alleinerziehend, Familie, Hochsensibilität, Persönliches

Getrennt, mit Kind und hochsensibel

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Berufstätig und Mutter eines Kleinkinds zu sein, sowie getrennt lebend für die Alltagsorganisation weitgehend alleine die Verantwortung zu tragen, wäre wohl für jeden Menschen eine Herausforderung.

Getrennt erziehend und hochsensibel

Kommt dazu eine hohe Empfänglichkeit für äußere und innere Reize sowie die intensive Auseinandersetzung mit Erlebtem, bedeutet das vor allem eins: Ich muss wirklich gut für mich sorgen, will ich – körperlich und seelisch gesund – für mich und andere da sein. Die Psychologin Elain N. Aron prägte Mitte der 1990er Jahre in ihrem Buch „The highly sensitive person – How to thrive when the world oberwhelmes you“ den Begriff der Hochsensibilität für die Verbindung aus geschärfter Wahrnehmung und intensiver Verarbeitung von Reizen. Selbst in hohem Maße reizempfänglich und sensibel, war ihr Anliegen unter anderem, dieser Form der körperlichen und seelischen Disposition ihr „Stigma“ zu nehmen.

Reizüberflutung und der Umgang damit

Ja, als Mensch mit hochsensiblem Empfinden bist du tendenziell schneller reizüberflutet, wirst nervös, wenn eine Situation zu laut oder durch intensive Gerüche und/oder unfreiwilligen (körperlichen) Kontakt zu anderen Menschen geprägt ist. Da kann ein Schwimmbadbesuch im Hochsommer ähnlich „überflutend“ wirken wie die schlichte Fahrt zur Arbeit in der überfüllten Bahn oder – für Eltern – der Besuch einer Kleinkindkrabbelgruppe. Was weniger intensiv wahrnehmende Menschen als anregend oder gar entspannend wahrnehmen, ist für dich unter Umständen zuviel und erzeugt bei dir gegenteilige Gefühle, nämlich den Wunsch nach Rückzug und Ruhe. 

Ja, als hochsensibler Mensch musst du dein Leben tatsächlich anders strukturieren als Menschen, die äußere und innere Reize weniger intensiv wahrnehmen und verarbeiten. Jedem hellhäutigen Menschen würdest du raten, sich nicht zu lange der prallen Sonne auszusetzen, bzw. ein Sonnenschutzmittel zu verwenden. Für hochsensible Menschen gilt entsprechend: nach Phasen großer Reizdichte brauchen wir Zeiten des Rückzugs, der Regeneration und Reflexion. Und inmitten der reizintensiven Situation brauchen wir Mechanismen, um uns vor Überflutung – in Analogie, zu starker Sonneneinstrahlung – zu schützen. In der U-Bahn kann hierfür etwas Banales wie Ohropax ausreichen, mit denen wir den Geräuschpegel um uns herum dämpfen – oder eben – gerade wenn wir beruflich viel mit Menschen und/oder in lauten, komplexen Situationen zu tun haben – eine um einige Stunden reduzierte Arbeitszeit oder feste Rituale und damit Zeiten, die nur uns gehören (10 Minuten Meditation am Morgen, der Arbeitsweg mit dem Rad durch den Park, ein Kaffee vor dem Abholen des/r Kindes/r aus der Betreuung).

Denn: Ja, Menschen, die hochsensibel empfinden, sind genauso in der Lage, Führungsaufgaben zu übernehmen, sind grundsätzlich genauso belastbar, emotional ausgeglichen und lebensfroh wie Menschen mit geringerer Reizempfänglichkeit. Aber wir müssen andere Wege gehen. Ein Leben mit nur 5-6h Schlaf pro Nacht, unter Zeitdruck, mit vielen parallel zu erledigenden Aufgaben, von denen einige mit äußerer und innerer Spannung verbunden sind, ist nichts für uns. Dummerweise sieht so jedoch der ganz normale Alltag vieler Getrennt- und Alleinerziehender aus… 

Wie sorge ich gut für mich?

Hochsensibel im Leben stehen und dabei körperlich und seelisch gesund bleiben kann also nicht heißen, sich so vielen Reizen wie möglich zu entziehen (auch hier die Analogie: würden wir, hellhäutig, die Sonne komplett meiden, würden wir ebenso krank wie bei einem Zuviel an Sonneneinstrahlung). Es muss aber heißen: sich selbst bewusst zu sein und immer wieder ganz bewusst für sich Sorge zu tragen. 

Hier beschreibe ich 10 Wege, sich selbst Gutes zu tun.

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.

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[Foto: Pixabay]

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10 Wege, sich selbst Gutes zu tun

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Hochsensibel im Leben stehen und dabei körperlich und seelisch gesund bleiben kann nicht heißen, sich so vielen Reizen wie möglich zu entziehen. Es muss vielmehr heißen: sich selbst bewusst zu sein und immer wieder ganz bewusst für sich Sorge zu tragen. Hier beschreibe ich, was es überhaupt bedeutet, hochsensibel zu sein.

10 Wege, sich selbst Gutes zu tun

Was kann ich also konkret tun? Hier einige Anregungen.

Ich hüte meinen Körper:

  • indem ich mir frisches, abwechslungsreiches Essen gönne, mich zum Essen hinsetze, wahrnehme, was ich zu mir nehme.
  • indem ich schlafe, wenn meine Kinder schlafen, vor allem in Zeiten, in denen ich an die Grenzen meiner Belastbarkeit komme.
  • indem ich mich auch im Alltagsstress so kleide, frisiere und meinen Körper pflege, dass ich mir selbst gefalle.
  • indem ich Husten und Schnupfen, Kopfschmerzen und Rückenziepen nicht als Bagatellen abtue, sondern als Signale schätze, die mir zeigen: „Vorsicht, es wird gerade zuviel!“

Ich nähre meinen Geist:

  • indem ich mir Auszeiten von der „Pflicht“, der Verantwortung, gönne. Ich frage eine Freundin, ob sie mit meinem Kind zum Schwimmkurs geht und setze mich, während es dort ist, mit der Tageszeitung ins Café.
  • indem ich eine Zeitlang jeden Abend eine Begebenheit notiere, die an diesem Tag in meinem Leben passiert ist, ebenso wie ein Ereignis aus der Welt. Meine Probleme und Schwierigkeiten, Erfolge und Misserfolge sind wichtig – aber ich bin nicht allein auf der Welt. Und auch nicht allein wichtig.
  • indem ich mit Menschen spreche, die etwas tun, was ich gern täte, mich aber noch nicht traue. Kinder lernen durch Nachahmung, warum nicht auch wir „Großen“?

Ich wärme mein Herz:

  • indem ich mehr von dem tue, was ich wirklich will und weniger von dem, was „sich schickt“, oder was „ich eben tun muss“. Was mich aus mir heraus motiviert, stärkt mich auch. Gehorsam Pflichten zu erfüllen ist notwendig, aber wenn ich zu lange nur das tue, was mir als Pflicht oder Notwendigkeit erscheint, stirbt mein Gefühl für das, was mich ausmacht und wer ich bin.
  • indem ich mit Menschen Zeit verbringe und mich austausche, die wissen wollen, wer ich bin und mögen, was sie dabei entdecken.
  • indem ich andere frage, wer sie sind – gerade auch die, mit denen ich meine Mühe habe -, bzw. mich frage, was ich an ihnen mögen kann. Selbstfürsorge ist Selbstliebe, die sich an der Liebe für mein Gegenüber nährt.

All diese Punkte auf einmal zu verfolgen wäre sicher zuviel, bzw. könnte sogar zu weiterer Reizüberflutung führen. Aber mich wahr- und ernst zu nehmen, mir auf diese Weise Körper, Geist und Herz wach und gesund zu erhalten, ermöglicht mir tatsächlich ein gutes Leben – auch unter äußerer Belastung.

Ich selbst erinnere mich immer wieder daran, fürsorglich zu mir selbst zu sein – und wünsche dir eine ähnliche Wertschätzung dir selbst gegenüber!

Herzlich, Sunnybee

Beruf, Hochsensibilität, Persönliches

Fahren bei Gegenwind. Über die Schwierigkeit, sich selbst zu sein

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„Sei ganz du selbst!“

Der Satz ist leicht gesagt. Und tatsächlich bin ich inzwischen, angekommen in meinem Beruf, als Mutter und erwachsene Frau Mitte 30, oft „ich selbst“, unverstellt und nah bei dem, was mir entspricht. Ich vertrete meine Haltung und versuche sie durch mein Verhalten für andere deutlich werden zu lassen.

Manchmal jedoch fühle ich mich an die Aussage einer Kollegin erinnert, die beabsichtigt, in Portugal eine Radtour entlang der Atlantikküste zu machen. Sie habe vor dem Planen der Strecke einen befreundeten Meteorologen befragt, woher der Wind zu diesem Zeitpunkt des Jahres wehe, denn sie wolle nicht „zwei Wochen bei Gegenwind“ fahren. Ich verstand sofort, was sie meinte.

Meinen persönlichen ‚Gegenwind’ erlebe ich gerade in einer beruflichen Situation in einer der Klassen, die ich als Lehrerin unterrichte. Es herrschen dort große Spannungen zwischen den Schülerinnen und Schülern und auch gegen mich als Lehrerin richten sich immer wieder kleine Spitzen. Keine lautstarke Aggressivität, eher eine gewisse Acht- und Respektlosigkeit, den Mitschülern und zuweilen auch mir gegenüber. Der Unterricht dort gleicht einer „Radtour bei Gegenwind“: nach 45 Minuten fühle ich mich bereits erschöpft, wie unter der Einwirkung eines schwer greifbaren, aber auf Dauer zermürbenden Widerstands.

Hochsensibel sein

Ich schreibe diesen Artikel auch als sehr fein wahrnehmende, „hochsensible“ Person. Reize an sich, Gerüche, Klänge, auch Temperaturschwankungen, nehme ich intensiv wahr, ebenso wie „Atmosphärisches“, z.B. die Stimmung zwischen Mitgliedern einer Gruppe: Wertschätzung oder Anziehung, aber auch Ablehnung und Konflikte. Andere würden vielleicht sagen: „Da ist doch nichts!“ Ich selbst höre, rieche, spüre schon etwas. Meiner von Natur aus „geschärften“ Wahrnehmung zu trauen, sie als real und nicht als „übertrieben“ anzunehmen, hat mich in der Vergangenheit einige Mühe gekostet. Inzwischen bin ich auch damit oft einfach „da“ und zufrieden mit mir.

Dennoch macht diese Form der Sensibilität auch eine besondere Achtsamkeit mir selbst gegenüber nötig. Ich erlebe mich als ausdauernd und klar darin, Ziele zu verfolgen, auch als belastbar und in Krisensituation fähig, rasch das Essenzielle wahrzunehmen und danach zu handeln. Gleichzeitig ist es für mich dringend nötig, mir Pausen zu gönnen, Momente, in denen ich mich nicht nur ganz aus dem lauten und wechselhaften Alltag mit Kind und Beruf zurückziehe, sondern mich auch ganz mir selbst zuwende, sozusagen den „Tiefenschichten“ in mir. Mir Gedanken über mich selbst, meine Mitmenschen und das Leben an sich zu machen ist für mich Freude und Erholung. Der Austausch über entsprechende Themen mit anderen eine der schönsten Formen der Intimität, die ich kenne.

Was also ist mein Weg, um ganz „ich selbst“ zu sein in einer Situation mit ‚Gegenwind‘ wie der oben beschriebenen?

Ich werde langsam

Moment. Ich komme gleich. Sie möchten mit mir sprechen? Gerne. Zu dem von mir gewählten Zeitpunkt!“ Das Innehalten verschafft mir Zeit und (inneren) Raum für eine Reaktion, die wirklich mir entspricht.

Ich bewege mich

Stress löst sich für mich am besten in Bewegung, schnellem Radfahren, Tanz – nicht nur mein Körper verliert an Spannung, auch Herz und Seele. Ich verschreibe mir Bewegung in spannungsreichen Zeiten wie Medizin!;-)

Ich bin ganz da

In der Situation, indem ich auf die Worte meines Gegenübers mit Bewusstheit „lausche“ (eine Anklage? – Was steckt an Wunsch dahinter? Eine Beschwerde? – Was braucht er oder sie?). Aber auch: was brauche ich gerade?
Und nach der Situation, indem ich mit allen Sinnen dort bin, wo ich tatsächlich bin – bei meinem Sohn, im Schreiben, bei der Süße eines Honigbrots – das beste Mittel gegen kreisende, vernebelnde Gedanken!

Und dann bin ich tatsächlich wieder „ganz ich selbst“: kraftvoll und zart, feinsinnig, direkt und klar. Wie schön!:-)

~

Wie kommst du „zurück zu dir“? Welchen Weg wählst du bei „Gegenwind“? Ich freue mich auf deine Gedanken!

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Echt sein. Liebevoll sein. Wachsen.

Krokus im Schner

Gestern Nachmittag traf ich mich mit einem Freund. Er war mit dem Zug mehrere Stunden gereist, um mich und zwei weitere Freunde zu besuchen. Ich hatte mich auf ihn gefreut.

Nach unserem Treffen ging es mir nicht gut

Trotzdem war ich nach den drei, vier Stunden, die wir miteinander verbrachten, niedergeschlagen. Warum? Was war passiert?

Wir gingen am Rhein spazieren, das Wetter war wunderbar. An dieser Stelle ist der Fluss breit und mächtig, gerahmt von weiten Auen, im Sonnenschein schimmert das Wasser blau vom Himmel, der sich in ihm spiegelt und große Frachtschiffe schieben sich gemächlich auf ihm entlang. Das Wasser, die Wärme der ersten Frühlingssonne, der leuchtende Himmel – einfach nur schön. Oder nicht?

Zwei Seiten

Auf der anderen Seite des Spazierweges erstreckt sich über weite Teile der Strecke ein Industriegelände. Abgelegte Kabelrollen, Kieshaufen, schmucklose Lagerhallen, LKWs und rostige Container. Industriecharme? Nüchtern gesagt einfach nicht sehr schön…

Und wir auf dem Weg dazwischen. Und – JA, ich hatte meinem Freund das für mich schöne Rheinufer zeigen wollen, an dem ich oft Ruhe und innere Heiterkeit (wieder-) finde. Und – JA, er schien vor allem das Industriegelände wahrzunehmen. Was mich ärgerte…

Was will ich damit sagen?

Vielleicht, weil mir mein Leben gerade oft wie dieser Weg zwischen frühlingshaften Auen und Industriegerümpel erscheint: schaue ich zur einen Seite, ist da Schönheit und Leichtigkeit, auch Kraftvolles und Ermutigendes. Schaue ich zur anderen Seite,  sieht es manchmal ganz schön hässlich aus, auch mühevoll und ohne Charme…

An diesem Nachmittag hat mich mein Freund unvermittelt (wieder) auf beide Seiten aufmerksam gemacht – und mein Ärger hat mir wohl gezeigt, dass ich selbst nicht gern auf die „schrammelige“ Seite sehe. Aber auch, dass der Blick aufs Schöne mir KRAFT gibt in meinem Leben mit Kind und Beruf, alleinerziehend – und dass ich im Moment auch gerne Zeit mit Menschen verbringe, deren Blick dieses Schöne wahrzunehmen weiß.

Unbeschwertheit verloren?

An diesem Nachmittag versuchte ich, diese Gedanken meinem Freund zu erklären. Ich zeigte ihm auch meinen Blog, aber ich glaube, er konnte mich nicht verstehen. Und so gingen wir nach diesen drei, vier Stunden auseinander, ich ein wenig traurig. Er dachte wohl, ich habe meine Unbeschwertheit verloren (so sagte er es zumindest).

Aber ich gehe wohl nur gerade in der Mitte: Ich nehme das Traurige in mir wahr UND versuche, mir den Blick aufs Schöne zu erhalten – um wieder einen Schritt weiter zu gehen, und noch einen Schritt und noch einen – auf diesem Weg dazwischen.