alleinerziehend, Familie, Gesellschaft

Biss zum Morgengrauen. Oder: Warum es keine „Arschloch-Kinder“ gibt

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Für die cinephilen Mütter (und vielleicht auch Väter?) unter euch: hier geht es nicht um die gleichnamige Vampir-Romanze, die sich 2008 in den Kinos der Welt zwischen Kristen „Bella“ Stewart und Robert „Edward“ Pattinson entspann…

Biss-Spuren aus der Kita 

Nein, ich schreibe hier von ganz realen, zahnabdruckverursachenden, schmerzhaften – Bissen! Vor zwei Tagen kam unser Sohn mit einer solchen Bissspur aus der Kita. Ich erfuhr davon per Foto, das mir sein Vater geschickt hatte (er war im Rahmen des von uns praktizierten Wechselmodells an diesem Nachmittag für die Kinderbetreuung zuständig). Seinen Kommentar („B. wurde heute von H. gebissen… aber alles gut soweit“) fand ich bewundernswert gelassen, schätzte die Lage aber, nachdem ich das Bild gesehen hatte, doch etwas anders ein. „Alles ok“ war sicher nicht der zutreffende Ausdruck. Ich beschloss, die Erzieherinnen in unserer Kita am nächsten Tag
auf den Vorfall anzusprechen…

Jetzt gehe ich nicht davon aus, dass unser Sohn in der Kita immer ein „Engel“ ist. Genauso wenig, wie ich dem kleinen „Beißer“ auch nur im Ansatz ‚böse Absichten‘ unterstelle. Der Junge ist 1 1/2, ich bin davon überzeugt, er beißt nicht, weil er die anderen ärgern will. Aber warum dann?

Was hätte Kant gesagt?

Warum fluchen wir Erwachsenen an der Ampel, brüllen mit rotem Kopf „Mir reicht’s!“ und schmeißen je nach Temperament mit Tellern oder zischen Beleidigungen, die klar unter der Gürtellinie liegen? Eben, weil es tatsächlich reicht – und wir für einen Moment unsere – erwachsene – Impulskontrolle verlieren. Dem gegenüber steht das, was man früher „die Contenance wahren“ nannte, ein Verhalten, das uns schlicht gesellschaftlich ‚kompatibel‘ macht: So schmettern wir dem Nachbarn, dessen Hund sein Geschäft auf unserem Grundstück hinterlassen hat, höchst selten entgegen: „Ihr Scheißköter wird bald das letzte Mal gesch… haben!“ und fluchen nur in der Privatheit unseres Autos über die „hirnverbrannten“ anderen Verkehrsteilnehmer…

Im schlechtesten Fall ist diese erworbene „Contenance“ eine dünne Schicht an Zivilisiertheit, die wir womöglich nur aus Angst vor „Vergeltung“ der Gegenseite aufrechterhalten (Der ‚Hundepapa’ ist 1,90 Meter groß, wir nur gut 1,70…); im besten Fall ist sie über die Jahre tatsächlich zu einem Teil unseres Wesens geworden, im Sinne von: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu“ oder vielleicht sogar: „Handle so, dass dein Handeln zum Maßstab aller werden könnte!“ Damit nähern wir uns schon dem Kategorischem Imperativ (Dank sei Monsieur Kant) – und sind doch meilenweit von dem entfernt, was meiner Meinung nach klein Jonas, Hassan oder Bella umsetzen können.

Erwachsene Moral für kleine Kinder

Letztlich treten wir „Großen“ aber oft mit genau dieser Vorstellung „erwachsener Moral“ den Kleinen gegenüber auf. Kinder, die selbst oder anderen gegenüber handgreiflich werden, bekommen zu hören: „Das tut man nicht!“, „Wenn das jeder täte!“, „Stell dir mal vor, wie es XY jetzt geht. Entschuldige dich sofort!“ Im schlechtesten Fall werden sie selbst ausgeschimpft, ausgegrenzt („du darfst nicht mehr mitspielen“) oder gar geschlagen. Auch die Erzieherinnen unserer Kita betonten auf meine Frage hin, sie ließen ein solches Verhalten natürlich nicht durchgehen, sie würden mit dem kleinen „Beißer“ schimpfen und er müsse dann schon mal alleine spielen. Offensichtlich bedrückt sie die Situation auch (zumal das Beißen wohl keine einmalige Sache ist, sondern seit Monaten an der Tagesordnung).

Und ich stimme ihnen zu: auch eine 1 1/2-Jährige oder ein knapp Zweijähriger sollte merken: Stopp, hier ist eine Grenze – was ich gerade tue, wird von meiner Umwelt nicht geschätzt. Denn Hauen, Kratzen, Beißen sind tatsächlich keine adäquate Form der Kommunikation, weder für Kleine noch für Große…

Warum wird hier gebissen?

Meiner Meinung nach ist aber diese Rückmeldung schon „Strafe genug“: denn warum beißen, hauen oder kratzen Luan oder Beatrice denn? Eben nicht, weil sie „böse“, „schlecht erzogen“ oder gar in irgendeiner Form „gestört“ sind (jedenfalls nicht, wenn sie ein solches Verhalten mit 1 1/2 zeigen). Sondern weil sie schlicht (noch) keine angemessenere Form gefunden haben, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen! Ein Biss unter Kita-Kindern kann ein – höchst ungeschickter – Versuch der Kontaktaufnahme sein, es kann ein Versuch sein, Aufmerksamkeit zu erhalten (was ja meist gelingt, auch wenn diese negativ ist…) oder schlicht das Bemühen, für ungebremste Wut ein Ventil zu finden.

Entsprechend sollte so ein kleiner „Aggressor“ zwar gespiegelt bekommen: es ist nicht ok, was du hier machst. Aber dein Verhalten wird sanktioniert, nicht du selbst! Wir „Großen“ zeigen dir Alternativen: brüll vor Wut oder geh weg, aber beiß nicht zu. Halt Mila das Spielzeugauto einladend hin, statt es ihr über den Kopf zu ziehen etc.

Motiv und Handlung

Die pädagogisch sanfte Lenkung fruchtet nicht? Genauso wenig wie dein Schimpfen? Und das über Monate? Dann solltest du dich vielleicht fragen: Warum rede ich hier „gegen die Wand“? Vielleicht, weil mein Gegenüber etwas anderes braucht als „Stopp“ und (Verhaltens-) Alternativen? Vielleicht, weil er oder sie wirkliche Aufmerksamkeit für den Druck, die Wut oder den Schmerz braucht, die in seinem oder ihren Verhalten zum Ausdruck kommen?

Habe ich Stress mit meinem Chef, mit meinem Partner und dazu noch Magenschmerzen und breche darüber auf dem Heimweg von der Arbeit in Schimpftiraden über die anderen Autofahrer aus, hilft es mir keineswegs, wenn mich jemand anfährt, ich solle mich „doch mal zusammenreißen“ und sozialer verhalten. Teil meines Problems ist ja gerade meine Umwelt, wenn auch die anderen Verkehrsteilnehmer nur stellvertretend das verbal „abbekommen“, was eigentlich an Chef oder Partner adressiert sein müsste…

So in etwa läuft das meiner Meinung nach auch in der Kita-Spielecke ab: irgendwo muss der Druck raus – und da klein Kim und klein Luis weder schimpfen noch Autofahren können, kommt er eben auf die brachialere Art zum Ausdruck – und führt dem Kitakumpel gegenüber zu eben diesem Biss im Morgengrauen…

Was schließe ich daraus?

Aus Perspektive meines Kindes, das gebissen wurde, empfinde ich natürlich Besorgnis und Mitgefühl und es ist mir ein Anliegen, dass die Erzieherinnen das andere Kind gut im Blick behalten, Situationen entschärfen und so möglichst weitere Beißattacken verhindern. Andererseits empfinde ich ehrlich gesagt auch Mitgefühl für den kleinen „Beißer“, der sich über Monate nicht anders auszudrücken wusste und noch immer weiß. Vor etwa einem Jahr hat unser Sohn in der Kita übrigens auch ein paar Mal zugebissen. Das war, als er noch so gut wie gar nicht sprechen konnte, wir als seine Eltern mitten in der Trennung steckten und es zuhause nicht gerade friedlich zuging. Mir war damals sehr wichtig, dass unser Kleiner Alternativen zu seinem destruktiven Verhalten finden konnte (Weggehen statt Schubsen etc.). Vor allem aber haben sein Vater und ich uns daran gemacht, zu klären, was zwischen uns im Argen war und unserem Sohn damit das zu geben, was ein Kind unserer Meinung nach (zum Glück waren wir uns darin einig) ebenso braucht wie klare Grenzen: nämlich ein friedliches, stabiles Umfeld. Eltern, die wahrnehmen und nicht nur fordern und begrenzen. Eltern, die Zeit und Ruhe schenken. Eltern, die schätzen, wie ihr Kind ist und nicht wie sie es gern hätten. Eben das Gegenteil von Gewalt.

Frieden lernt wer in Frieden leben darf.

Das glaube ich fest – und wünsche dieses Geschenk von Herzen jedem Kind!

In diesem Sinn friedliche Grüße, 
Sunnybee

 

 

 

 

 

 

Kunst, Persönliches

Die irrste Katze der Welt. Wie alles begann.

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Was ist ein kleiner Elefant, der sich für eine Katze hält? Oder eine Katze, die zufällig einem Elefanten zum Verwechseln ähnlich sieht?

In der Menschenwelt würde man so etwas dissociative identity disorder nennen. In Gilles Bachelets absurd komischem Kinderbuch ist dieser Elefant die „irrste Katze der Welt“…

Ganz nach Katzenmanier schmust er und döst vor sich hin, versucht den Goldfisch aus seinem Bassin zu angeln und zerfetzt sein Kuscheltier – um sich am Ende in die Gummikarotte des Nachbarhundes zu verlieben…

Funk statt Fuji

Die Zeichnungen erinnern mit ihren zarten Linien und der harmonischen Farbgebung an japanische Landschaftsmalerei. Aber statt des Fujis geht hier der Funk ab – seit das Elefantatzentier das Zuhause des Künstlers in Beschlag genommen hat, ist dort nichts mehr, wie es einmal war…

Ein herrlich absurder Spaß für große Leserinnen und Leser und ihre kleinen Zuhörer und Zuhörerinnen! 🙂

Leseprobe: 

„Was gibt es Rührenderes als einen Wurf Kätzchen, die ihre kleinen Rüssel auf der Suche nach der Muttermilch hin und her bewegen? Wenn Ihnen bei einem solchen Anblick das Herz aufgeht, lassen Sie sich hier erzählen, wie eines von ihnen, komme was wolle, meine liebste, dickste und irrste Katze der Welt wurde.“

Gilles Bachelet: Die irrste Katze der Welt. Wie alles begann. Gerstenberg Verlag. (Ab 3)

Kunst, Persönliches

Der Kuss der Spinnenfrau

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Zwei Häftlinge, die die argentinische Justiz der 1970er Jahre in einer Zelle zusammengebracht hat: der wegen regimekritischer Aktivitäten inhaftierte Valentin Arregui und Molina, der wegen homosexueller Handlungen zu acht Jahren Haft verurteilt wurde.

In ihrer Einsamkeit und um der Monotonie der Haft ein Stück weit zu entgehen, beginnt Molina, seinem Zellengenossen detailliert alte Hollywoodfilme nachzuerzählen. Die Handlung der Filme wird Teil eines Dialogs, der sich durch den gesamten Roman zieht. Ihre Worte bleiben unkommentiert durch einen Erzähler, wirken, nur mit Spiegelstrichen voneinander getrennt, selbst wie die Mitschrift von Filmszenen, an denen der Autor uns Leserinnen und Leser als stumme „Voyeure“ teilhaben lässt.

Vorsichtige Annäherung

In der Intimität ihrer Zelle kommen sich die zwei ungleichen Häftlinge näher. Arregui, geschwächt von dem vergifteten Essen, das die Gefängnisleitung ihm als Teil ihrer Zermürbungstaktik zukommen lässt, beginnt, Vertrauen zu fassen zu Molina, der ihn mit großer Menschlichkeit und Hingabe pflegt und schließlich seine Vorräte mit ihm teilt, um ihn vor weiteren Vergiftungserscheinungen zu bewahren.

Molina wiederum scheint Arregui zunächst zu „dienen“, gemäß der vom argentinischen ‚Machismo‘ geprägten ‚weiblichen’ Rolle, die er als femininer homosexueller Mann wie selbstverständlich einnimmt. Allmählich wandelt sich das Verhältnis der beiden Männer jedoch. Echte Zuneigung einerseits und eine von Respekt geprägte Dankbarkeit beginnt die Männer zu verbinden und ermöglicht beiden letztlich eine Begegnung auf Augenhöhe, eine intime Nähe, an der wir Leserinnen und Leser vor allem durch das Unausgesprochene (im Textfluss durch |…|markierte Pausen) teilhaben.

Eine Lektion über das Leben

Ich finde einerseits die verschiedenen „Ebenen“ des Romans faszinierend sowie die unkonventionelle, ‚roh‘ und zugleich intim wirkende Erzählweise im reinen Dialog. Andererseits berührt mich ganz direkt der Schmerz – und die Zärtlichkeit -, die im Verlauf des Romans zwischen den Häftlingen zu spüren ist und meist durch das Unausgesprochene, durch Gesten und Halbsätze, deutlich wird. Die wortreiche Nacherzählung der alten Hollywoodfilme begleitet die Annäherung der beiden wie eine Hintergrundmelodie. Die Handlung der Filme hat mit dem Geschehen in der Zelle auf den ersten Blick nichts zu tun. Allerdings verschafft Molinas Nacherzählung den beiden Männern überhaupt erst eine Ebene des Austauschs und die von ihm gewählten Filme sind allesamt tragisch und komplex – sie spiegeln damit in gewisser Weise die Situation, in der Arregui und Molina sich befinden.

Ein „Kammerspiel“ der besonderen Art und eine berührende Antwort auf die Frage „Wofür lohnt es sich eigentlich, zu leben, mit echter Hingabe da zu sein?“ – –

Leseprobe:

„In gewisser Weise sind wir vollständig frei, so gegeneinander zu handeln, wie wir wollen. Drück ich mich verständlich aus? Es ist, wie wenn wir auf einer einsamen Insel wären. Einer Insel, auf der wir womöglich jahrelang allein sind. Denn außerhalb, natürlich, da stehen unsere Unterdrücker, aber hier innen nicht. Hier unterdrückt niemand. Das einzig Verwirrende für meinen müden oder konditionierten oder deformierten Kopf ist, dass jemand mich gut behandelt, ohne irgendetwas dafür zu verlangen.
– Schön, das weiß ich nicht…
– Was heißt, du weißt es nicht?
– Ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll. […] Denk dir bitte nicht irgendwas Ausgefallenes, aber wenn ich dich gut behandle… dann tue ich es, weil ich deine Freundschaft gewinnen will, und weil ich möchte, warum soll ich es nicht sagen?… dass du mich gern hast. Genauso wie ich zu meiner Mama gut bin, weil ich sie lieb habe, weil sie gut ist und weil ich möchte, dass sie mich lieb hat… Und du bist auch ein guter, selbstloser Mensch, der sein Leben aufs Spiel gesetzt hat für ein großes Ideal… Schau jetzt nicht weg, schämst du dich?
– Ja, ein wenig… Aber ich schau dir ins Gesicht, siehst du?
– Und deshalb… respektier ich dich und hab dich gern und möchte, dass du mich gern hast…“

Manuel Puig: „Der Kuss der Spinnenfrau“. Suhrkamp, 1998 (erste Auflage 1976).

 

Familie, Gesellschaft

„Er spielt den Hund“: Entwicklungs-Gespräche in der Kita

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Auch in unserer Kita (Kinder von 0-3) besteht Dokumentationspflicht. Seitenweise Bögen mit Skalen, in denen die Erzieherinnen anzukreuzen haben: verwendet Julius, Clarise, Cem eine Schere? Isst Pia mit dem Löffel, spricht S-Laute? Läuft Hannes rückwärts, malt Kreise, pupst im Takt.. hoppla, letzteres Kriterium wurde, soweit ich weiß, noch nicht erhoben.

In sogenannten „Entwicklungsgesprächen“ bekommen wir Eltern einmal pro Jahr die ausführliche Rückmeldung: In der Ampelmetaphorik gesprochen – alles im grünen, gelben oder roten Bereich? Evaluation beginnt heutzutage, bevor die Kleinen ihren Namen sagen können.

Er ist sozial und spielt den Hund

Wollt ihr wissen, wie unser Sohn abgeschnitten hat? Sehr sozial (yippieh, wusste ich schon!…), langsam im Sprechenlernen, kann Schere, Kreise, Rückwärtslaufen, zieht sich, wenn Stress in der Kitagruppe herrscht, eher zurück anstatt sich ins Gemenge zu werfen. Ein sensibles Kind – und „er spielt öfter den Hund“, den die älteren Mädchen der Gruppe dann Gassi führen… Gut, das wusste ich noch nicht.

„Seine“ Erzieherin, die, zu großen Teilen in ihrer Freizeit, die Dokumentation für ihn erledigt hat, ist herzlich, klug und unaufgeregt: „Wir stärken ihn, damit er nicht untergeht, wenn die Kleinen kloppen und die Großen kommandieren.“ „Das wird schon im Kindergarten. Er zeigt, was er möchte und sucht sich seine Bereiche, in denen er dann sein Ding macht.“

In der Wettbewerbsarena

Also alles gut soweit. Warum fühle ich mich nach dem Gespräch trotzdem erschöpft? Vielleicht, weil es eigentlich absurd ist, das eigene Kind schon vor dem Kindergarten an „Normkurven“ messen zu lassen. Und weil es bei aller – angestrebten – Gelassenheit die Vergleicheritis ausbrechen lässt: ist der Junior nicht zu forsch, zu devot, zu langsam, zu schnell, zu sozial, zu eigenbrötlerisch? Eigentlich müssten da schon alle Alarmglocken schrillen – und zwar nicht wegen des Kindes, sondern wegen einem selbst: was tue ich hier gerade? Bin ich wirklich bereit, meinen Sohn in diese Wettbewerbsarena zu stoßen? Wer bastelt den schönsten Fisch, wer spricht mit 2 1/2 am gewähltesten, wer hat die besten Spielideen? Was schleichen sich da für Gedanken in meinen Kopf? Schafft er das im Kindergarten? Kommt er mit bei dem, was gefordert wird? Behauptet er sich unter den anderen Kindern?

Kinder können grausam sein, schlicht (noch) gefühllos für die Gefühle anderer. Kinder können aber auch sehr liebevoll sein, oft gerade, wenn man gar nicht erwartet hat, dass sie schon so viel von dem, was zwischen Menschen passiert, verstehen. Was Kinder höchst selten tun: gefühllos oder liebevoll sein „auf Kommando“. Wachsen auf Kommando. Sich für Dinge begeistern, aufhören mit Dingen zu schmeißen, zuhören und „brav sein“ auf Kommando.

Bepunktet statt gesehen 

Vor allem Kinder im Kleinkindalter sind meiner Meinung nach oft noch sehr nah an dem, was wirklich ihnen entspricht. Sie sind draufgängerisch, wild, zögernd, suchen Aufmerksamkeit, wollen gesehen werden und ihre Entdeckungen der Welt mit den „Großen“ teilen. Wenn wir dann sagen: „Jetzt ist aber Kreise malen dran, nicht Schnecken streicheln“ oder vermerken: „Ungelenk mit Schere und Papier“, dabei war der wackelige Stuhl und das Balancieren darauf im Moment einfach spannender – dann landet das Kreuz in der Skala am Ende bei gelb oder rot.

Wir haben das Kind gut eingeordnet. Gesehen haben wir es nicht. Und wenn klein Luise, klein Tim oder Lukas dann in der Kita beißen, weil zuhause alle immer nur meckern oder Carla „Hund und Frauchen“ spielen will, um wenigstens einmal das Kommando zu haben – dann können wir Erwachsenen uns fragen: was genau haben wir da eigentlich beigebracht?

Vielleicht würde uns so ein Evaluationsgespräch manchmal auch ganz gut tun. Gelb-rot-grüne Skala inklusive.

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.

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[Foto: Pixabay]