Familie, Politik

Mit Pieks zurück ins Leben? Ein Kommentar zur Impfung gegen Covid-19

Schild „Einbahnstraße“

Wann ist dieses Gefühl entstanden? Die Annahme, wir bräuchten erst die medizinische Erlaubnis, um wieder unbeschwert am Leben teilhaben zu können? Im Beitrag einer Bloggerin, deren Gedanken ich gerne verfolge, lese ich: „Möge die Impfung ihr langfristig wieder Begegnungen mit freudiger Gelöstheit ermöglichen in der Familie, in Freundschaften, im Stadtviertel, im Beruf. Möge sie selbst nicht erkranken mit kurzen oder langen schweren Folgen. Möge diese Impfung einen Beitrag leisten zur gesellschaftlichen Bewältigung des Notstands.“

Ich verstehe diese Mutter. Eines ihrer Kinder hat eine Vorerkrankungen und dadurch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Und natürlich ist es allein ihre Entscheidung, dass sie sich jetzt impfen lässt, um sich selbst und andere zu schützen. Auch wenn noch längst nicht klar ist, wie umfassend der Schutz durch die im Eilverfahren zugelassenen Impfstoffe überhaupt ist. Und auch nicht, wie diese langfristig wirken werden. Aber vielleicht überwiegt bei ihr einfach die Angst im Moment. Wer wäre ich, dies zu verurteilen?

Impfen als öffentliches Statement?

FB-Post: Familienministerin Franziska Giffey nach Impfung gegen Covid-19 mit Pflaster auf Oberarm.

Was mich allerdings ernsthaft nervt: wer sich impfen lässt, geht aktuell nicht einfach still zum Arzt (oder ins extra dafür eingerichtete Impfzentrum), nimmt die Injektion in Empfang und geht nach Hause. Nein: es werden Jubelrufe und Dankesschreiben im Freundeskreis und über die sozialen Medien gepostet. „Bist du schon geimpft?“ wird zum Smalltalkthema. Und ganz neu: Bilder von entblößten Oberarmen mit Pflaster, wie zuletzt sogar Familienministerin Giffey eines veröffentlichte. „Seht her, ich habe es getan!“ Was genau? Mich gegen eine Erkrankung, deren (langfristige) Wirkung wir nach einem Jahr Pandemie zum Teil noch nicht genau kennen, mit einem Impfstoff zu immunisieren, für den dasselbe gilt?

Ich persönlich leugne nicht die Gefahr, die von einer Infektion mit Covid-19 ausgehen kann. Ich habe Respekt vor der Erkrankung und versuche, andere und mich selbst vor ihr zu schützen. Und ich lehne Impfungen – auch die Impfung gegen Covid-19 – nicht pauschal ab. Ich bin zudem überzeugt, dass Wege gefunden werden müssen, mit dieser Krankheit so umzugehen, dass daran möglichst wenig Menschen sterben:

  • Die (Weiter-) Entwicklung wirksamer Medikamente gegen Covid-19 müsste einer davon sein,
  • ebenso der noch viel konsequentere Schutz besonders gefährdeter Menschen, dadurch, dass Mitarbeiter/innen (auch die nicht Pflegenden) in Pflegeheimen und Krankenhäusern weniger überlastet sind und nicht aufgrund von Personalmangel zum Teil sogar erkrankt oder zumindest positiv getestet weiterarbeiten müssen.
  • Auch die präventive Stärkung der Abwehrkräfte der restlichen Bevölkerung durch Bewegung, Stressreduktion und zum Beispiel das konsequente Verbot von Tabakwerbung, da Raucher/innen erwiesenermaßen gefährdeter sind, schwer an Covid-19 zu erkranken, könnte eine dieser Maßnahmen sein.
  • Und schließlich die Unterstützung derjenigen, die unter der Pandemie besonders leiden: Kinder und Jugendliche, sozial Schwache und bereits sozial Isolierte. 

Impfung als „Allheilmittel“?

Was mich jedoch tatsächlich skeptisch macht, ist, wenn nun eine Impfung als quasi alleiniger Ausweg aus der Pandemie propagiert wird. Wie sich bereits zeigt, wird diese voraussichtlich ja noch nicht einmal zu den praktischen und emotionalen Erleichterungen führen, die sich viele von ihr erhoffen. Schon jetzt werden Stimmen laut, die fordern, Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften beizubehalten, weil noch gar nicht klar sei, wie sicher der Eigenschutz und vor allem der Schutz anderer durch eine Impfung sei. Dessen ungeachtet hat zum Beispiel das Land Schleswig-Holstein vor wenigen Tagen einfach entschieden, Menschen, die geimpft wurden, ohne Test auf Covid-19 in Hotels zu beherbergen. Die – eigentlich offensichtliche – Unlogik dieser Tatsache scheint zumindest den dortigen Entscheidungsträger/innen nicht aufzufallen. Statt dessen wird denjenigen, die sich (noch) nicht impfen lassen können oder wollen, ein Gefühl unterstellt, für das flugs ein klangvoller Neologismus erfunden wurde: „Impfneid“. Klingt nicht nett, oder? 

Was hilft Menschen in der Pandemie?

Ich sehne mich selbst nach Unbeschwertheit und der „freudigen Gelöstheit“, die Menschen vor Beginn der Pandemie erfüllte. Aber ich frage mich zunehmend, wann – und warum – wir begonnen haben, andere darüber entscheiden zu lassen, unter welchen Bedingungen wir diese Unbeschwertheit wieder erlangen können. Wann haben wir aufgehört, unserem eigenen Empfinden von Gesundheit und Krankheit zu vertrauen? Kinder werden inzwischen ohne jedes Krankheitsbild als potentiell „asymptomatisch Erkrankte“ ohne gültigen Corona-Antikörpertest vom Unterricht und damit vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen. Bereits von Covid-19 Genesene, die erwiesenermaßen Antikörper gegen das Virus in sich tragen, sollen dennoch geimpft werden. Die ursprünglich als Notmaßnahme gedachten Vorschriften zur Pandemiebekämpfung setzen große Teile der Bevölkerung mittlerweile seit über einem Jahr Isolation und Stress aus und diejenigen, die über ihre Verlängerung entscheiden, ignorieren deren objektiv gesundheitsschädliche (Neben-) Wirkungen: Menschen nehmen aus Angst vor Ansteckung mit Covid-19 wichtige (Krebs-) Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr wahr. Eigentlich notwendige OPs werden verschoben, wodurch Patient/innen mit Schmerzen und Einschränkungen leben müssen. Kinder haben aufgrund der Überlastung der Gesundheitsämter keinen Zugang mehr zu Schuleingangsuntersuchungen, wodurch Entwicklungsdefizite und im schlimmsten Fall Vernachlässigung oder gar Missbrauch übersehen werden. Das ist meiner Meinung nach tatsächlich „krank“ und bedenklich. 

Warum hören wir außerdem Menschen so wenig zu, die (zum Teil seit langem und bereits vor der Pandemie) einen Auf- statt Abbau des deutschen Pflegesystems forderten? Warum bleiben diejenigen ungehört, die in der Pandemie mehr als finanzielle Unterstützung für Familien fordern? Warum schließlich dürfen Experten wie der SPD-Politiker Karl Lauterbach, der vor der Pandemie noch die Schließung „überflüssiger“ Kliniken forderte, sich jetzt vehement für immer drastischere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie aussprechen, „um das deutsche Gesundheitssystem nicht zu überlasten“… Im Jahr 2020, mitten in der Pandemie, wurden deutschlandweit über 20 Kliniken geschlossen. 2021 sollen weitere folgen. Fällt niemandem die Widersprüchlichkeit – und die fast schon zynische Haltung – hinter solchen Entscheidungen auf? 

Impfen – ja. Aber nicht als einzigen Weg

Ob ich mich nun für oder gegen eine Impfung gegen Covid-19 entscheide, ist meiner Meinung nach nur ein Baustein unter vielen. Es muss meine rein private Entscheidung bleiben, darf nicht über moralischen oder sozialen Druck indirekt erzwungen werden. Vor allem finde ich es bedenklich, dass eine Impfung von manchen bereits zum „Lackmus-Test“ prosozialer Gesinnung hochstilisiertet wird. Und dass darüber hinaus alle anderen Möglichkeiten der Pandemiebekämpfung nur so unzureichend ausgeschöpft oder gar ignoriert werden

Impfen – ja. Aber nicht als einziger Weg aus der Pandemie. Wer sich impfen lassen kann und möchte, gerne. Wer nicht, darf dadurch keine sozialen Nachteile haben. „Impfwillige“ und „Impfgegner“ – unsere Gesellschaft braucht keine weitere Spaltung. Statt dessen müssen wir gemeinsam nach Wegen suchen, individuell und als Gesellschaft unsere Gesundheit zu erhalten – und die besteht aus mehr als körperlicher Immunität.

Sarah Zöllner

Die Autorin ist Lehrerin, freie Autorin und Mutter eines Babys sowie eines Kindergartenkindes. 

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17 Gedanken zu „Mit Pieks zurück ins Leben? Ein Kommentar zur Impfung gegen Covid-19“

  1. Sehr interessante Gedanken. Und toll auf dem Punkt gebracht. Ich muss zugeben, dass ich sehr skeptisch bezüglich einer Impfung bin, zu der es noch keine Langzeitstudien gibt. Zumal ich gestern noch gelesen habe, dass jeder 10te chronisch Kranke nach der Impfung gar keine Antikörper entwickelt. Aber ich traue mich auch eigentlich nicht, mich nicht impfen zu lassen…

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    1. Danke für deinen Kommentar. Wie ich ja im Text auch sage: ich bin nicht pauschal gegen eine Impfung, aber mich stört, wie – meinem Empfinden nach einseitig – diese Impfung mit (tatsächlich noch nicht abschließend getesteten und im Rekordtempo zugelassenen Impfstoffen) als quasi alleiniger Ausweg aus der Pandemie dargestellt wird.
      Wie du schreibst, viele werden sich trotz Skepsis vermutlich tatsächlich impfen lassen im Sinn von „kann ja nicht schaden“ oder sogar schlicht, um wieder unbeschwerter am sozialen Leben teilhaben zu dürfen. Das scheint durch die bereits beschlossenen „Freiheiten für Geimpfte“ offenbar sogar politisch gewollt zu sein, was ich bei einem Eingriff in das körperliche Immunsystem, den das Impfen doch immerhin darstellt, persönlich bedenklich finde.

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    2. Ja, das sehe ich ebenso. Ich bin auch kein Impfgegner, aber ich habe meine Kinder trotzdem nicht gegen alles impfen lassen. Und vor Monaten hatte ich noch das Gefühl, die Entscheidung für oder gegen eine Corona Impfung selbst treffen zu können. Aber mittlerweile fühle ich mich zunehmend unter Druck gesetzt. Und das fühlt sich nicht gut an!

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  2. Liebe Sarah,
    an ein paar Punkten möchte ich Deinen guten und spannenden Beitrag ergänzen.
    Du schreibst, dass es noch unklar sei, wie Impfungen langfristig wirken und wie umfassend der Schutz sei. Wie umfassend der Schutz ist, wird aber laufend in den Medien rauf- und runtergebetet. Zu jedem Impfstoff gibt es aus den ausführlichen Testungen genaue Prozentangaben, wie stark er schützt und inzwischen ist sogar einigermaßen klar, dass die Impfstoffe auch gegen die Mutationen wirken und sowohl die Ansteckung als auch die Infektiösität Anderen gegenüber nie zu 100% verhindern können, weshalb eben auch Schutzmaßnahmen wie Masken nicht ihren Sinn verlieren. Dass es, wie bei der Grippe, jedes Jahr oder in ähnlichen Intervallen eine Auffrischungsimpfung brauchen wird, ist ebenfalls klar.
    Dass die Impfstoffe, wie Du schreibst, im Eilverfahren zugelassen wurden, stimmt so ebenfalls nicht ganz. Die Zulassungsverfahren wurden in allen Fällen vollständig und mit allen notwendigen Schritten durchgeführt, nur wurde eben darauf geachtet, möglichst schnell zu sein, indem einzelne Schritte schon parallel stattfanden, die sonst, weil mensch ja Zeit hat, nacheinander und teils auch noch mit Pausen dazwischen durchgeführt werden. Hier wurde nichts ausgelassen oder übersprungen, alles ist genauso gut geprüft wie jeder andere Impfstoff aus der Vergangenheit auch, teils waren die Versuchsgruppen sogar überdurchschnittlich groß, so dass umfangreicher getestet wurde als sonst oft üblich.
    Was Langzeitwirkungen anbelangt, weiß mensch ebenfalls, dass es diese nicht geben kann, da ein Impfstoff ganz generell nur sehr kurz im Körper verweilt. Der Impfstoff zeigt dem Immunsystem, worauf es reagieren soll, das Immunsystem macht das. Währenddessen kann es zu Nebenwirkungen kommen. Ist dieser Prozess durchgestanden und der Impfstoff vom Körper verarbeitet und abgebaut, bleibt lediglich der Lerneffekt fürs Immunsystem, ansonsten ist gar nichts mehr da, das irgendwelche Spätfolgen hervorrufen könnte. Das ist bei jeder Impfung so, da bildet die Covid-Impfung keine Ausnahme.
    Dass Genesene trotz der bereits vorhandenen Antikörper geimpft werden müssen, hat den simplen Hintergrund, dass die Antikörper durch eine Infektion sich schneller abbauen als die durch eine Impfung. Die Infektion fungiert quasi wie eine erste Impfdosis, aber aus gutem Grund braucht es bei den meisten Präparaten ja auch zwei Dosen, um den vollen Impfschutz zu haben. Die Antikörper bzw. die Gedächtniszellen werden durch die zweite Impfung oder eben durch die eine Impfung ein halbes Jahr nach Infektion geboostet. Das ist ein total normales und übliches Vorgehen.
    Was die Stärkung des Pflegesektors und des gesamten Gesundheitssystems sowie die in diesem Bereich gemachten Fehler, die Unterstützung von Familien und vor allem einen stärkeren Fokus auf die Entwicklungschancen von Kindern anbelangt, stimme ich Dir zu. Aber dabei steht halt immer das Problem im Raum, Kompromisse zwischen gesamtgesellschaftlichem Schutz und der Förderung der dadurch besonders benachteiligten Gruppen finden zu müssen. Das ist ein dickes Brett und vielleicht bekommt die Politik es nur deshalb nicht vernünftig gebohrt, weil die Situation einfach für alle ein erstes Mal ist, bei dem erfahrungsgemäß Fehler total vorprogrammiert sind. Dass trotzdem viel zu viel schiefläuft – geschenkt, ist leider so, aber außer durch Wahlentscheidungen und Diskursbeiträge haben wir da wenig Einflussmöglichkeiten. Und die Diskursbeiträge lieferst Du ja in vorbildlicher Weise.
    Dass Menschen sich über ihre Impfung freuen und dass andere Menschen ihr entgegenfiebern, verstehe ich sehr gut, daraus würde ich niemandem einen Strick drehen. Und der Ansatz einiger Prominenter, dabei mit gutem Beispiel vorangehen zu wollen und ihre Impfung daher bekanntzumachen, kann ich als vertrauensbildende Maßnahme auch durchaus gut nachvollziehen.
    Natürlich müssen zusätzlich zur Impfkampagne auch andere Wege wie die Entwicklung von Medikamenten gegen die Erkrankung beschritten werden. Aber das passiert mit Sicherheit, nur halt offenbar noch ohne echte Ergebnisse. Momentan ist, wie auch immer wieder von Expert*innen betont wird, die Impfung eben unser einziger und effektivster Weg, der Pandemie die Stirn zu bieten. Also sollten wir diesen Weg so effektiv und umfassend wie möglich nutzen, solange andere Möglichkeiten eben noch in den Kinderschuhen stecken. Dass es so schnell Impfstoffe gab, ist doch ein unglaublicher Segen, gegen den zu wettern ich schon fast als undankbar und anmaßend empfinde. Das unterstelle ich Dir jetzt hier aber ausdrücklich nicht, keine Sorge. Nur fütterst Du mit manchen Deiner Aussagen möglicherweise auch Leute, die das doch tun, und dagegen möchte ich mit diesem viel zu langen Kommentar einen Kontrapunkt setzen.
    liebe Grüße
    Lea

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    1. Danke für deine ausführliche Ergänzung! Ich gehe sehr gern auch noch auf die Punkte ein, die du in deinem Kommentar nennst. An einigen Stellen stimme ich dir zu, an anderen bin ich anderer Meinung. Gerne demnächst, wenn die Kinder mir die Zeit dazu lassen, noch einmal mehr!🙂

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    2. Hier nun auch noch meine Anmerkungen zu deinem Kommentar: Ich möchte die Impfstoffe nicht als unsicher darstellen. Das sind sie vermutlich nicht. Dennoch bleibt es eine Tatsache, dass das Verfahren neu ist. Es wird, anders als bei Tot- oder Lebendimpfstoffen, offenbar keine abgeschwächte oder abgetötete Variante des Virus als „Lernangebote“ an das körpereigene Immunsystem injiziert. Statt dessen greifen die jetzt zugelassenen Impfstoffe in die Proteinbiosynthese der Zelle ein und bringen diese dazu, die coronatypischen Eiweise selbst zu produzieren, gegen die die körpereigene Abwehr dann aktiv wird und dabei „lernt“. Ich finde das z.B. hier gut erklärt.

      Ich bin keine Biologin, aber mir wird deutlich, dass das Verfahren tatsächlich neuartig ist (was per se ja nicht schlecht ist) und es wurde, um die Impfstoffe rasch auf den Markt bringen zu können, die Ausnahmeerlaubnis gegeben, Testphasen nicht auszulassen, aber, wie du sagst, parallel laufen zu lassen. Das heißt konkret aber, dass auch zu Beginn der Phase der Anwendung in der breiten Bevölkerung noch nicht alle Ergebnisse aus der Phase davor vorlagen. Ich finde es verständlich, dass manche unter diesen Umständen Nutzen und Risiko abwägen und sich ggf. (noch) nicht impfen lassen wollen. Und ich bleibe dabei, das darf nicht zu sozialen Nachteilen führen, tut es de facto jedoch, wenn nun bereits Geimpfte „Freiheiten“ erhalten und Ungeimpfte nicht. Das kritisiere ich, auch wenn ich allen, die sich impfen lassen können und wollen, Erleichterungen von Herzen gönne.

      Zu den nicht-medizinischen Folgen der Pandemiebekämpfung kann ich nur sagen: ich teile deine Einschätzung, dabei sei aus Unwissenheit viel schiefgelaufen, inzwischen leider nicht mehr. Das mag im ersten Lockdown der Fall gewesen sein und natürlich gab es auch Bemühungen, Ungerechtigkeiten und negative soziale Folgen zu begrenzen. Aber letztlich ist, scheint es mir, doch eine klare Prioritätensetzung zugunsten wirtschaftlicher Interessen erkennbar und mit Blick auf die Wahl im Herbst diesen Jahres auch zugunsten einer anvisierten Wähler/innenschaft.

      Wie ich bereits in einem anderen Beitrag schrieb: die Pandemie ist (für manche) auch ein Geschäft. Dies wahrzunehmen und wachsam zu kommentieren bedeutet nicht, die ganze Pandemiebekämpfung in Frage zu stellen, ich finde es aber wichtig, darauf hinzuweisen, damit am Ende nicht denen geholfen wird, die finanz- und lobbystark ihre Interessen vertreten können – und die anderen (Kinder, Pflegende, sozial Schwache) unter den Tisch fallen.
      Danke für deine intensive Auseinandersetzung mit meinem Beitrag und herzlichen Gruß, Sarah

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  3. Gut betrachtet und breit abgedeckt, allein die Diskussionen um die „fehlenden Langzeitstudien“ geht mir in der öffentlichen Diskussion immer etwas auf den Zeiger. Ein Impfstoff, der in 2020 erfunden wurde, kann ja nicht langzeiterprobt sein. Das ist doch logisch. Die fehlenden Langzeitstudien lass ich also gern aus der Risiko-Argumentation gelten, aber nicht als vorgeschobenen Grund sich nicht impfen zu lassen. Wenn wir alle auf diese Studien warten würden, dann geht in den nächsten 5 Jahren nichts vorwärts … sondern den Bach runter.
    Ich bin aber voll bei dir, Impfung ist ein Baustein von vielen!

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    1. Danke für deinen Kommentar! Eines bedingt meiner Meinung nach das andere: wäre das Gesundheitssystem nicht bereits seit Jahren kaputtgespart worden, wäre es jetzt nicht von Überlastung bedroht und damit wäre ein Hauptgrund nicht gegeben, der aktuell seitens der Politik als Argument für die Impfung der ganzen Bevölkerung angeführt wird. Aber, klar, gut, dass sich diejenigen, die es möchten, jetzt impfen lassen können. Diejenigen, die es (noch) nicht möchten – aus welchen Gründen auch immer – dürfen meiner Meinung nach aber nicht dazu genötigt werden – auch nicht indirekt über Erleichterungen nur für Geimpfte. Dieser soziale Druck wird sich durch einen digitalen Impfpass o.ä. vermutlich noch erhöhen. Und die Ursachen der Misere (neben dem Virus selbst), nämlich fehlende finanzielle und strukturelle Unterstützung für Pflegende, müssen endlich angegangen werden. Danach sieht es aktuell aber gerade ja nicht aus. Hier werden sogar Kürzungen vorgenommen. Das befremdet mich wirklich.

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    2. Hi Sarah, ich kann die Argumente für sich einzeln gesehen nachvollziehen, die kausalen Ketten will ich aber nicht unterstützen. Das Virus hat alle Gesundheitssysteme der Welt erwischt. Ob nun hochentwickelt (Welches eigentlich?) oder kaputtgespart (Stichwort UK) bzw. nie existent (Stichwort USA). Alle Länder „müssen“ impfen, auch die mit guten Gesundheitssystemen. Ganz einfach weil 8 Milliarden Menschen mit Rücksicht, Verzicht und Disziplin schlichtweg überfordert sind, bzw. auf Stundenlohn/ Tagesbasis Geld verdienen müssen, weil es da eben kein KUG oder Harz IV gibt. In Deutschland verreckt noch keiner auf der Straße, hier mangelt es nicht an Gasflaschen und hier schwimmen auch keine Wasserleichen den Rhein hinab (Stichwort Indien).
      Nicht Geimpfte sollen nicht bestraft werden, da bin ich ja dabei, aber ich werde mich vollständig zu Ende impfen lassen und ich habe keine Lust noch drei Jahre in Einzelhaft zu arbeiten/zu leben weil eine ausreichende Immunität nicht zu Stande kommt.

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  4. Du hast sehr recht und man sollte alle Wege weiterverfolgen. Insbesondere Covid-19-Behandlungen. Dennoch bin ich um Erleichterungen für Geimpfte happy, weil ich mich so zum Beispiel tatsächlich mit zwei Freundinnen treffen kann. Weil die eine geimpft ist, zählt sie nicht als Kontakt mit und man darf sich zu Dritt treffen ❤ Mir fehlt das Soziale wirklich sehr und daher freue ich mich, dass es endlich wieder möglich sein wird, sich zu sehen. Ich selbst habe mich ja auch für eine Impfung entschieden und werde ab August geschützt sein. Mein Beweggrund war das Eindämmen der Pandemie, damit wir bald alle normaler leben können. Geimpft oder ungeimpft. Der Schutz ist dann durchaus da, muss allerdings aufgefrischt werden.

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  5. Liebe Sarah,
    seit Januar hat es neue Erkenntnisse gegeben bezüglich des Fremdschutzes, er ist nicht 100%, aber doch so gut, das Geimpfte nicht mehr maßgeblich zur Verbreitung beitragen (Genaueres findet man auf den Seiten des RKI, ich erspare uns eine Link-Schlacht)
    Diese neuen Erkenntnisse reflektiert der erste von dir aufgegriffene Link noch nicht, in deren Licht sieht aber für mich vieles anders aus.
    Tja, auf dem Laufenden bleiben ist in der Pandemie ein Fulltime-Job.

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    1. Danke für die Ergänzung! Ja, die letzten Monate haben uns alle zu Hobbyvirolog/innen werden lassen… Füge den Link zum RKI hier dennoch ein, vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen und mir persönlich geht es vor allem darum, dass ich getroffene Entscheidungen nachvollziehen kann. Das Alphabet an Regelwerk ist damit auch bald komplett: nach AHA und L nun die drei Großen G „Geimpft, Getestet und Genesen“. Deutschland bleibt das Land der Dichter und Denkerinnen, die täglich neuen Regel- und Wortschöpfungen lassen keinen Zweifel daran…😉

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  6. Ich persönlich habe mich nicht impfen lassen, um etwas wieder zu „dürfen“, sondern um es wieder zu wollen. Nicht alles, was erlaubt ist, ist sicher und nicht alles, was verboten ist, gefährlich. Unsere Pandemiebewältigung ist ja ein Narrenschiff, eh klar.
    In meinem Alltag überlege ich nicht in erster Linie, was ich gerade darf, sondern welches Risiko ich einzugehen bereit bin. Ich riskiere hier und da mal einen Strafzettel, eine Infektion versuche ich aber zu vermeiden, indem ich mein Bauchgefühl und meinen Kopf nutze 😉

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