Kunst, Persönliches

2021: KW 49 | 3. Advent |

Adventskerzen auf Stück Treibholz befestigt, drei der Kerzen brennen.
Ich bin dankbar für die zwei Stunden am Abend, wenn die Kinder schlafen /
Ich zurückkehre zu mir selbst /
Hallo, schöne Vertraute /
Ich habe das Gespräch mit dir bereits vermisst. 
Ich bin dankbar /
Dass ich /
Immer wieder Mut schöpfe /
Auch wenn mein Mann /
Die gesamte Woche über nicht arbeiten durfte /
Keinen Lohn bekommen wird /
Wegen zweier falsch positiver Tests /
Wie wir schließlich bestätigt bekamen /
Mit dem Wort „Raus!“ aus dem Büro seines Arbeitgebers verjagt wurde /
Vollkommen ohne Krankheitssymptome /
Und im Wagen vor der Tür weinte.
Ich bin dankbar /
Weil ich fühle /
Und weiß /
Und vertraue /
Und erlebe /
Dass es genug Menschen gibt /
Die diesen Irrsinn, der uns gerade umgibt /
Auch nicht mittragen wollen /
Und herzlich, aufgeschlossen, vertrauensvoll handeln.
Ich bin dankbar /
Für meine Kinder /
Für meine liebsten Menschen /
Für meine Gesundheit /

Und genau für diese Dankbarkeit /
Die ich immer wieder fühlen kann.
(11. Dezember 2021)

Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)

[Foto: privat]

11 Gedanken zu „2021: KW 49 | 3. Advent |“

  1. Ich habe mich gefragt, ob ich einen so persönlichen Beitrag wie diesen hier im Blog veröffentlichen soll. Ich tue es, mit folgender Erklärung (die ich übrigens bereits an mehreren anderen Stellen gegeben habe):
    Der „Irr-Sinn“, der uns gerade umgibt ist für mich NICHT, dass wir als Gesellschaft versuchen, ein Virus einzudämmen, das Menschen durchaus gefährlich werden kann.
    Der Irr-Sinn ist für mich, WIE wir es mittlerweile tun: nicht mehr, wie 2020, in einer kollektiven Anstrengung aller, sondern über Mechanismen der Spaltung, der gegenseitigen Beschuldigung und Stigmatisierung. Das HAT bereits jetzt Folgen in der Wahrnehmung vieler, wie ich mit diesem Beitrag zeigen möchte.
    Und JA, damit spreche ich mich ganz vehement gegen eine Politik aus, die Menschen über ihre Rhetorik und die Etikettierung in Gruppen („Pandemietreiber“, „Gefährder“ „Geimpfte“, „Genesene“, „Ungeimpfte“ usw.) in dieser zutiefst unsachlichen und ethisch fragwürdigen Weise gegeneinander ausspielt.
    Über Menschen pauschalisiert zu sprechen, wird diesen nicht gerecht und schürt im Zweifelsfall nur Angst und gegenseitige negative Beurteilungen.
    Was der Nutzen davon für uns als Gesellschaft sein soll, erschließt sich mir tatsächlich nicht mehr, gerade in einer Situation, in der wir nachwievor ALLE potentiell erkranken und auch das Virus weitergeben können und somit als Sozialgemeinschaft eigentlich zusammenhalten sollten.

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  2. liebe sarah,
    ich finde dein gedicht sehr schön und berührend. die traurigkeit wird spürbar, besonders in dem moment, als du schreibst, dass dein mann im auto weint. ich empfinde es auch als irrsinn, und es ist so traurig, wie wenige menschen nachzudenken zu scheinen, zu reflektieren scheinen, wie sie sich verhalten und was sie als „normal“ empfinden. eben andere zu stigmatisieren, da noch mitzumachen und mit dem finger oder worten auf andere zeigen und nichts dabei finden, und entschieden sind in ihrem (abwertenden) urteil über andere, über die sie rein gar nichts wissen, aber alles zu wissen glauben.
    ich wünsche dir, deinem mann, euch als familie viel kraft und zuversicht. alles liebe und danke noch mal für dein gedicht.
    liebe grüße aus berlin, m.

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  3. Hallo Sarah, danke für den Beitrag. Ich keine die Hintergründe nicht, will mir auch nicht anmaßen, da irgendwie über diesen Arbeitgeber zu urteilen. Aber wenn du von dem „Irrsinn“ schreibst, lese ich zwischen den Zeilen, dass dieser Irrsinn von jemandem verursacht ist oder angetrieben wird. Wer ist das? Und was war bei der kollektiven Kraftanstrengung in 2020 so anders? Mehrere Lockdowns? Restaurants zu? Spielplätze geschlossen? Schule zu und Kita auch? Beherbungsverbote?
    Also ich habe darauf keine Lust mehr, und ich hätte jetzt spontan auch keine andere Idee wie wir aus dem Mist wieder rauskommen, außer wie du schreibst, „als Sozialgemeinschaft zusammenzuhalten“, das heißt aber für mich auch, sich selber zurückzunehmen und Dinge akzeptieren, die man vielleicht nicht gerade ganz oben auf der Liste hat.

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    1. Danke für den Kommentar. Ich kann hierzu einen Kommentar zitieren, den ich vor Kurzem selbst gelesen habe: „Eine Regierung hätte hier die Aufgabe, sachlich und ruhig aufzuklären, das Gesundheitssystem nachhaltig und sinnvoll auszubauen […] (statt die Krankenhäuser in ihrem wirtschaftlichen Bestreben zu bestärken), eine Impfung anzubieten, für alle, die es möchten, Angst haben und zur Risikogruppe gehören. MEHR nicht. […] Ich bin der Meinung, dass jede*r Bürger*in die Freiheit haben muss, die Entscheidung für sich selbst zu treffen und das ohne Angst, Reue oder Verunsicherung.“
      Das ist schlicht nicht mehr der Fall, wenn unzuverlässige Tests (die lediglich Ungeimpfte täglich durchführen müssen), diese für Arbeitgeber zu „unsicheren“ Mitarbeiter*innen machen, auf die im Zweifelsfall eben verzichtet wird. Es ist auch nicht mehr der Fall, wenn Bundes- und Landesregierungen einen medizinischen Eingriff zur Voraussetzung dafür machen, dass Menschen überhaupt noch Zugang zu wichtigen Bereichen des sozialen Lebens haben. Selbst das RKI weist auf seiner Seite darauf hin, dass auch Geimpfte erkranken und das Virus übertragen können. Dennoch hält die Bundesregierung an der Impfung als Zugangskriterium zum sozialen Leben hartnäckig fest.
      Ich habe dabei – wie ich auch schon öfter schrieb – nichts gegen die Impfung an sich. Was mich massiv stört, ist der Druck, der aktuell aufgebaut wird, sich quasi um jeden Preis impfen zu lassen. Und damit geht ja auch ein „Rattenschwanz“ sozialer Entwicklungen einher, die ich zum Teil höchst bedenklich finde. Will ich wirklich eine Gesellschaft, in der ich im Kino oder beim Schuhkauf quasi selbstverständlich meine Gesundheits- und Kontaktdaten offenlegen muss, in der Kinder und Jugendliche in den Wintermonaten nicht gemeinsam singen oder Fussball spielen dürfen, außer, sie lassen sich gegen eine Erkrankung immunisieren, die ihnen in den allermeisten Fällen gar nicht wirklich gefährlich werden kann? In der ich womöglich bald die „Wahl“ habe (im Fall einer Impfpflicht für Menschen in Gesundheitsberufen), meinen Beruf auszuüben oder eben gekündigt zu werden? Oder fordere ich wie im oben genannten Kommentar, dass die Regierenden sich tatsächlich wieder in den Dienst der Bürger*innen stellen und ihnen das ANGEBOT von Schutz und (medizinischer) Unterstützung machen – aber eben nicht eine gesamte Bevölkerung immer weiter im Ausnahmezustand halten und Menschen grundlegende Rechte wie das der sozialen Teilhabe oder der existenzsichernden Berufsausübung nur zugestehen, wenn sie ihren Vorgaben bezüglich einer medizinischen Behandlung entsprechen. Gesundheitsschutz ist ein hohes und wichtiges Gut. Demokratische Freiheitsrechte auch.

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    2. Wirklich, danke Sarah für die ausführliche Antwort, ich mache an vieles einen Haken und würde mir auch manch Entscheidung substanzieller überlegt oder langfristig beobachtet wünschen. Aber ich sehe momentan nicht, woher wir die Zeit und Gelassenheit herkriegen sollen, diese Sicherheit und Infrastruktur aufzubauen. Die Pandemie ist doch heute und nicht erst in 20 Jahren. Ich hoffe wirklich, dass die Pandemie diesbezüglich ein Nachspiel haben wird und Strukturen neu überdacht werden, wo ich aber dagegen bin ist ein Gedankengang a la „hätten wir mehr Krankenhauskapazitäten, könnte wir uns mehr Ansteckungen leisten“. Wir müssen das medizinische Personal ordentlich behandeln, denn wir werden die bestimmt alle mal für weitaus dringendere Anliegen benötigen, so dass wir sie jetzt mit Corona nicht vollends verschleißen und für immer abschrecken, diesen Job zu machen.

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    3. Tja… a propos Weitsicht und Gelassenheit fällt mir spontan Rita Süßmuth ein, die sich Mitte der 80er-Jahre auf dem Höhepunkt der AIDS-Pandemie als Gesundheitsministerin vehement gegen eine Stigmatisierung der HIV-Infizierten einsetzte und für breite Aufklärung innerhalb der Bevölkerung. Letztlich mit Erfolg: Deutschland stand am Ende mit deutlich weniger AIDS-Toten da als restriktivere Nachbarländer. Eine interessante Doku dazu ist gerade abrufbar in der ARD-Mediathek. Zeitgleich gab es damals durchaus auch Stimmen, die das genaue Gegenteil forderten. Was ich damit sagen will: jede Situation kann meiner Meinung nach mit Weitsicht und Gelassenheit bewältigt werden, wenn nur die Fähigkeit und der Wille dazu da sind. Da bin ich mir bei manch twitterndem und wetterndem Menschen in Politik und Gesellschaft leider nicht mehr so sicher.
      Ach, ein vielschichtiges Thema, dem wir uns als Blogger wohl noch in weiteren Beiträgen widmen werden, oder? Danke dir jedenfalls für die respektvolle und interessierte Auseinandersetzung mit meinem Standpunkt!

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  4. Hallo Sarah, ich habe ja nun gerade den quasi umgedrehten Fall.
    Die Waldorfschule meines Sohnes fand es nicht relevant, die positiven Testergebnisse aus der Schultestung weiterzugeben, hätten ja falsch positiv sein können, sechs von zehn Kindern der Klasse und beide Lehrer erkrankt.
    Mein Sohn hat uns alle (trotz Impfung, isolier dich mal von einem behinderten Siebenjährigen, Blödsinn) angesteckt. Wir verbringend die gesamte Zeit vom ersten Advent bis zweiten Weihnachtstag in Kettenquarantäne, fehlen auf Intensivstation, in der Dementen-WG und im Weihnachtsgeschäft.
    Gut, das hätte so oder so passieren können.
    Aber da die Schule über die Tests schwieg (ich bin mit meinem Kind erst zum PCR gegangen als mich eine andere Mutter anrief), bin ich munter weiter auf der Kinderintensiv arbeiten gegangen. Die Schule war schon seit mindestens zwei Wochen ein Hotspot. Ich hätte das Kind dann gleich beurlaubt und uns wäre dieser Mist erspart geblieben
    Es ist bei meiner Arbeit gut gegangen. Aber was ist, wenn die gefährdeten Menschen mit im Haus leben? Wenn Neugeborene da sind, Schwerstbehinderte? Ein Kind der Klasse lebt in einem Heim für behinderte Kinder.
    Ich bin sowas von sauer. Wenn wir positive Tests, die falsch sein könnten, nicht ernst nehmen bis zur PCR, halte ich das für fahrlässig.
    2G halte ich übrigens auch für fahrlässig, wir geimpften Erwachsenen hätten überall hingekonnt, als wir schon infiziert waren. Deshalb halte ich Testen für sinnvoll, wenn es mir auch vor der Umweltbelastung graut.
    Liebe Grüße
    Natalie

    PS: Wie hast du die Versorgung deiner Kinder organisiert, wenn du sieben bis zehn Tage schwer krank daniederliegst (also nicht beatmet, aber hoch fiebernd, elend schlapp, schmerzgeplagt, sprich normaler Coronaverlauf bei Ungeimpften). Gerade alleinerziehend geht das ja gar nicht. Mit Corona nimmt dir niemand die Kinder auch nur eine Minute mehr ab.
    Für mich war das einer der Beweggründe zur Impfung. Und ich bin jetzt auch echt nur erkältet.

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    1. Liebe Natalie, herzlichen Dank für deinen Kommentar und Erfahrungsbericht. Was du schreibst, klingt tatsächlich fahrlässig und würde wohl auch mich sauer machen.
      Umgekehrt erleben wir als Familie gerade konkrete Nachteile, weil wir Erwachsenen uns bisher nicht für eine Impfung entschieden haben.
      Es sind ja nicht Tests und Impfung, die dies bewirken, sondern die künstliche Unterteilung in „sichere“ und „unsichere“ Personen, die politisch offenbar gewollt ist und mich in ihrer fehlenden Logik und Aggressivität tatsächlich sehr beunruhigt.
      Dass darüber hinaus Corona selbst inzwischen offenbar schon zu einer Art Stigma wird, finde ich ebenso bedenklich. Unser Sohn wollte im Kindergarten zum Beispiel nicht erzählen, dass er wegen des positiven Tests meines Mannes nicht hatte kommen können. O-Ton: „Ich wollte nicht, dass die denken, wir haben Corona!“ Gruslig, oder?
      Ich frage mich damit wirklich – und das nicht zum ersten Mal -, was die deutsche Pandemiepolitik und -rhetorik langfristig auch mit unseren Kindern macht…

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