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Schneckentanz: Trauer und Freude nach einer Trennung

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Trauer endet nicht mit dem Zustand, traurig zu sein. Und Freude beginnt nicht erst dort, wo alle Trauer überwunden ist.

Liest man über die Verarbeitung von Trennungen – oder grundsätzlich über Trauerprozesse – entsteht leicht der Eindruck, diese seien eine Abfolge von Phasen, die linear verlaufen: das Nicht-Wahrhaben-Wollen des Verlusts, anschließend Wut und Trauer darüber, schließlich das Anerkennen der Situation und die vorsichtige Neuöffnung.

Meiner Meinung nach erweckt das falsche Erwartungen. Wie oft, in einer an „Zielen“ orientierten Situation („Ich will wieder glücklich sein“, „Ich will die Trennung überwinden“) entsteht allzu leicht Ungeduld: „Wann endet denn endlich die Wut, die Trauer, wann bin ich soweit, dass ich, auch innerlich, loslassen kann?“ Oder, wenn ich bereits einmal das Gefühl von Leichtigkeit, einem möglichen Neuanfang, gespürt habe: „warum kommt dann wieder die ‚doofe Trauer‘?“ „Bin ich denn immer noch nicht über ihn oder sie hinweg?“ „Habe ich nicht ‚richtig‘ getrauert, dass ich jetzt nicht loslassen kann?“

‚Gute‘ und ‚schlechte‘ Gefühle

Völliger Quatsch, solche Gedanken. Aber nur zu verständlich. Wir wollen die ‚guten Gefühle‘ haben: Freude, Unternehmungslust, Neugier und Offenheit für das Leben. Und nicht Wut, Trauer, Schmerz, Erschöpfung, Abwehr, Verwirrung, Furcht, Angst und was sich sonst noch in den Tiefen unserer Seele tummelt…

Auch unsere Gesellschaft unterstützt nur in einem klar abgesteckten Rahmen den Ausdruck dieser ‚negativen‘ Gefühle. Nach dem Verlust eines Partners – oder gar Kindes – durch den Tod noch am ehesten. Bei der Trauerfeier natürlich und auch in den Wochen danach. Da kommen Nachfragen: „Wie geht es dir?“ „Kann ich dich unterstützen?“ – jedenfalls, wenn man gute Freunde hat. Aber selbst in diesen Fällen reicht die Aufmerksamkeit – und wirkliche Anteilnahme – oft nur in die ersten Wochen und Monate hinein. Irgendwann ändern sich die Fragen: „Geht es dir schon besser?“ „Was sind deine Pläne für die Zukunft?“ Das hat seine Berechtigung und kann hilfreich sein in dem Sinn, als dass es voraussetzt, was ja stimmt: das Leben geht weiter. Kein Schmerz, und sei er noch so brennend, und keine Verzweiflung, selbst tiefe Trauer, wird so bleiben, wie sie zu Beginn war. Selbst das Bild des geliebtesten Menschen verändert sich in uns mit der Zeit, wird keinesfalls ‚blasser‘, aber doch ‚reflektierter‘, in dem Sinn, dass wir beginnen, uns Geschichten zu dem oder der Verlorenen zu erzählen: „Das haben wir immer so gemacht“ oder „Er oder sie war oft so“, „Das mochte er oder sie (nicht)“. Von der Erzählung ist es nicht weit zur Erinnerung – und die ist schon der Schritt, das Erlebte in unser Leben einzubetten. Woran wir uns – irgendwann – mit klarem Gefühl, womöglich sogar mit Freude, erinnern können, das haben wir tatsächlich „verarbeitet“: es in uns aufgenommen, ohne uns darin zu verlieren.

Leben in Spiralen

Bis zu diesem Punkt, der Verarbeitung des Vergangenen und einem wirklichen Neuanfang, braucht es allerdings oft sehr viel Zeit. Viel mehr Zeit, als unsere Umwelt – und vielleicht auch wir selbst – uns möglicherweise zugestehen wollen.

Und die Bewegung ist meiner Erfahrung nach gerade NICHT linear. Das heißt, auf Trauer, Wut und Schmerz folgt grundsätzlich zwar schon Loslassen und Akzeptanz. Aber nicht einmalig und dann nie wieder. Jeder, der schon einmal einen Verlust zu betrauern hatte, kennt diese Situationen: Ein Lied, zufällig im Radio gehört, eine – vielleicht auch schöne – Begegnung mit einem anderen Menschen oder schlicht Momente der Müdigkeit und Erschöpfung – und plötzlich ist die ganze Trauer, Wut, oder auch Verwirrung wieder da – zu einem Zeitpunkt, an dem man glaubte, beziehungsweise sich vielleicht auch wünschte, sie längst „überwunden“ zu haben.

Trauerprozesse verlaufen meiner Erfahrung nach in der Form einer Spirale: ich kehre in gewisser Weise immer wieder zu meinen „Schmerzpunkten“ zurück, aber zeitlich und durch meine neu hinzugewonnenen Erfahrungen ‚versetzt‘, eben nicht in derselben Intensität. Trauer und Wut, bzw. die Aspekte, die mich beschäftigen, sind dieselben, aber mein Standpunkt verändert sich. Ich „entferne“ mich also durchaus von den unmittelbaren Gefühlen, allerdings nicht, indem ich ihnen für immer und endgültig ‚den Rücken kehre‘, sondern, indem ich mich abwende von Schmerz und Trauer, vielleicht kurze Momente nur – um mich ihnen dann wieder zuzuwenden, allerdings aus einer anderen, im besten Fall weniger schmerzlichen, Perspektive.

Sich mit dem Leben bewegen

Dieser ganze Prozess geschieht meiner Erfahrung nach so oder so. Ich kann versuchen, ihn zu ignorieren, indem ich im unmittelbaren Gefühl stecken bleibe: diese Intensität macht meine Seele aber nur eine Weile mit. Irgendwann verhärtet sie sich, allein aus Selbstschutz, und ich werde bitter oder depressiv. Oder aber – und die Tendenz nehme ich gerade nach einer, vielleicht sogar „gewollten“, Trennung wahr: Ich will so schnell wie möglich ‚weiter‘, will die unmittelbaren Gefühle nicht mehr spüren: „Das Leben soll wieder schön sein! Der (oder die) soll keine Rolle mehr in meinem Leben spielen!“

Beide Arten des Umgangs mit seelischem Schmerz können meiner Meinung nach gar nicht funktionieren – weil das Leben schlicht nicht so ‚gedacht‘ ist. Schaut euch alle Prozesse in der Natur an: Bäume, die im Herbst ihre Blätter verlieren, im Winter kahl dastehen und im Frühjahr neue Blätter treiben – sind das dieselben Blätter wie im Vorjahr? Nein. Aber ist es ein ganz neuer Baum? Das auch nicht. Die Natur kehrt also in gewisser Weise zu ihrem Ausgangspunkt zurück: im Neuen ist das Alte mit enthalten – eine Spiralbewegung eben.

In diesem Sinn: lasst uns auf Trauerwegen, nach Verlust und Trennung, „in Spiralen gehen“ und anerkennen, dass gerade auch im ‚Frühling‘, um beim Bild des oben beschriebenen Baums zu bleiben, also in den Momenten, in denen wir uns nach Wut und Trauer wieder einmal fröhlich und lebendig fühlen, – dass gerade da auch die Trauer noch weiter ihren Platz hat. Sozusagen ‚gestärkt‘ durch Momente der Freude kehren wir noch einmal zu ihr zurück. Lasst uns dann nicht erschrecken: „Ach du meine Güte, ich dachte, ich wäre über ihn oder sie längst ‚hinweg‘“. Vielmehr wünsche ich dir – und mir – die echte Akzeptanz des Lebens:

Trauer endet nicht mit dem Zustand, traurig zu sein. Und Freude beginnt nicht erst dort, wo alle Trauer überwunden ist.

Danke für dein Mitlesen und herzlich alles Gute,
Sunnybee

alleinerziehend, Familie, Gesellschaft, Persönliches

Bienenstich

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Anders als es die Illustration vermuten lässt, geht es hier nicht um Gebäck.

Kleine Ursache, große Wirkung

Ein Spaziergang durch’s Gras mit bloßen Füßen während eines Sommerpicknicks, ein kurzer, brennender Schmerz – schon war’s geschehen: im lädierten Zeh steckte der Stachel, offensichtlich war ich auf eine im Gras versteckte Biene getreten.

Möglichkeiten, den Fuß zu kühlen gab es vor Ort nicht und allzu zimperlich wollte ich vor den Anwesenden nicht erscheinen, also „Augen zu und durch“… Gegen Abend war der Zeh noch leicht geschwollen und schmerzte etwas, aber das würde sich sicher über Nacht geben, bis auf ein paar Hausmittelchen und nachträgliche Kühlung ließ ich den Fuß unbehandelt.

Der nächste Morgen brachte jedoch keine Besserung mit sich. Vielmehr war der Zeh über Nacht massiv angeschwollen, ließ sich nicht mehr biegen und auch auf die Oberseite des Fußes hatte sich die Schwellung ausgebreitet. Kurz gesagt, an Sandalen war nicht zu denken und in meine ausgelatschten Turnschuhe bekam ich den Fuß nur gerade so hinein… allerdings tat er mir dann bei jedem Schritt weh, längere Fußwege kamen also nicht in Frage. Das Kind musste natürlich trotzdem zur Kita, also schnallte ich es kurzerhand auf den Fahrradsitz und los ging’s!… Beim Abholen dasselbe Prozedere, nachmittags humpelte ich mit langem Rock und hippiesk barfuß durch die Großstadt, denn an „Hochlegen und Kühlen“, länger als zehn Minuten, war mit Kleinkind eben nicht zu denken. Also Spielplatz und abends das übliche Programm (Duschen, Kochen, Spielen, Büchervorlesen), alles möglichst mit einseitiger Belastung. Der Tag hatte mich geschafft – diesmal schlief ich beim Ins-Bett-Bringen neben meinem Kleinen ein…

Auch der nächste Morgen brachte die erhoffte Verbesserung nicht mit sich. Statt dessen war der entsprechende Zeh jetzt nicht nur wienerchendick und hart, sondern hatte auch noch begonnen, sich dunkelrot zu verfärben… Langsam wurde mir die Sache unheimlich. Viel länger wollte ich meinen unteren Extremitäten diesen Zustand nicht zumuten. Bei meinem Hausarzt wollte ich abklären, ob Abwarten weiter die richtige Strategie war… Zuvor aber der Gang zur Kita (diesmal war es aus organisatorischen Gründen nicht möglich, das Rad zu nehmen), also humpelte ich ca. 1km durch unser Viertel, den Kinderwagen vor mir herschiebend und immer bemüht, möglichst wenig Druck auf den, in meinen Turnschuh gezwängten „Ballon“ auszuüben. Der Hausarzt schloss zum Glück eine Infektion vorerst aus („da Sie ja kein Fieber haben“), riet mir aber durchaus mit Nachdruck – aha – den Fuß hochzulagern, damit sich die Schwellung reduziere und die Blutgefäße des malträtierten Zehs nicht weiter belastet würden.

Gut, das tat ich, unterstützt von einem Retterspitz-Wickel (pflanzlicher (Wunder-) Tipp meines Arztes) und – juhu: nach ca 3h ging die Schwellung tatsächlich zurück – vielleicht passe ich morgen sogar wieder in meine Schuhe!…

Wer will krank sein?

Wie gesagt, kleiner Stich, große Wirkung – durchaus auch emotional. Nicht nur musste ich mich für den Tag krank melden, weil ich schlicht nicht (richtig) gehen konnte, ich kam mir auf einmal auch reichlich „verletzlich“ vor: all die täglichen Wege, die als Selbstverständlichkeit vorausgesetzte Möglichkeit, zu Fuß rasch von A nach B zu kommen, all das Heben, Stützen, Tragen, das den Alltag als Mutter – und natürlich auch Vater – eines Kleinkindes bestimmt, auf einmal empfindlich eingeschränkt. Und ich habe mir den Fuß nicht gebrochen, mein Maleur wird hoffentlich schon in ein, zwei Tagen nicht mehr sichtbar sein!

Aber wie machen das Mütter, die – alleinerziehend oder nicht – wirklich schwer verletzt oder chronisch krank sind? Und ich meine nicht nur die praktische Organisation, das Feilschen mit Ämtern, Krankenkassen und Behörden um Hilfsmittel, Krankentage und zusätzliche Kinderbetreuung. Ich meine auch die Kraft, die es kostet, schlicht nicht „bei Kräften“ zu sein, in einer Lebenssituation – und, wie ich finde, auch in einer Gesellschaft -, die Schwäche bestenfalls toleriert, wenn nicht gar sanktioniert. Körperlich und seelisch „heil“ und damit leistungsstark zu sein ist fast ein ‚Muss‘ in einer (unserer) Leistungsgesellschaft.

Mein kleiner Stich – und mein geschwollener Fuß – haben mir während 3-4 Tagen eine Ahnung gegeben, was es heißt, einmal nicht top ‚leistungsfähig‘ zu sein.

Eine ziemlich eindrückliche Lektion!

 

Familie, Gesellschaft

„Omi ist ein Toaster“. Wie bereiten wir unsere Kinder auf die Zukunft vor?

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Würdest du deine Großmutter mit einem Toaster verwechseln?

Nein? Damit unterscheidest du dich offensichtlich von aktuellen Gesichtserkennungsprogrammen, wie sie z.B. Überwachungskameras und vermutlich auch dein Smartphone verwenden. Hierauf weist zumindest ein Artikel des Spiegels (Ausgabe 6/2018) hin. Entsprechende Programme würden Gegenstände und Personen wegen eines beigefügten pixeligen Farbkleckses nicht mehr als das erkennen, was sie sind, sondern eben als – Toaster…

„Ein Forscherteam bei Google hat diesen Farbfleck ausgetüftelt. Er soll die automatische Bilderkennung des Computers außer Kraft setzen. Er sieht dann überall nur noch Toaster, egal, was man ihm zeigt: Bananen, eine Badeente, die Bundeskanzlerin – alles Toaster.“

Das mag amüsant erscheinen – aber ein Unbehagen bleibt doch zurück: wie wird mein Sohn (jetzt knapp 3) in fünf, zehn, fünfzehn Jahren mit solcherlei Dingen umgehen? Wird er eine Haltung dazu haben? Wird er Autos normal finden, die sich selbst lenken, aber ab und an einen Fußgänger überfahren, da der zuständige Steuercomputer diesen aufgrund von Sabotage nicht erkannt hat? Wird es so etwas wie „Impfungen“ für künstliche Intelligenz geben, intelligente Antivirenprogramme, die eigenständig versuchen, der ebenfalls immer intelligenter werdenden Manipulation einen Schritt voraus zu bleiben?

Und kann ich irgendetwas tun, um ihn auf all das vorzubereiten?

Vermutlich stellen sich alle halbwegs reflektierten Eltern diese Frage irgendwann – und kommen sich dabei ziemlich alt vor. Nur widerfährt mir das schon mit Mitte 30… Ich bin sozusagen eine Dinosaurierin der vordigitalisierten Zeit, aufgewachsen mit Kassetten und jetzt Mutter eines Kindes, das auf dem Smartphone herum„wischt“, bevor es spricht…

Mal ganz von Anfang an…

Ich glaube, ich muss nochmal ganz zurück zu den ‚Basics‘ um für diese Frage auch nur halbwegs eine Antwort zu finden. Vielleicht hilft mir der Blick auf einen weiteren höchst interessanten Artikel, auf den ich in der ‚Blogosphäre‘ gestoßen bin. ‚Easter’, eine junge Kenianerin, Mutter von zwei Kindern und jetzt wohnhaft in Österreich, schreibt in ihrem Blog über ihre Erfahrungen im Land der Palatschinken sowie – wie ich finde, ziemlich weise – über das ‚da‘ sein und Vorbild sein für ihre Kinder. Ein Artikel gefällt mir besonders. Ihr findet ihn hier. Die Autorin beschreibt darin, wie ein österreichisches Mädchen während des Spielens mit ihrem Sohn zu ihr gekommen sei und gesagt habe: „Der schwarze Bub ärgert uns.“ Da die Autorin die einzige Dunkelhäutige weit und breit war, hatte das Kind wohl geschlussfolgert, sie müsse für den „Fall“ zuständig sein… die Reaktion meiner Mit-Bloggerin hat mich beeindruckt:

„Ich habe das Mädchen gefragt wie es heißt, es mit ihrem Namen angesprochen und ihm dann gesagt, es soll „den schwarzen Bub“ fragen wie er heißt und ihn bitte mit seinem Namen nennen. Nachher sollen sie versuchen das Problem selber zu lösen.“

Das geschah dann genau so. Am Ende des Nachmittags verabschiedete sich das Mädchen freundlich vom Sohn der Autorin, denn inzwischen kannte sie ja seinen Namen und sie hatten friedlich miteinander gespielt…

Haltung und Vertrauen

Ich bewundere die Reaktion meiner Mit-Bloggerin aus zwei Gründen. In ihr kommt eine Haltung zum Ausdruck, die ich großartig finde:

1. Belehre deine Kinder nicht, sondern lebe ihnen vor, was dir wichtig ist.
2. Vertraue deinen Kindern und traue ihnen etwas zu.

Noch einmal zurück zum ‚Toaster‘ zu Beginn des Textes: er steht stellvertretend für all die Dinge, die wir Erwachsenen heute noch gar nicht absehen können. Es muss aber gar kein fehlgeleitetes Computerprogramm sein, das unsere Kinder herausfordert. Die Kumpels, die ein bestimmtes Hobby, Markenklamotten oder – später – den mitgerauchten Joint fordern, sind Herausforderung genug. Da hilft unsere Art, an Schwierigkeiten heranzugehen, oft nur wenig – und erst recht nicht, wenn wir versuchen, Dinge für unsere Kinder zu lösen.

Die Autorin des zitierten Blogs vertraut ihrem Sohn, dass er – mit dem fremden Mädchen zusammen – eine Lösung finden wird. Und sie lebt eben diesem Mädchen vor, was ihr wichtig ist: Freundlichkeit, Gelassenheit und Respekt. Und dass der „schwarze Bub“ einen Namen hat und es, wie das „weiße Mädchen“, verdient bei diesem genannt zu werden.

Ich glaube, wenn unsere Kinder merken, dass wir leben, wovon wir reden und wir ihnen zutrauen, ganz unabhängig von uns ihren eigenen Weg zu finden, dann werden sie in fünf, zehn, fünfzehn Jahren für so manches gewappnet sein – und sei es für Computer, die behaupten, Omi sei ein Toaster!… 🙂

 

Zitierte Quellen:
Manfred Dworschak: „Zu dumm“ In: Der Spiegel, Ausgabe 6/2018, 3.2.2018.

Easter: „Der schwarze Bub ärgert uns!“. In: Blog GLEICHAnders, 3.5.2018

alleinerziehend, Beruf, Familie, Persönliches

Mistress Proper?

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(C) seppolog.com

Alleinerziehend zu sein bedeutet: stark sein zu müssen.

Es kostet Kraft, Alltagsdinge wie Einkäufe, Behördengänge, Banktermine jeden Tag alleine zu erledigen, bzw. sich für Dinge wie Reifenwechsel, Reparaturen im Haushalt oder die Steuererklärung das nötige Know-how zu verschaffen oder professionelle Unterstützung zu organisieren.

Es kostet auch Kraft, die kleinen und größeren Alltagsgedanken und -sorgen mit sich selbst auszumachen. Freunde sind zuverlässig da, „wenn es brennt“, aber im Alltag oft mit ihrem eigenen Leben, Familie und Beruf beschäftigt. Auch ganz praktisch körperlich muss ich als allein lebende und alleinerziehende Frau „stark“ sein: wie viele Male in der Woche schleppe ich Einkaufstüten, wuchte den Kinderwagen über Treppenstufen und U-Bahn-Schwellen oder trage 18kg Kind in den 3. Stock…

Immer stark sein?

Dies soll kein Lamento werden à la „So schwer haben wir es als Alleinerziehende“, auch wenn sich das Leben, getrennt lebend und mit Kind, manchmal tatsächlich nicht leicht anfühlt. Mich interessiert vielmehr: wie gehe ich mit diesem Gefühl um, eigentlich immer „stark“ sein zu müssen, oft kein wirkliches Ventil für all die anderen Gefühle und Sehnsüchte zu haben: Wut, Trauer, Verzagtheit oder Erschöpfung, aber auch Lebensfreude, Humor, Neugier, Entdeckerlust, die mich als Frau ebenfalls ausmachen.

Ich habe (z.B. hier und hier) im Blog schon darüber geschrieben, was ich persönlich tue, um meine innere Leichtigkeit und Freude, Ruhe und Gelassenheit wieder zu finden. Manchmal gelingt es mir gut, meinen eigenen „Ratschlägen“ zu folgen, manchmal weniger…;-) Was ich hier betrachten möchte, ist: wie gehe ich damit um, wenn mich spürbar die Erschöpfung überwältigt, ich mit körperlicher und/oder seelischer Überforderung konfrontiert bin? Wie reagiere ich, wenn „ansteht“, schwach zu sein?

Schwach sein zu können ist eine Stärke

Krankheit (der berühmte „Rücken“, aber oft schon drei Tage grippeartige Erkältung mit hohem Fieber) zeigen mir sehr deutlich: kann ich nur stark oder auch schwach sein? Wie reagieren „wir“ Alleinerziehenden denn, wenn wir spüren, wir drohen krank zu werden? Oft doch mit dem Anspruch: „wird schon gehen“ – von Globuli bis Antibiotika, jede hat so ihre Mittelchen, um im Alltag nicht „auszufallen“. Und es „muss“ ja auch gehen: wir haben Verantwortung unseren Kindern, unseren Arbeitgebern und anderen Menschen, die von uns abhängen, gegenüber. Und wir sind es zudem oft so gewohnt, Stärke (körperliche und seelische) zu kultivieren, dass wir am Ende fast in Panik verfallen, wenn eben diese Stärke uns zu verlassen droht.

Wie zeigt sich diese Panik? Allzu oft doch im Versuch „noch stärker“ zu sein. Der Mutter der stark verschnupften Kita-Freundin würden wir am liebsten das Sagrotan-Fläschchen in die Hand drücken, damit sich unser Kind nicht ansteckt. Oder ein: „Geht schon, ich komm’ zurecht“, auch wenn eigentlich gar nichts mehr geht. Oder wütende Ausfälle gegen Ex-Partner, Jugendamt und Co, die einem „das Leben zur Hölle“ machen wollen. Schwach zu sein fühlt sich nicht schön an. Angriff und Kontrolle, oder aber Flucht und Rückzug, sind wohl noch immer in uns einprogrammiert, wenn wir uns bedroht fühlen. Und was anderes als eine Bedrohung ist das Gefühl von Schwäche in einem Leben, das so absolut nötig zu machen scheint, stark zu sein?

Leben mit allen Facetten

Ich will hier nicht dafür plädieren, sich haltlos Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit hinzugeben. Auch kein: „Ich bin so schwach, ich kann eh nichts tun!“
Aber wie reagieren wir, wenn tatsächlich mal nichts mehr geht? 40 Grad Fieber und das eine Woche lang? Autounfall und ein gebrochenes Bein? Oder seelische Schwere, die uns so gefangen hält, dass einfach nichts mehr möglich ist? Für unsere Kinder – und letztlich für uns selbst – suchen wir uns in diesen Extremsituationen doch meist Hilfe. Dann reist doch die Mutter aus 300km Entfernung an. Wir holen uns bei einer Beratungsstelle Unterstützung oder gehen zur Mutter-Kind-Kur. Wenn „nichts mehr geht“, bewegt sich oft gerade etwas…

Warum die Stärke, die wir offensichtlich in solchen Momenten existentieller Schwäche mobilisieren können, nicht bereits nutzen, wenn es uns nur mal „nicht so gut“ geht? Indem wir uns bereits da einen Tee kochen und ihn, wenn die Kinder im Bett sind, wirklich genießen; indem wir uns bewusst mit Menschen verabreden und austauschen, durch deren Gegenwart wir uns gestärkt fühlen – und den Kontakt zu denen, die uns schwächen, auf ein Minimum beschränken? Schwäche fordert oft Klarheit heraus: Was ist mir wirklich wichtig? Wofür mag ich mich wirklich einsetzen, wofür mag ich kämpfen – und was lohnt meine Anstrengung, meine Bereitschaft letztlich nicht? Schwach sein, auch wirklich körperlich, macht mich im besten Fall ehrlich: zu mir und zu anderen.

Keine „Mistress Proper“, die alles im Griff hat, eher eine wirklich starke Frau mit allen Facetten!:-)

Beruf, Familie, Gesellschaft

Digital ahoi! Was Facebook, Amazon und Google für unsere Gesellschaft bedeuten

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Ende April 2018 erscheint in der Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ ein Interview mit dem Philosophen Richard David Precht über Digitalisierung, Visionen der „Big Players“ des Silicon Valley und die sich potentiell daraus ergebenden gesellschaftlichen Folgen. Zwei Sätze bleiben mir in Erinnerung:

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