alleinerziehend, Familie, Gesellschaft, Persönliches

Bienenstich

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Anders als es die Illustration vermuten lässt, geht es hier nicht um Gebäck.

Kleine Ursache, große Wirkung

Ein Spaziergang durch’s Gras mit bloßen Füßen während eines Sommerpicknicks, ein kurzer, brennender Schmerz – schon war’s geschehen: im lädierten Zeh steckte der Stachel, offensichtlich war ich auf eine im Gras versteckte Biene getreten.

Möglichkeiten, den Fuß zu kühlen gab es vor Ort nicht und allzu zimperlich wollte ich vor den Anwesenden nicht erscheinen, also „Augen zu und durch“… Gegen Abend war der Zeh noch leicht geschwollen und schmerzte etwas, aber das würde sich sicher über Nacht geben, bis auf ein paar Hausmittelchen und nachträgliche Kühlung ließ ich den Fuß unbehandelt.

Der nächste Morgen brachte jedoch keine Besserung mit sich. Vielmehr war der Zeh über Nacht massiv angeschwollen, ließ sich nicht mehr biegen und auch auf die Oberseite des Fußes hatte sich die Schwellung ausgebreitet. Kurz gesagt, an Sandalen war nicht zu denken und in meine ausgelatschten Turnschuhe bekam ich den Fuß nur gerade so hinein… allerdings tat er mir dann bei jedem Schritt weh, längere Fußwege kamen also nicht in Frage. Das Kind musste natürlich trotzdem zur Kita, also schnallte ich es kurzerhand auf den Fahrradsitz und los ging’s!… Beim Abholen dasselbe Prozedere, nachmittags humpelte ich mit langem Rock und hippiesk barfuß durch die Großstadt, denn an „Hochlegen und Kühlen“, länger als zehn Minuten, war mit Kleinkind eben nicht zu denken. Also Spielplatz und abends das übliche Programm (Duschen, Kochen, Spielen, Büchervorlesen), alles möglichst mit einseitiger Belastung. Der Tag hatte mich geschafft – diesmal schlief ich beim Ins-Bett-Bringen neben meinem Kleinen ein…

Auch der nächste Morgen brachte die erhoffte Verbesserung nicht mit sich. Statt dessen war der entsprechende Zeh jetzt nicht nur wienerchendick und hart, sondern hatte auch noch begonnen, sich dunkelrot zu verfärben… Langsam wurde mir die Sache unheimlich. Viel länger wollte ich meinen unteren Extremitäten diesen Zustand nicht zumuten. Bei meinem Hausarzt wollte ich abklären, ob Abwarten weiter die richtige Strategie war… Zuvor aber der Gang zur Kita (diesmal war es aus organisatorischen Gründen nicht möglich, das Rad zu nehmen), also humpelte ich ca. 1km durch unser Viertel, den Kinderwagen vor mir herschiebend und immer bemüht, möglichst wenig Druck auf den, in meinen Turnschuh gezwängten „Ballon“ auszuüben. Der Hausarzt schloss zum Glück eine Infektion vorerst aus („da Sie ja kein Fieber haben“), riet mir aber durchaus mit Nachdruck – aha – den Fuß hochzulagern, damit sich die Schwellung reduziere und die Blutgefäße des malträtierten Zehs nicht weiter belastet würden.

Gut, das tat ich, unterstützt von einem Retterspitz-Wickel (pflanzlicher (Wunder-) Tipp meines Arztes) und – juhu: nach ca 3h ging die Schwellung tatsächlich zurück – vielleicht passe ich morgen sogar wieder in meine Schuhe!…

Wer will krank sein?

Wie gesagt, kleiner Stich, große Wirkung – durchaus auch emotional. Nicht nur musste ich mich für den Tag krank melden, weil ich schlicht nicht (richtig) gehen konnte, ich kam mir auf einmal auch reichlich „verletzlich“ vor: all die täglichen Wege, die als Selbstverständlichkeit vorausgesetzte Möglichkeit, zu Fuß rasch von A nach B zu kommen, all das Heben, Stützen, Tragen, das den Alltag als Mutter – und natürlich auch Vater – eines Kleinkindes bestimmt, auf einmal empfindlich eingeschränkt. Und ich habe mir den Fuß nicht gebrochen, mein Maleur wird hoffentlich schon in ein, zwei Tagen nicht mehr sichtbar sein!

Aber wie machen das Mütter, die – alleinerziehend oder nicht – wirklich schwer verletzt oder chronisch krank sind? Und ich meine nicht nur die praktische Organisation, das Feilschen mit Ämtern, Krankenkassen und Behörden um Hilfsmittel, Krankentage und zusätzliche Kinderbetreuung. Ich meine auch die Kraft, die es kostet, schlicht nicht „bei Kräften“ zu sein, in einer Lebenssituation – und, wie ich finde, auch in einer Gesellschaft -, die Schwäche bestenfalls toleriert, wenn nicht gar sanktioniert. Körperlich und seelisch „heil“ und damit leistungsstark zu sein ist fast ein ‚Muss‘ in einer (unserer) Leistungsgesellschaft.

Mein kleiner Stich – und mein geschwollener Fuß – haben mir während 3-4 Tagen eine Ahnung gegeben, was es heißt, einmal nicht top ‚leistungsfähig‘ zu sein.

Eine ziemlich eindrückliche Lektion!

 

Familie, Gesellschaft

„Omi ist ein Toaster“. Wie bereiten wir unsere Kinder auf die Zukunft vor?

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Würdest du deine Großmutter mit einem Toaster verwechseln?

Nein? Damit unterscheidest du dich offensichtlich von aktuellen Gesichtserkennungsprogrammen, wie sie z.B. Überwachungskameras und vermutlich auch dein Smartphone verwenden. Hierauf weist zumindest ein Artikel des Spiegels (Ausgabe 6/2018) hin. Entsprechende Programme würden Gegenstände und Personen wegen eines beigefügten pixeligen Farbkleckses nicht mehr als das erkennen, was sie sind, sondern eben als – Toaster…

„Ein Forscherteam bei Google hat diesen Farbfleck ausgetüftelt. Er soll die automatische Bilderkennung des Computers außer Kraft setzen. Er sieht dann überall nur noch Toaster, egal, was man ihm zeigt: Bananen, eine Badeente, die Bundeskanzlerin – alles Toaster.“

Das mag amüsant erscheinen – aber ein Unbehagen bleibt doch zurück: wie wird mein Sohn (jetzt knapp 3) in fünf, zehn, fünfzehn Jahren mit solcherlei Dingen umgehen? Wird er eine Haltung dazu haben? Wird er Autos normal finden, die sich selbst lenken, aber ab und an einen Fußgänger überfahren, da der zuständige Steuercomputer diesen aufgrund von Sabotage nicht erkannt hat? Wird es so etwas wie „Impfungen“ für künstliche Intelligenz geben, intelligente Antivirenprogramme, die eigenständig versuchen, der ebenfalls immer intelligenter werdenden Manipulation einen Schritt voraus zu bleiben?

Und kann ich irgendetwas tun, um ihn auf all das vorzubereiten?

Vermutlich stellen sich alle halbwegs reflektierten Eltern diese Frage irgendwann – und kommen sich dabei ziemlich alt vor. Nur widerfährt mir das schon mit Mitte 30… Ich bin sozusagen eine Dinosaurierin der vordigitalisierten Zeit, aufgewachsen mit Kassetten und jetzt Mutter eines Kindes, das auf dem Smartphone herum„wischt“, bevor es spricht…

Mal ganz von Anfang an…

Ich glaube, ich muss nochmal ganz zurück zu den ‚Basics‘ um für diese Frage auch nur halbwegs eine Antwort zu finden. Vielleicht hilft mir der Blick auf einen weiteren höchst interessanten Artikel, auf den ich in der ‚Blogosphäre‘ gestoßen bin. ‚Easter’, eine junge Kenianerin, Mutter von zwei Kindern und jetzt wohnhaft in Österreich, schreibt in ihrem Blog über ihre Erfahrungen im Land der Palatschinken sowie – wie ich finde, ziemlich weise – über das ‚da‘ sein und Vorbild sein für ihre Kinder. Ein Artikel gefällt mir besonders. Ihr findet ihn hier. Die Autorin beschreibt darin, wie ein österreichisches Mädchen während des Spielens mit ihrem Sohn zu ihr gekommen sei und gesagt habe: „Der schwarze Bub ärgert uns.“ Da die Autorin die einzige Dunkelhäutige weit und breit war, hatte das Kind wohl geschlussfolgert, sie müsse für den „Fall“ zuständig sein… die Reaktion meiner Mit-Bloggerin hat mich beeindruckt:

„Ich habe das Mädchen gefragt wie es heißt, es mit ihrem Namen angesprochen und ihm dann gesagt, es soll „den schwarzen Bub“ fragen wie er heißt und ihn bitte mit seinem Namen nennen. Nachher sollen sie versuchen das Problem selber zu lösen.“

Das geschah dann genau so. Am Ende des Nachmittags verabschiedete sich das Mädchen freundlich vom Sohn der Autorin, denn inzwischen kannte sie ja seinen Namen und sie hatten friedlich miteinander gespielt…

Haltung und Vertrauen

Ich bewundere die Reaktion meiner Mit-Bloggerin aus zwei Gründen. In ihr kommt eine Haltung zum Ausdruck, die ich großartig finde:

1. Belehre deine Kinder nicht, sondern lebe ihnen vor, was dir wichtig ist.
2. Vertraue deinen Kindern und traue ihnen etwas zu.

Noch einmal zurück zum ‚Toaster‘ zu Beginn des Textes: er steht stellvertretend für all die Dinge, die wir Erwachsenen heute noch gar nicht absehen können. Es muss aber gar kein fehlgeleitetes Computerprogramm sein, das unsere Kinder herausfordert. Die Kumpels, die ein bestimmtes Hobby, Markenklamotten oder – später – den mitgerauchten Joint fordern, sind Herausforderung genug. Da hilft unsere Art, an Schwierigkeiten heranzugehen, oft nur wenig – und erst recht nicht, wenn wir versuchen, Dinge für unsere Kinder zu lösen.

Die Autorin des zitierten Blogs vertraut ihrem Sohn, dass er – mit dem fremden Mädchen zusammen – eine Lösung finden wird. Und sie lebt eben diesem Mädchen vor, was ihr wichtig ist: Freundlichkeit, Gelassenheit und Respekt. Und dass der „schwarze Bub“ einen Namen hat und es, wie das „weiße Mädchen“, verdient bei diesem genannt zu werden.

Ich glaube, wenn unsere Kinder merken, dass wir leben, wovon wir reden und wir ihnen zutrauen, ganz unabhängig von uns ihren eigenen Weg zu finden, dann werden sie in fünf, zehn, fünfzehn Jahren für so manches gewappnet sein – und sei es für Computer, die behaupten, Omi sei ein Toaster!… 🙂

 

Zitierte Quellen:
Manfred Dworschak: „Zu dumm“ In: Der Spiegel, Ausgabe 6/2018, 3.2.2018.

Easter: „Der schwarze Bub ärgert uns!“. In: Blog GLEICHAnders, 3.5.2018

alleinerziehend, Beruf, Familie, Persönliches

Mistress Proper?

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(C) seppolog.com

Alleinerziehend zu sein bedeutet: stark sein zu müssen.

Es kostet Kraft, Alltagsdinge wie Einkäufe, Behördengänge, Banktermine jeden Tag alleine zu erledigen, bzw. sich für Dinge wie Reifenwechsel, Reparaturen im Haushalt oder die Steuererklärung das nötige Know-how zu verschaffen oder professionelle Unterstützung zu organisieren.

Es kostet auch Kraft, die kleinen und größeren Alltagsgedanken und -sorgen mit sich selbst auszumachen. Freunde sind zuverlässig da, „wenn es brennt“, aber im Alltag oft mit ihrem eigenen Leben, Familie und Beruf beschäftigt. Auch ganz praktisch körperlich muss ich als allein lebende und alleinerziehende Frau „stark“ sein: wie viele Male in der Woche schleppe ich Einkaufstüten, wuchte den Kinderwagen über Treppenstufen und U-Bahn-Schwellen oder trage 18kg Kind in den 3. Stock…

Immer stark sein?

Dies soll kein Lamento werden à la „So schwer haben wir es als Alleinerziehende“, auch wenn sich das Leben, getrennt lebend und mit Kind, manchmal tatsächlich nicht leicht anfühlt. Mich interessiert vielmehr: wie gehe ich mit diesem Gefühl um, eigentlich immer „stark“ sein zu müssen, oft kein wirkliches Ventil für all die anderen Gefühle und Sehnsüchte zu haben: Wut, Trauer, Verzagtheit oder Erschöpfung, aber auch Lebensfreude, Humor, Neugier, Entdeckerlust, die mich als Frau ebenfalls ausmachen.

Ich habe (z.B. hier und hier) im Blog schon darüber geschrieben, was ich persönlich tue, um meine innere Leichtigkeit und Freude, Ruhe und Gelassenheit wieder zu finden. Manchmal gelingt es mir gut, meinen eigenen „Ratschlägen“ zu folgen, manchmal weniger…;-) Was ich hier betrachten möchte, ist: wie gehe ich damit um, wenn mich spürbar die Erschöpfung überwältigt, ich mit körperlicher und/oder seelischer Überforderung konfrontiert bin? Wie reagiere ich, wenn „ansteht“, schwach zu sein?

Schwach sein zu können ist eine Stärke

Krankheit (der berühmte „Rücken“, aber oft schon drei Tage grippeartige Erkältung mit hohem Fieber) zeigen mir sehr deutlich: kann ich nur stark oder auch schwach sein? Wie reagieren „wir“ Alleinerziehenden denn, wenn wir spüren, wir drohen krank zu werden? Oft doch mit dem Anspruch: „wird schon gehen“ – von Globuli bis Antibiotika, jede hat so ihre Mittelchen, um im Alltag nicht „auszufallen“. Und es „muss“ ja auch gehen: wir haben Verantwortung unseren Kindern, unseren Arbeitgebern und anderen Menschen, die von uns abhängen, gegenüber. Und wir sind es zudem oft so gewohnt, Stärke (körperliche und seelische) zu kultivieren, dass wir am Ende fast in Panik verfallen, wenn eben diese Stärke uns zu verlassen droht.

Wie zeigt sich diese Panik? Allzu oft doch im Versuch „noch stärker“ zu sein. Der Mutter der stark verschnupften Kita-Freundin würden wir am liebsten das Sagrotan-Fläschchen in die Hand drücken, damit sich unser Kind nicht ansteckt. Oder ein: „Geht schon, ich komm’ zurecht“, auch wenn eigentlich gar nichts mehr geht. Oder wütende Ausfälle gegen Ex-Partner, Jugendamt und Co, die einem „das Leben zur Hölle“ machen wollen. Schwach zu sein fühlt sich nicht schön an. Angriff und Kontrolle, oder aber Flucht und Rückzug, sind wohl noch immer in uns einprogrammiert, wenn wir uns bedroht fühlen. Und was anderes als eine Bedrohung ist das Gefühl von Schwäche in einem Leben, das so absolut nötig zu machen scheint, stark zu sein?

Leben mit allen Facetten

Ich will hier nicht dafür plädieren, sich haltlos Gefühlen von Ohnmacht und Hilflosigkeit hinzugeben. Auch kein: „Ich bin so schwach, ich kann eh nichts tun!“
Aber wie reagieren wir, wenn tatsächlich mal nichts mehr geht? 40 Grad Fieber und das eine Woche lang? Autounfall und ein gebrochenes Bein? Oder seelische Schwere, die uns so gefangen hält, dass einfach nichts mehr möglich ist? Für unsere Kinder – und letztlich für uns selbst – suchen wir uns in diesen Extremsituationen doch meist Hilfe. Dann reist doch die Mutter aus 300km Entfernung an. Wir holen uns bei einer Beratungsstelle Unterstützung oder gehen zur Mutter-Kind-Kur. Wenn „nichts mehr geht“, bewegt sich oft gerade etwas…

Warum die Stärke, die wir offensichtlich in solchen Momenten existentieller Schwäche mobilisieren können, nicht bereits nutzen, wenn es uns nur mal „nicht so gut“ geht? Indem wir uns bereits da einen Tee kochen und ihn, wenn die Kinder im Bett sind, wirklich genießen; indem wir uns bewusst mit Menschen verabreden und austauschen, durch deren Gegenwart wir uns gestärkt fühlen – und den Kontakt zu denen, die uns schwächen, auf ein Minimum beschränken? Schwäche fordert oft Klarheit heraus: Was ist mir wirklich wichtig? Wofür mag ich mich wirklich einsetzen, wofür mag ich kämpfen – und was lohnt meine Anstrengung, meine Bereitschaft letztlich nicht? Schwach sein, auch wirklich körperlich, macht mich im besten Fall ehrlich: zu mir und zu anderen.

Keine „Mistress Proper“, die alles im Griff hat, eher eine wirklich starke Frau mit allen Facetten!:-)

Beruf, Familie, Gesellschaft

Digital ahoi! Was Facebook, Amazon und Google für unsere Gesellschaft bedeuten

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Ende April 2018 erscheint in der Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ ein Interview mit dem Philosophen Richard David Precht über Digitalisierung, Visionen der „Big Players“ des Silicon Valley und die sich potentiell daraus ergebenden gesellschaftlichen Folgen. Zwei Sätze bleiben mir in Erinnerung:

Weiterlesen „Digital ahoi! Was Facebook, Amazon und Google für unsere Gesellschaft bedeuten“

alleinerziehend, Familie, Partnerschaft

Sex… äh, Zoo mit dem Ex

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Über Sex mit dem Ex gibt es (online) gefühlt mehrere Ratgeberregalmeter: „Bringt nix: (selbst-) verletzend.“ – „Warum nicht?“ – „Bloß nicht!“

Über Zoo mit dem Ex konnte ich bisher nichts finden. Dabei kann die Frage durchaus relevant werden, jedenfalls, wenn man als Paar getrennt, jedoch nicht völlig zerstritten und Eltern eines gemeinsamen Kindes ist.

Alternativ zu „Zoo“ könnte ich einsetzen:
– Geburtstagsfrühstück mit Ex und (Geburtstags-) Kind
– Spiel(viertel)stunde des Ex mit Kind in ursprünglich gemeinsamer Wohnung im Kontext der Übergaben
– Abendliche Telefonate von Ex zu Ex.

Kein Sex. Aber – ja, ja, ja – Intimität. Weil sich ein Zoobesuch, ein Jahr nach der Trennung und harmonisch verlaufend, wie „Familie sein“ anfühlt und die Sehnsucht danach auf einmal wieder da ist? Weil das bei einem Geburtstagsfrühstück oder spontaner Spiel(viertel)stunde des Ex in der ehemals gemeinsamen Wohnung nicht anders ist, dazu jedoch noch das Konfliktpotential hinzukommt: „Du hast schon wieder…“ „Das ist wie damals, als…“, „Immer musst du…“. Und zuletzt, weil abendliche Telefonate naturgemäß dann stattfinden, wenn beide Parteien, erschöpft vom Tag, tendenziell offen und anlehnungsbedürftig, aber auch dünnhäutig und gereizt sind und dementsprechend auf mögliche aufkommende (Ex-) Beziehungsthemen reagieren.

Position 1: „Bringt nix: (selbst-) verletzend. Bloß nicht!“

Aus oben genannten Gründen: solange noch Wehmut über das Ende – oder gar Hoffnung auf ein Neuaufleben – der Beziehung besteht, Finger weg von allen Aktivitäten, die sich auch nur entfernt „beziehungsartig“ anfühlen! Ebenso, wenn noch ungeklärte Konflikte bestehen, die in den oben genannten Situationen allzu leicht wieder hochkochen können. Guter Indikator, ob man dem Ex-Partner wirklich neutral gegenüber steht: fühlen sich solche Momente der Nähe – denn das sind sie natürlich – einfach entspannt und freundschaftlich an? Oder ist da noch eine Spannung irgendwelcher Art (egal ob Anziehung oder Gereiztheit) und bleibt nach der Begegnung ein Gefühl von Verwirrung oder gar Sehnsucht – dann bist du noch nicht wirklich über den/die Ex hinweg. Aktivitäten wie die oben beschriebenen reißen dann nur Wunden auf, die sich gerade erst geschlossen haben und hindern dich am „Weitergehen“ zu einer möglichen neuen, hoffentlich freudvolleren, Beziehung. In all diesen Fällen: Sorge gut für dich – und lass es sein!:-)

Position 2: „Warum nicht?“

Ja, warum eigentlich nicht? Selbst wenn noch nicht alles 100% bereinigt, geklärt und neutral zwischen euch ist? Wird es das denn je sein – vor allem mit gemeinsamem Kind, das euch von Anfang an eine vollständige Trennung nicht möglich gemacht hat? Ist es da vielleicht sogar sinnvoll, den Umgang mit aufkommenden ambivalenten Gefühlen sozusagen zu „üben“? Die Konfrontation auch mit eigenen, noch bestehenden Sehnsüchten und Wünschen: bin ich nach einem „familienähnlichen“ Zoobesuch traurig, zeigt mir das eben, dass ich tatsächlich betrauere, dass mein Ex-Partner, unser Kind und ich nie (wieder) eine „heile Familie“ sein werden, als Vater-Mutter-Kind… und will ich mit meinem Ex-Partner tatsächlich eine Freundschaft aufbauen, ist vielleicht genau dieses Gefühl – und das Gespräch darüber – eine Basis dafür.

Ein schmaler Grat

Der berühmte schmale Grat wohl zwischen – tatsächlich – Selbstverletzung und vielleicht auch Selbstbetrug („so tun, als ob alles gut sei“) – und großer Offenheit sich selbst gegenüber und dem, was möglich ist. Dann kann „Zoo mit dem Ex“ freudvoll sein und doch Anlass zu einer Spur Wehmut geben – und beides ist okay. Beides ist auch erhellend in der Phase des Übergangs, in der die Beziehung klar beendet ist, die Gefühle jedoch sich erst endgültig sortieren müssen – auf beiden Seiten.

Hast du eine Meinung dazu? Ich freue mich über deinen Kommentar!

[PS. Wem’s aufgefallen ist: „Ex, Ex, Ex“ – Tribut an die Melodie des Textes, nicht mein persönlicher Sprachgebrauch… Zum Thema „Wie spreche ich über meine/n Nicht-Mehr-Partner/in“ habe ich hier mehr geschrieben:-)]