Kunst, Persönliches

Armstrong

3FF59449-43EB-4543-A1A7-D861F0F3FA85
(C) Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond

Armstrong ist mutig, blitzgescheit, ein brillanter Erfinder und Revolutionär der Raumfahrt. Er ist der erste, der seinen Fuß auf den Mond, den bis dato uneroberten Trabanten der Erde, setzt. Und: er ist eine – Maus.

Zumindest, wenn man dem wunderbaren Kinderbuch „Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“ Glauben schenkt. Die sprühend fantasievoll und zugleich fotografisch exakt gezeichnete Geschichte erzählt diese (fast) unglaubliche Geschichte der ersten Maus auf dem Mond. Dabei wird die menschliche Luft- und Raumfahrtgeschichte quasi ‚en passant’ umgeschrieben und aus Mäuseperspektive neu erzählt. Eine wirkliche Entdeckung für große und kleine Leser/innen, Technikbegeisterte und angehende Astronautinnen!

Leseprobe:

„Natürlich gab es ein paar Menschen, die von der kleinen Mondmaus wussten. Sie hieß also genau gleich wie der erste Mensch auf dem Mond. So war sichergestellt, dass niemand aus Versehen das Geheimnis verraten könnte. Wann immer die Rede vom ersten Besucher auf dem Mond war, hieß es einfach nur: Das war Armstrong.“

Torben Kuhlmann: Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond. Nord/Süd-Verlag. (Ab 3)

Kunst, Persönliches

Pepe und Lolo

972BD0A3-607E-48DA-BB76-28796365BB7B
(C) Pepe und Lolo

Pepe ist schüchtern und wäre am liebsten unsichtbar, damit ihn auf der Straße niemand anspricht. Lolo ist laut, fröhlich, mit leuchtend grünem Kleid und roten Lippen. Pepe wohnt am einen Ende der Stadt, Lolo am anderen; in der Mitte des Buches begegnen sie sich und beginnen ihre gemeinsame Geschichte.

Eine Erwachsenliebesgeschichte in einem Kinderbuch, erzählt in halb gemalten, halb collagenartig zusammengefügten Bildern. Die Farbpalette ist ungewöhnlich dunkel für ein Kinderbuch in bordeauxrot, olivgrün und ocker. Eine leichte Melancholie zieht sich durch das Werk und zugleich laden die wunderschön, ein wenig surreal gestalteten Seiten, ebenso wie der poetische Text, zum Lesen und Verweilen ein.

Leseprobe: 

„Pepe mag Schnecken. Wenn er eine entdeckt, hockt er sich hin und erzählt ihr, was er heute kochen will. Oder was er gestern im Radio gehört hat. Oder warum ihm nach weinen zumute ist. Und bei Regen hält er seinen Schirm über die Schnecke, damit sie hören kann, wie die Tropfen darauffallen.“

Elisabeth Steinkellner und Michael Roher: Pepe und Lolo. Picus-Verlag. (Ab 4)

alleinerziehend, Beruf, Familie, Persönliches

Mistress Proper?

437A6A25-0AB8-4834-AEFE-82738104E2F4
(C) seppolog.com

Alleinerziehend zu sein bedeutet: stark sein zu müssen.

Es kostet Kraft, Alltagsdinge wie Einkäufe, Behördengänge, Banktermine jeden Tag alleine zu erledigen, bzw. sich für Dinge wie Reifenwechsel, Reparaturen im Haushalt oder die Steuererklärung das nötige Know-how zu verschaffen oder professionelle Unterstützung zu organisieren.

Es kostet auch Kraft, die kleinen und größeren Alltagsgedanken und -sorgen mit sich selbst auszumachen. Freunde sind zuverlässig da, „wenn es brennt“, aber im Alltag oft mit ihrem eigenen Leben, Familie und Beruf beschäftigt. Auch ganz praktisch körperlich muss ich als allein lebende und alleinerziehende Frau „stark“ sein: wie viele Male in der Woche schleppe ich Einkaufstüten, wuchte den Kinderwagen über Treppenstufen und U-Bahn-Schwellen oder trage 18kg Kind in den 3. Stock…

Immer stark sein?

Dies soll kein Lamento werden à la „So schwer haben wir es als Alleinerziehende“, auch wenn sich das Leben, getrennt lebend und mit Kind, manchmal tatsächlich nicht leicht anfühlt. Mich interessiert vielmehr: wie gehe ich mit diesem Gefühl um, eigentlich immer „stark“ sein zu müssen, oft kein wirkliches Ventil für all die anderen Gefühle und Sehnsüchte zu haben: Wut, Trauer, Verzagtheit oder Erschöpfung, aber auch Lebensfreude, Humor, Neugier, Entdeckerlust, die mich als Frau ebenfalls ausmachen.

Ich habe (z.B. hier und hier) im Blog schon darüber geschrieben, was ich persönlich tue, um meine innere Leichtigkeit und Freude, Ruhe und Gelassenheit wieder zu finden. Manchmal gelingt es mir gut, meinen eigenen „Ratschlägen“ zu folgen, manchmal weniger…;-) Was ich hier betrachten möchte, ist: wie gehe ich damit um, wenn mich spürbar die Erschöpfung überwältigt, ich mit körperlicher und/oder seelischer Überforderung konfrontiert bin? Wie reagiere ich, wenn „ansteht“, schwach zu sein?

Schwach sein zu können ist eine Stärke

Krankheit (der berühmte „Rücken“, aber oft schon drei Tage grippeartige Erkältung mit hohem Fieber) zeigen mir sehr deutlich: kann ich nur stark oder auch schwach sein? Wie reagieren „wir“ Alleinerziehenden denn, wenn wir spüren, wir drohen krank zu werden? Oft doch mit dem Anspruch: „wird schon gehen“ – von Globuli bis Antibiotika, jede hat so ihre Mittelchen, um im Alltag nicht „auszufallen“. Und es „muss“ ja auch gehen: wir haben Verantwortung unseren Kindern, unseren Arbeitgebern und anderen Menschen, die von uns abhängen, gegenüber. Und wir sind es zudem oft so gewohnt, Stärke (körperliche und seelische) zu kultivieren, dass wir am Ende fast in Panik verfallen, wenn eben diese Stärke uns zu verlassen droht.

Wie zeigt sich diese Panik? Allzu oft doch im Versuch „noch stärker“ zu sein. Der Mutter der stark verschnupften Kita-Freundin würden wir am liebsten das Sagrotan-Fläschchen in die Hand drücken, damit sich unser Kind nicht ansteckt. Oder ein: „Geht schon, ich komm’ zurecht“, auch wenn eigentlich gar nichts mehr geht. Oder wütende Ausfälle gegen Ex-Partner, Jugendamt und Co, die einem „das Leben zur Hölle“ machen wollen. Schwach zu sein fühlt sich nicht schön an. Angriff und Kontrolle, oder aber Flucht und Rückzug, sind wohl noch immer in uns einprogrammiert, wenn wir uns bedroht fühlen. Und was anderes als eine Bedrohung ist das Gefühl von Schwäche in einem Leben, das so absolut nötig zu machen scheint, stark zu sein?

Leben mit allen Facetten

Ich will hier nicht dafür plädieren, sich haltlos Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit hinzugeben. Auch kein: „Ich bin so schwach, ich kann eh nichts tun!“
Aber wie reagieren wir, wenn tatsächlich mal nichts mehr geht? 40 Grad Fieber und das eine Woche lang? Autounfall und ein gebrochenes Bein? Oder seelische Schwere, die uns so gefangen hält, dass einfach nichts mehr möglich ist? Für unsere Kinder – und letztlich für uns selbst – suchen wir uns in diesen Extremsituationen doch meist Hilfe. Dann reist doch die Mutter aus 300km Entfernung an. Wir holen uns bei einer Beratungsstelle Unterstützung oder gehen zur Mutter-Kind-Kur. Wenn „nichts mehr geht“, bewegt sich oft gerade etwas…

Warum die Stärke, die wir offensichtlich in solchen Momenten existentieller Schwäche mobilisieren können, nicht bereits nutzen, wenn es uns nur mal „nicht so gut“ geht? Indem wir uns bereits da einen Tee kochen und ihn, wenn die Kinder im Bett sind, wirklich genießen; indem wir uns bewusst mit Menschen verabreden und austauschen, durch deren Gegenwart wir uns gestärkt fühlen – und den Kontakt zu denen, die uns schwächen, auf ein Minimum beschränken? Schwäche fordert oft Klarheit heraus: Was ist mir wirklich wichtig? Wofür mag ich mich wirklich einsetzen, wofür mag ich kämpfen – und was lohnt meine Anstrengung, meine Bereitschaft letztlich nicht? Schwach sein, auch wirklich körperlich, macht mich im besten Fall ehrlich: zu mir und zu anderen.

Keine „Mistress Proper“, die alles im Griff hat, eher eine wirklich starke Frau mit allen Facetten!:-)

Beruf, Familie, Gesellschaft

Digital ahoi! Was Facebook, Amazon und Google für unsere Gesellschaft bedeuten

A301000E-4BF3-4246-9845-9734682F95BB

Ende April 2018 erscheint in der Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ ein Interview mit dem Philosophen Richard David Precht über Digitalisierung, Visionen der „Big Players“ des Silicon Valley und die sich potentiell daraus ergebenden gesellschaftlichen Folgen. Zwei Sätze bleiben mir in Erinnerung:

Weiterlesen „Digital ahoi! Was Facebook, Amazon und Google für unsere Gesellschaft bedeuten“

alleinerziehend, Partnerschaft, Persönliches

Lego your Ego – Vom Segen, nicht „Recht“ zu haben

405C828C-11B3-485C-AE78-BEF2AA839B20

Kürzlich telefonierte ich mit dem Vater meines Sohnes – und auf einmal unterhielten wir uns über unsere, vor etwa einem Jahr beendete, Beziehung.

„Wir waren wie Feuer und Öl“, meinte mein ehemaliger Freund: „Öl belebt die Flammen, aber passt man nicht auf, verursachen die beiden ruckzuck einen Flächenbrand…“ Unwillkürlich dachte ich an Momente der Nähe und „feurige“ Leidenschaft – aber eben auch an hitzige, Leid schaffende Diskussionen. Und lachend, wenn auch mit einer Spur Wehmut im Herzen, musste ich ihm Recht geben.

Wer hat Recht?

Tatsächlich hatten sich unsere Streitigkeiten oft daran entzündet, wer von uns ‚Recht’ hatte – bei Themen, bei denen es eigentlich kein Falsch und Richtig gab: wie laut und wild sollte der eine abends noch mit unserem Sohn durch die Wohnung toben? Hatte der andere das ‚Recht‘ auf Ruhe oder sollte er sich nicht so „anstellen“? Was, wenn das freudig erwartete Essen zu dritt in die Binsen ging, weil unser Kleiner, aufgedreht, wie er abends war, lieber mit Nudeln um sich schmiss, als sie zu essen? Gab es ein ‚Recht‘ auf Zweisamkeit, auf Erholung, ungeteilte Aufmerksamkeit, Unterhaltung?

Im Rückblick kann ich mir kaum noch erklären, warum wir so erbittert stritten. Am ehesten wohl, weil uns irgendwann das Gefühl abhandenkam: hier achtet der andere, was ich für unsere Partnerschaft und Familie tue, hier werde ich geschätzt wie ich bin und darf sein, wie es mir entspricht. Statt „Wir gegen die Welt“ wurde unsere Beziehung ein „Wir gegeneinander“. Eine bittere Erfahrung und sicher ein Grund unseres Scheiterns.

Lego your Ego

Vor wenigen Tagen bin ich an oben abgebildeter „Straßenkunst“ vorbeigekommen: „Lego your Ego – Mehr Liebe“. Ich musste lächeln, zückte meine Kamera – das Ergebnis seht ihr hier! Und ich blieb stehen mit dem Gedanken: was für eine große Aufgabe, statt Recht haben zu wollen immer wieder wahrzunehmen: darum geht es mir eigentlich! Das Bedürfnis hinter den Fragen, Vorwürfen, Forderungen: „Warum tust du…?“ „Immer machst du…!“ „Nie willst du…!“ Was erhoffe ich mir tief innen dadurch? Anerkennung? Sicherheit? Unabhängigkeit?

Vielleicht hilft ein Augenzwinkern, um das Ego zumindest zeitweilig auf Legomännchengröße zu schrumpfen. Um wieder zu erkennen: Darum geht es eigentlich! Das wünsche ich mir, danach sehne ich mich – und was kann ich, gegebenenfalls auch ohne den anderen, tun, um mir diese Sehnsucht zu erfüllen?

„Mehr Liebe“ – und nicht der Kampf um’s Recht, wo es gar kein Falsch und Richtig gibt.