Jungs weinen nicht? Oder sollten zumindest nicht weinen? Warum das Blödsinn ist und was wir tun können, um unsere Söhne in all ihren Gefühlen – also auch in Trauer und Wut – zu unterstützen, darüber schreibt Eltern-Coach Miriam Maja Gass in ihrem Gastbeitrag. Übrigens bereits dem zweiten für mutter-und-sohn.blog: Hier geht’s zu ihrem ersten Artikel. Als Mutter von zwei Söhnen freue ich mich besonders, Miriam gerade zu diesem Thema willkommen zu heißen!
Heute war ich eine Stunde lang auf verwunschenen Pfaden unterwegs. Zwischen knorrigen, umgestürzten Bäumen, hoch aufgetürmten Felshügeln und dicht bemoosten, umgestürzten Wegemarken. Das Ganze keine 900m Luftlinie von meinem Zuhause entfernt.
„Er hat sich dann gar nicht mehr angestellt.“ Das sagte vor einigen Wochen die Kita-Erzieherin meines Zweijährigen zu mir. Nachdem er monatelang gern in die Krippe gegangen war, weinte er beim Abgeben an der Tür auf einmal herzzerreißend. Mit den Erzieherinnen hatte ich schon herauszufinden versucht, was der Grund dafür sein konnte. Wirklich eine Antwort hatten wir nicht gefunden und offenbar spielte mein Sohn nach dem Anfangsschmerz auch zufrieden in der Gruppe. Also ließ ich ihn schweren Herzens bei seiner Erzieherin, allerdings mit der Bitte, sie solle sich melden, würde er sich nicht innerhalb von zehn Minuten beruhigen. Ihr Anruf, nur fünf Minuten später: „Es sei alles wieder gut, er habe schon zu spielen begonnen.“ Gute Nachricht! Aber dann dieser Satz: „Er hat sich schon beim Ausziehen der Jacke gar nicht mehr angestellt.“
„Sie strahlen immer so, das tut richtig gut!“ Mit einem Lächeln geht die Frau an mir vorbei. Ich lächle zurück – perplex. „Danke“, stottere ich, dann ist die nette Begegnung auch schon vorüber. „Wer war das nochmal?“, frage ich mich hinterher. Eine Lehrerin an der Schule meines Sohnes? Jedenfalls lächle ich jetzt selbst. Dabei ging es mir an diesem Tag gar nicht besonders gut.
Familie bleiben nach einer Trennung: gar nicht so einfach. Gegenseitige Missverständnisse, Wut und Trauer erschweren oft die Kommunikation. Der Alltag muss sich neu sortieren und als allein- oder getrennt erziehende Mutter oder allein- oder getrennt erziehender Vater darfst du erst einmal für dich klären: Wer bin ich und was will ich in dieser neuen Rolle? Mit Mediatorin Isabell Lütkehaus habe ich in ihrer Podcast-Reihe „Familie bleiben“ über gesellschaftliche Rahmenbedingungen für Alleinerziehende gesprochen, die Kommunikation als (Ex-) Partner und darüber, was nach einer Trennung wirklich helfen kann. Hier geht’s zur Podcast-Folge: