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Selbstfürsorge als Alleinerziehende – 5 Tipps, die wirklich helfen

Wildblumensträußchen auf Stein


Alleinerziehend gut für sich sorgen (können) – wie soll das gehen? Zwischen der Sorge um deine Kinder, den Erwartungen deines Arbeitgebers und vielen, vielen Aufgaben, die du täglich stemmst? Alleinerziehend bist du fast dazu bestimmt, dich – zumindest phasenweise – überlastet zu fühlen, denn es ist einfach eine Belastung, die Hauptverantwortung für deine Kinder mehr oder weniger allein zu stemmen. Was du dennoch tun kannst, damit es dir – und damit auch deinen Liebsten – gut geht: Lies hier!

1. Nimm dich wichtig!

Leicht gesagt, oder? Scheinbar ist in deinem Alltag alles wichtiger als du. Der Tag beginnt damit, dass das jüngste Kind weint, weil es die Windel gewechselt haben möchte oder weil sich deine Kinder schon wieder streiten. Vielleicht hast du auch schon ältere Kinder, dann geht es morgens ums Brotdosenpacken, Frühstück richten, darum, alle pünktlich für Kindergarten und Schule fertig zu bekommen. Das, während du dich selbst duschst, anziehst, letzte Dinge für deine Arbeit richtest. Immer mit einem Ohr bei deinen Kids: Alles okay? Vertragen sie sich? Geht es ihnen gut? Es gibt schlicht keinen zweiten erwachsenen Menschen, der dich dabei unterstützt – und das auch nicht abends oder am Wochenende, wo ihr viele Stunden zusammen seid. 

Umso wichtiger, dass du inmitten dieses Dauereinsatzes dich selbst wichtig nimmst. Deine Kinder können lernen, sich zu beschäftigen, während du im Bad bist, können lernen, bei der Frühstückszubereitung, dem Brotdosenrichten, dem Zähneputzen am Abend eigenständig ihren Teil beizutragen.  Das alles, damit du eben NICHT nonstop Ansprechpartnerin bist. Nichts desto trotz werden sie dich noch oft genug brauchen, gerade, wenn sie noch im Kindergarten- und Grundschulalter sind. Aber es wird dadurch Momente geben, in denen du dich auch mal hinsetzen, einen Kaffee in Ruhe trinken, etwas eigenes zu Ende machen kannst in ihrer Anwesenheit. Nimm dich wichtig! 

2. Such dir Unterstützung 

Zum Sich-Wichtig-Nehmen gehört auch, dass du wahrnimmst, was du brauchst. Und dass du dir erlaubst, Unterstützung anzunehmen, beziehungsweise sie dir zu schaffen. Das kann eine klarere Struktur sein, die dir und deinen Kindern im Alltag Halt gibt. „Entlastungsinseln“, in denen du eben nicht alles allein machen musst. Oder auch einfach ein offenes Ohr, persönlich oder notfalls auch virtuell, zum Beispiel in einer Social Media Gruppe für Alleinerziehende – wo du Verständnis für deine Fragen und Sorgen findest. 

Erste Hilfe findest du bei Familienberatungsstellen, die häufig auch Angebote explizit für Alleinerziehende haben. Fachliche Information bei Verbänden und Initiativen wie dem VAMV e.V., den MIAS oder auch Shia e.V., die sich auf die Unterstützung Alleinerziehender spezialisiert haben. Und Stadtteil- sowie Mütter- und Familienzentren und gegebenenfalls auch die Kirchen sind eine gute Anlaufstelle, um andere Menschen in deiner Situation kennen zu lernen. Oft gibt es hier sogar so etwas wie einen Frühstückstreff oder Veranstaltungen explizit für Alleinerziehende. 

3. Steh für dich ein!

Als Alleinerziehende bist du eine Leistungsträgerin, keine Bittstellerin (auch wenn sich das manchmal anders anfühlen mag). Also lass dir nicht einreden, dass du zu fordernd oder „kompliziert“ seist, wenn du alles dafür tust, dass deine Kinder und du ein gutes Leben haben. Natürlich brauchst du mehr Freiraum bei deiner Arbeit als Menschen ohne jede Fürsorgeverantwortung. Natürlich brauchst du rechtliche Beratung und ihre Finanzierung, wenn es zu Konflikten mit deinem Expartner oder mit Behörden kommt. Natürlich brauchen deine Kinder und du das Geld und die Rahmenbedingungen, um nicht nur irgendwie, sondern ohne Angst und fröhlich durchs Leben gehen zu können. Traurig genug, dass das für Alleinerziehende nicht selbstverständlich ist.

Steh für dich ein! Sag deinem Arbeitgeber, dass du an Kinderkranktagen nicht faulenzt, sondern zuhause doppelte Schichten schiebst. Nimm Leistungen wie den Kinderzuschlag, Wohngeld oder das Bildungs- und Teilhabepaket ohne schlechtes Gewissen an. Du leistest durch die Betreuung deiner Kinder mehr als genug und kannst gegebenenfalls genau dadurch nicht in dem Maß erwerbstätig sein, dass es euch alle finanziert. Schließlich: Lass dir – auch von Ämtern oder Gerichten – nicht einreden, du seist für deine Kinder eine schlechte Mutter. Allein, indem du dich wichtig nimmst, dir Unterstützung suchst und für dich einstehst, bist du ein wunderbares Vorbild für sie. 

4. Verbinde dich mit Menschen

Ein wichtiger Punkt, der im Alltag Alleinerziehender oft zu kurz kommt, sind soziale Kontakte. Also nicht „funktionale Begegnungen“ wie das Gespräch mit der Erzieherin an der Kita-Tür, mit der Kinderärztin oder der Chefin bei der Arbeit. Sondern Austausch und Begegnung, ein Ausflug mit Freunden, gemeinsam Spaß zu haben, ein echtes und ungestörtes Gespräch. Als Alleinerziehende sind wir oft tagsüber sehr präsent – und abends einfach zu erschöpft, um noch unter Leute zu gehen. Oder es fehlt uns schlicht die Betreuung für unsere Kinder. Social Media ist dann oft ein Notbehelf, um sich nicht einsam zu fühlen – aber das Scrollen und anonyme Mitlesen hat leicht genau den gegenteiligen Effekt.

Echte Verbindung entsteht, indem du verstehst, was du brauchst – und mit Menschen Kontakt aufnimmst, bei denen du dich damit „richtig“ fühlst. Das bedeutet aber auch, dass du – nach und nach – wagst, dich anderen zu zeigen, wie du wirklich bist. Nämlich stark und schwach. Top organisiert und phasenweise echt überfordert. Fröhlich und tieftraurig. Einfach menschlich. Verbundenheit zu anderen Menschen braucht Zeit. Genau deswegen ist es wichtig, dass du dir diesen Raum schaffst. Vielleicht mag die Freundin, die du so lange nicht gesehen hast, mit zum (Kinder-) Schuhe kaufen kommen, mit anschließendem Eis? Du musst es nicht allein erledigen und ihr verbringt Zeit miteinander. Vielleicht hat deine Nachbarin am Wochenende Lust, gemeinsam mit dir zu kochen, statt dass ihr Tür an Tür jede für sich alleine esst. Und auch kleine Begegnungen können dir ein Gefühl von Verbindung geben. Der mitfühlende Blick zur anderen Mutter im Supermarkt, deren Kind gerade auch vor dem Süßigkeitenregal quengelt. Das Lächeln und Gespräch mit dem Vater, der wie du immer sein Kind als Letztes abholt. Ist er womöglich auch alleinerziehend?

5. Wechsle die Perspektive 

Es klingt paradox, aber indem du beginnst, dich (wieder) für andere Menschen außerhalb deines engsten Kreises zu interessieren und womöglich auch zu engagieren, stärkst du dich selbst. Natürlich darfst du dazu nicht selbst komplett am Limit sein. Aber ganz ehrlich: Wir Menschen haben wirklich viel Potential in uns, uns an neue – und auch schwierige – Situationen zu gewöhnen und oft auch zu lernen, in wirklich guter Weise damit umzugehen. 

Statt immer wieder auf das zu schauen, was schlecht läuft und auf die Menschen, die dich belasten oder dir gar schaden – wechsle die Perspektive! Schau auf das, was du kannst und wer du bist. Deine Tatkraft, dein (Über-) Lebenswille, deine Stärke und Fähigkeit, auch in den verfahrensten Situationen noch Lösungen zu finden, sind real! Beginne, wahrzunehmen, wie viel du bist und hast, statt darüber zu trauern, was dir fehlt. Vielleicht kannst du so sogar andere ermutigen und inspirieren. Wichtig: Das bedeutet nicht, dass du nicht auch mutlos, kraftlos und erschöpft sein darfst. Es heißt aber, dass du daran glaubst, selbst in schwierigen Situationen etwas dafür tun zu können, damit es dir wieder besser geht!

Alleinerziehend gut für dich zu sorgen ist möglich. Nimm dich wichtig. Such dir Unterstützung. Steh für dich ein. Verbinde dich mit Menschen und wechsle die Perspektive weg von dem, was fehlt, hin zu dem, was du hast. Das kannst du. Jederzeit. Genau jetzt!

Ich freue mich, von dir zu hören, was du tust, um gut für dich zu sorgen. Wo es schwierig ist und welche Lösungen du findest. Schreib es gerne in die Kommentare!

Herzlichen Gruß, Sarah Zöllner

Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.

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[Foto: privat]

2 Gedanken zu „Selbstfürsorge als Alleinerziehende – 5 Tipps, die wirklich helfen“

  1. Hallo Sarah,
    ich bin seid nunmehr neunzehn Jahren allein erziehende Frau und Mutter. Ich kann deine Punkte nur unterschreiben. Es ist so wichtig auch für sich selbst zu sorgen. Es war ein langer Prozess. Mittlerweile ist mein jüngstes Kind vierzehn und ich kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück greifen. Dafür bin ich sehr dankbar.
    Liebe Grüße,
    Britta

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