Familie, Gesellschaft, Politik

Was brauchen Familien wirklich? Aufruf zur Blogparade [bis 15.6.2019]

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Bessere Kinderbetreuung, Steuerentlastung für Alleinerziehende? Bonbons für alle?! Was brauchen Familien wirklich?

Let’s talk about Familienpolitik

Am Muttertag (12.5.) habe ich hier im Blog einen kritischen Kommentar geschrieben, dass Mütter zwar oft gelobt und sogar idealisiert werden, ihnen im Alltag aber unnötig Steine in den Weg gelegt werden. Der Artikel fand viel Resonanz und einige der Kommentare bewegten mich, bei diesem Thema noch einmal genauer hinzusehen. 

Ich selbst bin, momentan mit einer 70%-Stelle, berufstätig und Mutter eines kleinen Sohnes, den ich, nach der Trennung von seinem Vater, mit diesem gemeinsam und zugleich „getrennt“ erziehe. Konkret heißt das, dass unser Sohn – mit wenigen Ausnahmen – entweder bei seinem Vater oder bei mir ist. Da wir Eltern uns zum Glück wieder ganz gut verstehen, stimmen wir uns in wichtigen Erziehungsfragen ab. Aber dennoch bin ich im Alltag oft allein mit meinem Kind und für mein Kind zuständig – wie sein Vater natürlich auch.

Gleiche Chancen in Familie und Beruf?

Nach der Geburt des ersten – und spätestens des zweiten – Kindes rutschen viele, zuvor durchaus gleichberechtigt lebende, Paare doch wieder in die Falle: „Mann als Familienernährer, Frau verdient dazu, mit Teilzeitjob“. Zum einen, da es sich aufgrund des im Schnitt in Deutschland nachwievor etwa 20% höheren Einkommens männlicher Arbeitnehmer (vlg. Statistisches Bundesamt, 2018) eher „lohnt“, dass der Mann das Familieneinkommen verdient. Zum anderen aber natürlich auch aufgrund der noch immer in vielen Unternehmen und Institutionen bestehenden „Kopplung“ von Vollzeitarbeit und Karriere. Zwar müssen auch interessante Positionen grundsätzlich für Teilzeitkräfte ausgeschrieben werden – tendenziell bekommt die Stelle betriebs-, bzw. institutionsintern aber doch oft derjenige, der eben mehr arbeits- und zeitintensive Extraaufgaben übernehmen kann und zeitlich verfügbarer ist. Und das sind dann häufig eben nicht die Mütter unter den Mitarbeiter/innen. Weniger Karriere, weniger Geld – also bleibt „frau“ lieber zuhause, bzw. sucht ihre Erfüllung in Tätigkeiten außerhalb des beruflichen Kontexts, was die oben genannte Schieflage verstärkt. 

„Die will doch gar keine Karriere machen!“

Zu argumentieren, das langsamere berufliche Vorankommen weiblicher Mitarbeiter liege an fehlendem „Karrierewillen“, halte ich für (mehr oder weniger) subtil abwertend und diskriminierend. Vermutlich stimmt es, dass wenige Frauen ihre Kinder so selten sehen möchten, wie das bei vielen Vätern der heutigen Großelterngeneration aufgrund ihrer beruflichen Karrieren der Fall war. Papa (spät) abends und am Wochenende – ich kann verstehen, dass dieses Modell vielen Frauen nicht als reizvoll erscheint – vielen Männern übrigens wohl auch nicht. 

Umgekehrt sollte es Männern UND Frauen möglich sein, beruflich interessante Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen und, damit einhergehend, auch entsprechend zu verdienen, auch mit eigenen Kindern. Dies wird aber noch immer blockiert durch Betriebsstrukturen, die weder Gleitzeit noch flexible Arbeitszeitkonten vorsehen oder, außerhalb der Arbeitsstätten, durch zeitlich und örtlich unzureichende (gute) Kinderbetreuungsmöglichkeiten. 

Extra-Belastung für Allein- und Getrennterziehende 

Verschärfend für Allein- und Getrennterziehende kommt hinzu, dass viele keinen Partner im Rücken haben, der sie organisatorisch und mental entlastet. Da noch immer über 90% aller Alleinerziehenden Frauen sind, kämpfen hier vor allem Mütter an zwei Fronten: einerseits (aufgrund finanzieller Notwendigkeit) oft in Vollzeit berufstätig, stemmen sie zusätzlich den deutlich größeren Teil der privaten Organisations- und Fürsorge-Arbeit. Überhaupt über die Runden zu kommen erscheint dadurch oft wichtiger als in irgendeiner Weise „Karriere“ zu machen.

Meiner Meinung nach liegt das grundsätzliche Problem aber tiefer: So spukt in den Köpfen vieler Chefs und Chefinnen und sonstiger Entscheidungsträger/innen wohl noch immer die Unterteilung in bezahlte, außerhäusliche und somit per se „wertvolle“, Arbeit und kaum sichtbare, unbezahlte, häusliche Fürsorge-Arbeit herum. Auch in Unternehmen selbst erwerben Tätigkeiten, die einen rationalen, analytischen Zugang erfordern (Verwaltung, Controlling, Medienbetreuung,  etc.) oft das Renomee der „wichtigen“ Aufgaben, während Tätigkeiten, die eher kommunikative und soziale Kompetenz erfordern (Personalwesen, Beratung, Ansprechpartner/in für soziale Fragen etc.) den Ruf haben, tendenziell weniger „anspruchsvoll“ oder gar entbehrlich zu sein. Dass gerade diese Aufgaben häufig von Frauen übernommen werden, verschlechtert also noch einmal deren berufliche Situation. Hier müsste entweder ein Umdenken seitens der weiblichen Mitarbeiter geschehen, sich vermeintlich „trockene“ Aufgaben aus dem analytischen Bereich zuzutrauen und sie auch zu übernehmen – oder eben eine Aufwertung der beruflichen Fürsorge-Arbeit. Ein Unternehmen mit diskriminierender Personalpolitik und ohne tragfähige soziale Strukturen ist auf lange Sicht vermutlich deutlich weniger erfolgreich als eines, das über diese „Soft Skills“ verfügt. 

Familienpolitik = Frauensache? 

Interessanterweise sind es dennoch oft nur (oder vor allem) Frauen, die sich für Geschlechtergerechtigkeit, die Anerkennung und Bezahlung von Fürsorge-Arbeit und familienfreundliche Arbeitszeiten einsetzen oder überhaupt für diese Themen interessieren. Warum ist das so?!

Mir bleibt ein Satz meiner „Blogger-Kollegin“ Mama-Minimalista (selbst alleinerziehende Mutter eines Sohns im Kindergartenalter) hängen: „Wir brauchen keine Super-Mamas – wir brauchen Super-Bedingungen für Mamas“ (und für Papas natürlich). 

Aufruf zur Blogparade

Wie sehen diese Bedingungen eurer Meinung nach aus?

Was brauchen Familien wirklich? Und wie kommen wir dorthin? 

Wollt ihr an dieser Blogparade teilnehmen? So geht’s:

  1. Schreibt bis zum 15.06.2018 euren Artikel zu der Frage: „Was brauchen Familien wirklich?“
  2. Schreibt unter diesen Artikel einen Kommentar mit dem Link zu eurem Artikel.
  3. Erwähnt und verlinkt diese Blogparade in eurem Beitrag.

Christina, Lydia, Lea, NatalieAnkeKathinka, Claire, Nadine, Tilman, Charlotte, Silke, Uta, ReginaEasterMama minimalista und ihr anderen tollen Bloggerinnen und Blogger da draußen – habt Ihr Lust, mitzumachen? Aus Eltern- und Großelternsicht, aus Frauen- und Männerperspektive, in Beziehung lebend oder allein, mit und ohne Kinder?

Habt ihr keinen eigenen Blog, freue ich mich dennoch sehr über eure Meinung: einfach im Kommentarfeld unten eintragen und LOS!

Ich hoffe – und freue mich – auf einen regen Austausch!

Herzlichen Gruß, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

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