Gesellschaft, Kunst

Wo Mut die Seele trägt

C4D58CEB-88F0-48A4-952E-A86052A7D720

Wer sind die afghanischen Frauen, die die Taliban unter den Tschador gezwungen haben? Nahid Shahalimi, Autorin dieses Buches, ist selbst Afghanin. Mit 12 Jahren musste sie aus ihrem Heimatland flüchten und lebt nach mehreren Jahren in Kanada nun in Deutschland. Als erwachsene Frau kehrt sie in das Land ihrer Kindheit zurück, bereist es fast drei Jahre lang und bringt die „Fundstücke“ mit, die in diesem Buch versammelt sind. 

20 mit zahlreichen Fotografien versehene Portraits starker afghanischer Frauen zwischen 16 und Ende 60 finden sich hier: Ein Mädchen, das sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Flüchtlingskindern einsetzt, eine Psychiaterin, die sich in einer Klinik in Kabul der Seelen psychisch- und suchtkranker afghanischer Frauen annimmt und eine der wenigen aktiven Pilotinnen Afghanistans sind nur drei davon. Beeindruckende Frauen, die das (westliche) Klischee der „unterdrückten afghanischen Frau“ erschüttern und doch täglich mit den Folgen der Kriege in ihrem Land und der Kontrolle der fundamentalistisch-religiösen Machthaber konfrontiert sind.

Ein Beleg, dass Stärke sich oft dort zeigt, wo sie gerade nicht gefördert wird. Einziger Wermutstropfen: manchmal hätte ich mir als Leserin gewünscht, noch mehr von den einzelnen Frauen, ihren Beweggründen und biografischen Stationen zu erfahren. Obwohl die Portaits mehrere Seiten lang sind, öffnen sie teilweise erst die Tür zu der Persönlichkeit der Frauen. Doch auch so ist dieses Buch, das Shahalimi durch ihren eigenen Mut und ihre Wissbegier möglich machte, unbedingt lesenswert!

Leseprobe: 

„Die internationalen Medien vermitteln ein falsches Bild der afghanischen Frauen. Wir sind nicht zu Hause angebunden. Wir engagieren uns aktiv in der Gesellschaft. Ja, es gibt Gewalt und Unterdrückung von Frauen, aber es gibt auch großartige Frauen, die mutig voranschreiten und engagierte Mitglieder der afghanischen Gesellschaft sind.“ (Zarifa Adiba, afghanische Musikerin)

Nahid Shahalimi: Wo Mut die Seele trägt. Wir Frauen in Afghanistan. Elisabeth Sandmann-Verlag.

Kunst, Persönliches

Pepe und Lolo

972BD0A3-607E-48DA-BB76-28796365BB7B
(C) Pepe und Lolo

Pepe ist schüchtern und wäre am liebsten unsichtbar, damit ihn auf der Straße niemand anspricht. Lolo ist laut, fröhlich, mit leuchtend grünem Kleid und roten Lippen. Pepe wohnt am einen Ende der Stadt, Lolo am anderen; in der Mitte des Buches begegnen sie sich und beginnen ihre gemeinsame Geschichte.

Eine Erwachsenliebesgeschichte in einem Kinderbuch, erzählt in halb gemalten, halb collagenartig zusammengefügten Bildern. Die Farbpalette ist ungewöhnlich dunkel für ein Kinderbuch in bordeauxrot, olivgrün und ocker. Eine leichte Melancholie zieht sich durch das Werk und zugleich laden die wunderschön, ein wenig surreal gestalteten Seiten, ebenso wie der poetische Text, zum Lesen und Verweilen ein.

Leseprobe: 

„Pepe mag Schnecken. Wenn er eine entdeckt, hockt er sich hin und erzählt ihr, was er heute kochen will. Oder was er gestern im Radio gehört hat. Oder warum ihm nach weinen zumute ist. Und bei Regen hält er seinen Schirm über die Schnecke, damit sie hören kann, wie die Tropfen darauffallen.“

Elisabeth Steinkellner und Michael Roher: Pepe und Lolo. Picus-Verlag. (Ab 4)