hautfarbe und Herkunft ist das Kabinett einheitlich weiß und „nicht-migriert“;-)).

Merkel beim Kita-Fest

Ich stelle mir die Herren (9) und Damen (7) in einem ganz anderen Rahmen vor: beim Kita-Sommerfest. Frau Dr. Merkel, im frühlingshaft roséfarbenen Blazer, rückt ihre Perlenkette zurecht: hoffentlich denkt Joachim an die Hackbällchen. Sie selbst war am Vortag wieder so spät zuhause, dass er die Vorbereitung übernehmen musste. Zum Glück bleibt ihm nach seiner Emeritierung etwas mehr Zeit für Privates… Neben Merkel Hubertus Heil, Minister für Arbeit und Soziales. Sein Jüngster, 3, zieht an seinem Hosenbein: „Papa, mir ist schlecht. Papa, kann ich noch von der Grütze haben?“ Zwei rot verklebte Hände hinterlassen ihre Spuren auf Herrn Heils Beinkleid. Anja Karliczek, Ministerin für Bildung, sieht den Bemühungen ihres Kollegen, seinen Anzug fleckenfrei zu halten, amüsiert zu: „Zum Glück sind unsere aus dem Gröbsten heraus“, kann sie sich einer Neckerei nicht enthalten, „Unser Jüngster macht nächstes Jahr Abitur.“ „- Mit Anfang zwanzig ist denen wegen ganz anderen Dingen schlecht!…“ Horst Seehofer dreht sich grinsend zu den beiden. Gerd Müller am Grill lächelt still.

Bad im Pool

„Wann findet eigentlich die Tombola statt? Und stimmt es, dass der Gewinner zwei Wochen Küchendienst erlassen bekommt?“ Andreas Scheuer, Verkehrsminister, gesellt sich zu der Gruppe. „Keine Ahnung, aber ein bisschen besser könnte die Organisation schon sein -“ Ursula von der Leyen schaut säuerlich: „Nicht mal die Anfahrtsbeschreibung war richtig. Nicht wahr, Heiko, wir sind zweimal falsch abgebogen, und das mit Navi!“ „Man sollte sich eben nicht zu sehr auf die Technik verlassen -“ Svenja Schulze, Umweltministerin, lächelt süffisant: „Mein Mann ist ja Geschäftsführer des Vereins Klimadiskurs NRW und er sagt immer…“ Ihre weiteren Worte gehen in der allgemeinen Aufregung unter: Franziska Giffeys Jüngster ist in den aufgestellten Swimmingpool gefallen. „Warte, ich helfe ihm heraus!“ Julia Klöckner, Landwirtschaftsministerin, eilt ihrer Kollegin zu Hilfe: „Hast du Wechselklamotten dabei?“ „Er ist acht, Julia, da sollte man eigentlich davon ausgehen, dass er nicht mit Kleidern badet…“ Die Familienministerin lächelt etwas gestresst: „Damit ist das Fest für uns gelaufen.“ „Ich kenne das -“, Katharina Barley nickt mitfühlend: „Immer, wenn man denkt, es läuft gerade glatt, ist wieder irgendwas.“
„Das stelle ich mir für Sie als Alleinerziehende gar nicht so einfach vor -“, Helge Braun, Kanzleramtsminister, tritt neben sie. „Ist nicht anders, wenn man gemeinsam erzieht“, schaltet sich Heiko Maas ein: „Meine Lebensgefährtin und ich haben drei Kinder, unseren einen Sohn hat sie mit in die Beziehung gebracht. Ich kann Ihnen sagen, da geht es oft auch drunter und drüber!…“

„Sind die Würstchen schon fertig?“ Peter Altmaier, Wirtschaftsminister, schlendert interessiert zum Grill. „Gut Ding will Weile haben, Herr Kollege!“ Gerd Müller, Minister für Entwicklung, wendet fachmännisch die Käseknacker. Im nächsten Moment Gebrüll. Müller fährt herum: „Wessen Kind ist das?“ Ein etwa sechsjähriger Junge hat sich das Feuerzeug auf dem Tisch hinter ihm ausgeliehen und damit die bereitliegenden Servierten in Brand gesteckt. Geistesgegenwärtig kippt Peter Altmaier sein Bier über die Flammen.

„Manchmal bin ich direkt froh, dass mein Mann und ich unser Patenkind nur alle paar Wochen bei uns haben…“ Jens Spahn betrachtet fein lächelnd das Geschehen. „- Keine Kinder sind auch was Schönes. Noch ein Bier, Herr Kollege?“ Olaf Scholz, Finanzminister, reicht ihm ein Glas Frischgezapftes.

Wir verlassen das Geschehen… 

Ach ja: alle Handlungen, Schauplätze und (beinahe) alle personenbezogenen Fakten sind natürlich rein fiktiv, spekulativ und geben in keiner Weise die Realität wieder. Oder hättet ihr ernsthaft gedacht, dass Herr Dr. Sauer Hackbällchen rollt?:-)

 

Beruf, Hochsensibilität, Persönliches

Fahren bei Gegenwind. Über die Schwierigkeit, sich selbst zu sein

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„Sei ganz du selbst!“

Der Satz ist leicht gesagt. Und tatsächlich bin ich inzwischen, angekommen in meinem Beruf, als Mutter und erwachsene Frau Mitte 30, oft „ich selbst“, unverstellt und nah bei dem, was mir entspricht. Ich vertrete meine Haltung und versuche sie durch mein Verhalten für andere deutlich werden zu lassen.

Manchmal jedoch fühle ich mich an die Aussage einer Kollegin erinnert, die beabsichtigt, in Portugal eine Radtour entlang der Atlantikküste zu machen. Sie habe vor dem Planen der Strecke einen befreundeten Meteorologen befragt, woher der Wind zu diesem Zeitpunkt des Jahres wehe, denn sie wolle nicht „zwei Wochen bei Gegenwind“ fahren. Ich verstand sofort, was sie meinte.

Meinen persönlichen ‚Gegenwind’ erlebe ich gerade in einer beruflichen Situation in einer der Klassen, die ich als Lehrerin unterrichte. Es herrschen dort große Spannungen zwischen den Schülerinnen und Schülern und auch gegen mich als Lehrerin richten sich immer wieder kleine Spitzen. Keine lautstarke Aggressivität, eher eine gewisse Acht- und Respektlosigkeit, den Mitschülern und zuweilen auch mir gegenüber. Der Unterricht dort gleicht einer „Radtour bei Gegenwind“: nach 45 Minuten fühle ich mich bereits erschöpft, wie unter der Einwirkung eines schwer greifbaren, aber auf Dauer zermürbenden Widerstands.

Hochsensibel sein

Ich schreibe diesen Artikel auch als sehr fein wahrnehmende, „hochsensible“ Person. Reize an sich, Gerüche, Klänge, auch Temperaturschwankungen, nehme ich intensiv wahr, ebenso wie „Atmosphärisches“, z.B. die Stimmung zwischen Mitgliedern einer Gruppe: Wertschätzung oder Anziehung, aber auch Ablehnung und Konflikte. Andere würden vielleicht sagen: „Da ist doch nichts!“ Ich selbst höre, rieche, spüre schon etwas. Meiner von Natur aus „geschärften“ Wahrnehmung zu trauen, sie als real und nicht als „übertrieben“ anzunehmen, hat mich in der Vergangenheit einige Mühe gekostet. Inzwischen bin ich auch damit oft einfach „da“ und zufrieden mit mir.

Dennoch macht diese Form der Sensibilität auch eine besondere Achtsamkeit mir selbst gegenüber nötig. Ich erlebe mich als ausdauernd und klar darin, Ziele zu verfolgen, auch als belastbar und in Krisensituation fähig, rasch das Essenzielle wahrzunehmen und danach zu handeln. Gleichzeitig ist es für mich dringend nötig, mir Pausen zu gönnen, Momente, in denen ich mich nicht nur ganz aus dem lauten und wechselhaften Alltag mit Kind und Beruf zurückziehe, sondern mich auch ganz mir selbst zuwende, sozusagen den „Tiefenschichten“ in mir. Mir Gedanken über mich selbst, meine Mitmenschen und das Leben an sich zu machen ist für mich Freude und Erholung. Der Austausch über entsprechende Themen mit anderen eine der schönsten Formen der Intimität, die ich kenne.

Was also ist mein Weg, um ganz „ich selbst“ zu sein in einer Situation mit ‚Gegenwind‘ wie der oben beschriebenen?

Ich werde langsam

Moment. Ich komme gleich. Sie möchten mit mir sprechen? Gerne. Zu dem von mir gewählten Zeitpunkt!“ Das Innehalten verschafft mir Zeit und (inneren) Raum für eine Reaktion, die wirklich mir entspricht.

Ich bewege mich

Stress löst sich für mich am besten in Bewegung, schnellem Radfahren, Tanz – nicht nur mein Körper verliert an Spannung, auch Herz und Seele. Ich verschreibe mir Bewegung in spannungsreichen Zeiten wie Medizin!;-)

Ich bin ganz da

In der Situation, indem ich auf die Worte meines Gegenübers mit Bewusstheit „lausche“ (eine Anklage? – Was steckt an Wunsch dahinter? Eine Beschwerde? – Was braucht er oder sie?). Aber auch: was brauche ich gerade?
Und nach der Situation, indem ich mit allen Sinnen dort bin, wo ich tatsächlich bin – bei meinem Sohn, im Schreiben, bei der Süße eines Honigbrots – das beste Mittel gegen kreisende, vernebelnde Gedanken!

Und dann bin ich tatsächlich wieder „ganz ich selbst“: kraftvoll und zart, feinsinnig, direkt und klar. Wie schön!:-)

~

Wie kommst du „zurück zu dir“? Welchen Weg wählst du bei „Gegenwind“? Ich freue mich auf deine Gedanken!

Hochsensibilität, Persönliches

Tanz und Stille. Oder: Wie’s die Krokodile tun

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Kennst du das: das Gefühl, dein Leben „rauscht“ irgendwie an dir vorbei? Gerade noch war Montag, jetzt ist schon wieder Wochenende? Bei der Arbeit steht ein Projekt nach dem anderen an? Deine Freundin hat Liebeskummer, du wolltest sie eigentlich schon seit zwei Tagen anrufen, aber immer war irgendwas?

Mir geht das manchmal auch so. Dann fühle ich mich zugleich überlastet und nicht ausreichend „berührt“. So viel schwirrt um mich herum und wirkt auf mich ein, dass das Einzelne keine Tiefe erlangen kann, gar keinen wirklichen Eindruck hinterlässt. Nach einer Weile erzeugt das in mir eine Art Überdruss, eine Erschöpfung, die nicht körperlich ist, sondern seelisch. Das Gefühl: Es reicht. Es ist genug (für den Moment)! Ich will nicht mehr!

Geht es auch anders?

Ich möchte hier von einer ganz anderen Erfahrung berichten. Sie fühlt sich schön und kraftvoll und irgendwie still an. Das Leben bewegt sich dabei ganz deutlich um mich herum: Abschiede vollziehen sich – und neue Menschen treten in mein Leben. Ich erfahre mich selbst mit Kummer, Freude, Neugier, Vorsicht. Spüre: ich bin verletzt und erwarte doch mit kribbelnder Neugier, was das Leben als nächstes bringen mag.

Seit einigen Jahren schon praktiziere ich, mal regelmäßig, dann wieder unterbrochen von großen Pausen, eine Art „freies Tanzen“, 5 Rhythmen (Hier eine kurze Einführung, was die Gründerin Gabrielle Roth darunter verstand). Interessant für mich: ganz zu Beginn ging es mir darum wie zeige ich mich, in diesem Raum, der nur durch den Rhythmus der Musik bestimmt ist und durch das, was aus mir heraus zum Ausdruck kommen will, nicht durch eine vorgegebene Choreografie. Wie bin ich (zwischen anderen)? Und wie lange gelingt es mir, bei mir zu bleiben, mich nicht von den Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer um mich herum zu sehr beeinflussen, aus meinem eigenen Takt bringen zu lassen?

Als ich, nach fast zwei Jahren Pause, – inzwischen Mutter meines kleinen Sohnes – wieder einmal tanzen ging, hatte sich etwas gewandelt: jetzt war ich einfach da. Das, was diese Art des Tanzes nach Gabrielle Roth wohl sein soll – eine Art Meditation in Bewegung – wird er zunehmend tatsächlich für mich. 5 Rhythmen baut in einer Welle fünf „Seins-Zustände“ aufeinander auf – und lässt sie wieder abebben. Vom langsam und träge in Gang kommenden Flowing zu zielgerichtetem Staccato, scheinbar willkürlichem, wilden Chaos, zu befreit leichtem Lyrical und schließlich der Stille,  in sich und in der Bewegung: Stillness.

Und je mehr ich wirklich bei mir bin, im Tanz, – und wohl auch im Leben – umso mehr Ebenen eröffnen sich mir in diesem Tanz. Ich erlebe mich: fordernd und schüchtern, raumgreifend, auch mit Spiel und Herausforderung im Austausch mit meinen Mittänzer/innen – und ganz bei mir, in mich horchend, im Austausch mit mir!…:-)

Wie machen’s die Krokodile?

Wie machen’s die Krokodile? Sie sind ganz still. Sie passen den Moment ab. Und dann – BEWEGUNG, mit aller Kraft voran!

In aller Veränderung ist in mir eine große Ruhe. Ich bin kein Krokodil. Ich lauere nicht, ich schieße nicht vor mit Aggressivität. Insofern hinkt der Vergleich, mit den Assoziationen, die er weckt. Aber auch ich bemühe mich, die Stille wahrzunehmen, die immer da ist, der Moment zwischen den Bewegungen, das Innehalten – um im rechten Augenblick alle Kraft einsetzen zu können für die nächste Handlung.

Das sind 10 Minuten Sitzen zwischen zwei Wegen, ohne Ablenkung, ohne irgendwas. Ein „Moment mal!“ im Gespräch und das in sich Horchen: passt noch, was ich hier gerade sage? Auch schlicht: das tief Luft Holen vor der Reaktion. Und manchmal Schweigen und Warten.

In diesem Sinn eine wunderschöne Woche euch, mit Tanz – und Stille! 🙂

alleinerziehend, Familie

Männer sind Schweine. Oder: warum der KV den Umgang vergisst

Wildschwein, das frontal in die Kamera schaut.


Männer beziehen ihr Bett durchschnittlich nur 4x im Jahr neu.

Die Aussage, gut lesbar auf einem der Info-Screens, die in U-Bahn-Stationen inzwischen üblich sind, verblüfft mich. Sie ist als „Unnützes Wissen“ betitelt, die Sorte Information, die man garantiert nicht mehr vergisst, obwohl man sie sich nie merken wollte…

Unwillkürlich schweifen meine Gedanken zu meinem ehemaligen Freund und Vater meines Kindes. Kann es sein, dass auch er nur vier Mal im Jahr?!… Interessiert betrachte ich die Menschen um mich herum. Einige starren ebenfalls den Bildschirm an. Faszinierend: offensichtlich findet jemand zu Recht die Behauptung, Männer hielten die Reinigung ihrer Bettwäsche maximal einmal im Quartal für notwendig, für ausreichend unterhaltsam, um sie in einer U-Bahnstation Hunderten von Leserinnen und Lesern zugänglich zu machen.

Der Subtext der Aussage („Männer sind Schweine“), von den Ärzten vor Jahren treffend besungen, erinnert mich an zahlreiche aufgeschnappte Bemerkungen befreundeter oder auch mir unbekannter Frauen, vorgetragen oft mit einer Art gereizter Nachsicht: „Ich habe ihm eine zweiseitige Einkaufsliste geschrieben und dann hat er die Hälfte vergessen.“ Oder: „Er hat Marie doch glatt Orangensaft zu trinken gegeben, während ich weg war und dann wundert er sich, dass sie am nächsten Morgen wund ist.“ Oder auch: „Wenn ich ihm abends nicht einen Zettel hinlegen würde, würde er den Geburtstag seiner eigenen Mutter vergessen. Ich warte nur auf den Tag, an dem er seinen eigenen vergisst!“

Männer sind Schweine?

Die Frauen, die diese Äußerungen machen, sind selten bösartige Menschen – zumindest erscheinen sie mir nicht so -, und auch mit ihrer Partnerschaft und dem Mann in ihrem Leben, den sie in dieser Weise beschreiben, scheinen sie nicht grundsätzlich unzufrieden zu sein. Warum dann diese Mischung aus Nachsicht und Abschätzigkeit? Der Mann, ein zwar williges, doch tendenziell trotteliges und zuweilen etwas rüpelhaftes Wesen, das mit sanftem Druck (wieder) an die Zivilisation herangeführt werden muss? Eine Zivilisation, die, aus dieser Perspektive, wohl klar durch die Frau verkörpert wird, der es gelungen ist, ihn zu zähmen…

„Männer sind Schweine
Traue ihnen nicht, mein Kind
Sie wollen alle nur das Eine
Weil Männer nun mal so sind.“
(Ärzte)

Ein Ort, an dem man, wenn auch nur virtuell, vor allem Frauen begegnet, sind sogenannte „Mami-Foren“ werdender und frischgebackener Mütter. Der Ton ist hier oft ähnlich wie eben beschrieben: Da hat der KV (= Kindsvater) ständig Lust auf Sex, obwohl der ET (= errechnete Geburtstermin) naht und die Frau alles im Sinn hat, nur nicht den ehelichen Beischlaf („Aber so sind sie halt!…:-) :-)“). Da kümmert sich der EZ (= Erzeuger) schon jetzt nicht um seinen Nachwuchs oder vergisst auch nur, die Wäsche aufzuhängen, was, hormonell bedingt, einen mittleren Wutanfall rechtfertigt… Und so weiter und so fort. Die in den Beiträgen verwendeten Abkürzung mögen der Zeitnot mit Säugling nach der Geburt oder der Bequemlichkeit geschuldet sein – bei mir wecken sie Assoziationen einer Art „geschlossenen Gesellschaft“: Wir Schwangeren/ Mütter/ Frauen wissen, wie der Hase läuft. Wir brauchen die zwar, und lieben sie vielleicht sogar, aber letztlich brauchen die uns nichts zu erzählen, diese – Kerle!…

„Männer sind Säue
Glaube ihnen nicht ein Wort
Sie schwör’n dir ewige Treue
Und dann am nächsten Morgen sind sie fort.“
(Ärzte)

Interessanterweise bewege ich mich in letzter Zeit wieder in Kreisen, in denen fast nur Frauen versammelt sind: Alleinerziehenden-Veranstaltungen scheinen den unsichtbaren Stempel „Women only“ zu besitzen, jedenfalls verirren sich auf zehn bis zwanzig Frauen meist nur ein oder zwei Vertreter des männlichen Geschlechts dorthin… Entsprechend hat der Ton, der herrscht, zuweilen auch etwas Verschwörerisches: je nach Konstellation hatten zwei von drei Anwesenden schon mal mit ausbleibendem Unterhalt des KV (= Kindsvater, ihr erinnert euch?) zu tun, sicher stöhnt immer eine, dass „der Umgang“ schwierig sei und der GT (= Gerichtstermin), der ebendiesen Umgang regeln soll, wird mit Sorge erwartet.

Ich will mich an dieser Stelle in keiner Weise über die Sorgen und Belange schwangerer, bzw. getrennt lebender Mütter lustig machen. Zur ersten Gruppe gehörte ich selbst vor gut drei Jahren, als Mitglied der zweiten schreibe ich ja diesen Blog. Was mir jedoch auffällt, und auch aufstößt -, ist die Sprache, in der, manchmal sogar in Anwesenheit der Kinder, über eben jenen „Kindsvater“ oder „Erzeuger“ gesprochen wird. Eben im besten Fall mit nachsichtigem Spott, im schlechtesten Fall mit Verachtung.

Sprache drückt Haltung aus – und formt unsere Haltung zur Welt

Eine „Gebrauchsanweisung“ für Männer scheint es für uns Frauen nicht zu geben. Wir lieben sie, begehren sie – und dann wechseln sie nur einmal im Quartal die Wäsche ihrer Betten?! Uups… Wir verstehen sie offensichtlich nicht, „diese anderen“ – und zumindest in Momenten, in denen wir uns deutlich „bezogener“ auf unsere Männer fühlen, auch bedürftiger, was ihr Wohlwollen angeht (in Schwangerschaft und Babyzeit – ebenso wie kurz nach der Trennung), scheint das wilde Blüten zu treiben. Vielleicht hat die enttäuschte Frau, die akzeptieren muss, dass ihr Kind nach der Trennung einen Teil seiner Zeit bei seinem Vater verbringt, das Gefühl, zumindest ein Stück weit die Kontrolle zu behalten, wenn sie diesen als „Umgang“ bezeichnet. Ein KV ist weniger nah als „mein ehemaliger Partner“ und wen ich zum „Erzeuger“ degradiere wird hoffentlich keine Ansprüche auf sein „Erzeugnis“ erheben…

Schlimm nur, dass Worte oft große Macht entfalten. Wen ich ernsthaft als „Schwein“ betrachte, der kann mir nur schwer das Gegenteil beweisen. Wo ich Abschätzigkeit säe, wächst selten Achtung. Und auch wer sich wirklich „schweinisch“ verhalten hat, verdient meiner Meinung nach mehr als eine 2-Buchstaben-Kombination. Schon allein, weil der Wert der Zivilisiertheit, die jemand fordert, immer auch am Verhalten des Fordernden zu messen ist!

Was meint ihr dazu? Wie immer freue ich mich über Kommentare, mit und ohne Abkürzungen…;-)

Herzlich, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Text ursprünglich veröffentlicht im Jahr 2018 und leicht überarbeitet und ergänzt im Jahr 2022.

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