
Dieses Jahr war ich mit meinen Söhnen (knapp 3 und 7) für eine Woche auf einer Familienfreizeit. Workshops für die Erwachsenen, Spiel- und Bastelangebote für die Kinder, alles in einem Seminarhaus in malerisch ländlicher Lage. Klang gut. Mein Fazit danach? Lest ihr hier.
Alleinerziehend im Urlaub: Die Verantwortung bleibt bei dir
Um es auf den Punkt zu bringen: reist du allein mit deinen Kindern, nimmt dir die Verantwortung auch während dieser Zeit niemand ab. Eine Kinderbetreuung für einige Stunden am Tag kann eine Entlastung sein, aber auch nur, wenn das Angebot altersgerecht ist und die Chemie zwischen deinen Kindern und den Betreuer/innen stimmt. Du solltest dich zudem darauf verlassen können, dass das Team während der vereinbarten Betreuungszeit auch tatsächlich die Aufsichtspflicht wahrnimmt. Gerade bei Kindern unter drei ist es doch ein komisches Gefühl, wenn dein Kind, wenn du es abholen möchtest, statt bei den Betreuer/innen irgendwo anders auf dem Gelände unterwegs ist und keiner so recht weiß, wo.
Was wirklich hilft: andere Eltern, die ein Auge auch auf dein(e) Kind(er) haben – und du umgekehrt auf ihre. Väter oder Mütter, die es genießen, ihre Freizeit mit deinen und ihren Kindern kreativ zu gestalten – weil sie im Alltag vielleicht viel weniger Zeit mit ihrem Kind verbringen. Dazu Menschen, die wissen, was es heißt, täglich (allein) die Verantwortung für ein oder mehrere Kinder zu tragen. Die sich mit dir freuen, wenn dein Kind fröhlich ist – und nicht die Augen verdrehen, wenn es einen Wutanfall bekommt.
Alles so erlebt in dieser Woche – und damit eine tolle (gemischte) Erfahrung. Mal mit dem Gefühl, allein gelassen zu werden, mal mit dem stärkenden Gefühl, dass die Gemeinschaft doch trug.
Gemeinschaft stärkt – und fordert
Eine weitere sehr positive Erfahrung, die ich machen durfte, war die der Gemeinschaft unter den anwesenden Familien. Es waren nicht nur Paarfamilien mit ihren Kindern da, bei manchen reiste auch die Großmutter mit, es gab mehrere Alleinerziehende oder allein reisende Mütter und sogar eine ältere Frau ganz ohne Kinder, die, wie sie sagte, im Urlaub bewusst das lebendige Zusammensein mit Familien genoss. Dazu Kinder und Jugendliche zwischen 2 1/2 und 17 Jahren. Diese Vielfalt empfand ich als echte Bereicherung. Sie schuf neue Perspektiven. Gegenseitige Unterstützung und Fähigkeiten, die sich oft wunderbar ergänzten.
Zugleich hatten wir entsprechend des Konzepts des Hauses alle kleine Aufgaben wie die Zubereitung des Frühstücks oder des Abendessens. Für 22 Menschen morgens ein Frühstück zuzubereiten, den Tisch zu decken und wieder abzuräumen, noch bevor ich selbst richtig wach war, fühlte sich, ehrlich gesagt, nicht wie Urlaub an. Aber auch da wuchs die Aufmerksamkeit füreinander während der gemeinsam verbrachten Tage. Während die einen – meist diejenigen ohne oder mit größeren Kindern – mehr in der Küche übernahmen, konnten sich diejenigen mit noch kleinen Kindern mehr auf diese konzentrieren. Und wenn Zeit und Gelegenheit dazu war, halfen alle mit.
Ich merkte: Ging es mir gut, ging es auch meinen Kindern gut – und umgekehrt
Schließlich merkte ich: meine Stimmung – Anspannung, Überforderung, aber umgekehrt auch Entspannung und innere Ruhe – übertrug sich fast 1:1 auf meine Kinder. Die neue Umgebung, die vielen unbekannten Menschen, waren für meine zwei in den ersten Tagen fast zuviel. Vor allem mein Kleiner folgte mir buchstäblich auf Schritt und Tritt.
Zugleich merkte ich nach einiger Zeit: Sie fanden sich zurecht, eroberten den neuen Raum, knüpften zarte Freundschaften. Am dritten Tag wollte mein Kleiner tatsächlich mit einem neuen Freund und dessen Familie in einem Zelt übernachten, das die drei auf dem Seminargelände aufgebaut hatten. Ich staunte. Und merkte: Auch als Mutter brauchte ich meine Zeit, traute ich mich noch nicht, ihn mit erst knapp drei Jahren in der Form über Nacht loszulassen – auch wenn er selbst felsenfest überzeugt war, sich in dieses Abenteuer stürzen zu wollen.
Meine Kinder wurden also ein ganzes Stück selbstständiger während dieser Tage. Auch ihr Umgang miteinander wandelte sich. Jeder von ihnen fand seinen Platz, fand sein eigenes Terrain – und ich hatte das Gefühl, dieser Raum tat ihnen gut. Ich selbst genoss die tief gehenden und herzlichen Gespräche mit anderen Eltern, die Natur, das Draußensein, wenig Zeit am Handy und das Gefühl, nicht alles allein machen zu müssen. Wie schön, die beiläufige Aufmerksamkeit: „Ach warte, iss zu Ende, ich bringe deinem Kind rasch noch eine Scheibe Brot!“
Im Ganzen eine sehr schöne, stützende und bestärkende Erfahrung – auch, weil ich selbst gut für mich sorgte, meine zeitweise Überforderung annehmen, um Unterstützung bitten, für mich Erholungsräume schaffen konnte. Mit einigen der Eltern habe ich Nummern getauscht, möchte den Kontakt gern pflegen. Wie schön, zu merken, dass Mut sich immer wieder lohnt und der Aufbruch zu neuen Wegen – wie hier für mich, in Form meines Urlaubs, zum ersten Mal allein mit zwei Kindern. Mein Fazit: Es war eine schöne, in vielerlei Hinsicht spannende Zeit – und hat uns allen gut getan!
Was war deine letzte besondere Urlaubserfahrung oder Unternehmung, gemeinsam mit deinen Kindern? Schreib mir gerne davon in dem Kommentaren!
Herzlich, Sarah Zöllner (mutter-und-sohn.blog)
Die Autorin ist freie Journalistin, Autorin für Familien- und Gesellschaftsthemen sowie Mutter eines Kindergarten- und eines Grundschulkindes.
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[Foto: privat]
