Familie, Gesellschaft, Politik

Was brauchen Familien wirklich? Aufruf zur Blogparade [JETZT bis 30.6.2019]

A0FC74CC-19FD-46F2-B0A8-F02F6F40BFD1

Bessere Kinderbetreuung, Steuerentlastung für Alleinerziehende? Bonbons für alle?! Was brauchen Familien wirklich?

Let’s talk about Familienpolitik

Am Muttertag (12.5.) habe ich hier im Blog einen kritischen Kommentar geschrieben, dass Mütter zwar oft gelobt und sogar idealisiert werden, ihnen im Alltag aber unnötig Steine in den Weg gelegt werden. Der Artikel fand viel Resonanz und einige der Kommentare bewegten mich, bei diesem Thema noch einmal genauer hinzusehen. 

Ich selbst bin, momentan mit einer 70%-Stelle, berufstätig und Mutter eines kleinen Sohnes, den ich, nach der Trennung von seinem Vater, mit diesem gemeinsam und zugleich „getrennt“ erziehe. Konkret heißt das, dass unser Sohn – mit wenigen Ausnahmen – entweder bei seinem Vater oder bei mir ist. Da wir Eltern uns zum Glück wieder ganz gut verstehen, stimmen wir uns in wichtigen Erziehungsfragen ab. Aber dennoch bin ich im Alltag oft allein mit meinem Kind und für mein Kind zuständig – wie sein Vater natürlich auch.

Gleiche Chancen in Familie und Beruf?

Nach der Geburt des ersten – und spätestens des zweiten – Kindes rutschen viele, zuvor durchaus gleichberechtigt lebende, Paare doch wieder in die Falle: „Mann als Familienernährer, Frau verdient dazu, mit Teilzeitjob“. Zum einen, da es sich aufgrund des im Schnitt in Deutschland nachwievor etwa 20% höheren Einkommens männlicher Arbeitnehmer (vlg. Statistisches Bundesamt, 2018) eher „lohnt“, dass der Mann das Familieneinkommen verdient. Zum anderen aber natürlich auch aufgrund der noch immer in vielen Unternehmen und Institutionen bestehenden „Kopplung“ von Vollzeitarbeit und Karriere. Zwar müssen auch interessante Positionen grundsätzlich für Teilzeitkräfte ausgeschrieben werden – tendenziell bekommt die Stelle betriebs-, bzw. institutionsintern aber doch oft derjenige, der eben mehr arbeits- und zeitintensive Extraaufgaben übernehmen kann und zeitlich verfügbarer ist. Und das sind dann häufig eben nicht die Mütter unter den Mitarbeiter/innen. Weniger Karriere, weniger Geld – also bleibt „frau“ lieber zuhause, bzw. sucht ihre Erfüllung in Tätigkeiten außerhalb des beruflichen Kontexts, was die oben genannte Schieflage verstärkt. 

„Die will doch gar keine Karriere machen!“

Zu argumentieren, das langsamere berufliche Vorankommen weiblicher Mitarbeiter liege an fehlendem „Karrierewillen“, halte ich für (mehr oder weniger) subtil abwertend und diskriminierend. Vermutlich stimmt es, dass wenige Frauen ihre Kinder so selten sehen möchten, wie das bei vielen Vätern der heutigen Großelterngeneration aufgrund ihrer beruflichen Karrieren der Fall war. Papa (spät) abends und am Wochenende – ich kann verstehen, dass dieses Modell vielen Frauen nicht als reizvoll erscheint – vielen Männern übrigens wohl auch nicht. 

Umgekehrt sollte es Männern UND Frauen möglich sein, beruflich interessante Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen und, damit einhergehend, auch entsprechend zu verdienen, auch mit eigenen Kindern. Dies wird aber noch immer blockiert durch Betriebsstrukturen, die weder Gleitzeit noch flexible Arbeitszeitkonten vorsehen oder, außerhalb der Arbeitsstätten, durch zeitlich und örtlich unzureichende (gute) Kinderbetreuungsmöglichkeiten. 

Extra-Belastung für Allein- und Getrennterziehende 

Verschärfend für Allein- und Getrennterziehende kommt hinzu, dass viele keinen Partner im Rücken haben, der sie organisatorisch und mental entlastet. Da noch immer über 90% aller Alleinerziehenden Frauen sind, kämpfen hier vor allem Mütter an zwei Fronten: einerseits (aufgrund finanzieller Notwendigkeit) oft in Vollzeit berufstätig, stemmen sie zusätzlich den deutlich größeren Teil der privaten Organisations- und Fürsorge-Arbeit. Überhaupt über die Runden zu kommen erscheint dadurch oft wichtiger als in irgendeiner Weise „Karriere“ zu machen.

Meiner Meinung nach liegt das grundsätzliche Problem aber tiefer: So spukt in den Köpfen vieler Chefs und Chefinnen und sonstiger Entscheidungsträger/innen wohl noch immer die Unterteilung in bezahlte, außerhäusliche und somit per se „wertvolle“, Arbeit und kaum sichtbare, unbezahlte, häusliche Fürsorge-Arbeit herum. Auch in Unternehmen selbst erwerben Tätigkeiten, die einen rationalen, analytischen Zugang erfordern (Verwaltung, Controlling, Medienbetreuung,  etc.) oft das Renomee der „wichtigen“ Aufgaben, während Tätigkeiten, die eher kommunikative und soziale Kompetenz erfordern (Personalwesen, Beratung, Ansprechpartner/in für soziale Fragen etc.) den Ruf haben, tendenziell weniger „anspruchsvoll“ oder gar entbehrlich zu sein. Dass gerade diese Aufgaben häufig von Frauen übernommen werden, verschlechtert also noch einmal deren berufliche Situation. Hier müsste entweder ein Umdenken seitens der weiblichen Mitarbeiter geschehen, sich vermeintlich „trockene“ Aufgaben aus dem analytischen Bereich zuzutrauen und sie auch zu übernehmen – oder eben eine Aufwertung der beruflichen Fürsorge-Arbeit. Ein Unternehmen mit diskriminierender Personalpolitik und ohne tragfähige soziale Strukturen ist auf lange Sicht vermutlich deutlich weniger erfolgreich als eines, das über diese „Soft Skills“ verfügt. 

Familienpolitik = Frauensache? 

Interessanterweise sind es dennoch oft nur (oder vor allem) Frauen, die sich für Geschlechtergerechtigkeit, die Anerkennung und Bezahlung von Fürsorge-Arbeit und familienfreundliche Arbeitszeiten einsetzen oder überhaupt für diese Themen interessieren. Warum ist das so?!

Mir bleibt ein Satz meiner „Blogger-Kollegin“ Mama-Minimalista (selbst alleinerziehende Mutter eines Sohns im Kindergartenalter) hängen: „Wir brauchen keine Super-Mamas – wir brauchen Super-Bedingungen für Mamas“ (und für Papas natürlich). 

Aufruf zur Blogparade

Wie sehen diese Bedingungen eurer Meinung nach aus?

Was brauchen Familien wirklich? Und wie kommen wir dorthin? 

Wollt ihr an dieser Blogparade teilnehmen? So geht’s:

  1. Schreibt bis zum 30.06.2018 (Frist verlängert!) euren Artikel zu der Frage: „Was brauchen Familien wirklich?“
  2. Schreibt unter diesen Artikel einen Kommentar mit dem Link zu eurem Artikel.
  3. Erwähnt und verlinkt diese Blogparade in eurem Beitrag.

Habt ihr keinen eigenen Blog, freue ich mich dennoch sehr über eure Meinung: einfach im Kommentarfeld unten eintragen und LOS!

Ich hoffe – und freue mich – auf einen regen Austausch!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

18 Gedanken zu „Was brauchen Familien wirklich? Aufruf zur Blogparade [JETZT bis 30.6.2019]“

  1. Ein (aus meiner Sicht) sehr ausgewogener Artikel. Den könnte ich nun mitunterzeichnen. Die viel schwierigere Frage ist allerdings Dein Aufruf: was braucht es für Familien… um in Balance zu bleiben? Was bedarf es für alleinerziehende Eltern an Unterstützung, was kann die Gesellschaft leisten? Da muss ich schwer nachdenken. Danke erst einmal für diesen Blogbeitrag.

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Tilman,
      danke für deinen Kommentar und für’s erste Gedankenmachen!
      Ja, einfach wäre ja auch langweilig!😉 Bin mal gespannt, wer sich – in welcher Form – an einer Antwort versucht!
      Ich habe übrigens auch keine simple Antwort parat – schon allein, weil ja definitiv nicht alle Familien gleich sind und das Gleiche brauchen. Und weil ich, für mich persönlich, auch keine Lust habe, politische Floskeln nachzuplappern – und für eigene Gedanken ist das Thema eben ziemlich komplex.
      Schönen Abend dir, Sunnybee

      Liken

    1. Liebe Lydia,
      ich freue mich sehr über deinen Beitrag zur Blogparade!
      Ja, Vertrauen sehe ich auch als eine Grundlage für ein gelingendes Familienleben an. Zum Glück wurde mir selbst dieses Vertrauen als Kind, Jugendliche und junge Erwachsene geschenkt. Ich habe es sehr zu schätzen gewusst und hoffe, ich kann diese Erfahrung nun wiederum an meinen Sohn weitergeben. Noch, mit 3, muss ich ihn ja nicht weit ziehen lassen – aber bereits jetzt kann ich ihm zeigen, dass ich ihm vieles zutraue und ihm dabei auch vertraue. Ich hoffe, ich helfe ihm so auch, Vertrauen in sich selbst zu entwickeln!
      Liebe Grüße, Sunnybee

      Gefällt 1 Person

    1. Liebe Charlotte,
      wie schön, dass du dir im ganzen Schul- und Alltagstrubel die Zeit genommen hast, an meiner Blogparade teilzunehmen. Ganz herzlichen Dank für deinen Beitrag!🙂
      Ich finde deine Gedanken wertvoll, v.a. dein Appell am Ende des Artikels, dass gerade Kindern, die „anecken“, weil ihre Seelen (und ggf. die ihrer Eltern) verletzt sind, nicht Abwertung und Ausgrenzung, sondern aktive Unterstützung brauchen und viel einfacher bekommen sollten. Ja, das IST wichtig!
      Herzlichen Dank für deine Gedanken, Sunnybee

      PS. Der Link zu deinem Beitrag funktioniert leider nicht, der Artikel erscheint aber auf deiner Startseite (https://charlottesadoptionsblog.com). Evtl. könntest du da nochmal der Technik „auf die Finger schauen“? Danke!

      Gefällt 1 Person

    1. Wow, Nadine,
      danke für deinen klugen, kämpferischen Blogparaden-Beitrag! Ich würde sogar soweit gehen zu sagen: Lasst uns schlicht die Möglichkeit zu Teilzeit-Arbeit fordern mit wirklich denselben Karrierechancen – das kommt dann auf deinen Vorschlag „mehr Cash für (phasenweise) weniger Stunden“ heraus.

      Aber vielleicht müssen wir noch viel weiter denken, nämlich nicht unser ganzes privates Leben um die Arbeit herumbauen. Ich arbeite selbst sehr gerne in meinem Beruf, hier schreibe ich z.B. darüber – aber die Phasen, in denen ich quasi nur dafür lebe, irgendwo zwischen Arbeitsberg und Familienaufgaben zu „überleben“ hasse ich und sie bringen mich immer wieder dazu, den Sinn des ganzen Konstrukts (Arbeiten für einen gewissen Lebensstandard, dann aber keine Zeit und Energie haben, diesen Standard wirklich zu genießen) in Frage zu stellen. Und da klage ich noch auf hohem Niveau: viele Eltern müssen sich ja beruflich verausgaben und werden noch nicht mal angemessen bezahlt (z.B. Erzieher/innen). Absurd, welche Forderungen da an deinen Mann herangetragen werden!

      Aber ich will nicht (nur) schimpfen. Du hast Recht: wenn uns was (massiv) stört, lass es uns zunächst selbst anders machen, darüber reden und andere daran teilhaben lassen – das zieht, daran glaube ich fest, auch seine Kreise!
      Herzlichen Gruß (das war jetzt eine lange Antwort!🙂), Sunnybee

      Liken

Schreibe eine Antwort zu Sunnybee Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s