alleinerziehend, Familie, Persönliches

„Gut leben als Alleinerziehende“ – auch in Zeiten von Corona? (Buchrezension)

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Gut leben als Alleinerziehende. Ist das gerade überhaupt möglich? Die Corona-Epidemie und die drastischen politischen Entscheidungen zu ihrer Eindämmung belasten Allein- und Getrennterziehende in besonderem Maße. Fehlende oder eingeschränkte Kinderbetreuung, zum Teil massive Verdienstausfälle bei einem ohnehin oft geringem finanziellen Polster, die Verantwortung für die eigenen Kinder und gegebenenfalls Konflikte mit dem anderen Elternteil – die genannten Punkte bringen viele an ihre Grenzen. Sie setzen zum Teil aber auch große Energie frei.

Silke Wildner, erfolgreiche Blog- und Podcast-Autorin und selbst alleinerziehende Mutter zweier Kinder, hat bereits vor gut einem Jahr einen lesenswerten Ratgeber veröffentlicht: „Gut leben als Alleinerziehende. Schritt für Schritt Anleitung in dein selbstbestimmtes und gutes Leben“.

Sich aus eigener Kraft aus dem Elend herausarbeiten

Ich kann diesen Ratgeber allen allein- und getrennt erziehenden Elternteilen empfehlen, die wirklich etwas an ihrer Haltung und Lebensweise verändern möchten. Gerade jetzt, wo wir in Zeiten von „Social Distancing“ und Corona-Sorge mehr denn je auf uns selbst zurückgeworfen sind, erscheint es mir sinnvoll, die eigene innere Haltung zu hinterfragen und sich z.B. von negativen oder selbstabwertenden Glaubenssätzen zu befreien.

„Power On“ nennt Silke Wildner entsprechend den Teil ihres Buches, in dem sie sich dem Umgang mit Gedanken, Gefühlen und der eigenen Selbstwahrnehmung widmet. Und natürlich ist es plausibel, dass uns Gedanken wie „Ich schaffe das nicht“ oder „Die Krise wird mich finanziell ruinieren“ schwächen, während wir uns durch positive Affirmationen („Ich werde auch jetzt Wege finden, um genügend Geld für mich und meine Familie zu verdienen“, „Ich kann selbst viel tun, um seelisch und körperlich gesund zu bleiben“) stärken können.

Schritt für Schritt in ein besseres Leben

Dabei überzeugt mich der Ratgeber durch das klar strukturierte Vorgehen, mit konkreten Denkanstößen und Handlungsimpulsen. Es ist spürbar, dass hier eine Frau schreibt, die durch ihre eigene Trennung weiß, wovon sie spricht und deren Ratschläge sich nicht auf motivierende „Kalendersprüche“ beschränken.

Ein kurzer zweiter Teil widmet sich der „Bestandsaufnahme“ unseres Lebens. Wir sollen uns bewusst werden, in welchen Bereichen wir bereits „gut aufgestellt“ sind und wo wir weitere Unterstützung benötigen, bzw. Veränderung anstoßen wollen.

Konkrete Ansätze für Veränderungen

Der dritte Teil („Change ist“) schließlich liefert konkrete Ansatzpunkte für diese Veränderungen. In der aktuellen Situation besonders interessant für Allein- und Getrennterziehende ist sicher das Kapitel „Gesundheit, Fitness und Ruhe“. Was mir auch hier positiv auffällt, ist der pragmatische Blick der Autorin auf das Leben als Alleinerziehende. So wird die Beantragung einer Mutter-Kind-Kur im ohnehin durchgetakteten Alltag einer Alleinerziehenden eben gegebenenfalls zum kaum bewältigbaren organisatorischen Kraftakt oder der regelmäßige Besuch eines Sportkurses außer Haus ist aufgrund fehlender Kinderbetreuung nicht möglich. In solchen Situationen plädiert Silke Wildner für ein Handeln, das möglichst die Ressourcen nutzt, die bereits vorhanden sind, ohne dabei zu hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen. Neue Bewegungsgewohnheiten können z.B. in den Alltag integrieren werden, indem sie innerhalb von 3-4 Wochen zu einer täglichen kurzen Routine werden und damit nicht immer wieder neu Überwindung kosten. Wer weiß, wie selbstverständlich und kaum bewusst wir uns morgens anziehen, die Zähne putzen und unser gewohntes Frühstück zubereiten, versteht das Prinzip. Den „inneren Schweinehund“ überlisten können wir dabei, indem wir uns bewusst den Nutzen und das positive Ziel vor Augen führen, das wir mit unserem Handeln erreichen wollen und  Situationen, die uns zu selbstschädigendem Verhalten verleiten, möglichst vermeiden. Auch die Bedeutung von Pausen und Ruhemomenten, gerade in Zeiten des Wandels, betont sie.

Wie soll ich gerade jetzt gut für mich sorgen?

All das mag im Moment mancher Alleinerziehenden wie bittere Ironie erscheinen. Wie Pausen machen, wenn zwei Kinder meine Aufmerksamkeit fordern und ich zugleich im „Homeoffice“ meiner Arbeit nachgehen soll? Wie mich gerade jetzt von alten Gewohnheiten lösen, wo all das Neue um mich herum mich verunsichert und belastet?

Die plötzlich veränderten Strukturen können – ähnlich wie eine Trennung – aber auch die Chance in sich tragen, dass ich tatsächlich etwas ändere: Zum Beispiel, indem ich den Blick ganz bewusst auf andere richte, wenn ich bisher gewohnt war, um mich selbst und meine Sorgen zu kreisen. Indem ich gerade jetzt aktiv Netzwerke und den Kontakt zu wirklich guten Freunden pflege. Ein Telefonat, wenn die Kinder schlafen oder der Austausch mit anderen allein- und getrennterziehenden Eltern kann mich für den nächsten Tag stärken. Zudem erfahre ich so gegebenenfalls von Initiativen und Unterstützungsmöglichkeiten, die mir sonst unbekannt geblieben wären. Gerade jetzt zwingt mich die äußere Situation vielleicht auch zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme meiner finanziellen und persönlichen Situation und macht mir bewusst, in welchen Bereichen meines Lebens ich bisher nicht gut für mich gesorgt habe. Auch dann kann mir dieses Buch wichtige Denkanstöße geben, mit deren Hilfe ich in Zukunft ähnliche Krisen vermeiden kann.

Wie ich in einem weiteren Blogbeitrag geschrieben habe: Corona konfrontiert uns gerade mit dem Besten und Schlechtesten in uns. Gut leben als Alleinerziehende ist meiner Meinung nach auch in Krisenzeiten wie diesen möglich. Oder zumindest ist ein Leben realisierbar, in dem wir uns zusätzlich zu den äußeren Belastungen nicht auch noch durch negative Gedanken, innere Abwertung und wenig hilfreiche Gewohnheiten schwächen.

Wer in diesem Sinn gut für sich sorgen will, dem empfehle ich Silke Wildners Buch!

Herzlichen Gruß, Sarah

Gut leben als Alleinerziehende. Schritt für Schritt Anleitung in dein gutes und selbstbestimmtes Leben. BoD, 2019. ISNB 978-3-749-46967-3. 

Der Ratgeber ist auch als E-Book erhältlich.

[Diese Buchempfehlung spiegelt meine persönliche Meinung wider. Ich habe durch sie keinen finanziellen Vorteil. Wollt ihr nicht nur euch selbst etwas Gutes tun, sondern auch dem lokalen Einzelhandel, bestellt den Ratgeber dort. Viele inhabergeführte Buchhandlungen liefern eure Bestellungen direkt zu euch nach Hause und sichern dadurch gegebenenfalls gerade ihre Existenz.]

2 Gedanken zu „„Gut leben als Alleinerziehende“ – auch in Zeiten von Corona? (Buchrezension)“

  1. Interessant wäre auch ein Kapitel gewesen, was zu tun ist, wenn das eigene Kind nicht mehr zur Mutter möchte und welche Lösungsansätze hierfür ein Trennungscoach hat.

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Daniela, ja, das wäre sicher auch eine interessante Frage. Ich denke, unter dem Stichwort PAS (Parental Alienation Syndrom = „Eltern-Entfremdungs-Syndrom“) findest du dazu in anderen Ratgebern gute Infos. Lieben Gruß, Sarah

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