Familie, Gesellschaft, Politik

Corona und seine sozialen Folgen – Was macht das Virus gesellschaftlich mit uns?

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Seit zwei Wochen sind deutschlandweit Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten geschlossen. Es existiert zwar eine Kinder-Notbetreuung für Menschen in „systemrelevanten“ Berufen, die auf Initiative des VAMV NRW inzwischen auch für alleinerziehende Eltern leichter zugänglich ist (mehr Infos hier). Dennoch betreuen viele Eltern ihre Kinder momentan neben ihrer Arbeit auf unbestimmte Zeit in Vollzeit zuhause. Ein Großteil der Geschäfte in den Städten sowie alle sozialen Begegnungsstätten wie Kinos, Spielplätze oder Cafés sind offiziell geschlossen. Ihr Betreten und Betreiben wird streng geahndet. Viele Menschen gehen mehr oder weniger erfolgreich ihrer Arbeit im Homeoffice nach (insofern ihr Berufszweig nicht als systemrelevant eingestuft und Büroarbeit zuhause überhaupt möglich ist) und versuchen sich an die Veränderungen ihres Alltags zu gewöhnen. Polemisch könnte man sagen, Corona hat schon jetzt mehr in Bewegung gebracht als Greta Thunberg, Donald Trump und alle Bundestagspetitionen der letzten Monate zusammen.

Das Virus wählt nicht, wen es infiziert

Dabei ist Corona (Sars-CoV-2) lediglich ein Virus, das biologisch an seiner Verbreitung durch möglichst viele „Wirte“ interessiert ist. Und das ohne jede soziale und politische Unterscheidung. Das ist erst einmal nichts Neues. Auch frühere Infektionswellen, z.B. die der echten Grippe (Influenza) 2017/18, haben alle Teile der Bevölkerung erreicht. Laut den offiziellen Berichten des Robert-Koch-Instituts (2017/18, 2018/19) wurden bei der genannten Grippewelle in Deutschland 334.000 labordiagnostisch bestätigte Fälle registriert, die Gesamtzahl der influenza-bedingten Arztbesuche in der Saison 2017/18 schätzte das RKI auf rund 9 Millionen. Laut RKI waren 2017/18 deutschlandweit geschätzt 25.100 Todesfälle das Ergebnis der Grippewelle, davon 1674 laborbestätigt. Auch hier waren die meisten Toten (87% der Fälle) in der Altersgruppe der über 60-Jährigen zu beklagen. Und auch damals galt in Deutschland das bereits 2001 eingeführte Infektionsschutzgesetz.

Was gerade das Leben der meisten auf den Kopf stellt, ist also gar nicht das Virus selbst, bzw. die konkrete eigene Erkrankung, sondern die politischen Maßnahmen, die weltweit Regierungen zu seiner Eindämmung umsetzen und womöglich noch umfassender umsetzen werden. Auch in Deutschland folgte in den letzten Wochen innerhalb kürzester Zeit eine politische Entscheidung der anderen mit definitiv weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Wie gravierend die Wirkung dieser Beschlüsse – im positiven wie negativen Sinn – sein wird, lässt sich momentan noch gar nicht abschätzen. Natürlich auch nicht, wie wirkungsvoll in Bezug auf die langfristige Verbreitung des Virus’. Entsprechend kursiert momentan z.B. in sozialen Netzwerken auch das ganze Spektrum der Standpunkte von „Das reicht noch lange nicht, strikte Ausgangssperre und Virentests für ALLE“ bis hin zu „alles übertrieben, so gefährlich ist das Virus gar nicht“.

Die Wahrheit ist schwer zu erkennen

Was wahr ist? Für den oder die einzelne schwer zu überblicken. Für alle Positionen melden sich mehr oder weniger kompetente „Expert/innen“ zu Wort, manchmal in den etablierten Medien, oft genug aber direkt in sozialen Netzwerken, wo noch der größte Blödsinn rasant Verbreitung findet. Ich fühle mich in diesem Zusammenhang stark an Diskussionen zur verantwortungsvollen Mediennutzung erinnert, die ich vor einem halben Jahr mit meinen Schülerinnen und Schülern führte. Der Begriff „Fake News“ für die bewusste Verbreitung von Falsch-, bzw. aus dem Zusammenhang gerissenen Teilinformationen zu manipulativen Zwecken hatte sich gerade etabliert. Und längst war klar, dass dafür nicht nur dubiose politische Vertreter oder die Tabloids dieser Welt verantwortlich gemacht werden konnten – spätestens der Relotius-Skandal des Spiegels, in dem der Star der Redaktion sich als geschickter und über Jahre unenttarnter Fälscher herausstellte, machte deutlich: auch seriöse Medien sind nicht in jedem Fall Garant für Meldungen, die der Wahrheit entsprechen.

Allerdings greifen bei etablierten Zeitungen und Fernsehformaten doch meist mehrere Kontrollinstanzen, bevor eine Meldung oder ein Kommentar den Weg ins Blatt, auf die Website oder „on air“ findet. Die Chance, fehlerhafte Informationen aufzudecken oder schlecht begründete Positionen zu hinterfragen, ist so zumindest größer. Menschen konsumieren aber nicht nur „seriöse Medien“ und hinterfragen nicht jede Information rational. Meinungsbildend ist vielmehr oft eine wilde Mischung aus Nachrichten, die ich von Freunden von Freunden erfahre, aus aufgeschnappten Schlagzeilen und einem diffusen „Gefühl“, das mich die aufgenommenen Informationen vorfiltern lässt. Die Sozialpsychologie bezeichnet letzteres als „Confirmation Bias“, die Tendenz also, den Informationen in unserer Wahrnehmung Priorität zu geben, die zu unseren Wertvorstellungen und inhärenten Erwartungen passen. Sehr vereinfacht gesagt: erwarte ich z.B. von politischer Seite klare Vorgaben und damit Orientierung, mag es mich erleichtern, dass jetzt offensichtlich gehandelt wird – wie sinn- und wirkungsvoll die einzelnen Maßnahmen letztlich auch sein werden. Entsprechend positiv nehme ich Meldungen auf, die dieses Vorgehen unterstützen. Kritische Stimmen, die z.B. die Beschränkungen demokratischer Grundrechte im Rahmen des Infektionsschutzes hinterfragen, dringen dann gar nicht zu mir durch. Stehe ich dem rigorosen Vorgehen politischer Institutionen und ihren Vertretern eher kritisch gegenüber, verstehe ich dieselben Maßnehmen womöglich als Aktionismus, sträube mich (innerlich) gegen sie und suche nach Argumenten dagegen. Wohlgemerkt, ohne dass zum jetzigen Zeitpunkt irgendjemand weiß, was wirklich langfristig sinnvoll ist.

Vermutlich reicht allein dieser Satz dafür aus, meinen Artikel in der Wahrnehmung einiger als „gefährliche Relativierung“ der Corona-Gefahr zu diskreditieren. Dabei geht es mir, wie ich bereits einmal geschrieben habe, keineswegs darum, in Frage zu stellen, dass Schutzmaßnahmen wie das „Social Distancing“, also soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, bzw. im Kontakt Vorsichtsmaßnahmen zum Infektionsschutz einzuhalten, während einer Infektionswelle sinnvoll sind. Sie waren es bereits während aller vorgehenden Epidemien.

Die Schwachen der Gesellschaft sind nicht nur Alte und Kranke

Mir geht es andererseits aber darum, auch die Kosten des aktuell in einmaliger Strenge durchgesetzten „Social Distancings“ (inklusive Kontakt- und in manchen Regionen sogar herrschender Ausgangssperre) aufzuzeigen. Einen sehr guten Artikel hierzu veröffentlichte vor einigen Tagen z.B. Uta Kletzing, Referentin für Geschlechterpolitik im Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Hauptargument, mit der alle gesellschaftlichen Einschränkungen momentan begründet werden, ist der Schutz der Schwachen der Gesellschaft. Das empfinde ich als äußerst positiv und natürlich als unterstützenswert. Allerdings zählen meiner Meinung nach dazu gerade auch Menschen, die durch die Vorgaben des Social Distancing besonders belastet werden.

Wiederum polemisch formuliert: es ist relativ einfach, sich sozial zu distanzieren, wenn ich im Eigenheim mit Garten mit zwei berufstätigen Elternteilen weiter im „Home-Office“ Geld verdienen kann, meine Kinder per Skype die Online-Aufgaben meiner engagierten Lehrer/innen lösen und einer von uns einmal pro Woche mit dem Auto zum Supermarkt fährt, um die Familie mit der nächsten Lebensmittelration einzudecken. Natürlich mag mich die aktuelle Situation auch dann psychisch belasten und verunsichern, aber sie droht mir zumindest nicht langfristig zu schaden. Weniger einfach gestaltet sich meine Situation, wenn ich in einer Dreizimmer-Stadtwohnung ohne Balkon zu fünft oder sechst versuche, den Alltag zu bewältigen, als Kleinunternehmer/in oder Selbständige/r gerade um meine Existenz kämpfe, wenn ich als Mutter oder Vater ohnehin schon Probleme habe, Struktur in mein Leben zu bekommen oder die deutsche Sprache kaum beherrsche und nicht mal verstehe, was die Lehrer/innen in den Online-Aufgaben von meinem Kind wollen. Noch desolater, wenn ich als Kind in einem Zuhause lebe, in dem Gewalt, Suchterkrankungen oder gar Missbrauch das Leben der Familie bestimmen, wenn ich erleben muss, dass die momentane Situation Umgangsstreitigkeiten zwischen meinen getrennt lebenden Eltern neu entfacht oder auch, wenn ich als Kind einfach nur für Wochen vor TV und Play Station „geparkt“ werde, weil meine Eltern eben keine Lernvideos mit mir ansehen oder Solidaritäts-Regenbogen-Fensterbilder malen.

Alte Menschen, die psychisch und körperlich gesund, sozial gut eingebunden und noch mobil sind, können sich de facto durchaus selbst schützen, indem sie die momentanen Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Auch hier habe ich bereits Reaktionen erlebt, die mich erschrecken und etwa dem Tenor entsprechen, man müsse „die Alten über 60“ sozusagen vor sich selbst retten, wenn sie trotz dringlichen Rats der Regierung ihre Wohnung verlassen oder gar ihre Enkel besuchen wollten. Sorry, aber wir sprechen hier von erwachsenen, mündigen Menschen…

Zudem dürfte vielen Menschen über 60 die Einhaltung der Maßnahmen zum Infektionsschutz um einiges leichter fallen als z.B. einer alleinerziehende Mutter, die im Supermarkt oder in der Krankenpflege arbeitet und einfach keine andere Wahl hat, als ihren Beruf weiter auszuüben und damit zur potentiellen Corona-Kontaktperson zu werden. Auch leichter als allen Kinder aus sozial prekären Verhältnissen, die ohne Kindergarten und Schule ihren Familienangehörigen potentiell noch schutzloser als sonst ausgeliefert sind. Leichter als sozial isolierten oder psychisch labilen Menschen, deren Halt vielleicht gerade die Berufstätigkeit außer Haus und die damit einhergehenden sozialen Kontakte waren. Leichter als Menschen in Frauenhäusern, Flüchtlingsheimen und Noteinrichtungen für Obdachlose – und den Verantwortlichen, die diese Einrichtungen am Laufen halten.

Was kann Corona uns lehren?

Corona und all seine sozialen Folgen sind hoffentlich ein temporärer Ausnahmezustand. Umso mehr sei die Frage erlaubt, warum und mit welcher Konsequenz wir gerade so radikal reagieren. Und was wir als Gesellschaft tun können, um in Zukunft zu vermeiden, dass ein Krankheitserreger unser Gesundheitssystem und all unsere sozialen Routinen in Frage stellt.

Unsere Solidarität sollte sich dabei nicht in Regenbogenbildern oder dem abendlichen Klatschen auf dem Balkon fürs Pflegepersonal erschöpfen. Sinnvollerweise engagieren wir uns lieber dafür, dass genau dieses Pflegepersonal auch in Nicht-Krisenzeiten angemessen bezahlt und nicht hoffnungslos überlastet wird (was, ganz nebenbei, auch unseren Eltern und Großeltern in Senioren- und Pflegeheimen zugute kommt). Dass Eltern ihren Fürsorge- und Bildungsauftrag im Rahmen der Care-Arbeit nicht unentgeltlich neben ihrer finanziell honorierten Berufstätigkeit ausüben müssen. Begleitung bei den schulischen Aufgaben, Kleinkindbetreuung und Beruf zur selben Zeit? Auch in Nicht-Corona-Zeiten tragen v.a. Frauen genau diese Last in vielen Familien, ohne dass dies bisher zu weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen führte.

Dass wir durch Corona wieder mehr mit unseren Mitmenschen in Kontakt kommen, gezielter konsumieren und hinterfragen, wer mit welcher Berechtigung den größten Teil vom sozialen Kuchen abbekommt, ist eine positive Begleiterscheinung der Krise. Ich wünsche mir allerdings, dass wir bei aller Bereitschaft, uns zum Wohl anderer in unserer Freiheit einzuschränken, sehr wach bleiben, was unsere Demokratie und die in ihr vertretenen Rechte angeht. Diese sind, wie man gerade sieht, keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen immer wieder neu durch unser Handeln bestärkt und aufrechterhalten werden

Ich hoffe nur, dass nach Corona auch diese Fragen noch relevant sind und nicht mit einem möglichen Impfstoff und der daraus resultierenden Entwarnung alles wieder zum Status Quo übergeht. Eines haben uns das „Social Distancing“ und die massiven persönlichen Einschränkungen aufgrund von Corona nämlich jetzt schon gezeigt: wir können als Einzelne und als Gesellschaft verdammt schnell verdammt viel bewirken. Die Straßen sind auf einmal freier, die Ozonwerte vielerorts besser, Menschen rücken (virtuell) enger zusammen und machen sich tatsächlich Gedanken um ihre Nächsten. Menschen reagieren aber auch mit Panik und fordern Maßnahmen des Staates, die unsere Grundrechte beschneiden.

Insofern liegt in dieser Krise tatsächlich die Chance zur Veränderung. Ob diese positiv oder negativ sein wird, wird die Zukunft zeigen. Wir gestalten sie jedenfalls durch unser Verhalten mit.

Herzlichen Gruß, Sarah

[Foto: Pixabay]

Die Autorin (M.A.) ist Studienrätin an einer Schule des 2. Bildungsweges, Mutter eines Sohnes im Kindergartenalter und veröffentlicht seit 2018 ihre Gedanken zu gesellschaftlichen Themen auf ihrem Blog mutter-und-sohn.blog.

9 Gedanken zu „Corona und seine sozialen Folgen – Was macht das Virus gesellschaftlich mit uns?“

  1. Liebe Sarah,
    ein wirklich toller und wahrer Text, vielen Dank dafür! Lass mich nur an einer Stelle etwas klugscheißen: Vermutlich meinst Du nicht wirklich Ozonwerte sondern CO2 und/oder Feinstaub. Ozon wird im Sommer wieder relevant, wenn es heiß wird. Was momentan aber wirklich massiv zurückgeht, ist die Luftverschmutzung durch Abgase.
    liebe Grüße
    Lea

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    1. Danke!🙂 Ja, und ich meine natürlich die Luftverschmutzung u.a. durch Autoabgase. In Städten führt die durch die Umwandlung der Emissionen ja auch zu erhöhten Ozonwerten, soweit ich weiß? Anderes Thema als Corona und in den Medien gerade komplett verdrängt; meiner Meinung nach nicht weniger wichtig. Lg, Sarah

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  2. Danke für deinen tollen Text! Ich mache mir auch viele Gedanken, wie es anderen Menschen jetzt geht. Menschen, die nicht wie ich das Glück haben, eine Wohnung, Home Office, einen vollen Kühlschrank usw. zu haben.
    Ich hoffe auch sehr, dass sich durch Corona etwas in der Gesellschaft verschiebt. Ich merke bei mir selbst, wie ich auf so viel unnötigen Konsum und Herumfahren leicht verzichten kann. Wie mir die auferlegte Ruhe gut tut. Und wie die Angst, die ich spüre, in soo vielen anderen Menschen weltweit haust. Und wie uns das gemeinsame Durchstehen alle irgendwie verbindet.

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    1. Danke für deinen Kommentar!🙂 Ja, ich empfinde ein Bild, das mehr als eine Perspektive zeigt, gerade in einer solchen Ausnahmesituation als sehr wichtig. Und (weiter) Fragen zu stellen, sich nicht nur auf die Antworten anderer zu verlassen. Ich denke, damit sich in unserer Gesellschaft ggf. etwas zum Positiven verschiebt, dürfen wir die Fragen, die jetzt aufkommen (z.B. warum werden viele Menschen in offensichtlich „systemrelevanten“ Berufen so schlecht bezahlt?) nicht wieder vergessen, sobald wir die Krise überstanden haben. Ich denke, das wäre ein kraftvoller Impuls, den uns diese Zeit der Angst und Verunsicherung geben könnte. Mal sehen, was die Zukunft bringt!😅 Herzlichen Gruß, Sarah

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  3. Keine Sorge! Das mit der Luftverschmutzung kriegen wir wieder hin, sobald das vorbei ist. Die Chinesen fangen schon, ein bißchen verfrüht vielleicht, an. Dann rauchen die Schornsteine wieder und röhren die Poser durch die verkehrsberuhigten Innenstädte!
    Die Bezahlung der systemrelevanten Typen paßt. Mancher Schauspieler wäre froh, er bekäme so viel Applaus! Geld? Ach so, schon wieder der schnöde Mammon! Aber sogar die Geringverdiener im Bundestag haben geklatscht, ist das nichts? Außerdem wird in den Bereichen genug verdient. Reden wir mal nicht über Chefärzte, Besitzer von Pflegediensten und dergleichen Nutznießer unserer Sozialversicherungsbeiträge, sondern ausnahmsweise über Betreiber von Supermärkten, Besitzer ganzer Ketten, die Fertigfutterindustriebosse – nein, das sind keine Armen. Von wem redet ihr alle? Von alleinerziehenden Supermarktverkäuferinnen, die trotz Versprechungen keine Kinderbetreuung abbekommen, z.B. weil ihr behindertes Kind in einer privaten Sondereinrichtung beschult ist und die halt einfach nur zugesperrt haben, die Gemeinde Däumchen dreht… also ehrlich, irgendwelche exotischen Einzelfälle raussuchen! Reden wir doch lieber wieder über Applaus, bekommen die ja sonst nie.

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    1. Hallo Gerlint, das klingt ziemlich wütend. Vor lauter Ironie wird mir gar nicht ganz klar, was du letztlich mit deinem Kommentar sagen möchtest. Denke, es ist klar, dass das Klatschen den Krankenschwestern und -pflegern gilt und nicht denjenigen in der Leitung, die durch massive Sparmaßnahmen teilweise erst für deren Überlastung gesorgt haben. Wie ich im Artikel auch schreibe: da müsste die Politik klar ein anderes Signal geben, aber bis jetzt kommt von politischer Seite zwar viel Lob, aber keine konkreten Verbesserungsvorschläge. Alleinerziehende (ob Akademiker oder ungelernte Aushilfen) sind übrigens keine „exotischen Einzelfälle“. Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2018 rund 2,17 Millionen Mütter und etwa 407.000 Väter alleinerziehend in Deutschland. Bei rund 8 Millionen Familien wäre das jede vierte… aber die Formulierung war auch Ironie, nehme ich an? Bloße Wut hilft hier wohl ähnlich wenig wie wohlwollendes Klatschen. Also was tun? Ideen? Viele Grüße, Sarah

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  4. Oh, meinem familieneigenen Pfleger habe ich zwei gute Vorschläge gemacht: mangels Schutzausrüstung auf Home-Office übergehen, Pflege per Skype – was in anderen Berufen recht ist, kann doch nicht unbillig sein? Und außerdem wäre es mal an der Zeit, sich mit der Gewerkschaft zusammenzusetzen (die privaten Träger haben mal kurz einer Prämie, die im Gespräch war, nicht zugestimmt, es gibt also die konkreten Anstöße) und über Streik zu reden… möge er erfolgreicher sein, als der läppische der Erzieherinnen vor einiger Zeit. Jetzt? Unethisch? Tja, das ist wohl die Stelle, wo sich die Katze in den Schwanz zu beißen beginnt…
    Was Eltern betrifft, die jetzt grad bemerken, wie hoch angesehen ihr Job inzwischen ist… Das Problem hatten wir, als unsere Kinder noch kleiner waren, zum Glück nicht in der Form. Klar, wir wurden schon als asoziale Familie gehandelt. Mehrere Kinder zu haben ist ja schon per se ein Zeichen. Aber zum Glück konnten wir in großem Stil auf familiäre Unterstützung zurückgreifen, es gab noch keine Großeltern-Sperren und die gelegentlichen Schließungen waren nur die üblichen pädagogischen Tage und dergleichen, die berufstätige Elternteile schon in ganz normalen Zeiten ins Rotieren bringen. Leider gibt es da die Streikmöglichkeit nicht mal theoretisch. Auch eine – a la konventionelle Landwirtschaft unter dem Motto „schützt den Bauern vor der Biene“ – Sternfahrt nach Berlin kommt momentan eher nicht in Frage. Sonst könnte man die Kleinen ja mal in den Bundestag mitnehmen, wie einst die noch hinter den Ohren grünen Abgeordneten?
    Nein, ganz im Ernst, guter Rat über die momentane Krise selbst hinaus ist schwer zu geben, da die meisten Lehren vermutlich, falls sie überhaupt gezogen werden, schnell vergessen sein werden. Es wird ein paar Bankrotte geben, insbesondere natürlich von kleinsten Betrieben ohne große Reserven. Dann ein paar Entlassungen. Mal wieder mehr Arbeitslose. Und schon haben wir das große Thema, um das sich dann alle bemühen werden. Da wird man die, die jetzt beklatscht werden, gerne daran erinnern, dass sie doch froh sein dürfen, einen Job zu haben und die anderen, dass die von gewissen osteuropäischen Staatschefs gewählte Kommissonspräsidentin doch schließlich in Eigenregie ein ganzes Rudel Kinder großzog, so schwierig kann das nicht sein. Was mich an meine Hauptsorge erinnert – dass nämlich diverse Notstandsregelungen als Dauergesetz bleiben könnten, nachdem wir ja jetzt schon international die große Zeit des starken Mannes haben.
    Nein, viel Hoffnung mache ich mal wieder nicht… allenfalls den Wunsch, dass die Menschen ein paar Sachen, die sie erfahren oder lernen, sich (endlich mal) merken (würden). Dann kann da doch was Gutes draus werden, irgendwie, irgendwann. Diese Art Hoffnung ist ein bekannt zähes Luder, stirbt angeblich zuletzt.
    Für die neue Welt hab ich auf meiner Seite ja schon mal eine Rede vorbereitet, um beim großen Bruder nicht negativ aufzufallen…

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