Kunst, Persönliches

Die irrste Katze der Welt. Wie alles begann.

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Was ist ein kleiner Elefant, der sich für eine Katze hält? Oder eine Katze, die zufällig einem Elefanten zum Verwechseln ähnlich sieht?

In der Menschenwelt würde man so etwas dissociative identity disorder nennen. In Gilles Bachelets absurd komischem Kinderbuch ist dieser Elefant die „irrste Katze der Welt“…

Ganz nach Katzenmanier schmust er und döst vor sich hin, versucht den Goldfisch aus seinem Bassin zu angeln und zerfetzt sein Kuscheltier – um sich am Ende in die Gummikarotte des Nachbarhundes zu verlieben…

Funk statt Fuji

Die Zeichnungen erinnern mit ihren zarten Linien und der harmonischen Farbgebung an japanische Landschaftsmalerei. Aber statt des Fujis geht hier der Funk ab – seit das Elefantatzentier das Zuhause des Künstlers in Beschlag genommen hat, ist dort nichts mehr, wie es einmal war…

Ein herrlich absurder Spaß für große Leserinnen und Leser und ihre kleinen Zuhörer und Zuhörerinnen! 🙂

Leseprobe: 

„Was gibt es Rührenderes als einen Wurf Kätzchen, die ihre kleinen Rüssel auf der Suche nach der Muttermilch hin und her bewegen? Wenn Ihnen bei einem solchen Anblick das Herz aufgeht, lassen Sie sich hier erzählen, wie eines von ihnen, komme was wolle, meine liebste, dickste und irrste Katze der Welt wurde.“

Gilles Bachelet: Die irrste Katze der Welt. Wie alles begann. Gerstenberg Verlag. (Ab 3)

Kunst, Persönliches

Philip und sein Fluß

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(C) Philip und sein Fluß

Manche Großeltern gehen mit ihren Enkeln Eisessen. Andere zimmern Baumhäuser. Philips Großvater schenkt seinem Enkel – einen Fluss. Gemeinsam begleiten die beiden „ihren“ Fluß von der Quelle bis zu der Stelle, an der er zum Bach wird, zum Strom und schließlich ins Meer mündet. 

Das Kinderbuch „Philip und sein Fluß“ beschreibt ihre Erlebnisse in ruhiger, klarer Sprache. Die an naive Malerei erinnernden Bilder ergänzen die Erzählung. Besonders gefällt mir, dass sich der Text nicht bemüht, ‚kindgerecht’ zu sein, sondern in komplexer Weise Sinneseindrücke und Gedanken der beiden Entdecker wiedergibt. Eine Referenz an die Schönheit der Natur und an die ganz besondere Beziehung zwischen einem Großvater und seinem Enkelkind.

Leseprobe: 

„‚Wollen wir die Quelle suchen?‘ fragt der Großvater. Sie steigen über große Steine und kleine Steine. Sie steigen über eine umgefallene Tanne. Sie steigen über einen kleinen Tümpel. Auf dem Tümpel laufen Wasserläufer. Sie laufen sehr schnell mit ihren dünnen Beinen. Eine Brombeerranke kratzt Philip am Knöchel. Ein spitzes Steinchen sticht seine Fußsohle. Die Sonne brennt. Philip ist nicht mehr sicher, ob er noch zur Quelle will. Aber der Großvater nimmt seine Hand, und sie steigen weiter. Plötzlich stehen sie vor einer hohen Tanne. Unter ihren Wurzeln sprudelt die Quelle aus den Steinen. […] Philip schnippt Quellwasser in die Luft. Die Tropfen leuchten und glitzern. Plötzlich schimmert ein Regenbogen in dem dünnen Wasserstrahl. ‚Unsere Quelle‘, sagt Philip. ‚Deine und meine. Weil wir sie gefunden haben.‘“

Pieter Kunstreich und Renate Welsh: Philip und sein Fluß. Ravensburger-Verlag.  (Ab 4)

 

Kunst, Persönliches

Tolle Nachbarn

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(C) Tolle Nachbarn

In Schafstadt geht es gesittet zu: der Polizist dreht seine Runden, alle Nachbarn sind in ihrem jeweiligen Zuhause, Frau Spätzle fegt, Frau Schopf schimpft, weil die Nachbarn über ihr ihren Teppich am offenen Fenster ausklopfen. Alles sehr ordentlich, alles ziemlich grau. Das ändert sich, als die ersten neuen Nachbarn einziehen: ausgerechnet Familie Wolf knattert mit Motorrad samt Beiwagen ins Viertel… Helle Aufregung unter den Schafen! Von Seite zu Seite wird die Nachbarschaft bunter, Familie Affe zieht ein und pflanzt Kletterranken, die Löwes spielen Pingpong auf der Dachterrasse, aus dem Kurzwarenladen am Eck wird die „Bar zum Krokodil“. Das Leben verlagert sich von den Wohnungen auf die Straße, es wird geredet, gelacht, gegessen und gefeiert.

Ein Such- und Wimmelbuch für Kinder, und für Erwachsene eine Parabel mit feinem Humor, darüber, dass Nachbarschaft mehr sein kann als Kehrdienst und eingehaltene Ruhezeiten. Tolle Nachbarn, tolles Buch – in der Tat!:-)

Leseprobe:

„Panik im Viertel! Alle meine Nachbarn kriegen Angst! „Der Wolf ist da! Der Wolf ist da!“, schreit Herr Sesselpups und rennt panisch davon. „Marsch, ihr geht jetzt sofort in die Schule!“, befiehlt der Lehrer, doch seine Schüler finden es hier viel spannender. Und ich bin begeistert: Familie Wolf zieht nämlich in die Wohnung direkt unter mir ein. Endlich mal was Neues!“

Helene Lasserre und Gilles Bonotaux: Tolle Nachbarn. Jacoby&Stuart-Verlag. (Ab 2,5)

Kunst, Persönliches

Der fliegende Hut

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(C) Der fliegende Hut

Ein Windstoß weht den fliegenden Hut vom Kopf eines kleinen Jungen – von wo aus er über die nächsten Seiten von Kopf zu Kopf wandert, durch alle Jahreszeiten hindurch, in Schnee, Sonnenschein und Regen. Da apportiert ihn ein Hund zu seinem Frauchen, dem er von einem Affen im Zoo geklaut wird, dessen Pfleger den Hut dann an sich nimmt. Der wiederum fährt mit Hut per Bahn nach Hause, kommt dort aber ohne Kopfbedeckung an, denn… am Ende findet der fliegende Hut zu seinem Besitzer zurück – aber bis dahin hat er ein lange, bunte Reise hinter sich gebracht!

Klare, farbenfroh gemalte Bilder, keinerlei Text –  und dennoch eine wunderbar phantasievolle, erzählbare Geschichte. Mit diesem Buch kommen Mama oder Papa, Oma oder Opa und die kleinen Leser/innen tatsächlich ins Gespräch: fragen nach, schauen hin, wundern sich und erklären. Ein „Bilderbuch“ im eigentlichen Sinn, meiner Meinung nach nicht umsonst mit dem Hans-Christian-Andersen-Kinderbuchpreis ausgezeichnet.

Leseprobe: 

gibt’s hier nicht, da ohne Text!;-)

Rotraut Susanne Berner: Der fliegende Hut. Aladin-Verlag. (Ab 2)

Kunst, Persönliches

Armstrong

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(C) Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond

Armstrong ist mutig, blitzgescheit, ein brillanter Erfinder und Revolutionär der Raumfahrt. Er ist der erste, der seinen Fuß auf den Mond, den bis dato uneroberten Trabanten der Erde, setzt. Und: er ist eine – Maus.

Zumindest, wenn man dem wunderbaren Kinderbuch „Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“ Glauben schenkt. Die sprühend fantasievoll und zugleich fotografisch exakt gezeichnete Geschichte erzählt diese (fast) unglaubliche Geschichte der ersten Maus auf dem Mond. Dabei wird die menschliche Luft- und Raumfahrtgeschichte quasi ‚en passant’ umgeschrieben und aus Mäuseperspektive neu erzählt. Eine wirkliche Entdeckung für große und kleine Leser/innen, Technikbegeisterte und angehende Astronautinnen!

Leseprobe:

„Natürlich gab es ein paar Menschen, die von der kleinen Mondmaus wussten. Sie hieß also genau gleich wie der erste Mensch auf dem Mond. So war sichergestellt, dass niemand aus Versehen das Geheimnis verraten könnte. Wann immer die Rede vom ersten Besucher auf dem Mond war, hieß es einfach nur: Das war Armstrong.“

Torben Kuhlmann: Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond. Nord/Süd-Verlag. (Ab 3)