Hochsensibilität, Persönliches

In welcher Farbe leuchtest du? Ein Gedanken-Experiment

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Stell dir vor, es gäbe einen Filter, der Wesenszüge als Farbton darstellen würde. Optimismus erstrahlte z.B. in Nuancen von Gelb – das heißt, alle Menschen um dich herum, inklusive dir selbst, variierten farblich von zartem Blassgelb (= eher pessimistisch) bis hin zu leuchtendem Sonnengelb (= durch und durch optimistisch). Dasselbe Prinzip gälte für Charaktereigenschaften wie Verlässlichkeit, Ehrgeiz, Ordnungssinn oder Kooperationsbereitschaft. 

Farbcheck beim ersten Date

Mal angenommen, Verlässlichkeit zeigte sich in Blau-Nuancen: würdest du den himmelblauen Luftikus mit ähnlichem Wohlwollen betrachten wie deine dunkelblau gefärbte, grundsolide Verabredung? Vielleicht würde Herr oder Frau „Unzuverlässigkeit“ dafür in leuchtendem Gelb erstrahlen. Also ungetrübter Optimismus für den Preis der ein oder anderen „vergessenen“ Verabredung? Oder Verbindlichkeit mit Hang zur Melancholie?

Tatsächlich reagieren wir in beruflichem wie privatem Rahmen stark auf die Wesenszüge unseres Gegenübers. Da spricht uns jemand aufgrund seines großen Ehrgeizes an – oder eben gerade nicht. Und nur zu oft klagen wir nach einiger Zeit: Hätte ich früher gewusst, dass er oder sie so sturköpfig/ unentschlossen/ trübsinnig, etc. ist, hätte ich mich auf ihn oder sie nie eingelassen. 

Auch wir sind bunt gefärbt

Natürlich machen wir es uns zu leicht, wenn wir dabei nur den anderen betrachten. Insofern wäre ein solcher Farbfilter als Mittel der Selbsterkenntnis auch für uns aufschlussreich: „Was, wir leuchten in tiefstem Sonnengelb? So optimistisch hatten wir uns bisher gar nicht empfunden.“ Oder aber: „Oha, unser Farbton in Bezug auf Ehrlichkeit ist nur blassgrün. Womöglich haben wir uns da selbst belogen?“ Passt für uns, was wir auf einmal deutlich sichtbar vorgehalten bekommen? Oder erschrecken wir, reagieren mit Abwehr, Ungläubigkeit oder gar Scham auf das, was uns der Farbfilter zeigt? 

Im besten Fall wäre uns – mit Blick auf unsere Freunde, unsere Lebensgefährten oder andere von uns geschätzte (oder auch gerade nicht geschätzte) Menschen in unserem Umfeld – das ein oder andere Aha-Erlebnis sicher: „Wie interessant: Hier zieht mich wohl der Ordnungssinn an, den ich an mir selbst nur in blassester Nuance wahrnehmen kann!“ Oder: „Kein Wunder verstehen wir uns so gut, sind wir doch beide leuchtend abenteuerlustig gefärbt.“

Nicht zuletzt könnten wir wahrnehmen: „Ich bin umgeben von lauter Menschen, die ganz ähnlich ticken wie ich.“ Oder aber: „Um mich herum scheint keine/r wie ich zu sein!“ Was macht das mit uns? Fühlen wir uns damit wohl? Gefällt uns die Exklusivität, „anders“ zu sein oder wünschen wir uns mehr Ähnlichkeit mit den Menschen um uns herum? Und nicht zuletzt: nach welcher Farbe – ergo Charaktereigenschaft – halten wir bei anderen zuerst Ausschau? Und was interessiert und beschäftigt uns an uns selbst am meisten? 

Farben, die nicht zu verstecken sind

Schließlich mögen sich unsere Farbnuancen im Verlauf der Zeit ändern – und ändern mag sich auch, worauf wir bei anderen achten. Vielleicht verstärkt sich in uns der Farbton der Kooperationsbereitschaft – oder wir nehmen umgekehrt wahr, dass wir immer weniger kompromissbereit werden. Zugleich lassen sich diese Farben nicht so leicht verstecken. Was macht diese Ehrlichkeit mit uns? Fühlen wir uns durch sie erleichtert – oder erschreckt? Wie sehr schätzen, bzw. akzeptieren wir unsere ganz individuelle „Buntheit“? 

Wieder monochrom

Tataa – nun sind wir äußerlich wieder „monochrom“, unsere Charakterfarben sind nicht mehr für alle sichtbar. Schritt für Schritt, dürfen – und müssen – wir andere wieder kennen lernen, uns über den Austausch mit ihnen und gemeinsame Erfahrungen ganz langsam ihrem wahren Wesen nähern. Und auch unsere eigenen Wesensfarben bleiben uns erst einmal verschlossen. Wie fühlt sich das an: Bedrohlich? Erleichternd? Beglückend? Fremd?

Wie gefällt dir dieses Gedankenexperiment? Was sind deine eigenen Wesensfarben? Wie immer freue ich mich über eure Kommentare!

Herzlich, Sunnybee

[Foto: Pixabay]

4 Gedanken zu „In welcher Farbe leuchtest du? Ein Gedanken-Experiment“

    1. Hallo Tilman,
      schön, wieder einmal von dir zu lesen! Zu deiner Antwort fällt mir allerdings gerade nichts psychologisch oder sonstwie Scharfsinniges ein.😉 Vielleicht nur, dass eine meiner Lieblingsfarben der intensive bläuliche Schimmer ist, der sich zuweilen abends in der „Blauen Stunde“ über alles legt. Gerade jetzt im heißen Sommer zu beobachten, wo tagsüber die Sonne die sonst grünen Rasenflächen zu trockenem Beige verbrennt… Viele Grüße, Sunnybee

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