alleinerziehend, Familie, Gesellschaft

R.E.S.P.E.C.T! [Beitrag zur Blogparade von lydiaswelt.com]

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Stell dir vor, ich ziehe für zehn Minuten meinen ordentlichen blauen Wollpullover aus und meine graumelierten Jeans –

RESPECT! [Ri:spekt!] 

Mit der brüchigen Coolness unterprivilegierter Jugendlicher schleudere ich dir das Wort entgegen:

„RESPECT!“

Als nicht gerade unterprivilegierte Akademikerin Ende 30 weiß ich, Respekt, lateinisch re-spectare, will eines: den Blick zurück in die Augen, die Anerkennung „Ich sehe dich!“

In dem Sinne fordere ich:

RESPECT für alle Mütter, die 365 Tage im Jahr Windeln wechseln, Vokabeln abfragen, neue Schuhe und Jacken und Schulbücher kaufen, Nasen und Popos ihrer Kinder abwischen, trösten, ermutigen, ermahnen, morgens um sieben mit Kuscheltieren spielen und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn auf die Frage: „Wie war’s?“ nur die Antwort „hmpf“ erfolgt.

RESPECT für alle Allein- und Getrennterziehenden, die NICHT über ihre Expartner herziehen, sie vor ihren Kindern nicht schlecht machen, nicht mit Zähnen und Klauen um ihr Recht kämpfen und ihren eigenen Anteil an all dem Streit nie sehen wollen.

RESPECT für alle Mütter und Väter, die „Danke“ und „Bitte“ zu ihren Kindern sagen, statt ihnen ein „Bedank dich!“ zu befehlen.

RESPECT auch für jeden und jede, die offen sagt: „Ich kann nicht mehr. Bitte hilf mir!“ In einer Gesellschaft, die körperliche und seelische Leistungsfähigkeit anbetet wie säkulare Götter.

RESPECT für alle Eltern, die tatsächlich neue Wege suchen, Familie und Beruf zu vereinbaren, Mütter in Vollzeit und Väter zuhause, oder die ganz andere Modelle wagen, z.B. Lebens- und Fürsorge-Gemeinschaften unter Freunden mit Kind.

Utopien versuchen

RESPECT für alle, die mutig genug sind, ein bisschen Utopie zu leben in ihrem Leben. Für die einen bedeutet das den Verzicht auf die Plastiktüte beim Bäcker, für die anderen, ganz neue Wege zu gehen, beruflich oder privat. Noch einmal anzufangen und sich den großen Fragen zu stellen: „Wozu bin ich da in der Welt?“ „Was kann ich wirklich?“ „Was macht mich glücklich – und nicht nur mich allein?“

RESPECT für alle, die sich nicht selbst optimieren wollen, sondern tatsächlich wagen, sie selbst zu sein.

RESPECT auch für alle, die abends und nachts, im Schichtdienst und für einen Mindestlohn arbeiten, um sich – und ihre Kinder – über die Runden zu bringen. Für alle, denen kaum Zeit für die großen Gedanken bleibt, weil das tägliche Klein-Klein die Energie auffrisst.

RESPECT für alle, die trotzdem versuchen, für mehr als nur für sich selbst da zu sein.

Was heißt Respekt für dich? 

Respekt: Anerkennung, Wertschätzung, Hochachtung. Ein bisschen erschöpft stehe ich da, mit den vielen Bällen, die ich als berufstätige, getrennt erziehende Mutter jeden Tag in der Luft zu halten habe. Große Ideale sind im Alltag nicht immer leicht zu vertreten.

Aber den Blick in meine Augen, respektvoll, mit Anerkennung, den kann auch ich mir selbst immer wieder schenken.

RESPECT. Ja, ich sehe – und achte – mich.

Und ich achte auch dich.

Herzlichen Dank, liebe Lydia, für deine inspirierende Blogparade und herzliche, wertschätzende Grüße euch allen, Sarah

PS. Ist Respekt für dich ein eher negativ oder positiv besetzter Begriff? Wem zollst du Respekt und von wem oder in welcher Situation wünschst du dir ihn? Ich freue mich über eure Kommentare! 🙂

[Foto: Pixabay]

3 Gedanken zu „R.E.S.P.E.C.T! [Beitrag zur Blogparade von lydiaswelt.com]“

    1. Oh, danke für deinen Kommentar! Dann schaue ich mir bei nächster Gelegenheit deinen Text auch gern an! Ich finde das auch immer das Tolle an Blogparaden: ein Thema und so viele unterschiedliche, oft inspirierende, Gedanken dazu!🙂 Lg, Sarah

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